Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Ich spürte, wie Siv unruhig wurde, während ich selbst den Anschein gab, die Ruhe in Person zu sein. Sie schien nicht nachvollziehen zu können, was mich dazu bewog, mich zu entschuldigen. Ich musterte sie stumm. "Nein", sagte ich. "Es ist nicht dein Fehler." Meine Kehle schien plötzlich ausgedorrt zu sein. Ich angelte meinen Weinbecher, trank jedoch nichts und stellte ihn dann wieder fort. Ich musste mich zügeln. So viel Wein wie in der letzten Zeit hatte ich selten getrunken. So fuhr ich mir stattdessen über die Lippen und legte die Arme auf die Sessellehnen. "Ich habe viele Fehler, Siv, ich weiß das. Aber es war nicht recht, das mit dir. Vor Germanien. Und wie ich dich behandelt habe, als ihr zurück wart. Das war nicht angemessen. Und es tut mir aufrichtig leid. Ich war...ich habe mich hineingesteigert." Ich blickte zum Schreibtisch hinüber, wo der unbeschriebene Papyrus lag. "Celerina ist erfrischend. Sie ist alles andere als langweilig, und vielleicht ist es das, was eine Ehe mit ihr harmonisch werden lässt. Aber ich liebe sie nicht." Ein Schlucken, der Gedanke an mehr Wein, den ich beiseite drängte. Seltsam, wie gut es tat, darüber zu reden.


    Mit dem Daumen der rechten drehte ich den Senatorenring am Ringfinger, ein beinahe unverkennbares Zeichen, dass es mich beschäftigte, was ich sagte. "Du warst nicht dumm. Du warst nur ehrlich." Jetzt sah ich Siv an, ließ noch einen Moment verstreichen. "Ich war es nicht." Mein Kopf rauschte, so sehr drehten sich die Gedanken darin, immer schneller fegten sie dahin. Ein dünnes Stimmchen höhnte piepsend wegen einer Entschuldigung bei einer Sklavin, doch es ging recht schnell unter in den dahinrasenden Geadnken. Es klopfte plötzlich, jemand fragte ob er eintreten durfte, doch ohne den Blick von Siv zu lassen, wies ich denjenigen schroff ab. Es war wichtig, dass wir dieses gespräch hier und jetzt zu Ende führten. Ohne Unterbrechung.

    Mit dem Weinbecher in der Hand stand ich vor dem Fenster und sah hinaus in den Garten. Blätter fielen scheinends kontinuierlich auf den Boden, Dina und Sofia waren damit beschäftigt, Laub zusammenzuharken, wobei sie beständig am Plappern waren. Ein Klopfen lenkte meine Aufmerksamkeit wieder in den Raum zurück. Ich bat Siv herein, denn um wen sollte es sich sonst handeln? Schnell trank ich noch einen Schluck Wein, ratlos, wie diese Szenerie nun weitergehen sollte. Das Rascheln von Kleidung war zu vernehmen, dann das Schließen der Tür. Darüber hinaus blieb es still. Siv stand bei der Tür. Ich wandte mich um, den Becher wie einen letzten Anker in der Hand haltend, und musterte sie eine geraume Weile.


    Siv sah hundsmiserabel aus. Zum ersten Mal schien mir richtig aufzufallen, dass sie sehr dünn war, und kreidebleich noch dazu. Ihre Augen waren, soweit ich das beurteilen konnte, da sie gen Boden blickte, verheult. Eine Falte entstand auf meiner Stirn, ich presste die Lippen ein wenig zusammen. Siv wirkte heruntergekommen und kläglich, und sie musste nachts im Garten gefroren haben wie ein Schlosshund. Ich ahnte nicht, ich wusste, warum sie sich so gehen ließ, und dennoch schockierte es mich. Ebenso, wie es mir leid tat. Ich stellte den Weinbecher auf den Tisch und ging ihr langsam entgegen. Die toga hatte ich nach der salutatio am Morgen gleich wieder abgelegt. Auf halbem Weg entschied ich mich anders und schwenkte ab, um mich in einen Sessel zu setzen. Kurioserweise dachte ich an den Abend mit Cadhla, der so anders verlaufen war als ich das geplant hatte, deswegen aber nicht minder interessant gewesen war. Ich verscheuchte den Gedanken und sah zu Siv hin, die immer noch an der Tür stand. "Setz dich", sagte ich und wies auf einen zweiten Sessel. "Bitte." Wie eine Puppe schien sie meiner Bitte nachzukommen. Ich folgte ihr mit den Augen, doch sie erwiderte den Blick nicht.* Der Ausdruck auf meinem Gesicht war nun ernsthaft besorgt, mein schlechtes Gewissen schien mich zu verschlingen. Sie war nur eine Sklavin, das sagte ich mir wieder und wieder, aber mit jeder Widerholung wirkte diese Versicherung halbherziger. Ich durfte nicht nachgeben, und doch war es das, was ich eigentlich wollte. Ein wenig Frieden finden in dieser Zeit des Wandels meines Lebens und der korrupten cultus-Mitglieder.


    Wieder musterte ich sie lange. Wie konnte ich ihr helfen, ohne selbst Gefahr zu laufen, mich wieder in Dinge zu verstricken, die ohnehin nur zu Problemen führen würden? Ich musste neutral bleiben, durfte nicht erkennen lassen, dass es mich sehr wohl beschäftigte, wenn es Siv nicht gut ging. Nachdenklich rieb ich meine Schläfe, brach schlussendlich das Schweigen. "Brix sagt, du seist krank." Wenn eine Reaktion hierauf kam, so entging sie mir. "Er möchte einen medicus für dich holen." Ich merkte selbst, dass ich so nicht weiterkam. Also sah ich weg, runzelte überlegend die Stirn. Es gab vieles, das ich hätte sagen können, doch das meiste wollte mir nicht über die Lippen kommen. Ich sperrte mich dagegen.


    "Es tut mir leid. Das im balneum. Ich..." begann ich schließlich, und nun war ich es, der Siv nicht ansah. Eine Sklavin... Ich entschuldigte mich bei einer Sklavin. Das allein war schon zweifelhaft. Und doch... Zunächst aus den Augenwinkeln betrachtete ich sie, dann wandte ich ihr langsam wieder den Kopf zu. Wenn sie doch keine Sklavin wäre, alles wäre um so vieles einfacher! Doch einfach waren die wenigsten Dinge. Ich würde bald heiraten, das war ein Fakt, und sowohl ich als auch Siv mussten damit leben, dass es nicht sie sein würde, die dann an meiner Seite ging.



    [SIZE=7]*solcherlei Dinge habe ich mich selbstverständlich vorher versichert, dies ist also keine Fremd-ID-Steuerung[/SIZE]


    Ad
    Flavia Celerina
    villa Flavia, Roma



    senator M. Aurelius Corvinus venustati Flaviae Celerinae s.d.


    Es wird mir eine Freude sein, Celerina, deiner Einladung zu folgen und nebst des gewiss malerischen flavischen Gartens auch deine Saba zu bestaunen. So es dir gelegen ist, erwarte meinen Besuch in zwei Tagen gen Nachmittag.
    Ich freue mich darauf, dich wiederzusehen.


    Mögen die Götter dich stets behüten.


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    Der Sklave, der diesen Brief brachte, ahnte ja nicht, wie viel Mühe es seinen Herrn gekostet hatte, diese Zeilen zu Papier zu bringen. Dem Verfasser war es schwer gefallen, die rechten Worte zu finden, ohne zu dick aufzutragen und damit unglaubwürdig zu wirken. Die wenigen Hinweise des Interesses, die in diesem Schreiben zu finden waren, hatten auf ihn schon beinahe aufdringlich gewirkt, was damit zusammenhing, dass er sich schwer tat, solche Dinge niederzuschreiben. Doch als der Sklave den Brief abgegeben hatte, gab es kein Zurück mehr. Fröhlich pfeifend verteilte der aurelische Bote noch weitere Briefe und trollte sich dann wieder heimwärts.


    Ad
    Manius Tiberius Durus
    villa Tiberia, Roma



    senator M. Aurelius Corvinus senatori M' Tiberio Duro s.d.


    Mit Freude habe ich deine Einladung empfangen, Tiberius, und sage dir gern zu. Zwecks der Begleitung würde ich gern erfragen, ob eine Dame sich in weiblicher Gesellschaft wähnen kann oder ob die cena eher eine politische Gesprächsrunde unter Männern sein wird.


    Mögen die Götter dich behüten.


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    Abwesend strich ich über die Feder, immer und immer wieder. Das Ende des Kiels, vollgesogen mit pechschwarzer Tinte, verharrte unschlüssig über dem Papyrus. Am Morgen hatte ich zwei Briefe bekommen, eine Einladung von Tiberius Durus und eine von Celerina. Die Antwort an Durus war mir leichtgefallen, doch was nur sollte ich Celerina schreiben? Unangemeldet vorbeikommen wollte ich nicht, schließlich wusste ich um die Zeit, die Frauen für gewöhnlich brauchten, ehe sie sich in Gesellschaft begaben. Derart ratlos, war ich froh, als es klopfte. Ich bat den Wartenden hinein - es war Brix - und legte die Feder fort. "Verzeih, dominus, ich wollte dich nicht stören, aber ich denke, dass es wichtig ist", sagte der maiordomus. "Das macht nichts. Was gibt es denn?" fragte ich. Brix runzelte die Stirn, und ich meinte etwas wie Besorgnis auf seinem Gesicht lesen zu können. Er zögerte einen Moment, ehe er sprach, und machte mich damit hellhöriger. "Es geht um Siv. Sie hat die letzten beiden Nächte wohl draußen vebracht und sie wirkt apathisch. Als wäre sie krank. Ich kenne sie so nicht. Irgendetwas muss passiert sein. Ich würde gern nach einem Arzt für sie schicken lassen." "Siv ist krank?" echote ich. Dabei wusste ich es besser. Sie war nicht krank. Der Keim der Sorge fiel in mir auf nahrhaften Boden. Ich runzelte die Stirn und sah auf den unbeschriebenen Papyrus hinunter. "Es hat den Anschein", erwiderte Brix und zuckte ein wenig hilflos mit den Schultern. Diese Neuigkeit beschwor schlagartig alle Empfindungen wieder herauf, die ich seit dem vorgestrigen Abend gut verschlossen in mir eingesperrt hatte. Ich sagte eine Weile gar nichts, bemerkte aber wohl, dass Brix unruhiger wurde. Schließlich brach er das Schweigen. "dominus?" Ich wandte den Kopf, er sah mich fragend an. Schließlich gab ich mir einen Rück, doch sagte ich wohl nicht das, was Brix erwartet hatte, denn er starrte mich kurz an und neigte dann den Kopf. "Nein, keinen Arzt. Wo ist sie jetzt? Ich möchte sie sehen." "Wie du wünschst. Sie ist im Garten und weigert sich beharrlich, hineinzukommen. Aber ich werde es ihr sagen." Damit verschwand Brix und ließ mich nachdenklich allein zurück. Der brief an Celerina würde warten müssen, mir fiel ohnehin nichts Originelles für eine Antwort ein. Ich machte mir Sorgen um Siv. Einen Moment spielte ich noch mit der Feder, die ich wieder aufgenommen hatte und in den Händen drehte, dann ließ ich sie fallen und erhob mich, um mir einen guten Becher Wein einzugießen. Den würde ich wohl gleich brauchen.

    Zahlreich wie die Tautropfen am Morgen scheinen Sivs Tränen mit einem Mal zu werden. Ich wandte den Blick ab, denn ich konnte es nicht sehen und ich wollte es auch gar nicht. Mir war das alles zu viel. Unsere Begegnung am Morgen, Celerinas Besuch und die - wenn ich so im Nachhinein darüber nachdachte - doch recht deutlichen Reaktionen Celerinas, ihre Vertrautheit, Sivs Verhalten und jetzt dieses Gespräch... Irgendwann war es selbst mir zuviel. Ich war nie einer der geduldigsten Menschen gewesen, doch hier verlor ich nicht die Geduld, sondern beinahe den Verstand. Wie mochte ich mich so verhalten, dass es richtig war? Was musste ich sagen, was dafür tun? Mir erschien das alles auf einer Stufe zu liegen, die sich weit über meinem Kopf befand, und an die ich einfach nicht herankam. Ich zweifelte an mir selbst, was richtig war und was falsch, und ob ich wohl jemals aus dieser misslichen Lage würde entfliehen können.


    Siv wandte sich um, ich sah das, weil ich den Blick nun wieder ihr zugewandt hatte, und ich sah es mit einem Stein in der Brust. Doch was hätte ich schon anders tun sollen als sie bitten, mich allein zu lassen? Es konnte nicht einfach werden wie früher, das ging nicht. Jede Faser meines Seins sehnte sich plötzlich nach Prisca, meiner kleinen, lieben Prisca, der ich alles erzählen konnte, ohne mich schwächlich zu fühlen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass allein sie mich davor bewahrte, wahnsinnig zu werden, und in dieser Situation schien ich nicht weit davon entfernt. Siv hatte den Raum verlassen, und mit ihr war auch die letzte Möglichkeit gegangen, sie zurückzuhalten. Stille kehrte ein in den Raum, Einsamkeit blieb zurück. Ich fühlte mich unvollkommen, und ich war es auch. Die Senatorenwürde sollte mir angetragen werden, doch wer war ich schon? Ein Gesichtsloser, einer von vielen, der nicht einmal einen Erben hatte. Nun, wenigstens dafür wollte ich Sorge tragen, auch wenn dies vielleicht nicht meine Seele retten würde.


    Stumpfsinnig saß ich noch eine Weile im Bad und brütete vor mich hin. Mit jedem Gedanken, den ich dachte, erschien es mir unmöglicher, jemals wirklich und wahrhaftig glücklich zu sein. Schließlich rutschte ich von der Liege hinunter, streifte mir die tunica über und verließ diesen Raum der Erkenntnis, um Prisca aufzusuchen. Wenige Minuten später stellte ich fest, dass sie nicht im Hause weilte, und mit noch missmutigerer Laune als zuvor wandte ich mich meinen Gemächern zu, um mich zum Schlafen zu zwingen, denn im Schlaf war man nicht dazu verurteilt, die Gedanken wieder und wieder kreisen zu lassen.

    Ein wenig verdutzt ob der Antwort, mit der ich eher nicht gerechnet hatte, sah ich den Prätorianer an und musste kurz schmunzeln. Gleichzeitig war ich mir bewusst, dass ich wohl nur meinem neuen Sitz im Senat diese Ehre zu verdanken hatte. "Dir ist klar, dass du damit keinesfalls um einen ausführlichen Bericht in der Acta herumkommst?" scherzte ich. Als Ursus eintrat, nickte ich ihm zu und widmete mich wieder dem Gast. "Dann danke ich dir vielmals für die Einladung. Ich nehme sie gern an. Wann soll denn der große Tag stattfinden?" Schon überlegte ich, ob ich einen Schreiber mitnehmen sollte...

    Dass Siv nach Luft schnappte, entging mir, denn ich war tief in meinen Gedanken versunken. Celerinas Duft schien mit einem Male im Raum zu hängen, gleich den schweren Wasserdampfwolken, die sich nur schwerfällig einen Weg aus den geöffneten Oberlichtern nach draußen bahnten. Das schlechte Gewissen hielt mich im Griff, doch konnte ich nicht einmal sagen, wem es nun galt. Ich fühlte mich zermürbt, die Entspannung war dahin, und mein Kopf begann nun allmählich wieder zu schmerzen, gleichzeitig sehnte ich mich nach dem Rausch des Vergessens, dem Wein, und wünschte mich gleichsam etliche Jahre in die Zukunft, wo hoffentlich alles klarer und einfacher wäre als jetzt.


    Siv trat an mich heran und ein seltsamen Gefühl stieg in mir auf. Es war aufkeimende Panik, die Angst, an mir selbst zu scheitern. Das Herz hämmerte mir bis in den Hals hinauf, wieder bemerkte sie, dass sie nicht wichtig für mich sei. Ich wünschte mich fort, um der Versuchung zu widerstehen, mit ein paar Worten wieder auf die falsche Bahn zu gelangen. Schweigen tropfte zäh wie Honig in den Raum hinein, schien mir mit jedem Atemzug die Luftwege mehr zu verkleben. Ihre Fingerkuppen strichen über meine Wange, so zart und weich, und ich konnte den Blick nicht abwenden... dis pater! Der unsinnige Verdacht keimte in mir auf, sie mochte vielleicht eine Hexe sein, die mich verzauberte, um ihr zu Willen zu sein - und dann tat sie es Celerina gleich und nannte mich Marcus. Mir stockte der Atem, ich zuckte zurück und starrte sie entsetzt an, viel entsetzter darüber, dass es mich derart traf denn darüber, dass sie es überhaupt getan hatte. Ich griff nach ihrem Handgelenk. Flüchtig schoss mir die Erinnerung an unsere Begegnung vor wenigern Stunden durch den Kopf, wo ich sie ebenfalls festgehalten hatte. Und ich ließ sie wieder los, schluckte und begann, ganz langsam den Kopf zu schütteln. "Nicht. Lass mich jetzt allein." Ich unterdrückte ein Räuspern, um meine Stimme wieder in den Griff zu bekommen. "Geh, bitte."

    Ich musterte den näherkommenden Orestes aus den Augenwinkeln, denn wenn ich den Kopf gewandt hätte, so wäre vermutlich der Barbier nicht eben begeistert gewesen und ich selbst hätte wohl eine unschöne Schramme davongetragen. Von dem, was ich sehen konnte, wirkte Orestes auch nicht gerade wie das blühende Leben. Aber natürlich, die Ereignisse des vergangenen Abends hatten uns wohl alle mitgenommen.


    Siv und Brix stritten sich scheinends kurz, wobei eigentlich nur Siv Brix anfauchte und ihm irgendetwas entgegenfeuerte, das ich nicht einmal viertels verstand. Doch Brix erwiderte ihre Worte nur mit einem Blick und sah Alexandros auffordernd an. Der Grieche verstand dieses eine Mal wortlos und legte Siv beruhigend eine Hand auf den Unterarm, ihr gut zuredend. Ich sah zu Fhionn, die inmitten des Trubels stand und auf eine kuriose Art ruhig und erhaben wirkte. Dann stand plötzlich Siv vor mir, zitternd, und sah zu mir hinunter, und sie redete erneut auf mich ein. Ermüdet und gemartert vom dröhnenden Kopfschmerz schloss ich die Augen, Sivs Worte verschlimmerten den Druck in meinem Schädel nur noch weiter. "Und was soll ich dann mit ihr tun? Sie hat meinen maiordomus umgebracht, und sie war nicht einmal in Bedrängnis, Siv!" Den letzten Satz hatte ich ihr entgegengefaucht. Ich war es müde, darüber zu diskutieren, und ich war froh, dass Brix neben die Germanin trat und ihr eine Hand auf die Schulter legte. "dominus, ich war nicht in Germanien dabei, aber Matho hatte schon eine ganze Weile vor der Abreise keinen guten Stand im Haus." Mein Kopf ruckte herum und ich sah Brix an, da passierte das Malheur und der Barbier ritzte meine Haut. Schnaubend fuhr ich mir über meine Wange und schüttelte dann den Kopf. Nun auch noch Brix. "Was wird das nun, Brix? Du weißt so gut wie ich, dass ich nicht anders handeln kann. Bin ich ein Unmensch, dass ihr nicht zu mir kommen könnt, wenn ihr Probleme untereinander habt? Ihr habt nicht das Recht, über einander zu richten. Ich hätte erwartet, dass zumindest du das weißt!"


    Zum Missfallen des Barbiers stand ich nun auf und blaffte einen Sklaven an, mir einen Becher Wasser zu holen. Mein Kopfschmerz war unerträglich. Vielleicht war ich doch ein wenig zu maßlos mit dem Wein gewesen. Brix verfolgte mit den Augen, wie ich die Arme vor der Brust verschränkte und mir mit der Rechten übers Kinn strich. Der Germane hatte sich noch nie angemaßt, mich anzulügen. "Er hat Siv wohl in den Keller gesperrt", sagte Brix. Sonst nichts weiter. "Das hat sie dir gesagt, was?" schnappte ich augenblicklich zurück. "Ja", entgegnete er schlicht, griff nach ihrem Arm und hielt ihn halbhoch. "Und er hat sie während der Heimreise an den Karren gebunden. Man sieht es sogar noch, dominus."

    Ich lächelte erzwungen. "Dazu werde ich morgen die Gelegenheit haben. Aber zuerst muss ich in Angelegenheiten der Siebenmänner vorsprechen. Ich hadere derzeit mit mir selbst, ob ich den Kaiser im Beisein des collegium oder allein davon in Kenntnis setzen sollte. Immerhin wird auch Fabius Antistes an dieser Sitzung teilnehmen." Ein tiefes Seufzen folgte auf diese Worte, und ich griff mir den Weinbecher und leerte ihn bis auf einen Schluck. "Was meinst du dazu?"


    Da fiel mir eine andere Sache ein, die ich seltsam fand. "Sag einmal, weißt du, was heute Nacht hier los war? Ich habe Schreie gehört, die Hunde haben angeschlagen wie toll, aber Brix meinte, es wäre kein Eindringling auf dem Grundstück gewesen. Für mich hat es sich nach Caelyn angehört", vermutete ich. Ihr Dialekt war eben unverkennbar. "Hast du sie heute schon gesehen? Brix meinte, sie wäre ihm kurz in der Küche begegnet."

    Siv klang, als hätte sie jemand gewürgt, um die Worte aus ihr hinauszuquetschen. Dementsprechend gequält hörte sie sich ab. Meine Brauen rutschten ein wenig näher zusammen, eine zweite Falte gesellte sich zur der auf meiner Stirn bereits vorhandenen hinzu. Ich fixierte die Träne, die nun zögerlich an ihrer Wange hinabrann, kurz an ihrem Kinn hängen blieb und schließlich irgendwo in der tunica verschwand. Zurück blieb eine feuchte Spur. Sie machte mir nichts vor, das wusste ich, allein schon angesichts der Tränen war mir das klar. Auch wurde mir durch ihre weiteren Worte klar, dass sie die eben gegebene Information nur noch mehr aufrieb. Vermutlich wäre ein anderer Zeitpunkt besser gewesen, überlegte ich, und war im nächsten Moment schon wieder erstaunt darüber, dass ich mir Gedanken darum machte, wie ich eine Sklavin weniger verletzen konnte, indem ich ihr die Nachricht von einer Heirat schonender beibrachte. Ich blinzelte und sah Siv erneut an. Sie war schon immer anders gewesen, anders für mich. Dieser törichte Fluchtversuch erst hatte alles verändert, und auch wenn ich mir recht erfolgreich einredete, dass es ohnehin besser war, wenn es so blieb wie es jetzt war, so drängten mich die Tränen und ihr ehrliches Geständnis förmlich in eine Ecke und knabberten an meiner Entschlussfähigkeit. Ich schürzte die Lippen, haderte mit mir selbst. Wenn ich sie nun wegschickte, tat sie sich womöglich noch etwas an, und das wollte ich nicht.


    Siv vergrößerte den Abstand zwischen uns, ich blickte kurz auf ihre Füße hinab und hob den Blick dann wieder an. Siv hatte die Hände vors Gesicht geschlagen, und ich fand mich ratloser denn jemals zuvor vor ihr auf der Massageliege sitzend wieder. Was sie dann sagte, verwirrte mich zutiefst. Nie hatte einer von uns auch nur ansatzweise über das geredet, was wir füreinander gewesen waren. Ich hatte stets nur argwöhnen können, wer ich für Siv war, wer ich war, doch nie war es so offensichtlich gewesen wie jetzt und hier. Sicherlich, da war Anziehung und etwas Undefinierbares zwischen uns gewesen, wir hatten das Lager geteilt und normal miteinander reden können. Aber das jetzt... Ein Gesicht tauchte aus meinen Gedanken auf, Deandra, die lockigen Haare und die intelligenten Augen, und auch die Empfindungen, die ich seinterzeit gehabt hatte. Verwirrung, Schmerz, Wut, Resignation, letztere überwiegend. Niemals sollte mir wieder so etwas widerfahren. Und doch stand Siv nun vor mir, ein kleines Häufchen Elend, und rief diese Gedanken in mir wach. Meine Kehle war zugeschnürt, so intensiv war die Erinnerung und so stark versuchte ich, jetzt nicht nachzugeben. Nie wieder, das hatte ich mir geschworen, denn wie konnte man sich für das Reich aufopfern, wenn es nicht das war, was man am meisten liebte?


    Ich wandte den Blick ab, die in Blautönen gehaltenen, kleinen Mosaiksteinchen schienen im Licht des verstreichenden Tages schlicht grau zu sein, doch nicht minder interessant. Die vergangenen Wochen waren nicht nur für sie ein Klingentanz gewesen, auch mir hatten sie zu schaffen gemacht, wenngleich nicht nur Sivs wegen. "Ich muss heiraten, Siv", entgegnete ich zu den Mosaiksteinchen gewandt. "Es ist...das wird verlangt, weißt du. Irgendwann werde ich vergehen, und wer sollte den Namen der Familie forttragen und ausbauen, was ich erreicht habe, wenn ich keinen Erben vorweisen kann?" Ich sah auf und zu ihr hin. "Ich will versuchen, zu vergessen, was in Germanien gewesen ist. Ich glaube dir", sagte ich. Sie in den Arm zu nehmen überstieg meine Kraft in diesem Moment einfach. Und es durfte nicht sein...Celerinas wegen.

    Senator Aurelius. Wie ungewohnt diese Anrede noch war. Ich musste mich erst noch daran gewöhnen. Einladend deutete ich wieder auf die Sitzgelegenheiten. "Bitte, nimm doch wieder Platz", sagte ich und setzte mich selbst ebenfalls. Ob nun eine Beschwerde kam? Ich dachte sofort an das letzte Gespräch mit Gracchus zurück, das ich hier geführt hatte. Doch Balbus' Lächeln ließ nicht darauf schließen.
    "Ah, ja, die subauctores streuen bisweilen auch gern mal Gerüchte. Solange es keine infamen Unterstellungen sind, finde ich das ganz in Ordnung. So haben zumindest die Waschweiber etwas zu tratschen", erwiderte ich und grinste kurz. "Aber es ist natürlich sehr lobenswert, wenn du etwas Klarheit in die ganze Angelegenheit bringen möchtest. Also - wie kann ich dir dabei helfen?"

    Ich war ohnehin gerade auf dem Weg zu einer Senatssitzung gewesen, weswegen ich sozusagen fix und fertug gekleidet im atrium erschien. Den Prudentier hatte ich einige wenige Male gesehen, doch bisher nie etwas näher mit ihm zu tun gehabt, weswegen mich seine Anwesenheit doch ein wenig überraschte. "Prudentius, sei mir gegrüßt", sagte ich beim Näherkommen. "Es ist bald soweit, vermute ich? Deine Hochzeit?" Schließlich hatte man als jemand von der Acta die Ohren und Augen überall, und wenn man die Neuigkeiten nicht selbst erfuhr, so wurden sie einem in einer der zahlreichen Redaktionssitzungen angetragen. Jemand hatte Balbus bereits das gewünschte Wasser gereicht. "Was verschafft mir die Ehre eines Besuchs?"

    Es war wie verhext, es wollte mir einfach nichts Passendes einfallen. Und waren da plötzlich tatsächlich Tränen? Ich sah genauer hin. Tatsächlich, im spärlichen Licht der Öllampen und dem wenigen Tageslicht, das noch hereindrang, schimmerten Sivs Augenwinkel feucht. Es war zum Mäusemelken. Warum passierte immer mir das? Ich konnte Tränen bei einer Frau nicht sehen, das war immer schon gewesen, und immer schon hatte mir dieser Umstand ein schlechtes Gewissen bereitet. Schlechter als schlecht noch, wenn ich mir darüber im Klaren war, dass ich an diesen Tränen Schuld war. Siv hätte sonstwas anstellen können, aber Tränen - noch dazu von ihr, die ich sie niemals hatte richtig weinen sehen - berührten mich stets. ich presste die Kiefer aufeinander und sah weg. Ich wollte nicht weich werden, das würde zu nichts führen.


    Schweigen dehnte sich wieder. Schluchzte sie gar? Ein flüchtiger Blick belegte, dass sie nicht aufgehört hatte. Ich schmatzte leise. "Das war falsch, Siv. Es war nicht richtig. Ich hatte gedacht... Ich habe gehofft, dass es dir hier gut geht. Besser als in deiner Heimat." Wenigstens irgendetwas sagte ich, wenngleich es auch nichts Originelles war. Hoffentlich hörte sie auf zu weinen. Ich kratzte mich kurz auf der Brust. "Ich bin ziemlich enttäuscht gewesen. Und das vorhin im Garten... Da hat mich dein Verhalten auch enttäuscht. Celerina ist wichtig für mich, verstehst du das? Ich werde sie vermutlich heiraten."

    Ich konnte den Drang nicht unterdrücken und begann, ein wenig mit den Beinen zu schaukeln. Als sie mich ansah, als hätte ich soeben ein Wunder gewirkt, hielt ich jedoch wieder inne. Ich ahnte nicht, was nun wieder mit ihr los war, bis sie mich schließlich fragte, woher ich das Wort kannte, von dem ich nicht wusste, was es bedeutete. Es war plötzlich einfach da gewesen. Mit tief gerunzelter Stirn erwiderte ich Sivs Blick. Ich wusste nicht, woher es gekommen war, also schwieg ich.


    Es war auch gar nicht nötig, darauf zu antworten. Siv sprach die Soldaten an, und wie weckte damit die Erinnerung an die Worte in mir, die sie mir vor langer Zeit anvertraut hatte. Die Angst vor Sodaten, die sie hatte, die in ihrer Stimme mitschwang - und die mir schlicht entfallen war. Dennoch war das kein Grund. Es kostete Siv sichtlich Überwindung, das auszusprechen, was sie vor langer Zeit hätte tun sollen. Natürlich verdrängte ich in diesem Moment sämtliche Eigenschuld, denn ich hatte sie ja nie ausreden lassen. Jetzt jedoch tat ich es, und während ich die ersten paar Worte lang noch stillschweigend genoss, dass es ihr schwerfiel, es auszusprechen, hatte ich gen Ende schon fast ein schlechtes Gewissen - worüber ich mich insgeheim ärgerte, denn sie war schließlich weggelaufen, und da verdiente sie das Misstrauen mehr als sonst jemand, das ich ihr entgegengebracht hatte. Entgegenbrachte, immer noch. Auch wenn es schwand, obwohl ich es festhalten wollte, weil das Misstrauen einfacher war als jedwede andere mögliche Empfindung Siv gegenüber.


    Das letzte Wort war schon eine Weile verhallt. Mein Blick ruhte auf einem kleinen, silbernen Pferdekopf, der unter dem Kragen ihrer tunica hervorlugte. Vorhin im Zimmer war mir gar nicht aufgefallen, dass sie den Anhänger noch trug, den ich ihr geschenkt hatte. Damals. Ich ließ den Blick schweifen und seufzte. Was sollte ich nun dazu sagen? "Weißt du..." begann ich, hatte aber immer noch keine Idee, was ich nun eigentlich dazu sagen sollte. Wollte. Auf eine kuriose Art ging diese ganze Sache gerade an mir vorbei, so als würde sie mich nicht oder nicht mehr tangieren, und das war seltsam. Und dann war da ihre Aussage, dass sie meinetwegen nicht tatsächlich geflohen war. Konnte ich ihr das glauben? Mit gerunzelter Stirn sah ich sie an, nachdenklich und auf der Suche nach sinnigen Worten, die ich meinem Geist jedoch nicht abringen konnte, und so schwieg ich und sah weiterhin Siv an. Was sollte ich auch sagen? Dass ich ihr verziehen hatte, wollte mir nicht über die Lippen kommen, doch abfällige Worte ebensowenig.

    Die erste Sitzung, das war schon etwas Besonderes. Ich war aufgeregt, keine Frage, wusste ich dich, was es bedeutete, im Senat zu sitzen. Dies war nicht nur eine Ehre, es war auch eine Bürde. Meine Erwartungshaltung hatte sich auf Grundlage des Hörensagens gebildet, und nun begab ich mich zum ersten Mal selbst in dem stets nur beschriebenen Saal. Der frischgebackene consul führte die Senatorenschaft an, und irgendwo weiter hinten schritt ich durch die hohen Flügeltüren. Beeindruckend und pompös wirkte der Saal, und doch hatte ich ihn mir noch größer vorgestellt. Neben mir setzte sich ein Fabier, auf der anderen Seite war bisher frei. In Wirrwar der weißen Togen entdeckte ich meinen Patron und nickte ihm zu. Dies musste eine der letzten Sitzungen sein, an denen er wohl teilnehmen würde vor seiner Abreise nach Spanien.


    Aelius Quarto eröffente die Sitzung und erwähnte kurz darauf meinen Namen, sowie den des Germanicers, der mit Ursus zusammen in Germanien gewesen war. Schweigen dehnte sich nach den Worten Quartos aus, gelegentlich ein Murmeln - erwartete man von uns, dass wir nun sprachen? Mein Blick huschte über die Reihen, doch Sedulus konnte ich nicht entdecken. Also erhob ich mich, angetan mit der Senatorentoga, um spontan ein paar Worte an das Gremium zu richten.


    "Ehrwürdige Väter, euch gilt mein Dank, dass ich nun hier zwischen euch sitze als einer der Euren, euch und unserem Kaiser. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich vor einigen Jahren hier zum ersten Mal im Senat vor euch stand, während meiner Kandidatur zum vigintivir. Damals wie heute war ich erfüllt von Stolz, es so weit geschafft zu haben, und damals wie heute gelobe ich, stets zum Wohle des Staates zu handeln. Ich danke euch."


    Nur wenige Worte waren dies, doch ich wollte keinen mit ausschweifenden Reden langweilen, und was sagte man wohl sonst noch als neuer Senator? Dies hier war schließlich keine Wahlrede - obwohl ich bei diesem Gedanken an Macer denken musste, dem meine letzte Wahlrede etwas zu knapp ausgefallen war. Jetzt war ich gespannt, wie es weitergehen würde.

    "Darüber weiß ich nichts zu sagen. Aber er... Manius, das darf an niemandes Ohren dringen, hörst du? Nicht, bevor es nicht offiziell bestätigt ist..." sagte ich eindringlich. "Fabius Antistes, der rex sacrorum, bedient sich aus der Kasse des cultus, um seinen eigenen Wohlstand zu mehren."


    Schweigen folgte. Es war das erste Mal, dass ich diese Tatsache laut ausgesprochen hatte. Orestes war damit nun der vierte im Bunde, der eingeweiht war. Ich erzählte ihm, dass ich während des vergangenen Jahres als quaestor urbanus bei den Kontrollen der Bücher des fiscus einige scheinbar nebensächliche Ungereimtheiten entdeckt hatte, die mich dazu veranlasst hatten, weiter nachzuforschen. Mit Avianus an meiner Seite und mit Hilfe der Vertretung des Ädilen hatte ich schlussendlich herausgefunden, dass dieser Missbrauch über fast vierzig Monate hinweg fortgeführt worden war. Immer wieder schüttelte ich in Unverständnis und Wut den Kopf. "...und du kannst dir ja gewiss vorstellen, was das für die pax deorum bedeutet. Ich will es nicht beschwören, aber vielleicht wäre gar Iulianus noch am Leben, wenn man diese Hinterhältigkeit früher aufgedeckt hätte." Wieder schüttelte ich den Kopf, diesmal traurig.

    Mit dunklen Ringen unter den Augen saß ich auf einer Liege im atrium und wartete. Ich hatte nicht geschlafen, wie hätte ich auch? Mathos Leiche war inzwischen in einen Kellerraum gebracht worden, ihm war die Beisetzung in der Familiengruft angedacht, wie man es mit wichtigen und verdienten Sklaven nun eben machte. Einfacher wäre die Verbrennung gewesen, doch ich hatte mich im Laufe der Nacht dagegen entschieden. Orestes war irgendwo, ob er mitkommen wollte, wusste ich nicht, die anderen schliefen vermutlich alle noch. Ich war müde und konnte kaum einen klaren Gedanken fassen, was zum Teil vermutlich auch an der Menge Wein lag, die ich getrunken hatte, ehe ich mich besonnen und mindestens ebenso viel Wasser hinterher gekippt hatte. Nun plagte mich ein stechender Kopfschmerz, die Müdigkeit zudem, und der nahende Barbier, der sich noch rasch um die Bartstoppeln kümmern würde, ehe sich die kleine Gruppe im Fhionn aufmachen würde, um ihr die gerechte Strafe für ihre Tat angedeihen zu lassen.


    Brix kam in Sicht und verkündete leise, dass die anderen ebenfalls auf dem Weg waren. Ich nickte nur, und das Rasiermesser wich der Bewegung gerade noch einmal rechtzeitig aus. Der Barbier warf mir einen bösen Blick zu und schabte weiter.

    [Blockierte Grafik: http://img70.imageshack.us/img70/2005/sklave9vv4.jpg]


    Brix sah zur Seite und vermied es immer noch, jemanden anzusehen. Auch Siv sah er nicht an, als sie sprach. Er sah sich im Zwiespalt. Wie sollte er seine neue Rolle zufriedenstellend erfüllen, wenn er gleich während der ersten Stunden aufbegehrte? Wie sollte er die anderen schützen und gerecht sein können, wenn er es sich mit den Herrschaften verscherzte? Doch wie sollte er diese neue Position innehalten können, wenn er sich nicht für diejenigen einsetzte, die ihm nun unterstanden und es verdienten? Brix' Miene war gequält, als er aufsah und Siv musterte. "Und du bist wirklich der Meinung, dass Mathos Verhalten seine Ermordung rechtfertigt?" fragte er sie traurig. Dann schüttelte er den Kopf und wechselte die Sprache. "Was Fhionn getan hat, verdient eine Strafe. Ich maße mich nicht an, zu entscheiden, welche das sein soll. Aber wie kann ich mich für sie einsetzen, wo ich doch der Meinung bin, dass es falsch war, was sie getan hat? Ich werde dem Herrn ins Gewissen reden, vielleicht überdenkt er seine Entscheidung auf dem Weg noch einmal. Mehr kann ich nicht tun." Er musterte Fhionn. "Komm", sagte er und wandte sich um, um ins atrium zu gehen. Alexandros' Augen waren derweil feucht geworden, und ab und an schniefte er auffällig.