Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Entspannt vom Wasser und ebenso träge geworden durch die Wärme und Diesigkeit des Raumes, lag ich dösend auf der Liege und lauschte den Geräuschen um mich herum, die wie durch Nebel an meine Ohren drangen. Da waren gedämpfte Schritte, ein kurzes Klappern, das quietschende Geräusch eines Korkens, der aus einem Flakon gezogen wurde und das sich nochmals wiederholte. Die Fläschchen wurden abgestellt, nicht auf das Regal, sondern auf einen anderen Untergrund, denn das Geräusch klang anders. Dann rieben Hände aneinander, eine Art schmirgelndes Geräusch. Ich seufzte tief, als ich die Wärme der zarten Frauenhände auf der Schulter spürte. Dass Dina nichts sagte, erschien mir nicht seltsam, im Gegenteil, ich genoss es und war ihr dankbar, dass sie den Genuss der Massage nicht durch Worte schmälerte. Allmählich drang der Duft des Öls an meine Nase, herb und frisch, nicht blumig und schwer, wie die Frauen ihn wohl bevorzugen mussten, da so viele von ihnen nach schwerem Parfum rochen.Meine Gedanken schweiften ab, und ich versuchte mich zu erinnern, wie Celerina eigentlich gerochen hatte. Ein Hauch von Weihrauch hing in der Luft, süßlich und herb zugleich, doch Celerina hatte nicht danach gerochen, sondern nach....


    Ganz versunken, störte das plötzliche Zurückschrecken der warmen Hände den Gedankenfluss, gerade als ich mich eines anderen Duftes erinnerte. Der Geruch nach Frische, Tannennadeln, herbem Laub... Siv roch so, hatte so gerochen, wenn sie bei mir gelegen hatte. Etwas an Dina stimmte nicht - das wusste ich spätestens in dem Moment zu sagen, in dem sie inne hielt. Doch was es war, das mich störte, konnte ich nicht benennen. Ich öffnete die Augen, doch sah nur ansatzweise die Hände aus den Augenwinkeln. Dina beschränkte sich nun wieder auf die Schultermuskulatur. Ein wenig nur hatte ich mich versteift, doch merklich. Ich wandte dann den Kopf, fort vom Becken und mit Blick in Richtung der Tür, und ich entdeckte Siv, nicht Dina. Im ersten Moment hatte ich einen Kloß im Hals, ob vor Verwunderung oder Ärger - oder etwas anderem, doch dann entspannte ich mich wieder und sah Siv nun, bequem liegend und aus den Augenwinkeln heraus, unverwandt an. Ich war des Streitens müde, ich war es so leid. Und so sagte ich nichts weiter, und sah sie nur aufmerksam von unten herauf an.

    Unverhofft war dieser Tag bisher verlaufen, unvorhersehbar in jeder Hinsicht. Es gab so viel nachzudenken, dass ich nicht einmal wusste, wo ich damit beginnen sollte, ob bei den angenehmen oder unangenehmen Teilen des Tages, oder bei den verwirrenden. Als Celerina gegangen war, hatte ich noch eine gute halbe Stunde mit mir selbst verbracht, im Garten sitzend und hin und wieder an einem gekühlten Wein nippend. Es wirkte ganz so, als hätte ich gar allzu leichtes Spiel hier, und ehrlicherweise war dies eine Tatsache, die mich verwirrte und mein Misstrauen schürte. Zu gut hatte ich die Sache mit meiner Vorangegangenen Verlobung noch im Kopf, alsdass ich mich blindlinks und ohne angemessen zu überlegen ein weiteres Mal ins Abenteuer zu stürzen - zumal dies in meiner gegenwärtigen Position vermutlich eher ein Selbstmordkommando war als damals. Schließlich stand ich an der Schwelle zum Senat. Im Grunde wartete ich nur darauf, dass mich endlich ein Brief erreichte, und dies hatte ich auch Hungaricus zu verdanken. Im Grunde hatte ich nichts weiter eingeplant für den heutigen Tag, doch ein Bad im Anschluss wäre gut, und so hatte ich die Weisung erteilt, ein solches vorzubereiten.


    Der Becher war bald leer, ich hatte nicht einmal gemerkt, dass der Wein zur Neige ging, und dementsprechend überrascht war ich auch, als kein Tropfen in meinen Mund rann, als ich das nächste Mal den Becher hob. So stellte ich das Gefäß zurück auf den Tisch, seufzte und erhob mich, um mein Bad zu nehmen.


    Feuchter Dampf stieg aus dem Becken hinauf, wogte und ließ bei jedem Schritt die Malereien und Mosaike auf Wänden und Boden des balneum lebendiger wirken. Prächtige Schiffe schienen gen Süden zu segeln, riesige Seeungeheuer wurden von Neptun bezwungen. Ich schickte die beiden Sklaven fort, die mir zur Hand hatten gehen wollen, und war kurz darauf allein im Bad. Tunika und toga - schließlich hatte ich eben Besuch gehabt, den es angemessen zu empfangen gegolten hatte - landeten achtlos auf dem Boden. Dann stieg ich ins warme Wasser und genoss für beinahe eine Stunde die entspannende Wirkung, welche die Wärme auf mich hatte. Irgendjemand hatte dem Wasser Rosenblätter und angenehmen Duft zugefügt, in den Nischen entlang des Raumes brannten Öllampen und tauchten alles in einen zauberhaften Schein.


    Bald war das Wasser merklich abgekühlt, und nachdem ich mich gewaschen hatte, stieg ich aus dem Becken und griff mir ein Tuch. Notdürftig trocknete ich mich und rief dann nach Sofia, die vor der Tür wartete. Der kam hinein und öffnete die Wandklappen an der Decke, damit die schwüle Feuchtigkeit schon einmal entweichen konnte. "War das Bad angenehm, dominus?" fragte sie mich. "Ja. Aber du kannst mir Dina holen. Noch eine Massage wäre jetzt nicht schlecht", entgegnete ich und rubbelte kurz über die Haare, dann ließ ich das Handtuch auf einen Schemel fallen und nahm auf der hierfür vorgesehenen Liege Platz. Die Arme verschränkte ich unter dem Kopf, eine Wange seitlich daraufgebettet, den Blick zum Wasserbecken gerichtet. Und so wartete ich. Sofia sammelte die dreckige Wäsche ein und auch das Handtuch, dann huschte sie hinaus.


    Wer allerdings Sofia kennt, der weiß, dass sie an Tollpatschigkeit alles und jeden mit links in den Schatten stellt. Ein gewöhnungsbedürftiges Lied auf den Lippen, brachte sie zunächst die Wäsche zum Waschen, und hier mochte wohl auch ihr Fehler liegen, denn als sie sich wieder im atrium fand, hatte sie vergessen, wen sie hatte wohlen sollen. Und so glaubte sie, sich an Sivs Namen zu erinnern, und machte sich auf, um die blonde Germanin zu suchen. Naiv, wie das Soffchen war, verschwendete sie nicht einen einzigen weiteren Gedanken an diesen möglichen Fauxpas, suchte und fand Siv und richtete ihr die Nachricht aus, die nicht für sie bestimmt war.


    Zurück im balneum wartete ich auf Dinas erscheinen, und bald darauf hörte ich die Tür sich öffnen. Genüsslich an die kräftigen Hände denkend, die mich noch mehr entspannen würden, hatte ich die Augen geschlossen und wartete darauf, dass Dina mit der Massage begann.

    Sim-Off:

    Stimmt :)


    Diese kleinen Sticheleien zwischen den beiden entwickelten sich allmählich zu einer Art Fehde. Und das war etwas, das ich ganz sicher nicht so wollte. Ich warf Celerina ebenso verstohlene Blicke zu wie ich es bei Siv tat, und fragte mich im Stillen, wie ich es nur bewerkstelligen konnte, dass die beiden nicht ständig Zweideutigkeiten austauschten und sich gegenseitig piesakten. Ich gab mir die größte Mühe, neutral zu wirken, auch wenn ich mich gerade nicht sonderlich glücklich fühlte, so wie die Dinge sich wandelten.


    Ein wenig versonnen lächelte ich, kaum dass Celerina ihr Gefallen auf so begeisterte Art zum Ausdruck brachte. Dann glitt mein Blick zu der Orchidee hin, verweilte jedoch nicht und schob sich weiter zu Siv, die mich in diesem Moment gemartert ansah und dann den Blick abwandte. Ihre Augen wirkten seltsam wässrig. Ohne es zu lenken, dachte ich an die Situation zuvor im Zimmer, verdrängte den Gedanken jedoch, sobald er aufgekommen war. Sollte ich sie fortschicken? Siv wirkte nun anders als zuvor, nicht mehr so voller Wut und Abscheu, sondern verletzbar. Sie musste unter der Situation leiden. Ich fühlte mich zudem unangenehm, und Celerina...nun, ihr missfiel die Anwesenheit der Germanin ganz offensichtlich. Ich würde also allen einen Gefallen tun, wenn ich Siv fortschickte, und ich sollte es besser tun, ehe die Spannungen gänzlich eskalierten...


    Ich legte meine Hand auf Celerinas Hand, die ihrerseits auf meinem Arm ruhte. "Danke, Siv. Du kannst jetzt gehen. Den Rest schaffen wir allein", sagte ich ruhig und sah sie an. Die Sklavin mochte in meinem Blick mehr Milde erkennen als dies zuvor an diesem Tag der Fall gewesen war, Celerina aber dachte sicher etwas gänzlich anderes ob der vertrauteren Berührung meinerseits, wenn ich Siv nun fortschickte. Ich wartete, bis sie gegangen war und das Rascheln ihrer Schritte nicht mehr zu vernehmen war, dann wandte ich mich Celerina zu. Ich sah mich genötigt, etwas zur Entschuldigung vorzubringen. "Sie ist bisweilen etwas schwierig, aber im Garten ist sie unentbehrlich." Ich lächelte ein wenig und sah dann auf die Orchidee hinab. Ob ich einen sachten Strich mit meinem Daumen wagen sollte? Ich tat es. "Ich möchte dir eine Knolle schenken, sobald sie einen treibt", sagte ich. "Das heißt...sofern es nicht eine Art ist, die Samen ausbildet. So genau wusste mein Kaufmann nicht, welche Art er erwischt hat, bedauerlicherweise." Im Grunde ging es hier gerade nicht um Orchideen, schon längst nicht mehr. Was Celerina wohl tun mochte?

    [Blockierte Grafik: http://img231.imageshack.us/img231/9905/sklave4zp0.jpg]


    Mit einem langgezogenen Seufzer ließ Alexandros die Hand mit dem Kamm wieder sinken und sah betrübt von Siv zu Fhionn und wieder zurück. "Ach! Wir hätten alle mal früher den Mund aufmachen sollen!" stieß er aus und drehte den Kamm in den Händen, als sei er sein letzter Anker in der Not. Da half auch Fhionns aufmunterndes Lächeln nicht besonders viel weiter. "Die and'ren fühlen sich auch ganz elendiglich deswegen", gestand er. "Aber...wenn wir alle bezeugen, dass es stimmt, dann...dann kann er doch gar nicht anders als uns glauben, nicht wahr?" fuhr er verzweifelt fort und sah Siv an. Fhionn stand auf und trat zum Fenster. "Und wenn..."


    In diesem Moment ging die Tür erneut auf, diesmal ohne klopfen. Es war Brix, und er sah bleich aus und so, als hätte auch er kein Auge zugetan in dieser Nacht. "Es ist soweit", sagte er knapp und grußlos und vermied es, irgendwen anzusehen. "Sie warten."


    Etwas klapperte. Es klang endgültig. Alexandros' Kamm war zu Boden gefallen.

    Es verging noch eine geraume Weile, in der ich mit mir und meinen Gedanken vor der Tür wartend allein war. Schon zweifelte ich daran, ob Laevina tatsächlich in ihrem Zimmer war, doch da hörte ich schnelle Schritte und geduldete mich noch einen Augenblick länger. Kurz darauf wurde meine Geduld belohnt und ich hineingebeten. Ich trat also ein.


    Der Geruch des Schlafes hing noch im Zimmer wie Parfum nach einer angenehmen Nacht. Mein Blick fiel augenblicklich auf Laevina, die ein wenig zerstrubbelt auf ihrem Bett saß. Sicherlich hatte sie bis eben darin gelegen und wollte sich nur nicht die Blöße geben, mich im Schlafgewand zu empfangen. Ich lächelte sie an. "Guten...nun ja, Tag, junge Dame", begrüßte ich sie und ging zuerst zum Fenster hinüber, dessen Flügel ich weit öffnete, um die herrliche Luft hereinzulassen, die der kühlere Tag mit sich gebracht hatte. Dann wandte ich mich um und ging zu Laevina, um mich neben ihr auf die Bettkante zu setzen. "Ich hoffe doch, dass du gut geschlafen hast? Wie war deine erste Nacht in Rom?" Erneut lächelte ich sie an. Dass sie vielleicht nicht ahnte, wer ich war, dieser Gedanke kam mir gar nicht, und so fuhr ich einfach fort. "Verzeih mir, dass ich dich nicht gestern schon begrüßt habe, aber als ich nach Hause kam, hast du vermutlich schon geschlafen. Wie war die Reise?"

    Zugegebenermaßen, ich hatte nicht damit gerechnet, eine Antwort von der kaiserlichen Kanzlei zu erhalten, wo ich doch Durus geschrieben hatte. Vermutlich, so war meine Schlussfolgerung gewesen, hatte Durus den Brief weitergeleitet und der Kaiser nahm an dieser Sitzung persönlich als pontifex maximus teil. Dementsprechend hatte ich mich in die beste toga gehüllt, die ich besaß. Einzig der purpurne Hinweis auf die Senatorenwürde fehlte noch, obwohl doch mein Patron guter Dinge gewesen war bezüglich der Erhebung.


    Diese Sitzung des Kollegiums war die erste, an der ich teilhaben durfte. Das Anfangsritual war gut verlaufen, die ersten Punkte der Tagesordnung eher nichtigerer Natur gewesen. Und schließlich wurde mir signalisiert, dass man mich nun anhören würde. Ich erhob mich.


    "Mein Kaiser, verehrte pontifices", begann ich und sah in die Runde. Die meisten Gesichter waren mir bekannt, ob flüchtig oder näher. "Zunächst möchte ich euch danken, dass ihr mir die Gelegenheit gebt, im Namen des collegium septemvirorum hier zu sprechen.


    Das Thema, welches ich zuerst ansprechen möchte, ist heikel - es geht um den Nachwuchs der Priesterschaft. Es ist nicht unbekannt, dass wir lange Zeit viel zu wenigen jungen Männer und Frauen den Eid abgenommen haben. Die Zahlen sind auch heute noch katastrophal, in den Provinzen und im restlichen Italien noch mehr als hier in Rom. Zwischenzeitlich scheint die Bereitschaft ein wenig angestiegen zu sein, im Dienst der Götter zu arbeiten. Jedoch - und das möchte ich betonen - gibt es nach wie vor zu wenig Priester, und die Situation ist beinahe überall im Reich so." Ich schwieg einen Moment und warf erneut einen ernsten Blick in die Runde. "Wir haben über dieses Problem immer wieder diskutiert. Es gilt, die Ursachen zu finden für diesen gravierenden Mangel an Priestern. Wie soll die pax deorum aufrecht erhalten werden, wenn es nicht genügend Willige gibt, die daran arbeiten? Zum einen scheint das Priesteramt - aus welchen Gründen auch immer - nur wenig angesehen zu sein bei den Bürgern. Viele vergleichen auch Tätigkeit und Entlohnung eines Priesters mit diversen anderen Ämtern, beispielsweise aus dem Postwesen, der Stadtverwaltung oder der Kanzlei. Dabei kommen sie nicht selten zu dem Schluss, dass sie ihre Familie besser ernähren können, wenn sie sich Akten widmen und nicht den Göttern. Das klingt ketzerisch, doch ist es leider die traurige Wahrheit."


    Auch jetzt machte ich eine betroffene, kleine Pause und studierte kurz die Reaktionen auf den Gesichtern der pontifices Bei Durus blieb mein Blick kurz ein wenig länger hängen, ehe er weiter glitt. "Meine Herren, wir können nicht zulassen, dass dem Reich Schaden widerfährt, weil die Götter sich abwenden, nur weil die Arbeit anderer Branchen besser bezahlt wird. Wir können die Leute nicht dazu zwingen, sich mehr mit den Göttern zu beschäftigen, doch wir können diese wichtige Arbeit attraktiver gestalten. Das collegium septemvirorum hält es für ratsam, die Entlohnung der Priesterschaft merklich zu erhöhen. Mit diesem Vorschlag treten wir an euch heran, verehrte pontifices. Ob dieses Mehrentgeld im Rahmen einer regulären Erhöhung der Entlohnung oder als zusätzliche zahlungen für besonderen Einsatz - oder überhaupt - eingeführt wird, liegt an euch. Wir haben diese Maßnahme für Attraktivitätssteigerung einstimmig gutgehießen und schlagen eine Erhöhung der Entlohnung um mindestens dreißig Prozent für sacerdotes vor. Letztendlich jedoch bleibt es eure Entscheidung. Ebenso sollte vermehrt Werbung für den cultus gemacht werden. Selbstverständlich kann man solche in der Acta veröffentlichen, doch wäre es vermutlich gut, wenn wir gleich auf die Jüngeren zugehen und von der Wichtigkeit der Arbeit eines Priesters überzeugen. Zudem bedenkt, dass man mit einer größeren Priesterschaft gleichzeitig mehr für sich werben und somit wieder mehr Leute gewinnen kann. Wir müssen diesen desolaten Kreislauf unterbrechen und zu unseren Gunsten verändern."


    Hier schwieg ich erneut. Es bestand mit Sicherheit Diskussionsbedarf. Nach einem Moment nahm ich wieder Platz und drehte nachdenklich mit der Daumenkuppe an meinem Siegelring.

    Grundlagen...das bedeutete, der Junge konnte im Grunde gar nichts. Außer lesen, wie es schien. "Dann hat er nicht ganz unrecht. Wenn du dich anstrengst, kannst du es mit etwas Hilfe weit bringen", sagte ich so dahin und ließ unklar, welche Hilfe ich meinte und wozu er es bringen konnte. "Sozusagen", kommentierte ich seine Nachfrage und drehte den Papyrus auf dem Tisch in eine etwas akkuratere Linie zur Tischkante hin.


    "Das ist gut zu wissen", fuhr ich fort und unterdrückte ein Schmunzeln. Ganz so auf den Kopf gefallen zu sein schien mir der Junge nicht, und er hatte wohl Humor. Achtzehn Jahre jung war er also. In seinem Alter war ich bereits wieder nach Rom zurückgekehrt von meinen Studien. Ich schwieg einen Moment, meine Augen blitzten belustigt auf, als er mich fragte, ob ich denn nicht selbst rechnen könnte. "Ich spreche von der Mathematik, Louan", stellte ich schmunzelnd fest. Und dann sah ich den kleinen Gallier überrascht an. Caelyns Bruder! "Er hat dich kommen lassen? Und du bist jetzt hier, weil...lass mich raten, du willst deine Schwester freikaufen", vermutete ich und stützte den Kopf müde auf die rechte Hand. "Hm. Du kannst gut zeichnen? Dann möchte ich, dass du es mir zeigst. Im Garten steht eine besondere Blume. Kannst du die für mich zeichnen?"

    Als es klopfte, wandte ich mich um. Die Hände auf dem Rücken locker verknotet, stand ich am Fenster und sah hinaus, ohne etwas zu sehen. Seit Tagen lag mir etwas schwer im Magen, doch ich hatte bis dahin noch mit niemandem darüber gesprochen. "Herein." Ich wandte mich wieder um, mochte man es unhöflich nennen, den Besucher mit dem Rücken zu empfangen, aber nach aufgesetzter Freundlichkeit war mir gerade nicht. Am morgigen Tage hatte ich eine Anhörung beim collegium pontificium, und wie mir berichtet worden war, würde sich auch der Kaiser einfinden. Vielleicht ergab sich dann eine Möglichkeit, ein paar Worte mit ihm zu wechseln in dieser bestimmten Sache, die mir Kopfzerbrechen bereitete. Ob es klug war, würde sich dann zeigen. Ich hatte während der letzten Tage so oft Für und Wider gegeneinander abgewägt, dass mir meine Gedanken nur mehr wie ein zäher Einheitsbrei zu sein schienen. Die Tür öffnete sich, gleichsam wogten die Zweige der Bäume sich draußen mit ihren bunt werdenden Blättern im Wind.

    "Ich denke schon", antwortete ich und verfolgte dann ein wenig perplex das seltsame Gespräch zwischen Verus und Louan. Obwohl es zunächst so aussah, als müsste man einen Sklaven sich zwischen die beiden werfen lassen, schienen sie ganz urplötzlich ein Herz und eine Seele zu sein. Mit hochgezogenen Augenbrauen musterte ich erst Louan, dann Verus. Und ehe ich etwas sagen konnte, brachte der Sklavenschinder dort vorn diese Versteigerung zum Abschluss. Der Germanicer bot ein letztes Mal, Orestes hielt mit - und bekam letztendlich den Zuschlag. Ich grinste schief und klopfte ihm auf die Schulter. "Glückwunsch, Manius, deine erste echte Sklavin", kommentierte ich, dann war er auch schon fort, vorn beim Händler. Das Prozedere kannte ich ja bereits.


    "Willst du noch zu den Germanicern hinüber gehen? Ansonsten würde ich die Apicia vorschlagen, dort bekommen wir um diese Zeit sicher noch einen Platz", sagte ich, kaum dass er wieder da war. "Mich würde ja interessieren, was Tranquillus heute noch so im Angebot hat. Aber...ah, gehen wir besser, sonst wird das noch teuer für uns." Ich zwinkerte Orestes zu und ging los. Die übliche kleine Schar Sklaven sorgte um uns herum für ein wenig Platz.

    Auch wenn ich bei Laevinas Ankunft nicht hatte zugegen sein können, so hatte mich dennoch die Kunde von ihrer Ankunft erreicht, als ich heimgekehrt war. Doch gleichsam war mir berichtet worden, dass die Aurelierin, müde und ausgelaugt von der Reise, erst einmal ein Bad genommen und sich danach zurückgezogen hatte. Ich hatte sie nicht wecken wollen, und so hatte ich auf den Besuch verzichtet mit der Absicht, sie gleich am nächsten Morgen nach dem Klientenempfang zu besuchen.


    Es waren mehr Anliegen als sonst gewesen heute, sodass es beinahe Mittag war, als ich endlich die Zeit fand, Laevina aufzusuchen. Ein Sklave, den ich nach ihr gefragt hatte, wusste nichts über ihren Aufenthaltsort, sagte mir aber, dass er nicht glaubte, sie habe ihr Zimmer verlassen. Also versuchte ich dort mein Glück, indem ich anklopfte. "Laevina?" fragte ich durch das Holz. So einiges hatte ich mir ausgemalt, wie sie wohl sein musste. Insgeheim wünschte ich mir eine zweite Prisca, sanftmütig und so liebenswert, denn wenn ich meine Nichte nun schon an meinen besten Freund verlor, so würde mir dann doch wenigstens Laevina bleiben. Aller Rationalität zum Trotze hoffte ich, dass es wahrhaftig so sein würde, ich ein Lämmchen vorfinden würde. Und doch... War nicht auch Prisca damals anders gewesen? All das Grübeln half nichts. "Bist du da?"

    "Ah, so ist das. Ich muss gestehen, dass ich derzeit auch eher wenig hilfreich für die Aurata bin, und deswegen schon überlegt habe, ob ich nicht austrete und andere nachrücken lasse, die mehr von Nutzen sind." Mit dem Herzen konnte man ja immer noch dabei sein. Gracchus' Worte ließen mich derweil leicht schmunzeln. Wie er es beschrieb, klang ein Rennen tatsächlich öde und langweilig, doch wenn man dann im circus stand, trug einen allein die Stimmung schon mit sich. "Mich reizt daran das Drumherum", gestand ich. "Ich selbst bin nicht unbedingt ein Freund von Pferden, aber die Streitgesänge zwischen den Anhängern der einzelnen Ställe und der Trubel sind wie ein Rausch." Ich vermutete, dass Gracchus sich nicht weit genug gehen ließ, um diesen Rausch ebenfalls zu empfinden. In dieser Hinsicht war er doch etwas seltsam.


    "Ja, diesen meine ich. Sein Name war mir entfallen", bestätigte ich, was an sich ja auch kein Wunder war, denn wer merkte sich schon die Namen fremder Sklaven? Sein Vorschlag sagte mir sehr zu, auch wenn ich argwöhnte, dass einige der aurelischen Sklaven ein Mehr an Feinschliff benötigen würden als die flavischen. Vielleicht sollten wir bei den nächsten Einkäufen vermehrt darauf achten, dass es nicht Fremdsprachler waren, die wir erwarben. Ich nickte, als Gracchus die Entlohnung zurückwies, natürlich hätte ich sie nicht diesem paedagogus zugestanden, sondern Gracchus, und ich empfand es als höflich, zumindest zu erwähnen, dass seine Mühe und Bereitschaft nicht unbedacht bleiben sollte. "Dann habe ich dir zu danken. Hoffen wir, dass es jedem etwas nutzen wird."


    Kaum dass Gracchus die Verabschiedung einleitete, erhob ich mich. "Du bist in diesem Hause stets ein gern gesehener Gast. Ich würde mich freuen, wenn wir unsere Gespräche ein andermal fortsetzen können", erwiderte ich auf seine Verabschiedung hin. Ich hielt es für richtig, den Flavier zur Tür zu geleiten, wo ich ihn nochmals verabschiedete. Als er gegangen war, blickte ich eine Weile nachdenklich auf das bewegte Wasser des impluvium, dann setzte ich mich in Bewegung und verschwand in den Eingeweiden der villa.


    ~ finis ~

    "Er ist mein Neffe", wiederholte ich bestätigend. Der Kleine war wohl etwas langsam, was ich ihm nicht verübeln konnte. Allem Anschein nach konnte er allerdings lesen, das war schon mal nicht schlecht. Ihm zu erzählen, dass ich seinerzeit der Jüngste meiner Brüder gewesen war, hielt ich allerdings für unnötig. "Und worin gedenkt er, dich auszubilden? Mir scheint, er muss ganz unten anfangen", fuhr ich fort und lehnte mich ein wenig zurück, um Louan besser mustern zu können. Wer nicht einmal die Sage von der Gründung Roms kannte, mit dessen sonstigem Wissen konnte es dann auch nicht sonderlich weit her sein. Andererseits, was wollte man von einem Gallier schon groß erwarten? Mir war nur einer bekannt, der sich hier in Rom einen Namen gemacht hatte. Pollux. Der Koch. Da fiel mir ein, ich wusste gar nicht, ob es Pollux inzwischen wo anders hin verschlagen hatte. Lange schon hatten wir nicht mehr in der Apicia gegessen. Ich nahm mir vor, das in Bälde nachzuholen.


    "Aha", meinte ich auf seine brennende Rede zum Thema Abschaum hin. "Vermutlich hat mein Neffe vergessen, dir zu sagen, dass bezüglich der Gastfreundschaft in diesem Hause immer noch ich das letzte Wort habe." Diese Worte ließ ich einige Herzschläge lang wirken, dann machte ich eine nebensächliche Geste mit der Hand. "Von mir aus, Louan aus Augustodunum, kannst du hier bleiben. Allerdings", sagte ich und sah ihn dabei ernst an, "wünsche ich, dass du ein Bad nimmst und Ursus für entsprechende Kleidung für dich sorgt. So kannst du unmöglich hier herumlaufen. Morgens wimmelt die villa vor Klienten, und ich möchte nicht, dass sie einen abgerissenen Bengel hier herumlungern sehen. Und ich rate dir, dich in deine Ausbildung - wie auch immer Ursus sie gestalten mag - hereinzuknien und zu lernen. Wie alt bist du eigentlich? Erzähl mir etwas mehr über dich, kannst du rechnen? Irgendwelche besonderen Fähigkeiten?"

    Sim-Off:

    Prima, ist übertragen


    Verdutzt sah ich Varus an und musste dann lachen. "Ach Annaeus. Ihr beim CP nehmt mich irgendwann noch mal aus. Dann muss ich also neunzig Sesterzen zahlen? Na, wie gut, dass ich nicht noch eine Quittung wollte, hm?" Ich grinste und machte gleichzeitig eine wegwerfende Handbewegung. "Naja. Einmal nehme ich das ruhig in Kauf, wenn nur der Brief auch ankommt." Und dabei dachte ich daran, was er über seinen neuen tabellarius so erzählte. Zwar war das nichts Schlimmes gewesen, aber der Tonfall war doch ein wenig unterschwellig gewesen, fand ich.


    Dann besah ich mir die Preisliste. "Ah, ja. Da hast du recht, fünfundzwanzig ist doch ein wenig mickrig. Ich nehme dann die größte. Die wird sicher wieder eine Weile halten, es sei denn, ich werde nun öfter Pakete und Einschreiben versenden, schätze ich." Schmunzelnd lehnte ich mich zurück und nestelte nach dem Beutel an meiner tunica. "Zweihundertdreißig, sagst du?" Ich zählte zwei aurei und drei Denare ab und legte sie neben die Schriftrolle mit den Wertkartensummen. "So. Ah, ja genau, das war die Weihe. Wie steht es denn da mit dem Tempel? Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich gar nicht weiter informiert habe darüber." Geflissentlich nickte ich, als er von Mantua sprach. "Ja gern, etwas Wein. Ich selbst bin schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr in Mantua gewesen, muss ich sagen. Ich glaube aber auch, dass ich recht schnell das Leben und die Hektik hier vermissen würde. Wenn Rom dich einmal gefangen hat, lässt es dich so schnell nicht mehr los." Ich dachte an manche Römer, die die Stadt gerade während der Sommermonate verließen, und musste gestehen, dass ich selbst bisher nicht gerade auf den Gedanken gekommen war, es ihnen gleichzutun. Vielleicht, so überlegte ich, sollte ich einmal nach Sardinien reisen.


    AUDITE +++ AUDITE
    DER CULTUS DEORUM ROMAE GIBT BEKANNT


    Zum an den ID OCT DCCCLVIII A.U.C. (15.10.2008/105 n.Chr.) stattfindenden EQUUS OCTOBER werden junge, mutige Männer gesucht, die bei den traditionellen Zweigespannrennen zu Ehren des Mars mitfahren.



    [Blockierte Grafik: http://img261.imageshack.us/img261/1216/hippo01ln5.jpg]



    Zu diesem Zwecke setzt der cultus deorum ein PREISGELD in Höhe von 30 aurei aus. Interessenten melden sich bitte bis zum vierten Tage vor den Iden des October (12.10.2008/105 n.Chr.) bei Marcus Aurelius Corvinus, villa Aurelia, Roma.


    Um das Kräftegleichgewicht zu wahren, dürfen FACTIONES gern je einen Nachwuchsauriga stellen, sofern er zwanzig Sommer nicht überschritten hat.


    Sim-Off:

    Das bedeutet: Dieses Rennen ist ein Rennen für die Bevölkerung. Da kann jeder mitmachen, so er denn möchte und ein Gespann hat oder organisiert bekommt, ob Erfahrung vorhanden ist oder nicht. Die Rennbetriebe wollen wir nicht außen vor lassen, doch sind die Einschränkungen gegeben, damit der "normale Bürger" auch eine Chance hat. Sollte ein Rennbetrieb die Einschränkung nicht erfüllen können, sind auch NPCs gern gesehen.


    In diesem Sinne hoffen wir auf einen regen Andrang. :)


    Sim-Off:

    Bitte je 1x aushängen in Alexandria, Mogontiacum, Confluentes und Tarraco. Porto geht vom Konto des CD runter. Danke :)



    AUDITE +++ AUDITE
    DER CULTUS DEORUM ROMAE GIBT BEKANNT


    Zum an den ID OCT DCCCLVIII A.U.C. (15.10.2008/105 n.Chr.) stattfindenden EQUUS OCTOBER werden junge, mutige Männer gesucht, die bei den traditionellen Zweigespannrennen zu Ehren des Mars mitfahren.



    [Blockierte Grafik: http://img261.imageshack.us/img261/1216/hippo01ln5.jpg]



    Zu diesem Zwecke setzt der cultus deorum ein PREISGELD in Höhe von 30 aurei aus. Interessenten melden sich bitte bis zum vierten Tage vor den Iden des October (12.10.2008/105 n.Chr.) bei Marcus Aurelius Corvinus, villa Aurelia, Roma.


    Um das Kräftegleichgewicht zu wahren, dürfen FACTIONES gern je einen Nachwuchsauriga stellen, sofern er zwanzig Sommer nicht überschritten hat.


    Sim-Off:

    Das bedeutet: Dieses Rennen ist ein Rennen für die Bevölkerung. Da kann jeder mitmachen, so er denn möchte und ein Gespann hat oder organisiert bekommt, ob Erfahrung vorhanden ist oder nicht. Die Rennbetriebe wollen wir nicht außen vor lassen, doch sind die Einschränkungen gegeben, damit der "normale Bürger" auch eine Chance hat. Sollte ein Rennbetrieb die Einschränkung nicht erfüllen können, sind auch NPCs gern gesehen.


    In diesem Sinne hoffen wir auf einen regen Andrang. :)