Entspannt vom Wasser und ebenso träge geworden durch die Wärme und Diesigkeit des Raumes, lag ich dösend auf der Liege und lauschte den Geräuschen um mich herum, die wie durch Nebel an meine Ohren drangen. Da waren gedämpfte Schritte, ein kurzes Klappern, das quietschende Geräusch eines Korkens, der aus einem Flakon gezogen wurde und das sich nochmals wiederholte. Die Fläschchen wurden abgestellt, nicht auf das Regal, sondern auf einen anderen Untergrund, denn das Geräusch klang anders. Dann rieben Hände aneinander, eine Art schmirgelndes Geräusch. Ich seufzte tief, als ich die Wärme der zarten Frauenhände auf der Schulter spürte. Dass Dina nichts sagte, erschien mir nicht seltsam, im Gegenteil, ich genoss es und war ihr dankbar, dass sie den Genuss der Massage nicht durch Worte schmälerte. Allmählich drang der Duft des Öls an meine Nase, herb und frisch, nicht blumig und schwer, wie die Frauen ihn wohl bevorzugen mussten, da so viele von ihnen nach schwerem Parfum rochen.Meine Gedanken schweiften ab, und ich versuchte mich zu erinnern, wie Celerina eigentlich gerochen hatte. Ein Hauch von Weihrauch hing in der Luft, süßlich und herb zugleich, doch Celerina hatte nicht danach gerochen, sondern nach....
Ganz versunken, störte das plötzliche Zurückschrecken der warmen Hände den Gedankenfluss, gerade als ich mich eines anderen Duftes erinnerte. Der Geruch nach Frische, Tannennadeln, herbem Laub... Siv roch so, hatte so gerochen, wenn sie bei mir gelegen hatte. Etwas an Dina stimmte nicht - das wusste ich spätestens in dem Moment zu sagen, in dem sie inne hielt. Doch was es war, das mich störte, konnte ich nicht benennen. Ich öffnete die Augen, doch sah nur ansatzweise die Hände aus den Augenwinkeln. Dina beschränkte sich nun wieder auf die Schultermuskulatur. Ein wenig nur hatte ich mich versteift, doch merklich. Ich wandte dann den Kopf, fort vom Becken und mit Blick in Richtung der Tür, und ich entdeckte Siv, nicht Dina. Im ersten Moment hatte ich einen Kloß im Hals, ob vor Verwunderung oder Ärger - oder etwas anderem, doch dann entspannte ich mich wieder und sah Siv nun, bequem liegend und aus den Augenwinkeln heraus, unverwandt an. Ich war des Streitens müde, ich war es so leid. Und so sagte ich nichts weiter, und sah sie nur aufmerksam von unten herauf an.