Beiträge von Marcus Aurelius Corvinus

    Aus Sivs Kauderwelsch konnte ich nur wenige bekannte Worte heraushören, dazu war mein germanischer Wortschatz zu gering und die letzten Übungsstunden zu lange her. Dementsprechend wusste ich auch nicht, was Siv sagte. Ich wollte mir einreden, dass es mich auch in keinster Weise interessierte, doch allmählich erkannte ich, dass dem nicht so war. Es interessierte mich durchaus, doch nur deswegen, damit ich sie mit der Nase auf ihren Fehler stoßen konnte. Sie geriet zusehend mehr außer Rand und Band. Ich wusste nicht, wie sehr sie die Situation in den letzten Wochen belastet hatte, ich hatte stets nur gehofft, sie möge brennen und stechen, wie sie in mir gebrannt und gestochen hatte. Allmählich abgestumpft, so hatte ich vorhin gefühlt, als ich zurücksah auf die vergangenen Wochen. Doch Siv hatte die Flamme wieder entfacht, die mein Innerstes doch eigentlich schon längst hätte aufgezehrt haben müssen. Darüber war ich erstaunt, und gleichzeitig versuchte ich, den Funken zu löschen wie weiter zu entfachen. Es tat gut, zu wüten und seiner Wut freien Lauf zu lassen, obwohl ich doch wusste, dass ich damit die Beherrschung verlor, die Tugenden, auf die ein perfekter Römer so stolz gewesen wäre. Doch ich war Längen entfernt, um im Ansatz perfekt zu sein.


    Die Ader an meiner Schläfe pochte bereits. Sie würde es sehen, und wenn sie sich erinnerte, würde sie das mit anderen Begebenheiten in Verbindung bringen, in denen ich ebenfalls aus der Haut gefahren war. Ich knirschte mit den Zähnen, bereits nach einem passenden Vorwurd suchend, um ihn ihr entgegenzuschleudern. Da traf mich plötzlich ihre Hand im Gesicht. Mein Kopf ruckte nach rechts, meine linke Wange prickelte von ihrem Schlag, und mein Geist war erfüllt von Überraschung, in die ganz allmählich die Wut darüber rieselte, dass sie es gewagt hatte, mich zu ohrfeigen. Ganz gewiss färbte sich nun mein Gesicht rot, sowohl durch die schallende Ohrfeige als auch durch das, was ich ob ihrer Dreistigkeit empfand. Ich wandte langsam den Kopf, zwang mich zum langsamen Atmen, doch scheiterte. Nur kurz sah ich Siv an, dann griff ich unsanft nach ihren Handgelenken, dreückte fest zu und drehte mich mitsamt ihrer Gestalt. Nun war sie es, die mit dem Rücken zur Tür stand, und ich ließ sie genau das spüren, indem ich sie zunächst mit einem Ruck dagegenschleuderte und danach an die Tür presste, beides ohne sie loszulassen. Ich war in Rage, wie ich es lange nicht mehr gewesen war, und doch fehlten mir die Worte. Stattdessen atmete ich heftig und verspürte ein gewisses Verlangen danach, ihr wehzutun. Ihre Handgelenke presste ich rechts und links neben ihrem Kopf an das Holz der Tür, mein Gesicht nah an ihrem, mein Körper an ihren gedrückt, und ich starrte sie an, zornig schnaubend.

    Zitat

    Original von Narrator Italiae
    "Einmal am Schicksalsrad drehen nur ein As!"....


    An einer Brüstung stehend, wandte ich den Kopf, als die seichte Brise die Worte eines der vielen Händler mit sich zur Brücke trug. Unentschlossen sah ich einen Moment zu, wie die Dame am Rad eben jenes für jemanden drehte, der jedoch nicht den Hauptpreis gewann. Nun, ein As war nicht die Welt. Und vielleicht würde Fortuna mir hold sein?


    Ein letztes Mal sah ich von der Brücke hinunter, erspähte unter mir nur wenige Meter entfernt Tiberius Durus und grüßte ihn kurz mit erhobener Hand und einem Nicken. Dann gab ich mir einen Ruck, ließ mir einen Weg durch die Menschen bahnen und steuerte gemächlich das Glücksrad an, vor dem sich inzwischen eine regelrechte Traube gebildet hatte, sodass niemand mehr ohen Schwierigkeiten vorbeizugehen vermochte. Ich stellte mich zu den anderen in den Weg und beobachtete erst einmal.


    Sim-Off:

    :D

    Das Schweigen wurde nur durchbrochen vom gelegentlichen Klappern einer Tafel, von unterdrückten Seufzern und langgezogenem Atmen. Ab und zu sah ich verstohlen zu Avianus, der mir abwesend erschien (:D) Ich wusste nicht, wie lange wir die Akten des cultus wälzten, doch als der Turm allmählich abnahm und sich schließlich zur Gänze umgeschichtet hatte, war ich nur noch verwirrt. Bis auf zwei Eintragungen, die darauf verwiesen, dass man dem rex sacrorum zusätzliche Gelder geschickt hatte für Irgendetwas, waren keine Transaktionen zwischen Fabius Antistes und dem stadtrömischen Kult verzeichnet.


    Langsam klappte ich die letzte Tafel zu und legte sie auf den Stapel. Ich blinzelte, schüttelte den Kopf und sah dann zu Accoleianus hinüber. "Und du bist dir sicher, dass dies alle Akten waren?" fragte ich nach, obwohl ich die Antwort bereits kannte. Schließlich war die Buchführung datumsrelevant lückenlos gewesen. Nachdenklich legte ich Daumen und Zeigefinger der Rechten um mein Kinn. "Irgendetwas stimmt da nicht. Es müsste mindestens eine einzelne Eintragung von Fabius Antistes' Kasse verzeichnet sein." Oder war gar dem scriba ein Fehler unterlaufen, als er die Eintragungen in die Akten gemacht hatte? Mit tief gefurchter Stirn deutete ich auf den Stapel der persönlichen Finanztransfers des Fabiers. "Machen wir erst einmal damit weiter", schlug ich vor und schob auch Avianus eine Wachstafel hin, damit er nicht tatsächlich einschlief...




    SEPTEMVIR - COLLEGIUM SEPTEMVIRORUM
    AUCTOR - ACTA DIURNA
    TUTOR - AURELIA PRISCA
    TUTOR - AURELIA HELENA
    SODALIS FACTIO AURATA - FACTIO AURATA


    __________________________


    Mit Wohlwollen betrachtete Telesinus, wie der Senator sein Gebet sprach. Mit Hingabe und Demut, wie es sich gehörte. Als er geendet hatte, nickte der Cadier andeutungsweise und wies zurück zum Eingang des Merkurtempels. "Wir sollten nun mit dem Blutopfer fortfahren. Gewiss hat man bereits dafür Sorge getragen, dass ein ansehnliches Tier hergerichtet worden ist", sprach er und ging an Quartos Seite hinaus aus dem Tempel.


    Die Sonne stand hoch am Himmel, dessen kleine Cumuluswolken viel vom Sonnenlicht durchließen, sodass Telesinus einen kurzen Moment geblendet war. Er schritt an den Stufen entlang zur Südwestseite des Tempels, denn dort befand sich einer von insgesamt sechs kleineren steinernern Altären. Der große Marmorblock direkt vor dem Gebäude wurde nur bei Staatsopfern oder anderen wichtige Begebenheiten benutzt.


    Bereits beim Näherkommen konnte der Senator den strahlend weißen Widder bewundern, der eine kurze Kordel um den Hals und den typischen Schmuck am Körper trug. Daneben stand ein schmächtiger Jüngling im Schatten und wartete darauf, dass Telesinus und sein Begleiter herankamen. Weihrauchduft lag bereits in der Luft, und Cadius Telesinus nickte wohlgefällig dem Knaben zu, der daraufhin schamerfüllt zu Boden blickte, doch lächelte. Der Priester wies Quarto einen Platz im Schatten zur Rechten, während er selbst links Aufstellung nahm und seine langgliedrigen Finger in eine bereitstehende Wasserschale tauchte. Der Knabe reichte ihm ein Tuch, und als er sich die Hände getrocknet hatte, benetzte er die Fingerspitzen der Rechten mit mola salsa aus einem irdenen Gefäß. Wenige Wassertropfen sprenkelten die toga des Senators, umso mehr das weiße Fell des gehörnten Widders. "Mögest du frei von jeglichem Makel sein, Tier, das du auserkoren bist, Merkur den Dank seines treuen Sohnes zu bedeuten", murmelte Telesinus.


    Ein flüchtiges Nicken reichte aus, damit der Junge dem Tier seinen Schmuck abnahm. Der weiße Widder sah Quarto mit seinen sanften, braunschwarzen Augen an, als wolle er ihn bitten, die Sache nochmals zu überdenken. Doch schon blitzte die Schneide des Opferdolches in der Sonne, als Telesinus selbigen zog und Quarto dann knaufvoran reichte, damit dieser von Schwanz gen Kopf des Tieres streichen konnte, wie es sich für den Opferherren gebührte.



    Sim-Off:

    Verzeih die Wartezeit, aber ich war abgemeldet. :)

    "Es freut mich, dich kennenzulernen, Duccius. Ich bin septemvir Aurelius Corvinus", erwiderte ich, denn dies gebot die Höflichkeit, obwohl er gewiss meinen Namen schon auf dem Schild zu diesem Zimmer gelesen hatte. Ich kannte indes weder diesen jungen Mann noch dessen Vetter, von dem er sprach.


    "Du möchtest Priester werden", wiederholte ich, und man konnte meiner Stimme durchaus ein wenig Überraschung anmerken. Vorsichtshalber zog ich mir eine Wachstafel heran, um Notizen machen zu können. "Verzeih meine Überraschung, doch während meines Tribunats bei der legio secunda lernte ich einige Mitglieder deiner Familie kennen. Ich hoffe, Valentin Duccius Germanicus geht es gut?" fragte ich nichtsahnend und räusperte mich. "Duccius Lando ist zudem einer der subauctores. Nun, jedenfalls bin ich überrascht, dass du sacerdos werden möchtest. Pflegt deine Familie nicht die germanischen Traditionen?" Und dazu gehörte wohl auch, dass sie germanischen Gottheiten huldigten.

    Das Klatschen ihrer Schritte auf dem marmornen Boden verklang, als sie inmitten meines cubiculum anhielt und mich ansah. Ich seufzte, wandte mich um und begann, lustlos an der Kordel zu nesteln, die meine tunica an Ort und Stelle hielt. Siv polterte bereits los. Iihr Latein war schlechter, wenn sie wütend war, und sie fiel öter ins Germanische. Ich bemühte mich um eine möglichst teilnahmslose Geste, fast schon zu gnädig, wenn man bedachte, wer ich war und wie sie mit mir sprach. Missbilligend schürzte ich die Lippen und ließ die Hand vorerst sinken. Sivs Wutausbruch stand einen kurzen Moment wie ein Dritter im Raum. Ich löste mich von meinem Platz und ging langsam zur Tür, ergriff die Klinke und schloss sie. Dann verschränkte ich die Arme vor der Brust und lehnte mich, scheinbar kaltschnäuzig, von innen mit dem Rücken an das Türblatt.


    "Matho ist..war mein maiordomus. Welchen Grund hätte ich gehabt, seine Worte anzuzweifeln? Von dir allerdings wusste ich, wie sehr du uns Römer hasst. Auch wenn ich nicht geglaubt hätte, dass du mich hintergehen würdest", gab ich zurück und blickte Siv harsch an. "Titus hat bestätigt, was Matho mir sagte. Und was meinst du, wem ich wohl mehr glaube - meinem Neffen und meinem maiordomus oder einer römerhassenden, lügnerischen Sklavin, die mein Wohlwollen ausgenutzt hat?" Meine Augen hatten sich derweil zu Schlitzen verengt. Ich spürte das Brodeln tief in mir, und ein Teil hieß es willkommen. Diese Aussprache stand bereits zu lange aus. Sie war überfällig, selbst wenn es mir selbst danach noch schlechter gehen mochte als zuvor. "Ich denke, die Antwort liegt auf der Hand. Vielleicht sollte ich dich gleich verkaufen. Bisher habe ich dich nur um des Garten Willens behalten", fügte ich geringschätzend hinzu und neigte den Kopf ein wenig zur Seite. Das war eine Herausforderung, und zwar eine allzu deutliche. Dessen war ich mir bewusst.

    "Herein", rief ich aus dem Inneren des Zimmers, als es klopfte. Ich räumte einige Wachstafeln zur Seite und betrachtete den jungen Mann, der nun eintrat. Mein Blick fiel sofort auf sein Amulett, und da ist selbst zwei Jahre in Germanien gewesen war, erkannte ich natürlich das Wappen der ortsansässigen Familie wieder. Die Duccier. Seltsam daran war nur, dass diese doch dem germanischen Glauben nachstrebten, soweit ich wusste. "Salve. Setz dich doch. Wie kann ich dir helfen?"

    Und die entsprechende Ergänzung dazu: Sie wurde beizeiten schon überall entfernt, es ist aus irgendeinem Grund nur nicht im System eingetragen. :)


    edit: Gleiches betrifft übrigens Medeia. Kann es sein, dass es mit dem Exil-Status zusammenhängt?
    edit2: Sehr ominös. Obwohl bereits vor Wochen durchgeführt, konnte ich Plotina eben nochmals entlassen. Vorgesten Abend ging's noch nicht. Wir hatten zuerst versucht, das per PN zu lösen.

    Ich hatte bereits einen Fuß auf die Schwelle gesetzt, als ein unerwartet lautes Geräusch mich dazu zwang, stehen zu bleiben und mich überrascht umzuwenden. Siv stand inzwischen, aber der Stuhl, auf dem sie gesessen hatte, lag am Boden. Er war es, der das Geräusch verursacht hatte. Im nächsten Moment giftete Siv mich an, und als sich mein erstes Erstaunen gelegt hatte, bedachte ich sie mit missbilligendem Blick, bis ich ihr schließlich mit einer abrupten Geste das Wort abschnitt. "Was gebe ich dir nicht?" fragte ich sie mürrisch und mit einem begemischten, entnervten Unterton in der Stimme. Ich schüttelte den Kopf. "Du sagst, du hast nicht weglaufen wollen. Willst du behaupten, man hätte dich gewzungen? Titus hat mir geschrieben, was passiert ist. Welchen Grund hätte ich denn, daran zu zweifeln, dass du dich wie eine Wilde gebärdet hast, als man dich eingefangen hat?"


    Während ich gesprochen hatte, war mein Tonfall schärfer geworden. Es fiel mir allerdings erst am Ende auf. Ich seufzte tief und wandte mich ab, ließ Siv einfach stehen, wo sie war. Einen weiteren Streit konnte ich nicht gebrauchen. Ich fühlte mich ohnehin seit Tagen gerädert und auf eine seltsame Art zermürbt, auch wenn ich das nicht offen zugab oder zur Schau stellte. Erst recht nicht an diesem Vormittag, an dem Celerina hierher kommen würde. Ich musste noch dringend etwas essen, auch wenn ich noch keinen Hunger verspürte. Mich mit belanglosen Gedanken selbst ablenkend, blendete ich Siv schlichterweise aus und gelangte kurz darauf in meinen Räumen an. Hinter mir wurden bereits Schritte laut. Ich trat ein, in der Hoffnung, den Gram draußen lassen zu können, doch im nächsten Moment stand Siv bereits im Zimmer und schnappte sichtlich nach Luft.