Aus Sivs Kauderwelsch konnte ich nur wenige bekannte Worte heraushören, dazu war mein germanischer Wortschatz zu gering und die letzten Übungsstunden zu lange her. Dementsprechend wusste ich auch nicht, was Siv sagte. Ich wollte mir einreden, dass es mich auch in keinster Weise interessierte, doch allmählich erkannte ich, dass dem nicht so war. Es interessierte mich durchaus, doch nur deswegen, damit ich sie mit der Nase auf ihren Fehler stoßen konnte. Sie geriet zusehend mehr außer Rand und Band. Ich wusste nicht, wie sehr sie die Situation in den letzten Wochen belastet hatte, ich hatte stets nur gehofft, sie möge brennen und stechen, wie sie in mir gebrannt und gestochen hatte. Allmählich abgestumpft, so hatte ich vorhin gefühlt, als ich zurücksah auf die vergangenen Wochen. Doch Siv hatte die Flamme wieder entfacht, die mein Innerstes doch eigentlich schon längst hätte aufgezehrt haben müssen. Darüber war ich erstaunt, und gleichzeitig versuchte ich, den Funken zu löschen wie weiter zu entfachen. Es tat gut, zu wüten und seiner Wut freien Lauf zu lassen, obwohl ich doch wusste, dass ich damit die Beherrschung verlor, die Tugenden, auf die ein perfekter Römer so stolz gewesen wäre. Doch ich war Längen entfernt, um im Ansatz perfekt zu sein.
Die Ader an meiner Schläfe pochte bereits. Sie würde es sehen, und wenn sie sich erinnerte, würde sie das mit anderen Begebenheiten in Verbindung bringen, in denen ich ebenfalls aus der Haut gefahren war. Ich knirschte mit den Zähnen, bereits nach einem passenden Vorwurd suchend, um ihn ihr entgegenzuschleudern. Da traf mich plötzlich ihre Hand im Gesicht. Mein Kopf ruckte nach rechts, meine linke Wange prickelte von ihrem Schlag, und mein Geist war erfüllt von Überraschung, in die ganz allmählich die Wut darüber rieselte, dass sie es gewagt hatte, mich zu ohrfeigen. Ganz gewiss färbte sich nun mein Gesicht rot, sowohl durch die schallende Ohrfeige als auch durch das, was ich ob ihrer Dreistigkeit empfand. Ich wandte langsam den Kopf, zwang mich zum langsamen Atmen, doch scheiterte. Nur kurz sah ich Siv an, dann griff ich unsanft nach ihren Handgelenken, dreückte fest zu und drehte mich mitsamt ihrer Gestalt. Nun war sie es, die mit dem Rücken zur Tür stand, und ich ließ sie genau das spüren, indem ich sie zunächst mit einem Ruck dagegenschleuderte und danach an die Tür presste, beides ohne sie loszulassen. Ich war in Rage, wie ich es lange nicht mehr gewesen war, und doch fehlten mir die Worte. Stattdessen atmete ich heftig und verspürte ein gewisses Verlangen danach, ihr wehzutun. Ihre Handgelenke presste ich rechts und links neben ihrem Kopf an das Holz der Tür, mein Gesicht nah an ihrem, mein Körper an ihren gedrückt, und ich starrte sie an, zornig schnaubend.

