Beiträge von Marcus Iulius Licinus

    "Was zum orcus?!"
    Der centurio sah geradezu entsetzt aus, als er das Schauspiel betrachtete, dass sich ihm da bot.
    "Ihr gehört wohl nicht zu den beliebtesten in der Abteilung, oder wie soll ich das verstehen."


    "Macht dass ihr in Ausgangsstellung, aber ganz schnell!"


    "Und beim nächsten Mal will ich eine formvollendete Ausführung gehen!"


    "Keil bilden, ihr Saftsäcke!"
    Während er am Brüllen war lief der centurio die Reihen ab, dabei ließ er seine vitis entlang der Schilriehen rattern, immer wieder mal stehen belibend und einem Mann direkt ins Gesicht schreiend.

    Licinus nickte anerkennend zu dem Tiro, beinahe schon respektvoll. Nicht nur, dass die Antwort vollständig war. Sier erfolgte auch in jenem Telegrammstil, den das Militär so sehr schätzte.
    "Sehr korrekt!" lobte Licinus daher und wandte sich an die Männer:
    "Tirones! Genau so sollte die Antwort eines Soldaten auf eine Frage immer klingen. Vollständig, aber so knapp wie möglich."
    Natürlich waren die Erklärungen Licinus meist weit weniger knapp, aber hier galten andere Prämissen.
    "Wir beginnen heute mit dem scutum und seiner Anwendung. Zu den Stößen. Es gibt drei Möglichkeiten. Erstens untere Schildkante gegen Füße und Schienbeine. Macht mit etwas Glück den Gegner Bewegungsunfähig und ist grantiert ziemlich schmerzhaft. Zweitens mit voller Wucht gegen den Körper, um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Drittens mit der oberen Schildkante gegen das Gesicht. Wenn ihr die Nase richtig erwischt könnt ihr ihn so töten."


    Pause


    "Zunächst jedoch der Umgang mit dem scutum als solchem. Auf Befehl scuta sursum nehmt ihr die Schile nach oben und haltet sie am gestreckten Arm. Die Gegenrichtung ist scuta dorsum!


    Scuta sursum!"

    „Es wird euch sicherlich freuen zu hören“, begann Licinus seine Ansprache, “dass meine Kollege mir gestern Abend mitgeteilt hat, ihr würdet die Grundzüge beherrschen und ich könne heute weiter machen. Für euch heißt das, ihr werdet jetzt lernen, wie man kämpft.
    Pause, um den tirones die Gelegenheit zu geben, diese Nachricht zu verdauen.
    „Du da! Ovidius Aretas, richtig?!“, dabei zeigte er auf den entlaufenen Sklaven. Es war nicht einfach, die Namen von fast hundert Mann zu behalten, die man nur alle paar Tage mal vor die Augen bekam, dennoch klang Licinus eigentlich recht sicher.
    „Welche Waffen habt ihr zu Anfang eurer Ausbildung ausgehändigt bekommen und wie würdest du sie unterscheiden?!“

    Licinus wollte nicht, dass der Sklave wegen ihrer Unterhaltung mit irgendetwas in Verzug geriet, daher antwortete er:
    „Natürlich, ich wäre wohl der letzte, der dich davon abhielte, deine Pflicht zu tun“, meinte er, zumal da seine baldige Adoptivtochter wohl ganz froh drum wäre, wieder seine ungeteilte Aufmerksamkeit genießen zu können. Und ehrlich gesagt, er wollte auch noch ein paar freie Augenblicke mit ihr genießen, bevor ihn wieder die Pflicht rief.
    „Also dann, Cimon, vale und seien die Götter mit dir.“ verabschiedete er sich von dem Hünen.


    Esquilina
    Vielleicht etwas unsensibel stellte Esquilina fest:
    "Das klingt nicht sehr bequem!"
    Aber sie meinte es natürlich nicht so, sondern war einfach ernsthaft überrascht, denn ihre Freundin war für sie genau das. Im Gegensatz zu Licinus hatte sie den sozialen Status Mareis nicht immer im Hinterkopf, erinnerte sich nicht immer selbst daran. Daher vermied sie es auch nicht auf etwas zu sprechen zu kommen, was damit zusammen hing.
    "Na, das machen heute andere für uns. Und zum Teil das Bad selbst." worauf Esquilina anspielte, ohne es selbst ganz zu verstehen, war das komplizierte System aus Ableitungen, das dafür sorgte, dass das Wasser im Wesentlichen nur dort war, wo es sein sollte.
    "Gleich kannst du also plantschen, wie du noch nie geplanscht hast." und im Geheimen reifte ein etwas hinterhältiger aber dennoch völlig harmloser Plan in dem kleinen Mädchen.


    "Vielleicht ein Drache?" scherzte sie und ließ knapp hinter der Tür ihr Handtuch achtlos zu Boden gleiten. Das hieß nicht ganz, denn mit einer schnellen Bewegung hatte Esther das Tuch aufgefangen und warf es ihr wieder über den Kopf.
    "Du hast was verloren." zwinkerte die Sklavin. "Aber ich sag es Licinus nicht."
    Esquilina lächelte dankbar legte das vom Kopf gezogene Handtuch nun auf die Bänke bevor sie sich darauf legte. Entspannt genoss sie die Wärme, die von allen Seiten, aber vor allem über ihren Rücken in ihren Körper drang und betrachtete das Mosaik an der Decke des Schwitzraumes. Eine Szene, in der sie den Gott des Wassers, Neptun erkannte, sonst aber nichts. Daher verlor sie schnell das Interesse an dem Kunstwerk und merkte, dass ihre Freundin unruhig wurde und ließ sich sofort anstecken.
    ""Ja, genau. Wir wollen plantschen gehen."
    Die Masseuse lächelte verständnisvoll und warf einen Blick in Richtung der Tür, die zum Warmwasserbecken führte. "Wartet mal einen Moment", antwortete sie geheimnisvoll und linste durch die Tür. Dort machten gerade zwei stämmige Matronen Anstalten, das Bad zu verlassen. Auch sonst wirkte der Raum recht leer, als sie zurück zu ihren Schützlingen kehrte.
    "Wenn ihr noch einen Moment wartet, dann habt ihr gleich das gnaze Becken für euch."
    Mit diesen Worten setzt sich auch die Sklavin auf die Stufen neben die beiden, stützte sich nach hinten auf ihre Hände und streckte sich durch. Dabei atmetete sie ein paar Mal tief durch.
    Esquilina, neugierig geworden, machte es ihr nach, konnte aber nicht erkennen, aber erkannte nicht wirklich, was die Esther damit bezweckt haben wollte. Zumindest bei ihr tat sich nix. Also setzte sie sich recht schnell wieder bequem hin und dann war es auch schon soweit, Esther winkte sie mit sich "Na, dann kommt, meine Süßen"
    Den Korb am Ellenbogen schob sie die beiden durch die nächste Tür. Naja, sie musste nicht wirklich schieben, so wie sich beide auf das Plantschen freuten. In der Tür blieb Esquilina jedoch noch einmal stehen und bestaunte das Becken, dass sich aus einer Plastik am Beckenrand speiste, in der eine Göttin mit Füllhorn das Wasser in ein Oval goß.

    Es war eigentlich eine ganz normale Nacht im Lager der legio prima traiana pia fidelis. Es war kurz nach Beginn der dritten Nachtwache, die Soldaten schliefen, einige davon ihren Rausch aus, wofür die zuvor von den centurionen in die Strafbücher eingetragen worden waren. Nur die Nachtwache stand noch auf den Wällen und späte in das undurchdringliche Dunkel. Nur die Nachtwache? Nein, auch die fünf ritterlichen tribunen waren noch unterwegs. Wären sie einem Soldaten begegnet, so hätte dieser wohl schon gerochen, dass etwas im Busch war. Taten sie aber nicht, sondern strebten unbehelligt auf ihre Positionen zu. Je einer zu einem der vier Ecktürme des Lagers und ein letzter erklomm den Signalturm der principia, den höchsten Punkt innerhalb des Lagers.
    Eine Zeit lang geschah nichts, dann zerriss ein Geräusch mit aller Macht die nächtliche Stille.
    Tätätterättätä! Tätätterättätä!! Tätätterä- Tätätterä- Tätätterättätä!
    Es war der Generalalarm der legio und es dauerte trotz der nächtlichen Stunden nur Augenblicke, bis die legio aus dem Schlaf erwachte. Da waren Soldaten, die hektisch daran gingen ihre noch schlafenden Kameraden zu wecken, centurionen, die wie die Blitze von Iuppiter selbst aus ihren Betten und in ihre Rüstungen fuhren, und die tribuni, die all das scharf beobachteten.
    An einer Stelle auf dem Wall hatte einer der tribuni nun den Befehl gegeben, eine besonders große Fackel zu entzünden. Das war die Stelle, von der aus man den Angriff gesichtet hatte, der Punkt, um den sich im Folgenden alles gruppieren würde.
    Gleichzeitig war sie das, was Licinus suchte, während er die Tür zu seiner habitatio auf stieß, die Tür neben ihm aufriss, wo im schon die subalternen entgegen fielen. Kaum durch die Tür getreten, fiel auch schon der cornicen der centuria in die Signalgebung ein, wie es nach und nach all seine Kollegen der einzelnen Einheiten taten.
    Auch aus den anderen stürmten die Soldaten hervor,teisl schon in voller Rüstung, teil noch beschäftigt, die letzten Riemen zu schließen. Als er meinte, dass alle versammelt waren, winkte er dem cornicen zu abzubrechen und Licinus befahl:
    „Prima! Prima! Prima! Erster Praetoriaabschnitt des dextrawalls! Cursim!“ Dort brannte auch die Signalfackel, dort war der Platz der Speerspitze der legio. So sollte es immer sein. Ein Zufall?
    Wie ein Mann trabte die centuria los und eilte die via principalis entlang. An den Einmündungen der Lagergassen wäre es nicht nur einmal beinahe zu einem Zusammenstoß mit einer der anderen centurien der ersten cohors gekommen. Beinahe zeitgleich mit der zweiten centuria, die den ersten Abschnitt auf der anderen Seite der dextra bemannen würden kamen sie an der porta an. Licinus nickte dem princeps nur noch einmal schnell zu, dann brüllte er:
    „Rauf auf den Wall mit euch!“ und trat als erster durch die kleine Tür im Turm und erstieg die Leiter. Oben angekommen zog er sein Schert und trat auf den Wehrgang hinaus.


    [Sim-Off]Also dann, Generalalarm. Alle sind herzlich eingeladen. Wenn ihr wollt darf die probaticenturia auch gerne bereits Nachtwache gehabt haben und selbst dabei davon überrascht werden. Nur so als weitere Spielidee. Müsst ihr drei euch einige, wie ihr es gerne habt.[/Sim-Off]

    In den letzten Tagen hatten seine Kollegen im Wechseldienst mit den tirones geübt, was er ihnen am ersten Tage ihrer Grundausbildung eingetrichtert hatte. Die Soldaten der Einheiten, die diese Männer regulär führten, konnten sich freuen, denn im Regelfall fiel für diese dann die Ausbildung aus, bzw. wurde von den optiones geleitet, die meist weniger streng waren. Natürlich nur jene, die nicht ad spem ordinis waren.
    So aber war die Reihe wieder an Licinus gekommen und der Kollege vom Vortag hatte ihm die Nachricht zukommen lassen, dass sie weder vor noch hinter dem Zeitplan lagen, also mit dem heutigen Tage ein neuer Ausbildungsabschnitt beginnen konnte.
    Zuerst hieß es jedoch Ordnung in die Reihen der tirones zu bringen. Zwar sollte das mittlerweile auch ohne Fähnchen funktionieren – seit einiger Zeit staken tatsächlich keine mehr im Boden unter dem Frühnebel – aber dennoch war Licinus schon vor den tirones auf den Platz und brüllte:
    „Guten morgen ihr Schlafmützen! Convenite! Und etwas fröhlicher, wenn ich bitten darf! Convenite! Na, kommt schon!“
    Aus unerfindlichen Gründen schien der primus pilus gute Laune zu haben.

    Der Trebellier stürzte sich jedoch nicht in den Schildwall. Auch kein anderer Soldat führte ein solches Selbstmordkommando aus, das es wegen der hervorragenden pila ja gewesen wäre.
    Stattdessen ging er nur mit zwischen die Metallspitzen gestrecktem Arm an den tirones vorbei, sodass die Spitze seiner vitis über die Schilde klapperte.
    Nach dem er die Reihen auf und ab gegangen war, wiederholte sich das Spielchen aus „Convenite!“ und „Zur Reiterabwehr!“ noch einige Male, wobei in unregelmäßigen Abständen die vordere Reihe nach hinten geschickt wurde.
    Doch auch diese Übung fing irgendwann an den centurio zu langweilen, was er auch deutlich kund tat. Und somit ging es zur letzten Spezialformation. Zum wirklich letzten Ausbildungsabschnitt.
    "Kommen wir zur letzten Grundformation, dem Keil.
    Im prinzip ist das ganz einfach, vorn steht ein Mann, dahinter zwei, dahinter drei und so weiter. Netter mörderischer Platz an der Spitze, kann ich euch versichern.
    Die Umbildung der Formation erfolgt, wie folgt:"

    Anschließend erklärte er wie man aus der normalen Formation über den Umweg des agmen in die Keilformation kam.
    Zuletzt hieß es wie so oft:
    "Agite!"

    „Schnauze!“ blaffte Licinus die Masse der tirones kurzerhand an. Eine Strafe gab es vorerst jedoch nicht, denn kein centurio konnte das Geschwätz der Männer dauerhaft unterbinden ohne die Moral zu untergraben. Man musste sie jedoch regelmäßig auf das rechte Maß zurückstutzen, wenn sie anfingen zu meckern.
    Die erste und einige andere Laufrunden waren entsprechend schneller absolviert und die Liegestützstrafe für Rempler mussten immer weniger tirones absolvieren. Und Licinus war zuversichtlich, dass es noch weniger wären, wenn die Männer am nächsten Morgen in einem wacheren Zustand wären.
    Daher war es auch an der Zeit zum Ende des heutigen Übungstages zu kommen.
    Licinus befahl ihnen noch zwei Runden locker und in frei gewähltem Tempo um den Platz zu laufen und empfahl ihnen, nun schon nicht mehr im Tonfall des strengen Ausbilders, sondern eher väterlich, die Thermen aufzusuchen, weil sie sonst am nächsten Tag kaum in der Lage wären, die Übungen zu absolvieren.
    Zuletzt ermahnte er sie noch ihre Uniformen in Ordnung zu bringen, damit der Kollege am nächsten Tage nicht gleich einen schlechten Eindruck bekam und der Tag mit dem Verteilen von Sonderaufgaben begann. Eine Menge auf einmal, aber wohl notwendig. Dann hieß es endlich:
    „Tirones! Abite!“

    „Zu langsam!“ lautete das vernichtende Urteil seitens des Trebelliers. Dann inspizierte er den Schildwall und rückte unsanft scuta und pila zurecht, die seiner Meinung nach nicht korrekt positioniert waren. Dabei hörte man immer wieder eine Mischung aus Grunzen und Brummen, das nichts wirklich Gutes zu verheißen schien.
    „Convenite!“ hieß es dann und kaum waren die tirones wieder in der Grundstellung angetreten, schallte es schonwieder „Zur Reiterabwehr!“
    Diesmal stand der centurio vorne, da wo die Reiter stehen würden, wäre dies ein Ernstfall. Was die tirones nun wohl vermuten würden? Vielleicht hatte der ein oder andere ja von den Überraschugnen gehört, die der primus pilus für seine tirones immer bereitgehalten hatte.

    Sim-Off:

    Ich versteh's nicht, warum überseh ich dich eigentlich immer?


    Noch einige Male wurde die testudo geübt, und auch wenn die Ausführung noch alles andere als perfekt war, so neigte sich das Ausbildungsjahr allmählich dem Ende zu und es gab noch eingies, was durchgenommen werden musste. Also ging es weiter im Thema Spezialformationen.
    "Ein anderer Grund, eine besondere Formation einzunehmen ist der eines Reiterangriffs. Es ist gleichzeitig eine der ekelhaftesten Situationen in die ihr geraten könnt. Wenn es also dazu kommt, stellt ihr euch dicht gepresst zusammen, die erste Reihe Schilde tief und mit dem Knie abstützen, die zweite Schilde hoch. Alle pila, die noch da sind, werden mit dem Fuß in den Boden gesteckt und anch vorn gelehnt.


    Dann versucht es mal. Agite!"
    Er war gespannt, wie sie sich diesmal schlagen würden.


    Esquilina
    Gut, dass Licinus nichts davon bemerkte, worauf seine kleine Freundin achtete, während er sie kitzelte. Vermutlich hätte er sich andernfalls die Zunge abgebissen oder ähnliches getan, vor Ärger über sich selbst. Die Logik des Mädchens konnte er allerdings auch nicht erfassen. Wann hatte er sie denn getestet?
    Esquilinas Lieblingsfarbe zu erraten war dann in der Tat nicht schwer, im Wesentlichen trug sie ja nur zu bestimmten Gelegenheiten kein blau, nämlich dann, wenn sie ihr Kettenhemdchen trug.
    „Oh ja“, seufzte sie. „Oder wenn im Frühjahr die Obstbäume blühen. Aber sag mal, was meinst du mit ‚du spürst die Farbe‘? Wie kann man Farben spüren?“


    „Hat Licinus gesagt“, erklärte Esquilina und Esther die Badesklavin ergänzte: „Das ist um den Schweiß abzuwaschen und euren Körper zu kühlen. Wir wollen ja, dass ihr gut riecht, wenn ihr hier fertig seid.“ Während sie sich also fertig machte, den beiden Mädchen zu helfen, zog Esquilina ganz langsam den zweiten Fuß hinterher, wobei sie die Lippen zwischen ihre Zähne zog und darauf biss, um sich von der Kälte abzulenken. Lange konnte sie das jedoch nicht tun denn Marei stellte ihr wieder eine Frage. Die Antwort kam dieses Mal etwas gepresst, da sie immer noch gegen das Kältegefühl in ihren Füßen ankämpfte.
    „Nee, kann ich nicht. Das Becken in der villa rustica hat nämlich Stufen am Rand, da kann ich drauf stehen. Die Mitte geht dann aber auch den Erwachsenen bis zum Hals. Aber irgendwann lern ich das noch ganz bestimmt.“ Auch gelang es ihr, wenn sie sich an einem Ende abstieß bis zum anderen zu kommen, aber erstens war das Becken nicht sehr breit, zweitens wusste sie, dass das kein wirkliches Schwimmen war. Und drittens hatte ihr Battiacus strengstens verboten so was zu machen, wenn keiner der „großen“ dabei war.


    Mit Staunen beobachteten die Mädchen wie schnell die junge Badesklavin sich in das Becken bewegte, Esquilina vergaß sogar sich auf die Lippen zu beißen und ließ den Mund ein klein wenig offen stehen. Aus dieser leichten Öffnung entwich Sekunden später ein schrillen „Ieehhk!“, als Esther die beiden ins Wasser zog und sich auf die Arme setzte. Esquilina dachte angestrengt an einen heißen Stein in ihrem Bett, wie Battiacus Frau ihn hinein tat, wenn es draußen kalt war, während die Badesklavin ihnen unbewusst eine Lektion in klassischer Physik und Auftriebslehre gab. Denn An Land wäre es ihr sicher nicht gelungen, sich beide Mädchen so zu halten. Das kleine Mädchen dachte aber nicht im Entferntesten an solcherlei, sie war, gleichsam ihrer Freundin, viel zu sehr darauf konzentriert ihre Zähne beisammen zu halten. Denn sonst würde sie sofort ein Klapperkonzert beginnen. Missmutig blickte sie daher auch auf das Becken zurück und antwortete mit kraus gezogener Nase und einem Schulterzucken, dafür aber ohne jeden Ansatz von Begeisterung:
    „Muss wohl!“
    Der Schrecken der Kälte war allerdings schnell vergessen, als die Skavin anfing ihre Schutzbefohlenen trocken zu rubbeln. So eingehüllt in die Badetücher zogen sie sich dann die Holzsandalen an, die im caldarium gegen Verbrennungen der Füße schützen sollten.
    Gemeinsam klapperten die beiden Mädchen an der Seite ihrer Betreuerin auf einen Durchgang zu, aus dem ihnen erfreulich warme Dampfschwaden entgegen wabernden.

    Im Wesentlichen verlief die nächste Stufe der Übung wie die vorherige und am Ende "durften" alle, die einen Fehler gemacht hatten die obligatorischen 10 Liegestütze machen.
    Allerdings war auch Licinus nicht perfekt, denn er hatte zwar den Rempler des Obsidiers mitbekommen und auch, dass sein Vordermann angefangen hatte zu humpeln. Dass er aber eine wirkliche Wunder abbekommen hatte, war ihm entgangen.


    Daher fuhr er nach den Liegestützen auch ungerührt fort.
    "Also schön meine Herren, wir kommen zur letzten Übungseinheit des heutigen Tages! Dem Laufschritt.
    Ich habe da eine gute und eine schlechte Nachricht für euch:
    Die Gute: Gelaufen wird nicht im Gleichschritt.
    Die Schlechte: Gelaufen wird nicht im Gleichschritt.
    Ich erwarte von euch natürlich trotzdem, dass ihr die Formation haltet.
    Fragen?! Gut, dann los"


    "Tirones! Peeergite! Cursim! Cursim!" ~ schneller! schneller!
    Kaum waren die Worte gesprochen trabte Licinus an und gab so das Tempo vor, dass er vorerst im Laufschritt erwartete.

    Licinus brummte zustimmend, das Geklimmper konnte schon nerven, vor allem beim polieren. Beim Marschieren hörte er es dagegen kaum noch. Dafür konnte man es recht einfach säubern. Esquilina dagegen sah das ganz anders.
    "Aber das ist doch gerade das schöne daran!"



    "Erstmal dich nicht am Ärgern beteiligen!" antwortete Licinus.
    "Sag einfach nichts zu ihrem Alter."
    Sicher, die Köchin war sicherlich eine strenge Chefin und man nutzte gern die Gelegenheit es ihr ein bisschen heimzuzahlen. Aber das süße Gefühl der Rache war keine sonderlich langfristige Befriedigung und das musste er dem jungen Mädchen irgendwie verständlich machen.
    "Siehst du Marei, manche Menschen werden nicht gerne älter. Ich auch nicht, denn dann kann ich das hier", dabei machte er eine Bewegung, die nicht nur sein Büro, sondern die ganze castra einschloss. Seine Stimme nahm einen väterlichen Tonfall an, den Esquilina schon kannte, wenn Licinus ein wenig erzieherisch auf sie einwirkte. Oder, wie sie es nannte: Ihr erklärte, wie man sein Leben richtig machte.
    "alles nicht mehr machen. Und es ihnen dann unter die Nase zu reiben ist nicht nett und daher solltest du das auch nicht machen, wenn du willst, dass die Köchin nett ist und dir frei gibt. Ansonsten kann ich dir nur sagen, was für meine Soldaten gilt, wenn sie was von mir wollen: Mach deine Arbeit, mach sie gut, mach keinen Ärger und wenn du noch was siehst, was gemacht werden muss, dann mach es."


    "Vale Marei! Abi!" ein letztes Mal griff er den Scherz von der Begrüßung durch Marei an, als er ihr befahl wegzutreten.
    "Bestimmt nicht. Das müssen wir unbedingt mal machen, was hältst du von..." grinßte Licinus Ziehtochter nach einem kurzen Moment des Stutzens. Dann planten die zwei noch ein bisschen.
    "Ich glaub, du bist echt ne gute Freundin Marei!" sagte sie zum Abschied und ihr Gesicht bekam einen rötlichen Schimmer.

    Esquilina guckte erst entsetzt, denn im ersten Moment dachte sie wirklich, dass sie Marei blamiert habe.
    Betröpelt sah sie zu Licinus, dessen Lippen aber ein leichtes Grinsen umspielte. Da erkannte auch das Mädchen, dass Marei wohl nicht mal halb so schockiert war, wie sie tat, und lächelte ihr nun ebenfalls zu.
    Beim nächsten Satz war es umgekehrt. Licinus meinte eine gewisse Bitterkeit in Mareis Stimme zu hören, während Esquilina, die ja auch höchstens von ihrem Lehrer mal eine Belohnung bekam und auch das nur mündlich.


    "Was sagt Cimon?" fragte Esquilina direkt nach, als Marei sich selbst unterbrach.


    "Zu Befehl!" lachte Licinus, als Marei so selbstsicher wie sonstwer verkündete, das sie die Ställe besuchen würden. Daraufhin musste auch sofort Esquilina lachen. Leider war die Aktion zu spontan, als das Licinus auch noch aufgesprungen wäre und salutiert hätte, denn das, so malte sich das kleine Mädchen abends vor dem Schlafengehen aus, hätte das Bild perfektioniert.
    "Aber erst dann, wenn du das nächste Mal frei hast."
    Heute, dass musste man offen sagen, hatte er keine Lust mehr.


    Licinus nickte sanft und Marei drückte ihrer neuen Freundin die Tafel in die Hand:
    "Hier, nimm sie ruhig mit zum angucken und Baldemar zeigen. Schade, das du schon gehen musst." schob sie noch nach und meinte dann, ganz so, wie sie es mitbekam, wenn es Besuch auf der villa rustica gab.
    "Soll ich dich raus begleiten?"
    Die Worte wiederum brachten Licinus dann wieder zum Schmunzeln, so wie das Mädchen sich unbewusst als große Dame gebärdete. Zu süß war das. Aber zunächst war es an der Zeit, sich zu verabschieden.
    "Nun, wenn du wirklich schon gehen musst, dann... schade. Aber ich wünsch dir wirklich alles gute. Und wenn du mal wieder frei hast, dann darfst du mich gerne wieder besuchen. Oder Esquilina, wenn sie hier ist und ich nicht."
    Bei diesen Worten grinßte sein Schützling ihn dankbar an.


    Esquilina
    „Nein, das ist leider vollkommen unmöglich!“ antwortete Licinus auf Mareis Vorschlag, doch einen Bürgersteig nur für Kinder einzuführen, aber seine Stimme ließ schon erkennen, dass er andere als vollkommen rationale Gründe dafür hatte.
    „Wenn dann geht nur ein Bürgersteig für kleine Mädchen und ihre Begleiter, weil ich sonst DAS nicht machen könnte.“ Und bei dem Wort „DAS“ ließ er für einen kurzen Moment Esquilinas Hand los und kitzelte Marei an der Seite. Dann lachte er Marei mit seinem Kommandobass zu, während sich die Hand des zweiten Mädchens wieder in die seine stahl, während ihre Besitzerin dem Lachen eine neue, glockenhelle Stimmlage hinzufügte.
    Als sie sich dann wieder beruhigt hatten beantwortete Esquilina Mareis Frage mit der größten Selbstverständlichkeit:
    „Na, so blau wie der Himmel ist.“
    Lautete die Antwort und wie um es zu betonen führte Esquilina ihre und damit auch Mareis Hand am Rande ihrer tunica entlang. „Also natürlich an einem richtigen Sommertag, nicht so wie heute.“ Denn zum Baden hatten sie wirklich das richtige Wetter ausgesucht, es war zwar noch nicht unbedingt kalt, aber der Tag war trübe und versprach sonst nur wenige Freuden.


    „Wird gemacht“, versprach Esquilina fröhlich, als ihre Freundin auf den Vorschlag sich gegenseitig zu helfen sofort einstieg und begann ihr die Klammern aus den Haaren zu zupfen. Die ersten brauchten noch etwas, bis sie das System verstanden hatte, denn sie wollte dem anderen Mädchen nicht wehtun, aber dann wuselten die kleinen Finger recht schnell durch Mareis Haare und verfrachteten die Klammern in den Beutel.
    Dann war sie dran. Da sie für die Bänder jedoch keinen Beutel hatte, sagte sie einfach, dass Marei die Bänder herausziehen und das letzte locker um die anderen herumknoten sollte. Das ergebe ein Knäuel aus dem nichts verloren ginge.
    Als sie ihren Zofendienst beendet hatte griff Esther ihr an die Schultern der tunica und zog leicht daran, während Esquilina sich nach unten aus dem Kleidungsstück herausschraubte.
    Esther verstaute mit einigen schnellen Griffen die Sachen in einem der Fächer, während die Mädchen sich in ihren subligares (Esquilina trug wiederum hellblau) gegenüberstanden. „Und am Schluss wieder in die kalten“, ergänzte Esquilina noch den letzten Schritt, dann sah sie zu der Badesklavin, denn auch sie wusste nicht, wie genau die Wege in diesem doch recht großen (und damit für das kleine Mädchen gar riesigen) Gebäude liefen. Diese ergriff dankenswerterweise die Initiative und führte die Mädchen hinaus.
    Auf dem Weg flüsterte ihre Freundin ihr noch etwas zu und Esquilina tat so, als erschaudere sie vor Kälte. Dabei schüttelte sie sich und die nun freien Haare flogen zu den Seiten, wobei einige auch Marei deren Gesicht zum Flüstern ja recht nahe war, streiften.
    An der Treppe am Kaltwasserbecken angekommen legten sie ihre Sachen ab und dann traten die beiden an das Becken heran. Esquilina steckte erstmal nur vorsichtig ihren großen Zeh ins Wasser und zog ihn prompt wieder zurück. „Echt kalt das!“ war ihre erste Reaktion. Dann griff sie, wie um sich selbst Mut zu machen nach der Hand ihrer Freundin und steckte langsam ihren Fuß ins Wasser, begleitet von einem langgezogenen „brrrrrrrr“

    Das war sicherlich einfacher gesagt, als es getan war, denn obwohl Esquilina wusste, dass sie vor dem Hühnen keine Angst zu haben brauchte, so war es doch nicht ganz so einfach und sie schaute unsicher, als Cimon sie anlächelte. Nur mit Mühe gelang ihr, den Impuls sich wieder hinter Licinus zu verstecken, zu wiederstehen.
    Licinus bemerkte dies zwar, aber außer dem beruhigenden Streichen über ihre Schulter konnte er im Moment nichts tun. Stattdessen antwortete er dem Cimon, als dieser ihm das erste Mal in die Augen blickte:
    “Nun, Cimon, ich danke dir für die Hilfe.“, sagte er und schob direkt hinterher
    “Und natürlich vor allem deinem Herren schon im Voraus!“

    5 meldeten sich freiwillig, einer wurde von seinen Kameraden etwas gedrängt, akzeptierte die Strafe dann aber auch. Zwei jedoch versuchten ihr Glück – zu ihrem Pech.
    „tirones Quintilius et Servius! Duo passibus progreddete!“ ~ Zwei Schritte vor!
    „Ihr haltet es also nicht für nötig, zu euren Fehlern zu stehen?“, fragte Licinus zuckersüß, während er die vorgetretenen tirones umschlich wie ein Wolf. Ohne die Zeit für Ausflüchte, Entschuldigungen oder gar Rechtfertigungen zu geben, donnerte er dann:
    „Ich… dulde… keine… Drücke… berger… und… Feiglinge… in… meiner… legio!“
    Bei jedem dieser Worte flog die vitis von dem Hinterteil des einen auf das Hinterteil des anderen.
    „Ihr beide werdet wegen eurer Unkameradschaftlichkeit und Feigheit für jede Liegestütze, um die ihr euch gedrückt habt drei Tage Scheiße schaufeln. Das heißt 30 Tage Latrine. Und euer Sold wird so lange ebenfalls einbehalten, das heißt dem Bestattungsfonds eurer Einheit zugeführt!“
    Für letzteres brauchte er zwar noch die Bestätigung des legaten, aber Licinus ging davon aus, dass der Aurelier die Strafe bestätigen würde. Dann wandte er sich so schneller um, als ein Satyr im Bett einer Frau war.
    „Und du! Du hast verdammtes Glück gehabt! Ich an deiner Stelle würde mir schleunigst überlegen, wie ich mich bei meinen Kameraden bedanke!“ Und er schloss mit „Ich behalte dich im Auge, tiro!“


    Dann ging er wieder zum normalen programm über und erklärte:
    "Neben dem eben geübten normalen Marschschritt gibt es noch den Eilschritt, pleno gradu. Dabei ist der Takt höher, das heißt, dass ich eine schnellere Schrittfolge vorgeben werde. Wir probieren das jetzt aus:
    Tirones! Aequatibus passibus et pleno gradu! Pergite! -um -um - um...

    Hieß es dann und es ging wieder um den Platz, allerdings wurde das Drehmuster in den Ecken wieder leicht abgeändert, damit die tirones sich nicht auf eines festlegten.


    Sim-Off:

    [SIZE=7]edit: Formatierung[/SIZE]

    Das Lachen unter der testudo provozierte prompt eine Reaktion des Ausbildungscenturios, die darin bestand, dass er mit der vitis auf das „Dach“ der testudo schug.
    Schnauze! Ich will keine Stimmen mehr hören.
    Verstanden hatte er allerdings nicht, was gesagt worden war, denn sonst hätte er sich ein hämisches Grinsen nicht verkneifen können. Nicht um sonst gab es in der Armee den Spruch „so willkommen, wie ein Furz in der testudo“. Aber da mussten sie, das hieß die tirones, nun durch.
    Auf Grund des nicht wirklich zufriedenstellenden Bildes, das die tirones abgaben, ließ der centurio zwischendurch immer wieder anhalten und die Reihen ausrichten. Dies war eines der großen Probleme in der testudoausbildung, es war nahezu unmöglich die Missetäter zu bestimmen und man konnte sich nur damit behelfen, alle abzustrafen. Nun, zumindest für einige centurionen ein Problem, nicht so für den Trebellier, der schlicht kommandierte:
    „Das war schlecht! Richtig schlecht! 20 Liegestütze ihr alle!“
    Es wurde gezählt und bei zwanzig hieß es erneut:


    „Ad testudinem! Aequatibus passibus! Lae-----vum!“

    Licinus umkreiste seine Untergebenen während des Marsches immer wieder. Mal ging er vor ihnen, um den Schritt vor zu geben, dann wieder auf der Seite oder gar hinten, um sie besser im Auge behalten zu können.
    Rempler und ähnliches wurden registriert aber noch nicht geahndet. Sie sollten Inhalt einer Lektion werden, die der Ausbilder für das Ende der Runde vorgesehen hatte. Eine Lektion in Disziplin. So kam es auch dahin, dass, als alle am Ende der Runde wieder am Platz standen, kein tiro persönlich aus dem Glied befohlen wurde. Stattdessen gab Licinus folgenden Befehl:
    “Alle tirones die einen ihrer Kameraden angerempelt haben machen sofort 10 Liegestütze!“
    Nun lag es bei den tirones, dachte Licinus und hätte man ihn gefragt, er hätte zugeben müssen, dass er schon etwas gespannt war. Wäre jemand so dreist, zu versuchen nicht vor zu treten?