Beiträge von Marcus Iulius Licinus

    Sim-Off:

    Ich war mir sicher, ich hätte gestern hier gepostet ?(


    Nun musste auch ein erfahrener centurio alle Stimme zusammen nehmen, um noch zu den tirones durchzudringen:
    "Verdammt laut unter dem Dach, was? Aber das ist keine Ausrede für Fehler. Jetzt wird marschiert und wehe, wenn dabei das Dach aufreist.


    Aequatibus passibus! Pergite!"


    Der Takt, den der centurio nun durch Ausrufe von laevum vorgab, wäre im Normalfall ein Grund gewesen, dass die ganze Abteilung ein Jahr lang Scheiße schippte, zumindest wenn es nach dem Trebellier ging. Aber selbst der langsamste Schritt war in einer ungeübten Testudo noch verdammt schwierig umzusetzen. Ständig konnte man sich in die Hacken treten und musste noch auf den ungewohnt positionierten Schild achtgeben.


    Esquilina
    Licinus hielt seinen Weg strikt auf die Thermen zu. In der einen Hand des primus pilus befand sich ein großer Korb, dessen Deckel mit einem einfachen Haken geschlossen war und dessen Inhalt man nicht erkennen konnte. An der anderen Hand hielt er Esquilina fest, die wiederum Mareis Hand hielt, damit keiner den anderen in diesem Gedränge verlieren konnte.
    Wie immer, wenn er neben seiner Adoptivtochter herlief, hatte der Soldat Probleme, sein Tempo so weit zu reduzieren, dass das (in diesem Fall: die) Mädchen mit ihm Schritt halten konnten. So war er auch dieses Mal immer um einen viertel bis halben Schritt vor seinen Begleiterinnen, immer wieder wurde er gebremst, wenn Esquilina sich mit den Worten „Maaarcus! Renn doch nicht so!“ zu Wort meldete und ihn somit darauf brachte, sich wieder zurückfallen zu lassen. Danach konnte er dann meist wieder dem Geplapper der Mädchen zuhören, die ihrem Abenteuer Badetag gespannt entgegensahen.
    Es war nämlich so, dass heute in der stadteigenen Therme ein Frauentag angesetzt war. Licinus hatte schon zuvor eine der Badesklavinnen verpflichtet, dass sie heute einen Blick auf die Mädchen werfen würde. Als sie an dem Tor der Therme angekommen, wandte sich Licinus an den Türhüter, der die Eintritte kassierte und verlangte mit aller Autorität in der Stimme, dass die Sklavin Esther herausgebracht würde. Diese stammte aus Iudäa und diente hier als Masseuse und wohl auch mehr, wenn ein Herr danach verlangte, worüber aber nicht gesprochen wurde, denn dies hier war ja schließlich eine angesehene Therme und kein lupanar. Er hatte sie bei einem eigenen Badbesuch kennengelernt, er war eingeladen gewesen und sie ihm als Gesellschafterin zugedacht gewesen. Da Licinus jedoch die käufliche Liebe nicht schätzte hatten er sich tatsächlich nur massieren lassen und zum Zeitvertreib mit der jungen Frau unterhalten, die sich als ausgesprochen gewitzt herausgestellt hatte. Und als er das erste Mal eine Aufpasserin für Marei gesucht hatte, war seien Wahl schnell auf sie gefallen.
    „Hallo Iulius, hallo ihr zwei Süßen. Und ihr wollte heute hier Baden, ja? Dann kommt mal rein, ich werde mich um euch kümmern.“ Während sie erst Licinus freundlich zunickte, ging sie in die Knie und strahlte die Beiden geradezu an.
    „Hallo Esther, wie beim letzten Mal, ja? Nur dieses Mal mit zweien.“
    „Jaja Iulius, lass mich nur machen, ein Auge für die eine und ein Auge für die andere. Und die Rechnung kommt an dich. Wir machen uns einen schönen Tag.“
    Licinus mochte die fröhliche Frau und konnte sich vorstellen, dass auch für sie heute ein schöner Tag sein würde. Auf jeden Fall schöner, als wenn sie fetten Händlern in der Therme „Gesellschaft leisten“ musste. Er gönnte es ihr von Herzen und besah sie wohlwollend, während er ihr den Korb mit den Badesachen und Wechselkleidung gab.
    „Also, ihr zwei. Ich wünsche euch viel Spaß, aber benehmt euch, hört ihr?!“
    „Ja, Marcus“, sagte Esquilina ernsthaft und als auch Marei seine ermahnende Frage beantwortet hatte umarmte er beide, gab seiner Tochter einen sanften Kuss auf die Stirn und verabschiedete sich. „Bis später, Papa!“. Die Kleine genoss es sichtlich ihn so zu nennen, auch wenn sie ihn auch häufig beim Vornamen rief, der ihr in Fleisch und Blut übergegangen war. Dieser drehte sich noch ein letztes Mal um, denn er hatte eine Kleinigkeit, die dennoch sehr wichtig war vergessen.
    „Ach, Esther, ich hole die beiden nicht selbst ab. Ein Sklave des legatus übernimmt das. Ein großer schwarzer Namens Cimon.“
    „Gut dass du es sagst, Iulius! Dann also diesem Cimon und sonst keinem!“
    Licinus salutierte noch einmal spöttisch und drehte sich dann um, während Esther die beiden Mädchen vor sich her in das Gebäude schob.
    „Na, dann kommt mal mit, erst Mal ausziehen.“ Mit diesen Worten ging es auf in den Umkleidebereich, Esquilina folgte ihr mit einem fröhlichen „Juhuuu!“ auf den Lippen und entgegen ihrer sonstigen Schüchternheit riss sie Marei geradezu mit.
    In der Umkleide blieb Esther in einer Ecke stehen, während Esquilina sich an ihre Freundin wandte und in ihre Haare deutete: „Soll ich dir mit den Klammern helfen? Dann kannst du mir mit den Bändern helfen.“ Klar konnten sie das sicher auch allein, oder Esther würde ihnen helfen. Aber irgendwie fand sie es schöner, wenn sie sich gegenseitig helfen würden.

    Licinus stand ebenfalls an der Laufbahn. Nicht an vorderster Front, eher in der Mitte. Von seinem Platz aus hatte er alles im Blick, vor allem jedoch das Publikum. Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen war auch sein Mündel heute nicht bei ihm. Dafür trug er parma und gladius. Er hatte Dienst. Legionspolizeidienst um genau zu sein. Logisch, dass er trotzdem ein Auge auf die Wettkämpfe hatte und auch applaudierte, wenn einer der Soldaten eine gute Leistung hinlegte. Ein wenig mehr noch, bei einem aus seiner eigenen cohors oder gar centuria. Aber mehr hielt er die restlichen Leute im Blick, es gab günstigen Wein dieser Tage, das konnte zum Problem werden. Immer wieder schweifte sein scharfer Blick über die Veranstaltung und ihre Teilnehmer und regelmäßig gab er sich Zeichen mit seinem Kollegen auf der anderen Seite der Arena. Noch war alles ruhig.
    [Sim-Off]Jemand, der einen Krakeeler simmen will?[/simoff]

    „Punischer Krieg?“ wiederholte Licinus fragend. „Das wäre in der Tat mal etwas Abwechslung.“ Die Werke, die er besaß behandelten größtenteils dann doch die klassischen Themen, wie Kelten und Germanen. Oder natürlich Militärtheorie.
    Auch Verschlüsselungstechniken waren ihm ein nahezu unbekanntes Feld. Das Caesarische Verfahren des Buchstabentausches war ihm zwar bekannt, aber darin erschöpften sich seine Kenntnisse auch schon. Was vor allem daran lag, dass er schon lange Zeit in Garnison lag und im Felde nie in die Verlegenheit gekommen war, eine vexillatio zu führen. Dann hätte man die Befehlsübermittlung sichern müssen, aber dafür hatte er den nötigen Rang noch nicht gehabt. Dennoch konnte es für die Zukunft keinesfalls schaden. Er hatte sich entschieden:
    „Dann richte deinem Herren doch meine Bitte aus, dass ich mir dieses Buch gerne ausleihen würde.“
    Was eine Diskussion anging, so wollte ihm keine Formulierung einfallen, die passend gewesen wäre und Licinus spekulierte darauf, dass Ursus ihn bei einem seiner nächsten Besuche einfach auf das Buch ansprechen würde, wenn er seine Meinung hören wollte.

    Nur eingie Gesten waren es, die Licinus brauchte um die Männer hervorzuziehen, die sich in die falsche Richtung gedreht hatte. Und, um der Wahrheit genüge zu tun, die er sich in den wenigen Momenten hatte merken können.
    Er hieß sie, sich in einer Reihe aufzustellen und baute sich vor ihnen auf.
    "Rechts! Links!" fuhr er jeden einzelnen an "Rechts! Links!" und dabei schlug er ihnen mit der vitis gegen den rechten bzw. linken Oberarm. Bei den beiden, die mehrfach aufgefallen waren, waren die Schläge auf die ohnehin schon geplagten Arme noch etwas kräftiger bemessen. Aus Schmerzen wird man klug, war das Motto der Ausbildung in der römischen Armee und auch wenn Licinus keiner war, der die Rekruten zum Spaß prügelte, so wusste er die vitis doch gezielt einzusetzen.



    Diese Übung am Platz wiederholte sich nur noch wenige Male, jedesmal von dem gleichen Strafritual gefolgt, dann hieß es
    "Aequatibus passibus! Pergite!"
    Die Soldaten marschierten am äußeren Rand des campus los, erst an einer Ecke ließ Licinus halten. Er kommandierte eine Rechtsdrehung, dann ging es zur nächsten Ecke. Linksdrehung und Retro. Weiter im Gleichschritt, dritte Ecke "Coooonsistite! Ad dextram! Aequatibus passibus! Pergite!" und in der vierten Ecke, wieder nach links und Retro, bis zum Ausgangspunkt.


    Esquilina


    Was gegen den Strich hieß, das wusste Esquilina sogar, das war bei den anderen Tieren, die sie kannte nicht anders.
    Und Licinus war erleichtert, dass die Mädchen sich an seinem Gebrummel nicht zu stören schienen


    "Falsch, falsch und wieder falsch," antwortete Esquilina, etwas überdreht. Und Licinus ergänzte: "Ich glaube, kein Soldat vershenkt abzeichen. Weißt du Marei, ein Abzeichen ist etwas, das man bekommt, wenn man etwas ganz besonderes gemacht hat. Würdest du so eine Belohnung verschenken?", dabei deutete er mehr unbewusst in Richtung der Rückwand es Büros, an der seine eigenen armillae hingen. Diese Schwävhe hatte er sich erlaubt, die Wand hier damit zu schmücken.
    "Und auch keine Schuhe. Aber gut, ich verrats dir. Sie haben mir eine kleine loria mahata, gemacht, geschmiedet." Das Wort hatte sie sich gemerkt und wartete jetzt, dass Marei ihre Begeisterung für das Geschenk teilte. Aber das mit den Schuhen, mmmh, daran musste sie unbedingt denken.


    "lorica hamata heißt sie. Das sind die Rüstungen aus den vielen kleinen Metallringen, viele Soldaten hier tragen", korrigierte und erklärte Licinus, der selbst keine solche, sondern eine lorica segmentata trug, unterdessen nachsichtig, wobei er die fehlerhaften Passagen sehr akzentuiert aussprach, damit das kleine Mädchen und seine neugewonnene Freundin die richtige Aussprache verstanden.
    Esquilina nickte dazu, auch wenn sie sich nicht sicher war, was genau sie anders gesagt hatte. Außerdem war sie in Gedanken schon bei einem ganz anderen Plan.
    "Darf ich sie Marei zeigen? Biiiiitteeee"
    Dabei setzte sie auf den größtmöglichen Süßes-Gesicht-mit-Kulleraugen-und-Wangengrübchen-Faktor, den sie zu Stande zu bringen in der Lage war.


    Zu den Pferden, na super, war Licinus erster Gedanke. Es gab wohl kaum einen Ort im ganzen Lager, den er so systematisch mied, wie die pabulae. Einzig die Mannschaftslatrinen konnten da konkurrieren. Die Sterbezimmer im valetudinarium zählten nicht, die musste man nicht meiden. Nicht im Frieden.
    "Also, ich weiß von keinen Tieren außer dem Pferden. Das heißt, da sind noch die Frettchen in den horreae, die Mäuse und anderes Ungeziefer fangen sollen." Das andere Ungeziefer, die Ratten, sprach er bewusst nicht aus. Nach dem, was er aus seiner eigenen Kindheit noch wusste, ekelten sich kleine Mädchen vor diesen. Was kleine Jungs dazu brachte, ihnen solche ins Bett zu stecken. Aber das war eine andere Geschcihte.
    "Aber wenn ihr unbedingt wollt, dann können wir mal dahin gehen." Kaum ausgesprochen bemerkte er, dass diese Worte ein wenig klangen wie jetzt mal. Gemeint war irgendwann mal. Mit Vorliebe an den calendas graecas.


    Esquilina und auch Licinus lauschten den Erklärungen Mareis über diese wunderlichen Tiere. Milch, ja das konnte man verstehen, dass sie die mochten udn vor ihren Augen spielten sich Szenen ab, in denen der Zeichnung ähnlich geartete Fellknäuel hinter Federn herjagten.
    Auf Nachfrage griff dann auch Esquilina zu dem Stift und begann zu zeichnen. Immer wenn sie nachdenken musste, steckte sie sich den Griff des Stilus in den Mundwinkel und nuckelte leicht daran, während sie ihre Augen nach oben rollte. Auf die Weise entstanden nacheinander eine Ziege mit Bart und kleinen Hörnern, zwei Schweine, eines von der Seite, dass eine so, dass man die markante Nase gut erkennen konnte und zuletzt ein Schaf, das im Wesentlichen aus einer gewellten Ellipse entstand.
    Zwar hatte sie keinen witzigen Spruch parat, stattdessen erzählte sie unter dem Zeichnen:
    "Das ist eine Ziege, die machen meh, irgendwie kurz und im Hals" dabei versuchte sie den kehligen laut zu imitieren. "Und Schweine sind groß und ganz dick und sie stinken. Ihre Nase is ganz rund und flach. Und das ist ein Schaf, aus dem Fell macht man Stoff wie für unsere tunicae."


    Esquilina


    Zitat

    Original von Marei
    ...


    Ein alter Spruch ging Licinus durch den Kopf, als er die beiden Mädchen so vor sich hörte: Der Mensch will immer das, was er nicht hat. In dieser Situation wohl nur allzu wahr. Licinus versuchte, angestrengt jetzt nicht um seine Meinung gefragt zu werden.


    Esquilina guckte Marei an und konnte kaum glauben, was sie da hörte :
    "Is nich dein Ernst? Die sind doch total schön. Mit Bändern, um die sie sich drum wickeln. Aber ich brauch dann immer die Brennschere. Also geht das nur, wenn es nicht Licinus machen muss." prompt flog ein entschuldigender Blick nach hinten, aber Licinus war sich seiner mangelnden Fähigkeiten durchaus bewusst.


    "Klar, ich hab dir doch von meiner Rüstung erzählt, als du in der habitatio warst. Und man muss seine Rüstung selbst polieren, aber das kann ich noch nicht. Also hab ich Licinus den Bimsstein und das Leder und das alles gegeben. Und ihm dann zugeguckt."


    Licinus sah stumm auf Mareis Haarschopf, es war erschreckend, wie empfindlich das Mädchen noch immer war. Er strich ihr sanft über die Schulter, während er mit einer Mischung aus Traurigkeit und Zorn daran dachte, wie er sie aus der Kiste gehoben hatte, in der sie gefangen gehalten worden war.


    Nach dem angenommenen Opfer brandete wieder der Applaus auf und auch Licinus fiel darin ein, genau wie Esquilina mit ihren kleinen Händchen, auch wenn die Duumviri dann etwas schnell zum nächsten Thema wechselten, sein Patron würde nun also auch Patron der Stadt werden. eine interessante Entwicklung, stellte er fest und fragte sich, ob dies wohl Auswirkungen auf seine persönlcihe Zukunft haben würde.


    Die Mädchen dagegen schienen deutlich wichtiger zu finden, dass sie nun wieder sprechen durften.
    "Das is bestimmt schwer, wenn man nicht immer weiß, was man sagen soll und was nicht. Das is bei uns nur so, wenn wichtige Leute aus der Stadt da sind." nicht, dass es für Esquilina so schwer war still zu sein, das war sie eh meist, wenn Besuch kam, den sie nicht kannte, aber eben gerade weil sie es unangenehm fand.
    Licinus hielt auf die Aufforderung das Schälchen wieder auf Höhe der Mädchen und tat so, als würde er übersehen, dass Esquilina sich zwei Kirschen auf einmal schnappte.
    "Tja, was machen wir jetzt. Ich muss sagen, ich hab Hunger, also wohl in eine Taberna gehen und was essen. Aber wir können noch warten, so lange du wartest, oder kleine Maus?"
    "Klar, warten wir."

    Sim-Off:

    Wow, was du für Geschmacksnerven haben musst. Essigwasser als fad zu bezeichnen :D


    "So, nachdem ihr jetzt den halben Tag verschlafen habt, seid ihr sicherlich alle wieder frisch und munter."
    Licinus Stimme trof vor Ironie, auch wenn die Pausenzeiten zu Anfang der Ausbildung tatsächlich noch recht lang waren.
    In dem Moment flog ihm ein Staubkorn ins Auge und er blinzelte, was einen Moment der Pause verursachte.
    "Egal! Sicherlich ist euch schon in den Sinn gekommen, dass es eben jenen nicht hat, wenn man immer nur gerade aus rennt.
    Daher übenw ir jetzt drei sehr einfache Kommandos. "ad sinistram", "ad dextram" und "retro".
    Auf diese Befehle den jeweiligen Fuß nach hinten und dreht auf die Seite. Für die Wende stellt ihr den rechten Fuß hinter den linken, dreht rechtsrum und zieht den linken Fuß nach vorne. Achtet dabei unbedingt auf die scuti. Verstanden?"


    Eine wetere Pause wartete die Antwort der tirones ab, dann hieß es


    "Ad sinistram! Ad sinistram! Retro! Ad dextram! Ad dextram! Retro!"

    „Auseinander!“, brüllte der Trebellier, kaum dass er sah, dass einer der tirones in die Knie ging. Anschließend rief er den Hintermann, der dem Iunier den Schild an den Kopf geschlagen heraus.
    „Du verdammter Volltrottel!“ schimpfte er in beachtlicher Lautstärke.
    „Wie unfähig kann man eigentlich sein, hä? Antworte gefälligst!“ und von der Seite flog die vitis schmerzahft gegen den Oberschenkel des Soldaten. „Oder halt besser doch die Klappe! Du bist doch einfach zu blöd. Ich kann im Kampf keine Soldaten brauchen, die sich gegenseitig umbringen. Darum wird sich der Feind schon kümmern, wenn ihr einen solchen Wert drauf legt.“
    Die letzten Sätze hatte er an die Allgemeinheit der tirones gesprochen und wandte sich nun wieder in Richtung des Delinquenten. „Du wirst die nächsten drei Wochen jeden Abend die Latrinen reinigen!“
    Damit war die Strafrede beende
    „Also von vorn!"


    "Convenite!"


    "Ad testudinem!“

    Das Lob schien bei dem Nubier angekommen zu sein. Gut, je weniger Worte, desto ehrlicher das Lob, war Licinus Einstellung, die sich sicherlich nicht mit der so manchen Politikers deckte. Was tat das etwas zur Sache? Eigentlich nicht.


    Tatsächlich konnte auch er in den Auslagen des Händlers nichts entdecken, was für ihn interessant gewesen wäre. Ein alter, recht abgegriffener Tacitus war darunter, den er aber schon in besserem Zustand besaß. Und auch wenn Licinus sich nur ungern Dinge lieh, nicht des Stolzes wegen, sondern weil man sie dann ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr selbst zur Hand hatte, kam er zu dem Schluss, dass der Vorschlag des Sklaven wohl die beste Alternative war. Er nickte dem Händler kurz zu, der beflissen lächelnd zurücknickte, auch wenn er innerlich sicher nicht so gut auf sie beide zu sprechen war. Aber das interessierte Licinus weniger, der sich nun von dem Stand abwandte und Cimon antwortete:
    “Ja, ich glaube, dass das in der Tat die beste Idee ist. Weißt du zufällig ein Buch, dass der legatus besonders schätzt und vielleicht nicht so leicht zugänglich ist, wie der Tacitus?“
    Die Frage sollte nicht etwa implizieren, dass eine solche Cimon nicht zugetraut hätte, erwusste schlicht nicht, dass sein patronus sich mit dem Sklaven darüber austauschte und hatte angenommen, dass seine Einschätzung des Angebots des Händlers auf eine Bestandsliste oder ähnliches von Ursus Bibliothek zurückzuführen sei.

    Licinus selbst trank natürlich nichts, man war es ja gewohnt durchzuhalten, außerdem war es nicht so heiß und wenn man ehrlich war, dann arbeitete er auch deutlich weniger, als die tirones.
    Stattdessen lauschter er auf die Gespräche, die zu ihm herüber drangen. Er setzte, wie das ganze römische Militärwesen, darauf, dass die Soldaten einer Einheit sich gegenseitig unter die Arme greifen würden. Auf ruppige Art, wie es bei Soldaten üblich war schien sich dergleichen auch bereits abzuzeichnen.


    Die Pause war für die tirones wahrscheinlich viel zu kurz als es hieß
    "Convenite!"


    "Acies dirigite!"


    "State!"


    Esquilina


    Esquilina prustete laut los, als Marei das Reimsprüchchen aufsagte, das war lustig. Dass die Katze auf der Wachstafel in währenddessen Formen annahm bekam sie daher weniger mit und guckte am Ende konzentriert auf die Zeichnung. Sie konnte sich jedoch nicht im geringsten daran erinnern einem solchen Tier schon mal begegnet zu sein. "Neee, so ein Tier hab ich noch nie gesehen. Aber es sieht putzig aus. Die haben bestimmt ein flauschiges Fell?"


    Licinus war immernoch nicht sicher, ob es eine gute Idee war das Mädchen im Schwertkampf auszubilden. Er fand ja die Kostümierung für Esquilina schon immer äußerst grenzwertig, aber damit hatte er sich abgefunden. Daher war auch seine Antwort etwas brummelig und lautete:
    "Ja, wir müssen mal schauen, dass du mir zeigen kannst, was du alles gelernt hast.
    Udn nun war Esquilina auch noch davon begeister, wie er an ihrem neugierigen Grinsen festmachen konnte. Er wusste schon, was ihm jetzt ins Haus stand.
    "Geschnitzt?" schlug er weiter hilfreich vor, als Marei das Wort fehlte, wurde allerdings von Esquilina prompt übertönt, die die Pause nutzt um ihren Kommentar an den Platz zu bringen. "Schade, dass ich kein Schwert hab, aber du errätst nie, was mir die Soldaten mal geschenkt haben." Man sah den Stolz in ihren Augen blitzen.


    Als die Beschreibung des Wesens kam, sah sich das kleine Mädchen bemüßigt ihrem Ziehvater zu erklären, dass sie ein solches Tier sicher nicht auf dem Landgut hatten. Worauf Licinus einen Moment nachdachte, aber ebenfalls bekennen musste:
    "Nein, ich kenne das Tier auch nicht. Weißt du, wo es herkommt, Marei?

    "State!"


    Der Befehl kam, kaum das alle standen und Licinus inspizierte ein weiteres Mal "seine" Truppen. Mit kritischer Miene ging er durch die Reihen der Männer, vor dem ein oder anderen länger wartend und umso intensiver musternd.


    "Genauso ordentlich, wie ihr jetzt steht, kann man auch marschieren. Wir nennen das den Gleichschritt. Und genau das werden wir jetzt üben. Wenn ich Lae- sage, setzt ihr den rechten Fuß vor, auf -um den zweiten. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass der Abstand gleich bleibt. Das gilt vor allem für die erste Reihe. Lauft euren Kameraden nicht davon! Der Haltebefehl lautet consistite, danach wird noch einmal der rechte Fuß vorgesetzt und der linke herangezogen. Gehalten wird in movemini."


    Licinus gab den tirones einen Moment, damit sich die ganzen Informationen setzen konnten, dann hieß es:


    "Movemini!"


    "Aequatibus passibus! Pergite!"


    "Lae - vum!"


    "Lae - vum!"


    [...]


    "Laevum!"


    "Consistite!"


    Als es endlich den Befehl zum halten gab, waren sie am anderen Ende des Platzes angekommen.
    "Ausfallen und einen Schluck trinken!" befahl Licinus in Anbetracht hängender Zungen.


    Sim-Off:

    Aequatibus passibus - im Gleichschritt
    Pergite - Marsch
    Laevum - Links
    Consistite - Halt

    Es lief doch, zumindest bis zum Schluss. Man konnte schließen, dass Licinus einen zu einheitlichen Takt ausgegeben hatte, sodass mindestens ein tiro einfach weitermachen wollte. Man konnte aber auch schließen, dass dieser tiro sich nicht auf die Aufgabe konzentriert hatte.
    Gerade wollte er einen einen Anpfiff loswerden, da erkannte er, dass der Nebenmann des tiros grinste und der tiro selbst zischte.
    "Was sagte ich eben zum Thema quatschen?! Und ich kann mich nicht erinnern euch die Erlaubnis zum Grinsen gegeben zu haben!
    10 Liegestütze, beide, sofort!"

    Immerhin galt ja eben movemini und damit waren die Verfehlung weit lässlicher, als im state.
    "Und wenn ich von einem von euch noch einen Fehler mitbekomme, dann steht ihr im wahrsten Sinne des Wortes in der Scheiße!"


    Kaum standen die beiden Delinquenten wieder, ging der Spaß weiter:
    "Und jetzt seht euch einmal an, wie ihr da steht. Eure Fußspitzen meine ich.
    Ja, ihr düft den verfluchten Kopf dazu bewegen!"
    Immer dasselbe, immer versuchten einige tirones nur durch Augenbewegungen auf ihre eigenen Füße zu sehen.
    "Die Linie hat ja mehr Biegungen als der Mäander.
    Aber auch dafür hat sich die Armee etwas einfallen lasse:
    Acies dirigite, lautet der Befehl. Ihr macht jetzt Trippelschritte, bis eure Füße eine Linie auf Höhe des Mannes ganz rechts steht."


    "Aaaacies diiirigite!"

    "Gar nicht mal so blöd," aus dem Munde des Trebelliers war das wohl sowas wie ein Kompliment, das allerdings sogleich wieder abgeschwächt wurde.
    "Würd mich ja brennend interessieren, wer dir das gesteckt hat. Aber egal.
    Die testudo ist das Glanzstück römischer Heereskunst, das heißt, ich erwarte von euch eine glanzvolle Ausführung. Die erste Reihe Schilde nach vorn, die linke zur Seite, der Rest Schilde über den Kopf und dann dicht zusammenrücken."


    "Aaaad testudinem!"


    Esquilina


    Zitat

    Original von Marei
    ...


    "Kurz: Du kannst bleiben. Sehr schön!" fasste Licinus militärisch knapp Mareis kindliches Geplapper, das ihm immer so gut, Tat zusammen. Auch Esquilina war begeistert: "Super," strahlte sie zu ihrer Freundin "aber die Haare abschneiden. Neee, da lass ich die lieber lang und bin mir Bänder rein. Schade, dass ich keine Locken habe."
    Licinus grinßte, als sein Streich mit den Süßigkeiten gelgückt war.
    "Nein, dass sind vollkommen zivile. Ich hab sie auf dem Weg hierhin, an einem Stand gekauft." Tatsächlich hatte Esquilina sie entdeckt und dann konnte Licinus nicht anders, als welche zu kaufen, heute sollte schließlich gefeiert werden.
    "Ja, das muss so sein. Dein Herr glitzert ja auch nicht weniger." Auch wenn der legatus vermutlich nichts selbst Hand angelegt hatte, im Gegensatz zu ihm, auch wenn er mit einem gutmütigen Lächeln hinzufügen musste:
    "Und ich hatte ja schließlich große Hilfe."
    "Ja, ich hab Marcus immer die Sachen gegeben, die er gebraucht hat, um zu lernen, damit ich meine eigene Rüstung auch sauber machen kann." ergänzte Esquilina stolz.
    In Gedanken warf Licinus einen Blick zu den Göttern. Er mochte es noch immer nicht besonders, wenn Esquilina zu sehr von ihrem Kettenhemdchen redete.


    Zitat

    Original von Marcus Artorius Celer
    ...


    Augenblicke später setzte der magistratus Artorius zu seiner Begrüßungsrede an, sodass Licinus nicht mehr seien ganze Aufmerksamkeit den Mädchen zuwenden konnte. Die Rede quoll vor Pathos, aber Licinus war dafür nicht unempfindlich und das Lob an der legio nahm er mit einem zufriedenen Brummen zur Kenntnis. Die Zweischneidigkeit ob der Verluste verhinderte eine vollendete Begeisterung. Die Heiler waren in der Tat wert erwähnt zu werden und eher trocken stimmte Licinus mit ein, als um ihn herum der Applaus aufbrandete. Deutlich dazwischen zu hören war das typische Geschepper, wenn die Wachsoldaten ihre pila gegen die Schilde schlugen. Gut vielleicht war dem auch nur hier in unmittelbarer Nähe zu Absperrung so, aber er hörte es heraus. Was er nicht hörte, oder zumindest nicht verstand, war der laufende Kommentar Mareis.
    Esquilina dagegen hing an den Lippen ihrer neuen Freundin. Von dem Markt hatte sie auch gehört, ja Teile davon bereits gesehen, daher nickte sie eifrig.
    "Du kennst viele Leute," sagte sie erstaunt, denn sie musste viele kennen, wenn schon den man der jetzt ungewöhnlich gewandet das Podium betrat. "Du hast Recht, er sieht komisch aus," kickste sie, sich mühevoll konzentrierend, nicht loszulachen.
    All dies nahm Licinus nur am Rande war, der Applaus übertönte alles, nicht aber den Haruspex. Nicht einmal, wenn er zuvor nicht ohnehin geendet hätte.


    Zitat

    Original von Sextus Aurelius Lupus
    “Favete linguis!“
    ...


    Donnerwetter, der Mann hatte eine Stimme, damit konnte er glatt centurio werden, dachte Licinus, als der Aurelier Ruhe einforderte. Reflexartig legte Licinus den beiden Mädchen den Finger auf den Mund, um seinerseits Ruhe einzufordern, anschließend legte er die Hände auf die Schultern der beiden Mädchen und konnte spüren, wie beide die Augen fest zukniffen, als es an das eigentliche Opfer ging, während er selbst der Opferung ungerührt zusah. Marei kassierte einen leichten Stoß aus der ruhenden Hand, als sie ihr Bedauern kund tat. Nicht schmerzhaft, gerade vernehmlich genug um weiterhin Ruhe anzumahnen, denn noch durfte nicht gesprochen werden. Bei Esquilina war dergleichen nicht nötig. Nicht, weil sie sich besser unter Kontrolle hatte, sondern vielmehr weil sie wie gebannt auf das bluttriefende Organ starrte. Ihr Mund stand offen wie Augen, die sie wohl besser noch eine Weile länger geschlossen gehalten hätte, wie sie sich jetzt von ganzem Herzen wünschte.
    Wann ging es endlich weiter, die Stille der Menge war ihr unheimlich.

    "Geschenkt!" antwortete der Rekrutierugnsoffizier auf den ersten Teil "Da muss man halt nen bissel warten und sich durchquetschen. Das zweite ist wichtiger. Der Sturm auf die Städte. Welche Vorgehensweise würdest du wählen, tiro Iunius?"
    Willkürlich war Priscus gewählt worden. Gespannt erwartete der Ausbilder die Antwort auf die Frage und fixierte den Jungen scharf.


    Esquilina


    Noch immer wusste Esquilina nicht, warum Marei nicht mehr allein raus ging. Sie spürte, dass es etwas schlimmes gewesen war und drückte ganz leicht ihre Hand, wie Licinus es immer machte, wenn sie an ihre Mama denken musste. Vielleicht half das ja auch dem anderen Mädchen.


    "Ja, Honigkirschen sind toll, gell?" strahlte Esquilina zurück. Dann wurde sie nachdenklich. Es musste doch einen Grund geben, warum sie diese merkwürdigen Katzen nicht kannte."Vielleicht mag Battiacus keine Katzen und wir haben deshalb keine?" überlegte sie laut. Von Mareis Vorschlag war sie nahezu begeistert und reichte ihr mit den Worten "Oh, das ist eine gute Idee!" die Tafeln. Anschließend erhob sie sich halb um sich anschließend hinter Marei zu knien und ihr beim Zeichnen zuzuschauen.


    Licinus schmunzelte bei dem "offiziellen Salut", den er bekam, und grüßte dann zurück.
    "Salve Marei!" und dann wieder an beide Mädchen gewandt:
    "Ich sehe, ihr habt euch schon miteinander bekannt gemacht."
    Dann ging er um den Schreibtisch herum und ließ sich auf seinen Stuhl fallen, bevor er gutmütig die Fragen beantwortete, die Marei auf ihn einprasseln ließ.
    "Auf dem Exerzierplatz bin ich erst wieder, wenn die Festtage in Mantua vorbei sind. Bis dahin ruht der Übungsbetrieb." Selten, ganz selten bekamen eben sogar die Soldaten der ersten und besten legio einmal frei.
    "Und auf die Mauern. Na, mal schauen, vielleicht ergibt sich ja was." Bevor er aber zum Thema Schwerter was sagen konnte, schaltete sich Esquilina dazwischen und fragte:
    "Du hast ein eigenes Holzschwert? Boa!"
    Und Licinus, ohnehin unterbrochen, fragte seinerseits erstmal:
    "Wir schauen mal, versprochen. Aber erstmal, verratet mir doch, was habt ihr eigentlich die ganze Zeit gemacht, während ich nicht da war, mmh?"
    "Marei hat mir von Rom erzählt und von Kaltern."
    "Kaltern?" fragte Licinus zurück und sah dabei Marei an. Was meinte seine Ziehtochter denn damit?

    "Geht doch!" knurrte Licinus. Damit war die Stafaktion beendet, Licinus Gesichtsausdruck wechselte wieder von unerbittlich zu streng und sie konnten mit der Ausbildung fortfahren.
    "Movemini!" kurze Pause "Das heißt, dass ihr euch wieder in die Grundstellung begeben dürft.

    Die nächste Stufe war bekannt, es war dass allübliche wiederholen. Eine langweilige Aufgabe für die Ausbilder, zumindest wenn es funktionierte. Licinus rechnete jedoch nicht ganz damit, sodass er die Langeweile tunlichst aus seiner Stimme fernhielt.
    "State!"


    "Movemini!"


    "State!"


    "Movemini!"


    "State!"


    [...]


    "State!"


    "Movemini!"


    Immer hin und her ließ er die tirones wechseln, dazwischen immer wieder korrigierend eingreifend, bis es ihm irgendwann reichte und er sie in Grundstellung stehen ließ. Seine Augen musterten die Reihen bevor er wietersprach.

    Nach einer endlos langen Stunde ertönte ein Trompetensignal aus Richtung des Hauptquartiers und die Ablösung rückte an.
    Nach einem kurzen Austausch von Grüßen und gegenseitigen Meldung war die Wachmannschaft fast entlassen.
    Nurnoch die informelle Erkundigung eines der Ausbildungsoffiziere (für diesen Abschnitt war ein Kollege von Licinus zuständig) bei dem älteren Soldaten hielt sie auf, wie sich denn die tirones geschlagen hätten hielt sie auf. Der Veteran beschied einen:
    "Aus denen kann noch was werden," was dem Ausbilder offensichtlich ausreichte, denn er wandte sich als nächstes an die tirones:
    "Also dann, macht, dass ihr wegkommt. Wir sehen uns morgen auf dem campus! Wegtreten!"