
Esquilina
Was gegen den Strich hieß, das wusste Esquilina sogar, das war bei den anderen Tieren, die sie kannte nicht anders.
Und Licinus war erleichtert, dass die Mädchen sich an seinem Gebrummel nicht zu stören schienen
"Falsch, falsch und wieder falsch," antwortete Esquilina, etwas überdreht. Und Licinus ergänzte: "Ich glaube, kein Soldat vershenkt abzeichen. Weißt du Marei, ein Abzeichen ist etwas, das man bekommt, wenn man etwas ganz besonderes gemacht hat. Würdest du so eine Belohnung verschenken?", dabei deutete er mehr unbewusst in Richtung der Rückwand es Büros, an der seine eigenen armillae hingen. Diese Schwävhe hatte er sich erlaubt, die Wand hier damit zu schmücken.
"Und auch keine Schuhe. Aber gut, ich verrats dir. Sie haben mir eine kleine loria mahata, gemacht, geschmiedet." Das Wort hatte sie sich gemerkt und wartete jetzt, dass Marei ihre Begeisterung für das Geschenk teilte. Aber das mit den Schuhen, mmmh, daran musste sie unbedingt denken.
"lorica hamata heißt sie. Das sind die Rüstungen aus den vielen kleinen Metallringen, viele Soldaten hier tragen", korrigierte und erklärte Licinus, der selbst keine solche, sondern eine lorica segmentata trug, unterdessen nachsichtig, wobei er die fehlerhaften Passagen sehr akzentuiert aussprach, damit das kleine Mädchen und seine neugewonnene Freundin die richtige Aussprache verstanden.
Esquilina nickte dazu, auch wenn sie sich nicht sicher war, was genau sie anders gesagt hatte. Außerdem war sie in Gedanken schon bei einem ganz anderen Plan.
"Darf ich sie Marei zeigen? Biiiiitteeee"
Dabei setzte sie auf den größtmöglichen Süßes-Gesicht-mit-Kulleraugen-und-Wangengrübchen-Faktor, den sie zu Stande zu bringen in der Lage war.
Zu den Pferden, na super, war Licinus erster Gedanke. Es gab wohl kaum einen Ort im ganzen Lager, den er so systematisch mied, wie die pabulae. Einzig die Mannschaftslatrinen konnten da konkurrieren. Die Sterbezimmer im valetudinarium zählten nicht, die musste man nicht meiden. Nicht im Frieden.
"Also, ich weiß von keinen Tieren außer dem Pferden. Das heißt, da sind noch die Frettchen in den horreae, die Mäuse und anderes Ungeziefer fangen sollen." Das andere Ungeziefer, die Ratten, sprach er bewusst nicht aus. Nach dem, was er aus seiner eigenen Kindheit noch wusste, ekelten sich kleine Mädchen vor diesen. Was kleine Jungs dazu brachte, ihnen solche ins Bett zu stecken. Aber das war eine andere Geschcihte.
"Aber wenn ihr unbedingt wollt, dann können wir mal dahin gehen." Kaum ausgesprochen bemerkte er, dass diese Worte ein wenig klangen wie jetzt mal. Gemeint war irgendwann mal. Mit Vorliebe an den calendas graecas.
Esquilina und auch Licinus lauschten den Erklärungen Mareis über diese wunderlichen Tiere. Milch, ja das konnte man verstehen, dass sie die mochten udn vor ihren Augen spielten sich Szenen ab, in denen der Zeichnung ähnlich geartete Fellknäuel hinter Federn herjagten.
Auf Nachfrage griff dann auch Esquilina zu dem Stift und begann zu zeichnen. Immer wenn sie nachdenken musste, steckte sie sich den Griff des Stilus in den Mundwinkel und nuckelte leicht daran, während sie ihre Augen nach oben rollte. Auf die Weise entstanden nacheinander eine Ziege mit Bart und kleinen Hörnern, zwei Schweine, eines von der Seite, dass eine so, dass man die markante Nase gut erkennen konnte und zuletzt ein Schaf, das im Wesentlichen aus einer gewellten Ellipse entstand.
Zwar hatte sie keinen witzigen Spruch parat, stattdessen erzählte sie unter dem Zeichnen:
"Das ist eine Ziege, die machen meh, irgendwie kurz und im Hals" dabei versuchte sie den kehligen laut zu imitieren. "Und Schweine sind groß und ganz dick und sie stinken. Ihre Nase is ganz rund und flach. Und das ist ein Schaf, aus dem Fell macht man Stoff wie für unsere tunicae."