Lucius Battiacus und Esquilina
Die Feier war, wie Licinus im Nachhinein befand, eine gute Sache gewesen.
Battiacus hatte alles vorzüglich organisiert, die Gäste hatten sich amüsiert ohne dabei allzu anzüglich geworden zu sein und auch er selbst hatte seinen Spaß bei diversen Würfelspielchen mit Ehreneinsatz und ähnlichem gehabt.
Der Aedituus hatte sich gütlich am Wein getan und angefangen zusammen mit Battiacus Volkslieder zu singen, in die nach und nach alle eingestimmt hatten.
Auch das Essen war hervorragend gewesen und Esquilina war der heimliche Star des Abends gewesen und in ihrem Kostüm einige Lächeln auf die Gesichter gezaubert. Nur ein Paar Matronen hatten missbilligend geguckt und sich gegenseitig Dinge zugeflüstert, die Licinus zwar nicht verstanden, sich aber vorstellen konnte. Sicherlich ging es wieder darum, dass ein Mädchen eben kein Junge und somit kein Soldat sein konnte.
Irgendwann war sie jedoch müde geworden und sie hatte Licinus gebeten, ihr das Kettenhemd wieder abzunehmen. Anschließend war sie auf seinen Schoß geklettert und dort nach einigen Minuten eingeschlafen.
Dies war das Signal gewesen, dass sich die Feier langsam aber sicher auflöste. Die Gäste verabschiedeten sich von Licinus und zogen sich zurück auf ihre eigenen Landgüter, nur der Aedituus blieb und bezog eines der Gästezimmer, da Battiacus Frau ihn in "seinem Zustand" nicht mehr allein ziehen lassen wollte.
Gemeinsam mit dieser brachte Licinus Esquilina ins Bett zurück, beim Umziehen wachte das kleine Mädchen kurz auf und quittierte die Bemühungen ihres Ersatzpapas mit den trotzigen, aber nichtsdestoweniger verschlafenen Worten: "Ich bin nicht müde!" gefolgt von einem herzhaften Gähnen. Und kaum drückte Licinus sieh sanft zurück in ihr Bett schlief sie auch schon ein. Er deckte sie dann zu und gab ihr einen Kuss auf die Wange, bevor er ging.
"Schlaf gut, meine Kleine!"
Mit diesen Worten verließ er den Raum und machte sich auf zu Battiacus, der noch die Feuerstelle mit Asche abgedeckt hatte.
"Eine schöne Feier, alter Freund!" lobte er und einen Moment standen sie in schweigender Kameradschaft neben der verklimmenden Feuerstelle.
"Nu, ich jeh dann och ehmal ins Bett. In meinem Alter kann ma nimmer su lang, wie ihr junge Hüpfer!"
Licinus lächelte und meinte zurück "Gute Nacht Battiacus, bis morgen."
Licinus ging ein letztes Mal durch die Gebäude, bevor er zu Bett ging. Einen schönen Alterssitz hatte sein alter Kamerad ihm hiermit verschaft. Wie es Serapio zur Zeit wohl ging. Er war doch immernoch in Aegyptus, nicht war?
Licinus wusste noch weder von den Kämpfen, noch dass sein Kamerad bald wieder nach Italia zurückkehren sollte, in einer Position, von der sie in Parthia wohl niemals auch nur zu träumen gewagt hätte.