Beiträge von Marcus Iulius Licinus

    Da ein Soldatentrupp in centurienstärke etwas war, was nur ein tauber Mann überhören konnte, stand der Bauleiter an diesem Abschnitt auch schon parat um die Soldaten zu begrüßen.
    Er wartete, bis sie gehalten hatten und ging dann auf denjenigen zu, der wohl das Kommando hier hatte.
    "Salvete!
    Ihr seid die Soldaten, die mir zur Unterstützung versprochen wurden, ja?
    Freut mich, dass ihr hier seid.
    Also, es geht sich um folgendes. Die Balustraden an beiden Seiten müssen erneuert werden und die Fahrdecke an den markierten Stellen. Da könnte Wasser einsickern, wenn der Frost kommt, dann platzt uns da alles auf. Nix großes, nur die Deckplatten aufstemmen, alles gut mit opus cementium auskleiden und die Platte wieder drauf.
    Das Problem liegt da."

    Er deutete auf einen der Brückenpfeiler.
    "Der hat ein bisschen zu viel Treibholz abbekommen und es hat nen paar Steine rausgeschlagen. Wobei, wenn ihr einen oder zwei gute Taucher dabei habt, also ich glaub, man müsst sich unten das Fundamente mal angucken. Kann immer passieren, dass die unterspült werden. Nicht, dass was drauf hindeutet, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht, ja?"
    Jetzt musste er auch mal Luft holen und gab somit dem optio eine Gelegenheit zu antworten.

    Der Chef war also da. Sehr gut. Licinus trat nun zwischen die beiden Soldaten und klopfte mit den Knöcheln gegen die Tür.
    Ram-tata-tam
    hallte es weit vernehmlich und Licinus hörte schon wieder den alten Scherz ob des Einschlagens von Türen in seinem Kopf.
    Also hieß es jetzt auf den Ianitor zu warten.

    ... kam Licinus zur Hauptpforte des praetoriums. Schon dieser Umstand machte klar, dass er sich anschickte Aurelius Ursus als seinen patronus und nicht als legatus der ersten legio aufzusuchen. Dazu kam noch, dass er für seine Verhältnisse ausgesprochen zivil gekleidet war, nur tunica und cingulum wiesen, keine Rüstung, nicht einmal die vitis.
    Wie von selbst sprang seine Hand in Grußposition, als er sich der Ehrenwache näherte, die vor der Tür Stellung bezogen hatte.
    "Ist der legatus zuhause? Oder ist er noch drüben?" fragte er nach und begehrte mit diesen Worten, so die erste Frage bejaht wurde, gleichfalls Einlass.

    Lucius Battiacus und Esquilina


    Licinus hatte bis zum Mittagessen einen Brief an seine Familie in Roma geschrieben, um diese darüber zu informieren, dass es ihm gut ging. Die restliche Zeit vertat er mit diesem und jenem, aber konkretes kam dabei nicht heraus.
    Als es langsam Abend wurde saß er wieder auf seinem Platz unter dem Baum im Hof und beobachtete die Sklaven, die unter Aufsicht von Battiacus das Schwein zubereiteten, als ein leises metallisches Klingen an seine Ohren drang.
    Licinus straffte sich innerlich und einige Augenblicke später patschten zwei Händchen von hinten gegen seine Schultern.
    "BUH!" rief Esquilina mit allem, was ihre kindliche Stimme herzugeben vermochte.
    Licinus an dieser Stelle zuckte jedoch nicht zusammen, fuhr aber dennoch herum, packte das Mädchen unter den Schultern und hob sie über die Rückenlehne der Bank auf seinen Schoß. Dabei dachte er daran, dass sie mit Kettenhemd eine ganze Ecke schwerer war, als ohne. Aber das war ja normal.
    Gemeisam miteinander Scherze treibend warteten sie nun auf die ersten Gäste. Bevor diese aber kamen wollte Licinus Esquilina noch etwas erzählen:
    "Hör mal meine kleine Victoria, ich glaube ich habe jemanden gefunden, den du bestimmt kennen lernen willst."
    Esquilina spitzte darauf die Ohren udn fragte:
    "Wen denn?"
    "Weißt du, mein Chef, der legatus Aurelius Ursus hat unter seinen Sklaven ein kleines Mädchen, das Marei heißt. Ich glaube sie wäre eine gute Freundin für dich."
    Esquilina sah ihn mit großen Augen an:
    "Meinst du Marcus? Aber ich kenn sie doch gar nicht." Esquilina war ein wenig skeptisch, schließlich hatte sie nie viel mit Mädchen in ihrem Alter zu tun gehabt. Auch hier auf dem Landgut gab es keine Kinder. Nur selten begegnete sie jemandem von einem der Nachbargüter.
    "Was meinste du, ihr könnt euch ja mal gegenseitig ansehen, wenn du beim nächsten Mal im Lager bist, hmmm?"
    "Mmmh, ich schau mal. Wenn du mit versprichst, dass sie nett ist."
    "Natürlich versprech ich dir das," antwortete Licinus erleichtert. Es tat ihr sicher gut mit einem anderen Mädel zu spielen, als immer nur mit Älteren.
    "Aber schau mal, ich glaube, da kommen die ersten Gäste."

    Keiner sagte mehr etwas und damit war wohl auch dieser Punkt erledigt.
    Diskuswerfen konnte wirklich interessant werden, dachte sich der Einäugige. Er selbst hatte dergleichen noch nie getan. Mit etwas Glück würde es sich vielleicht einige lustige Gegebenheiten ergeben, wenn einige Anfänger versuchten den Diskuss zu werfen.


    ~~~


    Es brach ein kleines Gemurmel unter den wenigen Stadträten ein, das im wesentlichen aus den Worten "keine weiteren Anträge" bestand. Es gab wohl nichts mehr zu sagen darüber. Einige der Männer waren sicherlich schon bei dem Fest um ihre eigenen Geschäfte, Beiträge und Vergnügungen zu organisieren.

    "Einweisung erfolgt vor Ort," bestätigte Licinus knapp.
    "Fall wider Erwarten niemand vor Ort ist, seht euch schon mal um."
    Dann warf er einen kurzen Blick auf den magistratus, der genau dies sicherlich sicherstellen würde.
    "Wenn keine weiteren Fragen bestehen, dann könnt ihr wegtreten, Priscus."
    Dadurch, dass er den Namen und nicht den Rang verwendete, wollte signalisieren, dass es durchaus gestattet war, Nachfragen zu stellen, wenn da welche waren.

    "Speerwerfen?
    Vielleicht doch eher Diskuswerfen? Bei Speeren haben die Soldaten die Nase doch etwas weit vorn."

    Nicht, dass ihn das persönlich stören würde, aber eine allzu hohe Überlegenheit würde Frust verursachen und das sollte auf solchen Feierlichkeiten doch besser nicht der Fall sein.
    "Außerdem ist es mal was neues!"


    ~~~


    "Nun, Aurelius Ursus ist nun aber auch schon überdurchschnittlich lang im Dienst des Heeres, nicht wahr? Was meint ihr, meine Herren?"

    Sehr schön, einer der mitdachte, waren die Gedanken der Wache, als der Artorier bereitwillig die Arme hob.
    Während er ihn abtastete beantwortete er die Frage und fragte seinerseits ein wenig neugierig:
    "Wenn es halbwegs offiziell ist, würde ich dir die Taubenlöcher der centurionen und Stabsoffiziere in der principia empfehlen. Die können es dann beim Appell an die milites weitergeben.
    Um was für Feierlichkeiten geht es denn?"

    Damit war er fertig und stellte sich wieder auf, signalisierend das der Artorier passieren könne.



    Sim-Off:

    Taubenlöcher:
    Man stelle sich ein Regal vor mit vielen kleinen Fächern, die mit Namen beschriftet sind. Dient der Kommunikation, existiert auch in einer Variante mit Türen, die oben einen Spalt offen lassen.

    Zitat

    Original von Marcus Artorius Celer
    "Die Einteilung ist kein Problem," erwiederte er und kramte eine Tabulae hervor. "Eine Auflistung dazu liegt mir hier vor." Er reichte sie dem Centurio. "Ich lese daraus eine Aufteilung von 35% für die Brücke und 65% für die Ruinen. Letztere aufgeteilt auf die, die und die Straßen," meinte er und deutete auf diese. "Soldaten mit einem Gespür für Statik solltest Du wohl bei der Brücke einsetzen."


    Soldaten mit Gespür für Statik, ja, wenn er sie denn kennen würde, nicht wahr. Schließlich war das hier nicht seine eigene centuria, ja nicht mal seine cohors verdammt. Aber immerhin einen Mann kannte er:
    "optio Priscus!
    Du gehst mit den Männern deiner centuria an die Brücke. Der Rest folgt mir zu den abgebrannten Häusern."

    Licinus konnte sich noch gut daran erinnern, als die Häuser in lodernden Flammen gestanden hatten und sie alle bis zur Erschöpfung in den Eimerketten gestanden waren.
    Eine schreckliche Nacht. Und noch immer hatte es keine neue Anzeichen für die Mordbande gegeben. Sie war wohl wirklich und wahrhaftig entkommen. Ein Umstand, der immernoch an Licinus nagte.

    Aha, es ging also doch nicht. Sollte ein magistratus nicht mit den örtlichen Geebenheiten vertraut sein, fragte der Einäugige sich selbst.
    "Wir sollten auch nicht vergessen einige Preise auszuloben. Fresspakete für die niedrigeren Platzierungen, kann ich mir sehr gut vorstellen, ebenso Geldpreise aber irgendwas ausgefallenes sollte auch dabei sein, für die Sieger."
    Man hörte die schnoddrige Art des ehemaligen Militärs heraus, gleichzeitig aber ein Grübeln, was wohl angebracht wäre.
    "Für die Wettkämpfe, ich denke Ringen und ein Wettlauf wären gut. Und das dritte sollte dann eher das Geschick erfordern."


    ~~~


    "War nicht auch der Senator Purgitius Macer lange Jahre hier legatus? Und besitzt er nicht Güter in Norditalia?" fragte Paullus Cominius Archia frei in die Runde. Sicher war er sich da nicht, aber er meinte sich an diesbezügliche Erzählungen in jungen Jahren zu erinnern.

    EIn kurzes zögern, dann aber die scheinbar entschlossene Zustimmung. Mehr konnte man zu diesem Zeitpunkt nicht erwarten, vielleicht war es sogar besser als jene, die voll Abenteuerlust am liebsten in die nächste Schlacht stürzen würden.
    "Gut, dann wären wir hier vorerst soweit.
    Als nächstes gehst du in das valetudinarium, damit die medici deine Tauglichkeit überprüfen können. Wenn die sagen, dass du okay bist, dann gehst du in die Rüstkammer und erhältst da deine Ausrüstung.
    Wenn du fertig bist, dann komm hierher zurück udn wir machen den Abschluss."

    Nach den letzten Kratzern klappte der Rekrutierungsoffizier die beiden Wachstaflen zusammen:
    "Eine letzte Frage," er nahm sein Gegenüber fest ins Auge, den dieses war die wohl wichtigste.
    "Du bist dir vollkommen im klaren darüber, was es heißt sich bei der legio einzuschreiben?
    Du wirst hier 20 Jahre lang Blut und Wasser schwitzen und hast keine Chance auf vorzeitige Entlassung, außer an Bord eines Schiffes über den Styx? Von dem Jahr deines tirocinium gar nicht gesprochen, in dem du keinen Ausgang aus dem Lager haben wirst?"

    "Sehr schön," wieder kratzte der Griffel über die tabula.
    "Tischler? Das ist gut."


    "Auch kein Problem!"
    wenn auch ein eventuelles Hinderniss für die "höheren Weihen", aber das war jetzt noch nicht die Frage.


    Nun würde er wohl wieder belogen werden. Aber das hatten die folgenden Fragen so an sich. Im Prinzip war es auch egal, wenn es schlimm war, dann waren da noch die medici. Das er zuvor schon belogen worden war, das wusste er nicht. Zu des Obsidiers, das hieß Aretas, Glück
    "Hast du irgendwelche Krankheiten oder sind welche in der Familie bekannt? Hast du regelmäßigen Kontakt zu lupae?"

    Und es war gut genug, zumindest die Familiengeschichte, denn der Rekrtuierugnsoffizier übernahm sie ohne weitere Nachfrage auf seine Wachstafeln.
    Aber das war noch nicht alles, es folgten weitere Fragen:
    "Du bist damnach freier römischer Bürger? Du hast nie einen unehrenhaften Beruf ausgeübt, wie die Schauspielerei oder ähnliches? Du bist nie verurteilt worden und hast keine Verbrechen begannen?" Durchaus nicht unbedingt das selbe, wie alle Welt wohl wusste, obwohl das römische Rechtssystem hervorragend funktionierte.


    "Hast du Erfahrungen in einem Beruf, der hier von nutzen sein könnte? Kannst du lesen und schreiben?"

    "Kein Grund, nervös zu sein," beschied der Rekrutierungsoffizier. Eigentlich schon, immerhin sollte der Mann gleich eine Entscheidung treffen, die sein Leben von Grund auf änderte, aber das zu sagen würde man in zukünftigen Zeiten wohl psychologisch unklug nennen und daher:
    "Kein Grund nervös zu sein. Für den Anfang brauche ich den Namen deines Vaters und den Ort aus dem du kommst."