Ad Marei
casa Aurelii Ursi
Roma
Hallo Marei,
es geht mir gut, ich danke dir. Du hast vielleicht ja gehört, dass in Mantua ganz viele Leute sehr krank geworden sind, aber ich bin gesund geblieben. Und natürlich hoffe ich, dass es dir auch gut geht. Es freut mich, dass du eine Spielfreundin gefunden hast, auch wenn sie wenig Zeit. Gute Freunde sind etwas ganz wichtiges.
insbesondere für ein kleines Sklavenmädchen
Deine Spitznamen für die Kinder zu lesen, hat mir große Freude gemacht, und ich bin stolz, dass ich der erste bin, der davon erfährt. Vielleicht ist es aber besser so, wenn du sie nicht allzu weit herumerzählst. Es gibt leider Leute, die nicht so viel Spaß verstehen. Aber ich bin neugierig, fast so neugierig wie du: Hast du denn auch einen Spitznamen für mich?
Ich sehe, dass dein Papa es ernst gemeint hat, dass du kämpfen lernen sollst. Das ist eine seltene Sache, vielleicht kannst du es mir ja irgendwann einmal zeigen.
Dabei musste Licinus an die kleine Victoria Esquilina denken, die so gerne in ihrem kleinen Kettenhemdchen herumlief und in ähnlichem Alter sein musste, wie das Sklavenmädchen.
Ja, Schule ist etwas anstrengendes, aber je mehr man weiß, desto besser ist es, weil man dann auch wichtige Aufgaben bekommt und nicht nur die langweiligen. Also bleib fleißig beim Lernen, es wird sich auszahlen.
Vielleicht erst spät, aber wenn deien Herrschaft dich zum lernen schickt, dann bestimmt nicht zum Zeitvertreib. Außerdem würde er ihr vielleicht auch eine kleine Belohnung geben, wenn sie sich einmal wieder sahen
Außerdem lernst du da immer besser zu schreiben und dann kann ich mehr Briefe von dir bekommen. Aber ich muss sagen, dass du wirklich schon sehr gut bist.
Sicher sind wir große und tapfere Männer. Aber Aurelius Ursus ist unser Chef und es gibt immer Sachen, die kann nur der Chef entscheiden. Das ist bei euch im Haus doch bestimmt nicht anders. Und du weißt selbst, wie groß unser Lager ist, da müssen es dann ja noch viel mehr sein, nicht wahr?
Ich möchte dir aber auch noch etwas erzählen.
Ich glaube, ich habe dir noch nicht erzählt, dass auf meinem Landgut ein Mädchen wohnt, dass nur ein paar Jahre älter ist als du. Sie heißt Esquilina und verkleidet sich als gerne als Soldat, kann aber nicht kämpfen. Sie wohnt bei mir, weil ihre Mama und ihr Papa tot sind und ich jetzt auf sie aufpasse. Jedenfalls habe ich ihr von dir erzählt und musste ihr versprechen, dass ich sie einmal ins Lager hole, wenn du wieder in Mantua bist, weil sie dich kennenlernen will. Willst du sie denn auch kennenlernen?
Grüße den Cimon zurück und danke ihm auch von mir für seine Hilfe. Ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief.
Dies schreibt dir Licinus
primus pilus centurio und Freund einer gewissen Marei
im Lager zu Mantua
am siebzehnten Tage vor den Kalenden des Oktobers
Achthunderteinundsechzig Jahre nach der Gründung Roms