Beiträge von Titus Aurelius Ursus

    Natürlich folgte Ursus dieser Aufforderung nur zu gern. Allerdings ließ er das Geld noch von den eigenen Leuten hereinbringen, die sich dann aber zurückzogen. Er selbst trat mit einem freundlichen Lächeln auf Statilius zu. "Salve, Statilius. Ich hoffe, es geht Dir gut? Und Deiner Familie ebenfalls?" Schließlich gehörte es sich nicht, mit etwas so schnödem wie Geld zu beginnen. Die Summe stimmte, er hatte sich höchstpersönlich davon überzeugt. Also lohnte es sich doch im Grunde nicht, darüber zu sprechen.

    Ursus nickte und grinste ein wenig schief. "Ja, eine gar so entlegene Gegend wäre wirklich übel. Germanien wird auch eher nicht in Frage kommen, weil ich dort ja schon war. Ich danke Dir für Deinen Rat. Wenn ich einmal irgendetwas für Dich tun kann, dann laß es mich bitte wissen."

    "Als ich nach Germanien abreiste, hätte ich auf Deine Frage hin gelacht. Denn ich glaubte, das Militär wäre für mich völlig uninteressant. Ich hatte das Tribunat angetreten, weil in meiner Familie viel Wert darauf gelegt wird, sich dieser Aufgabe auch zu stellen. Und ich persönlich einfach davon überzeugt bin, daß ein breites Wissen mir nur nützlich sein kann. Doch als ich dort war, hat sich meine Sicht auf diese Dinge grundlegend geändert. Ich hatte das Kommando über die Reiterei. In diesem Jahr habe ich viel gelernt und auch Freude an dieser Aufgabe gefunden. Die große Verantwortung war eine Herausforderung. - Ja, ein Kommando würde mich reizen. Zumindest möchte ich die Voraussetzungen dafür schaffen. Nun, ich denke, ich bewerbe mich auf jeden Fall und äußere die Bitte. Auch wenn es noch nie vorgekommen ist, so dürfte es doch nicht völlig unmöglich sein, hier in Rom eingesetzt zu werden?" Und wenn schon nicht in Rom, dann vielleicht in Mantua? Da hätte er zumindest ab und an die Möglichkeit, Rom aufzusuchen.

    Einen Moment lang blickte Ursus Louan einfach nur an. Er hatte es für eine ihrer Launen gehalten, daß sie heute morgen nicht da gewesen war. Doch nun wurde klar, daß etwas passiert war. Wie konnte das sein? Sie war doch nicht unerfahren! Sie hatte Jahre auf der Straße gelebt! Er mußte überlegen. Denken. Einen klugen Einfall haben. Aber sein Hirn war leer. Also nickte er einfach. "Ja, hol die Zeichnung. Zwei der Sklaven werden uns begleiten, für den Fall der Fälle. Nimm auch etwas Papyrus und etwas zum Zeichnen mit. Wenn wir sie nicht finden, müssen wir uns an die Cohortes Urbanae wenden. Und sie werden solch eine Zeichnung auch brauchen können. - Du kannst doch sicher schnell eine anfertigen, wenn es sein muß?"

    Ursus fühlte, wie seine Wangen sich leicht röteten. Doch er versuchte, es zu ignorieren. Es gab nicht viele Männer, mit denen er so offen über dieses Thema gesprochen hätte. Und noch weniger, die ihm daraufhin solch ein großzügiges Angebot gemacht hätten. "Ich danke Dir sehr für dieses überaus großzügige Angebot. Allerdings werde ich erst einmal versuchen, auf anderem Wege zum Ziel zu kommen. Ja, mein Patron wird ja nun auch bald nach Rom zurückkehren. Es ist schon eigenartig. Ich hatte ihm damals prophezeit, daß er wohl nicht mehr ewig in Germanien bleiben würde." Wie lange dieses Gespräch schon her war. Und wieviel seit dem geschehen war.


    "Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich Dich aufgesucht habe. Normalerweise hätte ich meinen Patron um Rat ersucht, doch er ist fern und zudem schätze ich Deinen Rat sehr. Ich überlege, mich um ein zweites Tribunat zu bewerben und so meine militärische Erfahrung zu vertiefen. Gleichzeitig möchte ich meine Ausbildung an der Academia weiterführen und auch den Cursus Iuris absolvieren. Allerdings würde ich wegen meiner Arbeit an der Schola nur ungerne Rom verlassen. Natürlich weiß ich, daß ich als Patrizier bei der Vergabe von Tribunaten ganz unten auf der Liste rangiere, da ich dazu nicht verpflichtet bin. Bei einem zweiten Tribunat vermutlich noch weiter unten. Und es scheint mir fast vermessen auf einen Einsatz in Rom zu hoffen. Meinst Du, es besteht eine Chance darauf? Oder soll ich es besser bei der theoretischen Ausbildung bewenden lassen?"

    Ursus nickte. Das war nur zu wahr. "Nun, ich werde versuchen, weiteres Land in meinen Besitz zu bekommen. Du hast nicht zufällig einen Rat für mich, an wen ich mich wenden könnte?" Natürlich würde er es innerhalb der Familie versuchen. Doch wenn es jemanden gab, der willens war, Land zu veräußern, dann war es vielleicht klüger, sich an diesen zu wenden und somit den Besitz der Familie zu vergrößern.

    Hier war er also nun. An der Tür seines Onkels, um eine Bitte auszusprechen. Zum Glück hatte sich ihr Verhältnis in den letzten Monaten deutlich gebessert. Sonst hätte Ursus sich vermutlich eher die Zunge abgebissen, als Marcus gegenüber eine solche Bitte vorzutragen. Doch es ging nicht anders. Corvinus hatte reichlich von etwas, das Ursus dringend brauchte. Es fiel ihm schwer, sehr schwer, herzukommen und diese Bitte auszusprechen. Obwohl er genau wußte, daß das totaler Unsinn war. Sie waren eine Familie und sollten somit eng zusammenhalten. Gerade, wenn es derartige Dinge anging. Es würde ja alles in der Familie bleiben. Jetzt blieb zu hoffen, daß Marcus überhaupt da war. Ursus hob die Hand und klopfte an.

    Zitat

    Original von Lucius Aelius Quarto
    “Ach ja, natürlich. Eigentlich sollte das schon längst erledigt sein. Ich kann mich genau an ein Gespräch erinnern, dass ich vor einiger Zeit, also noch während der vergangenen Amtsperiode, mit dem Imperator Caesar Augustus hatte. Darin hat er mir zugesagt, dass du in den Senat berufen wirst, sobald deine Amtszeit vorüber ist.
    Vielleicht ist deine Berufung von einem unachtsamen Notarius der Kanzlei lediglich in einem zu großen Stapel Schriftrollen zuunterst abgelegt worden. Unverzeihlich natürlich, aber das passiert leider immer wieder, bei der Menge an Papyri und Pergamente, die hier im Palast hin und her gehen.
    Ansonsten könnte ich mir nur noch vorstellen, dass... ähm, Senatoren müssen für ihre Berufung einen ausreichend großen Grundbesitz vorweisen können. Kannst du genügend Land dein Eigen nennen?“



    Ursus hörte zu, was Quarto zu sagen hatte und nickte hier und da. Doch als die Sprache auf die Grundstücke kam, da verdunkelte sich seine Miene. "Viel Land besitze ich nicht. Ja, daran könnte es natürlich liegen, das ist mir ganz entgangen. Doch es ist nicht ganz so leicht, Land zu erwerben. Die meisten Grundbesitzer - und vor allem die, die am meisten besitzen, sitzen darauf wie die Glucken oder verlangen derart überhöhte Preise, daß es Wahnsinn wäre, darauf einzugehen."



    Sim-Off:

    Dein Posteingang ist seit geraumer Zeit voll ;)

    Ursus lächelte. Ja, manchmal hatte er wirklich gute Ideen. Daß der Junge selbst noch nicht darauf gekommen war, wunderte ihn allerdings. Aber manchmal sah man eben gerade das offensichtliche nicht. Doch als er dann so besorgt dreinschaute, weil auch er Caelyn noch nicht gesehen hatte, wurde es Ursus ganz kalt ums Herz. "Ich hatte gehofft, Du sagst mir, sie zickt heute einfach ein wenig rum..." Das sagte er mehr zu sich selbst als zu Louan. "Und ich dachte, ich tu ihr einen Gefallen damit, daß sie sich eine Arbeit suchen kann." Er wollte sie auf ein Leben in Freiheit vorbereiten. Auf Selbständigkeit. Sie sollte auch finanziell auf eigenen Füßen stehen können. "Ja, dann ist etwas geschehen. Warum habe ich sie nur allein gehen lassen?", warf er sich schließlich selbst vor. "Louan, hat sie gesagt, an was sie so gedacht hat?"

    Dankend nahm Ursus Platz. So herzlich empfangen zu werden, war natürlich erfreulich. "Das ist wirklich sehr freundlich von Dir. Ich möchte auch gleich zur Sache kommen. Und zwar mache ich mir einige Gedanken darüber, daß ich noch nicht in den Senat berufen wurde. Die nächsten Wahlen stehen schon bald wieder an, das Ende dieser Amtszeit ist schon wieder in Sicht. - Ich würde gerne von Dir wissen, ob meiner Berufung irgendetwas im Wege steht. Ob ich etwas versäumt habe, das von mir erwartet wird."

    Ursus nickte und lächelte. Wenigstens dachte der Junge darüber nach und wischte es nicht einfach vom Tisch, wie viele so junge Leute es gern taten. "Ja, das wäre gewiß eine Möglichkeit. Zumal es sehr viele Händler dieser Art gibt. Aber vielleicht denkst Du auch mal breiter gefächert. Denk zum Beispiel mal daran, daß auch Wände bemalt werden. Vielleicht könntest Du bei einem Malerbetrieb auch Grundlagen für Deine Kunst dazulernen? Oder bei den Farbenherstellern. Oder interessiert es Dich, wie Papyrus oder Pergament hergestellt wird? Es gibt unendliche Möglichkeiten, die auch mit Deinem Berufswunsch verknüpft sind. Schau Dich um. Geh in die Stadt und sprich mit den Leuten. Ich bin sicher, Du findest etwas, das Dir eine Grundlage für die Zukunft schafft - und Dir zusätzlich noch zusagt und Dich bei Deinem Berufswunsch weiterbringt." Schließlich wollte er nicht, daß Louan völlig unglücklich wurde mit einer Arbeit, die er haßte.


    "Und wo wir gerade bei Stadt und Arbeitssuche sind. Du weißt nicht zufällig, wo Deine Schwester steckt? Sie hatte gestern ihren ersten freien Nachmittag, seit dem habe ich sie nicht mehr gesehen. Und ich muß zugeben, ich fange an, mir Sorgen zu machen."

    Ursus mußte innerlich grinsen, als er den Tonfall des Sklaven hörte. Es störte ihn nicht im Geringsten und so nickte er einfach und folgte Nakhti ins Atrium, wo sich der bisherige Consul auch gerade aufhielt. "Salve, Aelius", grüßte Ursus und trat auf ihn zu. "Hab Dank, daß Du mich empfängst, obwohl ich unangemeldet hier erscheine."

    Ah, der aegyptische Sklave hatte wohl wieder den Türdienst übernommen. Ursus lächelte leicht. "Salve, Nakhti. Ja, das hast Du richtig erkannt. Zu eben jenem möchte ich gerne. Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen?"

    Ursus ließ sich zur Porta führen, obwohl er den Weg mehr als gut kannte. Doch es ging ja weniger um den Weg, als vielmehr darum, daß Besucher nicht einfach so in der Palastanlage herumschwirrten. Und das war natürlich eine verständliche Maßnahme der Garde. Er nickte dem Soldaten dankbar zu und trat dann an die Tür und klopfte an. Hoffentlich war Aelius Quarto zuhause und hatte ein paar Minuten Zeit für ihn.

    Es war ein schöner Frühlingsmorgen, an dem sich Ursus aufmachte zum Palast. Er genoß es, durch die Stadt zu gehen und mit dem einen oder anderen zu plaudern. Zeit hatte er ja reichlich im Moment. Als er den Palast erreicht hatte, schritt er auf die Palastwache zu. "Salve. Mein Name ist Titus Aurelius Ursus und ich möchte zu Aelius Quarto." Im letzten Moment hatte er den Consul verschluckt, denn das war Quarto ja nun nicht mehr. Nur war er es halt schon so gewöhnt, ihn so zu betiteln. In den letzten zwei Jahren war er so oft hier gewesen, daß die Wachen ihn auch schon kannten. Und natürlich wußte er, daß er sich auf Waffen untersuchen lassen mußte und ließ dies bereitwillig über sich ergehen.

    Ursus sah die Enttäuschung in dem eben noch so frohen Gesicht. Und es tat ihm ja auch leid, Louan so aus den Wolken zu reißen. Aber nett sein konnte jeder. Jemandem auf einen sicheren Lebensweg führen, war eben auch damit verbunden, ihm Dinge zu sagen, die er gerade nicht hören wollte. "Louan, ich bin sehr dafür, daß Du Deiner Begabung folgst. So ein Talent ist ein Geschenk der Götter und es wäre Sünde, es zu vernachlässigen. Und niemand wird sich mehr freuen als ich, wenn Du damit Erfolg hast. Doch in der Kunst ist der Erfolg ungewiß. Oft genug werden wahre Kunstwerke lange Jahre verkannt. Es wäre klug, wenn Du ein zweites Standbein hättest, das Dir Deinen Lebensunterhalt sichert. Gibt es denn gar nichts außer der Malerei, was Dich interessiert?"

    Natürlich war Ursus anwesend, als Avianus seinen Tätigkeitsbericht vor der Öffentlichkeit zum besten gab. Er fand ja, daß der Vetter sein Licht allzu sehr unter den Scheffel stellte. Denn er hatte hautnah mitbekommen, wieviel Arbeit sich Avianus mit der Bearbeitung der Erbschaftsfälle gemacht hatte. Nicht zuletzt hatte er ja auch schon vor seiner Amtszeit den letzten Decemviri bei ihrer Arbeit geholfen und somit schon vor seinem eigentlichen Amt ungeheuer viel Zeit und Mühe in diese nicht gerade einfache Tätigkeit investiert. Auch das hätte das Volk ruhig erfahren sollen. Hier draußen war nicht der Moment, bescheiden zu sein. Doch wenigstens versuchte Ursus, dies mit besonderem Applaus wieder wettzumachen. Seine selbstverständlich mit anwesende Klientenschar tat es ihm gleich und so manches besondere Lob ließ sich hören.