Beiträge von Titus Aurelius Ursus

    Ursus nickte ernst. Balbus sagte ja nichts, was nicht auch seine Meinung wäre, nur zog er ein Extrembeispiel heran, das so wohl nur ausgesprochen selten vorkommen konnte. "Ja, da hast Du vollkommen Recht. Aber ein Mann, der so von seiner eigenen politischen Größe verblendet ist, daß er glaubt, alles besser zu wissen, - und nicht in der Lage ist die Ratschläge seiner Berater mit dem eigenen Wissen und Können zu verbinden, ist an jeder Stelle am falschen Platz und kann an jeder Stelle ebenso großen Schaden anrichten, wie als Kommandant." Oder wollte Balbus andeuten, daß er keinen der Senatoren für geeignet hielt? Daß er sie alle für von ihrer eigenen politischen Größe verblendet hielt?

    Das ging ja wirklich ausgesprochen schnell. Offenbar war der Ianitor auf Genaueste informiert und ließ Ursus auf die Angaben des Sklaven hin sogleich ein, um ihn ins Atrium zu führen. Dort kam ihm auch schon der König von Tylus entgegen, um ihn zu begrüßen.


    "Salve, Annaeus, ich freue mich ebenfalls, Dich wiederzusehen", erwiderte er den Gruß durchaus herzlich. "Nun, wir sind vor allen Dingen gespannt auf Deine Entwürfe. Der Consul wird sicherlich auch bald eintreffen. Er hätte eine Nachricht geschickt, wenn ihm etwas dazwischen gekommen wäre."

    Selbstverständlich war Ursus anwesend, als die neuen Magistrate vereidigt wurden. Immerhin waren dieses mal gleich zwei seiner Verwandten unter ihnen. Seine Klientenschar hatte er ebenfalls mitgebracht, es konnte nicht schaden, wenn die Namen der Aurelier mal ein wenig gelobt wurden und der Applaus bei ihnen ein wenig kräftiger ausfiel als bei anderen. Doch ein wenig Wehmut war für ihn natürlich auch dabei, denn nun war seine eigene Amtszeit vorüber und obwohl er zwei Jahre dieses Amt ausgefüllt hatte, war es ihm ausgesprochen kurz vorgekommen.

    Ursus staunte über die Kraft, die aus der Hand sprach, die auf seiner Schulter landete. Wüßte er es nicht besser, würde er annehmen, daß er es mit einem schwer arbeitenden Mann zu tun hatte und nicht mit einem der beiden Consuln, bei denen man ja eher annehmen mußte, daß es sich um Sesselpuper handelte.


    "Und ich danke Dir für Deine Zeit. Vale, Consul", verabschiedete sich Ursus und verließ dann das Haus, das ihm in den zwei Jahren der Arbeit für den Consul schon recht vertraut geworden war.

    Der Termin war dem König von Tylus recht gewesen und so hatte es zumindest mit Zeit und Ort der Zusammenkunft keine weiteren Probleme gegeben. Nun war Ursus nicht gerade wenig neugierig auf die Entwürfe, die nachher präsentiert würden. Ursus ließ sich von dem Sklaven, der ihn begleitete, die Toga nochmal schnell richten, bevor er ihn vorschickte, um anzuklopfen.

    Einen Moment lang betrachtete Ursus seine Sklavin noch. Man konnte sehen, wie sie nachdachte über ihre neuen Möglichkeiten. Ob sie wohl Erfolg haben würde? Sie war so unglaublich impulsiv! Aber auch klug und hübsch. Eine seltene Zusammenstellung, deshalb konnte sie es durchaus schaffen. Er wollte abwarten, was aus diesem Experiment wurde. Und wie ernst es ihr damit war, das Geld für ihre Freiheit zu erarbeiten.


    "Ja, von meiner Seite aus war es das. Du weißt ja, was ich von Dir erwarte." Damit meinte er die Entschuldigung. Das würde noch schwer genug für sie werden, so glaubte er zumindest. Und er war gespannt, was Laevina ihm später darüber erzählen würde.

    Ursus lächelte. Ersteres hätte er tatsächlich auch nicht von ihr gedacht, wie er ja auch schon gesagt hatte. Im Grunde konnte sie recht vernünftig sein. Wenn sie nicht gerade wieder ihre fünf Minuten hatte und unbedingt den Aufstand proben mußte. "Gut, dann sind wir uns doch schon einig. Ich wünsche Dir viel Glück bei der Suche, ich bin sicher, Du wirst etwas passendes finden." Und vielliecht lernte sie sogar das eine oder andere auch für ihn Sinnvolle dabei? Wenn sie sich bewährte und ihm keine Schande machte, dann war sie auch seiner Ansicht nach der Freiheit einen tüchtigen Schritt näher gekommen.


    Er wünschte sich, daß auch Louan ihren Tatendrang besitzen würde. Der Junge hockte viel zu sehr hier in der Bude und hätte längst da draußen eine Arbeit suchen sollen. Vielleicht sollte er ihn auch mal zu sich rufen und mit ihm darüber sprechen. Der Erfolg würde ihm nicht in den Schoß fallen. Er mußte etwas dafür tun.

    Völlig unerwartet wurde Ursus angestupst, so daß er sich fast erschrocken umwandte. "Manius", freute er sich, den Vetter zu sehen und rutschte ein Stück zur Seite. "Setz Dich doch. Er ist nicht schlecht, aber für einen Sieg wird es woh nicht reichen. Aber stolz bin ich trotzdem auf ihn. Er hält sich sehr gut gegen eine ausgesprochen harte Konkurrenz. Wo hast Du gesteckt? Wir haben Dich schon vermißt." Er deutete auf den nun freigemachten Platz neben sich.


    Dann gab er Siv ein bißchen Geld, als sie sich so begeistert anbot, die Getränke zu holen. Eigentlich hatte er eher gedacht, daß Caelyn und Dina gehen sollten, damit Siv sich ausruhen und dann etwas trinken konnte, wo es ihr doch offensichtlich nicht gut ging. Aber vielleicht machte ihr auch das Sitzen zu schaffen? Wie auch immer, sie würde schon wissen, warum sie es so eilig hatte, hier fortzukommen.


    Caelyns Seufzen entging ihm auch nicht. "Na, komm. Nimm es nicht so schwer. Allein diese Reise war es doch schon wert. Oder bereust Du es etwa schon?" Sonst war sie doch immer ganz wild auf besondere Erlebnisse. Und jetzt machte sie so ein böses Gesicht. Daß dies eigentlich Dina galt, bemerkte Ursus gar nicht. "Wir sollten mal überlegen, was wir hier in Mantua noch anstellen, bevor wir wieder heimfahren. Damit wir zuhause noch ein bißchen was zu erzählen haben, hm?"

    Geduldig, nein, eigentlich nicht geduldig, aber der Stimme der Vernunft gehorchend, wartete Ursus, bis die Sklavinnen seine Fragen endlich beantworteten. In einer anderen Situation hätte er es sich gewiß nicht gefallen lassen, daß sie ihn einfach warten ließen, doch hier und heute war nicht zu übersehen, daß sie erst handeln mußten, bevor sie reden konnten. Mit jeder Minute, die er dort stand, wurde klarer, wie schlecht es Corvinus ging.


    "Ich denke, wir sollten einen Medicus rufen", sagte er mit hörbarer Sorge in seiner Stimme, während sein Blick weiter auf dem Onkel lag und verfolgte, was die mit ihm beschäftigten Sklavinnen taten. Nualas Antwort beruhigte ihn zwar ein wenig, trotzdem war er sich noch nicht so sicher, ob er das einfach so hinnehmen sollte. Sie klang so, als wäre kein Arzt vonnöten. Doch wenn er Corvinus so ansah, dann fühlte er sich in der Pflicht, für Hilfe zu sorgen. In so schlechtem Zustand hatte er seinen Onkel noch nie gesehen. Und sein Herz fühlte sich an, wie von einer eisigen Hand umklammert. Zu viele der Familie waren in den letzten Jahren gestorben. Marcus mußte leben!


    "Apollo", antwortete er dann auf Sivs Frage, die ihn aus diesen finsteren Gedanken riß. "Und Aesculapius. Ja, ein Opfer ist mehr als angebracht, doch wohl kaum vor morgen früh möglich." Es war zu spät. Um diese Zeit würde er keinen Priester mehr finden, der für ihn ein Opfer durchführte. Im Moment konnte er nur an den Hausaltar gehen und dort den Schutz der Ahnen und der Hausgötter erbitten. "Siv... Mattiacus ist nicht in Rom. Wir könnten die Flavier fragen, ob sie einen guten Arzt kennen. Ich will nicht irgendeinen rufen, er könnte mehr schaden als nützen." Er blickte zu Nuala herüber. "Nuala, Siv, - ist es einfach nur Fieber, das ihr auch ohne Hilfe in den Griff bekommt?" Er war drauf und dran, sämtliche verfügbaren Sklaven loszuschicken, um einen brauchbaren Arzt aufzutreiben. Wüßte er nicht genau, daß Siv sich mit der Heilkunst auskannte, würde er gar nicht erst lange fragen, sondern einfach handeln.

    Zitat

    Original von Lucius Aelius Quarto
    “Sehr schön. Dann ist es abgemacht; sobald du deinen Platz im Senat eingenommen hast werden wir uns gemeinsam darum bemühen. Das Ulpianum muss fertiggestellt werden!“



    Ursus nickte zustimmend. "Ja, das muß es. Es dauert schon viel zu lange", bekräftigte er die Worte des Consuls. Dann erhob er sich. "Treffen wir uns dann im Haus des Annaeus? Sollte ihm der Termin nicht recht sein, werde ich mich natürlich sogleich nochmal melden."

    Zusammen mit den anderen Aureliern war Ursus dem Braupaar ziemlich direkt auf das Schiff gefolgt. Er wartete, wie vermutlich auch viele der Gäste, auf eine Gelegenheit, dem Paar seine Glückwünsche auszusprechen. Sein Geschenk würde er ihnen natürlich erst morgen geben. Bis jetzt war ja alles ganz wunderbar gelaufen. Auch das Wetter spielte mit und das Meer war ruhig. Zum Glück, denn auch er gehörte zu den bedauernswerten Personen, die dazu neigten, auf Seereisen reichlich Opfer darzubringen, ob Neptun diese nun wünschte oder nicht. Und das wäre angesichts des kommenden Hochzeitsmahls wahrhaft schade.


    Er suchte sich einen Platz inmitten seiner Verwandten und schaute zu, wie Marcus und seine, ja, das war sie wohl jetzt, Frau sich niederließen, um sich den Spelzkuchen reichen zu lassen. Sein Blick streifte dabei nur kurz Caelyn, die sich offenbar recht gut mit einem Sklaven unterhielt, den Ursus allerdings nicht kannte. Na, sollte sie sich ruhig vergnügen, er hatte nichts dagegen. Und heute war ja auch genau der richtige Tag dafür.

    "Ja, da hast Du natürlich recht und ich hätte mich dementsprechend auch damit abgefunden. Doch weiter daran mitarbeiten zu können, ist natürlich besser." Sicher hielt der Consul ihn für übereifrig, doch Ursus war einfach nur sehr beeindruckt von dem Bauprojekt. Zu wissen, daß er an etwas mitwirkte, das vermutlich Jahrhunderte Bestand haben und noch in Generationen die Menschen begeistern würde, machte ihn unglaublich stolz.

    Damit stellte sie wieder einmal eine Frage, die er kaum zu beantworten in der Lage war. "Naja, da gibt es die Dinge, die Dir sowieso nicht in den Sinn kommen würden, wie zum Beispiel Deinen Körper anzubieten. Doch es gibt auch andere Tätigkeiten, bei denen ich Dich nicht gerne sehen würde. Zum Beispiel gibt es Menschen, die in den Kloaken nach Wertgegenständen suchen... Weißt Du, ich fürchte, nicht einmal meine Phantasie reicht dafür aus, mir alle Möglichkeiten vorzustellen, die es da draußen gibt. Deshalb ist es mir ja auch so wichtig, daß Du mich vorher fragst. Und... wenn Du meinst, daß Du meine Fürsprache brauchst, um eine Arbeit zu erhalten, werde ich sie Dir natürlich auch nicht vorenthalten. Hast Du denn schon eine Idee, was Du machen möchtest?"

    "Es ist ein guter Wurf. Aber kein Siegeswurf. Andere haben schon bessere Werte vorgelegt. He... Es kann nur einer gewinnen. Und er hält sich sehr gut! Ein Prachtbursche ist Dein Bruder! Du solltest stolz auf ihn sein. Die Konkurrenz hier ist sehr hart, lauter Soldaten, die den ganzen Tag kaum etwas anderes tun als derartige Dinge zu trainieren." Ursus legte Caelyn eine Hand auf den Arm, als er ihre Enttäuschung sah. "Er steht für Dich da unten, vergiß das nicht." Er selbst war sehr überrascht über die guten Leistungen von Louan. Immerhin hatten die anderen Teilnehmer ganz andere Voraussetzungen. Und so war er ziemlich stolz auf seinen Klienten.


    Er schaute herüber zu Siv, die ein wenig blaß wirkte, aber durchaus mitjubelte, als Louan dran war. Also ging er mal davon aus, daß es ihr nicht irgendwie schlecht ging. Falls doch, würde sie hoffentlich etwas sagen. Oder ob sie zu stolz dafür sein würde? "Wie wäre es mit etwas zu trinken? Jetzt, wo Louan gerade durch ist, wäre eine gute Gelegenheit."

    Ursus überlegte einen Moment. Dann nickte er. "Ja, das darfst Du. Aber ich möchte, daß Du mich nochmal fragst, bevor Du eine Arbeit annimmst, denn es gibt Arbeiten, bei denen ich Dich nicht gerne sehen möchte. Und es darf Deine Arbeitskraft hier nicht einschränken. Ansonsten... wenn Du etwas findest, dann will ich Dir da nicht im Wege stehen." Auch das würde ihr helfen, sich in der Freiheit zurechtzufinden, wenn sie sie - vielleicht - eines Tages erlangte.


    "Was Du verdienst, gehört Dir. Was Du damit machst, ist Deine Sache." Für einen Moment plagte ihn die Frage, ob sie wohl wieder versuchen würde zu stehlen. Aber nein, sie hatte es ihm damals so fest versprochen. Es fiel ihm schwer, aber er wollte ihr vertrauen. Allerdings würde es mit der Freiheit wohl niemals etwas werden, wenn sie ihn in der Beziehung nochmals enttäuschte. Denn dann war es aus mit jeglichem Vertrauen.

    Zitat

    Original von Lucius Aelius Quarto
    “Oh, ich bin sehr zuversichtlich, dass du das wirst.“, entgegnete Aelius Quarto ausgesprochen optimistisch.
    “Und wenn es soweit ist, dann hoffe ich nicht nur auf deine Stimme, sondern auch darauf, dass du dich vielleicht bereit erklärst, selbst in diesem Ausschuss mitzuarbeiten. Wie denkst du darüber?“



    Die Zuversicht des Consuls war durchaus beruhigend. Eigentlich zweifelte er selbst nicht wirklich daran, doch man konnte nie wissen. Und bevor er es nicht schriftlich hatte, schien es ihm vermessen, sich zu sicher zu sein. Die auf diese Versicherung folgende Frage allerdings überraschte ihn. Und freute ihn nicht minder. "Sehr gerne sogar. Es würde mir gewissermaßen die Möglichkeit geben, meine begonnene Arbeit fortzusetzen. Ich hasse es, Dinge unerledigt hinterlassen zu müssen." Und es war gewissermaßen das erste mal, daß er etwas nicht hatte zuende bringen können. Auch wenn er wußte, daß dies keineswegs seine Schuld war, so wurmte es ihn doch.

    Ursus hatte schon von den Sklaven gehört, daß sein Onkel sehr krank war. Deshalb war er auch nicht zur Cena erschienen. Diese Krankheit hatte sich ja auch vorher schon angekündigt, wie er sich erinnerte. Doch wie schlimm war es wirklich? Mußte er anfangen, sich Sorgen zu machen? Er beschloß, sich selbst davon zu überzeugen, wie ernst die Angelegenheit war und machte sich auf den Weg zu Corvinus' Cubiculum. Die Geschäftigkeit der Sklaven war nicht gerade dazu angetan, ihn zu beruhigen.


    Gerade wurde etwas hineingetragen, weswegen er es sich sparen konnte, anzuklopfen. Schon ein Blick auf seinen Onkel zeigte ihm, daß es ihm sehr schlecht ging. "Wie schlimm ist es? Könnt ihr das einschätzen?" So wie es für ihn aussah, war es besser, wenn ein Medicus kam. Bedauerlich, daß Mattiacus nicht in Rom war, so mußte er auf einen anderen ausweichen. Und sich erst einmal nach einem guten Medicus erkundigen. Einen Scharlatan wollte er auf keinen Fall im Hause haben. Doch bevor er sich auf die Suche nach einem guten Arzt machte, wollte er erst einmal hören, wie die Sklavinnen, die ja zum Teil recht gute medizinische Kenntnisse hatten, die Lage einschätzten. Hatte Siv nicht damals, als Helena verletzt gewesen war, offenbart, daß sie sich auskannte?


    Während er wartete, daß eine der Anwesenden Zeit fand, seine Fragen zu beantworten, stellte er sich so hin, daß er niemandem im Weg stand. Aufmerksam beobachtete er, was sie taten. Die Wäsche wechseln, heiße Steine, kühle Wadenwickeln, ein Kräuteraufguß. Klang alles vernünftig in seinen Ohren, kein Grund also, sich irgendwie einzumischen. Doch die Sorgenfalten auf seiner Stirn vertieften sich dennoch. Obwohl viele Hände an ihm herumhantierten, schien Marcus kaum etwas wahrzunehmen. Und das war absolut kein gutes Zeichen.


    Edit: Falsche Tageszeit korrigiert

    Das Gespräch zwische Durus und Balbus entwickelte sich immer interessanter und Ursus fühlte sich nun doch bemüßigt, sich daran zu beteiligen. "Bei allen hohen Posten kann man doch beobachten, daß hin und wieder ein Unfähiger dort eingesetzt wird, nur weil er entsprechende Beziehungen besitzt. Das ist kein Problem, das allein Legionskommandanten betrifft. Ich kann Senator Tiberius nur zustimmen: Ein Legionskommando ist entschieden eine politische Aufgabe. Natürlich sollte militärische Erfahrung vorhanden sein. Und ich glaube kaum, daß jemand ein Kommando erhalten würde, der nicht die Ausbildung an der Academia erfolgreich abgeschlossen und zudem als Tribun Dienst geleistet hat. - Natürlich kommt das an die militärische Erfahrung eines Berufssoldaten nicht heran. Doch wozu hat der Legat schließlich seinen Stab?"


    Er hatte noch nicht ganz ausgesprochen, da wurde zu Tisch gebeten. Ursus nahm die Sitzordnung durchaus zur Kenntnis, merkte sich, wer wo platziert worden war. Immerhin zeigte dies, wo der Consul die einzelnen Personen einordnete. Es mußte sehr schwer sein, gerade in solch einer Runde, die richtige Sitzordnung festzulegen. Wie leicht konnte man dabei jemanden beleidigen. Sorgfältig ordnete er seine Toga, während er sich niederließ und schaute auf, als sein Onkel ein leises Seufzen von sich gab. Er sah definitiv blaß aus. Doch gerade jetzt nach seinem Befinden zu fragen, schien Ursus auch nicht angemessen. Später ergab sich vielleicht eine bessere Gelegenheit. Sklaven brachten Schüsseln und so wusch sich auch Ursus erst einmal die Hände...

    Ursus wußte sehr wohl, daß es Caelyn schwer fiel, sich bei Laevina zu entschuldigen. Schon aus dem Grund hielt er es für eine angemessene und ausreichende Strafe. Daß die Sache mit dem freien Nachmittag gerade dazukam, war in diesem Zusammenhang vielleicht nicht allzu geschickt. Er atmete tief durch. Noch immer hielt er ihre Hand, denn sie hatte sie nicht fortgezogen. "Nein, das ist kein Witz mit dem freien Nachmittag." Und er mußte lächeln, als sie schließlich über sich selbst lachte. "Na, siehst Du. Warum sollte ich Dich anlügen? Du bist meine Sklavin und mußt eh akzeptieren, was ich sage", sein Grinsen zeigte, daß dies nicht so hart gemeint war, wie es klang. Es sollte ihr nur zeigen, daß er keine Veranlassung hatte, sie anzulügen.


    "Der freie Nachmittag... das soll keine Belohnung oder so sein. Sondern... Ich habe das Gefühl, daß Du ein gewisses Maß an Freiheit brauchst. Daß Du mir sonst eingehst, wie ein Vogel, den man nach einem freien Leben plötzlich in einen Käfig sperrt. Du sollst hinaus können. Und sollte Louan es je schaffen, Dich freizukaufen, dann mußt Du auch mit dem Leben da draußen klarkommen können. Caelyn... Ich möchte einfach, daß Du ein bißchen glücklicher bist." Und er hoffte natürlich, daß sie ihre überschüssige Energie dann dort loswurde, damit sie sich hier ein bißchen besser benahm. Ein Experiment war es natürlich. Es konnte auch schiefgehen.