Beiträge von Titus Aurelius Ursus

    Zitat

    Original von Caelyn
    So richtig hatte ich mich nicht auf den Wettlauf konzentriert. Vielmehr hatte ich mich mit Ursus unterhalten und in der Gegend rungeschaut, wer noch so alles da war. Ich fragte mich, ob Louan gewusst hatte, dass bei diesem Wettkampf nur Leute vom Militär teilnahmen. die anderen waren clever genug, sich das Sportereignis von der Tribüne aus anzuschauen. Nur mein lieber Bruder...
    Hey, da war er ja! Ich riss an Ursus´ Toga, aber nicht zu wild, sonst hielt das der Stoff nicht aus. "Schau mal, da! Da is er! da ist Louan!" Das war ja total aufregend! Die nächste Disziplin war der Speerwurf. Ob da Louan überhaupt ´ne Chance hatte? Ich glaubte ja nicht dran.
    Es waren noch einige Männer vor ihm dran und dann kam mein Bruder!
    Jetzt hielt mich nix mehr auf der Bank. Ich sprang auf und grölte ganz laut "HEY LOUAN HEY! HAU WEG DAS DING!" Mir war das ziemlich egal, was die anderen von mir hielten. Hauptsache ich feuerte meinen Bruder an. Dann war er dran. Ich fieberte mit. Dann flog der Speer durch die Luft. "FLIEEEEEG!" , schrie ich und der Speer ging zu Boden. Und jetzt! War das weit genug? Ich wusste´s nicht. "Wie weit war das jetzt, hä? Hast du ´ne Ahnung, wie weit das eben war? Hoffentlich weit genug!", sagte ich zu Ursus, ohne meinen Blick von meinem Bruder zu wenden.


    Auch wenn Ursus nicht selbst gemerkt hätte, daß Louan nun am Wurf war, so hätte Caelyns Versuch, ihn gewaltsam seiner Toga zu berauben, ihn zweifellos darauf aufmerksam gemacht. Er lachte auf und rettete mit einem Handgriff seine Kleidung, während seine Sklavin aufsprang, um Louan anzufeuern. Ursus war sich keineswegs zu fein, seinen Klienten ebenfalls durch laute Rufe zu unterstützen: "Louan! Wirf wie Du noch nie geworfen hast! Ja!!!" Der Speer flog, doch natürlich konnten sie von hier oben schwer beurteilen, wie gut der Wurf wirklich war.


    Er setzte sich und legte Caelyn beruhigend die Hand auf den Arm. "Sie messen es genau aus. Und dann werden die genauen Ergebnisse bekannt gegeben. Wir werden es gleich erfahren." Bei dieser professionellen Konkurrenz wagte er aber kaum auf einen Sieg zu hoffen. Natürlich hütete er sich, dies Caelyn zu sagen.

    Ursus verfolgte gespannt das Opfer. Orestes war wirklich gut. Man hatte nicht das Gefühl, daß er gelangweilt einer Routine folgte, wie Ursus es schon bei anderen Priestern hatte beobachten können. Nein, hier war jede Handlung mit Andacht und voller Konzentration ausgeführt. Marcus hatte wirklich gut daran getan, ihn um die Durchführung des Opfers zu bitten. Spannung hatte in der Luft gelegen, bis endlich der erlösende Ruf Litatio ertönte. Das Opfer war angenommen! Ursus atmete unwillkürlich auf und bekam sein Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht.


    Nun richtete sich die Aufmerksamkeit wieder auf das Brautpaar. Die Pronuba, Flavia Epicharis, trat nun auf die beiden zu, um ihre Hände ineinander zu legen. Gespannt wie alle anderen Gäste wartete Ursus nun auf die Worte des Brautpaares, mit denen sie sich das Versprechen zur Ehe geben wollten.


    Es war wohl natürlich, daß er daran dachte, wie es wohl sein würde, dort zu stehen und einer Frau die Hand zu reichen, um von da an das Leben mit ihr zu teilen. Und wer diese Frau wohl sein mochte. Sein Blick forschte neugierig in den Gesichtern des Brautpaares, um einen Eindruck von ihren Gefühlen zu bekommen. Was dachten sie wohl? Freuten sie sich einfach nur - oder war da auch ein Hauch von Angst vor dem, was die Zukunft ihnen bringen mochte? Gelegentliche Treffen waren ja schließlich etwas anderes, als gemeinsam den Alltag zu verleben.

    Auch Ursus befand sich unter den Zuschauern. Wie könnte er einem derartigen Opfer nicht beiwohnen? Es galt, die Götter zu besänftigen. Und auch wenn es der Kaiser und die Consuln das Opfer brachten, so taten sie dies doch für das gesamte Volk. Daher war es ganz selbstverständlich für ihn, dabeizusein und den Göttern damit zu zeigen, daß dies ganz in seinem Sinne war. Das Unwetter war gewaltig gewesen, der Zorn der Götter mußte groß sein. Hoffentlich nahmen sie das Opfer auch an.


    Da kam auch schon die Prozession in Sicht. Unwillkürlich fragte sich Ursus, ob der Kaiser in seinem Gesundheitszustand diesen Weg überhaupt schaffen konnte, da es doch die ganze Zeit bergauf ging. Doch vielleicht war der Kaiser doch gesünder als Ursus gedacht hatte? Jedenfalls war er da, flankiert von den Consuln und trat mit ihnen vor den Altar. Gerade schon wollte Ursus aufatmen. Wenn das mal kein gutes Zeichen war! Doch gerade in dem Moment, in dem er dies dachte, schüttelte den Kaiser ein Hustenanfall. Hoffentlich hatten das nicht zuviele der Zuschauer gesehen...

    Ah, da war Marcus schon wieder und begann, seine Geschenke zu verteilen. Sollte er auch..? Nein, das würde nur die Wirkung von Marcus' Geschenken schmälern. Er würde warten, bis dieser fertig war. Zum einen erhöhte dies die Spannung, zum anderen gab es allen die Gelegenheit, ihre Geschenke genau zu betrachten, ihre Freude zu zeigen und sich zu bedanken. Lächelnd beobachtete Ursus, wie Louan seine Pinsel auspackte. Ja, das war ein gutes Geschenk, das den Jungen sicher sehr freute. Seine künstlerische Begabung war wirklich enorm. Prisca war auch schön zu beobachten, wie sie ihren Spiegel auspackte. Das Erstaunen in ihrem Blick, dann die Andacht, mit der sie das Geschenk berührte. Da hatte Marcus auch voll ins Schwarze getroffen, wie es schien. Schriftrollen für Siv. Anscheinend lehrte Marcus sie Lesen und Schreiben. Und im Gegensatz zu Caelyn schien sie Freude daran zu haben. Ja, das war wirklich schade, daß Ursus es nicht geschafft hatte, in Caelyn die Liebe zur Literatur zu wecken. Sie schien Lesen und Schreiben nur als notwendiges Übel zu betrachten. Was Marcus wohl seiner Verlobten schenken würde?


    Überraschend hielt er plötzlich auch selbst ein Geschenk in den Händen. Ein kleines Päckchen. Schon als er es befühlte, ahnte er, was es beeinhalten würde. Und so blickte er Corvinus in Vorfreude und Erstaunen an, noch während seine Finger mit Auspacken beschäftigt waren. Der Senatorenring! "Ja, ich hoffe, daß ich ihn bald brauchen werde. - Hab Dank, Marcus!" Er stand auf, um seinen Onkel kurz und herzlich zu umarmen. Nichts war in diesem Moment zu spüren von den Spannungen, die in der Vergangenheit zwischen ihnen geherrscht hatten.



    Edit: Wegen Blindheit ...

    Damit wußte Ursus nun wenigstens, wieviel Zeit genau noch verblieb. Nur noch wenige Tage. Nun, um die Sache mit den Statuen zu klären, genügte dies. "Ja, zu tun gibt es noch reichlich. Da fragt man sich glatt, wo die zwei Jahre geblieben sind. Aber zumindest ist die ganze Sache wesentlich fortgeschritten. In den zwei Jahren ist weit mehr passiert als in den sechs Jahren davor. Sollte ich bis dahin in den Senat berufen werden, hättest Du meine Stimme dafür jedenfalls sicher. Es wird wirklich Zeit, daß das Ulpianum fertiggestellt wird." Er nahm noch einen Schluck aus dem Becher und genoß den Geschmack des hervorragenden Weines.

    Ein aurelischer Sklave war es, der zur Casa Annaea kam und anklopfte, um einen Brief an Tiberius Annaeus Otho, den König von Tylus, abzugeben.




    An
    Tiberius Annaeus Otho
    Casa Annaea
    Roma


    Salve Annaeus Otho!


    Es freut mich, Dir mitteilen zu können, daß Consul Aelius an einer persönlichen Präsentation Deiner Entwürfe für die Statue sehr interessiert ist. Dementsprechend würden wir Dich gerne am ANTE DIEM III KAL MAR DCCCLIX A.U.C. (27.2.2009/106 n.Chr.)*
    im Hause Deines Bruders aufsuchen, um die Entwürfe zu begutachten.


    Bitte teile dem Sklaven, der diese Nachricht überbringt, mit, ob Du mit dem Termin einverstanden bist.


    Vale bene,


    [Blockierte Grafik: http://img81.imageshack.us/img81/8400/siegeltauwj6.gif]





    "Mein Herr hat gesagt, ich soll auf die Antwort warten, ob der Termin so genehm ist", sagte er noch, als er die Schriftrolle übergab. Und hoffte inständig, daß der Empfänger des Schreibens zuhause war, um eben diese Antwort geben zu können.



    Sim-Off:

    Ich hoffe, das Überspringen des Türöffnens wird mir verziehen. Und ebenso hoffe ich, daß davon ausgegangen werden kann, daß das Schreiben ein paar Tage vor dem Termin eingeht. Leider ist das RL manchmal ein wenig hinderlich ;)

    Ja, das war natürlich ein Argument, das nicht unterschätzt werden durfte. "Dann werde ich ihm eine entsprechende Mitteilung zukommen lassen." Das sollte sich doch problemlos machen lassen. "Ich hoffe, Du hast nichts dagegen, wenn ich ebenfalls an dem Gespräch teilnehme? Meine Amtszeit ist zwar so gut wie vorüber, doch liegt mir das Projekt sehr am Herzen. Und wenn die Bestellung der Statuen abgeschlossen ist, dann ist auch soweit alles veranlaßt, damit das Ulpianum schnellstmöglich fertiggestellt wird. - Es macht mich schon stolz, daran mitgewirkt zu haben." Ja, diese Amtszeit war fast noch schneller davongeflogen wie die vorherige. "Und... ich wollte Dich fragen, ob Du noch Aufträge für mich hast, die vor dem Ende der Amtszeit erledigt werden sollten. Denn falls ja, wird es Zeit, daß ich mich darum kümmere." Er lächelte, doch man sah ihm sein Bedauern an. Irgendwie hatte er noch immer das Gefühl, nicht fertig geworden zu sein. Aber gab es bei solch einem Amt überhaupt so etwas wie ein Fertigwerden?

    Sim-Off:

    Sorry, der ist mir durchgeflutscht :(


    Ein wenig verwirrt schaute Ursus seinen Vetter noch einen Moment lang an, dann nickte er. "Also später. Kein Problem." Irgendwas stimmte doch hier nicht! Aber was? Avianus sah so blaß aus und irgendwie... ja, fast ein wenig verstört. Auch seine Stimme klang bekümmert. Später also. Jetzt war kaum die rechte Zeit und auch nicht der rechte Ort.


    Also setzte Ursus sein Gespräch mit Sedulus fort. Und mußte bei seiner Frage auch gleich lachen. "Alle fähigen und brauchbaren Männer, die ohne Patron waren, haben nun einen", grinste er. Fähig und brauchbar, sowas ließ er sich kaum durch die Lappen gehen. Klienten konnten einem schließlich eine Menge Mühe abnehmen. "Aber normalerweise mußt Du Dir darum keine Gedanken machen. Die Klienten werden Dich schon finden, sobald Du zu erkennen gibst, daß Du zu denen gehörst, die etwas für ihre Klienten tun."

    Ursus hustete. Da war wohl etwas falsch rübergekommen, er mußte sich präziser ausdrücken wie es schien. "Nunja, er sagte, er wolle im Haus seines Bruders wohnen, solange er in Rom ist. Den Ort des Treffens haben wir nicht festgelegt, um Dir auch dabei nichts aufzuzwingen."

    Das Brautpaar schien ihr Gespräch mit Florus beendet zu haben und nun steuerte Ursus entschlossen auf die beiden zu, bevor sich jemand vordrängeln konnte. Lachend faßte er eine Hand von Stella und eine von Varus. "Was für eine wunderschöne Hochzeit! Ich hoffe, daß euch das Leben viel Glück bringt und eure Wünsche sich erfüllen. Mir ist natürlich klar, daß Langeweile bei euch sehr lange nicht aufkommen wird. Aber für die Zeit, wenn es einmal so ist, habe ich euch eine Kleinigkeit mitgebracht, womit ihr euch die Zeit vertreiben könnt. Es ist ein Spiel aus Elfenbein, das sowohl taktisches Geschick, als auch Glück erfordert. Ich hoffe, es wird euch ein wenig Freude bereiten. Mein Sklave hat es bereits an eure Sklaven übergeben, damit sie es zu den anderen Geschenken legen."



    Sim-Off:

    Wi-Sim für Stella

    Ursus runzelte die Stirn. Dieses Mädchen machte ihn manchmal wirklich wahnsinnig. Konnte sie nicht einfach mal die Worte so nehmen, wie sie gesprochen waren? "Deine Strafe ist, daß Du zu Laevina gehst und Dich ordentlich entschuldigst. Sei nett zu ihr und lerne sie kennen. Sie hat noch wenig Kontakt hier und wird sich über jedes nette Gespräch freuen." Eine richtige Strafe war das ja nicht, aber Ursus tat sich auch schwer, jemanden zu verurteilen, der nichts weiter als eifersüchtig war. Zumal er selbst zu diesem gräßlichen Gefühl neigte und dies immer erst merkte, wenn es zu spät war.


    "Und es ist mein Ernst. An einem Nachmittag in der Woche sollst Du tun können, was Du willst, - solange Du nicht die Ehre der Familie in den Schmutz ziehst. Wenn es Dir nicht recht ist...?" Er schaute sie fragend an. "Habe ich Dich je belogen?"

    Ursus schüttelte den Kopf. "Ich wollte Dir nicht vorgreifen. Und auch nicht festlegen, wer zu wem kommt. Er bot sofort an, nach Rom zu kommen und sich hier zur Verfügung zu halten. Ich habe ihn bei meinem Besuch in seinem Haus als sehr gastfreundlichen und entgegenkommenden Mann kennengelernt." Schillernde Persönlichkeit? Er fand ihn sehr ungewöhnlich, doch schillernd? Nein, eigentlich nicht. Ob er früher anders gewesen war? "Er scheint zeitlich sehr ungebunden zu sein, so daß Du einfach nur einen Termin festzulegen brauchst." Eng befreundet mit Iulianus. Das hatte Otho ihm nicht erzählt.

    Jetzt tat es ihm schon wieder leid, gelacht zu haben. Anscheinend hatte er sie damit verletzt und das war eigentlich nicht seine Absicht gewesen. Seufzend stand er auf und ging um den Schreibtisch herum. Er faßte ihre Hand, aber so leicht, daß sie sie ohne weiteres wegziehen konnte, wenn sie das wollte. "Ich habe Dich sehr gern, Caelyn. Mehr, als ich dürfte. Aber... es ist meine Bestimmung... Nicht nur Sklaven sind in ihrem Leben eingeengt. Wir Patrizier sind es nicht weniger, wenn auch auf andere Weise. Sicher, wir haben den besseren Teil erwischt. Aber das ändert nichts daran, daß die Einschränkungen da sind. Ich ... fühle mich sehr geehrt durch Deine Gefühle für mich. Aber... ich würde mir wünschen, daß Du einen Menschen findest, der es schafft, Dein Herz zu erringen - und bei dem es wenigstens irgendwann die Möglichkeit gibt, daß ihr zusammenkommt." Er versuchte mit seinem Blick den ihrigen zu fangen. Vermutlich würde sie seine Worte nur noch verletzender finden, weil sie das Gefühl haben mußte, von ihm abgelehnt zu werden. Im Grunde war es auch so, doch das lag nicht an ihrer Persönlichkeit, nur an den Zwängen der Gesellschaft. Würde sie je begreifen, daß er diesen Zwängen nicht entkommen konnte? "Was würdest Du davon halten, wenn Du jede Woche einen Nachmittag ganz allein in die Stadt dürftest, nur zu Deinem Vergnügen?" Er hoffte, daß er sich auf ihr damals gegebenes Wort verlassen konnte, daß sie nicht mehr stehlen würde. Und daß sie die Ehre der Familie auch nicht sonst irgendwie befleckte, wenn er ihr derartige Freiheiten einräumte.

    Sprachlos schaute Ursus seine Sklavin an. Er schüttelte den Kopf. Dann muß ich wenigstens nicht in Deiner Nähe sein, wenn Du mit dieser Sch... dieser... öhm Tussi rummachst. Es dauerte einen Moment, bis er wirklich begriffen hatte, was Caelyn sich da wieder zusammengereiimt hatte. Sprach sie eigentlich nie mit den anderen Sklaven? Laevina müßte doch im Haustratsch schon gründlich durchgehechelt worden sein.


    Auf jeden Fall wußte er im ersten Moment nichts zu sagen, dafür aber platzte er unversehens in lautes Lachen aus. Das war wirklich nicht zu glauben! Caelyn war eifersüchtig! Noch dazu auf seine Cousine! Das war doch wirklich zum totlachen. Er mußte sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln wischen und brauchte einen Schluck Wasser, bevor er wieder etwas sagen konnte.


    "Ihr Götter.... Caelyn, sie ist meine Cousine. Sie wohnt hier im Haus. Und ich habe keineswegs mit ihr rumgemacht. Ich habe sie lediglich durch die Stadt geführt. Für die Tussi allerdings, denn das ist eine Beschimpfung, die Dir ganz und gar nicht zusteht, egal ob Cousine oder Braut, wirst Du Dich bei Laevina für Dein unmögliches Verhalten entschuldigen. Und... gewöhne Dich lieber an den Gedanken, mich eines Tages mit einer Frau rummachen zu sehen. Denn ich werde heiraten, das steht außer Frage. Solche Eifersuchtsanfälle möchte ich mir nicht täglich antun."


    Warum waren Frauen eigentlich immer so zickig? Er mochte Caelyn. Mochte sie sogar sehr. Sie hatte eine erfrischende Art. Auch wenn sie oft im Ton danebengriff, konnte er bei ihr doch wenigstens sicher sein, daß sie ihre wahren Gefühle offen zeigte. Doch er hatte gehofft, daß sie aus der Tatsache, daß sie einmal die Decken miteinander geteilt hatten, nicht gleich irgendwelche Besitzansprüche ableitete.

    Hoffentlich bedeutete dies nicht, daß Quarto es bedauerte, solch einen guten Tropfen für einen Anlaß wie diesen zu verschwenden. "Ja, ein außergewöhnlich guter Wein. Ein wahrer Genuß", bestätigte Ursus mit ehrlicher Anerkennung in der Stimme. Er empfand es schon als Ehre, solch einen Tropfen angeboten zu bekommen.


    Der kühle Windstoß machte ihm allerdings nicht soviel aus, immerhin kam er von draußen und hatte sich an die heute dort herrschende Temperatur gewöhnt. Ohne große Umschweife kam Ursus nun auf den Grund seines Kommens zu sprechen. "Mich führt heute die Angelegenheit der Statuen für das Ulpianum zu Dir. Zu meinem Bedauern sehen sich die heimischen Betriebe, die von römischen Geschäftsleuten betrieben werden, außerstande, die große Statue des vergöttlichten Iulianus zu fertigen. Doch der Betrieb "Bildhauer von Rom", über den wir bereits sprachen, sieht sich sehr wohl imstande dazu und ich hatte auch Gelegenheit, mich von der Qualität der Arbeiten aus dieser Werkstatt zu überzeugen. Einige dieser Werke finden sich auch hier im Palast, da selbst Kaiser Iulianus bei diesem Betrieb gekauft hat. Allerdings befindet er sich im Besitz des Annaeus Otho, der der König von Tylus ist. Ich habe ihn in seinem Wohnsitz in Ostia aufgesucht und um Entwürfe gebeten. Dabei habe ich ihn im Dunkeln darüber gelassen, daß sein Betrieb tatsächlich der einzige ist, der überhaupt über die nötigen Ressourcen verfügt, auch wenn er dies vielleicht ahnt. Er wird sich in der nächsten Zeit in Rom im Hause seines Bruders Annaeus Florus aufhalten und kann die Entwürfe schon in wenigen Tagen präsentieren. Ich dachte, vielleicht wäre es Dir angenehm, Dir die Entwürfe direkt von ihm zeigen zu lassen. Er wollte sich hier in Rom dafür zur Verfügung halten."

    "Und auf das Deine", erwiderte Ursus lächelnd und nahm einen Schluck von dem hervorragenden Tropfen, ließ ihn genießerisch über seine Zunge rollen, um den Geschmack voll auszukosten, bevor er ihn schließlich herunterschluckte. Wie schon mehrfach mußte er den ausgezeichneten Geschmack des Consuls anerkennen, der Wein war einfach hervorragend.

    Ursus schüttelte den Kopf. "Ja, Du bist eine Sklavin und es wird Zeit, daß Du das endlich verstehst. Die Rechte sind auf meiner Seite und die Pflichten auf Deiner." Das stimmte so nicht ganz, aber das mußte man Caelyn ja nicht auf die Nase binden. Außerdem hatte er seine Pflichten ihr gegenüber nie vernachlässigt. Umgekehrt sah das schon anders aus. "Und jetzt noch einmal: Was soll ich denn gar so schreckliches getan haben, um Dich zu demütigen? Das ist doch kompletter Unsinn! Rück endlich raus mit der Sprache, denn diese Leichenbittermiene gepaart mit Deinen dauernden Ungezogenheiten ist ja nicht mehr auszuhalten. Ich bin nahe daran, Dich zum Küchendienst abzustellen." Immer dieses um den heißen Brei herumreden. Sie benahm sich ja schon wie ein Politiker! Ein Gedanke, bei dem er fast grinsen mußte, aber nur fast.

    Ursus' Augenbraue hob sich. "Ich? Das ist ja wohl ein Scherz, Caelyn. Und der Ton, den Du anschlägst, ist die reine Unverschämtheit! Mäßige Dich und erkläre Dich gefälligst!" Das war ja wohl die Höhe, wie sie sich aufführte. Wer glaubte sie denn eigentlich zu sein? Vor allem: Es gab tatsächlich nicht den allergeringsten Grund für sie, auf ihn in irgendeiner Weise sauer zu sein. Im Gegenteil war er doch sehr nett zu ihr gewesen. Er hatte sie in die Stadt mitgenommen, etwas, was sie sonst mehr als zu schätzen wußte. Etwas Süßes hatte er ihr auch spendiert. Was gab es denn da noch zu maulen? Diese Frau war wirklich die zickigste, der er je begegnet war. Und langsam dachte er darüber nach, ob er sie nicht einfach mal übers Knie legen sollte, wenn sie sich weiter so kindisch und zickig aufführte.