Beiträge von Paullus Aurelius Pegasus

    Zitat

    Original von Paullus Aurelius Pegasus
    Ich werde ab heute bis nächsten Freitag nicht so häufig da sein können, da ich mich um meinen schwedischen Gast kümmern muss :D


    Werde trotzdem versuchen, ein paar Posts zu setzen.


    Ich bin wieder mit Neben-IDs vollständig da :)

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    Relativ schnell wurden die beiden tüchtigen Sklavinnen Herr über die Macht des Wasser, was auch gut war, denn in der kurzen Zeit hatte niemand bemerkt, was Dina angestellt hatte. Glück im Unglück. Sie war sich sicher, dass dieses Erlebnis die beiden schon ein wenig näher – wenn auch unfreiwillig – gebracht hatte. Das letzte mal tapste sie mit dem schweren Lappen ins balneum wrang ihn aus und fuhr sich mit dem Handrücken über die Stirn, während sie erleichtert stöhnte.


    “Das war ein gutes Zusammenspiel ... ich glaube, dass niemand irgendetwas bemerkt hat.“ Ein breites Grinsen bildete sich und Dina warf den Stofffetzen nebensächlich beiseite. Leicht paranoid lugte sie noch einmal in den Korridor, um sich vollends zu versichern, dass Patrizier im Anmarsch war... ebenso schlimm waren aber auch einige andere Sklaven, die es äußerst amüsant fanden, sich einen Vorteil aus anderer Leut Fehlern zu verschaffen. In dieser Sicht waren sowohl die niederste, wie auch die obersten Schicht gar nicht so verschieden.


    Im Vorbeigehen berührte die Ägypterin sanft die Schulter der Neuen, wandte sich dann endlich wieder dem Bottich zu und tauchte ihren Unterarm hinein, um die Temperatur zu prüfen. Bei der ganzen Aktion hatte sich das Wasser schon wieder abgekühlt, sodass es nicht mehr so warm war, wie sie erhofft hatte. Dina liebte es sehr heiß, da konnte sie wenigstens für kurze Zeit einmal richtig entspannen.


    “Reicht dir das Wasser so, oder soll ich noch einen Eimer heißeres holen lassen? Mir würde das so nicht reichen, aber um mich geht es ja auch nicht...“, meinte sie lächelnd.

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    Die Sklavin bemerkte Tillas Verhalten, ihre begründete Furcht. Sie wusste nicht mehr, wie sie sich am ersten Tag fühlte, stellte sich aber vor, dass es ähnlich gewesen sein musste. Dazu war ihr nicht bekannt, ob sie vorher auch Sklavin war und wenn ja, bei welchem Herrn. Es gab solche und solche. Das merkte man alleine in diesem Haushalt: Der ein oder andere Aurelier ging freundlich mit ihnen um, Lob gab es zwar keins, dafür blieb aber der übermäßige Tadel aus; andererseits gab es auch strenge domini und dominae. Dina wollte tröstende Worte, Worte der Hoffnung geben, aber ihr vielen keine passenden ein. Wenn sie erst einmal die ersten Tage und Wochen hier überstanden hätte, wäre das sicherlich kein so großes Problem mehr.


    Ihr Lächeln wirkte leicht gekünstelt, als wolle sie mit Humor versuchen, das ganze leichter zu nehmen, aber es gelang ihr nicht. Die Gedanken kreisten zunehmend um Tilla, schließlich trug Dina auch ein wenig Verantwortung ihr gegenüber und nicht zuletzt war dieser Vorfall gerade nur ihr Verschulden gewesen. Was konnte sie dafür, dass sie nunmal ein wenig tollpatschig war?


    Sie ging wieder ins balneum – bis gerade eben stand sie noch in der offenen Tür – und griff nach dem großen Lappen. Tilla hatte bereits begonnen, das Wasser mithilfe des Eimers in den Bottich zu verfrachten, die Ägypterin hingegen würde ein weiteres Ausbreiten des Wasser verhindern. Besorgt schaute sie zur Sklavin. “Keine Sorge, wenn wir das schnell erledigen, wird keiner etwas davon merken! Ich werd' nun das Wasser im Flur aufwischen, mach du so weiter wie bisher, dann schaffen wir das!“, sprach Dina ihr dann schließlich doch zu. Kurz wartete sie auf eine Reaktion, machte sich dann aber auf den Weg in den Flur, um mit ihrem Teil der Arbeit zu beginnen.

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    “Ah verdammt ... Brix, ich dachte, du wärst ein standhafter Germane!“


    Kopfschüttelnd erhob sich Dina. Sie merkte, wie unangenehm Brix die ganze Situation vorkam, also versuchte sie das ganze irgendwie zu retten, aber ihr fiel nicht ein, wie sie das anstellen sollte. Das Wasser verteilte sich im ganzen Flur und würde auch bald in einzelne Zimmer schwappen. Zumindest hatten sie sich das Putzen erspart, scherzte die Ägypterin in Gedanken. Sie hatte nicht wirklich Lust, den Schaden zu beheben. Viel lieber wollte sie sich um Tilla kümmern, sie ein wenig kennen lernen und sie in die Arbeiten der villa einführen.


    Brix wiederum murmelte nur irgendetwas unverständliches in sich hinein, stand dann auf und verschwand dann mit den beiden – nun leeren Eimern – wieder. Würde er zurückkommen? Neues Wasser holen? Das durfte die beiden Damen aber vorerst nicht beschäftigen, denn wenn einer ihrer Herren das mitbekommen würde, wären die beiden einem großen Donnerwetter ausgesetzt. Dina glaubte, dass das ebenso wenig in Tillas, wie auch in ihrem Interesse lag.


    “Ich glaube, das Bad müssen wir ein klein wenig nach hinten verschieben ...“, meinte sie zur Neuen, die seltsamerweise plötzlich wieder im Raum war. Sie stand im Bottich, da das heiße Wasser auf den nackten Füßen vielleicht in der Hektik etwas unangenehm war. Dina wunderte sich über gar nichts mehr. In diesem Haushalt gab es so einige merkwürdige Vorkommnisse. Vielleicht wurde die doch recht schmächtige Sklavin nur verdeckt und man konnte sie im Schatten, des Bottichs nicht sehen?


    “Dort drüben müsste etwas zum Aufwischen sein ... ich denke, wir sollten das Chaos schnell beseitigen, bevor das entdeckt wird ... hoffentlich taucht die domina Prisca nicht auf ... sie scheucht uns immer hin und her und hat immer etwas auszusetzen und überhaupt mag sie es anscheinend, Sklaven zu traktieren...“

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    Es dauerte auch nicht besonders, bis Dina mit Brix an der Leine zum Baderaum der Sklaven kamen. Es war etwas schwierig, den Germanen zu finden, da er gleichzeitig überall und auch nirgends zu sein schien. Überall hörte man ungefähr folgenden Satz: „Ja, der war hier gerade noch, schau mal dort drüben nach..:“, nur, dass er an besagtem Ort auch nicht war. So fühlten sich vielleicht diese Politiker und Magi ... Mago ... ah, diese wichtigen Leute, wenn sie auf dem Palantin was zu tun hatten. Nach dieser angestrengten Suchaktion (nur könnte sie eigentlich auch ein Bad gebrauchen?!) fand sie Brix schließlich fast am an anderen Ende des domus. Natürlich hatte sie auch andere tüchtige, männliche Sklaven nehmen können, es waren schließlich genug bei den Aureliern, aber Dina liebte es, den Germanen um sich herum zu haben ... er hatte etwas ... mystisch germanisches an sich, was angesichts seiner Herkunft ja auch nicht verwundern dürfte.


    Mit einer euphorisch piepsigen Stimme und einer kontrastierenden, recht enervierten und tiefen Tonlage eines wilden Barbaren schlug die Ägypterin die Tür zum balneum auf ... und starrte ins Leere. Der Holzbottich, geöffnete Kästchen ... um nicht zu sagen „Wildes Durcheinander“. Gut, das war reichlich übertrieben, aber irgendwie musste sie reagieren und da sie nicht die ganze villa zusammen schreien wollte, wich sie ein Stück zurück. Dabei rempelte sie unabsichtlich den hinter ihr stehenden Brix an, der recht große Eimer in der Hand hielt. Diese waren mit heißem Wasser gefüllt, welches sich quer über den Boden verteilte, als dieser das Gleichgewicht ob Dinas hysterischer Attacke verlor. Eine überragende Mehrstimmigkeit, die die Geschichte des Gesangs revolutioniert hätte erfüllte den Raum, nein das ganze Gebäude...


    Ahhhhhh!!


    Brix fiel zu Boden, Dina direkt hinterher. Den Schmerz des verbrühten Fingers vergaß sie im Moment der Zweisamkeit ... naja, so zweisam waren sie ja eigentlich gar nicht und Brix schien das ganze auch nicht gerade geheuer zu sein.. :D


    ... ein guter Start, sagte eine Stimme aus dem Off.

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    Mit ihrem Zeigefinger deutete Dina in den linken Gang, genau neben dem Eingang zur Sklavenunterkunft. Hier befand sich das Bad der Sklaven. Es war ein kleiner, rechteckiger Raum. In der Mitte stand ein großer Holzbottich, der allerdings noch leer stand. Dieser würde erst mit Wasser gefüllt werden müssen und ehrlich gesagt grauste es der Ägypterin schon vor dieser Aufgabe. Ob man den starken Brix dazu bewegen konnte, dass für sie zu erledigen?
    Grübelnd fuhr sie sich durch die langen Haare. Ja, sie würde Brix kommen lassen, das war viel zu anstrengend für sie. Eine Aufgabe, für die sie gar nicht geeignet war!


    “Einen Moment, Brix wird dir Wasser einlassen, ich gehe ihn nur schnell holen...“


    Mit diesen Worten wuselte sie davon und ließ Tilla für einige Augenblicke allein. Hoffentlich würde sie nichts anstellen -.^

    Pegasus war positiv überrascht. Er wurde nicht wieder sofort von Fragen überschüttet, er wurde nicht wieder Opfer von überhöhtem Zweifel. Gut, der Zweifel war anscheinend noch immer da, aber zumindest schien Corvinus zumindest die Möglichkeit, seinen Neffen vor sich zu haben, zu akzeptieren. Ein großer Fortschritt, wenn man das bisherige Gespräch betrachtete. Der pater familias ordnete seine Gedanken, ging in sein Inneres, versuchte, das Knistern in der Luft durch diese Pause zu verbannen – so wirkte es auf den jungen Mann. So erwartete, oder erhoffte, sich der Aurelier schließlich auch ein ruhiges und klärendes Gespräch. Der Grundstein wurde ja bereits von Marcus' nachfolgenden Worten gelegt.


    Langsam folgte er Corvinus, bis er auf gleicher Höhe mit ihm war. Geduldig ließ er den Patrizier aussprechen, ließ die Worte dann noch ein wenig im Raum verklingen und fing an, eine entsprechende Antwort zu formulieren ... obwohl das auch gar nicht so einfach war. Wo sollte er denn anfangen? In Gedanken kam er seiner alten Angewohnheit – sich über den imaginären Bart streichen – nach, ehe er eine ihn zufriedenstellende Antwort gab.


    “Nun ... wieso meine Identität – und wie du sagst auch die von meiner Mutter – verschwiegen wurde, kann ich dir nicht sagen. Nur Vermutungen kann ich anstellen. War er eventuell schon in Gedanken mit einer anderen versprochen, wollte er erst mit der Nachricht warten und ... 'fand dann etwas besseres'? Ich weiß es wirklich nicht und meine Mutter hielt sich immer in Schweigen gehüllt.“


    Pegasus lachte kurz leise auf. Schon irgendwie eine merkwürdige Situation. Ohne den Siegelring wäre er wohlmöglich niemals soweit gekommen, ohne den Siegelring wäre er vielleicht niemals als Aurelier irgendwo anerkannt worden. Er war nie der große Redner. Natürlich wurde er in Rhetorik und Sprache unterrichtet, aber es lag ihm nie wirklich. Man könnte ihm die Reden schreiben, eine euphorische und mitreißende Stimme hatte er schon öfter bewiesen und fehlte von sich aus der Inhalt ... obwohl man auch sagt, dass es dem Volk egal ist, was man sagt, solange man es richtig sagt! Er riss sich aus seinen Gedanken, räusperte sich kurz und fuhr fort:


    “Ich wohnte alle die Jahre mit meiner Mutter auf einem recht großen Landgut nahe Capua. Bisher hatte ich nie wirklich das Verlangen, andere kennen zu lernen, oder zu meinen Wurzeln zurück zu kehren. Ich habe dort ein recht sorgenfreies und einfaches Leben geführt. Als dann allerdings vor wenigen Monaten meine Mutter verstarb wurde mir klar, wie einsam es dann doch ist und so beschloss ich, eben diese 'Wurzeln' aufzusuchen. An Iustus kann ich mich ehrlich gesagt nicht wirklich erinnern. Er muss uns bereits kurze Zeit nach meiner Geburt ... vielleicht auch erst ein, oder zwei Jahre später, gänzlich verlassen haben...“


    Einen besseren Reim konnte er sich auch nicht bilden ... zugegeben, alles sehr suspekt...

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    Verwirrt nahm Dina die beschrieben Tafel an sich. Konnte sie nicht reden? War sie stumm, oder wie sollte sie sich das nun vorstellen? Das könnte zu Kommunikationsproblemen kommen ... da würden sie schon eine passende Lösung für finden. Hastig überflog sie den Inhalt der Worte. Tilla ... übliche Einweisungen und noch einiges mehr, was anscheinend nicht an sie gerichtet war. Neugierig las sie aber auch dies und nickte dann. Fast nebensächlich legte sie die tavula beiseite und musterte Tilla. Völlig verdreckt, zerissene Kleidung, kaputte Sandalen ... wie sie das bereits erwartet hatte.


    “Bevor wir dich einkleiden empfehle ich aber vorher dringend ein Bad! Und die Sandalen kannst du auch liegen lassen. Du wirst ein vernünftiges Paar bekommen. Sklave sein bedeutet nicht auch gleichzeitig nur minderwertige und unbrauchbare Sachen zu besitzen!“


    Dina schenkte ein erwärmendes Lächeln. Sie konnte sich vorstellen, wie es für sie sein musste, in eine neue Umgebung zu kommen, niemanden zu kennen, aber man erwartete sofort etwas von ihr. Dazu noch das Problem mit der Kommunikation ... nicht gerade eine einfache Situation.


    “Komm, ich mach die ein heißes Bad fertig und dann waschen wir dich erst einmal richtig. So kannst du ja nicht in eine frische Tunika steigen.“


    Sie zeigte in Richtung Tür und wartete dann, ob Tilla vorausgehen würde.

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    Die ägyptische Haussklavin kam auch schon nach kurzer Zeit. Brix hatte ihr erzählt, dass die Aurelier eine neue Sklavin gekauft hatten und nun würde es an ihr liegen, der Neuen die villa zu zeigen und sie neu einzukleiden. Erfahrungsgemäß war die Bekleidung beim Sklavenverkauf äußerst spärlich. Man wollte schließlich nur das nötigste und billigste verwenden, außerdem auch noch möglichst viel Haut dem möglichen Kunden zu Gesicht bringen. Dina war sehr gespannt auf neue, weibliche Gesellschaft.


    Ein seltsam klingendes „Huhu!“ ertönte von außerhalb der Sklavenunterkunft und im selben Augenblick lugte der Kopf einer Frau in das Zimmer herein. Schnellen Schrittes war sie neben Brix, der gerade im Begriff war, etwas zu sagen. Ein kleiner Stupser in die Rippen verhinderten, dass so schnell auch nichts herauskommen würde. Dina zwinkerte dem Germanen zu, eine unmissverständliche Botschaft und nachdem dieser unweigerlich mit den Augen rollte kam er auch der Bitte nach und ließ die beiden Frauen alleine.


    Mit einem Lächeln wandte sie sich an die neue Mitbewohnerin: “Ich bin Dina, ich denke, wir werden ab heute häufiger mit einander zu tun haben! Wie lautet dein Name?“ Es war immer immens wichtig, so schnell wie möglich Kontakt herzustellen. Wenn man keinen Anschluss finden konnte, war es eine nicht gerade angenehme Arbeit als Sklave – so man denn überhaupt von angenehm reden kann. Der Ägypterin fiel es zum Glück nicht schwer, neue Kontakte zu knüpfen.

    Natürlich konnte Pegasus nicht ahnen, dass sein Vater angab, den Ring auf einer Seereise verloren zu haben. Anscheinend hatte man alles, was annähernd mit ihm in Verbindung stand verdrängt oder nur geheim gehalten. Nicht gerade ein schmackhafter Gedanke, wie der Aurelier fand. Corvinus schien äußerst skeptisch ob seiner Identität zu sein, als wolle er nicht wahrhaben, dass vor ihm ein Verwandter steht. Weil er dann zugegeben müsste, ein solches schwer beleidigt zu haben, oder weil er sich einfach nicht vorstellen kann, dass sein Bruder – er sagte dies doch, oder? - einen Sohn hatte? Eine schwere Situation, ihm war nicht bekannt, wie nah die beiden letztendlich zueinander standen, gut möglich, dass Pegasus' Vater ihm einfach nichts erzählt hat. Streitigkeiten und Geheimnistuerei sind in Rom gang und gebe.


    Wortlos ließ er es zu, dass Marcus den Ring musterte. Er schien jedes Detail genau bestimmen zu können, versuchte sich zu versichern, dass es das entsprechende Schmuckstück war, versuchte es andererseits vielleicht aber auch zu verdrängen. Schneller, als es eine Reaktion zuließ wurde die Hand vom Erbstück befreit. Der Patrizier wollte etwas sagen, wollte diese Dreistigkeit zur Sprache bringen, verkniff es sich aber doch. In irgendeiner Weise konnte er sich vorstellen, wie sich sein Gegenüber fühlte.


    Sorgfältig streifte er den Ring wieder über, nachdem Corvinus sich um die Echtheit bestätigte. Doch anstatt das Schicksal anzunehmen und den Aurelier vor sich als einen solchen zu akzeptieren, fuhr er mit seinen Fragen weiter fort. Unangebrachte Skepsis, wie Paullus fand.


    “Ich bekam ihn – im wahrsten Sinne des Wortes – in die Wiege gelegt. Meine Mutter Aqulia Noctua erzählte mir, wie Iustus mir diesen anvertraute, als ich noch nicht einmal in der Lage war, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Er solle mich an meine Herkunft, an mein Blut erinnern – wie sollte ich so etwas auch vergessen – denn mein Vater ... dein Bruder verließ uns beide nach einiger Zeit. Warum? Das hat Mutter mit ins Grab genommen...“


    Ein kurzer Anriss über seine ganze Situation. Ein fast unbekannter Vater und es bestand keine Möglichkeit, in jemals mehr näher kennen zu lernen. Eine verstorbene Mutter, die mehr als nur eine Erklärung für sich behielt und ein Waise, der es satt hatte, fernab von Familie zu leben. Das er so in Erklärungsnot geraten würde, nur um weiterhin in der Umgebung ihm Wohlgesonnener zu leben, hat er nicht gedacht. Er war geblendet...

    Dies waren Momente, in denen es immer wieder schwer fiel, Comitas zu wahren. Natürlich musste Pegasus nun mit einem milden Lächeln höflich darum bitten, das Gespräch auf einer normalen Ebene zu führen, aber genau in dieser Sekunde war ihm diese Tugend gleichgültig. Er konnte seine gesamte Erziehung, den größten Teil seiner Kindheit hinter sich lassen, für einen Augenblick. Er hatte vor, den pater familias in seinem eigenen Haus zu beleidigen? Wenn er es so auffasste, bitte, nur war die Wortwahl der "Familienstütze" auch nicht die beste. Bettler, Betrüger und nun auch noch Bastard? Solche Dinge musste man im Hause der Aurelier über sich ergehen lassen, als Familienmitglied, wohlgemerkt!


    Paullus hob ein weiteres und vorerst letztes Mal den Kelch und leerte ihn mit einem schnellen Zug. Sofort spürte er das kühle Nass seinen Rachen hinunterlaufen, denn nicht mehr war es. Kein Wein, kein Wasser, auch kein Gemisch aus beiden. Ein Mittel, um bei Sinnen zu bleiben, um die Gedanken wieder auf eine gerade Bahn zu lenken. Unüberlegte Worte waren fehl am Platz. Vielleicht konnte man die allgemeine Situation ändern, wenn Pegasus damit anfing ... wenn er damit anfing. Ein Problem, welches bewältigt werden musste. Der Aurelier stellte das Glasgefäß ab, fasste sich an die Schläfe und schloss die Augen. Nur kurz, es reichte.


    Beweise wollte er? Er sollte über seinen Vater, über Iustus erzählen? Nicht gut ... ganz und gar nicht gut. An seinen Vater konnte er sich nur bruchstückhaft erinnern, alles Wissen, was er über ihn hatte stammte aus zu Wort gekommenen Erinnerungen seiner Mutter. Was sollte er sagen? Er hat gehört , was sein Vater so gemacht hat? Da könnte er auch schlicht Kehrt machen und die Villa ohne Anstand verlassen, so würde es nämlich dann hinauslaufen. Pegasus schien verzweifelt, er hatte nur dieses eine Stück, die einzige Möglichkeit zu beweisen, wer er war und was er war. Diese unangebrachte Skepsis hatte er im Traum nicht erwartet, er hatte sich das komplett anders vorgestellt...


    “Ich soll dir von Aurelius Iustus erzählen? Könnte das ein geschickter Betrüger nicht auch machen? Ich frage dich, weil ich es nicht weiß ... das kommt eventuell davon, dass ich kein geschickter, ja nicht einmal ein ungeschickter Betrüger bin! Stattdessen kann ich dir etwas zeigen, es wird genug über das Verhältnis zwischen Iustus und mir erzählen!“


    Der Aurelier pausierte. Zögernd hob er seine rechte Hand; Zwei goldene Ringe zierten sie. Auf den ersten Blick sahen sie recht gewöhnlich aus. Patrizierschmuck, gut geeignet für Prahlerei und um seine Eitelkeit zu befriedigen, schaute man sich aber zumindest den einen Ring etwas genauer an, so konnte man den Kopf eines Löwen erkennen, darunter spiegelverkehrt die Initialen eines bekannten Namen.


    Wortlos offenbarte Paullus den Siegelring seines Vaters – wie lange er wohl vermisst wurde?

    Die Worte des Corvinus versetzten den Aurelier in Staunen. Er erwartete, sich nun wieder hinsetzen zu können, ein geordnetes Gespräch über Familie, Rom und dem üblichen Geseier führen zu können, aber für einen Augenblick schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Regungslos starrte er den pater familias an. Er schenkte Pegasus Worten keinen Glauben und stellte ihn auch noch auf die gleiche Stufte wie einen Bettler. Sichtlich angestrengt musste er sich zusammenreißen, schließlich hatte er das Oberhaupt der gens vor sich und wie sogar die Plebejer wissen, war das Wort des pater familias bindend und der Zorn des gleichen sollte man nicht auf sich ziehen. Wie aber kam es, dass er nichts von seiner Existenz wusste? Mutter hatte ihm viel über die Familie gelehrt, er durfte eine vorzügliche Ausbildung genießen, wurde behandelt wie ein Aurelier und handelte wie ein Aurelier. Wieso auch nicht? Paullus war ja auch einer.


    “Ich nenne Dir sogar einen sehr guten Grund: Wir tragen den gleichen Gensnamen! Was brauchst Du noch für Gründe? Wird ein Mitglied der Familie etwa nicht aufgenommen, wie eines? Muss ich vorher noch Prüfungen ablegen? Mich einkaufen? Nun, daran soll es nicht scheitern...“


    Er hob hastig den Kelch an die Lippen und trank einen großen Schluck. Seine Kehle brannte, seine Wangen erröteten leicht vor unterdrücktem Zorn. Die Kühle eines Patriziers hatte er sich noch nicht so angeeignet, andererseits war er bisher auch noch nicht in einer solchen Situation und hatte auch nicht damit gerechnet. Wollte er Beweise? Er hatte Beweise, er hatte eine Trumpfkarte, aber Pegasus würde sich nicht so schnell aus der Reserve locken lassen, er wollte Standhaftigkeit zeigen!


    Etwas abseits der beiden stand noch immer der kleine Lucius. Wie festgewurzelt, er kämpfte gegen sich selbst an, versuchte ein Lächeln zu unterdrücken. Immer noch hatte man ihm nicht das Verhalten in einer ernsten Situation beigebracht, immer noch versuchte er, das Lächeln als Allzwecklösung zu benutzen, aber er haderte mit sich selbst. Schlechte Zeiten für den Herrn fielen auch auf den Sklaven zurück, dass hatte man ihm bereits gelehrt.

    Mit Hilfe des verdünnten Weines konnte der Aurelier einen guten Teil seiner Anspannung runterspülen. Er musste aufpassen, nicht zu hastig und nicht zu viel zu kosten, denn auf nüchternen Magen war selbst das Wein-Wasser-Gemisch nicht gut verträglich für ihn. Ein kurzes Nippen genügte, um seine Kehle zu befeuchten, bekanntlich ließ ein trockener Mund selbst den rhetorischen Mann im Regen stehen ... welch eine ironisches Bild.


    Es dauerte nicht lange, bis eine weitere Person den Raum betrat. Seiner Aufmachung nach zu urteilen handelte es sich um keinen Sklaven und so nahm Pegasus an, den gewünschten pater familias vor sich zu haben. Er schien noch recht jung, von der Arbeit aber schon ein wenig künstlich gealtert zu sein. Außerdem machte er in diesem Moment einen leicht schwächlichen Eindruck. Überarbeitung, Schlafmangel oder Krankheit konnten ebenso möglich sein wie die Tatsache, dass er wirklich einfach nur schwächlich war. Paullus wollte sich aber zu diesem Zeitpunkt kein Urteil bilden, das konnte er später immer noch.
    Nach der Begrüßung des noch namenlosen Aureliers erhob sich der Patrizier senkte kurz sein Haupt, ehe er anfing, einen Satz zu formulieren.


    "Salve, Aurelius. Mein Name ist Paullus Aurelius Pegasus und bin heute in Rom angekommen. Als Familienmitglied erwarte ich eine Unterkunft für ... vorerst unbestimmte Zeit in dieser Villa!“


    Wie er es gelernt hatte, brachte Paullus sein Anliegen prägnant und ohne Ausschweifungen herüber. Manche mochten ihn sogar für einen Patrizier als überheblich halten, aber war man sich seiner Art und Weise zu reden und zu handeln bewusst, war er recht umgänglich. Ohne auf eine mögliche Reaktion seines Gegenüber zu warten fuhr er fort.


    "Ich weiß nicht, in wieweit wir miteinander verwandt sind, aber ich denke, meines Vaters Name - Marius Aurelius Iustus - wird die bekannt vorkommen."


    Mit erhobener Augenbraue musterte er den pater familias erwartungsvoll. Er war sich sicher, dass er diesen Namen kannte und er war sich ebenfalls sicher, dass man ihm bedenkenlos Glauben schenken würde...

    Die Nervosität bekam einen neuen Begleiter: Anspannung. Beide waren sie einerseits ähnlich, aber auch von Grund auf verschieden. Zusammen waren sie mehr als ärgerlich und es gab so einige Persönlichkeiten, die sich explizit damit beschäftigten, solch störende Gefühle gezielt zu unterdrücken und gut zu verbergen. Ein Patrizier hatte da von Haus aus schon einen kleinen Vorteil, da er entsprechend erzogen wird, aber nicht immer erscheint der Mensch, wie er es sich wünscht.


    Vorbei an den Skulpturen und Kunstgegenständen, die der Erinnerungen und der Dekoration ließ er einige der Stücke vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen. Wichtige Dinge versuchte er sich zu behalten, unwichtige ließ er gar nicht soweit kommen. Das meiste passte seiner Meinung nach in die zweite Kategorie.


    Im atrium angekommen zögerte er nicht lange und nahm nach den einladenden Worten des Nubiers auf der Bank platz. Fast schon automatisiert verschwand der kräftige Mann und eine zierliche Frau (oder war es noch ein Mädchen?) brachte ihm eine kleine Auswahl an Getränken, wo er sich für den verdünnten Wein entschied. In teuren, gläsernen Kelchen spiegelte sich auf der blaßroten Oberfläche des Weines ein wenig sein Gesicht. Er sah es, nahm es aber nicht wahr. In beschäftigte nur der pater familias, seine Reaktion auf sein Erscheinen, viel mehr aber sein Charakter und sein Aussehen. Unruhig rutschte er auf der Bank umher, zupfte sich die Toga zurecht und wartete geduldig. Sein Begleiter stand ebenfalls abwartend neben ihm. Nah genug, um alles verstehen und schnell reagieren zu können, weit genug, dass er nicht aufdringlich wirkte.

    Der Aurelier versuchte weiterhin, unbeteiligt neben dem Sklaven zu stehen. Solchen Gesprächen musste man eigentlich nicht lauschen. Wenn wichtige Details in ihnen vorkamen, würde der dominus normalerweise zu gegebener Zeit darüber informiert werden. Nicht aber heute ... oder besser gesagt nicht hier, an jenem Ort, welcher für den weiteren Verlauf seiner Zukunft wahrscheinlich maßgeblich sein wird. So horchte er neugierig, wurde aber sogleich wieder enttäuscht: Eine monotone Stimme leierte die Standardbegrüßung eines jeden ianitors runter. Hätte er das Interesse dazu gehabt, hätte er sich philosophische Gedanken über die Zufälle, der immer wiederkehrenden Phrasen komplett unterschiedlicher Sklaven in noch viel unterschiedlicheren Haushalten gemacht – soweit man darüber überhaupt philosophisch disputieren kann. Aber, wie Pegasus sich eingestand, es gab sehr viel interessantere Themen und Beschäftigungen.


    Allein diese Gedanken dauerten eine Ewigkeit und schienen nur überflüssig zu sein. Ja, sie waren überflüssig! Aber so in sich selbst vertieft, musste Lucius seinen Herrn erst wieder darauf aufmerksam machen, wo sie waren und aus welchem Grund. Paullus schob seine Überlegungen beiseite, kehrte wieder in das Hier und Jetzt zurück und folgte den beiden Sklaven in das innere der Villa. Nervosität breitete sich in den gespielt unnahbaren und kühlen Gesichtszügen aus.

    Als hätte es Lucius geahnt, öffnete sich die mächtige Holztür, kurz nachdem er seine Hand sinken ließ. Der Aurelier hatte die Schritte des Türsklave nicht gehört, was aber auch daran liegen könnte, dass er in diesen Momenten mehr mit sich selbst, als mit Geräuschen der Umgebung beschäftigt war, die Aufgabe seines Dieners war allerdings, auf genau solche Dinge zu achten.
    Im Türspalt konnte man einen hoch gewachsenen, farbigen Mann erkennen. Höchstwahrscheinlich ein Sklave aus den wilden und öden Ländern südlich von Italien. Sein Gefühl sagte ihm, dass er möglicherweise noch mehrmals mit ihm zu tun haben wird, was Angesicht der Tatsache, dass er ein Haussklave der Aurelier war durchaus möglich war.


    Der eingeschüchterte Knabe (der Nubier wirkte groß, aber wie groß musste er für diesen Jüngling erst wirken?) räusperte sich kurz, warf einen verstohlenen Blick zu seinem Herrn und blickte dann auf den stoffbedeckten Oberkörper des kräftigen Sklaven.


    “Mein Herr, Aurelius Pegasus, wünscht Einlass und ein Gespräch mit dem Pater Familias!“, stotterte er. Hatte er alles richtig gesagt?