Beiträge von Numerius Duccius Marsus

    Callistas und Witjons Zimmer


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    Callistas und Witjons Zimmer befand sich im ersten Wohngeschoss des "Turms", wie die Familie den massiven Anbau nannte, der vor wenigen Jahren enorm zur Vergrößerung der Wohnfläche der Casa beigetragen hatte. Dieser war dreigeschossig. Witjon und seine Frau wohnten also direkt unter Lando und Elfleda, die das Dachgeschoss für sich hatten, während im Erdgeschoss des Turms die Küche der Casa lag. Die Grundfläche des Wohnturms war quadratisch und bot durch farbige Fenster einen Blick auf die Straßen der Stadt, die Hros und die Gärten der Nachbarn. Im Winter konnte man die nicht gerade luftdichten Fenster mit Läden und zusätzlich mit schweren Stoffgardinen verschließen, was zusätzlich auch das Sonnenlicht abhielt - sollte dies nach einer durchzechten Nach einmal von Nöten sein.


    Da die Fläche des Turms auf allen Geschossen die selbe war, bot auch das zweite Wohngeschoss ausreichend Platz für Witjons und Callistas Familienplanung. Ein Bett, in dem mindestens vier Personen Platz fanden, drei Kommoden, eine große Truhe und ein Tisch bildeten die Einrichtung, die mit der des Dachgeschosses identisch war. Und trotz solcher Möbel fand sich immer noch genug Raum für Wiegen und Kinderbetten. Das frisch vermählte Ehepaar konnte Midgard also getrost mit einer zahlreichen Nachkommenschaft beglücken. Dass in diesem Zimmer die Privatssphäre der einzelnen Familienmitglieder praktisch nicht existent war, hatte Callista bereits feststellen müssen. Für Witjon allerdings war dies niemals ein Problem gewesen und das würde es auch weiterhin nicht sein. Er betrachtete die duccischen Wohnverhältnisse ohnehin schon als sehr großzügig, besonders wenn er diese mit dem Hof seiner Eltern verglich. Dort hatten alle im Langhaus in einem Raum geschlafen, so dass man gelegentlich allerlei interessante Dinge mitbekam. Nun, Callista würde sich mit der Zeit an die Umstände gewöhnen (müssen), spätestens wenn das erste Kind auf dem Weg war.


    In diesen vier Wänden würden Witjon und Callista also ihre Familie gründen und aufziehen, sofern die Götter ihnen ihren Segen gaben.

    Witjon saß da und konnte nichts tun. Er hatte vorgebracht was er für das Richtige hielt und hatte nun keine Chance mehr, die Situation zu bessern. Also ertrug er die Schmach vom Legaten zusammengepfiffen zu werden und erhob sich letztendlich, als der ihn herauskomplimentierte. "Jawohl, Vinicius," verabschiedete er sich und verließ das Officium seines Vorgesetzten. Drüben vergrub er sich in seine Aktenberge und grübelte...

    Geschäftiges Treiben herrschte auf dem Forum, als ein Clamator aus der Curia heraustrat und sich Gehör verschaffte.
    "BÜRGER!!! BÜRGER!!! HÖRT MICH AN!!! DIE NÄCHSTEN WAHLEN STEHEN VOR DER PORTA UND JEDER, DER SICH BERUFEN FÜHLT VERANTWORTUNG FÜR DIE STADT UND DAS REICH ZU ÜBERNEHMEN SEI HIERMIT AUFGERUFEN SICH IN DIE WAHLLISTEN EINZUTRAGEN! BÜRGER! HÖRT!!! ZUR WAHL DER STADTVERWALTUNG WERDEN ALLE WAHLBERECHTIGTEN BÜRGER, mit Ausnahme der Soldaten der Legio, AN DIE WAHLURNEN GEBETEN!!! GEWÄHLT WERDEN DUUMVIRI UND MAGISTRATI! GENAUERES ERFAHRT IHR HIER!!!"



    - Bekanntmachung -


    Die wahlberechtigten Cives (alle Candidati Cursu Res Vulgarium) der Civitas Mogontiacum sind hiermit aufgerufen aus ihren Reihen zu bestimmen:


    II - Duumviri: Vertreter der Stadt vor der Regionalverwaltung und dem Legaten der Provinz, Verwaltungsvorsitzende der Civitas, Vorsitzende des Ordo Decurionum und Ansprechpartner der Bürger.
    Vorraussetzung: Abgeleisteter Dienst als Magistratus, römisches Bürgerrecht, vorangegangenes oder unmittelbares Engagement im Ordo Decurionum


    I-IV - Magistrati: Vorarbeiter der Stadtverwaltung, Ansprechpartner der Bürger und zuständig für die Erledigung gewisser, von den Duumvirn aufgetragener Aufgaben.
    Vorraussetzung: Lese- und Schreibfähigkeit. Römisches Bürgerrecht.


    Alle Kandidaten haben ihre Qualifikation für ihre Kandidatur bis zum ANTE DIEM III ID SEP DCCCLIX A.U.C. (11.9.2009/106 n.Chr.) der Stadtverwaltung mitzuteilen. Die Bekanntgabe der zugelassenen Kandidaten wird am PRIDIE ID SEP DCCCLIX A.U.C. (12.9.2009/106 n.Chr.) stattfinden.


    Ab Bekanntgabe haben die Kandidaten genau 7 Tage Zeit für den Wahlkampf.


    Die Wahlen werden am ANTE DIEM XIII KAL OCT DCCCLIX A.U.C. (19.9.2009/106 n.Chr.) in der Hora Secunda beginnen, die Wahlurnen werden am ANTE DIEM XII KAL OCT DCCCLIX A.U.C. (20.9.2009/106 n.Chr.) mit dem Beginn der Hora Decima geschlossen.


    Die Miletes der Legio II Germanica sind nach §23 der Lex Provincialis von den Wahlen ausgeschlossen.



    Sim-Off:

    Wie schon zuvor gilt: Soldaten sind wegen oben genannter Gesetzeszeile von der Wahl ausgeschlossen.

    Abwehrend hob er die Hände, als Callista ganz empört eine Erklärung des Stillverhaltens römischer Eltern abgab. "Ist ja gut, ich bin ja schon ruhig!" Er warf ihr einen entschuldigenden Blick zu und lehnte sich dann wieder an den Beckenrand, um zu entspannen. Callistas Gedanken zum Thema Kinder ließ er zunächst völlig unkommentiert. Erstmal Kinder kriegen, dachte er. Dann konnte man immer noch über ihre Erziehung und Umsorgung reden.


    Witjon spürte erneut die Nähe seiner Frau und seufzte leise. Die Kopfmassage tat ihm gut und das tat er dann auch kund, als sie ihn fragte. "Es ist wundervoll, danke." Er lächelte, was Callista natürlich nicht sehen konnte. Da kam ihm ein interessanter Gedanke. "Sag mal...was machst du jetzt eigentlich, wo du keine Sklaven mehr hast. Also...die dir die Haare machen, dich massieren, dich waschen, schminken...und sowas. Dafür sind Sklaven doch da, oder?" Jetzt hatte er mal die Gelegenheit mit einer Römerin über Sklaverei zu reden, warum diese nicht nutzen?

    Das Thema Freiheiten und Frauen war damit also abgehakt. Auch gut, dachte sich Witjon und betrachtete schweigend noch ein wenig die Landschaft. Er überlegte gerade, was er seiner Versprochenen als nächstes zeigen sollte, hatte jedoch nicht mit ihrer einstweiligen Tollpatschigkeit gerechnet, die ihn völlig aus dem Konzept brachte. "HOPPALA!" Wenig damenhaft krallte sich die Prudentia in seine Kleider, um nicht auf die Nase zu fallen. So gut Witjon konnte, fing er die junge Dame auf und stellte sie sogleich wieder auf die Beine, denn ihre Sklavin sprang vor Schreck noch hinzu und wollte schon eingreifen. Der junge Duccier war verwirrt. War das jetzt Absicht gewesen? Wollte sie ihm unbedingt in die Arme fallen? Oder war sie wirklich so tollpatschig? Zumindest schien sie verdammt verlegen zu sein, denn Callista schaute jetzt auf ihre Füße und sagte kein Wort mehr. Bis auf eine leise Entschuldigung.
    Witjon entschied sich für diskretes Ignorieren und lächelte gütig. "Ich glaube, wir sollten uns jetzt einmal die hiesigen Thermen anschauen." Er räusperte sich leicht und machte auf dem Absatz kehrt. Lieber den Hafen schnell verlassen und diese kleine Peinlichkeit verdrängen. "Wenn ich bitten darf?" Er wies den beiden Frauen den Weg zurück zum Forum. Auf dem Weg lagen die Thermae Iuliani, von denen er auf dem Weg dorthin schon einmal etwas berichtete. "Die Thermen wurden von einem bekannten Baumeister...ich glaube er stammt aus der Gens Germanica...zu Ehren unseres zuletzt verstorbenen Imperators Divius Iulianus erbaut. Sie bieten einigen Komfort. Warm- und Kaltwasserbäder, Sauna, Sportanlagen. Eben alles was ein hygienebewusster Römer begehrt. Aber vermutlich sind diese Anlagen nicht zu vergleichen mit den Prachtbauten Roms." So oder ähnlich stellte der Ubier sich die ewige Stadt nämlich vor. Alles musste größer, kunstvoller, prächtiger sein, denn Mogontiacum war ja angeblich nur ein mickriges Abbild der Hauptstadt der römischen Welt.

    IN NOMINE IMPERII ROMANI
    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI
    ET IN NOMINE CIVES MOGONTIACI


    ERNENNE ICH
    Lucius Purgitius Maecenas


    MIT WIRKUNG VOM
    ANTE DIEM XII KAL SEP DCCCLIX A.U.C. (21.8.2009/106 n.Chr.)


    ZUM
    Decurio - Mogontiacum



    Numerius Duccius Marsus - Duumvir Mogontiaci

    IN NOMINE IMPERII ROMANI
    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI
    ET IN NOMINE CIVES MOGONTIACI


    ERNENNE ICH
    Marcus Duccius Rufus


    MIT WIRKUNG VOM
    ANTE DIEM XII KAL SEP DCCCLIX A.U.C. (21.8.2009/106 n.Chr.)


    ZUM
    Decurio - Mogontiacum



    Numerius Duccius Marsus - Duumvir Mogontiaci

    Witjon schluckte. Jetzt saß er tief in der Tinte und ertrank entweder darin, oder aber er vermochte noch das rettende Seil zu ergreifen, das ihn wieder herauszog. Es galt Vorsicht walten zu lassen. Er nutzte die Pause, die der Legat machte, um sein Wort an diesen zu richten.
    "Vinicius, ich sehe ein, dass ich einen Fehler begangen habe dem Wunsch deines Bruders wiederstandslos zu entsprechen. Es war nie meine Absicht die Pflichten meines Amtes zu missachten. Vielmehr war ich der Annahme, dass es ausreichen würde, wenn mein Amtskollege die Geschäfte mit Unterstützung der Magistrate allein zum Ende führen würde. Doch damit lag ich offensichtlich falsch." Seine Worte waren ehrlich, es lag keine Falschheit in ihnen. Witjon hatte seinen Fehler wirklich eingesehen und versuchte dies klarzustellen.
    "Und dieser Eklat..." - er betonte dieses Wort mit einer Mischung aus Skepsis und Unglauben- "Diese Sache ist wesentlicher komplizierter, als der Petronius es darstellen wollte. Wenn ich von 'kindlicher Streiterei' spreche, dann meine ich eben das. Decuriones spielen die beleidigte Räucherwurst und stürmen aufbrausend aus dem Sitzungssaal, werden beleidigend und nehmen an den unwichtigsten Dingen Anstoß. Diese Lage wird noch weniger dadurch gebessert, dass gewisse Männer eine klar germanenfeindliche Linie fahren. Sie wollen uns, die zum Großteil selbst das römische Bürgerrecht inne haben, keinen Anteil an der Verwaltung unserer eigenen Heimat zugestehen. Und das, obwohl das Imperium uns doch unglaubliche Verbesserungen gebracht hat, wozu eben auch eine hervorragende Organisation der Städte und Provinzen zählt, an der sich die Einheimischen mit gutem Recht beteiligen." Seine Meinung zu diesem Thema hielt er vorerst zurück. Die konnte sich der Legat wohl selbst ausmalen.
    "Allerdings sehe ich auch in diesem Punkt ein, dass ich den Diskussionen im Ordo wohlweislich mehr Freiraum hätte lassen müssen. Es tut mir aufrichtig leid, dass du jetzt in dieses Durcheinander hineingezogen wirst." So. Seine Rechtfertigung und gleichzeitige Entschuldigung war ausgesprochen. Jetzt war er bereit, den Kopf abgerissen zu bekommen...

    "Kein Wunder, dass viele Römer so blass sind," scherzte Witjon, um die Stimmung etwas aufzulockern und nicht zu sehr in bedrückende Themen wie Gefangenschaft oder die verstorbene Mutter zu rutschen. Auf ihre Frage antwortete er wie folgt: "Kommt ganz auf die Frau an." Ein Blöder Kommentar, natürlich. Aber er neckte sie ja nur ein wenig und mit einem Schmunzeln fuhr er fort. "Die Frau vom Land verlässt ihr Dorf für gewöhnlich höchstens einmal im Leben. Und das ist der Fall, wenn sie einen Mann aus einem anderen Dorf zum Gemahl nimmt und in sein Haus einzieht. Aber die Germanen, die im Imperium leben sind zum Teil anders gestrickt. Natürlich gibt es hier auch viele Dörfer, die nach den selben Regeln leben wie jenseits des Rhenus. Aber in den Civitates sieht es oft anders aus. Da haben besonders germanische Frauen viel mehr Freiheiten als die Römerinnen."


    Witjon stimmte es zufrieden, dass die Aussicht seiner Zukünftigen wohl zu gefallen schien. Er deutete auf die Rhenusbrücke, die linker Hand lag. "Dort siehst du die große Steinbrücke, die den Dreh- und Angelpunkt des Handels in dieser Gegend darstellt. Sie ist im Umkreis von etlichen Meilen die einzige Möglichkeit den reißenden Fluss zu überqueren." Der junge Duccier mochte den Anblick dieser Brücke. Sie war eins der vielen in Stein gehauenen Beweise für das architektonische Können der römischen Baumeister und symbolisierte zugleich die Verbindung zwischen Germania Superior und Germania Libera.

    Er nickte. "Gut, dann führe ich dich im Laufe des Tages mal herum und stelle dich auch vor. Du sollst ja nicht als Fremde in diesem Haus wohnen." Die Worte, die seine Mutter betrafen, erzeugten dann allerdings den ihm bereits wohl bekannten Kloß im Hals. Er wusste, dass er seine Sippe vor der Hochzeit völlig unzureichend informiert hatte und schämte sich deswegen nicht unwesentlich. Ihm wurde sofort unbehaglich zumute und runzelte die Stirn. "Öhm...ja...das müssen wir ihnen allerdings erklären. Es war ein fataler Fehler meinerseits, sie nicht richtig darüber aufzuklären. Das müssen wir auf jeden Fall wieder gut machen, sonst hinkt uns die Geschichte noch jahrelang hinterher." Witjon sprach genau das aus, was seine Gattin gedacht hatte. Die nickte ihrerseits zustimmend.


    Dann wusch sich Callista kurz, während Witjon einfach da saß und sie dabei bewunderte. Zwischendurch tauchte er den Kopf unter um seine Haare schonmal nass zu machen und tauchte blubbernd wieder auf, was die Prudentia zum kichern brachte, weil er dabei eine total alberne Grimasse zog. Dann antwortete sie auf seine Frage und er hörte aufmerksam zu. Sie konnte also auf Lateinisch und Griechisch lesen und schreiben. Sie kannte die große Literatur der römischen und griechischen Schriftsteller. Sie konnte Kleider weben, kochen und Kranke pflegen. Ob sie selbst ein Instrument beherrschte, das ließ sie nicht durchblicken. Aber wenigstens wusste Witjon jetzt, dass er dieser Frau nicht nur Schmuck, Kleider und Geschirr schenken konnte, sondern auch Bücher, um sie zu erfreuen.
    Was dann kam, freute ihn umso mehr. Sie konnte einen Haushalt führen, mit Personal umgehen - das Wort 'Sklaven' kam ihm meist ebenso wenig über die Lippen wie Lando - und wusste ihrer beider Kinder zu erziehen. Allerdings, das gab der junge Duccier zu, hatte er erwartet, dass eine Frau aus dem Hause Prudentia diese Dinge beherrschte. Alles andere hätte ihn enttäuscht.


    Callistas Verlegenheit, ausgelöst durch sein Kompliment, brachte Witjon zum Grinsen. Er fand es einfach so niedlich, wenn sie so schüchtern war und er sie verlegen machte. Deshalb drehte er sich auch bereitwillig um und ließ sich auf ihr Verlangen hin von ihr die Haare waschen. Oder besser gesagt: Den Kopf massieren. Denn genau das tat seine Frau dann. Ein wohliges Gefühl breitete sich auf seiner Kopfhaut aus, während ihre Finger kleine kreisförmige Bewegungen beschrieben. Er entspannte sich zusehends und kommentiere ihr plötzliches Gestottere zunächst nur mit einem genüsslichen Brummeln.


    Und dann hörte er etwas, das ihn aus seiner Entspannung riss. Er drehte sich abrupt um und runzelte verwundert die Stirn. "Hmwas?" Er musste erst einmal selbst ihren Satz in Gedanken wiederholen, so sehr hatte sie am Ende genuschelt. Dennoch glaubte er alles richtig verstanden zu haben. "Ist es bei römischen Müttern etwa nicht normal, die Kinder zu stillen?" Er schaute seine Gattin verblüfft an. Sie schaffte es doch immer wieder, ihn zu überrumpeln. Aber mit einem Blick auf ihre Oberweite verstand er warum Römerinnen das wohl taten. "Aha. Lass mich raten. Sie lassen die bereits erwähnten Ammen stillen, um ihre Brüste hart und wohlgeformt zu bewahren?!" Witjon fand diese Idee gar nicht so abwegig. Aber irgendwie war es doch befremdend, dass diese Mütter ihre eigenen Kinder nicht stillen wollten. Nur um der Schönheit Willen? Welch Grausamkeit. Wobei, wenn er so darüber nachdachte...wieso nicht bis ins hohe Alter noch eine knackige Ehefrau genießen dürfen? Sollte er sein Vergnügen etwa der Ernährung seiner Brut hintenan stellen? Beinahe tief in Gedanken versunken zog Witjon eine Augenbraue nach oben, während die andere nach unten wanderte. Dann nahm seine Mimik milde Züge an. "Nah, das Stillen wird dir erlaubt sein. Keine Bange." Und mit gespieltem und einer Spur echtem Bedauern fügte er noch hinzu: "Schade nur um deine Straffen Brüste..." Ein Grinsen konnte er sich letztendlich aber doch nicht verkneifen. (:D)

    Witjon schmunzelte schief zurück. Seine Frau fand es offenbar amüsant wie er sich in diesem Wasser für sie quälte. Natürlich würde er keinen Schmerzenslaut von sich geben! Während sie sich wusch, schaffte er es bald den ganzen Oberkörper ins Becken zu legen, ohne vor Hitze einen Schock zu bekommen. Ab da konnte er es dann auch genießen und lehnte sich entspannt zurück. Lässig wandte er sich dann der Prudentia zu. "Dann wird wohl eine kleine Hausführung vonnöten sein, damit du dich demnächst hier nicht ständig verläufst," scherzte er wohlgelaunt. "Es freut mich, dass du dich hier auf Anhieb wohl fühst. Ich möchte mein Weib nicht in eine unglückliche Ehe zwingen. Aber ich glaube wir können alles andere als unglücklich miteinander sein, nicht wahr?" Seine Worte waren offen und ehrlich. So war er und so würde er ihr gegenüber immer sein. Er schenkte Callista ein aufmunterndes Lächeln und gab ihr einen Kuss. Dann stellte er eine Frage, die Witjon schon seit Längerem auf der Zunge brannte. "Sag mal, was lernt eine junge Frau eigentlich, wenn sie nach römischer Tradition erzogen wird? Ich meine...unsere Frauen lernen Kochen, Waschen, Nähen, oft auch Dinge wie Heilkunde oder womöglich sogar Töpfern und Flechten." Er schaute seine Frau nun erwartungsvoll und ahnungslos zugleich an. Er wollte sich nicht blamieren und sie beleidigen, wenn er sie fragte ob sie denn auch Handwerkerarbeiten - wie eben etwa Flechten oder Töpfern - beherrschte, wollte sie aber auch nicht als nutzloses Anhängsel abstempeln, das man nur zum schön aussehen und Eindruck schinden auf Anlässe oder Feiern mitnahm und das ansonsten zur Befriedigung der fleischlichen Gelüste des Mannes und die Erhaltung der Nachkommenschaft zuständig war.
    Etwas unsicher beobachtete er also die Mimik seiner schönen Prudentia, deren rotes Haar jetzt nass wurde und an ihrem Körper klebte, was Witjon gefiel. Es gefiel ihm ebenso gut, wie wenn ihr Haar vor Schweiß an ihrem Körper klebte, der vor lauter Anstrengung durch ihre nächtlichen Aktivitäten ausgelöst wurde. Generell stand Witjon auf diesen Rotschopf und freute sich wie ein kleiner Junge, dass er so eine schöne Römerin zur Frau gegeben bekam. Ebenso stellte er erneut fest, dass Callistas Augen zum Stauen schön waren und einen wunderbaren Glanz aufwiesen, der den Duccier dazu brachte verträumt zu starren. "Hatte ich dir schon einmal gesagt wie wunderschön du eigentlich bist?" fragte er daher begeistert. Seine Hand wanderte auf ihren Oberschenkel und wollte so seine Zuneigung stärker ausdrücken.

    Als seine Frau sich ihrer Kleider entledigt hatte, brachte Witjon erstmal kein Wort heraus. Er hatte sie bisher immer nur im Dunkeln oder im Zwielicht nackt gesehen genoss jetzt den Anblick ihres wohlgeformten Körpers bei vollem Tageslicht. Callista kam näher zu ihm und prüfte ebenfalls die Wassertemperatur, dann stieg sie in das Becken und machte es sich bequem. Witjon tat es ihr gleich, auch wenn das Wasser ihm eigentlich noch viel zu heiß war. Während er also seeehr langsam ins Becken rutschte, nahm er das Gespräch wieder auf. "Und, wie gefällt dir dein neues Zuhause? Ich hoffe es entspricht in etwa deinen Erwartungen."

    Endlich war es soweit. Die Statue, die der Ordo Decurionum zu Ehren des verstorbenen Imperators aufstellen wollte, war endlich aus den Lagern der Curia hervorgeholt worden. Nun stand sie, verhüllt durch ein großes Tuch, vor der Curia, umringt von Schaulustigen. Die Decuriones versammelten sich langsam. Witjon und sein Amtskollege waren ebenfalls anwesend. Es fehlten noch einige hohe Persönlichkeiten, darunter zählte auch der neue Statthalter, der sich bei dieser Gelegenheit dem Volk vorstellen wollte. Lässig sah Witjon sich um und wartete.

    Den Wortwechsel der beiden Römer beobachtete Witjon zurückhaltend. Der Petronius schaffte es ganz von selbst, sich den Unwillen des Vinicius aufzuhalsen. Innerlich grinste er über beide Ohren, nach außen hin zeigte seine Miene keine Regung. Zuletzt stand der Legat auf, was auch Witjon sofort dazu bewegte sich zu erheben - Respekt und Höflichkeit geboten das so - nur um daraufhin wieder zu bleiben aufgefordert zu werden. So setzte er sich wieder und wartete ab was da wohl käme in der Hoffnung es sei nicht allzu unangenehm für ihn.

    [Am Tag nach der Vermählung]


    ...Vom Hauptstall kommend, wo Witjon seiner frisch angeheirateten Prudentia seine Morgengabe in Form eines wohlerzogenen Reittiers aus dem Gestüt der Hros Duccia übergeben hatte, betraten Mann und Frau das Balneum.
    Das Balneum war ein einziger Raum in dessen Mitte ein Wasserbecken lag, dessen Rand an die Wand grenzte, wo ein Wassereinlauf lag. Dort brauchte man nur eine Klappe zu öffnen und schon strömte kühles Nass hervor, das direkt aus den Reservoirs der Stadt stammte, welche ihren Vorrat über das hiesige Aquädukt bezogen. An der dem Zulauf gegenüberliegenden Wand befand sich eine in die Wand eingelassene schlichte Steinbank. In einer Ecke lagen auf einem Absatz ein Stapel Leinentücher zum abtrocknen und daneben einige wenige Tinkturen und Seifen bereit. Die Wände des Balneums waren mit Malereien verziert, die Szenen aus der Natur zeigten. Hauptsächlich war dort Wald zu sehen; auf einer Lichtung erkannte man einen Teich, in dem verschiedene Vögel und Kleintier abgebildet waren. Alles in Allem ergänzte sich die Ansicht mit der Aussicht, die man genießen durfte, wenn man durch das einzige - recht große - Fenster im Raum hinaus in den Garten sah.


    Witjon schaute seine Frau an und lächelte. Er schloß die Tür hinter ihnen und deutete auf ein paar Eimer erhitzten Wassers, die an der Seite ebenfalls bereitstanden. "Sveija war schon fleißig heute morgen, während alle anderen noch ihren Rausch ausschlafen." Er nehm einen Eimer und füllte seine Ladung ins das Becken, dass es zischte. Nachdem alle Eimer geleert waren, zog er sich sein Hemd über den Kopf und streifte auch die Hose von seinen Beinen. So stand er vor seiner Frau wie die Götter ihn geschaffen hatten und prüfte mit den Zehen die Wassertemperatur. "Ein bisschen zu heiß, was meinst du?" Fragend sah er Callista an.

    "Allerdings haben wir das." Ihre Überraschung ließ ihn schmunzeln. "Erwarte aber nicht zu viel. Der Platz reicht gerade für ein Becken, das höchstens zwei Personen Raum zum baden bietet und etwas mehr Platz für darüber hinausgehende Hygiene. Sveija hat bereits gestern den Auftrag erhalten, das Badewasser aufzuheizen. Wir haben nämlich keine Beheizung im Boden wie in den Thermen, die die römischen Baumeister sogar in Mogontiacum errichtet haben." Manchmal bedauerte er diesen Umstand, doch wenn es nach Lando ginge hätten sie nicht einmal das Balneum bauen lassen.
    Callistas folgende Frage hatte Witjon bereits erwartet. Er nickte. "Genau, wir werden zusammen baden. Bei uns Germanen ist das gerade üblich. Für dich werden wir allerdings dahingehend die Ausnahme machen, dass nur ich mit dir zusammen bade. Für gewöhnlich ist das in der kompletten Familie kein Problem, aber da du aus anderen Verhältnissen stammst..." Er zwinkerte ihr aufmunternd zu, während sie durch die Gartentür ins Innere der Casa traten.
    Auf dem Weg zum Balneum, das im Erdgeschoss lag, beantwortete Witjon seiner Frau dann noch ihre letzte Frage. "Du kannst mich beschenken wann immer du möchtest. Auch wenn du das durch deine blpße Anwesenheit bereits zur Genüge tust." Langsam fand er Gefallen daran seine Gattin mit Komplimenten in Verlegenheit zu bringen. Denn das gelang ihm für gewöhnlich immer! Und dann standen sie auch schon vor der Tür zum Balneum, deren Klinke Witjon herunterdrückte und dann gemächlich eintrat...

    Witjon bemerkte sofort, dass die Entspannung wieder dieser für Callista typischen Verkrampfung wich, die anzeigte, dass sie Angst hatte etwas falsch zu machen. Er hatte nun schon einige Male beobachtet wie sie lockerer wude, wenn sie beide allein waren, doch wenn andere Menschen hinzukamen versuchte Callista direkt wieder die makellose Dame abzugeben. Witjon seufzte verhalten. Daran würde er noch arbeiten müssen. Er sah wie sich ihre Laune plötzlich verschlechterte und legte seinen Arm um ihre Schulter um sie sanft zum Haus umzudrehen. "Versprochen, schön langsam. Aber ich schlage vor das können wir gleich beim Essen noch näher bereden. Du hast doch sicher Hunger?" Und weil ihm in diesem Moment der leichte Pelz auf seinen Schneidezähnen auffiel ergänzte er: "Selbstverständlich nachdem ich dir das Balneum gezeigt habe und wir uns ausführlich gewaschen haben. Wenn dir das so recht ist..."

    Brix zog geräuschvoll Nasenschnodder hoch und rotzte dann einen großen, gelben Klumpen auf den Boden. "Hrmpf. Ein bisschen Hilfe könnt' ich schon gebrauchen." Er sah von Witjon zu Rodrik und wieder zurück. "Alles klar, der Junge kann bei mir arbeiten. Mal sehen was man mit dir so anfangen kann. Vielleicht bist du ja lernfähig." Er schnalzte mit der Zunge und packte Rodriks Schulter mit seiner wuchtigen Pranke. "Na dann wollen wir mal..." Witjon grinste nur breit, klopfte seinem Vetter ermutigend auf die Schulter und verabschiedete sich mit einem fröhlichen "frohes Schaffen!" Brix hatte sich schon umgedreht und führte den lernwilligen Duccier in seine Werkstatt um ihm alles zu zeigen.