Ragin nickte er knapp zu. Er würde seine Hilfe hoffentlich nicht brauchen, aber sicher war sicher. Das Theater an der Tür wurde Witjon allerdings zu viel. An diesen Markolf gerichtet sagte er in scharfem Ton: "Hör zu Mann! Wenn Lando nicht hier ist, bin ich sein Stellvertreter! Also entweder du sprichst mit mir, oder du machst dich davon und gehst mir nicht weiter auf die Nerven!" Den anderen Kerl, der Arbeit suchte, ließ Witjon hierbei außen vor.
Beiträge von Numerius Duccius Marsus
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"Dass die Diskussionen abgebrochen wurden lag allerdings nicht am Thema, sondern vielmehr am Gehabe einiger Decuriones. Ich sehe nicht wieso ich eine Diskussion leiten soll, die einer kindlichen Streiterei eher anmutet als einem Disput unter erwachsenen Männern!" Der Wutausbruch des Legaten hatte ihn zwar überrascht, aber nicht aus dem Konzept gebracht. Crispus' Gejaule allerdings ließ ihn jedoch langsam die Geduld verlieren. "Überdies berichtet der Petronius nicht die Wahrheit, Vinicius," fuhr Witjon an den Statthalter gerichtet fort. "Es war nicht 'der Duumvir', der entschied. Es waren 'die Duumviri', nämlich mein Amtskollege Bellutus und ich. Das Kollegialitätsprinzip wurde ganz im Gegenteil weder missachtet, noch ignoriert. In einem Punkt gebe ich Petronius Crispus jedoch Recht. Es gibt kein festgeschriebenes Gesetz, das die Kompetenzen des Ordo Decurionum Mogontiaci regelt. Die Curia Provincialis verabschiedete vor geraumer Zeit zwar ein Gesetz, das den Städten einen Spielraum im gewissen Rahmen ermöglichte, doch wurde dies bisher nicht genutzt. Ich sehe es daher nicht als meine Pflicht an, mich als Duumvir an Dinge zu halten, die mir vom Ordo angetragen werden. Der Ordo Decurionum ist nicht gleichzusetzen mit der Verwaltung der Stadt. Sehe ich das richtig, mein Legat?" Jetzt erst merkte Witjon wie er sich ereifert hatte. Hoffentlich nahm sein Vorgesetzter ihm das nicht direkt krumm. Aber so wie dieser gerade erst reagiert hatte, konnte er ihm wohl keinen Strick daraus drehen.
Sim-Off: Obiges Gesetz findet ihr hier
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Witjon zog amüsiert die rechte Augenbraue nach oben. Seine Frau klang ja hellauf begeistert. Hatte er etwa einen Latrinengriff gemacht? Er schaute zu Leif, der nur die Achseln zuckte. "Ganz ehrlich: Ich habe keinen blassen Schimmer was ihr Name zu bedeuten hat." Er grinste leicht. Er wusste nicht einmal, was der Name seines eigenen Pferdes bedeutete. "Ich finde wir sollten heute Nachmittag eine kleine Runde ausreiten. Du sagtest ja du wärst schon des öfteren geritten, auf einem Pony? Dann solltest du ja keine allzu großen Probleme haben." Vor seinem Auge erschienen bereits idyllische Bilder. Witjon stellte sich vor wie er mit seiner Frau die Routen nutzen würde, die er in seiner Zeit hier in Mogontiacum erkundet hatte. Da gab es wunderbare Plätze auf Wiesen, in Wäldern, an Bächen und Seen, in den Feldern und hunderte urige Dörfer und Weiler in der Umgebung der Civitas, die allesamt sehenswert waren. Und Witjon wollte all das gern mit Callista teilen. Hoffentlich würde sie gefallen daran finden die Gegend zu erforschen und mit ihm zusammen seine Heimat nicht nur aus Büchern, sondern nunmehr aus eigener Erfahrung kennen zu lernen. Denn der junge Duccier wusste, dass ihr Bild von Germanien noch so verschwommen und falsch war wie die Sicht eines Neugeborenen. Es gab hier wesentlich mehr, als wilde Barbaren und römerunwürdige Siedlungen. Vielmehr hatten die linksrheinischen Stämme über die Jahrzehnte eine Mischkultur entwickelt, die viele römische Züge hatte und gleichzeitig keltische sowie germanische Einflüsse vereinte. Natürlich verstand Witjon, dass er seine Frau nicht sofort ins kalte Wasser stoßen durfte, denn der Kulturschock war sicherlich groß und seine Frau würde schon genug Probleme haben sich an die Casa Duccia zu gewöhnen. Dennoch wollte er ihre Eingewöhnung auf mehreren Schienen laufen lassen und dazu gehörte eben auch das Land und seine Leute auf weiter Flur zu erkunden. So viel zum Zweck seines Geschenks. (:D)
Er trat zu Callista heran und legte seine Hände um ihre Hüfte. Witjon drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und hakte dann nach, denn er befürchtete dass seiner Frau das Geschenk nicht gefiel. "Gefällt sie dir nicht?" -
"Wie du wünschst. Überraschungsbesuche sind doch immer eine Freude." Er grinste leicht, nahm die Tabula wieder an sich und begab sich schon zur Tür seines Officiums, die mittlerweile meist einfach offen stand. Um den Dienstweg des Anklopfen-Hereinbeten-Eintreten-Rituals zu entledigen, das Witjon langsam aber sich auf den Keks ging.
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"Natürlich werden in Zukunft weder der Legat noch der Magister Officiorum solch eine..." - er wollte nicht 'fehlerhafte' sagen, immerhin war Lucianus der Bruder des Legaten - "...ungeschickte Entscheidung treffen." Wie auch? Vinicius Hungaricus schien ein weitsichtiger Mann zu sein, der nicht über die Verwaltungsstruktur hinweg entschied und Witjon selbst würde nicht ohne nachzuhaken Dinge absegnen. Und mit fest auf Crispus gerichteten Blick fügte er noch hinzu: "Außerdem möchte ich hier noch hinzufügen, besonders für dich Petronius, dass ich sogar noch offiziell von meinem Amtsvorgänger eingewiesen wurde und die Amtsübergabe beurkundet wurde. Mich selbst trifft an diesem Dilemma offensichtlich keine Schuld." Hadrianus Iustus war immerhin dessen Komplize und mitverantwortlich für das Chaos, das Crispus hier jetzt bemängelte. "Das war's dann auch schon von meiner Seite. Ich bin froh, dass dieser Misstand behoben werden konnte und freue mich darauf, nach Ende meiner Amtszeit in der Curia wieder ganztäglich den Posten des Magister Officiorums bekleiden zu dürfen, Vinicius." Diesen letzten Satz hatte Witjon dezent mit Hohn unterfüttert, der ganz klar dem Petronius gelten sollte. Verfluchte römische Erbsenzähler!
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"Schwer zu sagen. Mogontiacum ist mir mittlerweile zur zweiten Heimat geworden und ich lebe gerne hier. Nach Brogilus zieht es mich im nur noch, weil meine Familie dort lebt. Ansonsten hat dieses Kaff nur noch ein paar schöne Erinnerungen für mich übrig. Meine Zukunft allerdings liegt hier." Die Straße wurde etwas abschüssig, man konnte bereits den Rhenus sehen, auf dessen Wellen gemächlich eine beladene Barkasse vorbeiglitt. "So selten bist du aus dem Haus gegangen? Klingt für mich schwer nach Gefangenschaft." Verständnisvoll fügte er noch hinzu: "Auch wenn deine Mutter schwer krank war. Aber ich würde in einem Haus ohne den täglichen Ausgang verenden wie ein Tier in einem Käfig." Klang das jetzt zu sehr nach dem Vorurteil über den germanischen Freiheitswillen? Nein, Witjon fand das schon ganz richtig was er da sagte. Endlich waren sie nun am Kai angekommen. Der Rhenus plätscherte ruhig vor sich hin, während rechts von ihnen der Handelshafen in regem Betrieb lag. Witjon schaute nach Osten, wo die Weiden am Ufer lagen, begrenzt von Wäldern und kleinen Gehöften. "Ist das nicht ein wunderbarer Anblick?" Ob es in Italien wohl auch so saftig grüne Landschaft gab wie hier?
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"Du meinst, ich würde vom Amt des Duumvirs zurücktreten?" Darüber musste Witjon erst einmal nachdenken. Sonderlich gut sah die ganze Geschichte nicht für ihn aus. Allerdings wollte er auch nicht recht einsehen, dass er einen Nachteil aus dem Handeln des ehemaligen Legaten ziehen sollte. "Na, ich denke es ist wohl das günstigste, wenn ich die Amtszeit dann doch zu Ende bringe." Er warf einen flüchtigen Seitenblick auf den Petronius. Der Kerl wollte ihm hier gerade die Beine brechen, aber das würde so schnell nicht klappen. Besser noch: Crispus hatte dafür gesorgt, dass Witjon noch weiterhin Duumvir sein konnte, was ganz sicher nicht in dessen Sinn gewesen sein konnte. UND Witjon würde später wieder normal in das Amt des Magister Officiorum einsteigen können. Innerlich grinste der junge Duccier breit, nach außen hin gab er sich stoisch. "Ich bleibe also Duumvir bis die Wahlen vorüber sind und steige dann wieder nahtlos ins Amt des Magister Officiorum ein. Klingt nach einer vernünftigen Lösung."
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"Oh, nun...ich dachte mir einfach, dass die Reise per Schiff wesentlich schneller vonstatten ginge. Rhenusabwärts mit der Strömung eben. Aber wenn du den Landweg bevorzugst, nehmen wir eben die ganze Strecke per Reisewagen." Der Vinicius schien ja nicht gerade begeistert von Schiffen zu sein. Eine weitere Lektion gelernt.
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Knuddeliger Kampfhund? Mensch, der Kerl hatte ja Nerven! "Na, ob der so knuddelig ist, wenn er sich in deinem Bein verbissen hat...wie dem auch sei. Ich bin Numerius Duccius Marsus. Ich werde mit euch anstelle von Lando sprechen. Der ist nämlich noch in der Regia beschäftigt." An Sontje und Ragin gerichtet befahl er: "Los, rein mit euch!" Er ging an den beiden Fremden vorüber und postierte sich in der Tür. Er würde diese beiden Typen sicherlich nicht sofort hereinlassen. "Also, du heißt Valgiso und suchst Arbeit. Und du, was führt dich hierher? Wer bist du und von welcher Art ist dein Anliegen?"
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Ad:
Tiberius Prudentius Balbus
Casa Prudentia
Roma | ItaliaSei mir gegrüßt Balbus,
ich möchte dir zuvorderst noch einmal herzlich danken für deine Mühen meine Vermählung mit Callista zu unterstützen und vorzubereiten. Dein Wirken hat wesentlich zum Erfolg dieser Verbindung und zum Erfolg der Zeremonie und des Festes an sich beigetragen. Trotz einiger Ungereimtheiten konnte die Ehe vollzogen werden und ich kann mich glücklich schätzen solch eine begehrenswerte und liebliche Prudentia zur Gattin erhalten zu haben. Mein Dank geht natürlich ebenso an deine Gemahlin, die besonders Callista Mut gemacht hat und ohne die die Heirat auch nur halb so erfolgreich gewesen wäre.
Ich möchte dir sagen, dass Callista und ich sehr glücklich miteinander sind. Meine Frau hat sich hier bereits sehr gut eingelebt und kommt auch schon mit unserer Sprache sehr gut zurecht. Sie macht große Fortschritte. Doch damit wir nicht nur durch rituelle Prozesse als Mann und Frau vereinigt sind, sondern auch nach römischem Recht als vermählt gelten, übersende ich dir hiermit wie besprochen auch die Vollmacht unsere Ehe beim Register in Rom eintragen zu lassen.
Schöne Grüße lassen übrigens Lando und seine Gattin ausrichten, ebenso mein Vetter Verus. So wollen auch Callista und ich mit bestem Gruße verbleiben.
Til ars ok frisar
PRUDENTIA CALLISTA
et
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Numerius Duccius Marsus
Casa Duccia - Mogontiacum - Germania Sup.[Blockierte Grafik: http://www.kulueke.net/pics/ir/wappenduccia/siegelgruen.png]
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UrkundeIch, Prudentia Callista, bestätige hiermit meine Einwilligung in die am ANTE DIEM IV NON AUG DCCCLIX A.U.C. (2.8.2009/106 n.Chr.) vollzogene Schließung der Vermählung von Numerius Duccius Marsus mit meiner Person.
Ich befähige zudem Tiberius Prudentius Balbus dazu, die Vermählung in meinem Namen eintragen zu lassen.
PRUDENTIA CALLISTA- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
UrkundeIch, Numerius Duccius Marsus, bestätige hiermit meine Einwilligung in die am ANTE DIEM IV NON AUG DCCCLIX A.U.C. (2.8.2009/106 n.Chr.) vollzogene Schließung der Vermählung von Prudentia Callista mit meiner Person.
Ich befähige zudem Tiberius Prudentius Balbus dazu, die Vermählung in meinem Namen eintragen zu lassen.
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Numerius Duccius Marsus
Casa Duccia - Mogontiacum - Germania Sup.[Blockierte Grafik: http://www.kulueke.net/pics/ir/wappenduccia/siegelgruen.png]
Sim-Off: Wertkarte der Duccii bitte
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"Nicht doch. Ich bin im Oppidum Brogilus* geboren. Das ist zwischen Bonna und der Colonia Agrippinensium gelegen. Ein beschaulicher Ort, recht ländlich. Dort leben hauptsächlich Ubier und das Leben verläuft noch in den traditionellen germanischen Bahnen. Erst später bin ich hierher gezogen. Da muss ich achtzehn Winter gezählt haben, ist noch nicht so lange her. Und seitdem wohne ich hier in der Casa Duccia, arbeite für die Freya Mercurioque und für die Verwaltung und trage zum Wohl der Sippe bei." Sie wichen einem Karren voller Fässer und Kisten aus was Witjon daraufhin die Gelegenheit zur Gegenfrage bot. "Jetzt habe ich schon einiges von Germanien erzählt. Wie ist es denn da wo du herkommst? Ich habe zwar schon einiges gelesen, aber über Mantua weiß ich praktisch nichts."
*Oppidum Brogilus=Brühl
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Leif kam wenige Augenblicke später zurück aus dem Zwielicht des Stalls. Man hörte das Stapfen seiner Stiefel, doch er war nicht allein. Vier Hufe klapperten über den strohbedeckten Boden und ein Schnauben war ebenfalls zu hören. Witjon grinste seine Frau breit an und drückte ihre Hand herzlich. "Callista, darf ich vorstellen: Das ist die Stute Sirwing. Sie ist meine Morgengabe an dich und gehört von nun an dir." Er deutete mit der freien Hand auf den Lichtfuchs, der nun von Leif ins Freie geführt wurde.
[Blockierte Grafik: http://farm4.static.flickr.com/3084/2606932365_1f5d8cea19_s.jpg]Sirwing
Sirwing ist fünf Jahre alt, gemütlich und ruhig und ist ein sehr diszipliniertes Tier. Perfekt für Callista, die sicherlich keine allzu große Erfahrung im Reiten besaß. Erwartungsvoll schaute Witjon sie an und war gespannt auf ihre Reaktion.
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Witjon hatte Callista zum Hauptstall geführt, wo Leif bereits auf sie wartete. "Moin Leif! Na, die Feierei gut überstanden?"
[Blockierte Grafik: http://farm2.static.flickr.com/1093/804561443_03fb01d2a3_t.jpg] Leif:
"Tach Witjon. Prudentia Callista." Er hob zum Gruß seinen Zeigefinger an die Stirn und deutete dann mit dem Daumen über seinen Rücken hinweg zum Hauptstall. "Ist alles vorbereitet, wie gewünscht. Soll ich sie rausholen?" Witjon nickte nur und wandte sich dann seiner Frau zu. "Callista, ich möchte dich mit deiner neuen Freundin bekannt machen. Ihr Name ist Sirwing. Sie zählt fünf Winter. Ich bin mir sicher ihr werdet euch blendend verstehen..." -
"Oh!" Jetzt erst fiel Witjon auf, dass Callista ja eine Kette aus seiner eigenen Werkstatt am Hals trug. Wie peinlich! Beschämt schaute er zu Boden und druckste ein wenig herum. "Ich hatte gar nicht gesehen...du trägst ja die Kette...schöne Arbeit...passt zu deinen...ähm..." Er grinste verlegen. "Passt gut zu deinen braunen Augen." Oder so. Hatte Witjon etwa Ahnung? Naja, getrau dem Grundsatz: Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit. (:D)
Gut, dass Callista dann jedoch eine ganz andere Frage stellte, die Witjon erst leicht verwirrte, dann zum Schmunzeln brachte. "Ich bin gebürtiger Ubier, das ist richtig. Unterschiede? Na, ich kann dir viel mehr die Gemeinsamkeiten dieser drei Stämme aufzählen. Sie sind allesamt Verbündete des Imperiums, dienen als Puffer zwischen Limes und den feindseligen Stämmen und stehen dafür allerdings auch unter dem Schutz der Legionen. Sie unterscheiden sich hauptsächlich durch differenzierte politische Ansichten, ihre Dialekte - die allerdings alle gegenseitig verständlich sind - und durch ihre Zahl. Die Ubier sind zum Beispiel in der C.C.A.A. aufgegangen, nachdem sie von der rechten auf die linke Rhenusseite umgesiedelt wurden. Sie haben sich in der ganzen Umgebung angesiedelt und machen einen Großteil der dortigen Bevölkerung aus. Die Mattiaker sind dafür viel ländlicher und traditioneller orientiert. Sie haben noch ihre Adelsgeschlechter, die den Stamm anführen und über die Dörfer herrschen. Sie haben nur wenige Städte, eine davon ist die Aquae Mattiacorum nordöstlich von hier. Sie sind jedoch sehr wissbegierig und übernehmen viele Neuerungen von den römischen Ingenieuren, besonders in der Landwirtschaft und der Schmiedekunst.
Über die Nemeter kann ich nicht so viel berichten. Sie leben südöstlich von hier, ebenfalls hauptsächlich jenseits des Rhenus, jedoch auch südlich des Moenus. Sie leben also noch innerhalb der römischen Grenze und sind eher wie die Ubier in der römischen Regierungsstruktur integriert. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie - wie viele Stämme auch westlich von hier - noch immer ihre Richs, also ihre Stammesführer, anerkennen und die alten Stammesstrukturen weiterhin bestehen bleiben."
Das alles erzählte er, während sie über die breite Via Praetoria schlenderten, die mitten durch Mogontiacum verlief. Dort konnten sie allerlei Volk beobachten. Kaufleute, die ihre Waren zum Forum schafften. Handwerker, die in ihren Tabernae allerlei Alltagsgegenstände herstellten. Bäcker, Garküchen, Schankstuben. Bettler lungerten am Wegesrand, Jugendbanden verplemperten ihre Zeit mit Katzenjagd, Huren boten ihren Körper feil. Vom Hafen her wehte ein Hauch von Fisch, Abfällen, Urin und Trunkenheit herbei, denn um diese Zeit gab es bereits Menschen, die ihren Lohn für Bier verprassten. Die große Straße war halbwegs gepflegt, der Müll war nur geringfügig in der Gosse angesammelt. Zum Glück hatten die Römer ein System von Bürgersteigen, Abflüssen und Fußgängerüberwegen erfunden, das sogar in der Provinz zumindest die großen Viae und die Füße der Bürger sauberhielt. -
"Waschen können wir uns später. Ich zeige dir nachher ausgiebig das Balneum, keine Panik. Aber es ist der Tag nach der Hochzeit und soweit ich weiß steht dir nach alter Tradition eine Morgengabe zu." Er grinste leicht, war ja auch egal wenn dem nicht so wäre. Er hatte schon alles vorbereitet und würde sich jetzt auch nicht mehr von seinem Vorhaben abbringen lassen. "Wirst du schon sehen!" erwiderte er einfach auf ihre Frage und nahm sie bei der Hand um sie mit leichtem Nachdruck aus dem Zimmer zu führen. Es ging über die Treppe nach unten und schnurstracks hinaus in den Garten. Vorbei an Hochzeitsgästen, die auf dem Büffet übernachtet hatten - zu denen auch Witjons bester Freund Ortwini gehörte - und an etlichen leeren Krügen, Fässern und Essgeschirr ging es hinaus auf die große Wiese hinter dem Haus, die durch einen Zaun getrennt an die Hros Ducciae anschloss. Und dort steuerte Witjon seine Frau hin...
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"Meine Glückwünsche ihr beiden.." fügte auch Witjon hinzu. Er nahm lauthals den Becher Met entgegen und stürzte ihn hinunter. Zum einen, weil er auf Elfledas Schwangerschaft trank. Zum anderen, weil seine eigene Frau noch immer nicht schwanger war, was ihm zunehmend Kopfschmerzen bereitete.
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"Danke..." war Witjons einziger Kommentar zu allem. Dass er ein prächtiger Schatz war und dass er lieb war und dass sie ihn nicht teilen mochte. Und dass er gut roch. Witjon wurde nun seinerseits rot und grinste verlegen. Er beschränkte sich weiterhin auf Streicheln und Lächeln. So lagen sie eine Zeit lang still da und tauschten verliebte Blicke aus, bis Witjon nicht mehr warten konnte. "Ich möchte dir etwas zeigen. Zieh dir schnell etwas über, wir gehen raus auf den Hof." Von plötzlicher Aktivität ergriffen stand Witjon auf, half seiner Frau aus dem Bett und küsste sie noch einmal. Dann sammelte er ein paar Klamotten vom Boden auf, so dass er wenig später eine einfache Hose, ein schlichtes Hemd und ein Paar Schuhe am Leib trug. Geduldig wartete er auf Callista, der er eine Tunika hinhielt, die für sein Vorhaben völlig ausreichte.
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"Warum denn nicht? Es gibt viele Römer, die aus Italien in den Norden versetzt werden, meist Soldaten und hohe Offiziere, die irgendwelche Dienste absolvieren müssen. Die kaufen dann in Rom bereits passende Kleidung um hier nicht zu erfrieren. Wird es in Rom denn auch so kalt? Ich dachte die Läner im Süden seien so extrem heiß. Dort muss die Sonne viel näher an Midgard sein, als hier bei uns."
Callistas Frage ließ ihn schmunzeln. Er erlebte es so häufig, dass zugereiste Römer keinerlei Ahnung über die Verhältnisse in dieser Region hatten. Gehörte so etwas nicht auch zur Bildung, die man in Rom erhielt? Oder lehrte man Frauen so etwas nicht? Aber diese Fragen behielt er lieber für sich, statt dessen beantwortete er die ihm gestellte.
"Oh, da irrst du. Es gibt viele Stämme jenseits des Rhenus, die im römischen Reich Handel treiben. Da sind zum einen die direkten Verbündeten Roms. Das wären zum Beispiel die Mattiaker oder die Nemeter. Und dann gibt es unter den vielen anderen Stämmen auch etliche einzelne Händler, die ihre Waren hier feilbieten. Zum Beispiel kommen Männer aus dem hohen Norden von einem Meer, das Mare Suebicum* genannt wird. Von dort bringen sie den so begehrten Bernstein, der auch in meinen Goldschmieden verarbeitet wird."*Mare Suebicum=Suebenmeer (heute Ostsee)
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Witjon schaute nachdenklich zur Decke. "Ich glaube man merkt, dass man verliebt ist, wenn...nunja. Also, andere Frauen denen schaut man vielleicht begierig hinterher, oder man bekommt lustvolle Gedanken. Aber wenn man verliebt ist, dann ist das ganz anders. Dann schaut man seine Frau an, als hätte man den prächtigsten Schatz der Welt gefunden. Dann hat man etwas gefunden, was niemand anderes so sieht und was man mit niemand anderem so teilen will. Wenn man verliebt ist, dann vertraut man dieser Person blindlinks, dann erfüllt man ihr jeden Wunsch, dann will man sie beschützen und behüten können und ihr alles geben, was man ihr geben kann. Und wenn sich diese Verliebtheit in innigste Liebe wandelt, dann hat man ewiges Glück gefunden." Er sah seiner Frau noch einmal in die Augen. "Die Götter müssen mich lieben, dass sie mir solch eine wunderschöne junge Frau geschenkt haben, die ich lieben und beschützen kann und der ich vertrauen kann. Ich muss der glücklichste Mann auf Erden sein." Er lächelte breit und doch mit einer Spur tiefsten Ernstes in seinen Zügen, während er sanft durch Callistas rotbronzenes Haar streichelte und spürte wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Zuletzt fügte er noch hinzu - denn er wollte ja auch auf die Worte seiner Frau eingehen: "Und ja, wir sind jetzt offiziell Mann und Frau. Selbst ohne Frühstück."
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Witjon musste grinsen. "Der Hafen ist verschludert, weil es regelmäßig Überschwemmungen gibt, weil dort der ganze Dreck der Stadt zusammenfließt und weil dort teilweise das übelste Gesindel herumlungert. Hast du noch nie einen Hafen gesehen?" Natürlich übertrieb er maßlos. Im Hafen lag ein Teil der Classis vor Anker, außerdem waren dort neben Gaunern und Halunken auch Stadtwächter, Seeleute und ehrliche Kaufleute unterwegs. Er ging gemütlich los. "Komm, wir schauen uns das mal aus der Nähe an." Nach seiner Erzählung würde Vodafonis von dieser Idee ganz gewiss nicht begeistert sein, aber das war Witjon egal. Während sie also an den Marktständen auf dem Forum vorbeischlenderten, klärte er seine Zukünftige weiter auf. "Du musst wissen, dass Mogontiacum eines der wichtigsten Handelszentren am Limes ist. Hier treffen sich viele große Handelswege Germaniens. Zum einen haben wir die Rhenusbrücke, die es den Stämmen östlich von hier ermöglicht, ihre Waren in die römische Provinz zu bringen. Aber auch der Rhenus selbst ist eine äußerst wichtige und blühende Handelsstraße. Täglich landen hier etliche Schiffe und Barkassen und löschen ihre Ladung, die dann in die Lagerhäuser verfrachtet wird. Von dort nimmt sie ihre Reise nach Westen auf, nach Belgica, Gallien, oder gar Hispania. Und nach Rom wird natürlich auch viel verschifft, von Bernstein bis Pelze ist alles dabei." Hoffentlich interessierte Callista das überhaupt. Er wollte sie ja nicht langweilen mit seinem Geschwätz über Wirtschaft.