"Strauwas???" Verdutzt beobachtete der frisch Vermählte Duccier seine Braut, die ihm dann ein Stück Brot mit (RIESEN-) Ei und 'der roten Soße da' hinhielt. Er nahm es, beäugte es skeptisch, roch daran, schluckte kurz und biss dann todesmutig hinein. Mit erst nachdenklichem Blick kaute Witjon auf dem Eibrot mit der scharfen Soße, während sich der Geschmack in seinem Mund entfaltete. Und plötzlich wurde es scharf. Schärfer als Witjon es gewöhnt war. Huch. Er schluckte, doch die Schärfe blieb. Callista bedachte er mit teils anerkennendem, teils erstauntem Blick, bevor er zu seinem Bier griff und versuchte das Feuer auf seiner Zunge zu löschen. Germanisches Essen war für römische Verhältnisse ziemlich fad. Auch wenn Witjon gelgentlich römische Gerichte auf Empfängen oder in den wenigen komplett römischen Garküchen zu sich nahm, so scharf hatte er noch nicht gegessen. "Hui! Das ist scharf..." Er schürzte die Lippen, biss nochmal ab und fügte noch hinzu: "Farf, aber wirklif gut, hmhm." Er schluckte und grinste dann wieder. "Isst man so etwas in Rom häufig?" Hoffentlich klang das jetzt nicht zu hinterwäldlerisch...
Beiträge von Numerius Duccius Marsus
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Witjon hatte ja schon einige Essen bei Honoratioren römischer Herkunft erlebt und auch beim ehemaligen Statthalter Vinicius Lucianus gab es gelegentlich Festessen, doch er befürchtete für diesen Abend das schlimmste. Allein der erste Gang bestand einzig und allein aus Eiern! Zum Glück fand das Mahl unter freiem Himmel statt und Balbus hatte auf Clinen verzichtet, die Witjons Meinung nach die Verdauung störten - er aß lieber im Sitzen. An seinem Platz angekommen betrachtete Witjon erst einmal die unterschiedlichen Eisorten und versuchte dann von allem etwas zu probieren. Bei allen Wald- und Wiesengnomen, waren das viele Eier! Witjon hatte sich Bier geben lassen, von dem er nun einen Schluck trank und dann Callista angrinste. "So viele Eier...ich bin auf die anderen Gänge gespannt. Verrückte römische Küche." Er grinste noch ein Stück breiter über seinen Scherz, küsste Callista auf die Wange und lachte dann lauthals über Ortwini, der versuchte drei Eier verschiedenster Größen auf einmal in den Mund zu bekommen. Für einige Augenblicke waren alle Ängste und Sorgen über den weiteren reibungslosen Ablauf der Hochzeit vergessen und Witjon ließ seiner guten Laune einfach freien Lauf.
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Zitat
Original von Prudentia Callista
[...]
"Das schwöre ich, Prudentia Callista, unter Zeugnis der Götter, der Ahnen und der um uns versammelten Menschen, ich liebe Dich und es gibt auf der ganzen Welt keinen Mann, den ich lieber heiraten würde, Witjon."
[...]Callista schwor ihren Schwur und Witjon bebte innerlich vor Glück. Mit einem Mal wurde ihm wirklich bewusst, dass er in diesem Moment diese unglaubliche Römerin zur Frau genommen hatte. Wie in Zeitlupe bewegten seine Finger sich zum Schleier, hoben diesen an und warfen ihn mit geschickt nach hinten. Callista, die strahlte wie der hellste Stern des Nachthimmels, bezauberte Witjon für einen ewigwährenden Augenblick, dann schlossen sich seine Hände um ihre Taille und seine Lippen suchten und fanden die ihren. Einer flüchtigen Berührung, die die Lippen kribbeln ließ, folgte ein leidenschaftlicher Kuss. Witjon schloss die Augen und genoss dieses Erlebnis, das sich in sein Gedächtnis brennen würde. Callistas Lippen waren weich und hatten einen merkwürdig unbestimmbaren Geschmack an sich, was vermutlich mit dem Gesichtsverschönerungsdingens zusammenhing, das Römer sich aufzutragen pflegten. Langsam meldeten sich die Stimmen in Witjons Kopf zurück und schrien, dass es Zeit wäre von der Schönheit abzulassen und etwaige Glückwünsche entgegenzunehmen. Daher zog er seinen Kopf zurück, öffnete die Augen und lächelte seine Frau breit an.
"Willkommen in meiner Sippe, meine schöne Frau."ZitatOriginal von Aelia Vespa und Tiberius Prudentius Balbus
[...]
Er umarmte seine Nichte und drückte sie fest an sich, so als wollte er möglichst viel von ihr für sich behalten, auch wenn er sie hergeben musste. Auch den jungen Bräutigam umarmte er freundschaftlich und sagte dabei relativ leise: "Willkommen in der Familie, mein Junge."
Dann trat er einen halben Schritt zurück, um auch Vespa gratulieren zu lassen.
[...]Auch Witjon legte ein Lächeln an den Tag, das locker den Rhenus hätte überspannen können. Er hielt Callista im Arm, als Balbus und Vespa ihnen gratulierten. Dem jungen Duccier fiel auf, dass Balbus ihn mit seinem germanischen Namen ansprach, was ihn erst überraschte, dann jedoch das Lächeln noch verbreiterte. Wie sehr er sich doch freute! "Habt dank ihr beiden, dankesehr..." brachte er hervor, um dann bereits von den nächsten Gästen überfallen zu werden.
ZitatOriginal von Tiberius Duccius Lando
[...]
"Witjon. Gut gemacht.", gratulierte Lando seinem Schützling knappmöglichst, und nickte der Braut einfach nur aufmunternd zu, weil er nicht die geringste Ahnung hatte, wie man einer römischen Frau gratulierte.
"Willkommen in der Familie."
[...]Typisch Loki... dachte Witjon grinsend bei sich, als er Landos Worte aufnahm. Er wollte vor Stolz platzen und hatte einen monströsen Kloß im Hals stecken, so dass er nur nicken und grinsen konnte. Er schaute seine Braut an, der man das Glück ebenso sehr ansehen konnte und grinste dann Elfleda an, die ebenfalls gratulierte...
ZitatOriginal von Elfleda
[...]
“Callista, lass dich küssen wie eine Schwester.““Und du, Witjon“ hierbei wechselte sie wieder ins germanische, einfach, weil sie in dieser Sprache sicherer war und Callista es ja ohnehin lernen würde. “Ein wirklich schöner Schwur, und eine schöne Zeremonie. Ich wünsche euch, dass euch alles Glück der Welt zuteil werden möge und ihr ein langes und erfülltes Leben miteinander habt. Ich freu mich für euch.“
[...]...und Witjon sogar ein wenig in Verlegenheit brachte. Ein wirklich schöner Schwur...
Nun, er hatte sein Bestes gegeben. Hätte er Landos Gedanken lesen können, er wäre höchstwahrscheinlich erst recht vor Stolz umgekommen, doch so grinste er nur dümmlich vor sich hin, bedankte sich für die Glückwünsche und versuchte den Ansturm weiterer Gratulanten zu überstehen. Immer wieder warf er Callista glückliche Blicke zu, während seine Hand so oft wie möglich die ihre suchte. Urplötzlich konnte er es nicht mehr erwarten, die Hochzeitsnachts mit seiner Frau verbringen zu können, wo sie (nach der Bezeugung der Vollziehung der Ehe) endlich zusammen allein sein konnten.[Blockierte Grafik: http://www.kulueke.net/pics/ir/germanen/germane24.jpg]
Ortwini, Sohn des Siguhelm:
Als nächstes kam der Kaufmann Siguhelm mit seinem Sohn Ortwini herangetreten. Sie hatten sich offenbar zwischen seine Familie gedrängt, was hauptsächlich Ortwini zuzurechnen war. "Bei Wodan, endlich hat's dich erwischt!" lachte der Saufkumpan und umarmte Witjon überschwänglich. Der arme Bräutigam konnte nur vor sich hin glucksen und die Umarmung erwidern, dann stellte er seine Braut vor, der Ortwini ebenfalls gratulierte, was ihm wesentlich souveräner gelang als Lando. (:P)
"Alles Gute euch beiden!" rief er und erklärte Callista dann mit etwas gedämpfter Stimmte: "Pass mir gut auf den Jungen auf." Er zwinkerte ihr zu und verschwand dann wieder in der Menge, mit dem Versprechen später noch ein oder zwei oder drölf Bier mit dem Bräutigam zu trinken... -
"So sei es," antwortete auch Witjon auf Landos Tischgebet. Er schnappte sich Brot und Käse und stopfte sich dann erst einmal Oliven in den Mund, ähnlich wie Alrik, nur nicht ganz so gierig. Und dann verschluckte er sich beinahe an einer Olive. Silko wollte sie also verlassen? Witjon schaute den großen Nubier erschrocken an. Er verstand seine Beweggründe, dennoch machte es ihn traurig, dass der Hüne gehen wollte. Und dann kündigte Arbjon auch noch sein Fortgehen an. Alrik sprach einen Trinkspruch auf Silko, der Witjon zum guten Freund geworden war. Der junge Duccier hob seinen Becher und stimmte in den Trinkspruch ein. "Alles Gute, mein schwarzer Freund." Er zwang sich zu einem Lächeln, das ziemlich schief wurde. Plötzlich schien sein Appetit verflogen zu sein.
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Auch Callista sprach ihr Gebet und brachte das von ihr erwartete Opfer da. Ein weiteres Mal atmete Witjon erleichtert auf, als auch dieses Opfer angenommen wurde. Es blieb nicht viel Zeit zu verschnaufen, denn schon trat Aelia Vespa an das Brautpaar heran und nahm ihrer beider Hände. Nun standen Witjon und Callista sich gegenüber. Ein schüchternes Lächeln huschte über das Gesicht des Bräutigams. Er musterte den Schleier, während Vespa sie beide aufforderte, sich gegenseitig die Treue zu schwören.
Eine gegenseitige Einverständniserklärung der beiden Sippen war nicht mehr erforderlich, war dies nach römischem Brauch schon durch die Verlobung recht formlos erledigt worden. Dafür hatte Witjon sich ein ausführlicheres Treueversprechen zurechtgelegt, das den römischen Gästen womöglich befremdlich vorkäme. Doch das störte ihn nicht.
So schluckte er, holte tief Luft und setzte dann zu sprechen an.
"Hier trete ich vor dich, Callista, mir angetraute aus dem Geschlecht der Prudentier. Ich bin Witjon, Sohn des Evax, aus dem Stamme Wolfriks, vom Volk der Ubier. Ich trete vor dich als Mann von Ehre und spreche zu dir, einer Frau von Anmut und Unbescholtenheit, die von den Göttern gesegnet ist." Er holte kurz Luft und fuhr dann fort."Die Asen und Wanen, die Götter Roms, unsere Ahnen, die auf uns blicken, die guten Geister Midgards und die Nornen, die unsere Geschicke lenken, mögen mit Wohlwollen auf die Verbindung unserer beider Sippen herabblicken. Die Gens Prudentia und die Gens Duccia möge auf ewig ein starkes Band der Freundschaft halten."
Jetzt kam der Moment, in dem Witjon das Ende seiner Freiheit als Junggeselle besiegeln würde. Er hielt einen Moment inne, während Bilder seiner Jugend vor seinem inneren Auge abgespult wurden. Da waren Szenen aus seiner Schulzeit, als sein großer Bruder Arbjon ihn aus brenzligen Situationen retten musste. Dann war da eine Magd, die er unter der alten Weide am Bach geküsst hatte. Das war ein schöner Tag gewesen. Die nächste Szene war eines der Zechgelage, die er mit Ortwini, einem seiner besten Freunde hier in Mogontiacum, abgehalten hatte. Sie waren in der Taberna Silva Nigra gewesen und hatten ein Auge auf die Schankmädchen geworfen, bis der Wirt sie kurz vor Sonnenaufgang auf die Straße geworfen hatte. Witjon konnte sich nur nicht mehr recht erinnern, warum er am nächsten Mittag neben einem Schwein im Stall von Ortwinis Vater aufgewacht war.
Witjon wandte seine volle Aufmerksamkeit wieder seiner Braut zu. Er holte noch einmal tief Luft, drückte ihre Hände liebevoll und vollendete dann sein Treuegelübde."Nun stehe ich hier vor dir, Callista. Unter den Augen der Gemeinde, die hier ist um von dieser Verbindung Zeugnis abzulegen, will ich dir meinen Schwur leisten.
Ich schwöre, dir auf ewig die Treue zu halten. Dir der ehrbare Ehegatte zu sein, der tapfere Beschützer, der Vater deiner Kinder, der Mann, den jede edle Frau sich wünscht und verdient. Ich will bei dir sein bis ans Ende deiner Tage, dich lieben und die Götter mögen dies bezeugen:
Meine Hand soll dich halten in einfachen wie in harten Zeiten, auf dass du nicht allein bist und keine Sorgen und Ängste tragen musst. Kein Unglück soll uns trennen, weder Zeiten des Schmerzes, der Krankheit, des Krieges, selbst im Angesicht des Todes wird mein Herz dir gehören."Er suchte einen Fixpunkt auf dem Schleier seiner Braut, fand keinen und schaute daher einfach auf die Mitte des Tuchs. Sein Blick war ernst und seine Stimme so feierlich wie mit einem Kloß im Hals möglich war. Endspurt.
"So Wodan will, bin ich dir ewig verbunden, dass wir eine untrennbare Einheit bilden mögen.
So Frigg will, soll unsere Liebe ewig während und das Band zwischen uns untrennbar verweben.
So Donar will, werde ich dir immer ein schützender Schild sein und unsere Feinde niederstrecken.
So Freya will, sollen starke Söhne und Töchter die Freude unseres Lebens sein.Dein will ich sein, liebste Callista, auf alle Zeit. Mein Leben will ich mit dir teilen, mein Hab und Gut, meine Freude und mein Glück, meine Stärke und meinen Stolz, sowie auch mein Leid und meine Ängste. Die Nornen mögen uns prüfen mit Hunger und Streit, mit Unglück und Leid. Doch wie die Sonne am Horizont versinkt und zu Tagesanbruch wieder gen Firmament steigt, so möge unsere Liebe sowohl schlechte, als auch gute Zeiten überstehen. Dein will ich sein, Frau meines Herzens, als dein Mann, der dich ewig liebt und ehrt."
Noch einmal drückte Witjon Callistas Hände sanft, dann sprach er aus tiefster Überzeugung:
"Das schwöre ich, Witjon Evaxson, unter Zeugnis der Götter, der Ahnen und der Menschen, die hier mit uns versammelt sind. Dein will ich sein bis in alle Ewigkeit, dich will ich lieben bis mein Atem auf immer versiegt." Die nächsten Worte hauchte er nur noch, so sehr versagte plötzlich seine Stimme. "Ich liebe dich, Callista."Ein riesiger Kloß wurde heruntergeschluckt. Witjon wurde nun gewahr, dass seine Knie gefährlich weich waren und dass sein Herz ihm beinahe aus der Brust springen wollte. Erwartungsvoll und mit leicht kraus gezogener Stirn beobachtete Witjon den Schleier. Vespa hatte er völlig ausgeblendet, sie nahm er nicht mehr wahr. In diesem Moment zählte nur noch seine Braut, mit der er von nun an sein Leben teilen würde.
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Der arme Schäfer erkannte die Ausweglosigkeit seiner Situation. Entweder er willigte in die horrende Forderung des Römers ein, oder es würde böse für seine Familie und ihn enden. Er schluckte seinen Zorn herunter und ließ den Hammer sinken. Den Kopf leicht geneigt sagte er: "Petronius, du weißt dass ich das nicht kann...aber mir bleibt wohl keine andere Wahl, als deine Auflage zu befolgen..." Er warf den Legionsveteranen bitterböse Blicke zu, bevor er wieder den Petronier fixierte. Hoffentlich war er jetzt zufrieden, da er Lars' Familie vermutlich in den Ruin treiben würde und zudem dessen Stolz beinahe gebrochen hatte...
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"Salve Tullia." Er nahm das Dokument dankend entgegen und legte es nach kurzem Überfliegen auf seinen Schreibtisch zur Seite. Das würde er später noch brauchen. "Diese Liste, die im Übrigen gute Arbeit ist, stellt nicht den Grund für dein Kommen da. Ich muss mit dir reden, Tullia. Bitte setz dich. Kann ich dir etwas zu trinken anbieten? Wasser, verdünnten Wein? Bier gar?"
Er ging diese Sache langsam an. Zwar musste er ein ernstes Wort mit seiner Scriba reden, doch er wollte so wenig Ärger wie möglich zu Beginn seiner Amtszeit haben und schaute erst einmal wie die Frau sich ihm gegenüber verhielt. -
Es klopfte an Tullias Tür, dann trat ein Dienstbote der Regia ein. Er grüßte die Scriba Provincialis und erklärte dann: "Der Magister Officiorum Duccius Marsus wünscht dich in seinem Arbeitsraum zu sehen. Du möchtest bitte auch eine Liste der wichtigsten Beamten der Provinz mitbringen, sofern so etwas existiert."
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Witjon hatte es sich in seinem neuen Officium gemütlich gemacht. Die Aktenschränke waren ordentlich von seinem Vorgänger Hadrianus Iustus hinterlassen worden. Der Schreibtisch war fein gearbeitet und wies einige grazile Muster auf, die ein fleißiger Zimmermann vor Jahren bereits gefertigt hatte. Auf dem Tisch waren einige Schreibutensilien ordentlich angeordnet, in den Schubladen fande sich beschreibbare Papyri und Tabulae. Drei Stühle befanden sich im Raum, einer für Witjon, zwei für etwaige Gäste oder Bittsteller. Neben dem Schreibtisch befand sich ein Beistelltisch mit einem Tablett für Wein, Wasser und Dünnbier.
Witjon gefiel seine neue Arbeit. Er hatte ein Heer von Dienstsklaven unter sich stehen, dazu etliche Scribae und Accensi, denen er Arbeit aufdrücken konnte. Einer dieser Sklaven, ein Dienstbote, stand nun in seinem Officium und erwartete Anweisungen. "Richte Tullia Maestrale aus, dass ich sie sprechen möchte." Es gab da noch etwas zu klären. "Ach und sie soll mir diese Liste der wichtigsten Beamten der Provinz mitbringen!" Der Dienstbote nickte demütig und verschwand aus dem Raum.
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Witjon hörte, verstand und nickte. "Nun gut. Wenn es dir recht ist, würde ich mich dann direkt meiner Arbeit widmen...sofern du nicht noch weitere Fragen oder Anmerkungen hast?!" Fragend schaute der Magister Officiorum seinen neuen Arbeitgeber an.
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Verus schaute Witjon erwartungsvoll an. Warum? Er hatte die Sache eingeleitet, ja. Aber es war nun eigentlich zuerst die Sache der anderen Decuriones, ihre Meinung kund zu tun, oder nicht? Witjon entschied sich dennoch, ein paar Worte beizusteuern.
"Zunächst einmal möchte ich richtigstellen, dass nicht ich persönlich den Architekten zur Verfügung gestellt habe. Lysander ist Angestellter unseres Honorators Hadrianus Capitolinus und verrichtet in dessen Namen seine Arbeiten für das Handelskonsortium."
Der junge Duccier hatte Harlifs bösen Blick durchaus wahrgenommen und wollte verhindern, dass böses Blut zwischen den Sippen der Duccier und der Hadriani bald die Beziehungen beeinträchtigte. Witjon nickte Capitolinus zu und fuhr dann fort.
"Duccius Verus, sind deine Kostenangaben verbindlich, oder besteht die Möglichkeit, dass Folgeschäden zu einem späteren Zeitpunkt der Reparaturen entdeckt werden? Ich würde dem Senator Aurelius gern eine gewisse Sicherheit geben. Niemand sagt Geldmittel für Arbeiten zu, von denen er nicht sicher sein kann, dass sie zu seiner Zufriedenheit ausgeführt werden. Was meint ihr, meine Herren Decuriones?"
Witjon sprach absichtlich nun die anderen Mitglieder des Ordos an, denn er wollte sie in die Diskussion einbeziehen. -
Witjon seufzte verhalten, als Iustus ausrastete und aus dem Saal stürmte. Er schüttelte nur den Kopf, zählte daraufhin die Stimmen und verharrte kurz mit überraschtem Blick auf dem Petronius, der Ragin seine Stimme gegeben hatte. Neben Harlifs Enthaltung - die Witjon voll und ganz verstehen konnte - zählte er eine Mehrheit an Zustimmung und verkündete daraufhin:
"Kraft meines Amtes als Vorsitzender des Ordo Decurionum - Witjon betonte diese Worte besonders, da er entgegen der Meinung des Regionarius noch nicht offiziell seinen Rang als Vorsitzender abgegeben hatte; ein neuer Vorsitzender musste erst einmal gewählt werden - ernenne ich hiermit Marcus Duccius Rufus zum Vollmitglied des Ordo Decurionum Mogontiaci! Meinen Glückwunsch." Er nickte dem jungen Mann zu und ließ dann einen Moment der Glückwunschbekundungen zu.Dann griff er die Tagesordnung wieder auf. "Nun gut, kommen wir zum Thema Tempelsanierungen." Er schaute seinen Vetter Duccius Verus an und erklärte: "Duccius Verus, du hast das Wort. Wie steht es um die Arbeiten?"
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Ungläubig starrte Lars den Petronius an. "Es sind nur ein paar Hölzer, die ich erneure! Ein Lamm hingegen kostet mich ein halbes Vermögen. Ein gutes Lamm bringt locker fünfzig römische Münzen auf dem Markt ein!" Der Schäfer meinte damit die Sesterze, die zusammen mit dem As und dem Dupondius häufig Verwendung fand. Nur schwerlich konnte der Germane seine Wut unterdrücken, die ihn zu übermannen drohte. Wie er diesen römischen Hampelmann hasste!
Als die Schlägertypen nun langsam auf Lars zu kamen, wechselte er seine Haltung. Er war auf der Hut und nahm den großen Hammer zur Hand, den er in Reichweite abgestellt hatte, so dass es aussah als stünde er dort noch von der Arbeit. Nun sah er sich drei Fäusten gegenüber, die vermutlich schon darauf brannten, einmal wieder Schläge auszuteilen. Lars war allein, war jedoch mit einem Werkzeug bewaffnet, das in seinen Händen eine gefährliche Waffe darstellte. Seine beiden Söhne stierten die Veteranen an Petronius' Seite erschrocken an, während Gudula einen Schrei unterdrückte.
Lars wollte sich nicht schlagen, sollte es jedoch nicht anders gehen würde er sich zu verteidigen wissen.
Beschwichtigend fuhr er fort: "Ich bin sicher wir finden eine Lösung für dieses Problem..." Seine Worte sollten sicher und beruhigend klingen, stattdessen war seine Stimme rauh und seine Worte hörten sich verächtlich an. -
Ein Glück! Iuno war der Ehe offenbar wohlgesonnen, was Phelan mit seinem Ruf der Festgemeinde bekanntgab. Witjon versuchte sich seine Erleichterung nicht anmerken zu lassen und bekam auch gar nicht mit, dass seinem Vetter nicht ganz wohl in seiner Haut war. Mit vor Schweiß feuchten Händen fuhr Witjon mit der Zeremonie fort. Die Opferhelfer entfernten das tote Schaf, dann wurden zwei Schweine - das eine hell, das andere schwarz - hereingeführt.
Nachdem er bereits Iuno mehr oder weniger bereitwillig geopfert hatte, wandte er sich nun an Götter, die dem jungen Duccier beinahe unbekannt waren. Er hatte bis vor wenigen Wochen keinen blassen Schimmer gehabt, wer Tellus war; und Ceres war auch keine Gottheit, die ausführliche Beachtung in der Gegend erfuhr. So hatte er die folgenden Gebete auch fleißig auswendig gelernt und sagte sie nun so überzeugend wie möglich auf."O Tellus und Ceres,
die ihr die Fruchtbarkeit steigert.
Der einen Segen durchdringt die Erde,
der anderen Wohlwollen formt die Feldfrüchte,
aber auch die Früchte des Leibes.
Vor euch stehe ich, der ich stets die Götter
geachtet und verehrt, eure Festtage geheiligt
und euch Opfer dargebracht habe.Ich bitte euch,
gebt der Ehe mit der mir Gegebenen
euren Segen, gebt acht auf uns und schenkt
uns wohlgenährte und gesunde Kinder und Erben.
Aufdass wir euch dankbar sein und euch preisen
durch unsere guten Gaben."Dann folgte erneut das Opferritual, das Witjon wie schon zuvor meisterte. Beide Schweine bluteten aus und wurden dann von Phelan geprüft. Auch hierbei verkündete er, dass die Opfer angenommen wurden und der Bräutigam entspannte sich wieder etwas. Er warf Callista einen erleichterten Blick zu und versuchte an ihrem Blick zu erkennen, ob sie genauso nervös war wie er. Jetzt war es an ihr, diesen anderen beiden Göttern zu opfern. Pilumnus und Picumnus.
Witjon schenkte Callista ein verhaltenes Lächeln und sah den Opferhelfern dann beim bereinigen des Opferplatzes zu. Nicht mehr lange und er würde diese Frau bei den Händen nehmen und ihr ewige Treue schwören. Urplötzlich wurde Witjon heiß und ganz flau im Magen. Ein Stoßgebet zu Wodan sollte verhindern, dass ihm auch noch schwindlig wurde... -
Reatinus, alles Gute zum Geburtstag! Treibs nicht zu dolle.
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Mich plagt momentan eine absolute Zeitnot, weshalb ich höchstens zu flüchtigem Lesen komme. Ein Graus, ja. Ich hoffe auf Besserung am langen Wochenende...
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Diskussionsrunde schön und gut, aber langsam wurde es Witjon hier zu bunt. Dass man seinen Vetter gerne in der Luft zerrissen sehen würde wie man ihn selbst bereits einmal auseinandergenommen hatte stieß Witjon übel auf und so schlug er mit der Flachen Hand auf den Tisch und stand auf.
"Genug! Hadrianus Iustus, du willst doch nicht etwa behaupten, Duccius Rufus sei ein schlechter Mensch, begründet mit der Tatsache, dass er Hoflieferant ist? Wir sind uns sicherlich einig, dass diese Diskussion sachlich und ohne Beleidigungen vonstatten gehen soll." Er hatte seine Stimme über das Murmeln und Tratschen einiger älterer Decuriones erhoben, klang jedoch nicht gereizt oder verärgert. Vielmehr war sein Ton nüchtern, womöglich mit einer Spur Spott behaftet? "Außerdem ist mir nicht bekannt, dass die Entlassung des Praefectus Portuensis öffentlich bekannt gegeben wurde. Es ist also nicht verwunderlich, dass dies unbemerkt geblieben ist.
Letzten Endes ist dies hier allerdings ohnehin ein Gremium, das seine Mitglieder per Handzeichen bestimmt, nicht aufgrund des Willens (oder Unwillens) eines Einzelnen. Deshalb bitte ich nun die Mitglieder des Ordo zur Wahl zu schreiten, bevor die Töne dieser Diskussion unschöne Formen annehmen." Er strafte den Regionarius mit einem mahnenden Blick und ignorierte den Umstand, dass Harlif noch eine Frage offen stehen hatte. Diese Hadriani strapazierten seine Geduld und Witjon hatte keine Lust schon beim ersten Punkt der Tagesordnung einschläfernde Diskussionen über sich ergehen lassen zu müssen.Auch dieses Mal leitete er die Abstimmung ein. Mit Handzeichen wurde deutlich gemacht wer für Rufus' Aufnahme [
] und wer dagegen [
] war.
Witjon stimmte mit Ja.
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Witjon schaute seinen Bruder überrascht an, als dieser ihn auf ein ziemlich akutes Problem hinwies. "Jetzt wo du's sagst...verdammt ich habe noch gar nicht mit ihr darüber gesprochen. Das sollte ich wohl die Tage unbedingt tun." Er knibbelte an seinen Fingernägeln herum und schaute dann hinaus auf die Stadt. Das würde ja heiter werden. Hoffentlich starb Callista nicht am Kulturschock...
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Witjon war betrunken. Nicht hackestrunzenvoll wie einige seiner Vetter, doch hatte er genug Bier und Met und noch mehr Bier in sich hineingekippt, so dass er schläfrig wurde und nur mit äußerster Konzentration gerade stehen konnte. Doch er ließ sich nichts anmerken, denn die nächsten Minuten würden ein wichtiger Moment für das Brautpaar sein, den Witjon als Zeuge erleben musste und nicht als halbabwesenden Voyeur.
Er hielt sich dicht bei seinem Bruder Arbjon und stellte sich neben ihn ans Fenster. Gespielt interessiert streifte sein Blick die Einrichtung des Raumes und wanderte später hinaus durchs Fenster, wo er die Straßen nach irgendwelchen interessanten Dingen absuchte. Als es im Ehebett jedoch interessanter wurde als auf der Straße, konnte er nicht umhin einige verstohlene Blicke zu riskieren.
Witjon hatte bisher selbst nie bei einer Frau gelegen. Zwar hatte er schon ein paar Mägden den Kopf verdreht und mit zwei von ihnen sogar mehr getan als sich zu küssen. Doch mehr als sich gegenseitig mit den Händen Wonne zu bereiten hatte er bisher nicht gewagt. So schaute Witjon nun wissbegierig bei der Sache zu, die er seine Eltern oft genug bei Nacht und schemenhaft hatte tun sehen (und hören). Auf dem Boden neben ihm würfelten die Jungen aus Rodewinis Sippe, die sich auch nur nebensächlich auf das Brautpaar konzentrierten. Irgendwann hieß es "Hallo Frau" und der junge Ubier musste grinsen. Diesen Augenblick würde er in allzu naher Zukunft auch genießen dürfen und er merkte wie vor Aufregung sein Herz schneller schlug. -
Jetzt geht's los! brüllte eine Stimme in Witjons Kopf. Ein Anflug von Panik überkam ihn, den der junge Duccier jedoch mit etwas Glück unterdrücken konnte. Sein Verstand setzte einen Wimpernschlag lang aus, dann rief Witjon sich die Worte ins Gedächtnis zurück, die er für die folgenden Opfer würde vorbringen müssen.
Seinem Vetter Phelan war der Dank des Bräutigams sicher, denn dieser hatte alle Vorbereitungen getroffen und ihn ausführlich auf das Bevorstehende vorbereitet. Jetzt trat Witjon mit einem kurzen Blick zu Callista zum Altar vor, wo Opferdiener bereits mit einem weißen Schaf auf ihn warteten. Das Tier war jung, gerade erst ausgewachsen, und seine Wolle war flauschig weich. Er hielt inne, bis Stille ins Atrium eingekehrt war, warf Phelan noch einmal einen etwas unsicheren Blick zu, dann hob er die Arme zum Himmel, der über der Öffnung im Dach blau schimmerte. Feierlich und mit fester Stimme sprach er das Gebet, das er mit seinem Vetter einstudiert hatte:"O Iuno, Schutzherrin der Ehe, Wächterin
über die Gemeinschaft von Mann und Weib,
die die Sippe bewahrst und segnest und
die du Treue wahrst unter den Ehegatten.
Hier stehe ich vor dir, der ich stets die Götter
geachtet und verehrt, deine Festtage geheiligt
und dir Opfer dargebracht habe."Als er diese Worte lernen musste, hatte er sich Gedanken über seine Sicht der Götter gemacht und war zum Schluss gekommen, dass man viele römische Götter wohl gleich den germanischen Göttern anbeten konnte wie es bereits viele keltische und germanische Bauern der Umgebung taten. Hierbei sah er in Iuno etwa seine Göttin Frigg, die die Römer wohl nur unter anderem Namen anbeteten. Hoffentlich irrte er sich in dieser Annahme nicht. Witjons Gedanken drohten abzuschweifen und so konzentrierte er sich wieder auf die Zeremonie und fuhr fort.
"Ich bitte dich, segne die Verbindung mit der
mir Gegebenen, schütze uns und schenke
uns gesunde und kräftige Kinder und Erben.
Aufdass wir dir dankbar sein und dich preisen werden
durch gute Gaben."Nun wurde ihm das Opfermesser gereicht, das Witjon über den Rücken des nervösen Tieres gleiten ließ, um des dann einem Opferhelfer zu geben. Es hieß "Agone? - Age!" und Sekunden später klaffte ein tödlicher Spalt im Hals des Schafes. Eine Schüssel fing das hervorquellende Blut auf, bis sie zum Rand gefüllt war, dann ließ man das Opfertier in seinem Todeskampf allein und wartete bis es ausgeblutet war. Phelan trat vor und begutachtete die Vitalia. Witjon hielt den Atem an. Würde die römische Göttin das Opfer eines aus dem Reich stammenden Germanenrömers wie ihm annehmen?