Zorn keimte in Lars auf. Dieser miese Kerl hatte keinerlei Verständnis für seine Lage. "Petronius, dafür fehlt mir das Geld. Ich muss erst meine Wolle los werden, um mir das neue Schaf leisten zu können. Und meine Lämmer sind noch nicht ausgewachsen, so dass sie nicht die Menge an Wolle einbringen, die das gestohlene Schaf erbracht hätte. Meine Söhne arbeiten bereits nach Kräften auf den umliegenden Feldern, wir müssen für unser Überleben schuften! Ich kann erst zur nächsten Schur wieder die ganze Menge liefern..."
Lars wusste nicht mehr weiter. Er hatte schlichtweg nicht die Mittel, um dem Petronius die nötige Wolle zu veräußern und gleichzeitig seine Familie am Leben zu halten. Neben Erkmar und Söncke hatten Lars und seine Frau Gudula noch zwei Töchter und einen Neugeborenen Sohn. Der Winter war zum Glück sehr mild gewesen, so dass sie keinen Hunger hatten leiden müssen. Dennoch war es Lars nicht möglich, ein neues Schaf zu kaufen. Dafür reichte ihr Einkommen einfach nicht, selbst wenn seine Söhne auf den Feldern schufteten und Gudula Flechtkörbe herstellte und Lars noch zusätzlich andere Arbeiten bei wohlhabenden Großgrundbesitzern auf den Höfen durchführte. Er stand immer noch mit verschränkten Armen und breitbeinig da, doch sein nach außen gezeigtes Selbstbewusstsein wies bereits Risse auf.
