Witjon war schon den ganzen Tag lang von einer gewissen Hektik gezeichnet. Er hatte Lando hier und da die Vorbereitung von Kleinigkeiten abgenommen und die Herrichtung des Gartens organisiert, während Lando selbst sich herausputzen ließ. Nachdem nun das Wichtigste in geraden Bahnen verlief und Lando dann auch irgendwann wieder das Ruder in die Hand nahm, verschwand Witjon nach oben, um sich umzuziehen und fertig zu machen. Er war ganz aufgeregt, denn er würde heute zum ersten Mal vor vielen Bekannten zusammen mit seiner Verlobten auftreten und wollte sowohl für sie gut aussehen, als auch einen Souveränen Eindruck auf die Gäste machen. Da ein großer Teil von Rodewinis Sippe, etliche in Mogontiacum anässige Germanen und viele Edelleute der Umgebung eingeladen waren, und die Hochzeit im Allgemeinen nach germanischer Sitte abgehalten werden würde, wählte Witjon für heute eine komplett traditionelle Gewandung.
Er trug ein grünes Leinenhemd, dessen Saum mit einem gelben Muster verziert war, sowie eine dazu passende Hose und die obligatorischen Bundschuhe. Die Hose wurde von einem schlichten Ledergürtel gehalten, dessen Schnalle aus Silber war und einen Wolfskopf zeigte, der in ein Blattmuster verschlungen war. Um unter den ganzen Germanen nicht so herauszustechen hatte Witjon sich außerdem seit einigen Tagen nicht mehr rasiert und trug so einen gepflegten, kurzen Vollbart. Seinen linken Oberarm zierte außerdem ein Bronzener Armreif, der jedoch teilweise vom kurzen Ärmel des Hemdes verdeckt wurde und nicht immer sichtbar war. Gewöhnlich trug er keinen Schmuck - von der unauffälligen Kette mit dem hölzernen Hammer des Donar unter seinem Hemd mal abgesehen - doch wollte Witjon heute besonders gut aussehen und den zerrütteten Eindruck, den er in Rodewinis Dorf gemacht hatte, revidieren.
So trat er in den Garten hinaus und ließ seinen Blick über die versammelten Gäste schweifen. Er erblickte Albin, der hier und dort herumwuselte und seine Helfer herumscheuchte; dort drüben waren auch Lando und Phelan. Unruhig suchte er nach Callista, doch konnte er sie noch nirgends entdecken. Aufmerksamen Blickes stürzte er sich ins Getümmel und begrüßte hier und da einige Bekannte, tauschte kurz Neuigkeiten aus und wurschtelte sich durch die Menge. Irgendwann erblickte er endlich seine Verlobte. Ohne Umschweife ging er mit ausgebreiteten Armen auf sie zu und begrüßte sie herzlich. "Callista, da bist du ja. Herzlich willkommen auf unserem bescheidenen Anwesen!" Er legte seine Hände auf ihre Oberarme und betrachtete die junge Prudentia kurz eingehend. "Du siehst umwerfend aus. Welch eine bezaubernde Verlobte ich doch habe!" Brachte er hervor und war um ein weiteres Mal überglücklich, sie hier zu haben. "Komm, ich führe dich ein wenig herum und stelle dich vor."