Beiträge von Numerius Duccius Marsus

    Heute war es soweit. Witjon würde sich mit Callista vermählen und von da an auf immer mit ihr zusammenleben. Der junge Duccier war völlig nervös, was er jedoch so gut wie möglich zu verstecken versuchte. Den Weg zur Casa Prudentia hatte er gezwungenermaßen ruhig hinter sich gebracht, lieber wäre er gerannt. Nun stand er vor der Porta der Casa und klopfte an. Die Sklavin, die öffnete, musterte Witjon kurz und bat ihn dann freundlich herein. Er hatte sich erneut für eine gemischte Gewandung entschieden. So trug er eine dunkelrote Tunika, die von einem Gürtel mit prächtiger Silberschnalle gehalten wurde. Den linken Oberarm zierte ein Armreif und an seinen Füßen trug Witjon die traditionellen Bundschuhe. Auf die Toga hatte er bewusst verzichtet, sie war ihm nur lästig und behinderte ihn in seinen Bewegungen. Seit Landos Hochzeit hatte Witjon sich einen gepflegten Bart stehen lassen, was angeblich sogar in Rom momentan zur Mode wurde. So betrat er nun die Casa und fand sich in einem bienenstockähnlichen Treiben wieder. Überall wurde gewerkelt und vorbereitet, das Haus erhielt noch einen letzten Schliff bevor die Gäste eintrafen. Witjon hielt inne und schaute sich um. Callista war gewiss noch in ihrem Gemach und wurde hergerichtet, deshalb suchte er nach Prudentius Balbus und hielt auch Ausschau nach dem Augur, der hoffentlich bereits eingetroffen war.

    Witjon hatte Prudentius Balbus entdeckt, und wies Callista auf diesen hin. "Schau wer da neues gekommen ist." Er kannte den Mann nicht persönlich, doch war offensichtlich, dass er ein wohlhabender Römer war und es war schwer zu erraten, welche Gäste noch fehlten und wer dieser demzufolge sein musste. Zusammen mit seiner Verlobten schritt Witjon also zu den Neuankömmlingen, überließ Callista jedoch das Wort.

    Einen Moment lang war Witjon einfach nur in Gedanken versunken. Elfleda entfernte sich und während sie fortging, malte Witjon sich aus wie das Zusammenleben der Familie mit den neuen Frauen sein würde. Hoffentlich würde es keinen Streit geben. Würde es große Verständigungsprobleme geben? Wie würden eigentlich seine Kinder heißen? Für Witjon stand eigentlich fest, dass die Kleinen zuvorderst germanische Namen erhielten, um römische Namen konnte man sich auch später noch kümmern. Immerhin waren diese dann Söhne und Töchter eines ubischen Vaters, der Stolz war auf seine Herkunft. Auch wenn die Kinder römische Bürger sein würden, Witjon wollte ihnen alles beibringen, was die germanische Sitte und Tradition erforderte. Und dann war plötzlich auch Ragin weg, dem Witjon nur wortlos hinterherwinken konnte, bevor er von seiner Verlobten angesprochen wurde. "Hm?" machte er nur und schaute Callista kurz etwa verplant an. "Achso. Nun...wir könnten uns zu anderen Gästen dazugesellen, ich habe dort vorne ein paar Römer entdeckt, die ich ganz gut kenne." Er deutete auf Maecenas, der mit Lando im Gespräch war. "Aber eigentlich ist Lando da momentan beschäftigt. Wir könnten also auch einen Moment der Ruhe für uns genießen." Witjon lächelte und strich dem prudentischen Rotschopf mit seiner freien Hand sanft über die Wange. "Fühlst du dich wohl hier?" fragte er mit etwas gedämpfter Stimme, als er einen Schritt näher an Callista herangetreten war. Er wusste, dass dieses ganze Brimborium und das viele Durcheinander aus Germanen, Römern und ihren Sprachen und Sitten schnell überfordernd sein konnten und wollte seine Verlobte hier nicht völlig überrollt werden lassen. Mittlerweile hatte er sogar ein ganz neues Selbstvertrauen für sich entdeckt, fühlte er sich doch an Callistas Seite irgendwie anders...beinahe ein Stück vollständiger als bisher. Er hatte nun eine Frau an seiner Seite, die er stolz vorstellen konnte und die auf Anhieb einen guten Eindruck bei den anderen hinterließ. Ein merkwürdig wohltuendes Glücksgefühl bemächtigte sich seiner und sein Herzschlag beschleunigte sich. Plötzlich kam ihm der Gedanke, wie Callistas Lippen sich wohl anfühlten und er stellte sich vor, wie er sie küsste. Doch dann wurde er sich der ganzen Gäste hier gewahr und überhaupt war das sicherlich nicht in Ordnung, weshalb er den Gedanken hastig verwarf und auch Vodafonis einen skeptischen Blick zuwarf, bevor er wieder seine Verlobte ansah.

    Sie nahm seine Hand. Ein Kribbeln durchfuhr Witjons Finger und er realisierte, dass er nicht allein war mit seinem Kummer. Er lächelte schwach und schüttelte leicht den Kopf. "Besser tot sein, als versklavt. Hmm ja das klingt sinnig." Er erwiderte ihren Händedruck und fühlte sich mit einem Mal richtig gut. Da war jemand, der für ihn da war. Der von nun an immer an seiner sein würde. Der ihm in jeder Situation eine treue Begleiterin sein würde. "Ich danke dir, Callista." Einen Moment lang sah er sie einfach nur an und sammelte sich. Er wollte hier nicht länger schlechte Laune verbreiten und riss sich am Riemen. "Nun gut, lassen wir das. Ich werde deinem Onkel einen Brief schreiben und ihm berichten was sich zugetragen hat. Punkt. Hier und jetzt möchte ich vielmehr den Tag mit dir verbringen." Witjons Miene hatte sich wieder aufgehellt und die Trauer schien verflogen. Er war jetzt in Gedanken wieder voll bei sich und seiner Verlobten und wollte auch ganz für sie da sein. "Wir sind immerhin hierhergekommen, um dir die Stadt zu zeigen, nicht wahr?" Er lächelte sie jetzt an, während er noch immer ihre Hand hielt und mit der anderen an seinem Becher herumspielte.

    "Soll heißen, dass es im Ordo noch vor gar nicht so langer Zeit noch große Unstimmigkeiten gab. Doch mittlerweile sind die Streitigkeiten seltener geworden und die Sitzungen wieder ruhiger und konstruktiver.
    Als euphorisch kann man die Stimmung der Honoratioren dennoch bezeichnen. Sie sind mit Herz bei der Sache, wenn es um das Wohl der Stadt geht.
    Die Statue soll für den momentanen Kaiser Gaius Ulpius Aelianus Valerianus sein und die Verbundenheit Mogontiacums mit ihm symbolisieren."
    Bei Tyr, warum mussten diese römischen Namen eigentlich so ellenlang sein? (:D)


    Zu den Beziehungen der Stämme untereinander und zu Rom äußerte Witjon sich folgendermaßen: "Nun, da sind zum einen die Verbündeten Roms, namentlich die Nemeter im Osten und die bereits erwähnten Mattiaker im Nordosten. Sie sind Rom gegenüber freundlich und aufgeschlossen und der Handel an diesem Teil des Limes floriert.
    Und dann sind da die Stämme, die seit Jahrzehnten bereits ein sehr schlechtes Verhältnis zu Rom haben: Die Chatten, Usipeter, Sugambrer, Marser und Brukterer als direkte Nachbarn des Reiches. Wobei es momentan so aussieht, als seien die Stämme nach Modoroks Tod noch immer damit beschäftigt, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Die Cherusker und Hermunduren sind zum Beispiel miteinander verfeindet und werden ihr Augenmerk zur Zeit nicht auf Rom richten. Generell kann ich aber behaupten, dass es in Germania Magna durchaus ruhig ist."

    Witjon kramte eine Skizze auf einer Tabula heraus und legte sie dem Legaten vor, während er berichtete. Auf der Wachstafel war in groben Zügen die Küste des Mare Frisicum eingezeichnet. Von Norden nach Süden zog sich dann die Grenze des Reiches quer über die Karte und jenseits dieser Linie hatte Witjon Kürzel für die verschiedenen Stämme eingeritzt, um dem Statthalter deren Lage zu verdeutlichen.

    Witjon hatte das Gefühl sich immer weiter in die Scheiße reinzureiten. Er schluckte und nickte. "Genau. Wir drei und zwei Männer unseres Gesindes. Die Seherin ist eine mächtige Frau jenseits des Rhenus. Sie spricht mit den Göttern, kann die Zukunft vorhersagen und kann in die Geschicke der Stämme eingreifen. Wir mussten ihrem Ruf folge leisten, auch wenn besonders Lando sich dagegen sträubte."


    Callistas nächste Frage wunderte Witjon. Er blickte auf und sah ihr bedauernd in die Augen. "Nein. Ich habe ihn nicht erschlagen. Wir sind vor Erschöpfung nebeneinander zu Boden gegangen und vermochten nicht eine Entscheidung herbeizuführen. Meinetwegen sind Lando und unser Leibwächter Silko verwundet worden und ich habe mir im Kampf auch einiges zugezogen." Er knirschte mit den Zähnen und wollte bereits sagen, weshalb es überhaupt zum Kampf gekommen war, da verblüffte Callista ihn erneut.


    "Wie jetzt? Sie ist doch eine Verwandte von dir! Dein Onkel hat dir doch sicherlich erzählt, er hat uns sogar Briefe geschrieben, dass wir bitte nach ihr suchen sollten und..." Er schluckte. Die letzten Worte waren aus ihm herausgesprudelt und Witjon brauchte einen Moment, um sich zu beruhigen und die Situation vernünftig zu schildern. "Prudentia Aquilia war etwa in deinem Alter. Sie war ebenso schön wie du, was in der Familie liegen muss. Ich habe sie hier in Mogontiacum kennen gelernt und sie als lebensfrohen, aufgeweckten Quergeist wahrgenommen, der nicht viel auf Sitten und Erziehung gab. Als sie dann erfuhr, dass Balbus sie nach Rom holen wollte, um sie zu einer heiratsfähigen Römerin zu machen..." Er räusperte sich, denn seine Stimme war vor lauter Tonlosigkeit unverständlich geworden. "...da verschwand sie einfach. Von den Menschenhändlern erfuhren wir, dass sie allein nach Germania Magna aufgebrochen war und dort in eine Schlucht stürzte, wo sie den Tod fand." Betreten schaute Witjon zur Seite. Es war ihm unangenehm, dass Callista seine Trauer für Aquilia so deutlich sehen konnte, aber er hatte bisher mit niemandem darüber gesprochen und schluckte jetzt seine Gefühle so gut wie möglich herunter. Die Basilika war eindeutig nicht der richtige Ort, um über diese Geschehnisse zu sprechen. "Entschuldige, ich sollte fröhlich sein, dass du endlich hier bist um meine Frau zu werden; statt dessen vermiese ich den Tag mit meiner schlechten Laune..." Witjon schämte sich. Als Mann sollte er keine Schwäche zeigen und erst recht seine Verlobte nicht dadurch verunsichern.

    Genau das hatte er vor. Er würde Callista seine Sprache so zügig wie irgend möglich beibringen, denn ohne Germanisch würde sie in diesem Haushalt ganz ordentliche Probleme bekommen. Witjon lächelte breit, als Elfleda es dann auf Lateinisch versuchte. Als sie jedoch wieder auf Germanisch umschwenkte, übersetzte er bereitwillig an Callista gewandt. "Elfleda freut sich sehr, dich kennen zu lernen und möchte dir sagen, dass dein Kleid sehr schön ist." Dann ging es wieder weiter auf Germanisch, denn Elfledas nächste Frage richtete sich direkt an Witjon. "Bei uns beiden ist es etwas anders als bei Lando und dir, da Callista Römerin ist und deren Sitten sich von unseren auch in den Heiratsriten unterscheiden. Wir sind bereits seit Wochen verlobt, obwohl noch kein Brautlauf stattgefunden hat. Es reichte, ihr und mein Einverständnis einzuholen und das in Rom in ein Schriftstück eintragen zu lassen." Das würde als Erklärung hoffentlich genügen, denn Witjon wollte Elfleda jetzt nicht zwingend das Eheregister erklären müssen und warum es ein solches gab. Er erklärte seiner Verlobten kurz, was Elfleda gefragt hatte und drückte kurz ihre Hand, weil sie immer noch etwas verunsichert schaute. Bevor er ein weiteres Wort sagen konnte, wurde es auf einmal schwarz um ihn. "Aaah, die Stimme kenne ich doch! Ragin, du alter Halunke!" Lachend fuhr er herum und packte den kleinen Pimpf an den Schultern. Moment mal. Kleiner Pimpf? "Mann Ragin, bist du gewachsen. Und kräftig bist du geworden! Und braun!" Der junge Duccier war wirklich beinahe größer geworden als Witjon und hatte in Ägypten Farbe bekommen. Seine Haut war etwas dunkler und seine Haare heller geworden, die er im Übrigen immer noch kurz geschnitten hatte. Witjon umarmte seinen jungen Vetter herzlich und trat dann wieder einen Schritt zurück, um ihn noch einmal zu mustern. Da fiel ihm mit einem Schreck auf, dass er ja Callistas Hand losgelassen hatte. Er nahm sie wieder und stellte sie seinem Vetter vor. "Ragin, dies ist meine Verlobte, Prudentia Callista." Und auf Lateinisch erklärte er dieser dann: "Das ist mein Vetter Duccius Rufus. Er war lange Zeit in Aegyptus und ist nun extra für die Hochzeiten früher zurückgekehrt. Er spricht im übrigen flüssig deine Sprache." Er lächelte Callista wie schon so oft aufmunternd zu und war sich sicher, dass seine Verlobte sich freuen würde, dass sie sich nun auch mit jemandem ohne Dolmetscher unterhalten konnte. Und dann waren da ja auch noch Elfleda und Oda, denen er sich nun zuwandte. "Elfleda, Oda, das ist mein Vetter Ragin. Ragin, dies sind Elfleda, Landos Verlobte und Oda. Sie stammen beide aus Rodewinis Sippe, den du vom Thing damals sicherlich noch kennst."


    Edit: Letzter gesprochener Satz ergänzt.

    Witjon war überglück und unfassbar aufgeregt zugleich. Den ganzen Weg von der Casa Prudentia bis zur Lichtung hatte er kein Wort herausgebracht und seine Miene wechselte von strahlender Freude zu dümmlichen Grinsen und zurück. Die ganze Zeit war er neben seiner Zukünftigen hermarschiert, hatte jedoch den Blick meist starr geradeaus gehalten, aus Furcht diese wichtige Zeremonie irgendwie durch albernes Verhalten zu stören oder gar Frigg zu erzürnen. Nach einem endlos erscheinenden Fußmarsch zum geheiligten Platz im Wald erreichten sie die Lichtung endlich und Witjon und Callista nahmen ihren Platz unweit von Phelan ein. Er wurde ganz ernst, als Phelan die Zeremonie einleitete und bekam weiche Knie - wieder einmal - und begrüßte den fetten Kloß in seinem Hals. Heute Morgen hatte er ein langes Zwiegespräch mit Frigg am Gebetsfelsen geführt, so dass er sich zumindest um ihren Segen keine großen Sorgen mehr machte. Entweder sie hatte ihn nun erhört, oder sie hatte es nicht. Schlimmer war, dass ihm bereits jetzt schon der Schweiß unter seiner schlichten Kleidung zu schaffen machte. Ein nervöser Seitenblick zu seiner Verlobten ließ ihn glückseelig lächeln, bevor er sich voll und ganz auf die Zeremonie konzentrierte und eine ehrfürchtige Miene aufsetzte. Dann trat er Seite an Seite mit Callista nach vorn zu Phelan hin und erwartete seine nächsten Worte.

    Übelkeit stieg in ihm auf. Scheiße Mann, die Frau starrt dich gerade an und erwartet eine Antwort! Sag was! *tock-tock* Der kleine Mann in Witjons Kopf lief Sturm, um die Hirnstränge des jungen Ducciers vor Aufregung nicht durchschmoren zu lassen. "Ähm...also....arghl!" Witjon knirschte mit den Zähnen und musste einsehen, dass er nicht umhin konnte, Callista von den Vorkommnissen im freien Germanien zu berichten. So schwer ihm das auch fiel, er musste mit ihr darüber reden, denn sie würden bald Eheleute sein und als solche durften sie sich nichts verschweigen!
    "Ich...wir...also Lando, Verus, ich und zwei unserer Angestellten...waren vor kurzem in Germania Magna. Wir wurden von einer Godin...ähm...also einer Seherin dorthin gerufen und hatten keine andere Wahl als Folge zu leisten. Außerdem haben wir die Gelegenheit genutzt, deine Verwandte Prudentia...Aquilia zu suchen. Nunja und auf dem Weg zu dieser Frau gab es...einige...Konflikte. Mit Menschenhändlern. Deshalb habe ich auch Teiwaz' Hilfe benötigt, er hat mich lebendig aus einem Duell hervorgehen lassen." Er schluckte laut hörbar und schaute Callista schuldbewusst und verlegen zugleich an. Im Laufe seiner Erzählung war er immer kleinlauter geworden und nach kurzem Räuspern fügte er nun nur noch hinzu: "Wir sind alle wieder wohlbehalten hergekommen...nur deine Verwandte nicht..." Seine Stimme versagte ihm kurz und er schaute traurig in seinen Becher, der beinahe leer war. Verflucht nochmal, so hatte er sich ihre erste Begegnung aber nicht vorgestellt. Callista musste ihn für einen absoluten Schwachkopf halten!

    "Richtig, der war ich. Nun, also: Momentan ist alles ruhig. Der Winter war recht mild und es gab keine Hungersnöte. Die Geschäfte florieren und die kürzliche Renovierung der Rhenusbrücke hat dem keinen Abbruch getan. Weitere Bauprojekte sind am Pflaster des Forum, den Thermenbecken und einigen Straßen der Umgebung durchgeführt worden. Außerdem werden einige Tempel derzeit saniert und das Theatrum soll ebenfalls einer Reparatur unterzogen werden. Soviel zu den Bautätigkeiten.


    Die Stimmung im Ordo Decurionum ist ebenfalls momentan recht gemäßigt im Vergleich zu früheren Zeiten. Die Honoratioren der Stadt haben beschlossen, eine Statue für den Kaiser aufstellen zu lassen, was wohl in Kürze auch geschehen wird.


    Was gibt es sonst zu berichten? Nunja, Mogontiacum ist eben trotz allem eine vergleichsweise kleine Provinzstadt. Viel passiert hier nicht und wenn doch, so steht es in der Acta Diurna.
    So zum Beispiel der Verbindung meiner Sippe mit den Mattiakern, die Roms wichtigsten Verbündeten in dieser Gegend darstellen. Sie siedeln östlich von hier diesseits und jenseits des Limes und bilden eine Art...Puffer zwischen den Chatten, Cheruskern und Sugambrern und dem Imperium."


    Nach dem recht allgemein gehaltenen Bericht machte Witjon eine kurze Pause, um dem Legaten die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen oder Kommentare einfließen zu lassen.

    Witjon entdeckte die Braut und ihre Begleiterin und steuerte direkt auf diese zu. Kurz bevor er mit Callista dort angekommen war, erklärte er ihr leise: "Die Rothaarige dort vorne ist Elfleda, Landos Verlobte. Und mit ihr ist Oda hier, ihre Brautfrau. Sie sprechen beide nicht sonderlich gut Latein, deshalb werde ich versuchen so gut wie möglich für dich zu übersetzen." Er zwinkerte seiner Verlobten noch einmal aufmunternd zu und begrüßte dann mit einem breiten Lächeln die beiden Edeldamen auf Germanisch. "Heilsa meine Damen. Elfleda, Oda." Er nickte den beiden respektvoll zu und deutete dann auf Callista. "Darf ich euch meine Verlobte Prudentia Callista vorstellen?" Noch immer hielt er ihre Hand und versuchte ihr Mut zu machen. "Sie spricht leider nicht unsere Sprache, weshalb ich nach Kräften versuchen werde zu übersetzen." Er war sich nicht sicher, wie gut Elfleda wirklich Latein sprach und bot deshalb direkt seine Sprachkenntnisse an, ohne dabei beleidigen zu wollen. Jetzt war er auf die Rekationen der drei Frauen gespannt.

    "Moment...ich bin mir nicht sicher, ob das so funktioniert. Ich weiß sehr wohl, dass der Ordo des Ehemannes auf seine Gattin übertragen wird, aber ob das andersherum genauso gehandhabt wird? Da bin ich mir nicht sicher. Aber es stimmt, dass in diesem Falle meine Chancen auf einen Platz im Senat steigen würden. Die Frage ist nur, ob ich das möchte und ob es sich momentan überhaupt lohnt, sich darüber Gedanken zu machen." Er schaute Callista in die Augen und hielt seinen Becher fest umklammert. "Momentan gebe ich mich mit meiner neuen Arbeit zufrieden und konzentriere mich lieber auf meine Sippe. Und da steht momentan die Heirat einer schönen Frau im Vordergrund." Er lächelte verlegen und blickte dann auf die Tischplatte, die plötzlich besonders interessant geworden war. An das Thema Politik dachte er nun nicht mehr im geringsten und hatte auch nicht wirklich vor, das jetzt weiter auszubreiten. Er würde Callista vermutlich eh nur damit langweilen und das wollte er nicht. Deshalb ging er vielmehr genauer auf das Thema Religion ein.


    "Iuno ist also vergleichbar mit der Göttin Frigg. Sie wird besonders bei Verbindungen zweier Menschen und von den Müttern angerufen. Ihr Name bedeutet soviel wie "Ehefrau"." Wie Lando bereits auf seiner Verlobung stellte Witjon in eben diesem Moment fest, dass er Frigg bisher keine allzu große Beachtung in seinem Leben geschenkt hatte, was ihn urplötzlich mit einer gewissen Unruhe erfüllte. Er schluckte die Nervosität herunter und sandte ein Stoßgebet sowohl zu Frigg, als auch zu Freya, der Göttin der Fruchtbarkeit und der Liebenden. "Ich muss gestehen, dass ich mich bisher hauptsächlich den Göttern Wodan, Donar und Teiwaz gewidmet habe. Ähm...ein Vergleich mit deinen Göttern kann wohl nicht schaden?" Das war mehr eine Feststellung, als eine Frage und so fuhr Witjon einfach mit einer allgemeinen Erklärung fort. "Also: Wodan ist der einäugige Göttervater, dessen Raben Hugin und Munin ihm alle Geschehnisse auf der Welt berichten. Er ist glaube ich ähnlich eurem Iuppe..Iuppiter? Dann wäre da Donar, der für die Fruchtbarkeit der Felder sorgt und dessen Hammer die regenbringenden Gewitter losschlägt. Er ist besonders unter den Bauern, also in Germania Magna praktisch unter allen Germanen, einer der wichtigsten Götter. Nunja und Teiwaz bin ich persönlich auch großen Dank schuldig. Er ist der Kriegsgott unserer Stämme und wird von allen Männern um seinen Segen angerufen, die in den Kampf ziehen müssen. Er hat mir Kraft geschenkt, als ich...äh..." Verdammt! Zu spät bemerkte Witjon, dass er sich verhaspelt hatte und von der Reise nach Magna zu erzählen begann, obwohl er das doch noch gar nicht hatte tun wollen. Was nun? Weiterreden, als wäre nichts gewesen? "...als wir nach Germania Magna gereist sind. Also...vor einigen Wochen. Und...so..." Seine Hände wurden plötzlich feucht und der Kloß kehrte zurück in seinen Hals. Jetzt saß er entweder in der Klemme, kam in Erklärungsnot, oder musste schlichtweg die Wahrheit sagen und das Donnerwetter ertragen. Verdammte Axt!

    "Wo du Recht hast, hast du wohl Recht," bemerkte Witjon sinnvollerweise. "Ich kann wohl behaupten, einen nicht unwichtigen Dienst für die Provinz zu leisten und sollte deshalb Persönliches hintan stellen." Ihre nächste Frage überraschte Witjon aufrichtig. Darüber hatte er sich bisher noch gar keine Gedanken gemacht. "Statthalter? Ich? Wo denkst du hin?" Witjon musste lachen. Er lachte Callista nicht aus, ganz im Gegenteil. Er war völlig überrascht und fand die Vorstellung einfach zu komisch, einmal selbst eine ganze Provinz regieren zu können. "Nein tut mir leid, da muss ich dich wohl enttäuschen. Ich bin doch nicht einmal Eques. Um Legat zu werden muss man Senator sein und das werde ich wohl nicht in diesem Leben." Wo nahmen Frauen nur immer solche lustigen Vorstellungen her? Mit entschuldigender Miene und nachdem er sich etwas beruhigt hatte sagte er dann: "Entschuldige, ich wollte mich nicht über dich lustig machen. Aber die Vorstellung mich an der Spitze einer ganzen Provinz zu sehen war einfach zu komisch. Ich glaube ich werde dir noch so einiges über Politik beibringen müssen, was meinst du? Würde dich das interessieren?" Er lächelte jetzt wieder aufmunternd und nestelte ein wenig an seinem Metbecher herum, der eigentlich viel zu schlicht aus Holz geschnitzt war, um daran herumzunesteln.


    "Also...Iuno ist doch..." Witjon musste angestrengt nachdenken, um auf das Äquivalent der germanischen Mythologie zu kommen. Soll heißen, er hatte keine Ahnung, was für eine Göttin diese Iuno war und mit welcher germanischen Gottheit er sie vergleichen konnte. "...ähm...die Muttergöttin oder so ähnlich? Verzeih mir, jetzt glänze ich mit Unwissenheit." Verlegen nestelte er noch mehr an dem vermaledeiten Metbecher herum und trank dann nochmal einen Schluck. Entschuldigend schaute er die Prudentia an und räusperte sich. Da hatte er ihr eben noch großspurig angeboten, ihr Politik zu erklären und offenbarte jetzt, dass er von römischen Göttern keinerlei Ahnung hatte. So ein Mist aber auch!

    Er schenkte Callista ein aufmunterndes Lächeln und ließ ihrer Sklavin einen Moment Zeit, den Lippenstift wiederherzustellen. Auch wenn Witjon das für etwas übertrieben hielt, beeindruckte es ihn mit wie viel Eifer Callista allein bei mit ihrem Aussehen beschäftigt war. Sie wollte ganz offensichtlich einen besonders guten Eindruck auf seine Sippe machen, was ihr in Witjons Augen bisher gelungen war. "Es ist doch selbstverständlich, dass ich der Vermählung meines Vetters in Begleitung meiner Verlobten beiwohne." Und auf ihre Frage antwortete er so überzeugend und mutig klingend wie möglich: "Japp. Genau das habe ich vor. Nur Mut, es wird dir niemand den Kopf abreißen." Dann streckte er seine rechte Hand nach ihrer Linken aus und berührte ganz sachte ihre Fingerspitzen, um sich wieder zurück ins Getümmel zu stürzen.

    Das war sein Stichwort! Witjon schreckte aus Gedanken hoch und trat eilig vor. "Das wäre dann wohl Meinewenigkeit. Numerius Duccius Marsus ist mein Name, ich stehe dir mit Rat und Tat zur Verfügung." Er deutete auf eine Ansammlung von Männern in prächtigen Gewändern, die allesamt wichtigtuerische Mienen aufgesetzt hatten. Er stellte die Männer als Comites von Germania Inferior, Belgica und Raetia vor. Als letzter der Regiovorsteher trat Caecilius Metellus vor, den Witjon ebenfalls vorstellte. Dann kamen die Procuratoren und Praefecti an die Reihe, zu denen auch Duccius Lando als Praefectus Vehiculorum zählte. Hadrianus Iustus, seines Zeichens Regionarius der Provinz und gerade frisch ins Amt eingeführt, war daraufhin an der Reihe. Jeder der Männer hieß den Legaten willkommen und versichte ihm seine Freude, dass der Senator das Amt des Statthalters übernehmen würde. Dann stellte Witjon noch einige weniger wichtige Ämter vor, mit denen der Legatus aber womöglich dennoch zu tun bekommen könnte. Dazu zählte zum Beispiel Purgitius Maecenas als Magister Scriniorum und die Aquarii und Agrimensores, die er jedoch nur flüchtig vorstellte und nicht nach vorne bat. Zuletzt fügte er seiner Vorstellung noch hinzu: "Außerdem möchte ich dich als Noch-Vorsitzender des Ordo Decurionum Mogontiaci im Namen der Civitas begrüßen und in Mogontiacum willkommen heißen und dich auch gleich zur nächsten Sitzung des Ordos herzlich einladen."


    Sim-Off:

    Der Einfachheit halber und weil so viele NSCs vorkommen, habe ich meine Vorstellung sehr allgemein gehalten. Wenn die einzelnen Persönlichkeiten selbst noch einige Worte an den Statthalter richten möchten, können sie das gerne tun. :)

    "Wenn ich das so sagen darf, ich hatte bisher ohnehin geglaubt, dass Politik keine Sache einer wohlerzogenen Römerin ist...zumindest machen die Weiber der hiesigen römischen Bürger oftmals einen solchen Eindruck, denn sie tun nichts anderes als Einkaufen und Klatsch und Tratsch austauschen." Er hob skeptisch eine Augenbraue und ging dann auf ihre Frage ein. "Das kann ich noch nicht so recht sagen. Ich bin erst seit einigen Tagen Magister Officiorum und habe mich bisher leidlich eingearbeitet. Außerdem muss ich den Legaten noch besser kennen lernen, der Mann ist mir gänzlich unbekannt gewesen bisher." Und nach kurzem Überlegen fügte er selbst noch eine Frage an. "Aber sag, was bringt dich eigentlich dazu, die Ausbildung zur Priesterin anzutreten?" Über seine Meinung zu dieser Entscheidung ließ er Callista absichtlich noch im Unklaren.