Beiträge von Numerius Duccius Marsus

    Witjon runzelte die Stirn und antwortete ernst:
    "Die Curia ist ein verfluchter Saustall. Entschuldige meine Worte, aber anders kann man diesen Saftladen nicht beschreiben. Die Duumviri sitzen faul herum, während die Officien im Dreck versinken. Ich verstehe gar nicht, warum es noch keinen Aufruhr gegeben hat, es müssen doch etliche Fehler passiert sein. Naja wie auch immer, ich werde dem Comes Bericht erstatten und die beiden vermutlich bald ihres Amtes entheben. Die Vigiles werden wohl etwas Arbeit bekommen, aber im schlimmsten Fall möchte ich trotzdem auf die Unterstützung der Ala II Numidia setzen können."
    Erwartungsvoll blickte er Sura an.

    "Ja, ich habe von der Mission in Borbetomagnus gehört. Die Ala scheint schwere Verluste davongetragen zu haben. Tut mir leid um die guten Männer."
    Witjon nickte dankbar und trank einen Schluck aus seinem Glas. Dann antwortete er auf Suras Frage.
    "Der Legatus Augusti Pro Praetore schickt mich, um den hiesigen Duumviri auf die Finger zu schauen. Ich konnte mir bereits ein Bild der Stadtverwaltung machen. Was ich da sehen musste hat mich ziemlich erschüttert." Also kamen sie doch recht schnell zu den geschäftlichen Dingen. Das ließ sich wohl nicht verhindern.

    Erst war Witjon kurz verwirrt, dass Silko so förmlich mit ihm sprach, dann schaltete es in seinem Kopf und er verstand. Er war ja immer noch sein Untergebener und auf der Straße zollte er Witjon den gebührenden Respekt. Witjon lächelte und reichte Silko die Hand.
    "Nein, du störst nicht. Ich bin dir dankbar, dass du dieses schlechte Omen verhinderst. Man sollte das Schicksal bekanntlich nicht herausfordern."
    Er wies auf Aquilia. "Darf ich dir Prudentia Aquilia vorstellen? Sie ist auch gerade auf dem Weg zum Stadttor. Prudentia, das ist Silko, Custos Corporis meiner Familie."

    Witjon schaute unsicher auf seinen Bierkrug.
    "Eila...ich weiß nicht. Ich habe sie in meiner ganzen Zeit bei der Familie nicht wirklich kennen gelernt. Sie ist oft krank oder außer Haus. Und über irgendwelche Männer in ihrem näheren Umfeld weiß ich auch nichts."
    Ratlos blickte er Silko an.

    Etwas ernster entgegnete Witjon:
    "Was Harlif angeht magst du Recht haben. Dagny ist ein gutes Mädchen. Ich werde auf sie aufpassen, soweit es mir möglich ist. Auch wenn Harlif vielleicht nicht immer ein angenehmer Zeitgenosse ist, ich wünsche mir lieber ihn, als einen dieser arroganten Römer, der sie wie eine arrogante Römerin behandelt - abgestellt in der Küche und ohne Liebe."
    Langsam merkte Witjon, wie seine Zunge schwerer wurde und er sich bewusster auf seine Worte konzentrieren musste. Langsam sollte er aufhören, das Freibier zu genießen, sonst könnte es noch peinlich werden. Er wollte nicht von einem Angestellten - das Wort Sklave war Witjon zuwider - der Gens nach Hause getragen werden.

    Phelan das Weichei? Der Gedanke ließ Witjon breit grinsen.
    "Nein, so etwas ist ihm bis jetzt nur einmal passiert soweit ich weiß."
    Sein Becher war plötzlich leer und so füllte er ihn mit neuem Bier.
    "Kommen wir zu Dagny. Sie ist ein nettes Mädchen, allerdings auch ziemlich widerspenstig. Sie ist ein Dickkopf sondergleichen." zwinkerte er. Er witzelte weiter: "Der Duumvir hat es auf sie abgesehen. Armer Kerl."

    Witjon betrat also sein neues Officium mit seinem Scriba Personalis Thorleif im Schlepptau. Er wies auf das Chaos, das auch hier die Regale und den Schreibtisch beherrschte.
    "So. Ich werde jetzt dem Praefectus Alae einen Besuch abstatten. Währenddessen sortierst du mir dieses Durcheinander. Ich will eine Bestandsaufnahme aller Akten. Alles was nicht hier hin gehört sortierst du aus und legst es auf meinen Schreibtisch. Außerdem möchte ich, dass du meine Schreibsachen aus meinem Cubiculum holst. Sie sind in der obersten Schublade meiner Kommode. Klar soweit?"

    Witjon führte Thorleif also ins Scriptorium. Der Raum sah noch genauso chaotisch aus wie bereits am Tag zuvor. Zwischen den Aktenstapeln wuselte der Scriba Antoninus herum.
    "Salve Antoninus. Sind die Duumviri zu sprechen?"
    Der 'Gnom' blickte erschrocken auf, als er den Magister mit einem Fremden im Schlepptau plötzlich in seinem Officium stehen sah.
    [Blockierte Grafik: http://redcrss.re.funpic.de/Im…m/scriba_confluentium.gif| Scriba Potitus Fadius Antoninus
    "Gneeh! Salve Magistratus. Ne, die beiden schlafen noch." piepste der 'Gnom'. "Wer is'n der Kerl da?"
    Witjon schaute von Antoninus auf Thorleif und antwortete ernst:
    "Das ist Thorleif, mein Scriba Personalis. Er wird mir hier zur Hand gehen." Antoninus schaute skeptisch von Thorleif zu seinem Vorgesetzten. "Hmm gut. Willkommen in der Curia, Thorleif." Antoninus blinzelte zwanghaft, dann wollte er sich schon wieder seinen Unterlagen widmen, als Witjon weitersprach.
    "Hör mal zu Antoninus. Ich habe einen ersten Auftrag für dich. Ich werde jetzt gleich für einige Zeit außer Haus sein. Wenn ich wiederkomme, will ich dieses Officium blitzeblank sehen. Räum diese vermaledeiten Akten in die Regale wo sie hingehören. Dieser Saustall ist eine Schande für das gesamte Imperium!"
    Antoninus murmelte nur irgendetwas bejahendes, sah allerdings ungewöhnlich fröhlich aus. Witjon bedeutete Thorleif, ihm ins nächste Officium, das des Magistratus, zu folgen.

    Witjon musste schmunzeln. Ja, es war definitiv besser als ein feuchtes Zimmer in einer der heruntergekommenen Absteigen am Hafen.
    "Ja, hier lässt es sich aushalten." zwinkerte er. Er wartete, bis Thorleif alles abgestellt hatte und verließ dann wieder den Raum. Er führte seinen frisch gebackenen Scriba Personalis nun durch die verschiedenen Officien. Das erste war das Scriptorium.

    Witjon hatte seinen neuen Scriba Personalis in die Curia geführt und zeigte ihm nun die Räumlichkeiten. Sie kamen an einigen Officien vorbei, dann entdeckte Witjon eine offen stehende Türe. Er schaute in den Raum und identifizierte den verstaubten Raum als leer stehendes Schlafzimmer.
    "Hier kannst du einziehen. Es ist etwas dreckig, du wirst dir im Stall einen Eimer mit Wasser und einem Lappen holen müssen. Dir stehen eine Kommode, eine Kleidertruhe und ein Tisch zur Verfügung. In der Ecke dort ist außerdem ein recht gemütliches Bett. Du kannst deine Sachen hier erst einmal abladen, dann zeige ich dir den Rest der Curia."

    Witjon trank eine großen Schluck Bier, dann fing er an zu berichten.
    "Also, am Tag vor der Jagd sagte Lando mir, dass ich am nächsten Morgen mit Ger und Sax bewaffnet zu den Ställen kommen sollte. Er wollte mir nicht verraten, was wir jagen würden und meine Neugierde hinderte mich daran, nicht teilzunehmen. Wir wollten gerade los, als plötzlich Irminar zu uns stieß. Den nahmen wir also auch mit. Als wir die Stadt verlassen hatten, kamen noch zwei von Hadrianus Capitolinus' Männern dazu und der junge Phelan eilte uns ebenfalls hinterher. Frag mich ja nicht, wie die alle von der Jagd wussten, aber insgesamt waren wir dann sechs bewaffnete Reiter. Als wir dann den Waldrand erreichten, rückte Lando endlich raus mit der Sprache. Er sprach von einem besessenen Wolf, der seit Wochen schon den Bauern ihr Vieh riss und sogar Menschen angegriffen hatte. Das arme Tier konnte nur von bösen Geistern befallen sein.
    Wir machten uns also in Zweiergruppen auf. Phelan mit Irminar, Lando war mit mir unterwegs und die beiden Nichtsnutze, die der Duumvir uns mitgegeben hatte.
    Phelan und Irminar entdeckten die Bestie zuerst. Es gab einen kurzen Kampf, zu dem Lando und ich noch hinzustießen. Es ging damit aus, dass der Wolf von Pfeilen und Speeren durchlöchert zu Boden ging. Wir hatten Glück. Keiner wurde verwundet, nur Irminars Satteldecke hatte etwas abbekommen."

    Vom vielen Reden war sein Mund ganz trocken geworden und so ölte Witjon diesen noch einmal mit einem großen Schluck Bier. Dann fuhr er fort.
    "Naja, wir verbrannten den Corpus des besessenen Tieres, als dann plötzlich Phelan vom Pferd fiel. Ich glaube seine Entscheidung Priester zu werden hat damit zu tun. Naja, auf jeden Fall war es ein ziemlich aufregendes und völlig verrücktes Abenteuer.