Beiträge von Numerius Duccius Marsus

    Ein Glück. Der Bursche war hoffentlich der richtige für den Job.
    "Also gut. Du fängst auf der Stelle an. Dein Lohn beläuft sich auf fünfzehn Sesterzen im Monat. Falls du eine Wohnung brauchst, können wir dir auch ein Cubiculum in der Curia einrichten. Das halte ich für sinnvoll."
    Er aß ein Stück Brot, das er in eine würzige Tunke dippte, dann sprach er weiter.
    "Noch irgendwelche Fragen?"

    Witjon schob den Teller mit Brot und Saucen in die Mitte des Tisches und füllte beide Becher mit Milch. "Hier, bedien dich.
    Also, mein Angebot an dich ist, mein Scriba Personalis, also mein Sekretär zu werden. Ich kann so einen Mann wie dich an meiner Seite gebrauchen, der mir zusätzlich zu den Büroarbeiten noch einen gewissen Schutz bietet. Ich kann momentan hier keinem Politiker in der Stadtverwaltung trauen. Bis ich Freunde gefunden habe, muss ich einen Mann an meiner Seite haben, dem ich trauen kann. Danach natürlich auch noch."
    zwinkerte er. Witjon lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und trank etwas Milch.
    "Was sagst du?"

    "Du kommst also aus der Umgebung. Dann musst du Confluentes ja gut kennen, nicht wahr? Ich komme aus Mogontiacum. Ich bin Magistratus von Confluentes und neu in dieser Stadt."
    Als eine der Bedienungen zu ihrem Tisch kam, machte Witjon eine Pause und bestellte Brot mit Tunke und einen Krug Milch mit zwei Bechern."[/color] An Thorleif gerichtet fragte er: "Du trinkst doch Milch oder? Sehr gut." Die junge Frau ging in die Küche, um die Bestellungen weiterzugeben. Witjon wandte sich wieder Thorleif zu.
    "Du fragst dich sicherlich, was das ganze hier soll. Nun, ich habe dir ein Angebot zu machen." Er schmunzelte ein wenig. Der junge Bursche schaute ein wenig verdutzt drein.

    Der Kerl ging zu Boden und blieb dort lang ausgestreckt liegen. Witjon staunte nicht schlecht. Dieser junge Mann hatte gerade einen Mann, der bestimmt doppelt so viel wog wie er, mit einem Schlag aus den Latschen gehauen. Die Menge jubelte und Witjon trat auf den Blondschopf zu. Er hielt ihm die Hand hin und half ihm beim Aufstehen.
    "Salve junger Mann. Du scheinst ganz schön kräftig zu sein. Der Kerl hier wog bestimmt zweimal so viel wie du."
    Witjon bückte sich und hob die beiden Kohlrabi auf. Sie hatten ganz schön was mitgemacht.
    "Sind das deine? Bittesehr." Er drückte dem Blondschopf das Gemüse an die Brust und schleifte ihn dann erst einmal aus dem Tumult heraus. Im Vorbeigehen befahl er Lurco, den Schläger einzubuchten und die Menge wieder aufzulösen.
    Als Witjon und Thorleif nun etwas weiter abseits standen, ging Witjon weiter auf diesen ein.
    "Mein Name ist Numerius Duccius Marsus. Hast du Hunger? Ich habe hier um die Ecke eine Taberna gesehen. Ich hatte noch kein Ientaculum*, weißt du?"



    *Frühstück

    Witjon hatte den Mann getroffen, der die Marktaufsicht führte und ließ sich gerade einige Dinge erläutern, die es hier zu beachten gab, als sie den Aufruhr bemerkten.


    | Galeo Opimius Lurco - Marktaufsicht Confluentes
    "Was ist da los? Da gibts Ärger, wo ist denn wieder die verdammte Stadtwache, wenn man sie mal braucht?"
    Witjon ging ohne zu zögern auf das Zentrum des Tumults zu und drängelte sich durch die Menge. Dort sah er einen jungen Blondschopf, der gerade von einem großen Schlägertypen eine gewischt bekam.

    Witjon war früh morgens wach. Er stand auf, wusch sich, kleidete sich in seiner guten Tunika und versteckte einen Dolch unter seinem Gewand. Dann trat er hinaus auf den Flur. Er fand in der ganzen Curia keine Menschenseele vor und entschied sich, die Stadt zu erkunden.
    Der Stallbursche erklärte ihm, dass heute Markttag sei. Da die Curia direkt am Forum gelegen war, hatte Witjon kein Problem den Markt zu finden und machte sich daran, die verschiedenen Stände zu erkunden.

    [Blockierte Grafik: http://redcrss.re.funpic.de/Imperium%20Romanum/conall.gif| Conall, der gallische Händler
    "Sehr gute Wahl. Hier bittesehr, das macht dann fünf Sesterzen."
    Nachdem der Bursche bezahlt hatte und sich dankend verabschiedet hatte, kam bereits der nächste Kunde. Dieser schien allerdings ein eher unangenehmer Zeitgenosse zu sein. Er grapschte sich die erstbeste Speckscheibe, biss hinein und lief dann gemütlich weiter.
    "Halt! He du, das musst du auch bezahlen! Ich bin doch nicht die Wohlfahrt! Gib das zurü..."*KAPOW*"Schnauze halten. Der Kerl hatte dem aufgebrachten Kaufmann kurzerhand eine geknallt und machte nun Anstalten zu verschwinden. Passanten, die das ganze mit angesehen hatten, riefen nach der Stadtwache.
    "He da vorne, haltet den Verbrecher! Der Kerl ist ein mieser Strauchdieb!"
    Als der Schläger erkannte, dass eine aufgebrachte Menge hinter ihm her war, begann er zu rennen - mitten in Thorleif hinein, der seine Kohlrabi fallen ließ...

    Witjon öffnete die Tür zu seinem neuen Zuhause und war positiv überrascht von dem was er sah. Das Zimmer war zwar ein wenig verstaubt, machte allerdings einen sehr viel aufgeräumteren Eindruck als die Arbeitsräume in diesem Saftladen. Witjon legte die Satteltaschen und seine Umhängetasche auf einer Kommode neben der Tür ab und verließ das Zimmer. Er ging in die Ställe, wo er noch den jungen Stallburschen vorfand. Er ließ sich einen Eimer Wasser und ein Tuch geben und kehrte in sein Cubiculum zurück, wo er sofort die Möbel abwischte. Vom Fenster entfernte er einige Spinnweben und auch das Bettgestell hatte eine Säuberung nötig. Nach wenigen Minuten sah das Zimmer schon viel besser aus.
    Witjon räumte seine Habseligkeiten in die Kommode und versteckte einen Teil seines Geldes unter der Matratze seines Bettes. Dann legte er sein Sax auf den Tisch neben seinem Bett und legte sich schlafen. Morgen war sein erster Arbeitstag in dieser Curia. Hoffentlich würde er imstande sein, schnell etwas an der Situation zu ändern.

    [Blockierte Grafik: http://redcrss.re.funpic.de/Imperium%20Romanum/conall.gif| Conall, der gallische Händler
    Da sein Kunde nun direkt vor ihm stand, sprach Conall in normaler Lautstärke. Er lächelte freundlich.
    "Nunja, diese Kohlrabi hier kann man zum Beispiel gut auf der Hand essen. Oder diese Zuckerrüben.
    Ansonsten kann ich noch sehr schmackhaften Speck empfehlen."

    Conall wies auf die verschiedenen Dinge in seiner Auslage.

    [Blockierte Grafik: http://redcrss.re.funpic.de/Imperium%20Romanum/conall.gif| Conall, der gallische Händler
    Conalls Sprachorgan war in ganz Confluentes bekannt. Er konnte Brüllen wie ein Löwe, wurde nicht heiser und fand trotz allem Lärm immer die richtigen Worte, um die Leute für seinen Nahrungsmittelstand zu begeistern.
    Nun sah er einen jungen Mann auf seinen Stand zuschlendern, der hungrig aussah.
    "Salve junger Mann! Du siehst hungrig aus, kann ich dir etwas Gutes tun? Hier, wie wäre es mit etwas Gemüse aus den hiesigen Bauerngärten? Oder liegt dir frischer Fisch eher? Mein Angebot ist reichhaltig, du musst nur einen Moment verweilen und dich umsehen!"

    Ich habe noch zwei Plots in Arbeit, werden bald nachgereicht. ;)


    Den Stapellauf der Isis habe ich auch gelesen, der ist sehr schön geschrieben, genauso wie die Ereignisse um Herbal Gisco. :D :dafuer:

    | Galeo Opimius Lurco - Marktaufsicht Confluentes


    Es war Markttag in Confluentes und die Bürger kamen in Scharen, um die Marktstände zu begutachten. Die Händler boten Nahrungsmittel, Kleidung und Gebrauchsgegenstände jeder Art in Hülle und Fülle an.
    Lurco machte seinen üblichen Rundgang und überblickte das Geschehen. Bis jetzt war ihm nichts ungewöhnliches aufgefallen. Das Wetter war gut, die Stimmung ebenfalls und das Warenangebot hatte sich seit Wochen konstant verbessert. Hoffentlich würde der Tag so ruhig bleiben, wie er angefangen hatte.

    Die Tür wurde vollends geöffnet und Witjon betrat einen miefigen Raum, dessen Fenster mit Blenden verdunkelt waren und in dem es nach fremdländischen Rauchkräutern stank. Die beiden Gestalten, die er nun vor sich sitzen sah, erweckten keinen besonders vertrauensvollen Eindruck.


    [Blockierte Grafik: http://redcrss.re.funpic.de/Im…%20Romanum/duumvir_01.gif| Duumvir Spurius Togonius Culleo


    Der dickere von beiden saß in einem Sessel links von Witjon. Er hatte eine metallene Pfeife mit Holzgriff in der Hand und stieß eine dicke Qualmwolke durch Nase und Mund gleichzeitig aus. Mit rauchiger, tiefer Stimme sprach er Witjon an.
    "Salve. Du bist also der Magistratus, der uns hier unter die Arme greifen soll?" Es war mehr eine Feststellung als eine Frage.
    "Ich bin Duumvir Spurius Togonius Culleo. Das hier..." Er wies mit der Pfeife auf den anderen Mann am Schreibtisch - er war genauso schmächtig wie sein Scriba und hatte etwas schmieriges an sich - "...ist Duumvir Paullus Musonius Cotyla."


    [Blockierte Grafik: http://redcrss.re.funpic.de/Im…%20Romanum/duumvir_02.gif| Duumvir Paullus Musonius Cotyla
    Dieser würdigte Witjon eines boshaften Blickes und seuselte ein leises "Salve."
    Witjon blinzelte, um die Regale und die andere Einrichtung des Arbeitsraumes in diesem Zwielicht besser erkennen zu können. Mittlerweile war es draußen ziemlich duster geworden und nur eine ziemlich abgebrannte Kerze erleuchtete die Dunkelheit des Raumes.
    "Salve. Genau der bin ich."
    Bevor er weiteres sagen konnte, wurde Witjon vom fetten Duumvir abgewürgt.
    "Gut gut. Antoninus, zeig dem Mann ein Zimmer, in dem er wohnen kann, wir machen jetzt erst einmal Feierabend."
    Mit einer forschen Handbewegung symbolisierte der Duumvir seinem Scriba und seinem Magistratus zu verschwinden. Widerworte schien er nicht zu akzeptieren. Der 'Gnom' zog Witjon am Hosenbein hinter sich aus dem Zimmer und führte ihn dann durch die beiden anderen Officien hindurch auf den Flur.
    "Gnaah." Der Kerl schien einen bösen Sprachfehler zu haben... "Hier lang. Da hinten is'n Cubiculum, das kannste haben." Wortlos folgte Witjon seinem neuen Scriba. Als sie vor besagter Tür stand, drehte der 'Gnom' sich mit einem knappen "Nacht un'so." um und verschwand irgendwo im Gewirr der Gänge. Witjon schaute ihm noch etwas verdutzt hinterher, dann öffnete er die Tür zu seinem neuen Zuhause...

    Witjon hatte sein Pferd bei einem geschäftigen jungen Burschen in den Stallungen abgegeben, um sich dann sofort ins Officium des Scribas zu begeben. Mit Nachdruck klopfte er gegen dessen Tür, wobei er fast das kleine Namensschild von der Tür gerissen hätte. Hoppala! Mit einiger Mühe steckte er das Holzstückchen mit eingekerbtem Namen zurück auf den lockeren Nagel in der Tür. Auf dem Schild stand: Scriptorium - Potitus Fadius Antoninus. Er merkte sich den Namen des Scribas genau. Dann hörte er eine piepsige Stimme von innen. In der Annahme, ein 'herein' gehört zu haben, öffnete Witjon die Tür und trat ein.
    Was er hinter dem Schreibtisch des Officiums sah, versetzte ihm im ersten Moment einen Schrecken. Nicht, weil der Scriba offenbar recht klein und hinter dem Haufen Tabulae und Papyri auf dem Schreibtisch schlecht zu entdecken war. Es war eher die Tatsache, dass das Officium seit mindestens einem halben Jahr nicht mehr aufgeräumt, geschweige denn gesäubert wurde, die den frisch gebackenen Magistratus entsetzte.
    Der schmächtige kleine Scriba schob einen Stapel Tabulae zur Seite, so dass einige mit einem dumpfen Geräusch zu Boden fielen. Seine goße Nase erinnerte an die eines Gnoms, seine großen milchigen Augen ließen Angst erkennen. Dieser Mann schien schon einiges mitgemacht zu haben.


    [Blockierte Grafik: http://redcrss.re.funpic.de/Imperium%20Romanum/scriba_confluentium.gif| Scriba Potitus Fadius Antoninus


    Der Scriba schaute Witjon verdutzt an und krächzte dann mit seiner komisch anmutenden, fast lächerlich klingenden Piepsstimme.
    "Aaagh! Wer bist du und was willst du in meinem Arbeitszimmer?"
    Die Rechte Augenbraue in Witjons Gesicht wanderte langsam richtung Decke. Komischer Kauz...
    "Äh...salve. Mein Name ist Numerius Duccius Marsus. Ich bin der neue Magistratus. Hier ist meine Ernennungsurkunde."
    Er hielt dem Scriba das Schriftstück hin, der es keines Blickes würdigte, sondern nur in sich hinein grummelte.
    "Ich würde mich gern den Duumviri vorstellen."
    Antoninus atmete geräuschvoll durch die Nase aus, dann hüpfte er von seinem Stuhl. Erst jetzt bemerkte Witjon, wie klein der Typ wirklich war. Er musste auf seinem Stuhl gestanden haben, als sie gesprochen hatten. Antoninus fuchtelte mit den Händen herum, was wohl heißen sollte ihm zu folgen.
    "Narf. Komm mit."
    Witjon folgte dem Scriba durch eine Tür in das Zimmer des Magistratus, das noch verheerender als der vorherige Arbeitsraum aussah. Offenbar war es schon ewig nicht mehr genutzt worden. Dann öffnete Antoninus, den Witjon in Gedanken einfach 'Gnom' getauft hatte, die Tür zum Officium der Duumviri. Er bedeutete Witjon mit einer Handbewegung zu warten und verschwand. Die Tür ließ er angelehnt, so dass Witjon die Stimmen dreier verschiedener Männer ausmachen konnte.
    Während er sich die total vergammelten und ungeordneten Regale im Officium des Magisters anschaute, erkannte er die Piepsstimme des 'Gnoms', sowie eine äußerst tiefe Stimme und eine fast schleimig klingende, seuselnde Stimme.
    Plötzlich streckte der Scriba den Kopf zur Türe herein und piepste:
    "So, jez kannste kommen!"
    Einen Sekundenbruchteil zögerte Witjon, dann folgte er dem 'Gnom'...

    Es war die zwölfte Stunde. Die Stadtwache döste gelangweilt vor sich hin, als Witjon auf seinem treuen Rappen Skaga über die Via Mogontiaca aufs Tor zugeprescht kam. Der Vigiles schreckte von seinem Hocker hoch und baute sich im Torbogen auf.


    | Stadtwächter Maximus


    "Halt! Zügele dein Pferd!"
    Witjon ließ Skaga vor dem Soldaten anhalten. Der Vigil Maximus spulte daraufhin den typischen Fragenkatalog ab.
    "Salve. Quis eris? Unde venis? Quo vadis?"*
    Der Fremde beugte sich zu Maximus herunter und antwortete in perfektem Latein.
    "Salve miles. Mein Name ist Numerius Duccius Marsus. Ich bin der neue Magistratus Confluentium. Ich komme aus Mogontiacum und bin auf dem Weg zur Curia."
    Maximus schaute den jungen Burschen skeptisch an. Der Kerl sollte ein Magistratus sein? Kaum... dachte sich der Stadtwächter.
    "Na dann zeig mal deine Ernennungsurkunde."
    Der Soldat tat ein paar Schritte auf sein Gegenüber zu, blieb jedoch wachsam.
    Witjon kramte derweil in seiner Hängetasche, die er um die Schulter trug und zog das Schriftstück heraus, das ihn als Magistratus bestätigte. Maximus knurrte etwas unverständliches und winkte den neuen Beamten durch.
    "Na gut, dann mal rein mit dir. Hast aber nochmal Glück gehabt, die Tore werden bei Einbruch der Nacht geschlossen."
    Da hatte der Wächter Recht, es begann schon zu dämmern. Witjon hatte sich zu viel Zeit mit dem Aufbruch in Mogontiacum gelassen, doch das ließ sich jetzt auch nicht mehr rückgängig machen.
    "Danke. Vale Miles." antwortete er nur knapp, bevor er Skaga antrieb und das Stadttor passierte.
    Willkommen in Confluentes... sagte er sich in Gedanken, während er die Curia ansteuerte.



    *'Wer bist du? Woher kommst du? Wohin gehst du?'