Beiträge von Philotas Crixus

    In der Horrea angekommen, mussten sie noch die Sägen ab- und die Hämmer und Nägel aufladen. Man konnte Labeo anmerken, dass seine Laune immer schlechter wurde. Philotas empfand die Arbeit als angenehm - im Vergleich zu einigen anderen Arbeiten, die er in Syrakus ausgeübt hatte. Während er also Hämmer auf den Wagen lud, antwortete er Labeo:


    "Du hast Recht, zur See wird eigentlich selten gefahren. Ich bespielsweise war bisher noch auf keinem Schiff."

    Endlich kam das Signal zum Aufbruch, dass Philotas schon herbeigesehnt hatte. Dann hörte er von einigen fabri, dass morgen der eigentliche Bau beginnen würde.


    "Ich bin mir fast sicher, dass sie unsere Hilfe brauchen. Doch wenn wir bald Wagenrennen sehen, hat sich dies meiner Meinung nach gelohnt."
    Warum sonst sollten sie eine Rennbahn bauen, wenn dort keine Rennen stattfanden? Und hoffentlich würden sie Gelegenheit haben, dort den Rennen zuzusehen. Auf Labeos Frage antwortete er:


    "Wir sind noch beim Fitnesstraining. Ich hoffe, bald geht der nautische Unterricht los."

    Bald waren die Bretter zu Ende gesägt, und auch Philotas hegte die Hoffnung, dass diese Arbeit bald zu Ende war.


    "Genau", stimmte er Labeo zu, "wir haben ja morgen wieder einen anstrengenden Tag vor uns. Ich bin der Meinung, wir sollten bald Schluss machen.".

    Beim Gedanken, dass der Nauta ohne Schuhe zum Exerzierplatz gegangen ist, ließ Philotas lächeln. Bereitwillig beantwortete er die Frage, die ihm gestellt wurde:


    "Ich bin im seemännischen Zweig. Die Marineinfanterie lag mir irgendwie nicht und den ganzen Tag rudern wollte ich auch nicht. Deshalb lag es nahe, diesen Zweig zu wählen. In welchem Zweig bist Du denn?"

    Heute war wieder ein Markttag im Castellum. Philotas und die anderen Probati hatten heute zum ersten Mal den Vormittag frei bekommen, um Gelegenheit zu haben, auf dem Markt etwas zu kaufen.


    Am Morgen hatte jeder der Probati seinen Wochenlohn - mickrige 10 Sesterzen - erhalten. Mit diesem Geld betrat er den Markt.


    Er hatte sich vorgenommen, heute von dem Geld einen Opferkuchen zu kaufen, den er dem Genius der Classis opfern wollte. Diesen wollte er damit bitten, ihm zu helfen, Mitglied der Classis zu werden. Hoffentlich würde dieser seine Bitte erfüllen. Das Opfer zu vollziehen traute er sich selber zu, schließlich hatte er in Syrakus mal in einem Tempel als minister gearbeitet.


    In diese Gedanken vertieft ging er zu einem Stand, an dem offensichtlich Backwaren verkauft wurden. "Salve, ich hätte gerne einen Opferkuchen", sagte er zu dem Verkäufer. Dieser schob ihm einen Opferkuchen hin und antwortete: "Das macht dann 4.20 Sesterzen". Dieser Preis wiederum war Philotas zu teuer. Deshalb versuchte er zu feilschen: "Ich bin nur ein armer Probatus und kann mir das gar nicht leisten. Ich kann Dir höchstens 3.80 Sesterzen geben." "Das deckt ja noch nicht mal den Herstellungspreis", gab sich der Händler empört, "ich kann nur bis 4 Sesterzen mit dem Preis heruntergehen.". "Das kann ich gerade noch bezahlen", antwortet Philotas, gab die vier Sesterzen dem Händler und nahm sich den Opferkuchen. Suchend blickte er sich um, ob er noch etwas kaufen konnte.

    "Ja, ich bin aus Syrakus.", sagte Philotas zu Labeo. Dann konzentrierte auch er sich auf das Sägen. Und auch er war der Meinung, nach kurzer Zeit den Dreh rauszuhaben.


    "Ich denke, ich habe mich eingelebt", antwortete er auf die Frage des Nautas. "Obwohl es sicher für einen Zivilisten wie mich eine Umstellung ist, nun beim Militär zu sein, wo viel Wert auf Disziplin gelegt wird. Mit meiner Grundausbildung bin ich auch erst am Anfang. Dennoch hoffe ich, diese zu schaffen und ein Nauta zu werden."

    "Mein Name ist Philotas Crixus", antwortete Philotas dem Nauta. Mit diesem Worten ging er zu einer großen Säge, die noch nicht belegt war.


    "Dann wollen wir mal beginnen", sagte er, während er überlegte. Hatte er den Nauta nicht schon vorher mal gesehen? "Hattest du zufällig vor ein paar Tagen Wache am Tor, als ich hier angekommen bin?" Es wäre gut möglich, dass Labeo ihn einfach nicht erkannt hatte, sah er in seiner neuen Militärtunika doch anders aus als in seiner alten schmutzigen Tunika. Aber vielleicht irrte er sich auch und es war ein anderer Soldat am Tor gewesen.


    Mit diesen Worten wartete er, bis Labeo sich an das andere Ende der Säge gestellt hatte, und war bereit, loszulegen.

    Am heutigen Tag hatte ein Optio das Contubernium von Philotas auf eine Baustelle gescheucht. Soviel er wusste, wurde dort eine Rennstrecke gebaut.


    Philotas und einige andere kamen so nun zur Baustelle. Er konnte nur einige Werkzeuge erkennen, die in der Nähe herumlagen. Warscheinlich sollten sie diese benutzen. Doch welche und wie er sie benutzen sollte, hatte ihm keiner gesagt. Deshalb fragte er einfach einen Soldaten: "Gibt es irgendwelche Anweisungen, was wir machen sollen?"

    Als der Optio hüpfte, taten Philotas und einige andere Probati es ihm nach. Sie wussten zwar nicht, wofür dies gut war, doch irgendeinen Sinn musste es wohl haben. Nun trieb der Optio sie an, schneller zu laufen, was sie auch taten. Da sie noch nicht lange liefen, war es für sie auch noch kein Problem, dem Tempo zu folgen. Doch mit der Zeit würde sich das sicher ändern.

    Die Probati rannten durcheinander, als sie aufgefordert wurden, sich in zwei Reihen nebeneinander aufzustellen. Philotas bekam den Stab des Optios zu spüren, als es ihm nicht rechtzeitig gelang, sich neben einen Nachbarn zu stellen. Doch nach einigen Sekunden hatten er und die restlichen Probati es geschafft, in zwei Reihen nebeneinander zu stehen. Daraufhin setzte sich der Optio an die Spitze und gab den Befehl zum loslaufen. Die Probati gingen so gut wie sie konnten die Geschwindigkeit mit, die der Optio vorlegte.

    Nachdem anscheinend alle Probati anwesend waren, begann der Optio zu reden. Die Probati hörten ihm aufmerksam zu - oder taten zumindest so. Auch Philotas hörte sich die Rede aufmerksam an - beim Militär würde es also nicht so leicht werden, wie er gehofft hatte. Nachdem der Optio den ersten Probatus mit 50 Liegestützen bestraft hatte, verschwand selbst die letzte Andeutung eines Lächelns aus den Gesichtern der anderen, die sich nun bemühten, starr geradeaus zu gucken. Auf die Frage des Optios antworteten alle Probati beinahe gleichzeitig mit "Jawohl, Optio!".

    Nachdem er den Befehl, der im Lager aushing, entziffert hatte, begab sich der neue Probatus Philotas Crixus zur Grundausbildung auf den Exerzierplatz. Er hatte schon seine neue Militärkleidung an, nämlich am Körper eine blassblaue Tunica, die durch den Cingulum zusammengehalten wurde, und an den Füßen neue Caligae. Am Gürtel trug er den pugio, den Dolch.


    Ein Optio und einige Probati waren schon anwesend. Er stellte sich einfach dazu und grüßte mit "Salvete!". Einige Probati grüßten zurück, einige nickten nur. Den Optio begrüßte er persönlich mit "Salve, Optio". Es herrschte eine gespannte Stille. Neugierig versuchen die meißten Probati sich gegenseitig und den Optio abzuschätzen. Auch Philotas schaut die anderen Probati, die jetzt seine Kameraden sind, an.

    Die Quartiere waren tatsächlich ausgeschildert gewesen, doch nun stand Philotas vor diesen und wusste nicht, wo seine Unterkunft sein sollte. Deshalb sprach er einen Optio an, der gerade des Weges kam.


    "Entschuldigung, Optio, wo kann ich hier unterkommen?"


    Der Optio schaute sich kurz den Probatus an, dann deutete er mit dem Finger auf eine Tür und sagte:


    "Im Contubernium VII sind noch einige Plätze frei. Werf einfach deine Sachen auf ein Bett, damit zeigst du, dass es jetzt dir gehört."


    Also ging Philotas dort hinein. In der Unterkunft war kein anderer Soldat. Viele schienen hier auch nicht zu wohnen - er konnte erkennen, dass nur zwei Betten belegt waren. Schnell warf er seine alte Kleidung - eine alte Tunica - auf ein Bett und zog sich die neue Ausrüstung an. Zufrieden schaute er an sich hinab: Er sah viel besser aus als vorher. Nun würde er wie befohlen zur Grundausbildung auf den Exerzierplatz gehen.

    Philotas nahm seine neue Ausrüstung entgegen und sagte "Danke", sagte er zu dem Soldaten. Nun musste er eine Unterkunft finden, wo er seine neue Ausrüstung, darunter eine blassblaue Tunica, anziehen konnte. Diese würden hoffentlich ausgeschildert sein.

    Nachdem er seinen Eid geschworen hatte, begab sich Philotas zum Materiallager. Dort entdeckte er einen Soldaten, der sich gerade einige beschädigte Tunicen ansah. Diesen sprach er an: "Salve, ich bin ein neuer Probatus des seemännischen Dienstes. Ich hätte gerne meine Ausrüstung."

    Diese Entscheidung fiel Philotas nicht schwer. Von dem Veteranen hatte er sich die Waffengattungen erklären lassen. Die Marineinfanterie war ihm zu gefährlich, und die ganze Zeit rudern wollte er auch nicht.
    "Ich möchte zum seemännischen Dienst.", antwortete er deshalb dem Optio.

    Einen Bogen musste Philotas nun ausfüllen - wo er doch so schlecht Latein lesen und schreiben konnte. Doch er traute sich nicht so richtig, den Optio zu bitten, ihm diesen vorzulesen - vielleicht war dies ja auch ein Grund, ihn rauszuwerfen. Also konnte der Optio beobachten, wie Philotas laut und deutlich die Wörter aussprach, dann ein paar Sekunden wartete - so als müsste er den Sinn der Wörter erfassen - und dann wiederum langsam seine Antwort hinschrieb. Nach einer Weile war er ganz zufrieden mit dem ausgefüllten Bogen und gab ihn wieder ab.


    Rekrutierungsbericht / Personalakte


    I. Allgemeines


    Datum:


    Name: Philotas Crixus
    Geburtsdatum: ca. 837-839 A.U.C.
    Geburtsort: Syrakus
    Stand beim Eintritt in den Militärdienst: Perengrinus


    Name des Vaters: unbekannt
    Name der Mutter: Hipparchia Crixus


    Vorstrafen: keine


    Bemerkungen: keine




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    II. Medizinische Untersuchung


    Größe: mittel
    Gewicht: normal
    Sehstärke: sehr gut
    Höhrvermögen: gut
    Krankheiten: keine
    Krankheiten in der Familie: keine bekannten


    Bemerkungen: keine


    Tauglichkeit: tauglich



    der zuständige Medicus/Capsarius




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    Abgelehnt:
    Zugelassen:



    der Rekrutierungsoffizier




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    III. Personalakte



    Veränderungen im Stand:


    Promotionen:


    Degradierungen:


    Bemerkungen:




    Austritt aus der Flotte:




    Kommandeur der Classis