So ganz geheuer war Axilla der Ausbruch an schönen Worten, die ihr galten, nicht. Sie bekam selten Komplimente, und wenn, dann kurz ein paar Worte. Von Vala vielleicht ein wenig mehr. Aber das hier, das war ein Meer an Aufmerksamkeit, und Axilla war nicht unbedingt ein geübter Schwimmer. Sie merkte, dass sie nur verlegen lächeln konnte und nicht zu einer kessen Antwort fähig war.
Er nahm ihre Hand und hauchte einen so sanften Kuss auf ihre Finger, dass Axilla deutlich sichtbar Gänsehaut bekam. Und als er ihr dann näher kam, wich sie nur eine Winzigkeit zurück, nicht fähig, sich wirklich zu bewegen. Er fixierte sie mit ihren Augen, und sie sah wie hypnotisiert hinein. Sie fühlte seine Finger ganz leicht an ihrem Hals, wo sich ebenfalls eine wohlige Gänsehaut ausbreitete, seinen warmen Atem auf ihrem Ohr...
Als der Sklavenverkäufer ihn schließlich zurück riss stand sie da, sich zutiefst ertappt fühlend, und nur wie ein Fisch auf dem Trockenen einmal den Mund aufreißend. Es geschah selten, dass Axilla vollkommen sprachlos war, aber im Moment konnte sie sich noch nicht einmal darüber richtig ärgern, dass der Kerl ihr einen von Urgulanias Ohrringen geklaut hatte. Von ihrem Ehering ganz zu schweigen.
Sie nahm beides wieder zurück und fühlte sich kurz einmal mit der flachen Hand die Wangen. Die waren deutlich warm und vermutlich von einem sehr gesunden Rot im Moment. Ganz verlegen schaute sie zu Vala hinüber. Dass er hier direkt daneben stand und gesehen hatte, wie sie auf diese Komplimente reagiert hatte, das war noch das peinlichste von allem. Sie fühlte sich seltsam schuldig und sah ihn Verzeihung heischend an, aber er war nur mit dem Sklaven beschäftigt. Während sie also wieder den Ohrring an seinen Platz zurück friemelte, fing der Sklave schon wieder damit an, ihr Komplimente zu machen. Diesmal auf Attisch, und danach in einer Sprache, von der Axilla nur ein paar Worte verstand. Auf dem Fremdenmarkt in Alexandria hatte sie davon ein paar Phrasen aufgeschnappt, aber sie wusste nicht zu sagen, ob das nun parthisch oder indisch oder eine ganz andere Sprache war. “Du machst mich verlegen“, gab sie ihm lächelnd auf Attisch zurück, wohl wissend, dass Vala das wohl nicht verstand. Sie hatte ihm ja schonmal angeboten, es ihm beizubringen, aber damals war er sehr wütend auf sie gewesen und seitdem hatte sie es nicht wieder angeboten.
Als sie fertig war, ging sie einen Schritt näher zu Vala, als wolle sie damit für den Sklaven klarstellen, dass er ihr solche Komplimente nicht machen dürfe. Auch wenn Vala das streng genommen auch nicht durfte. Dennoch war Axillas Schuldgefühl einfach da anderer Überzeugung und entschied, es sei sicher, sich in den Schutz des Germanen zu begeben.
Und dann kam die Frage nach dem Preis, und der eben noch ausgelassene Ausdruck in Valas grauen Augen schwand. Er sah zu ihr, taxierte sie regelrecht. Axilla wusste nicht zu sagen, was in ihm vorging, dass er sie so anschaute. Aber mit einem Mal fühlte sie sich noch mehr schuldig. Und sie wollte irgendwas tun, damit er nicht mehr so streng und betrübt schaute.
Und dann, ohne zu verhandeln oder weiter darauf einzugehen, sagte Vala, dass er sich das nicht leisten konnte. Tausend Sesterzen waren ja auch nicht mal eben ein Pappenstiel, und so fernab seiner Familie war Vala wohl auch nicht der wohlhabendste. Er wohnte ja auch bei einer befreundeten Gens und nicht mit eigenen Sklaven in einer eigenen Casa. Sie hingegen konnte sich das leisten, für sie sah die Sache anders aus. Aber noch ehe sie etwas sagen konnte, stapfte Vala auch schon missmutig weiter.
Sie warf dem Mann und seinem Verkäufer noch einen zögernden und nachdenklichen Blick zu, blickte dann noch einmal auf ihren Ehering – der noch an ihrem Finger war – und eilte dann Vala hinterher.
“Warte auf mich“, meinte sie schnell, endlich ihre Sprache wiederfindend, und schloss zu ihm auf. Ein wenig haderte sie mit sich, dann kratzte sie ihren Mut zusammen und fragte einfach. “Also, ich könnte dir das Geld leihen...“ Vorsichtig schaute sie zu ihm auf, da sie keine Ahnung hatte, wie er das aufnehmen würde.