Beiträge von Titus Duccius Vala

    Und wieder reichte Vala auf Kosten der Familienwertkarte einen Brief nach Hause ein...



    Ad:
    Legatus Augusti Pro Praetore
    Marcus Vinicius Hungaricus
    Regia Legati
    Mogontiacum | Germania


    Privat


    Mein Patron,


    wieder einmal schreibe ich dir aus herzlich unkonkretem Grund. Ich gebe mir größte Mühe, die Verhältnisse hier in Rom, vor allem die politischen, zu durchblicken, aber irgendwie beißt sich die Realität stark mit dem, was ich vorher in anderen Aufzeichnungen gelesen habe. Ich habe mich mittlerweile mit der Stadt vertraut gemacht, allerdings birgt sie immer neue Herausforderungen für mich. Ich habe mittlerweile die Bekanntschaft einiges Menschen gemacht, so zum Beispiel einen Quintus Claudius Lepidus, Sohn des Claudius Constantinus, Iullus Quintilius Sermo, Sohn des Quintilius Drusus, und einiger anderer gemacht. Wobei, da fällt mir ein: eine Caecilia Calena, die ich kennengelernt habe, meinte ihr Cousin sei mit dem Kaiser bekannt. Vielleicht sagt dir der Name etwas.
    Deine anderen Klienten habe ich auch besucht, wobei ich an Tiberius Durus noch nicht herangekommen bin, der ja gerade erst zum Consul gewählt wurde. Da Claudius Lepidus allerdings sein Klient ist, werde ich es über diesen Weg versuchen.


    So unkonkret ist mein Anliegen allerdings dann doch wieder nicht, denn ich bitte dich um deinen Rat.
    Überall, wo ich Leute kennenlerne, und die Gespräche ins politische driften kommt die Sprache irgendwann auf den Praefectus Urbi, mit Namen Potitus Vescularius Salinator. Die Elite hier in Rom ist sich anscheinend einig, was die Gefährlichkeit dieses Mannes angeht. Aber irgendwie unternimmt niemand etwas gegen ihn. Man sagte mir, er müsse erst gegen geltendes Recht verstoßen, bevor man ihn loswerden könnte, und dass der Kaiser ihn schützt. Aber das will mir nicht einleuchten, immerhin hat man in der Vergangenheit hochrangige Mitglieder der Elite für weniger ausgeschaltet, und der Kaiser ist anscheinend so schwach, dass niemand wirklich an die Tatkraft seines Regierungsgeschäfts glaubt. Meiner Meinung nach sind das beste Grundlagen, um eine unbequeme Person loszuwerden. Das sehen andere nicht so, und genau hier ist mein Problem: wieso nicht?



    Ich hoffe auf deine Antwort, so dass sie etwas mehr Licht in dieses meine Dunkel bringt.


    Grüß mir deine Frau.


    Vala bene,


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    Titus Duccius Vala
    Scriba Personalis Tib. Prudentius Balbus
    Casa Prudentia | Collis Quirinalis | Roma | Italia
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    "Was?", zog der junge Germane überrascht eine Augenbraue hoch, "Aber das kann nicht sein... wie kann man nichts gegen ihn unternehmen, wenn der Mann die gefühlte halbe Nobilität von Rom gegen sich aufbringt?"


    Als er versuchte, das Problem zu ergründen, begann Vala durch das kleine Officium zu tigern wie ein gefangenes Raubtier, das einen Fluchtweg suchte.


    "Ich meine... KAISER wurden für weniger umgebracht, nur weil sie der Machtelite zu sehr in die Quere kamen.", argumentierte er, der er Stunden damit zugebracht hatte, sich mit der Geschichte Roms auseinander zu setzen, "Was muss der Mann denn tun, damit man ihn umbringt? Eine neue gracchische Reform anstreben? Den Senat auflösen? Den Kaiserpalast stürmen? So sicher kann der Mann doch garnicht sein, als dass man ihm nicht etwas anhängen könnte... oder hat er doch noch mächtige Verbündete unter den Eliten Roms? Ich habe das Gefühl, die Patricii sehen ihn eher kritisch, was ist mit der plebeiischen Elite."

    ...und irgendwann Vala vor ihm stand.


    "Sei gegrüßt, Senator Vinicius.", grüßte er den Mann förmlich, "Wie so viele andere an diesem Tag bin ich gekommen, um dir zur Geburt deiner Nachkommen zu gratulieren. In dem Volk meiner Väter sieht man Zwillinge als Göttergeschenk an, deine Taten in der Vergangenheit scheinen Eindruck gemacht zu haben. Vor allem da deine Frau auch gesund und wohlbehalten die Geburt überstanden zu haben scheint, wie man sagt."


    Er lächelte schmal und gekonnt, als er dem Senator gratulierte, und ein wenig floskelte, bevor er zum eigentlichen Grund seines Kommens wechselte.
    "Allerdings bin ich heute nicht nur hier, um mit dir wie so oft über Alltägliches zu reden, es ist mir schon fast eine Freude, zum ersten Mal mit einem konkreten politischen Anliegen zu dir zu kommen.", er machte eine kurze Pause um dem Schreiber Gelegenheit zu geben, sich Notizen dazu zu machen, bevor er fortfuhr, "In deinem ehemaligen Amtsort hat sich einiges bewegt. Eine Initiative aus Mogontiacum hat eine Reform des Provinzwesens erarbeitet, um deutliche Verbesserungen in der Verwaltung von sowohl Provinz als auch den Civitates anzustreben. Grob gesagt, geht es um nicht weniger als um die Auflösung der Regiones, und dafür um die Stärkung der Civitates und der Provinzverwaltung, ganz nach dem Vorbild Roms und seiner Verbündeten in Italia."


    Vala beobachtete den Senator bei seinen Worten aufmerksam, aber unaufdringlich, und wartete auf ein Zeichen von Wertung im Gesicht des Viniciers...

    Mittlerweile hatte Vala sich so an die Begrüßungen an römischen Portae gewöhnt, dass es ihn eher geschockt hätte, wenn man ihn mit einem freundlichen Lächeln willkommen geheißen hätte.


    "Ich bin Titus Duccius Vala, und wurde von Quintus Claudius Lepidus hergebeten.", antwortete er, während er dem Sklaven die Tabula hinhielt, die er vor zwei Tagen bekommen hatte.


    zurück.


    T. Duccius Vala



    Salve Duccius Vala,



    ich habe zwar im Moment alle Hände voll zu tun. Jedoch spricht nichts gegen ein Treffen.
    Übermorgen Nachmittag habe ich schon einen Termin. Wie wäre es da am Vormittag zu einem kleinen Imbiss in der Villa Claudia?


    Vale!



    Quintus Claudius Lepidus


    "Balbus.", begann Vala ein Gespräch, was sich in den Monaten, die Vala jetzt schon in Rom war deutlich zu häufen begann, weil es immer mehr gab, was der junge Germane nicht verstand, und sich daher von seinem Oheim erklären lassen musste, "Wenn der Praefectus Urbi anscheinend gegen die Interessen der Machtelite handelt, aber anscheinend auch ohne Wissen des Kaisers, wieso tut niemand etwas dagegen? Du bist zum Beispiel Praefectus Praetorio. Ergo vom Status her der Gebieter über die einzige organisierte Waffenkraft innerhalb des Pomeriums... erkläre mir, warum hat dieser Mensch die Macht, die er hat, und warum nimmt sie ihm keiner?"

    "Nein, eigentlich ist es das nicht. Ihr Geburtsrömer tragt doch auch drei, da machen die paar mehr auch nichts aus.", scherzte Vala über das Problem mit den verschiedenen Namen, "Eigentlich sind unsere Namen nicht so irreführend wie die euren. Oder vielleicht einfach nicht so durchorganisiert. Es gibt keine Gensnamen. Dafür braucht man auch länger, um sich vorzustellen. Bei euch reicht es zu sagen: Marcus Aurelius Corvinus, Sohn des Aurelius Antoninus (ja, Vala hatte seine Hausaufgaben gemacht.), aus Rom. Bei uns heißt es: Alrik, Sohn des Leif, Sohn des Landogar, aus der Sippe des Wolfrik, vom Stamm der Amser, die von den Römern genannt wurden Amsivarii. Macht es herzlich kompliziert. Allerdings bleiben so auch keine Fragen offen. Da ist Titus Duccius Vala schon ein Zusatz, der das ganze nicht viel komplizierter machen kann.", Vala schmunzelte ob der verworrenen Namenspraxis bei seinem Volk. Andererseits war es auch nicht so kompliziert... die römischen Gentes waren schließlich auch nichts andere als die Grundsippen des alten Roms, die sich mit der Zeit immer weiter ausgebreitet hatten.


    "Ja, das beantwortet meine Frage.", gab Vala zu, obwohl er eigentlich darauf gehofft hatte, dass der Senator vielleicht was mit seinem Vater zu tun gehabt hatte. Es interessierte Vala dringens, zu erfahren wie sich sein Vater in Rom bewegt hatte. Natürlich hatte er ihm darüber erzählt, aber Vala war nicht dumm, eine andere Sichtweise auf das Wirken des alten Leif hätte schon mehr Licht in die Sache gebracht.


    "Verstehe ich das richtig? Du meinst, dieser Vescularius Salinator handelt ohne Wissen des Imperators, nach eigenem Gutdünken? DANN frage ich mich, wo der öffentliche Aufschrei bleibt. Und wieso erzählt niemand dem Kaiser davon? Hat er keine anderen Vertrauensleute? So wie ich das verstanden habe, umgeben den Kaiser immer miteinander konkurrierende Funktionäre, ist das bei Valerianus anders?", etwas verblüfft war der junge Germane schon ob der offensichtlichen Machtdiskrepanz, die anscheinend sogar einfach so hingenommen wurde.

    Zitat

    Original von Phaeneas
    Und wie es meistens bei der Salutatio zu sein pflegte, öffnete Lichas die vinicische Eingangspforte und bat das wartende Klientel herein in die gute Stube.
    Das mit dem Einheizen hatte an diesem Morgen übrigens auch er übernehmen dürfen, das heißt es musste heute vernünftig warm sein. Die holde Weiblichkeit (das heißt Sklavinnen, die einzigen Damen, mit denen Lichas üblicherweise innerhalb dieses Hauses zu tun hatte) beschwerte sich nämlich sonst meistens, sobald es nur annähernd Herbst wurde, darüber, dass sie in der Villa fröstelten. Na ja, und wenn er für angenehme Temperaturen sorgte, war er wenigstens für diesen einen Tag im Haus der Held.
    „Wie üblich geradeaus ins Atrium, bitte“, merkte Lichas noch an, während er schon einen Schritt zurückging, um den Eingang freizumachen.


    Sim-Off:

    'geradeaus ins Atrium' ist ein Link.


    Vala nickte dem Sklaven, der die Tür geöffnet hatte, dankend zu, und steckte ihm in einer flüssigen Geste einen Dupondius in die Hand, bevor er in die Casa eintrat. Etwas, was er sich bei anderen Klienten abgeguckt hatte, und auch wenn es die wenigsten waren, die Sklaven ein antikes Trinkgeld gaben, so höhlte doch der stete Tropfen den Stein.
    Einer der Männer hatte es ihm einmal erklärt, es ging wohl darum, dass Sklaven durchaus einen gewissen Privatbesitz ihr eigen nannten, und sie sich irgendwann freikaufen konnten, wenn sie nur genug Geld sammelten. Da sie nicht für ihre Arbeit bezahlt wurden, waren sie meistens auf die Großzügigkeit ihres Herren angewiesen, oder auf kleine Dreingaben. Wie eben diese. Außerdem versicherte man sich damit des guten Willens der Arbeitskräfte im Haus, wer wusste schon, wann sich das auszählen würde?


    Sim-Off:

    Das war jetzt nicht ZU unauffällig... ;)

    ...wartete zur selben Zeit ein gewisser Mensch darauf, dass gelegendliche Prozedere der Salutatio bei Vinicius Lucianus zu absolvieren. Dieses Mal war das jedoch keiner der Anstandsbesuche ohne konkretes Anliegen, bei dem Vala und der Bruder seines Patrons Alltäglichkeiten austauschten, nein, dieses Mal hatte Vala ein definitiv politisches Anliegen. Was schon zu einer gewissen Aufregung bei dem jungen Mann führte, der es sich mittlerweile angewöhnt hatte, mit den anderen Wartenden kleinere Gespräche zu führen, die meist ebenso falsch wie unnötig waren. Aber irgendwie musste man die Zeit schließlich rumbringen, und Vala nutzte die Gelegenheit, um sich im unverbindlichen Kleingespräch zu üben... bis er irgendwann an der Reihe war.

    "Meinst du? Man könnte meinen, dass jemand, der aus dem germanischen Nichts kommt, und das sogar als Vogelfreier, es irgendwo gewohnt sei, dass sich Dinge um ihn herum verändern.", grummelte Vala, der sich in zunehmendem Disput mit seinem Adoptivvetter sah.


    "Ich habe im Sommer schon eine andere Route gewählt, über Gallia und ab Marsillia nach Genua. Ich wollte eigentlich per Schiff verreisen, wann bekommt man schon die Gelegenheit um sich herum nichts als Wasser zu sehen... aber Thyrfying hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schon auf einem Flusskahn hat er sich angeschickt, das Boot zu versenken nur um wieder festen Boden unter die Hufe zu bekommen."


    Als sie vor der Principia ankamen, war er nicht halb so beeindruckt, wie er hätte sein können, hätte er vor wenigen Tagen nicht den Kaiserpalast itself gesehen.
    "Was ich so treibe? Anstandsbesuche, Namen sammeln, meinen etwas bekannter machen... das mit dem Wein klingt gut. Ich denke, den Met sollten wir uns für wichtige Tage aufsparen. Obwohl... es leben ja eigentlich genug von den Völkern hier, sicherlich wird irgendjemand selbst Met ansetze, oder nicht?"


    Sim-Off:

    Farbencode geändert. Sonst kann man das ja garnicht lesen, hier in eurer finstren Bude.

    "Selbstverständlich meine ich das ernst.", empörte sich Vala, "Ist ja nicht so, als würde ich den Sieg aus Spaß von der Hand geben. Aber ich sehe ein, dass an diesem Tag kein Quadrans zu gewinnen ist. Erst verlaufe ich mich, dann lande ich in Rom, muss eine FRAU nach dem Weg Fragen.", der Germane ließ seine Verzweiflung an dieser Stelle zu theatralischen Höchstformen auflaufen, "Verliere gegen eben jene dann auch noch ein Rennen, und muss eingestehen, dass ich es nicht wage aus dem bestgesicherten Palast Midgards einen Baum zu klauen. Ein wahrhaft... wahrhaft... wahrhaft... wahrhaft unglückseliger Tag."


    Als sie ihn als Beute auswählte, musste Vala an sich halten um nicht sofort in das bewährte "dran, drauf, drüber"-Schema zu verfallen, dass ihm schon einige amouröse Nächte beschert hatte. Diese Dame war die Nichte von jemanden, der den Kaiser kannte. Da könnten sich etwaige Verwicklungen als sehr ungünstig erweisen. SEHR ungünstig. Andererseits war er auch fast versucht, das als Beleidigung aufzufassen. Dass gewisse Römer sich große Mannen aus dem Norden gerne als Sklaven hielten, war ein offenes Geheimnis. Andererseits wusste sie doch nichts von seiner Herkunft... so germanisch sah Vala zumindest auch nicht aus. Glaubte er zumindest.


    Die junge Römerin tat ihm allerdings den Gefallen, und löste das Spiel in einem heiteren Lachen auf, das Vala zufrieden schmunzeln ließ. "Ich darf das als Kompliment auffassen, ja?", er verneigte sich wieder, wie ein Schausteller der seinem Publikum dankte, "Wenn dir unsere gemeinsamen Momente Freude bereitet haben, dann ist der Tag ja doch nicht so verloren, wie ich meinte. Was wir jetzt tun? Oh, frag mich das bitte nicht, Domina, es ist schließlich an dir, das zu entscheiden."
    Jahrzehntausende währende Erfahrung zeigte: auch Männer konnten zickig sein. Und so stichelte Vala vergnügt ein wenig nach.. :D

    "Ja, ich bin sein persönlicher Schreiber.", antwortete der junge Germane, während er mit dem älteren Germanen durch ein Gewirr an Mauern und Gebäuden marschierte, "Und Lando hat mich ihm quasi anempfohlen, wenn man es genau nimmt. Ich glaube, er war froh, als er mich los wurde."


    Als sein Vetter von der Reise sprach, nickte Vala verstehen: "Du kannst allerdings auch froh sein, dass du überhaupt angekommen bist. Wahrscheinlich kurz bevor die Pässe über die Alpen zufroren... was in etwa jetzt der Fall sein dürfte. Die Eisriesen sind ein sehr unstetes Volk, aber vielleicht haben ja DIE an DIR einen Narren gefressen!?"

    "NOCH heisser?", ächzte der junge Germane, und sah den Römer verblüfft an, "Was genau soll dann erholsam daran sein, wenn man sich bei lebendigem Leibe kochen lässt? Das ist Wahnsinn!"


    'Wahnsinn? Das ist Roma!', dachte Vala ohne irgendwelche cinematologischen Hintergedanken über die seltsame Art dieses Bades.. aber was sollte er schon machen? Allein dieses Bad war für ihn außergewöhnlich warm. Wie sollten dann erst die anderen werden?

    Wie so oft in letzter Zeit stand Vala frühmorgens mit den anderen Klienten der Gens Vinicia, insbesondere die des Lucianus, vor der Porta der Casa und wartete darauf eingelassen zu werden.


    Das späte Jahr ließ die Morgende frisch werden, mehr aber auch nicht. In seiner Heimat würde Vala zu dieser Zeit wohl kaum weniger als dickbepackt aus dem Haus gehen, hier reichte allerdings eine dickere Wolltunika, um sich warm zu halten.

    Ein prudentischer Sklave, der eh in der Gegend unterwegs war, gab bei der Villa der Claudii eine kleine Tabula ab.


    Q. Claudii Lepidi


    Salve Claudius,


    es ist einige Zeit her, seitdem wir uns das letzte Mal unterhalten haben, und aus diesem Grund bitte ich dich, ein wenig Zeit für mich zu erübrigen, damit ich dir von einer Sache erzählen kann, die nicht unwichtig ist.


    Bitte lass mich wissen, wann wir uns treffen können.


    Vale,



    Es nagte Vala schon ein wenig, an, SCHON WIEDER nach dem Weg fragen zu müssen. Allerdings schluckte er seinen Ärger darüber einfach hinunter, stapfte auf den nächsten Mann zu, der seiner Meinung nach wie ein Priester aussah, und fragte, wo sie den Tempel finden würden... als das getan war, kehrte er zurück und führte seine Tante und ihre Kinder zum Tempel der Fortuna.

    Nachdem sie sich durchgefragt hatten, standen die zwei großen und zwei kleinen Duccii vor dem eindrucksvollen Tempel der Fortuna.


    "Ich glaube, hier sind wir richtig.", murmelte Vala, und sah sich nach einem Priester um, der sie bei ihrem Opfer begleiten würde.


    Sim-Off:

    Hallo!!! Priester!!!! Bitte!!!! :D

    "Hat sie das?", blickte Vala durchaus verwundert von Serrana zu seiner Tante. Hatte diese sich nicht aus den zwei Gründen, die in diesem Moment ein Stockwerk höher schliefen, oder ein Zimmer auseinandernahmen, vollkommen aus der Politik zurückgezogen. Aber vielleicht verfolgte sie die römische Politik ja dennoch mit wachem Geiste, wer wusste schon, was die Frau, die sich so verdient um die germanische Provinz gemacht hatte, für die Zeit ausheckte, wenn ihre Kinder vermehrt Sklaven überlassen werden konnten, und sie die Zeit hatte, sich wieder anderen Dingen zuzuwenden. Andererseits fragte Vala sich, wie sehr die römische Art auf Venusia abgefärbt hatte, und den ihrer Familie eigentlich eigenen weiblichen Tatendrang dämpfte.


    Andererseits bekam er langsam das Gefühl, dass es hier ein Missverständnis gab.


    "Eh.. du meinst, wir beide sollen ihr in römischer Politik auf die Sprünge helfen?", blickte er fragend von Venusia zu Serrana und wieder zurück, "Ich bin eigentlich erst vor wenigen Wochen in Rom angekommen, und verstehe von den aktuellen Gegebenheiten noch sehr wenig..."

    "In die kaiserliche? Interessant... mein Oheim Prudentius Balbus ist zur Zeit Procurator a libellis. Vielleicht kennst du ihn?", versuchte Vala sich zum ersten Mal in der Verbindung und Verwendung von sozialen Kontakten.


    "Annaeus Varus, erlaube mir, dich um einen Rat zu bitten: wenn du noch einmal ganz von vorne anfangen müsstest... als absolut unbeschriebenes Blatt, als Homo Novissimus, wo würdest du das tun? Wo würdest du versuchen, einen Fuss in die Tür zu den großen Karrieren des Reiches zu bekommen?"

    Vala war verstört. Enorm. Verstört.
    Natürlich hatte er Rom durchstöbert, hier und da gewaltige Bauten wie das Theatrum Flavium gesehen, aber die schiere Größe des Palast ließ ihn einfach nur dastehen und staunen. Die Römerin sagte etwas, das Vala nur halb mitbekam, und er mehr automatisch als bewusst mit einem gemurmelten "Von Menschenhand gemacht..." antwortete. Das Ding war gigantisch. Zumindest kam es Vala so vor. Dass die Kaiserpaläste doch nicht so groß waren, wie erwartet konnte er ja nicht ahnen, vor allem die Lage auf dem Hügel und Einpassung in die massive Umgangsbebauung ließen das Ding einfach unermesslich groß erscheinen.


    "Ehm... es ist unglaublich.", gab Vala zu, und konnte kaum seinen Blick von den gemauerten Bögen, dem vielen Putz und der aufwendigen Architektur nehmen. Auf einmal kam ihm seine Idee, hier vor das Tor zu marschieren und nach einem Baum zu verlangen unheimlich dämlich und kindisch vor, und er musste sich eingestehen, in seiner Gedankenlosigkeit in eine Richtung gerannt zu sein, in der er keinen Meter Land gewinnen konnte.
    "Ich muss zugeben... diese Runde geht an dich.", gestand er letztendlich seine Niederlage ein. Was blieb ihm auch anderes übrig? Aus einem kleinen Scherz vor die Tore der Machzentrale des Reiches zu marschieren, und sich wahrscheinlich noch von den Palastwachen für diese Frechheit verprügeln zu lassen kam ihm auf einmal sehr, sehr unpraktisch vor. Besonders, wenn er daran dachte, dass er hier einmal als mehr oder minder wichtiger Staatsbeamter ein und ausgehen wollte. Er hätte sich darüber beklagen können, dass die Römerin Heimvorteil gehabt hatte. Allerdings wollte er nicht weinerlich erscheinen, zudem würde sich schon eine Gelegenheit erarbeiten, sich dafür zu revanchieren.


    "Ich glaube...", breitete Vala theatralisch die Arme aus, und verneigte sich knapp vor der jungen Frau, "...du als Siegerin dieses kleinen Scharmützels hast das Recht darauf, dir deine Beute selbst aussuchen zu können."