"Großmutter ist der Meinung, dass sie die Casa Germanica davor bewahren muss, im absoluten Chaos zu versinken, jetzt, wo wir alle wieder daheim sind." Serrana zuckte ein wenig entschuldigend mit den Schultern. " Daher ist sie daheim geblieben und will alles wieder auf Vordermann bringen. Ich störe sie dabei wohl eher als ich behilflich bin, zumindest hab ich sie so verstanden. Naja, soll mir recht sein..." Serranas Stimme war immer noch ein wenig Unmut anzumerken, doch mit der hilflosen Wut früherer Tage hatte das nichts mehr zu tun. Die erfolgreich überstandene Geburt der Zwillinge hatte Serranas Selbstbewusstsein einen unerwarteten Aufschwung und wesentlich mehr Gelassenheit verpasst, und das wirkte sich endlich auch im Zusammenleben mit ihrer kritikfreudigen Großmutter aus. "Oh, da fällt mir ein, Großmutter hat mich auch gebeten, Valerian und dich zu einer Cena in die Casa Germanica einzuladen. Sie würde es natürlich nie zugeben, aber ich bin mir sicher, dass sie neugierig auf euren Sohn ist. Dann kannst du dir den Höflichkeitsbesuch bei ihr vielleicht sparen, es sei denn, du möchtest unbedingt..." Serrana kicherte erneut und knuffte die Freundin scherzhaft in die Seite.
"Deine Cousine heißt auch Laevina? Lebt sie auch hier in Rom?" fragte sie Prisca dann aufrichtig überrascht, denn vor der Geburt ihrer Tochter hatte sie diesen Namen ausschließlich mit rabiaten älteren Damen in Verbindung gebracht. "Dann passt es sicher auch am besten, wenn Vina einen Moment zu dir kommt." Serrana fuhr ihrer Tochter noch einmal sanft durch den immer dichter werdenden dunklen Haarflaum und legte sie dann vorsichtig Prisca in den Arm, nur um Sekunden später herumzufahren.
"Romana, bei den Göttern, wie wundervoll!" Selig ließ sich Serrana die Küsschen der Vestalin gefallen, hätte sich jedoch eigentlich am liebsten mit Inbrunst an den weißen Stoff ihres Ornats gedrückt, wie seinerzeit im Atrium Vestae, als sie Romana unter Stocken und Stammeln von ihrer Schwangerschaft und ihren diesbezüglichen Ängsten berichtet hatte. Schon damals hatte die Vestalin in den Augen der frommen Serrana aufgrund ihrer Berufung einen besonderen Stellenwert besessen, doch das war kein Vergleich zu der Begeisterung und unverstellten Schwärmerei und Verehrung, die der Claudia in diesem Moment von Seiten der Iunia entgegen schwappten. Romana hatte erkannt, dass die Götter Serrana nicht wohlgesonnen waren, hatte die richtigen Maßnahmen erkannt, um das unsterbliche Wohlwollen wieder herzustellen und dann auch noch unermüdlich bei der Umsetzung geholfen. Die Götter hatten schließlich ein Einsehen gehabt, und Serrana gegen ihren ursprünglichen Willen am Leben gelassen, und das war ausschließlich Romanas Verdienst, zumindest sah die glücklich Verschonte das so. "Die kleine Dame auf Priscas Arm ist Laevina, und da drüben ist Victorius." erklärte sie dann stolz, Romana weiterhin wie eine göttliche Manifestation anstrahlend.