Serrana hätte keinen einzigen Augenblick in ihrem bisherigen Leben benennen können, in dem ihr Körper derart umfassend erschöpft und müde gewesen war und mit jeder einzelnen Faser nur noch nach Schlaf geschrien hatte. Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde war sie eingeschlafen, doch als sie spürte, wie ihr die Kinder irgendwann wieder aus den Armen genommen und auf ein eigenes Lager gelegt wurden, kam sie aller Müdigkeit zum Trotz wieder zu sich, schlug die Augen auf und entdeckte als erstes ihren Mann, der auf der Bettkante saß und sie ansah. "Quintus." sagte sie lächelnd und fuhr sacht mit der Hand über seine Wange. "Bist du schon lange hier bei mir? Ich glaub, ich hab geschlafen." Ihr Blick glitt jetzt auf der Suche nach den Neugeborenen suchend durch den Raum, während sie sich so gut wie möglich aufrichtete. "Hast du die beiden schon gesehen? Sind sie nicht unglaublich? Könnte ich meine Kinder bitte noch einmal haben?" sagte sie schließlich an die Hebamme gewandt, nachdem sie diese in einer Ecke des Raumes entdeckt hatte. Praxilla nickte lächelnd, kam mit den beiden kleinen Bündeln zum Bett hinüber und legte sie der selig lächelnden Serrana zurück in die Arme, die in Ermangelung einer freien Hand ganz vorsichtig ihre Nase durch den weichen Flaum auf den kleinen Köpfen gleiten ließ. Für einen kleinen Augenblick schien die ganze Welt nur aus den beiden Babys, Sedulus und ihr selbst zu bestehen, doch dann nahm Serrana aus den Augenwinkeln eine Bewegung an der Tür des Cubiculums wahr und lächelte, als sie die Urheberin erkannte. "Sabina, wie schön, dass du da bist. Komm doch ein bisschen näher, ich möchte dich jemandem vorstellen."
Beiträge von Iunia Serrana
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Irgendwie schien sich jede einzelne Sekunde unendlich aufzublasen, während Serrana in diesem Stall stand und Duccius Vala anstarrte, der mit unglaublicher Akribie und Konzentration sein Pferd trockenrieb. Sie wusste nur zu genau, dass es im höchsten Maße ungehörig und unpassend war, einen nicht zur Familie gehörigen Mann derartig anzustarren, gleichgültig, ob es sich dabei um einen Bekannten oder Fremden handelte, und trotzdem gelang es ihr nicht, ihren Blick auch nur einen Moment lang von ihm zu lösen.
Dass er sie schließlich doch bemerkte und beim Namen nannte, half auch nicht, ihre Erstarrung zu lösen, ganz im Gegenteil. "Iunia", nichts weiter, nur ihr Name. Keine Begrüßung, keine irgendwie gearteite unverbindliche Floskel, nichts. Serrana hatte sich in den meisten Situationen ihres bisherigen Lebens mit ziemlichem Erfolg davor gedrückt, in irgendeiner Form die Initiative zu übernehmen, und war spätestens jetzt mit diesem Zusammentreffen komplett überfordert. Hin und hergerissen zwischen dem immer noch übermächtigen Impuls, sich einfach umzudrehen und aus dem Stall zu fliehen und dem jahrelang antrainierten gesellschaftlichen Verhaltenskodex, dem zufolge jetzt nichts anderes als eine nette Plauderei akzeptabel war, scharrte sie zunehmend nervös mit den Füßen und biss sich auf die Unterlippe, während in ihrem Kopf die Gedanken Purzelbäume schlugen. Was sollte den schon groß passieren? Ein bisschen blabla, und dann würde sie den Stall guten Gewissens wieder verlassen können. Serrana fühlte sich ihrer fast einjährigen Ehe und fortgeschrittenen Schwangerschaft zum Trotz im Umgang mit Männern immer noch unsicher, aber hatte Axilla ihr nicht mehr als eindrücklich versichert, dass der Germane ein überdurchschnittlich ehrenvoller Mann war? Ein kurzes Räuspern, dann bekam Serrana endlich nach einer gefühlten Ewigkeit und auch ein wenig krächzend eine Antwort über die Lippen. "Salve, Duccius. Es ist lange her, nicht wahr?. Ich hoffe, es ist dir gut ergangen in der Zwischenzeit." -
Die Schmerzen waren schlimm. Sehr schlimm sogar. Sie waren so schlimm, dass sie alles andere verdrängten, so schlimm, dass sogar die seit Monaten allgegenwärtige Angst verschwand, weil schlichtweg kein Raum für sie da war.
Als die Wehen vor etlichen Stunden eingesetzt hatten, war Serrana noch optimistisch gewesen, das Ganze recht schnell und unproblematisch hinter sich bringen zu können, obwohl Pacaria Alba zur selben Zeit in einem der benachbarten Räume mit Septima beschäftigt und deshalb auf die schnelle noch eine zweite Hebamme von einem benachbarten Gehöft zu Hilfe geholt worden war.[Blockierte Grafik: http://i839.photobucket.com/albums/zz312/Inpa67/phyllida-law.jpg]
Besagte Praxilla, eine drahtige und bereits etwas ältere Frau, hatte forsch das Cubiculum betreten, die ziemlich verschreckte Serrana mit ein paar kundigen Handgriffen untersucht und schließlich nachdenklich die Stirn gerunzelt.
„Nun, ich denke, das wird eine lange Nacht werden. Beim ersten Mal dauert es ohnehin länger und dann gleich zwei Kinder auf einmal…“ Praxilla hielt inne, als sie Serranas entgeisterten Gesichtsausdruck bemerkte und schüttelte dann mit einem Seufzer den Kopf. „Hat dir das etwa noch keiner gesagt? Ein Wunder, dass ihr feinen Leute überhaupt gesunde Kinder zur Welt bringt, so wenig Ahnung wie ihr alle von den einfachsten Dingen des Lebens habt…“ Sie seufzte erneut und tätschelte Serrana dann kurz den Arm, während sie die anwesenden Sklavinnen mit den unterschiedlichsten Anweisungen überschüttete. „Nun mach dir mal keine Sorgen, Kleines, wir werden das schon hinkriegen, du wirst sehen.“ Serrana nickte eher überrumpelt als überzeugt und begann dann, mit den Händen in der Luft herum zu wedeln, wie immer, wenn sie besonders nervös oder aufgeregt war. „Ich kann gar nicht glauben, dass ich nie auf die Idee gekommen bin. Dabei hat es sogar einen Artikel darüber in der Acta gegeben. Dass in der letzten Zeit so viele Zwillinge geboren worden sind und dass das eventuell ein Zeichen der Götter sein kön……uuuuuuhhhhh….“ Diese Wehe war schon ungleich heftiger gewesen als die davor, und Praxilla griff resolut nach Serranas wedelnden Armen, um sie ein wenig zur Ruhe zur bringen. „Diese Schreiberlinge schreiben ne ganze Menge, wenn der Tag lang ist. Jetzt lassen wir mal die Götter Götter sein und kümmern uns erstmal um dich und deine Kinder, das ist wichtiger." Serrana nickte ein wenig zögerlich, doch mit jeder weiteren Wehe wurde der Gedanke an die Unsterblichen immer weiter an den Rand ihres Bewusstseins verbannt und durch viel unmittelbarere Sorgen ersetzt.
Immer kürzer wurden die Abstände, und Serrana war schließlich schweiß überströmt, auch wenn die Sklavinnen ihr Bestes taten, um ihr mit feuchten Tüchern ein wenig Erleichterung zu verschaffen. Immer wieder schrie sie auf, sehr verhalten noch zu Beginn, doch als die Schmerzen sie nach und nach wie riesige Wellen überrollten, schrie sie ihre Pein einfach nur noch heraus, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an die übrigen Menschen im und ausserhalb des Cubiculums zu verschwenden. „Du machst das gut, Kleines, weiter so.“ Die Hebamme war der zunehmenden Lautstärke und Hektik im Raum zum Trotz nach wie vor genauso unaufgeregt und ruhig wie zu Beginn der Geburt, und vermutlich war es das, was Serrana immer wieder aufs Neue die Zähne zusammen beißen ließ, obwohl sie bei jeder neuen Wehe sicher war, dass sie eine weitere nicht würde überstehen können. „Dein Körper stellt sich jetzt darauf ein, die Kinder hinaus zu schieben, hörst du?.“ Praxilla strich Serrana eine verklebte Haarsträhne aus der Stirn und half ihr gemeinsam mit einer der Sklavinnen in eine mehr oder weniger hockende Position. „Auch wenn du das Gefühl hast, jetzt nur noch pressen zu müssen, ist es wichtig ganz sachte vorzugehen. Stell dir einfach vor, dass du die Babys mit jedem Atemzug hinaus trägst.“ "Ich will mir aber nichts vorstellen, ich will nur, dass es endlich vorbei ist.“ heulte Serrana, die inzwischen am Ende ihrer Kräfte angekommen war, verzweifelt auf. „Und wenn es vorbei ist, dann will ich nie, nie, nie mehr ein Kind bekommen! Oh gütige Minerva, warum bin ich nicht Vestalin geworden wie Romana….“ „Unsinn, das sagen die meisten, und am Tag nach der Geburt können sie sich kaum noch daran erinnern.“ entgegnete die Hebamme und nahm wieder ihren Platz zwischen Serranas Schenkeln ein. "Ich kann schon den Kopf sehen, du hast es also fast geschafft.“ Beflügelt durch die Aussicht auf ein baldiges Ende, nahm Serrana noch einmal alle Kraft zusammen und presste, obwohl sie das Gefühl hatte, ihr Körper würde zunehmend auseinander gerissen. Und dann war es tatsächlich wirklich soweit: erst erschien der Kopf, dann die Schultern und schließlich glitt Serranas erstgeborenes Kind in einem Schwall Fruchtwasser aus ihr heraus und begann wenige Augenblicke später zu schreien. „Eine Tochter hast du schon mal, Kleines, jetzt kümmern wir uns noch um das Andere.“ verkündete Praxilla nachdem sie sich vergewissert hatte, dass das Neugeborene alle Gliedmaßen besaß und auch sonst einen gesunden und munteren Eindruck machte und hielt es so in die Höhe, dass Serrana es sehen konnte. Serrana starrte das kleine blutverschmierte und schreiende Bündel an, und mit einem Mal war die Aussicht, auch noch ein weiteres Kind auf die Welt zu bringen, nicht einmal mehr halb so schlimm. „Eine Tochter, ich habe eine Tochter.“ murmelte sie in ungläubigem Staunen mehr zu sich selbst, bevor erneute Wehen sie zurückrissen. Wieder versank sie in einer Welle aus Schmerzen, aber diesmal ging es schneller und nur wenige Minuten später hatte auch das zweite Kind den Geburtskanal passiert und ihren Körper verlassen, auch diesmal begleitet von noch recht zittrigem aber dennoch lautstarkem Protestgeschrei. „Ein strammer kleiner Kerl, das wird deinen Gatten sicher freuen.“ ]Mit einem übersehbar erleichterten Gesichtsausdruck, dass die Geburt zwar lang und schmerzhaft aber dennoch komplikationslos verlaufen war, hielt die Hebamme auch das zweite Kind in die Höhe und reichte es nach dem Abnabeln dann an eine ihrer Gehilfinnen weiter, damit diese es, wie schon das kleine Mädchen zuvor, waschen konnte. Praxilla selbst kümmerte sich jetzt um die Nachgeburt, von der Serrana kaum noch etwas mitbekam, da sie viel zu sehr damit beschäftigt war, Ausschau nach ihren Kindern zu halten. Die wenigen Minuten, die vergingen, zerrannen in ihren Augen zäh wie Stunden, doch dann kam die Sklavin endlich zurück und legte Serrana sanft je ein in frisches Leinen gewickeltes Kind in die Arme. Es war ein unglaubliches Gefühl, das sie in diesem Moment durchflutete, als sie auf die winzigen Gesichter ihrer Kinder hinab sah und jedes noch so kleine Detail in sich aufzusaugen versuchte. Der dunkle Haarflaum ihrer Tochter zum Beispiel und das etwas hellere und auch kürzere Haar ihres Sohnes…Alles andere war für den Augenblick verschwunden, die Angst vor der Niederkunft, die sie monatelang verfolgt hatte, die überstürzte Flucht aus dem seuchengeplagten Mantua und nicht zuletzt der vor wenigen Stunden noch so geheimnisvolle Artikel in der Acta. Serrana stieß einen kleinen Seufzer aus, legte sich mit einigen Mühen bequemer hin, ohne die friedlich schlafenden Babys zu wecken, und glitt dann selbst in einen tiefen und erholsamen Schlaf.[Blockierte Grafik: http://i839.photobucket.com/albums/zz312/Inpa67/zwillinge-9697566-kopf-gross.jpg]
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Für Serrana hatten sich die beiden vergangenen Tage, die sie fast ausschließlich in der Sänfte verbracht angefühlt wie eine ganz Woche. Endloses Geschaukel, das ihr auch noch die letzte Energie aus den Knochen zu ziehen schien, und das, obwohl sich die Sklaven alle erdenkliche Mühe gaben, den beiden schwangeren Frauen jede unnötige Erschütterung zu ersparen. Hatte sie die Reise von Rom nach Mantua noch dazu genutzt, sich pausenlos und mit großer Begeisterung mit den anderen Mitreisenden zu unterhalten, war Serrana dieses Mal von Stunde zu Stunde stiller geworden, hatte sich so gut wie möglich auf ihren Kissen zusammengerollt und auf eine baldige Ankunft gehofft.
Und dann, endlich, endlich, stoppte die Sänfte, und Septimas Leibwächter verkündete, dass sie nun doch das Landgut der jungen Tiberia erreicht hatten.
Serrana stieß einen ziemlich ächzenden Seufzer aus, rappelte sich dann aus ihrer Liegeposition hoch, und stieg mit einiger Hilfe und alles andere als schnell aus der Sänfte. Mit wackligen Knien aber dennoch mehr als erleichtert, presste sie beide Hände in den Rücken, streckte sich so gut es ging und spürte dann plötzlich, wie die Innenseite ihrer Schenkel und ihre Füße plötzlich nass wurden. Serrana erstarrte mitten in der Bewegung und starrte nach unten, wo sie wie immer seit etlichen Wochen nichts anderes zu sehen bekam, als ihren riesigen Bauch und etwas Flüssigkeit, die von der Stelle ihren Ausgang nahm, an der sich vermutlich gerade ihre Füße befanden."Ooooh" sagte sie fast tonlos und blieb stocksteif und unbeweglich stehen. "Was mach ich denn jetzt? Was mach ich denn jetzt nur?"
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Es gab eigentlich nur sehr wenige Momente, in denen Serrana mit ihrer hünenhaften und muskelbepackten Leibsklavin Adula unzufrieden war, machte diese mangelndes weibliches Geschick auf dem Gebiet der Schönheitspflege und Bekleidung doch durch eine Vielzahl von anderen Qualitäten wett. Feinfühliges Massieren gehörte leider nicht dazu, und so beobachtete Serrana Frijas Bemühungen um die Füße ihrer Herrin mit nur recht schlecht verstecktem Neid. Obwohl sie gar nicht so lang im Hof hatte stehen müssen, waren ihre eigenen Füße und Fußgelenke wieder einmal dick angeschwollen und spannten regelrecht. Die Versuchung, sich für eine Weile in Selbstmitleid zu baden, war groß, aber dann brachten Septimas Bemerkungen sie wider Erwarten schnell auf andere, wenn auch nicht wirklich angenehmere Gedanken.
"Der Duccius?" fragte sie leicht erschrocken nach, setzte dann jedoch eine betont desinteressierte Miene auf, was ihr auch leidlich gut gelang. "Nun, ich kenne mich mit den Pflichten eines Tribunus Laticlavius ehrlich gesagt nicht aus, aber er wird schon wissen, was er tut, dein Mann hat ihn ja nicht ohne Grund ausgewählt." Serrana zog die Beine näher an den Körper heran, tastete prüfend ihre Füße ab und seufzte resigniert, als ihre Finger, wie schon so häufig in letzter Zeit, kleine Dellen auf der Haut hinterließen. "Und ich finde auch nicht, dass er wie ein Jüngling wirkt, er ist irgendwie so....so groß...." Vermutlich nicht gerade die geschickteste Formulierung, um die raumfüllende Präsenz des Duccius Vala zu beschreiben, aber Serrana hatte sich immer schon mit derartigen Charakterisierungen schwer getan. Dankbar griff sie die nächste Frage ihrer Freundin auf und hoffte, dass das Thema des Tribunus damit fürs erste vom Tisch sein würde.
"So furchtbar viele Neuigkeiten kenne ich leider selbst nicht." gab sie nach kurzer Überlegung widerstrebend zu. "Seit ich schwanger bin, war ich nicht mehr auf allzu viel aus, und von den Dingen, die die Sklaven erzählen, stimmt ohnehin die Hälfte nicht. Vor einiger Zeit waren Quintus und ich bei Iulius Centho eingeladen, aber Calliphana hab ich leider nicht gesehen. Naja, und zu Prisca hab ich mich, um die Wahrheit zu sagen, nicht hingetraut, nachdem das mit ihrem Onkel passiert ist. Naja, und natürlich kursieren immer noch diese Gerüchte wegen Flavia Celerina, aber davon hast du ja sicher auch gehört..." -
Serrana lag das "aber doch nicht SO dick!" bereits auf der Zunge, doch schluckte sie diesen Kommentar dann doch ungesagt wieder hinunter. Zum einen gab Sabina sich offensichtlich große Mühe, sie ein wenig aufzuheitern, und zum andern bestand ja immerhin die winzig kleine Möglichkeit, dass sie auf andere nicht ganz so unförmig wirkte wie auf sich selbst. Und ein bisschen aufbauende Selbstillusion war doch nicht verboten, oder? "Oja, natürlich tut sie das." nickte sie stattdessen und freute sich ungemein, dass Sabina sich offenbar gedanklich auch ab und zu mit den Göttern beschäftigte, während sie in dieser Hinsicht bei deren Vater doch große Zweifel hatte. "Wir Frauen selbst haben keinen Einfluss darauf, ob wir einen Sohn oder eine Tochter zur Welt bringen, aber dass du gern eine Schwester hättest, kann ich gut verstehen. Ich hätte auch gern eine gehabt." Inzwischen hatte Serrana sich mit einem Ellbogen auf dem Bett aufgestützt und malte nachdenklich kleine Muster auf das Laken. Männlicher Erbe und Pflichtbewusstsein hin oder her, wenn sie ehrlich war, dann war ihr der Gedanke an ein kleines Mädchen fast lieber. Ein Mädchen, dass sie nach Herzenslust umsorgen und verhätscheln konnte, und das vermutlich länger in ihrer Nähe bleiben würde als ein Sohn... Ob solche Gedanken für eine römische Matrone überhaupt rechtens waren? Garantiert nicht.... Serrana seufzte leise und wandte ihre Aufmerksamkeit dann wieder Sabina zu, die irgendwie wirkte, als sei ihr dieses Thema nicht ganz geheuer. "Weißt du, Sabina, egal, ob es nun ein Junge oder ein Mädchen wird, du wirst in jedem Fall seine große Schwester und damit sehr wichtig für es sein."
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Als Sedulus plötzlich das Tablinum betrat, entfuhr Serrana unwillkürlich ein Seufzer der Erleichterung, dann sah sie zwischen ihm, Septima, deren Mann und der jungen Aurelia hin und her. Floras Argumente klangen ganz vernünftig, und es war alle mal reizvoller, sich im Praetorium zu verbarrikadieren als sich so kurz vor ihrer beider Niederkunft erneut auf den Weg zu machen. Und trotzdem war da etwas, das Serrana antrieb die Aufforderung des Legaten und ihres Mannes so gut wie möglich zu unterstützen, auch wenn sie sich gerade jetzt am liebsten in ihr Bett zurück- und die Decke über den Kopf gezogen hätte, bis diese ominöse Krankheitswelle an ihnen allen vorbeigezogen war.
"Septima, ich denke, die Männer haben recht." sagte sie daher an ihre Freundin gewandt und bemüht, sich nicht allzu viel von ihrem eigenen Zweifeln und Zaudern anmerken zu lassen. "Ich fühle mich hier in Mantua wirklich sehr wohl, aber jetzt wo ich das von dieser Krankheit weiß, werde ich keine ruhige Minute mehr haben...." Ein wenig fahrig rieb sie sich mit beiden Händen über die Arme, auf denen sich all die winzigen Härchen aufgestellt hatten, und wandte sich dann dem Aurelier zu. "Wo sollen wir denn überhaupt hin? Hier in der Nähe können wir nicht bleiben, aber wir können doch unmöglich bis nach Rom zurück, das schaffe ich garantiert nicht, und Septima vermutlich genauso wenig." Ihr Blick suchte den ihrer Leibsklavin, und sie nickte in Richtung Ausgang. "Adula, bitte hol Sabina aus ihrem Zimmer und bring sie her. Nicht, dass sie plötzlich das Praetorium verlässt und unbeaufsichtigt in die Stadt läuft." Sie selbst hätte derartige Alleingänge als Kind niemals gewagt, aber ihre Stieftochter hatte schon häufiger unter Beweis gestellt, dass sie in dieser Hinsicht aus einem anderen Holz geschnitzt war.
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"Von mir aus kann es gern lauter werden, das schließlich ein Zeichen dafür, das Leben im Haus ist." antwortete Serrana schmunzelnd und dachte an ihre Kindheit in Nola zurück, als sämtliche Bewohner, Familie und Sklaven, aus Furcht vor der rabiaten Hausherrin immer möglichst lautlos durch die Casa und ihr gemeinsames Leben gehuscht waren. Nein, dann lieber schreiende Kinder!
"Ehrlich gesagt, fällt es mir schwer, mir dich als Kind vorzustellen. Ganz klein und mit wenig Haaren...." Serrana kicherte leise, dann fiel ihr plötzlich noch eine etwas praktischere Frage ein: "Welche Sklaven sollen wir eigentlich mit nach Mantua nehmen? Bia und Adula natürlich, und Teutus für dich. Und wen noch? Es müssen ja genug Sklaven hierbleiben, um sich vernünftig um den Haushalt zu kümmern." -
"Ja, das ist eine gute Idee. Es sollte lieber jemand in der Nähe sein, der sich mit diesen Dingen auskennt." Serranas Blick war der hinauseilenden Frija gefolgt und heftete sich mit einiger Ungeduld und Unruhe auf den Eingang, bis die angekündigte Hebamme endlich kam und sie unwillkürlich aufatmete. Trotz der Entwarnung, die schließlich von Septima kam fiel es Serrana schwer, sich jetzt einfach wieder auf alltägliche Dinge zu konzentrieren und in dem vorhergehenden Plauderton weiter zu machen. "Bedanken? Ach Unsinn, das ist doch nicht nötig. Ich war ganz froh, mal für eine Weile aus Rom herauszukommen, und ich bin mir sicher, dass Quintus das ganz ähnlich sieht. Und die Leute hier..." Serrana hielt mitten im Satz inne, als ohne Vorwarnung plötzlich Aurelius Ursus zu ihnen ins Tablinum stürmte, und noch bevor er mit seiner Ankündigung fertig war, hatte sich auf ihren Armen bereits eine leichte Gänsehaut gebildet. Erneut versuchte sie, sich von ihrem Stuhl zu erheben, doch diesmal klappte es noch weniger, denn jetzt fühlten sich auch ihre Beine an, als wären sie plötzlich aus Watte. Mit einem ersten Anflug von Panik startete sie einen nächsten Anlauf, doch diesmal tauchte aus dem Hintergrund plötzlich Adula neben ihr auf, half ihr mit ungewohnter Behutsamkeit in die Höhe und blieb neben ihr stehen, um sie im Notfall auch stützen zu können, was jedoch nicht notwendig war.
"Eine Krankheit? Und es sind schon Menschen gestorben?" wiederholte sie ein wenig tonlos, ohne wirklich eine Antwort von Septimas Mann zu erwarten und straffte sich dann unmerklich. "Er hat recht, Septima. Wir sollten sofort hier weg, irgendwie wird es schon gehen." Während die innere Unruhe immer mehr Besitz von Serrana ergriff, schlang sie instinktiv wie zum Schutz einen Arm um ihren Bauch und sah sich dann suchend um. "Jemand muss nach Quintus suchen, ich weiß nicht, wo er hingegangen ist. Und Sabina ist auch nicht da, wir müssen sofort nach ihr sehen...."
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Das sagt ja der Richtige! Titus Aurelius Ursus, dein Postfach ist genauso voll!
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"Meinst du wirklich, es könnte was mit dem Geschlecht zu tun haben?" Serrana sah überrascht zu Septima hinüber, bevor sie erneut ihren Bauch begutachtete. "Sabina hat mir gesagt, dass sie sich eine kleine Schwester wünscht, und mir wäre ein Mädchen auch recht. Aber Quintus möchte natürlich diesmal einen Sohn, eine Tochter hat er ja schon, und er braucht einen Erben." Der Gedanke, wie ihr Mann auf die Geburt einer weiteren Tochter reagieren würde, machte Serrana nach wie vor ein wenig nervös, aber sie schob ihn wie alles, was mit dem Thema Niederkunft zusammenhing, schnell zur Seite und konzentrierte sich lieber wieder auf ihre Freundin, die urplötzlich zusammenzuckte und leicht aufstöhnte.
"Septima? Was ist denn? Ist mit dir alles in Ordnung?" fragte sie mit aufkeimender Besorgnis. Ihr instinktiver Versuch von ihrem Stuhl aufzustehen, scheiterte jedoch nach wenigen digiti an der Schwerkraft, und Serrana sackte, begleitet von einem kurzem Rudern ihrer Arme, wieder zurück auf ihren Sitz, den Blick nach wie vor auf Septimas schmerzverzerrtes Gesicht gerichtet.
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Auch von mir ein ganz dickes Happy Birthday! Feier schön und genieß deinen Jubeltag, lieber Cimon
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Als Untermalung für eine nette rustikal-römische Militär-Untermalung bietet sich meiner Meinung nach immer der Soundtrack von Masada an. Ganz abgesehen davon, dass die ganze Serie auch nach 30 Jahren noch genial ist.
http://www.youtube.com/watch?v=Y6U3S9AwbTI -
Den Göttern sei Dank schien er sie bislang noch nicht bemerkt zu haben. Sie ihrerseits ihn bis vor wenigen Sekunden leider auch nicht, sonst hätte sie sofort unauffällig den Stall verlassen, um Duccius Vala auch weiterhin konsequent aus dem Weg zu gehen, was seit dem Morgenappell am Tag nach ihrer Ankunft in Mantua bislang hervorragend geklappt hatte. Bis jetzt zumindest. Ursprünglich auf der Suche nach ihrer pferdeverrückten Stieftochter hatte Serrana die Ställe der Castra vor einigen Minuten betreten und war zunehmend gedankenverloren zwischen den Boxen herumgelaufen, um schließlich ausgerechnet auf den Tribunus Laticlavius der Legio I zu treffen. Und nun? Schnelle unauffällige Kehrtwende und unbemerkte Flucht? Nicht schlecht, aber für eine Frau mit der momentanen Wendigkeit eines Mehlsacks wohl wenig erfolgversprechend. Oder doch eher die Flucht nach vorn, bestehend aus einem unbeschwerten Gruß und belanglosen aber höflichem Smalltalk? Prima Idee, zumindest wenn sich im Hirn noch ein paar geistreiche Bemerkungen befanden und nicht nur die erschrockene Leere, die sich in Serranas Kopf gerade ausbreitete. Und so wählte diese eher unfreiwillig auch die denkbar ungeschickteste Lösung, blieb bewegungslos ein paar Meter von dem Germanen entfernt stehen und starrte ihn und sein Pferd in der wagen Hoffnung auf ein plötzlich auftauchendes Schlupfloch einfach weiter an.
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"Komisch, jetzt bin ich schon so lange schwanger und kann mir immer noch nicht richtig vorstellen, dass bald zwei Kinder in diesem Haus leben werden." sagte Serrana nachdenklich und streichelte leicht mit der Hand über ihren Bauch. "Wie es wohl aussehen wird? Eher so wie du oder wie ich? Oder vielleicht auch ganz anders? Ich hab die Augen meines Großvaters geerbt, stell dir vor, unser Kleines schlägt nach Großmutter Laevina..." Serrana kicherte, schüttelte dann jedoch energisch den Kopf. "Nein, lieber nicht. Wenn das Baby auch das dazugehörige Wesen erben würde, würden wir unseres Lebens sicher nicht mehr froh..." Was die Reaktion anderer Leute auf ihre Person und ihr Auftreten anging, war Serrana deutlich weniger entspannt als ihr Mann, trotzdem nickte sie. "Ja, vermutlich. Irgendwann werde ich mich wohl auch endgültig daran gewöhnt haben, jetzt Mitglied einer Senatorenfamilie zu sein. Manchmal vergesse ich das nämlich immer noch."
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Serrana ließ die himmelblaue Stola sinken, deren Saum sie gerade mit einem feinen silberfarbenen Muster bestickte und starrte betrübt auf die mehr als imposante Kugel unterhalb ihrer Brust. "Ich versteh das auch nicht." sagte sie dann mit einem Seufzer und rutschte ein wenig auf ihrem Stuhl hin und her, da es ihr immer schneller in einer Position unbequem wurde. "Weißt du, ich hab zwar manchmal den Verdacht, dass ich das Kind schon in den ersten Tagen nach der Hochzeit empfangen habe, aber eigentlich müssten es dann trotzdem noch ein paar Wochen bis zur Niederkunft sein. Vielleicht wird es ja mal so riesig wie Adula oder Claudia Romana, wobei das für einen Jungen sicher günstiger wäre als für ein Mädchen." Serrana warf einen unverholen neidischen Blick auf Septimas zwar unverkennbar schwangeren aber dennoch deutlich weniger voluminösen Bauch und seufzte erneut."Wenn ich wenigstens so groß wäre wie du, dann würde es vielleicht gar nicht so auffallen. Aber wenn ich mich in letzter Zeit im Spiegel betrachte, dann sieht es so aus, als wäre ich von der Seite genauso breit wie hoch. Ob das wohl alles jemals wieder weg geht?" Gut, dass die Freundin in diesem Moment das Thema wechselte, sonst hätte Serrana noch ein Weilchen länger in Selbstmitleid geschwelgt. Ein wenig überrascht schüttelte sie den Kopf. "Nein, eigentlich nicht. Meine Pflichten im Tempel kann ich im Moment ohnehin nicht erfüllen, und Quintus und Sabina sind ja mit mir hier. Ich fühle mich wirklich wohl hier in Mantua, vor allem, weil wir jetzt endlich wieder Zeit zusammen haben und miteinander sprechen können. Und das Beste natürlich...." Serranas Lächeln verbreitete sich spürbar,"....ist, dass meine unsägliche Großmutter weit weg in Rom sitzt. Es ist so herrlich ohne sie, das kannst du dir gar nicht vorstellen."
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[Blockierte Grafik: http://img503.imageshack.us/img503/1383/adula.jpg]
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AdulaBrief? Achja, der Brief, der war Adula jetzt doch tatsächlich fast entfallen, vermutlich weil sie durch die beidseits derart rege Unterhaltung so abgelenkt war. Sie persönlich emfpand dieses Gespräch übrigens wirklich als rege, wäre ihr doch nie der Gedanke gekommen, dass das Gros der übrigen Menschheit ihre zwei-bis-drei-Wort-Sätze unter Umständen vielleicht ein wenig kurz finden könnten. Nach Adulas Empfinden waren ihre Sätze keinesfalls zu kurz, denn sie sagten stets all das aus, was sie im jeweiligen Moment aussagen wollte. Warum also noch zusätzliche und offensichtlich überflüssige Worte drumherum packen? Nein, das war lediglich Verschwendung von Atemluft, schließlich war Adula keine Scriba! Sie grinste ein wenig entschuldigend und streckte dem Germanen dann den Brief ihrer Herrin an die seine entgegen, bevor sich das Grinsen noch vertiefte als er seine Vorliebe für Met ansprach. "Mag sein. Keiner hier?"
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Wider Willen musste Serrana auf Sabinas Bemerkung hin kichern. "Oh, doch das bin ich. Stell dir vor, wenn ich sitze und etwas trinken möchte, dann kann ich den Becher auf meinem Bauch abstellen und er fällt nicht um. Das ist schon ziemlich dick, meinst du nicht?" Sie seufze leise und verzog ein wenig das Gesicht. "Allerdings hoffe ich schon, dass ich wieder so dünn wie früher werde, wenn dein Geschwisterchen erstmal geboren ist." Serrana warf ihrer Stieftochter einen unschlüssigen Blick zu und entschied sich dann, eine Frage zu stellen, die sie schon länger beschäftigte. Sie war nicht sicher, wie Sabina darauf reagieren würde, aber um das herauszufinden blieb nur der Sprung nach vorn.
"Sag mal, hast du schon einmal darüber nachgedacht, was dir lieber wäre? Ein kleiner Bruder oder lieber eine Schwester?" -
Auch Serrana genoss den ungewohnten und ungemein imposanten Anblick der angetreteten Soldaten, und ihr Blick glitt zunehmend begeistert über die Anwesenden hinweg bis er an Duccius Vala hängen blieb und erstarrte. Es war schon lange her, dass sie ihn bei einer Cena in der Casa Decima kennengelernt hatte, aber allein aufgrund seiner beeindruckenden Körpergröße hätte sie den jungen Mann vermutlich schnell wieder erkannt. Im Moment fehlte Serrana jedoch das Auge für die unleugbar vorhandenen körperlichen Vorzüge des Germanen, sie konnte an nichts anderes denken als an ihre Cousine, die so große Stücke auf diesen Mann hielt und nicht das geringste auf ihn kommen ließ. Und natürlich an Archias, Axillas verstorbenen Gatten, der so krankhaft eifersüchtig auf Duccius Vala gewesen war, und dem sie, Serrana, in einem unbedachten Moment erzählt hatte, dass ihre Cousine in den Duccier verliebt gewesen war. Die Gewissensbisse, die sie seit dem ominösen Selbstmord des Aeliers in regelmäßigen Abständen heimsuchten, hatte sie durch die Reisevorbereitungen und den ganzen Trubel der letzten Wochen ziemlich erfolgreich verdrängen können, doch jetzt waren sie schlagartig wieder da. Serrana wandte schnell den Blick von Duccius Vala ab und scharrte unbehaglich mit den Füßen, während sich in ihrem Bauch ein unangenehmer kalter Klumpen zusammen ballte. Hoffentlich ging diese Veranstaltung schnell vorbei, und sie konnte sich wieder in ihre Gemächer flüchten, weit weg von den Offizieren und ihrem schlechten Gewissen.
"Hm, oja, natürlich...." antwortete sie Septima schnell und bemühte sich um einen gebührend begeisterten Gesichtsausdruck, während sie eifrig nickte. -
Serrana war Septima gefolgt und hatte schnell die Sandalen von den Füßen gestreift, bevor sie sich auf der Kline niederließ. Wie so oft in letzer Zeit hatte sich die feinen Riemchen in die Haut ihrer Knöchel eingedrückt, und die Iunia war froh, die Füße erneut hochlegen zu können. Gut, dass eine Schwangerschaft nicht von ewiger Dauer war, sonst würde sie irgendwann einmal denken nicht eine gesunde Sechzehnjährige sondern eine kurzatmige übergewichtige Frau zu sein, die ihre besten Jahre längst hinter sich hatte.
"Ich freue mich wirklich unglaublich auf das Bad, das kannst du dir kaum vorstellen." sagte sie dann leise an ihre Freundin gewandt. "In letzter Zeit könnte ich stundenlang im heißen Wasser liegen und würde am liebsten gar nicht mehr raus kommen. Beim letzten Mal sah ich danach aus wie eine verschrumpelte Pflaume." Serrana erinnerte sich plötzlich an das zunächst unfreiwillige Bad, dass Sedulus und sie am Morgen nach ihrer Hochzeit genommen hatten und kicherte leise. Wenn sie in ihrem momentanen Zustand ins Wasser fallen würde, dann wäre die Hälfte des Wassers im Becken vermutlich auf einen Schlag weg...Ein kleiner sehnsüchtiger Blick ging hinüber zu der jungen Aurelia mit ihren schlanken und wohlgeformten Gliedern. Ob sie selbst wohl auch jemals wieder so aussehen würde?