Beiträge von Marcus Octavius Nauticus

    Ich lachte. "Nein, nicht jetzt. Das ist zu gefährlich. Aber morgen, wenn es hell ist, wirst du mir beweisen, dass du schwimmen kannst. Hast du schon eine Idee, in welchen Zweig der Classis du willst? Nautisch, also Navigation, oder Marineinfanterie? Du musst dich noch nicht entscheiden, aber vielleicht hast du dich ja schon entschieden?"

    Ich öffnete die Tür. "Ja, bitte?" Dann sah ich, dass ein Zivilist vor der tür stand. "Normalerweise geht man nicht einfach so an Bord fremder Schiffe. Ich bin Nauarchus Marcus Octavius Nauticus, Kapitän der Tempestas und Kommandant der Classis Germanica. Mit wem habe ich die Ehre?"

    Die Classis - einst zwang sie Karthago in die Knie, und noch heute hält sie das Imperium am Leben. Sie beschützt die Getreidetransporte vor Piraten, sie bringt den Legionen ihren Proviant, sie baut Häfen und hält sie in Stand... aber das ist noch nicht alles. Die Classis Germanica sichert den Rhenus gegen Germanen, zusammen mit der Legio II und anderen Einheiten. Aber es mangelt an Personal, und langsam erstarken Piraten und andere Feinde Roms.
    Die Classis sucht Personal. Es werden Männer gesucht, die den Mut besitzen, über eine Enterbrücke auf hoher See auf ein feindliches Schiff zu stürmen und es zu kapern. Es werden Männer gesucht, die nicht in Panik geraten, wenn sie in einem Sturm sind. Vor allem jedoch werden Männer gesucht, die nicht nur mutig sind, sondern auch intelligent genug, um Navigation zu lernen, damit sie als nautische Kommandanten die Schiffe der Classis sicher durch alle Gewässer bringen. Sie tragen die Verantwortung für Schiff und Besatzung. Doch auch Kartographen und Konstrukteure werden gesucht.
    Letztlich sollte sich jeder fragen, ob man bereit ist, in Gegenden zu fahren, die nie zuvor ein Römer sah. Wenn man dazu bereit ist, dann möge man sich bei der Classis melden. Wir haben die Schiffe, aber uns fehlen die Besatzungen!

    "Vielleicht sollte jemand von uns bei den nächsten wahlen als Quaestor kandidieren? Ich meine, wir können nicht ewig darauf setzen, dass Anton die politische Arbeit unserer Gens alleine macht."

    "Ich halte Victor für den richtigen Kandidaten, er hat meine uneingeschränkte Unterstützung. Er lebt in Rom, hat durch seinen Rang Einfluss und kennt sicher auch einige einflussreiche Persönlichkeiten."

    Irgendwie fand ich keinen Schlaf in dieser Nacht. Also entzündete ich vier Öllampen an meinem Schreibtisch in der Kajüte und breitete einige Wachstafeln aus, auf denen ich skizzierte, wie man eine Liburne unempfindlicher gegen höheren Seegang machen konnte. Es war klar, dass die Ruder höher über der Wasserlinie liegen müssten, aber immer noch gut zu rudern sein mussten. Außerdem durfte das Schiff nicht durch die erhöhung des rumpfes instabil im Wasser liegen. Für jeden Entwurf berechnete ich den schwerpunkt, und ich hatte mindestens 10 Entwürfe verworfen, weil der schwerpunkt zu hoch lag, als ich zu müde zum arbeiten war. Ich ging an Deck, aber es war noch Nacht. Also ging ich wieder in meine Kajüte, um zu schlafen.

    Ich ging an Bord der Tempestas. Sofort salutierte die Bordwache und rief "Der Kapitän ist an Bord!"


    Ich nickte kurz und inspizierte dann die Takelage. Alle Taue waren in Ordnung, die Segel ebenfalls. Dann schaute ich mir den Rumpf an. Inzwischen war auch der gubernator informiert. "Kapitän, ist die Tempestas zu deiner Zufriedenheit?"


    "Absolut, Alexis. Übrigens, du bist ein gutes Rennen gefahren. Nicht perfekt, aber immerhin gut."


    "Danke, Kapitän. Bis auf die Bordwachen haben alle Landgang. Ist das in Ordnung? Ich meine, verdient haben sie es. Nach einer nonstop-Fahrt von Colonia Agrippina bis hierhin."


    "Ja, das ist in Ordnung. Du hast auch bis morgen früh Landgang."


    "Du übernachtest nicht bei deiner Gens?"


    "Nein. Ich bin der Kapitän, das ist mein Schiff, hier ist mein Platz. So einfach ist das. Merke dir das gut. Auch du wirst einmal Kapitän sein."


    Alexis schluckte kurz. "Ich verstehe, Herr Kapitän."


    "Gut. Dann genieße den Abend."


    Er salutierte kurz und ging von Bord, während ich auf das Achterdeck ging. Ich lehnte mich auf die Reling und schaute hinauf zu den Sternen. Ich brauchte nur ein paar Sekunden, um den Polarstern zu finden. "Du wirst mir den Weg weisen, so wie du mich immer sicher über die Meere gebracht hast, du Geschenk der Götter." flüsterte ich. Dann ging ich unter Deck in meine Kajüte.

    "Danke." dann wandte ich mich Victor zu. "Ich bin noch kurz bei ein paar Freunden, danach reite ich nach Ostia. Ich übernachte auf meinem Schiff, morgen bin ich wieder hier."
    Ich nickte kurz beiden zu und verließ dann die Casa.

    "Sehr schön. Richte ihm bitte aus, dass ich ihn frühestens in zwei Monaten nach Aegyptus fahren kann, falls er das noch vorhat. Ich werde nach meiner Rückkehr nach Germanien eine kleine Expedition machen und bin erst danach wieder verfügbar."

    Ich war gerade auf dem Weg zum Ausgang, weil ich nun, da ich schon mal in Rom war, ein paar Bekannte besuchen wollte. Ich schnappte dabei den Namen der unbekannten Frau auf.


    "Eine Didia? Wie praktisch. Da wollte ich gerade hin. Wie geht es Marcus?"

    "Wenn man dem Verlauf der Küste folgt, und immer weiter nach Osten fährt, bis zur Mündung der Albis, dann macht die Küste einen Knick nach Norden, der nach etwa 100 Meilen in ein weiteres Meer mündet... sagt man jedenfalls. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass dieses Meer jemals erforscht worden ist. Das könnte man ändern."


    Ich dachte kurz nach.


    "Die Tempestas würde die Mission anführen, außerdem würde sie von einer oder zwei Liburnen begleitet, die aber zuvor umgebaut werden müssten, um seetauglicher zu sein. Ich werde noch Pläne entwerfen. Die Liburnen hätten dann die Aufgabe, flache Gewässer, für die die Tempestas zu viel Tiefgang hat, zu kartographieren. Ich setze mehrere Wochen für die Mission an, die Logbücher könnten dann beispielsweise in der Acta Diurna veröffentlicht werden. Alternativ könnte ich natürlich auch ein Redaktionsmitglied der Acta mitnehmen und interessierte Zivilisten. Was ist eure Meinung dazu?"

    "Das klingt jetzt doch sehr nach abwerben. Es wäre doch besser, wenn die Leute von sich aus zur Classis gehen, oder zumindest nicht von mir aktiv abgeworben werden. Ich habe nicht unbedingt vor, bei den Legaten den Ruf eines Wilderers zu genießen. Vielleicht kann man sie mit einer kleinen Expedition für die Classis begeistern?"

    "Die Zugangsbedingung für den Rang eines Trierarchus ist in der Lex Academia Militaris festgeschrieben und sollte auch erhalten bleiben. Höhere Ränge würde ich auch nicht bereit stellen. Vor allem im nautischen Zweig möchte ich qualifiziertes Personal haben. Der kämpfende Zweig wäre da schon eher zu empfehlen, vor allem die Optiones und Centuriones Classici. Aber auch hier werde ich eine Beförderung nur zulassen, wenn die Eignung nachgewiesen wurde."

    "Ich bin absolut gegen abkommandieren. Und auch gegen finanzielle Anreize. Das einzige was bleibt ist die Tatsache, dass fähige Leute recht schnell aufsteigen können, sobald sie dafür bereit sind. Wie zum Beispiel Titus Ferrius Maximus. Er kam zwar nicht ganz freiwillig zur Classis, aber er lebte sich recht schnell ein und bewies ein gutes Verständnis von Navigation und Taktik. Außerdem ist er durchaus fähig, Soldaten zu führen. Seit neuestem ist er Trierarchus und hat das Kommando über ein Schiff. Vielleicht sollte ich dieses Beispiel in der Acta Diurna veröffentlichen? Mit dem Hinweis, dass wir noch mehr fähige Leute suchen?"