Beiträge von Gaius Caecilius Crassus

    Die Versuche von hier wieder schnell abzuhauen hatte Crassus inzwischen aufgegeben. Es hätte und hatte ja doch nicht geklappt und jetzt blieb ihm eigentlich nicht viel mehr übrig, als sich diesem Gespräch zu fügen. Auch wenn es Crassus momentan nicht gefiel, so ist doch so ein kleines, unverfängliches Gespräch besser zum Abschalten geeignet als jeder andere stundenlange Spaziergang, während welchem man sowieso nicht den Kopf frei bekam.


    Welches schöneres Gefühl gibt es denn als zu wissen, dass man hier, in vorderster Front, keine 100Meter vom Feind entfernt, die Familie, die Heimat schützt? Und man selber von den Göttern beschützt wird, damit man schützen kann? Natürlich ist der Krieg schmutzig und an sich nicht heroisch und auch sehr verlustreich, viele junge Römer sind dafür schon gestorben. Aber eben diesen jungen Männern haben wir es zu verdanken, dass Rom noch steht. Wenn man dann irgendwann nach seinem Kriegsdient nach Hause kommt, seinen Acker bestellt und den Rest seines Lebens mit der Familie in Frieden verbringen kann, da wieder andere junge Römer diese alten Veteranen mit der Familie schützen, dann hat man doch mehr als nur Krieg als Lebensinhalt gehabt, oder?
    Diese Hoffnung, endlich nach Hause zu kommen und anderen den Krieg zu überlassen, ist doch das einzige, was einem am Leben erhält, wenn man schweiß durchnässt, völlig erschöpft von einem wilden Germanen angegriffen wird. Und wie es kommt, dass fast jeder Soldat Roms heroisch über den Krieg spricht? Ich denke das liegt daran, dass man einfach stolz ist, dass man überlebt hat.


    Ahh, ich verstehe. Da drängt sich mir aber gleich die Frage auf, ob ihr keinen Patron habt, der euch dahingehend unterstützt.

    Nun war Crassus aber etwas verwirrt, er ließ sich jedoch nichts anmerken - hoffte er zu mindest. Eben noch die Ironie in ihren Worten und die nicht zu verleugnende Provokation, doch nun auf einmal einen fast umsorgenden und bemitleidenden Tonfall. Schlagartig wurde ihm wieder klar, warum er lieber in einen Lupaner ging und sich keine Ehefrau suchte. Mit der Lupa musste er nicht reden und noch weniger musste er sie verstehen - meistens war das schon auf Grund der Sprachbarrieren nicht möglich.
    Bei einer Ehefrau war das schon etwas verzwickter. Ab und an reden war wohl leider Pflicht und etwas kennen sollte man den Lebenspartner auch. Es war ja nicht so, dass man dickste Freunde werden müsste und jede Nacht das Lager teilen müsste, aber man sollte auf öffentlichen Anläßen, wie Empfänge oder Feiern, zu mindest nicht so offensichtlich als zwei verstrittene und sich nichtssagende Lebenspartner erkannt werden können. Crassus fröstelte etwas bei dem Gedanken und er redete sich schnell ein, dass eine Heirat ja noch viel Zeit hatte, ein Erbe würde schon noch kommen...


    Freude kann ich auch noch später erfahren. Dann, wenn ich guten Gewissens sagen kann, dass ich für Rom alles in meiner Macht stehende getan habe und ich jeden Moment meines Lebens für Rom bereit gestanden habe. Doch, solange ich noch gerade stehen und ein Gladius führen kann, kann ich auch noch Rom dienen. antwortete Crassus. Sicher hatte er auch jetzt schon seinen Spaß am Leben - und den nicht zu knapp - aber das musste ja nicht jeder wissen - zu mindest würde man es nicht aus seinem Mund erfahren. Außerdem, das ganze patriotische Gefassel, von wegen "alles für Rom!" machte fast immer einen selbstlosen Eindruck. Und ein selbstloser Eindruck war eigentlich ein guter Eindruck.
    Doch sag, was hat dich nach Ostia gezogen? Der ewige Lärm und Gestank Roms? Die endlose Unruhe?

    Crassus hörte dem Geschwafel des Noch-Centurios gelangweilt zu. Lässig hatte er sich in seinem Stuhl nachhinten gelehnt und mit ein, zwei Gähnern sein Urteil zu dem Spannungsgrad kundgetan. Als der Centurio dann geendet hatte, rieb er sich die Augen und rückte sich wieder gerade in seinem Stuhl.


    Selbstverständlich wird das seine Gründe haben. Es liegt aber wohl kaum an dir, sie zu erörtern. Wenn der Kaiser dir irgendwann einmal diesen Stuhl hier geschenkt hat, dann darfst du dir deinen Kopf daran zerbrechen. Aber bis dahin lass mal lieber mir das Denken - so wie mein Auftrag vom Kaiser direkt gegeben auch heißt.
    So, und jetzt haben wir genug Gedanken ausgetauscht - lassen wir doch endlich Taten sprechen:
    zwei Wochen Latrinendienst, vier Wochen Ausgangsverbot. Desweitren seh ich dich in der Zukunft öfters bei deinen Männern, aber dafür wird dein Centurio schon sorgen.


    Wegtreten und weitermachen, Optio!

    Nach einigen vielen Sekunden, die Crassus brauchte sich wieder zu beruhigen und einigermaßen wieder richtig hinzusetzen, wischte er sich die Tränen aus den Augen und antwortete:


    Da, so glaube ich manchmal, is eh Hopfen und Malz verloren. Vielleicht bin ich aber auch nur Prätorianerstandard verwöhnt. Ich weiß es net, aber irgendwie war früher alles besser ;)

    Es kam wie es diesen Abend noch kommen musste: der Wein suchte sich vor lauter Lachen den Weg nach "draußen" - über die Nase.


    Beruhige dich doch! Bitte... ich bekomm keine Luft mehr. meinte ein fast vor Lachen sich kugelnder Crassus. Ich glaube dir doch.. aber bitte, hör jetzt auf! den Becher hatte er inzwischen aus lauter Kraftlosigkeit - klar, lachen ist anstrengend - auf den Boden fallen lassen.

    Tja, wenn der Centurio wüsste, wie sehr er sich täuscht ;)


    Centurio, du gehst völlig falsch in der Annahme, wenn du denkst, dass du mich einschüchtern kannst. An deiner Stelle würde ich das auch nicht weiter versuchen. Solange du hier in dieser Einheit bist, bist du mein Besitz. Und du kannst mir glauben, einfach so lass ich meinen Besitz nicht gehen.
    Annaeus Florus sagtest du?


    Irgendwoher kam der Name Crassus sehr bekannt vor. Da war doch mal was... damals während der Gründungszeit der ALA II Numidia.. na klar, Probatus Annaeus. Ein Grinsen zeichnete sich auf Crassus Gesicht ab:


    Dann kannst du deinem Vater mal einen schönen Gruß von seinem ehemaligen Ausbilder ausrichten und ihn fragen, wie es ihm geht. Hab den Guten ja schon lange nicht mehr gesehen.
    Klient der Gens Aurelia?


    Crassus grinste noch breiter. Na, wenn das nicht wie die Faust aufs Auge passte, wußte er auch nicht.


    Das hätte ich mir auch denken können. Glückwunsch, ich glaube keine andere Familie hätte so gut zu dir gepasst wie diese.


    Achja, ich hab da ne schöne Idee: Du und dieser neue Optio von der Flotte kämpft jetzt auf der Stelle auf dem Exerzierplatz gegeneinander. Der Gewinner wird bzw. bleibt Centurio, der Verlierer wird bzw. bleibt Optio. Ist doch verdammt lustig, oder? Er kann nur gewinnen und du nur verlieren.

    Natürlich fiel Crassus die Ironie ihrer Worte auf. Sie war ja eigentlich nicht einmal mutwillig zu überhören. Dabei war sie eigentlich unnötig, denn jeder in ganz Rom wusste, dass man ihn mit Praefectus Vigilum ansprach, da dies der höchste und aktuellste Titel war. ;)
    Na klasse. Eine Iulia. Die Gens Iulia war zwar lange nicht mehr so bedeutend wie sie es früher noch war, aber trotzdem, völlig unbedeutend wird sie wohl nie sein können. Außerdem fiel jetzt eine ganz schnelle Verbaschiedung unter den Tisch, da die Familie wohl kaum zu den niedersten gezählt werden konnte. Also jetzt erst einmal so tun als ob man sich wirklich Sorgen um sie machen würde. Aber Moment mal: Bei der Militärakademie hatte er doch auch mal mein einem Iulius zusammengearbeitet. Jetzt müsste man nur noch auf den Namen kommen. Er war doch damals ein Tribun bei der Legio IX, oder?


    Wie? Achja, klar. Was hilft besser? Etwas an der frischen Luft spazieren gehen eigentlich ein perverser Gedanke bei dem Gestank in Rom von frischer Luft zu reden oder aber einige Runden in den Thermen schwimmen. Aber um in die Thermen gehen zu können, brauch man viel mehr Zeit Deshalb muss ich wohl mit dem Spazierengehen vorlieb nehmen.

    Crassus lachte laut:


    Oh, Lucianus, ich vergaß was für eine äußerst soziale Seele du bist. Nie denkst du an dich, nur immer an das römische Gemeinwohl. Ich würde ja jetzt vor dir auf die Knie gehen, wüsste ich nicht, dass das verdammt idiotisch aussieht :D

    Soweit kommt es noch, dass ich mich vor dir rechtfertige, nur weil du nicht zu hören kannst. Was glaubst du eigentlich wer du bist?


    Crassus musterte abermals den Centurio von oben bis unten und fragte sich, wie er mit seiner trotzigen Haltung soweit aufsteigen konnte. Da waren bestimmt Gelder gefloßen....


    Tu was immer du willst, aber wage es nie mehr mir zu drohen. Du wärst sicher nicht der erste Vigil, der wegen eines Dienstversäumnisses gesteinigt worden wäre.

    Crassus hob eine Braue: Aber es gibt doch eine Aufwandsentschädigung von Iulianus, oder?


    mit Genugtuung registrierte Crassus, dass sich Lucianus nicht mehr zu einer Provokation hinreißen ließ. Offenbar hatte seine Demonstration doch wie gewünscht gewirkt :D

    Dass das 'werde mich mal' auch durchaus als Hohn interpretiert werden kann, dass war bestimmt auch dem Noch-Centurio klar und er wird diese Worte mit Absicht gewählt haben.


    Wenn kein Grund bestehen würde, würde ich keine verlangen, Centurio. So viel Urteilsvermögen darfst du mir gerade noch zutrauen. Was dir wie scheint, ist mir eigentlich, so scheint es, schnurz-pieps-egal. Du bist Centurio, du hast eine Centurie und um die musst du dich kümmern. Als Centurio hält sich die Schreibarbeit noch in Grenzen - das ist kein Grund. Wenn du Praefectus Castrorum wärst, würde ja dagegen keiner was sagen, aber als Centurio?


    Crassus schüttelte den Kopf. Er war selber Centurio gewesen und er wusste, dass da auch das erstemal Schreibarbeit anfiel, aber es hielt sich noch in Grenzen. Schließlich sollte man sich als Centurio um seine Centurie direkt kümmern. Für den gröbsten Papierkram hatte man nämlich andere Ränge.


    Es wurde kein Auftrag an dich herangebracht? Erwartest du allen Ernstes, dass ich jeden morgen in dein Büro stapfe um dir zu sagen, dass du heute, wie jeden Tag, mit deiner Centurie auf den Exerzierplatz gehen sollst? Oder, dass du Patrouille schieben sollst? Es ist doch wohl nicht dein ernst, dass ich jeden selbstverständlichen Auftrag an dich herantrage.


    Nicht im geringsten Beeindruckt sah Crassus auf die Phalera:


    Für was du sie bekommen hast, kann ich wohl kaum beurteilen. Und das ist auch besser so, sonst würde ich mich, so scheint es mir gerade, nur schwarz ärgern.
    Aber wie ich mit wem rede lass mal meine Sorge sein, Centurio. Du aber solltest deinen Ton schnell mäßigen.

    Ich glaub du als Bruder des Prätorianer Praefecten kannst noch am wenigsten sagen ;) Außerdem hast du als Praefectus Castrorum auch recht gut verdient und musstest net am Hungertuch nagen, oder?


    Crassus ging auf die Provokation von Lucianus nicht mit Worten ein, sondern riss ihm fast die Kanne aus der Hand, füllte sich den Becher bis zum Rand und exte ihn. Danach füllte er ihn wieder voll und stellte die Kanne zurück.
    So langsam schmeckte der Wein zwar nicht mehr und er wusste jetzt schon, dass er morgen wieder für nichts zu gebrauchen sei, aber sich die Schmach und als erster nicht mehr weitertrinken wollte er sich keines Falls geben.