Beiträge von Servius Iulius Macro

    Dann gab es- zum Gladius -noch eine weitere Waffe. Eine Lanze. Machte, wenn man mal darüber nachdachte, schon Sinn in einer Stadt. Ein Pilum wäre bei einem Kampf in den Straßen Roms für Unbeteiligte zu gefährlich. Zu groß war doch die Gefahr einen Unschuldigen zu verletzen. Und Pilums waren eh am effektivsten, wenn sie in eine große Masse von Gegnern geschleudert werden würde. Aber das wusste ich bis dahin noch nicht. Die Ausbildung würde mir solche Sachen noch beibringen.
    So nahm ich mit einem "Danke!" die Lanze entgegen und wog sie in der Hand. Ich hätte sie schwerer eingeschätzt, aber war es doch eine neue Erfahrung für mich mit so etwas umzugehen.
    Und mit ein wenig Ruhe nach der Ausbildung würde ich wohl leben können. Zwar war ich kein fauler Hund, keineswegs, aber ein bisschen Ruhe tat immer gut.
    Aber in der Kleiderkammer wollte ich garantiert nicht unterkommen, schließlich wollte ich etwas erleben und der Tod meiner Eltern sollte für mich nicht mit dem Dienst in der Kleider- oder Waffenkammer enden.
    "Ich bin hier um Rom zu dienen.", sagte ich deshalb bestimmend. Zwar musste es freilich auch Leute in Verwaltung und Infrastruktur geben, doch das war nichts für mich.


    Der Legionär, der hinter dem Tresen die Zeit über rumhantiert hatte, schob nun ein Bündel zu mir hinüber. Noch immer lag die Lanze auf meinen Handflächen, der Gladius vor mir auf dem Tisch liegend. Ich nickte dem Legionär dankend zu und wandte mich wieder an den Optio.
    "Ich werde auf natürlich auf meine Sachen Acht geben und auch zu schätzen wissen, sei dir da sicher.", sagte ich mit einem Lächeln. "Sollte doch mal ein Missgeschick passieren, weiß ich ja wo ich euch finden kann."


    Nun griff ich nach dem Bündel, dass schwerer war, als es aussah und versuchte es spärlich an meiner Lanze zu befestigen, was mir nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten gelang. So verzurrte ich fest den Knoten um den Holzschaft und griff nach meine Gladius. Doch Moment! War ich hier überhaupt fertig? Etwas verlegen über die Überstürztheit, schaute ich zu Boden und fragte den Optio.
    "Hast du dann noch etwas für mich, Herr?"

    "Ich danke dir für den netten Empfang!", sagte ich an den Mann gewandt.
    Dieser hatte sich erhoben und nach einer Handbewegung Richtung Tresen machte er selbst sich daran eine neue Waffe für mich auszusuchen. Langsam begab ich mich zu dem langen Tisch, an dem ein weiterer Legionär stand und nun ein paar Sachen zusammen suchte. Ich beobachtete wie der Optio den Gladius in seinen Händen hielt und wohl nach Mängel absuchte.
    Mit dieser Waffe, könnte und würde ich vielleicht sogar auch, einigen Menschen das Leben nehmen. Todbringender Stahl lag in den Händen des Optios. Nach einem letzten zufriedenen Blick legte er die Waffe vor mir auf den Tresen und begab sich sogleich auf zum nächsten Waffenständer.


    Langsam ließ ich meine Hand über den Griff des Gladius schweifen, hinunter zur Klingenspitze. Der Stahl war kalt. Im Glanze konnte ich sogar mein Spiegelbild erkennen. Sofort umgab mich ein Schleier voller Freude, Stolz und Demut. Mit dieser Waffe würde ich Leben nehmen, wie auch geben. Um ein Haar hätte ich sogar vergessen dem Optio auf seine Frage zu antworten.


    "Es war natürlich nicht leicht. Schon gar nicht die Übungen, die die Kraft und Ausdauer auf die Probe stellen. Beim Sehtest hatte ich keine große Schwierigkeiten ...
    Umso mehr freue ich mich nun auch zu den Urbanern zählen zu dürfen und wenn ich meine Ausbildung erfolgreich bestanden habe, mich einen vollen Urbaner nennen zu können."

    Denn ich wusste- zwar gehörte ich nun zu den Kohorten, aber der Anfang stand noch vor mir. Eine harte Ausbildung mit viel Schliff und Schweiß. Auf meinen Wegen hier in der Castra konnte ich nämlich schon Gruppen beobachten, die ebenfalls nach Ausbildung aussahen. Aber hatte ich dies erstmal hinter mir, so stand mir hoffentlich eine gute Zeit bevor. Aber eins nach dem anderen ...
    Ich wurde doch schließlich erst vor ein paar Minuten bei den Urbanern aufgenommen.

    Nach dem schwören des Eides machte ich mich also schnell auf den Weg zur Waffenkammer, um dort meine Ausrüstung in Empfang zu nehmen. Mit einem knarren fiel die Tür des Fahnenheiligtums ins Schloß. Ich war ein Mitglied der Urbanerkohorten! Eigentlich konnte ich es noch immer nicht fassen. Eigentlich hatte ich es mir selbst nicht träumen lassen, dass ich es soweit schaffen würde. Aber ich hatte meinen Traum doch erfüllt. Nun würde ich doch für Recht und Sicherheit in Rom sorgen können, damit so etwas nicht mehr passieren könnte, was mit meinen Eltern geschehen ist.


    Ich hielt mich an die Wegbeschreibung, die mir der Soldat im Fahnenheiligtum gegeben hat und fand mich kurze Zeit vor der großen Tür der Waffenkammer wider. Ohne den beschriebenen Weg hätte ich wohl niemals so schnell mein Ziel erreicht, da die Castra Praetoria einfach eine riesige Anlage war.
    An meinem Ziel angekommen, schob ich die Tür auf und trat ein. Ich musste anfangs blinzeln, nachdem ich aus dem gleißenden Sonnenlicht in die- in dem Sinne -Dunkelheit trat. Nachdem sich meine Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatten suchte er den gut gefüllten Raum nach einem Mann ab, der hinter einem Tisch saß und Schreibarbeit nachging. Nach einigen Augenblicken hatte ich einen solchen ausgemacht und so schlängelte ich mich zu ihm durch.
    Vor seinem Tisch nahm ich Haltung an.


    "Salve!
    Servius Iulius Macro mein Name. Ich bin hier um meine Ausrüstung abzuholen, damit ich den Dienst bei den Urbanerkohorten antreten kann. Ich komme soeben vom schwören des Eides."
    , erklärte ich dem Mann.

    Nachdem ich nun endlich doch angehört wurde, machte ich mich mit dem Mann auf dem Weg zum Schwören des Eides. So verließen wir wieder das Rekrutierungsbüro und marschierten gemeinsam zum Fahnenheiligtum.
    Hier galt es nun meinen Eid abzulegen, und den Kohorten, sowie dem Imperator und ganz Rom die ewige Treue zu schwören.


    So nahm ich Haltung an- streckte meine Brust heraus, räusperte mich kurz und sprach die folgenden Worte laut und deutlich ...


    "IURANT AUTEM MILITES OMNIA SE STRENUE FACTUROS QUAE PRAECEPERIT IMPERATOR CAESAR AUGUSTUS, NUMQUAM DESERTUROS MILITIAM NEC MORTEM RECUSATUROS PRO ROMANA REPUBLICA!"


    Dann war es wohl vollbracht. Mit einem etwas mulmigen Gefühl in der Magengegend, nun mein Leben vollends dem Militär gewidmet zu haben, nickte ich kurz. Aber ich hatte es selbst so gewollt und somit wich dem Gefühl sogleich der Stolz.


    Aber jetzt musste ich meine Ausrüstung holen und so verabschiedete ich mich kurz von Patrobius Proximus und machte mich auf dem Weg zur Materialausgabe, nachdem ich mich nach dem Weg erkundigt hatte.

    Der Mann vor mir unternahm keine Anstallten sich um mich zu kümmern, geschweige denn, wenigstens mal den Blick von seinem Schriftstück zu nehmen. Aber er musste mich doch auch gehört haben. Schließlich war die Tür mit einem Knarren ins Schloss gefallen und leise hatte ich auch nicht gesprochen. hmm ...
    Ich räusperte mich erneut recht kräftig und versuchte mein Glück erneut. Vielleicht würde er dann ja etwas Zeit für mich aufbringen können.
    "Servius Iulius Macro meldet sich zurück!", sagte ich laut, nachdem ich meinen Körper noch ein wenig mehr gestrafft hatte. So! Nun konnte er mich ja eigentlich gar nicht mehr ignorieren.

    Das war dann wohl auch überstanden. Ich nahm die Tabula dem Optio aus der Hand und verabschiedete mich kurz. Dann verließ ich wieder das Krankenhaus der Urbanerkohorten und machte mich, mit der [URL=javascript:self.scrollTo(0,50000);]Tabula[/URL] unter dem Arm, auf dem Weg zurück ins Rekrutierungsbüro. Trotz allen Bemühungen und Widerstrebens konnte ich mich dabei jedoch nicht davon abhalten, einen Blick auf das Schriftstück zu werfen. Immerhin ging es um mich, und die Neugierde trieb mich an. Nur ein kurzer Blick ...
    Ich drehte die Tabula und ließ meinen Blick kurz über das Geschriebene schweifen. Im großen und ganzen erschienen mir die Angaben, die der Optio notiert hat, als nicht schlecht- immerhin hatte ich überall mit gut abgeschnitten. So setzte ich meinen Weg zufrieden, und etwas erleichtert, fort. Den Weg hatte ich mir gemerkt, so war der erste Gang zum Krankenhaus doch etwas mühselig, nachdem man das erste mal in dieser riesigen Anlage war und sich nicht so zurecht finden konnte, wie man wollte. So erschien es mir, dass der Rückweg viel kürzer war, als der Hinweg.
    So stand ich wenige Minuten später erneut vor der Tür des Rekrutierungsbüros. Dort, wo man mich sicher schon erwarten würde, wenn der Mann mich nicht schon wieder vergessen hatte. Immerhin hatte er nicht gerade großes Interesse an mir und meiner Eintrittsmeldung gezeigt. Ich fuhr mir flüchtig durch mein Haar, klopfte an die Porta und trat ein.
    "Ich bin zurück!", verkündete ich meine Rückkehr und schritt durch den Raum. Vor dem großen Tisch des Schreibers blieb ich stehen, nahm Haltung an und hielt dem Mann das Schriftstück entgegen.
    "Hier, die ausgefüllte Tabula.", meinte ich etwas stolz. Immerhin würde ich wohl eingestellt werden. Zumindest sprach aus meiner Sicht, was die Tauglichkeit betraf, nichts dagegen. Aber vielleicht war die Aufnahmeprozedur noch nicht vorbei und es gab noch ein paar Aufgaben zu erledigen. Und auch war es nicht meine Entscheidung, ob ich wirklich aufgenommen werden würde, also wartete ich geduldig mit pochendem Herzen ab.

    Von den Übungen "leicht" ins Schwitzen gebracht, beendete ich den Lauf auf der Stelle, nachdem der Optio meinte, ich könne aufhören. Ich atmete einmal kräftig durch und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Die kleinen Sporteinlagen hatten doch mehr von mir abverlangt, als erwartet, aber ich hatte es geschafft. Hoffentlich auch zur Zufriedenheit meines Gegenüber. Ich zog mir die Tunika wieder zurecht, die beim Lauf auf der Stelle etwas verrutscht war und wartete in strammer Haltung auf neue Anweisungen.
    ... die auch sogleich kamen!
    So stellte ich mich, wie mir geheißen, auf den angegebenen Punkt in der Mitte des Raumes. Ich tat noch einen Schritt nach vorn, als der Optio meinte, ich könne noch ein Stück und blieb dann an der gewünschten Stelle stehen. Mein Blick durchquerte den Raum zur gegenüberliegenden Seite. Dort hing, an einem Nagel befestigt, eine Tabula mit kleiner werdenden Symbolen bemalt. Das war wohl ein Augentest, der dem Optio versicherte, ich habe keinen Knick in der Optik oder ich wäre blind wie ein Fisch. Nein, nein. Sehen konnte ich eigentlich recht weit und genau, dass hatte sogar mein Vater an mir bemerkt. Er meinte, dass mich diese Eigenschaft eines Tages mal weit bringen würde. Doch da war noch nicht klar, dass ich hier landen würde. Doch ganz so unrecht hatte er ja auch nicht. Immerhin galt es hier für meine Augen einen kleinen Test zu bestehen und dieser war nicht ganz ohne, ansonsten würde die römische Armee solche auch nicht durchführen.
    Ich kniff die Augen etwas zusammen, konzentrierte mich und sagte, was ich sah- oder gedachte zu sehen.
    "Ganz oben befindet sich ein Lorbeerkranz, gefolgt von einem Haus, worauf eine Waage kommt ..." Ich hielt einen kurzen Moment inne und vergewisserte mich, was ich sah. Jaa! "... und das Letzte ist ein Adler.", meinte ich bestimmt. Dann wiederholte ich die Reihenfolge noch einmal und glich sie noch einmal mit der Tabula ab. "Lorbeerkranz, Haus, Waage und Adler!"
    Ich nahm meinen Blick von der Wand und drehte mich wieder zum Optio um. Diesen Test konnte ich eigentlich gar nicht verhauen haben, so hoffte ich, und war zugleich gespannt, was als nächstes auf mich wartete.

    Eine recht eigenartige Aufnahmeprozedur, wenn sie es denn überhaupt schon war. Was würde noch auf mich zukommen bis ich eingestellt werden würde? Klar, man musste sich ja selbstverständlich vergewissern, ob ich für den Militärdienst geeignet sei, und ob es sich denn überhaupt lohnte mich einzustellen. Es brachte ja keinem etwas, wenn ich schon bei den ersten Übungen vor Schwäche umfallen würde. Aber ich war optimistisch. So machte ich mich daran die zu absolvierenden Übungen in Angriff zu nehmen. Sollte doch eigentlich kein Problem werden ...
    Ich streckte meine Arme gerade nach vorn und begann langsam wiederholend in die Knie zu gehen. Meinen Rücken gerade, die Beine zusammen und die Fersen fest auf dem Boden haftend, zählte ich leise für mich mit. Ab der Zwölften Wiederholung merkte ich langsam wie sich ein Brennen in den Oberschenkeln hervor tat. Durchhalten, es waren doch nicht mehr viele!
    So biss ich die Zähne zusammen und führte die verbleibenden acht Wiederholungen nicht mehr so sauber durch, wie die Ersten. Geschafft! Puuh ... 2O Kniebeuge hatte ich nun also hinter mir, folgte nun die Liegestütze und davon ebenfalls 2O.
    "Alle gesund.", meinte ich nur, während ich die kurze Pause bewusst nutzte, um neue Kraft zu sammeln. Das meine Eltern erst kürzlich ermordet worden waren musste der Mann schließlich nicht wissen. Er war ja nur Arzt und sicher ging es ihn auch nichts an. Wie es in der Verwandschaft aussah wusste ich nicht einmal so richtig, also bezog ich meine Antwort auch darauf. Aber Gesund mussten ja alle sein. Schließlich war, wenn ich mich nicht täusche, ein Verwandter ebenfalls beim Militär und hatte dort einen recht hohen Rang inne. Nachdem ich nun also ein paar mal durchschnaufen konnte, machte ich mich daran die Liegestütz' in Angriff zu nehmen.
    Ich stützte mich also auf meine Arme. Diese hatte ich als erstes dicht am Körper anliegend. Wenn mir die Puste ausgehen sollte, würde ich einfach die Arme weiter auseinander nehmen, um so meine letzten Kraftreserven herauszukitzeln. Die Beine hatte ich dicht nebeneinander. Auf meinen Rücken hätte man jetzt wohl ein Tablett mit Krügen und Bechern voll Wein stellen können, ohne dass etwas verschüttet ging. So knickte ich meine Ellenbogen ein, streckte sie wieder aus, knickte ein- ganz langsam.
    Eins ... Zwei ... Drei ...
    Schweiß trat mir auf die Stirn. Mir war warm. Zumal ich nicht im geringsten auf die Übungen vorbereitet war, aber jetzt war es ja eh zu spät. Da musste ich durch. Die Arme begannen langsam zu schmerzen, doch ich wusste, dass ich es gleich geschafft hatte. Nur noch drei ... Zwei ... Eins ... Fertig!
    Erleichtert kniete ich etwas von dem Tisch vor mir entfernt. Mein Atem ging schwer. Die beiden Übungen hatten doch mehr abverlangt, also ich gedacht hatte. Zwar hatte ich die Stellung der Arme nicht verändern müssen, aber trotzdem. Ich war schon mal besser drauf. Der Schweiß lief mir nun ins Gesicht und ich wischte ihn mit meinem Ärmel der Toga ab. Puuh, mir entglitt ein Seufzer.
    Zum Schluss noch einmal ein bisschen auf der Stelle rennen, dann war es hoffentlich geschafft. Also stand ich auf und begann zu laufen. Erst langsam, doch stetig schneller werdend, bis ich auf der Stelle schnelle, kleine Schritte machte, die Arme nah am Körper und sich der Bewegung anpassend. Wie lange würde ich wohl in dieser ziemlich lächerlichen Position verweilen müssen? Ich war mir sicher, dass das Ganze sicher ein wenig zum Schmunzeln aussah. Doch ich gab mir alle Mühe, und der Schweiß lief und lief.

    Auch dieser Mann schien nicht gerade viel Interesse zu haben. Lag wohl an der vielen Arbeit, die sie zu erledigen hatten. Wenig Zeit und viel zu tun.
    Jedenfalls streckte ich dem Mann vor mir, bei dem ich glücklicherweise sofort richtig war, auf Befehl die Tabula entgegen und rückte mir ein paar Worte zu recht.
    "Mein Name ist Servius Iulius Macro und ich bin 2O Jahre alt.", meinte ich. Soweit so gut. Jetzt kam jedoch der schwierige Teil. Ich hatte weder eine vernünftige Ausbildung noch konnte ich bis jetzt lesen oder gar schreiben. Nun gut, meinen Namen konnte ich schreiben und auch erkennen, wenn ich ihn denn sehen würde, aber dann hört es auch schon auf. Doch irgendwas musste ich mir einfallen lassen.
    "Ich bin recht stark, fit ...", meinte ich ohne arrogant wirken zu wollen, "... und habe des Öfteren die ein oder andere Idee. Zudem kann ich gut mit Holz umgehen und eine Waffe halten."
    Irgendetwas musste ich doch sagen, womit der Mann vor mir zufrieden sein könnte. Und letzteres war nicht einmal gelogen. Als Kind hatte mir mein Vater ein Holzschwert geschenkt, nicht vergleichbar mit einem richtigen Gladius, aber besser als nichts. Und viel Zeit hatte ich damit verbracht, ob es mir nun zugute kommen würde, sollte sich noch zeigen. Trotzdem kam ich mir mit meiner Antwort etwas dumm vor. Ich verschränkte die Arme hinter dem Rücken und sah den Schreiber an.
    Doch da war doch noch etwas. Richtig! Ob ich schon einmal krank oder verletzt war? Wer war das noch nicht im römischen Imperium? Mit dem Gedanken und der für mich unschlüssigen Frage im Kopf musste ich grinsen.
    "Ein schlimmer Husten hat mich mal geplagt, aber ansonsten bin ich gesund, möchte ich meinen.", sagte ich. Mehr gab es wohl auch nicht zu sagen.

    Es erwies sich schon nicht als all zu leicht den besagten Ort zu finden. Nicht verwunderlich bei der Größe der Anlage. Doch ich hatte letztendlich das Krankenhaus der Castra gefunden. Mal sehen ob die Anwesenden hier genauso gesprächig waren wie im Rekrutierungsbüro. Ich klopfte an die Tür, öffnete ohne auf eine Antwort von drin zu warten und schaute mich um. Ahaa, das war also das Krankenhaus. Jetzt musste ich nur noch jemanden finden, der für mich zuständig war. hmm ...
    Da entdeckte ich einen Schreibtisch an der Wand, der sogar besetzt war. Am besten fragte ich dort nach wohin ich mich zu wenden habe. Langsam schritt ich auf den Mann zu, die Tabula i der Rechten.
    "Salve! Ich bin auf der Suche nach jemanden, der mich auf meine Tauglichkeit für die Einstellung zum Dienst überprüft. Weißt du an wen ich mich wenden muss?", fragte ich höflich.
    Damit es zu keinem Missverständnis kommt, hielt ich sicherheitshalber kurz die Tabula nach oben. Der Mann würde bestimmt damit schon etwas anzufangen wissen. Zumindest hoffte ich das.


    Tauglichkeitsprüfung von



    Alter:


    Vorerkrankungen:


    Körperlicher Zustand:


    Gehör:


    Augen:


    Sonstiges:



    Schon fast wie von Geisterhand trugen mich meine Beine nach einer mürrischen Reaktion von drin in den Raum. Der Mann, der mir nun an einem Schreibtisch gegenüber saß, nicht einmal nach oben, als ich den Raum betrat. Großes Interesse schien man an Neuankömmlingen wohl nicht zu haben. Zumindest nicht hier. So wurde mir, nach einer kurzen Erklärung, eine Tabula in die Hand gedrückt, die ich von jemanden anderes wiederrum ausfüllen lassen musste. Da der Mann mir gegenüber eh nicht besonders gesprächig zu sein schien, hielt ich also meine Klappe und tat was er sagte.
    Mit der Tabula in der Hand machte ich ohne ein weiteres Wort zu verlieren vor dem Mann kehrt und ging wieder aus dem Rekrutierungsbüro. Nachdem ich die Tür geschlossen hatte, warf ich einen Blick auf auf das mir gegebene Dokument. Körperlicher Zustand, Gehör und Augen. Wenn dies die Kriterien waren, auf die geguckt wurden, sollte ich eigentlich keine Probleme bekommen. Ich war gespannt was auf mich zukommen würde.
    So machte ich mich schnellsten auf den Weg ins Valetudinarium, um dort die Tabula ausfüllen zu lassen.

    Nach einem kurzen Nicken passierte ich das große Haupttor und machte mich daran der Wegbeschreibung, die mir die Wache auferlegt hatte, zu folgen. In der Tat, gar nicht so schwer zu finden.
    Ich marschierte durch das riesige Lager, beeindruckt von der Größe, die man erst jetzt, wo man sich im Innern befand, wirklich wahrnahm. Erstaunlich und beeindruckend zugleich!
    Große Plätze, lange Häuser- nun gut, wohl ehr Baracken, wenn man es mit dem Rest der Häuser Roma's vergleicht -Zelte, Waffenständer und Stallungen gab es hier. So würde dies mein neues Zuhause werden, vorerst. Noch immer hatte meine gute Laune nicht nachgelassen, sicher auch froh darüber endlich der Casa "entkommen" zu sein, und so klopfte ich an eine große, schwere Türe. Zumindest müsste ich hier richtig sein, wenn ich mich an die Wegbeschreibung gehalten habe. Hier sollte also das Rekrutierungsbüro sein. Mein Herz begann nun schneller zu klopfen und ein wenig Aufregung tat sich in mir auf. Gespannt wartete ich auf ein Zeichen aus dem Innern des Gebäudes.

    Nachdem die Nacht länger wurde als geplant erwachte ich schon früh am Morgen. Die Sonne war noch nicht einmal am fernen Horizont zu sehen, als ich in meinem Bett hochschreckte. Es musste noch ziemlich zeitig sein und so versuchte ich noch einmal etwas Schlaf zu finden, zumindest so lange bis es hell werden würde. Ich drehte mich auf die Seite, weg vom Fenster und zog die Decke über meinen Kopf. Und so döste ich noch einmal weg.
    Lautes Vogelgezwitscher riss mich dann erneut aus dem Schlaf. Ich blinzelte unter der Decke hervor und konnte draußen die ersten Sonnenstrahlen ausmachen. Endlich.
    Ausgeruht und ausgeschlafen sprang ich förmlich aus dem Bett, um mich in meine Tunika zu schmeißen. Ich ging zum Fenster und schaute hinaus. Am Horizont war der Himmel noch immer mit einem roten Schleier überzogen, während die Sonne sich mit ihrem ersten Drittel blicken ließ. Motiviert nahm ich mi vor etwas zu essen bevor ich die Casa Iulia wieder verlassen würde. Gesagt getan. Ein schnelles, kaltes Mahl in mich hinausgeschoben und ein Becher wässrigen Wein und dann machte ich mich auf dem Weg zur Castra Praetoria. Außer einem Sklaven, den ich jedoch nicht kannte begegnete ich niemanden und mit einem kurzen "Vale bene" zum Sklaven, der die Türe bewachte, machte ich mich auf den Weg.
    Die Sonne war nun bereits vollständig aufgegangen. Die Straßen begannen sich gut zu füllen, also sputete ich mich nicht allzu spät mein Ziel zu erreichen. Ich folgte den Ausschilderungen in der Stadt und fand mich nach Minuten des Hastens vor dem wohl Haupttor der Castra. Bewacht wurde es von Wachen, die zu den Seiten des Tores postiert waren.
    "Salve! Mein Name ist Servius Iulius Macro und ich bin hier um den Urbanerkohorten beizutreten!", sagte ich gut gelaunt an die Männer gewandt. Und vor mir lag die riesige Anlage, in der ich, wenn ich denn überhaupt aufgenommen werden würde, einige Zeit verbringen würde. Hoffentlich hatte Marcus Iulius Dives bereits seinen Brief an den Bekannten geschickt, der mich in die entsprechende Einheit stecken würde.

    Und kurz nachdem die Türe unter einem leisen Ächzen ins Schloss gefallen war, entschied ich mich für heute dort zu bleiben, wo ich war. Mit einem leisen Seufzen ließ ich mich wieder auf mein Bett zurück gleiten und ging noch einmal die letzten Minuten durch. Zuerst konnte ich es wohl kaum glauben, dass ich von zwei Frauen umgarnt wurde, doch jetzt, wo ich wieder bei klarerem Verstand war kam es mir nicht mehr so wirklich vor, wie gedacht. Die beiden hatten wohl auch nur ihre Arbeit getan, die ihnen aufgetragen wurde und Tsuniro hatte wohl irgendwie versucht mich dazu zu drängen eine Entschuldigung bei Crassus für sie heraus zu bekommen. Ein durchtriebenes Spiel, oder doch ihre Art? Ich wusste es nicht, doch ließ es mich auch nicht so recht los, was da geschehen war, auch wenn es eigentlich nichts war. Ein Gähnen überkam meine Lippen und ich dreht mich mit meinem noch immer nackten Körper auf die Seite.
    Morgen würde der Tag wohl wieder ganz anders aussehen. Hoffentlich würde mir Tsuniro nicht noch über den Weg laufen und nach dem Ausgang mit Crassus fragen, denn dazu würde es heute oder morgen nicht mehr kommen. Langsam überkam mich die Müdigkeit und erneut überkam mich ein Gähnen. Die Wärme im Zimmer tat da noch ihr übriges hinzu.
    Da kam mir doch gerade ein Gedanke: Tsuniro hatte ja gesagt, dass sie mir diesen gewissen Dienst nur dann erweist, wenn ich mit Crassus rede. Da sie aber diesen Dienst nicht beendet hat, oder ich sie ihn nicht beenden ließ, bin ich ihr auch kein Gespräch oder eine Entschuldigung von Crassus schuldig, zumindest kam es mir so vor. Es gab also nicht, worüber ich mir Gedanken machen musste. Wäre ich doch nur ehr darauf gekommen! Haa!
    Mit dem Gedanken fest im Kopf verankert glitten mir beruhigt darüber, dass mir niemand etwas konnte, die Augen langsam zu. Endlich ein wenig Ruhe ...
    Wenige Momente später schlief ich tief und fest, obwohl draußen noch die Sonne hoch am Himmel stand.

    Ob denn alle Frauen so waren wie Tsuniro? Einfach nicht locker lassen wollend, was den Handgriff und auch Crassus betraf. Jedenfalls schaute es so aus, als würde ich um ein Gespräch mit besagten Manne nicht drum herum kommen. Schade, denn eigentlich hatte ich mir das ein wenig anders vorgestellt. Naja, was soll's. Würde ich ihn eben besuchen und mit ihm reden.
    Doch nahm mir der Gedanke an das zukünftige Gespräch auch ein wenig die Lockerheit und Entspannung. Tsuniro ging weiterhin ihrem Handwerk nach, nun auch etwas geschwindter, ich jedoch war nun mit meinen Gedanken ganz woanders, warum auch immer, und lag anteilnahmslos da. Schade das sich die wunderschöne Situation so entwickelt hat- zumindest für mich. Tsuniro hatte jedoch wohl erreicht was sie wollte. Bei der wohl schönsten Sache der Welt einem so ein Gespräch aufbrummen- grauenhaft für mich.
    "Schon gut, schon gut!", meinte ich etwas unwirsch an Tsuniro. Eigentlich wollte ich in einem normalen Ton mit ihr reden, doch irgendwie hatte die ganze Sache meine Laune auch etwas in den Keller gedrückt. "Ich werde ihn nachher aufsuchen.", meinte ich.
    Dann setzte ich mich wieder etwas auf und schaute auf die Sklavin herunter. Sah ich in ihrem Gesicht etwas eine gewisse Anstrengung? Nun gut, es war wohl Zeit die Sache zu beenden, denn so würde das wohl nichts mehr werden. So müssten wir beiden uns nicht mehr unnötig "abmühen".
    "Du kannst dich jetzt zurück ziehen, Tsuniro!", sagte ich entscheidend. Ihre Massage brauchte sie nicht mehr zu beenden, hatte jetzt sowieso keinen Sinn mehr und alle Entspannung und Abgelenktheit war nun auch vergangen. Ich glaubte nun auch, dass meine Stimmung auf ihren Tiefpunkt angekommen war. Die Versessenheit der Sklavin konnte einen noch um den Verstand bringen.
    Und jetzt würde sie wohl doch nicht um den Küchendienst herum kommen.

    Genüßlich schloss ich meine Augen bei Tsuniros Handgriffen. hm, das tat wirklich gut und war noch viel, viel besser als Audatas Massage. So war ich doch zu meinem Ziel gekommen, wenn auch über Umwege, aber das interessierte nicht- zumindest nicht im Moment. Ich hatte wohl doch alles richtig gemacht und wurde nun wohl mit Tsuniros speziellen Massage belohnt. So schob ich meine Gewissenbisse beiseite, und wurde durch Tsuniros Arbeit an mir, nur bekräftigt. So fing ich an mich langsam und vorsichtig mit ihren Handgriffen zu bewegen und genoß es, die Augen geschlossen. Doch anscheinend hatte sie auch meinen Plan durchschaut, mir Crassus später zur Brust zu nehmen. Doch bei Tsuniros Werk war es nur schwer sich zu konzentrieren. Ein Stöhnen entglitt mir. Upps.
    Trotzdem musste ich irgendwie versuchen Tsuniro zu befriedigen, auch was ihr Problem mit Crassus anging.
    "Naja Tsuniro ...", meinte ich langsam und versuchend dem Genuß zu widerstehen. "... Ich bin ja erst seit ein paar Stunden hier und ich wollte mich noch ein wenig entspannen und ausruhen, ehe ich den Rest der Iulier kennen lernen möchte.", erwiderte ich und hoffte das Tsuniro ein wenig lockerer lassen würde, aber was ihren Handgriff betraf: nur nicht locker lassen!
    Mich immer mehr ihr hingebend, öffnete ich die Augen und blickte zu Tsuniro herunter, die ein neckisches Lächeln auf den Lippen hatte.
    "Ich ... rede ... ganz sicher ... mit ihm.", meinte ich stockend. "Was die Befriedigung der Sklaven betrifft, so kann ich zumindest sagen, dass ich es schaffen könnte wenigstens dich zu befriedigen. Wenn du möchtest nicht nur dein Gewissen.", sagte ich mit einem männlich, süßem Lächeln zu ihr, den Blick auf ihre schönen Augen gerichtet. Ohja, und wie ich das könnte- so glaubte ich.

    Nicht zu fassen in was für einer Zwickmühle ich mich da befand.
    Ich musste also mindestens den Versuch unternehmen Crassus von seiner groben Art zu überzeugen und eine Entschuldigung an Tsuniro herauf zu beschwören. Oder aber ich konnte den Rest der Massage vergessen. Ich hätte mir am Anfang der Massage niemals träumen lassen, eine solche Entscheidung fällen zu müssen und leicht, soviel stand fest, fiel es mir nicht.
    Auf der einen Art hatte ich nichts gegen die Fortsetzung der Massage, doch schien es jetzt, unter den zarten Berührungen Tsuniros, auf mehr hinaus zu laufen. Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein, aber warum sollst, sollte sie Audata weggeschickt haben? Hinzu kam der Bestechungsversuch mit Crassus und der Massage. Ich dachte nach.
    Wie würde ich dastehen, wenn ich auf Tsuniros Angebot eingehen würde? Sicher wüsste es morgen die halbe Casa unter den Sklaven. Nicht auszudenken was ein Iulier denken würde, wenn er davon Wind bekäme. Nicht einmal ein paar Stunden da und schon die volle schwere körperliche Arbeit einer Sklavin abverlangend. Da hätte ich mir ja einen namen gemacht.
    Aber auf der anderen Seite, was wollten sie schon tun? Tsuniro hat sich mir theoretisch angeboten und da ich ab morgen sowieso die Casa für eine ganze Weile nicht mehr wiedersehen würde, warum sollte ich ein solches Angebot ausschlagen. Zumal Tsuniro glaube nicht einmal wusste, dass ich in der Früh wieder verschwunden wäre. Es war zum verrückt werden, mit diesen Weibsbildern.
    "Na schön! Du hast recht. Du wirst sicher nicht weit kommen, wenn du ihn auf eine Entschuldigung ansprichst." Ich hielt inne- und ich wohl auch nicht. "Aber wenn es dir wirklich am Herzen liegt, kann ich versuchen mit ihm zu reden. Nicht heute, nicht morgen, aber ich kann versuchen ihn von seinem groben Vergehen zu überzeugen."
    Ich schloss für einen Moment meine Augen. Ich hätte schreien können! Bis vor kurzem habe ich mir noch Tsuniro vorgestellt wie sie ... Stopp! Jedenfalls befand ich mich in einer misslichen Lage. Konnte ich es mit meinem Gewissen ausmachen, eventuelle Gespräche hinter meinem Rücken über mich ertragen zu müssen? Langsam öffnete ich wieder meine Augen und schaute in das schöne Gesicht Tsuniros. Wenn ich bei der Armee war, konnte mir das egal sein, ich würde es wohl eh nicht mitbekommen. Warum also nicht?
    "Ich würde sagen, dass dir der Küchendienst vorerst erspart bleibt, Tsuniro, und du dich noch hier ein wenig vergnügen kannst.", sagte ich mit einem schelmischen Zwinkern, den Kopf leicht auf die Seite gelegt. "Ich werde mich mit Crassus mal unterhalten, wenn du darauf bestehst und es dir wirklich soo wichtig ist."
    Und nun wartete ich darauf das sie da weiter machte, wo Audata aufgehört hatte. Langsam ließ ich mich wieder auf das Bett gleiten und verdrängte die aufkommenden, quälenden Gedanken vielleicht die falsche Entscheidung getroffen zu haben.

    Mit Bedauern musste ich feststellen, dass Tsuniro Audatas Arbeit für Beendet befand, als dass sie wirklich schon zu Ende war. Mit letzten, kurzen Handgriffen knetete die Frau meinen Fußballen, bevor sie sich kurz erklärenden aus dem Raum entfernte. Ich sah ihr nach, wie sie hinter sich die Türe schloss. Schade eigentlich, sie hatte ihre Sache nicht schlecht gemacht und es hat mir auch gut getan, mal wieder etwas wirkliche Entspannung zu bekommen, auch wenn ich vorsichtig sein musste, denn zu sehr entspannen durfte ich auch wieder nicht, ansonsten passierten wieder Dinge wie eben.
    Audata hatte noch nicht einmal richtig die Tür ins Schloss gleiten lassen, als sich Tsuniro an mich wandte. Sie hatte sich erhoben, kam zum Bett und berührte kurz meinen Oberschenkel. Vollkommen unerwartet zuckte ich zusammen.
    "Nun gut, Tsuniro.", sagte ich an sie gewandt. "Ich bin froh, wenn du dein Händchen bei mir anlegen würdest.", sagte ich zu ihr mit einem Zwinkern. Doch ihr Gefallen war wohl mit einer Gegenseitigkeit verbunden. Da ich immer noch auf dem Rücken lag, stemmte ich nun meine Unterarme auf das Bett und rückte so ein Stück in die Höhe, Tsuniro besser sehen könnend. Ihr Lächeln war aus dem Gesicht gewichen und ein ernster Blick zeichnete nun ihr schönes Gesicht. Dann rückte sie mit der Sprache heraus. Ich sollte mit diesem Crassus reden und ihn dazu bewegen, sich bei der Sklavin zu entschuldigen. Erst soltle ich mich von ihm fern halten und ihn um jeden Preis meiden und jetzt? Jetzt sollte ich ihn dazu bringen sich bei Tsuniro zu entschuldigen. Das was ich bis jetzt von ihm hörte, schien er nicht gerade der frauenfreundlichste zu sein, warum sollte er also eine Entschuldigung an Tsuniro vorbringen? Vor allem an eine Sklavin?!
    "Sag mir wie ich das anstellen soll, Tsuniro. Nach all' dem, was ich von ihm in der kurzen Zeit gehört habe, bezweifel ich stark, dass ich ihn dazu bringen kann sich bei dir zu entschuldigen. Zumal du auch gesagt hattest, ich solle mich nicht mit ihm abgeben- um keinen Preis. So wie du es geschildert hast, wäre er ein recht gemeiner Bursche, dem man aus dem Weg gehen sollte. Wie also kommst du zu diesem Sinneswandel?", fragte ich sie mit fragenden Blick. Noch immer verharrte ich auf meinen Ellenbogen gestützt und blickte ihr in die Augen? War Crassus vielleicht doch gar nicht so schlimm, oder was spielte die Sklavin für ein Spiel? Im Moment konnte ich mir jedoch nur schwer vorstellen, dass ein Versuch eine Entschuldigung aus dem Iulier herauspressen zu können, glücken würde.
    Ich versuchte in ihren Gesichtszügen etwas verräterischen entdecken zu können, aber entweder meinte sie es ernst, ohne Hintergedanken, oder sie war so durchtrieben, dass sie sich nichts anmerken ließ.
    Nichtsdestotrotz befand ich mich in einer ziemlichen Zwickmühle. Entweder stimmt ich dem Angebot zu und würde den Rest der Massage bekommen, oder aber ich lehnte ab und ... ja was?
    "Was ist, wenn ich dein Angebot mit Crassus zu reden, ablehne? Immerhin sagtest du selbst ich solle mich von ihm fernhalten."
    Ich war gespannt wie Tsuniro reagieren würde. Vielleicht würde sie etwas preisgeben, was sie und ihren Plan verraten würde- wenn es denn einen Plan gab, oder etwas zu verraten.

    Natürlich kam ich Audatas Bitte mich auf den Rücken zulegen gern nach. "Gern Audata!", hauchte ich leise. Wieder spürte ich das Öl auf meiner Haut und konnte den süßen Duft im Raum vernehmen- nun wieder mit einem stärkeren Aroma. So wartete ich, bis sie mit ihrer Massage inne hielt, um mir Zeit zu geben, mich umzudrehen. Nachdem sie also meine Ober- und Unterschenkel förmlich mit ihren Handaußenseiten durchgeklopft hatte, hob ich meinen Körper, drehte mich langsam auf mein Gesäß und verharrte so einen Moment.
    Audata stand also wirklich noch neben dem Bett, und das in einem Abstand, sodass sie gerade so meinen Körper mit ihren Händen berühren konnte. Eigentlich hatte ich mir etwas mehr erhofft, aber da sie nun bereits an den Füßen angekommen war, war es doch besser, wenn sie hinter dem Bett stehen würde, um ihr Werk vollends zu beenden. Was soll's. Man konnte ja nicht alles haben und ich war ja auch erst neu hier. Da war es schon fast töricht in welche Richtungen mich meine Phantasie geführt hat. Ich lehnte am meinen Armen, die etwas hinter meinem Körper auf das Bett gestützt waren und ließ mich nach einem kurzen, gewollten Muskelspielen wieder auf das weiche Bett niedersinken.
    Nunja, meine Muskelpartien die ich besaß, waren nicht gerade voll ausgeprägt, doch konnte man schon etwas stolz darauf sein und schon das ein oder andere mal damit einen imponierenden Schein herüberbringen.
    So lag ich nun auf dem Rücken und starrte an die Decke meines Cubiculum. Meine Arme hatte ich neben meinen Körper gelegt. Nun wieder mit dem Gedanken mit zwei attraktiven Frauen in einem Zimmer zu sein, dazu noch nackt und nun mein Gemächt vollends entblößend, das schlaff herab hing. Die Beiden waren wohl die Letzten, die sowas wohl schon zu Genüge gesehen hatten.
    So konnte Audata nun ihr Werk fortsetzen, wobei ich noch eins anzumerken hatte ...
    "Wie kommt es eigentlich, dass so eine schöne Frau wie Audata nur so schüchtern ist?", fragte ich in den Raum. "Du kannst ruhig näher treten, ich beiße ganz gewiss nicht.", fuhr ich nun mehr an die massierende Sklavin gewandt fort.


    In dieser ganzen Zeit hatte Tsuniro, so wie ich sie nun also kennen gelernt hatte, munter wie immer weitererzählt. Nun, war aber in ihrem Tonfall etwas wie Bitterkeit und Zorn zu hören? Ich drehte meinen Kopf zu ihr, den Blick von der sowieso langweiligen Decke nehmend. Anscheinend war Crassus für die Frauen hier eine wahre Plage. Tja, was sollte man nur machen?
    Als sie jedoch wohl etwas aufgebracht erzählte, was sie für den Iulier machen musste, wurde ich hellhörig.
    Hatte ich da die Worte "hochholen", "auf Crassus' Zimmer", und das Wort "Dienstleistungen" vernommen? Jaa!
    Da hatte ja der Bursche einen guten Fang gemacht, wenn er Tsuniro dazu gebracht hatte Dienste zu seiner Befriedigung zu erledigen. Zumindest hörte es sich so an, als hätte sie dies getan. Oder ging nur wieder meine Phantasie mit mir durch? Oh maan ... Ich stellte mir kurz Tsuniros nackten Körper vor, wie sie sich im Bett räkelte, mit ihren weiblichen Argumenten, einem Lächeln auf den Lippen und sich leicht streichelnd.
    Zu meinem Unglück merkte ich ein krabbeln in meinem Bauch und merkte, wie auch mein Gemächt diese Vorstellung nicht abstoßend fand. Verlegenheit trat mi ins Gesicht und ich wendete meinen Blick schnell von Tsuniro und starrte wieder an die Decke, den Gedanken wieder zu verschieben versuchend. Vielleicht hatte ich Glück und keine der beiden Frauen würde etwas mitbekommen. Ich versuchte schleunigst an etwas anderes zu denken und dem langsamen Treiben dort unten bei mir ein Ende zu bereiten. Irgendwas musste mir in den Sinn kommen.
    Die Armee! Ich musste an den morgigen Tag denken und das schwere Leben das mich erwarten würde, dann konnte ich sicher wieder schnell Herr über meinen Körper werden, doch Audatas Handgriffe machten es nicht gerade leichter- ehr im Gegenteil.
    Ab morgen würde ich einen rauen Umgangston zu befürchten haben, schwere körperliche Arbeit verrichten müssen ... Nein! Das war nicht gut. Bei meinem letzten Gedankengang glitt ich wieder auf Tsuniro zurück und mir kam erneut ihr Körper in den Sinn. So war das eigentlich nicht geplant.
    "Also gut, dann werde ich mich vor diesem Crassus wohl in Acht nehmen und Obacht geben, dass ich nicht auch in eine seiner Fallen tappen werde.", sagte ich an die Decke starrend, um mich bloß irgendwie abzulenken.

    Ein leiser Seufzer entglitt mir heimlich, als Audata die Stelle, die besonders empfindlich war noch einmal, aber bestimmter unter ihre Finger nahm. Ihre zarten Finger brachten mich schon jetzt zur völligen Entspannung. So etwas Gutes hatte ich bis dahin noch nie bekommen und wer weiß, ob sich diese tolle Massage noch einmal wiederholen würde. Also galt die Devise nun jede Handbewegung in vollen Zügen zu genießen.
    Doch dann, ganz plötzlich waren ihre Finger nicht mehr zu spüren. Hatte sie die Massage jetzt schon beendet? Nicht doch! Schnell öffnete ich die Augen um den Grund für die Unterbrechung herauszufinden. Aus dem Augenwinkel konnte ich Audata nun sehen, wie sie etwas aus einer Schublade holte, doch was es war konnte ich leider nicht sehen.
    Plötzlich spürte ich auf meiner Haut eine kühle Flüssigkeit. Sofort stellten sich meine Härchen am ganzen Körper auf und ich hob etwas meinen Rücken und verkrampfte. Ich merkte wie sich die Flüssigkeit entlang meiner Wirbelsäule sich unaufhaltsam den Weg bahnte und langsam die Kühle nachließ und zu einem wohlwollenden Warm überging. Ich ließ meinen Bauch wieder auf das Bett niedergleiten und entspannte. Das Öl, dass es wohl sein musste verströmte einen süßlichen Duft und tat mit seiner beruhigenden Wirkung sein Übriges dazu mich vollkommen Audata hingeben zu wollen.
    Wieder seufzte ich kurz vor Entspannung beim Genuss Audatas Handbewegungen. "Sehr gut machst du das Audata! Wo hast du das nur gelernt?", fragte ich die Frau, die mich hier so wundervoll verwöhnte- auch wenn es nur eine Massage war.
    "Und du ...", sagte ich nun zu Tsuniro gewandt, "... scheinst ja ziemlich gläubig zu sein."
    Bei all' den Flüchen, die auf der Familie liegen sollten, kam einem schon das Gefühl, als wolle die Frau einem weiß machen, dass die Gens verwunschen sei. Doch von sowas hielt ich natürlich nicht viel.
    Dinge geschahen eben. Manche scheinen etwas merkwürdig und traten zu ungünstigen Zeitpunkten auf, doch schien dies in meinen Augen kein Grund dafür, dass sich die Götter gegen einen gestellt hätten. Vielmehr sollte man doch den Grund erkunden, warum die Dinge so kamen, wie sie es taten. Wohl würde das beim Tod etwas schwierig werden, doch auch hier gab es die ein oder andere Sache zu untersuchen, denn manchmal kommt der Tod nicht allein.
    Gerade wenn große Ereignisse anstanden, wie beispielsweise Wahlen, war es doch umso merkwürdiger, dass zu solchen Zeitpunkten immer unvorhersehbare Unfälle geschahen. Es war daher für mich schwer zu glauben, dass allein die Götter dafür die Schuld trugen.
    Doch hatte ich im Moment wahrlich kein wirkliches Interesse das Thema weiter mit Tsuniro auszuschlachten. Konnte sie glauben, was sie wollte- für mich stand ebenfalls mein Glaube fest.
    "Crassus scheint ja ein ganz schöner Menschenfreund zu sein.", meinte ich dann beiläufig an Tsuniro gewandt, um vom Spuk & Fluch abzulenken.
    Kein Wunder, dass hier sich keine Frau mehr niederließ, bei solch' Behandlungen. Eigentlich schade. So würde hier keine wirkliche Abwechslung reinkommen und immer nur die gleichen Gesichter zu sehen, ist auch etwas öde. Nichtsdestotrotz war es eben wie es ist und man konnte daran nichts ändern- außer vielleicht mal mit diesem Crassus zu reden, was aber bestimmt nicht viel Sinn hat.
    "Körperliche Schwerstarbeit solltest du also verrichten? SoSoo ...", meinte ich langsam, den Blick nun wieder auf Tsuniro haftend. Zwar war die Frau noch immer eine Sklavin, doch sollte eigentlich schwere Arbeit den Männern übertragen werden. Wer wollte denn schon diese beiden Schönheiten schwerer Arbeit aussetzen, sodass sie irgendwann nicht mehr gerade stehen können?
    Wäre doch viel zu schade. Doch in Gedanken war ich eigentlich schon wieder ganz woanders.
    Schwere Körperliche Arbeit könnten die beiden für mich auch erledigen- wobei man das schwer auch gleich weglassen könnte. Mir huschte ein Lächeln über das Gesicht, beim Gedanken an die körperliche Arbeit, die sie erledigen konnten. Die beiden konnten mit ihren Körpern bestimmt gut arbeiten.
    Wieder begann meine Fantasie mit mir durchzugehen, was ich um jeden Preis verhindern musste. Nicht das mir noch etwas Falsches rausrutschen würde, denn dann hätte sich der Zauber hier sicherlich schneller in Luft aufgelöst, als dass ich hätte ihre beiden Namen sagen können.
    Also hielt ich meine Klappe, starrte auf Tsuniros weibliche Rundungen und schaffte es unter dem sanften Druck Audatas Hände auf meinem Rücken und des benebelnden Duft des Öles nicht meine Fantasie ganz zu verdrängen.