Beiträge von Tiberius Prudentius Balbus

    Balbus nickte, nachdem Crassus ihm die Geschenke und die Urkunde übergeben hatte und wandte sich dann den angetretenen Männern zu.


    "Milites, es war mir stets eine grosse Ehre mit euch in der Garde unseres Kaisers zu dienen. Manche von euch kennen mich schon seit vielen Jahren, einige wenige vielleicht sogar noch aus meiner Zeit als Centurio hier. Ihr alle seid für mich soetwas wie meine Familie und ich werde euch vermissen.
    Doch es ist nun an der Zeit zu gehen und so werde ich dies tun, voller Dankbarkeit dafür, dass mir die Ehre vergönnt war mit euch dienen zu dürfen."


    Es war wie immer kein Glanzlicht der Rhetorik, doch Balbus war ja bekanntermassen nie ein grosser Redner gewesen.

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    Es war so furchtbar unpraktisch, dass all die Völker der Welt verschiedene Sprachen sprachen. Aber er musste jetzt einfach mal damit klar kommen. Irgendwie würde es schon klappen dem Germanen eine zivilisierte Sprache beizubringen.
    Von welchem Stamm bist du? fragte er, diesmal etwas konkreter und besorgte schon mal eine Schüssel Wasser und ein Tuch, mit dem der Germane sich waschen konnte.

    "Gut." sagte Balbus und gab dem Auguren einen Wink, damit dieser anfangen würde. Er selbst stellte sich so hin, dass er den Auguren beobachten konnte.





    Der Augur positionierte sie an der Stelle, die er zuvor ausgewählt hatte und wandte seinen Blick hinauf zum Compluvium. Er räusperte sich kurz und begann dann, unter recht unverständlichem leisen Singsang, mit seinem Lituus das Templum in sein Sichtfeld zu zeichnen.
    Dann begann er damit den Inhalt des Rechtecks zu beobachten. Es dauerte eine ganze Weile und erst schien es, als ob sich nichts tun würde. Angestrengt beobachtete der Augur den Himmel, bis dann ein einzelner Vogel sein Blickfeld durchflog. Er kam von rechts, war jedoch recht weit entfernt, so dass der Augur noch etwas angestrengter hinschaute um zu erkennen, um welche Art Vogel es sich handelte. Es war nicht ersichtlich, ob er dann wirklich erkannte, was es war, doch dann verkündete er, dass das beobachtete Zeichen ein positives war und der Hochzeit nichts im Wege stehen sollte.




    Balbus atmete auf.

    Balbus hörte sich die Worte seines Praefecten an und wäre sicherlich gerührt gewesen, wenn er nicht gewusst hätte, dass Crassus eigentlich nicht ganz glücklich damit war ihn zu verlieren. Doch es gab wichtigeres im Leben.


    Er nahm die Geschenke dann dankend entgegen.

    Balbus war in einem allgemeinen Glückszustand, daher wurde auch Quarto von ihm mit einen freundlichen, fast schon strahlenden, Lächeln begrüsst.


    "Salve, Consul. Du kommst genau zum rechten Zeitpunkt. Der Augur hat gerade seine Vorkehrungen abgeschlossen und wollte mit den Auspicien beginnen." sagte er.




    Der Augur erwiderte den Gruss des Consuls stumm und hielt sich vorerst bereit, da der Beginn des Rituals wohl offensichtlich noch einige Minuten verschoben wurde.

    Es dauerte auch gar nicht lange, bis Balbus, im Schlepptau des Schreibers auf den Exerzierplatz kam. Seine Rüstung war an diesem Tag noch besonders auf Hochglanz poliert worden und er hatte sich sogar dazu durchgerungen, für ihn untypischer Weise, seinen Helm zu tragen. Und so schritt er von der Principia über den Exerzierplatz hin zum Podest auf dem der Praefect und der Stab standen. Er erklomm das Podest und stellte sich vor den Praefecten.


    "Princeps Praetorii Prudentius Balbus meldet sich wie angewiesen."

    "Ich muss zugeben, dass ich von Weinen nicht allzuviel Ahnung habe. Meistens trinke ich den Wein, der vorhanden ist und in meinem Haus sind das noch immer die Vorräte, die mein Vater zusammengetragen hat." sagte er ehrlich und als der Sklave ihm dann den Wein darbot, nahm er eines der Gläser vom Tablett und betrachtete den Wein einen kurzen Moment.

    Balbus wandte sich seiner Braut natürlich zu, als diese den Raum betrat. Sie war wie immer wunderschön, auch wenn der Grossteil von ihr für den Grossteil des Tages unter dem Schleier verborgen bleiben würde. Er lächelte sie an.


    "Salve. Ich hoffe du hattest eine angenehme Nacht." sagte er, in Ermangelung einer besseren, spontanen Idee.



    Der Augur meldete sich kurz zu Wort und gab dem Paar zu verstehen, dass er, falls sie es wünschten beginnen konnte.

    Balbus nickte. "Bei Wein aus Hispania sage ich nicht nein." sagte er und das entsprach sogar weitestgehend der Wahrheit, nur leider war es so, dass er selten die Gelegenheit hatte welchen zu trinken. Der Weinkeller der Casa Prudentia war noch immer zum Bersten gefüllt mit den Weinen, die sein Vater aus allen Provinzen des Reiches hatte herschaffen lassen. Nur an Hispanischem mangelte es etwas.

    Balbus und der Augur liessen sich den Weg in das Atrium zeigen und betraten dieses dann auch kurze Zeit später. Während der Augur sich bereits umsah, um die perfekte Stelle für die Auspicien auszumachen, schaute Balbus sich ein wenig um.
    Es gefiel ihm hier schon immer an normalen Tagen sehr, doch heute, wo alles noch zusätzlich geschmückt und herausgeputzt war, erstrahlte alles in einem ganz anderen und vor allem viel schöneren Licht.
    Sicherlich hatte das alles nur damit zu tun, dass er dieses Atrium nicht als Junggeselle, sondern als verheiratetes Familienoberhaupt verlassen würde, aber es fühlte sich bisher ganz gut und so war seine Stimmung mehr als nur gut.


    Der Augur hatte sich mittlerweile für ein Plätzchen entschieden, von dem aus er durch das Compluvium den Himmel und damit auch die Vögel beobachten konnte.
    Er würde anfangen, sobald die verantwortlichen Brautleute ihm dazu die Anweisung gaben.

    Der Weg von seinem Haus zum Palast war ja bekanntlicherweise nicht allzuweit, aber da Balbus ihn nur selten in einer Toga zurücklegte, war er an diesem Morgen dennoch ungewohnt lang gewesen. Die Toga machte das Laufen nicht gerade einfacher, aber daran würde er sich bald gewöhnen müssen.
    Er war von seinem Haus aus in Begleitung einiger Sklaven und einiger weniger enger Freunde losgegangen. Auf dem Forum Romanum hatte er sich dann mit dem Auguren getroffen und war mit diesem gemeinsam den Rest des Weges gegangen.


    Nun waren sie am Palast angekommen und erklommen die Stufen. Die Sklaven blieben unten und würden später nach Hause zurückkehren um dort alles Notwendige vorzubereiten. Auch Balbus Freunde blieben vorerst vor dem Palast. Sie würden später mit den übrigen Gästen hineingehen.
    Balbus und der Augur traten an die wachenden Praetorianer heran und meldeten sich mit ihrem Anliegen an. Die Milites kannten natürlich den, (zu diesem Zeitpunkt schon), ehemaligen Princeps Praetorii und waren auch entsprechend instruiert worden. So liessen sie die beiden passieren.

    Der nächste Morgen kam und mit ihm eine Schar an Sklaven. Die Vorhänge vor den Fenstern und an der Brüstung des 'Balkons' wurden rabiat aufgezogen und liessen die ersten morgendlichen Lichtstrahlen und auch ein wenig frische Luft hinein.


    Balbus gähnte, als er von einem jungen Sklaven geweckt wurde. Er streckte sich ein wenig und setzte sich dann auf. Ein weiterer Sklave kam, mit einem Tablett bewaffnet und servierte ein leichtes Frühstück, das lediglich aus etwas Brot, einigen Früchten und Wasser bestand. Während er ass, liess sich Balbus von einem Sklaven, der bereits zwei Stunden zuvor auf die Strassen geschickt worden war, berichten, wie die Stimmung in der Stadt war. Da die Acta bereits vor längerer Zeit den Termin der Hochzeit bekanntgegeben hatte und die Strasse, aus für Balbus nicht ganz einleuchtenden Gründen, vor Gerüchten über den heutigen Tag nur so brummten, wollte er gerne wissen, was ihn erwarten würde, wenn er das Haus verliess.


    Nach dem Essen wurde eine grosse Waschschüssel in den Schlafraum gebracht und Balbus entstieg seinem Bett um sich dann zu waschen. Der Tonsor kümmerte sich noch schnell darum, dass das Gesicht seines Herren haarlos war und dann war Balbus bereit zum Einkleiden.
    Die Kleidung, die er heute tragen würde, war neu angefertigt und erst am Tag zuvor vom Schneider geliefert worden. Die Tunika, mit ihren beiden schmalen Purpurstreifen, war aus Wolle gefertigt wurden, die von den Schafen stammte, die in der Schafzucht der Prudentier in Confluentes stammten. In mühsamer Kleinarbeit hatten die dortigen Schäfer die beste Wolle ausgewählt, damit aus ihr der Stoff für diese Tunika hergestellt werden konnte. Balbus legte die Tunika an und ein Sklave zog sie zurecht, bevor er seinem Herren einen Gürtel umschnallte. Balbus wollte ursprünglich sein cingulum militare tragen, hatte sich dann aber dagegen entschieden, da er Vespa zeigen wollte, dass es ihm ernst damit war, dass er sein Soldatenleben beenden wollte. So handelte es sich bei dem Gürtel um einen einfachen, nur wenig verzierten.
    Balbus stellte sich dann auf einen kleinen Hocker und liess die Sklaven mit der Arbeit an der Toga beginnen. Die Toga war ebenfalls aus Wolle aus Confluentes hergestellt, allerdings war die Wolle eingefärbt worden, so dass die Toga leicht bläulich schimmerte. Die Sklaven, die für das Anlegen der Toga zuständig waren, machten ihre Aufgabe gut und schnell, hatten sie doch viel Übung gehabt, als sie jeden Tag Balbus Vater hatten einkleiden müssen. So dauerte es auch nicht allzulang, bis Balbus fertig war und von dem Hocker hinuntersteigen konnte.
    Ein letzter Blick in einen Silberspiegel zeigte Balbus, dass alles zu seiner Zufriedenheit war, und so machte er sich dann auf den Weg zu seinem grossen Tag.

    Es war der letzte Abend, den Balbus als unverheirateter Mann in diesem Haus verbringen würde. Der letzte Abend, an dem er noch völlig ungezwungen er selbst sein konnte. Wenn man von den Sklaven absah, war niemand sonst im Haus. Niemand der Anstoss daran nehmen konnte, wenn Balbus sich daneben benahm. Niemand, der wirkliches Interesse an dem hatte, was Balbus tat. Noch konnte er hier tun und lassen was immer er wollte. Niemand machte ihm Vorschriften oder konnte ihn vorwurfsvoll ansehen.
    Aber es war auch niemand da, mit dem er freudige Momente teilen konnte. Niemand dem er etwas gutes tun konnte. Niemand der ihn gern hatte. Niemand mit dem er gemeinsam essen konnte. Niemand mit dem er Spass haben konnte.
    Doch das alles würde sich ändern. Schon sehr bald, denn am nächsten Tag würde er heiraten. Er würde einen Bund eingehen, der hoffentlich bis an sein Lebensende bestehen würde und der ihn mit Glück erfüllen würde.
    Es würde endlich wieder einen Menschen in diesem Haus geben, für den sich das morgendliche Aufstehen lohnte. Jemanden, für den es sich lohnte nicht in der Castra zu leben. Einen hellen Lichtblick in seinem Leben.
    Nur der Gedanke, dass seine Eltern und seine Geschwister diesen Tag nicht erleben durften machte ihn traurig. Er wusste, dass sein Vater seine zukünftige Frau gemochte hatte und er war sich auch sicher, dass seine Mutter derselben Meinung gewesen wäre. Er hatte sich immer gewünscht, dass die beiden am Tag seiner Hochzeit bei ihn sein würden. Und das Gleiche galt für seine Schwestern und Brüder. Doch all jene geliebten Menschen waren tot und würden nur anwesend sein, wenn die Götter ihren Seelen die Erlaubnis gaben zuzusehen.


    Balbus stand an der halben Wand, die ihm vom Aufenthaltsraum seines Gemachs den Blick in das Peristyl erlaubte. Er seufzte leise als er die wunderschönen Blumen dort unten erblickte, die aus den Feierlichkeiten der kommenden beiden Tage sicherlich nicht mehr ganz so prachtvoll herauskommen würden.
    Sein Blick wanderte hinauf zur gegenüberliegenden Seite des Hauses. Dort, wo eine identische halbhohe Wand einen Blick in einen anderen Aufenthaltsraum gewährte. Würde ab dem morgigen Tage seine Frau leben. Es war ein schönes Cubiculum, wenn auch sicherlich nicht so prachtvoll wie jenes, das Vespa derzeit noch im Palast bewohnte. Er hoffte inständig, dass sie mit dem zufrieden sein würde, was er ihr bieten konnte, denn er wollte in keinem Fall riskieren, dass sie ihn wegen des Mangels an Luxus in seinem Haus verlassen würde. Doch andererseits war sie auch mit ihm in Germania gewesen und hatte dort mit ihm in einem Militärlager gelebt, was sicherlich kein bisschen luxuriös war.
    Er seufzte noch einmal leise und wandte sich um. Es war zwar noch recht früh am Abend, aber dennoch hatte er beschlossen schon ins Bett zu gehen, da er am nächsten Morgen viel früher aufstehen wollte als er es sonst tat.
    Und so ging er in den abgetrennte Schlafraum hinüber, wo er sich entkleidete und ins Bett legte. Es dauerte nicht allzulange, bevor er in den Schlaf hinüberglitt.