Beiträge von Tiberius Prudentius Balbus

    Balbus kam einige Schritte auf sie zu, bewahrte aber auch einige Schritte Abstand, denn er war sich sicher, dass sie ähnlich gefährlich werden konnte wie ihre Schwester.


    "Ja, ich bin zurück." sagte er. Als sie den Aushang ansprach, machte er ein leichte wegwerfende Bewegung. "Ich wollte dich sprechen, weil du in den letzten Jahren, im Gegensatz zu mir, hier in Rom warst. Daher wirst du mir sicherlich einige interessante und wichtige Informationen liefern können."

    "Sie ist wunderschön, nicht wahr?"


    Balbus war zwischenzeitlich aus dem Tablinum heraus in das Atrium getreten und beobachtete Celeste. Sie hatte sich kaum verändert, jedenfalls nicht in seinen Augen. Sie schien noch immer nicht genau zu wissen, welche Dinge gefährlich waren und welche nicht.

    Das Atrium war leer. Zumindest fast leer, denn zum einen gab es dort natürlich Einrichtungsgegenstände und zum anderen befanden sich hier zwei besondere Objekte.
    Vor der Marmorbank, die am Rande des Impluviums stand, befand sich ein Marmorblock, der offensichtlich von einem Steinmetz bearbeitet wurde, denn ein Teil war bereits in Form gebracht. So stand dort die obere Hälfte eines alten Mannes, anhand der Form der Kleidung konnte man sehen, dass es sich um einen hohen Magistraten handelte. Die Bewohner des Hauses wussten natürlich, dass dies das mamorne Ebenbild des alten Prudentius Commodus werden sollte und so wurde dieser Marmorblock mit einem hohen Mass an Respekt behandelt, ganz so als sei der alte Mann noch immer lebendig.
    Das zweite Objekt war eine, auf Hochglanz polierte, Praetorianerrüstung, die auf einem Rüstungsständer am Rand des Atriums stand. Das geschwärzte Metall glänzte bedrohlich und im Gegensatz zu jenem Marmorblock der nur wenige Meter entfernt stand, gingen die Sklaven des Hauses der Rüstung soweit möglich aus dem Weg. Man konnte fast meinen sie hätten Angst.

    Er schaute traurig, was sich dann allerdings fast sofort zu einem zuversichtlichen Lächeln wandelte.


    "Ich bin sicher, dass du Recht hast, doch hat meine Mutter mir immer gesagt, dass es besser ist vorsichtig zu sein, auch wenn es unnötig erscheint. Aber ich verspreche dir, dass ich sobald Valerian hier ist, meine Versetzung auf einen zivilen Posten anstossen werde."

    Er hatte das Gefühl in eine grosse Fettamphore getreten zu sein. Jetzt galt es diplomatisch geschickt vorzugehen, schliesslich wollte er ihr keine Angst machen, vor allem nicht wenn sie womöglich unbegründet war.


    Er versuchte es mit kühler Logik. "Du bist immerhin die Nichte des neuen Imperators und solange Valerian nicht von allen anerkannt ist, besteht Gefahr für dich, genauso wie für den Rest deiner Familie. Glaubst du denn, die Praetorianer beschützen ohne Grund auch dieses Haus? Auch wenn der Kaiser nicht in Rom weilt?" er hoffte zwar, dass sie es auf diese direkte Art verstand, aber dennoch schob er noch einen auf der emotionalen Schiene hinterher.


    Er schaute sie traurig, mit dem Blick eines kleinen Welpens an. "Ausserdem, meine geliebte Vespa, möchte ich nicht, dass dir irgendetwas passiert. Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn ich dich nicht vor allen möglichen Gefahren beschützt hätte."

    Balbus nickte leicht. "Sicherlich sind die von dir aufgezählten Möglichkeiten durchaus denkbare Alternativen, doch glaube ich nicht, dass ich es in der Politik wirklich weit bringen würde. Zumindest im Moment nicht. Mein Vater war der Politiker, und ich komme eher nach meiner Mutter."


    Sie würde sicherlich verstehen, da war er ganz sicher. Immerhin ging es ihm in der Hauptsache um ihre Sicherheit. Also rückte er nun mit dem raus, was er sich auf der langen Reise überlegt hatte.


    "Ich habe mir gedacht, ich spreche einmal mit Crassus. In der momentanen Situation kann er für die Garde sicherlich jeden erfahrenen Offizier gebrauchen. Und vor allem kann ich dich dann besser schützen." sagte er. Er hatte zwar immernoch grosse Hoffnung, dass sie keines grossen Schutzen bedurfte, immerhin hatte der tote Kaiser einen eindeutigen Wunsch über seine Nachfolge geäussert, den der Senat unmöglich zurückweisen konnte.


    "Sobald deine beiden Onkel in Rom sind, werde ich mich darum bemühen Rom anders zu dienen. Familienfreundlicher."

    "Es ist nicht an mir sie zu richten. Das ist Sache des Kaisers, immerhin ist der Mord an einem Consul ein Verrat an Rom. Ich bin sicher, Valerian wird sich in dieser Angelegenheit als würdiger Nachfolger seines Vaters beweisen können."
    Sagte er, auch wenn er hoffte, dass Valerian ein wenig weniger weich war als Iulian. Doch das würde sich mit der Zeit zeigen.


    "Soll ich dann direkt morgen zur Castra kommen und meinen Dienst aufnehmen?"

    Er hörte ihr lächelnd zu und konnte sich genau vorstellen, wie sie durch die Strassen Roms eilte und einen lange Wust von Einkaufssklaven hinter sich her zog. Eine doch recht amüsante Vorstellung.


    Doch dann sprach sie das Thema an, um dass er sich so versuchte zu drücken.
    "Ich weiss es nicht wirklich. Ich bin nicht dazu geschaffen als Zivilist durch Rom zu gehen oder mich zuhause dem Müssiggang hinzugeben." sagte er.
    "Und in der momentaten Situation würde ich mich dabei auch nicht wirklich wohl fühlen."
    Er wusste nicht genau, wie er ihr sagen sollte, dass er vorhatte mit Crassus über eine mögliche Rückkehr zur Garde zu reden.

    Balbus nickte. Schade war es natürlich, dass er sich nicht sofort um sie kümmern konnte, doch hatte das sicherlich Zeit. Früher oder später würde er mit ihren Innereien für eine neue Innendeko sorgen.


    "Gut." sagte er.

    Balbus hörte zu und nickte. "Ich hoffe ich kann mit ihr sprechen?" fragte er. Er wollte sie nicht unbedingt sprechen, sondern sie eigentlich eher so lange zu Brei schlagen, bis sie ihm sagte, wer ihr den Auftrag gegeben hatte. Er hatte zwar selbst auch einige Verdächtige, doch konnte er sie ohne Grund natürlich nicht vom Felsen stürzen. Wenn allerdings diese Hure seine Verdächtigen bestätigen würde...

    Es gefiel Balbus eigentlich gar nicht in dieses Cubiculum umzuziehen, doch hatte der Maiordomus darauf bestanden, dass der Hausherr angemessen untergebracht werden musste. Balbus hatte sich breitschlagen lassen, hatte jedoch darauf bestanden, dass die Betten ausgetauscht und ein Teil seiner eigenen Einrichtung hierher gebracht wurden. Der Maiordomus hatte nur genickt und alles in Bewegung gesetzt um es dem neuen Hausherren so gemütlich wie möglich zu machen.


    Balbus betrat das Zimmer und schaute sich ein wenig um. Er hatte das Gefühl, er würde immernoch die Anwesenheit seines Vaters spüren, doch war er sicher, dass das nicht so war. Er ging durch den Aufenthaltsraum, schaute hinunter in das Peristyl. Es war so ungewohnt für ihn hier zu sein, doch musste er sich damit abfinden. Er ging hinüber ins Schlafzimmer und liess sich einfach flach aufs Bett fallen.

    Wie ein Schatten schlich die schwarze Gestalt des Nachts durch die Dunkelheit und schlug einen Zettel an.


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    "Dann wird es sicherlich auch so sein." sagte Balbus und schaute sie aufmunternd an. "Ich bin mir sicher, dass er vorsichtig ist und auf sich aufpasst."


    Er lächelte. "Und wie ist es dir ergangen? Was hast du gemacht seit du wieder in Rom bist?" fragte er und versuchte so dem unausweichlichen Gespräch über seine Zukunft noch ein wenig den Boden zu nehmen.

    Der Becher in Balbus' Hand leerte sich ebenso schnell, doch war es ihm nicht ganz so eilig ihn erneut befüllen zu lassen.


    "Das ist wirklich erfreulich." sagte er. "Wer ist sie? Und was sagt sie über ihre Gründe?"

    Der Tag war so gut wie vorbei, als Balbus an diesem Tag nach Hause kam. Und diesmal würde er das Haus sogar wirklich betreten und auch erst einmal darin bleiben. Er hatte alles erledigt was er erledigen wollte, er hatte Vespa gesehen, er war bei Crassus gewesen und nun war er müde. Müde, aber glücklich.
    Er betrat das Haus und beachtete dabei den Ägypter, der hinter der Tür stand, nur nebenbei. Er hatte sich noch nicht daran gewöhnt, dass er mittlerweile der Herr des Hauses war und auch an die Tatsache, dass er hier allein war, konnte er sich nicht gewöhnen. Zulange hatte er ständig mit hunderten von Männern zusammen in Lagern gelebt, als dass er sich jetzt in einem leeren Haus wohlfühlte. Doch es blieb ihm vorerst nicht viel anderes übrig. Nachdem er das Haus betreten hatte, wurde die Porta verriegelt, schliesslich sollten die Schatten der Nacht nicht heimlich in das Haus einfallen.

    Balbus nickte. "Ich bin mir sicher, wir werden schon bald etwas von ihm hören."


    Er hob ebenfalls seinen Becher. "Auf gute Zusammenarbeit." Er zweifelte nicht daran, schliesslich waren die beiden jahrelang ein eingespieltes Team gewesen.

    Balbus nickte. Sicherlich ein Rückschritt, vor allem auch finanziell, doch ging es ihm ja nicht um soetwas. Er wollte seinem Kaiser dienen und vor allem seine Verlobte schützen. Und das ging nicht, wenn er als Zivilist durch die Stadt lief.


    "Mir ist es egal in welcher Position, solange ich mich nützlich machen kann. Über eine bessere Position können wir später immernoch reden, wenn wir es geschafft haben Valerian sicher zu seinem Thron zu bringen."