Beiträge von Tiberius Prudentius Balbus

    Auch Balbus nahm einen grossen Schluck und musste ein wenig schmunzeln über Crassus direkte Fragen.


    "Ich hatte einen langen Weg von Germania hierher und habe währenddessen in der Tat viel nachgedacht. Ein Leben als Zivilist wäre sicherlich gesund und ich denke mal, dass auch meine Verlobte das gut finden würde." sagte er.


    "Aber wenn ich ehrlich bin, ist das nichts für mich. Ich war Soldat seit ich damals in Tarraco der Legio beigetreten bin. Und das ist doch schon ein Bisschen her." Aber das wusste Crassus natürlich, schliesslich war er damals auch in Tarraco.


    "Vor allem in der aktuellen Situation ist es mein Wunsch dem rechtmässigen Kaiser zu dienen. Wenn du Verwendung für mich hast, stehe ich dir gerne zur Verfügung."

    Balbus hörte schweigend den Kommentaren des Caeciliers zu und nahm dankbar den Becher entgegen, den der Sklave ihm reichte.


    "Auch in Germania sind die Menschen besorgt ob des Kaisers Tod. Doch sie sind zuversichtlicht, dass die Thronfolge geregelt ist." sagte er und hob dann ebenfalls den Becher.


    "Auf Iulianus, der Rom so viele Jahre des Glücks verschaffte."

    Balbus nickte. "Ja, ich wurde abgelöst. Mein Nachfolger ist ein gewisser Octavius Sura, bisher Tribunus Angusticlavius bei der Legio II." sagte er.


    "Das ganze war schon ein wenig merkwürdig. Ich wurde nach Mogontiacum in den Palast des Statthalters beordert, wo dieser mir mitteilte, dass ich in den nächsten Tagen abgelöst werden würde und das ich Ala entsprechend vorbereiten sollte. Er sagte mir, dass dies auf Anweisung des Kaisers geschieht, der ihm dies scheinbar in einem Brief geschrieben hat. Ein Brief, den ich allerdings nie gesehen habe."
    Er hatte während der Heimreise mehrfach darüber nachgedacht und mit jedem Mal war ihm die ganze Angelegenheit merkwürdiger vorgekommen.
    "Im gleichen Gespräch informierte er mich auch über den Tod des Kaisers."

    Balbus nickte leicht. "Ich weiss was du meinst. Als ich vor die versammelten Männer der Ala treten und sie informieren musste, hatte ich anfangs den Wunsch es nicht zu tun, da ich die Reaktionen fürchtete. Ich befürchtete, dass vor allem die vielen Peregrini negativ reagieren und eventuell eine Art Aufstand anzetteln würden. Doch im Endeffekt blieben alle ruhig und vereinten sich in ihrer Trauer.
    Es gab in diesem Moment keine Unterschiede zwischen Römern und Peregrini, alle waren gleichermassen schockiert und getroffen und sie trauerten gemeinsam."


    Im Nachhinein war es ein wirklich bewegender Moment gewesen, auch wenn der Anlass der denkbar schlechteste war.


    "Habt ihr etwas von deinem Onkel gehört?" fragte er dann und liess dabei aus, welchen der beiden er konkret meinte.

    "Sehr gern." war die Erwiderung auf das Angebot eines Getränkes, während jenes eines Sitzplatzes damit quittiert wurde, dass Balbus sich setzte. Es war für ihn immernoch sehr ungewohnt in rein ziviler Kleidung rumzulaufen, daher brauchte er für das Hinsetzen einen kurzen Moment.


    "Ich bin seit neuestem unter die Zivilisten gegangen und spiele jetzt den Rom-Touristen." sagte er dann scherzhaft und lachte ein wenig.


    "Ehrlich gesagt bin ich zurück nach Rom gekommen, weil ich als Praefect der Ala II abgelöst wurde und mich nichts mehr in Germania hielt."

    Balbus liess sich zu Crassus' Officium führen und klopfte an die Tür. Er wartete einen kurzen Moment auf eine Reaktion und trat dann, nach ebendieser, ein.


    "Salve Crassus." grüsste Balbus seinen früheren Vorgesetzten. "Ich hoffe du erinnerst dich noch an mich." Balbus zweifelte daran nicht, aber sicher war sicher.

    Balbus erwiderte die Umarmung und als sie endete war er erst versucht sie noch auszudehnen. Doch wäre das unangebracht gewesen.
    So nahm er Platz. "Etwas zu Trinken wäre nicht schlecht. Vielleicht etwas Wasser." sagte er.


    "Als ich die Provinz verliess stand dort zumindest noch alles so wie es sein muss. Und auch die letzte Zeit dort war recht ereignislos. Das grösste Ereignis für mich persönlich waren die plötzliche Benachrichtigung über meine Abberufung und die Nachricht vom Tod Iulianus'."

    Als Balbus Schritte hörte, die sich näherten, stand er auf, war er doch sicher den grazilen Gang seiner Angebeteten zu erkennen. Er wandte sich in die Richtung, aus der er ihre Ankunft vermutete und als er sie sah, wurde sein Lächeln noch lächelnder. Das Bild, das sich ihm jetzt bot, war das, was ihn den Weg hierher so schnell und hoffnungsvoll hinter sich bringen liess. Glücksgefühle verbreiteten sich in ihm.


    "Salve meine Liebste." sagte er. "Du ahnst nicht, wie froh ich bin hier zu sein."

    Balbus lächelte, etwas dass er schon lange nicht mehr getan hatte, wenn er in Rom an eine Tür klopfte. Er war sich nicht sicher, ob er das überhaupt jemals gemacht hatte. Doch heute tat er es.


    "Salve, ich bin Prudentius Balbus und ich würde gerne Aelia Vespa sprechen."

    Der Weg von seinem Haus zum Palast war ein kurzer. Eine Tatsache, die Balbus in früheren Zeiten bereits immer sehr gefallen hatte und die ihn daher auch heute erfreute. So war er nicht sehr lange unterwegs gewesen, bis er die Stufen des Palastes erklomm. In noch recht neue zivile Kleidung gewandet, aber dennoch mit erkennbar militärischer Entschlossenheit, ging er auf den Eingang und die dort eingesetzten praetorianischen Wachen zu. Bei eben jenen stoppte er natürlich, denn schon lange hatte er kein Recht mehr einfach an ihnen vorbei zu gehen.


    "Salve Milites." grüsste er die schwarzen Männlein, "Tiberius Prudentius Balbus ist mein Name und ich möchte gerne in einer privaten Angelegenheit die Bewohner des Domus Aeliana aufsuchen."

    Eine Woche war es her, das Balbus 'seinem' Castellum in Confluentes den Rücken gekehrt hatte. Eine Woche anstrengenden Rittes auf seinem Pferd, begleitet von zwei entlassenen Soldaten, die nicht viel anderes zu bereden hatten als vergangene Heldentaten und ihre Zukunftsaussichten.
    Es war für ihn eine harte Woche gewesen. Eine Woche in der er seinen Gedanken nachhing. Gedanken darüber, was er nun tun sollte. Seine Verwandten waren alle entweder tot oder hatten sich zurückgezogen, sein Kommando war ihm genommen worden, der Kaiser war tot und er selbst hatte keine Ahnung, was die Götter für ihn bereithielten. Er hatte mittlerweile den Plan gefestigt bei Crassus vorstellig zu werden und ihm seine Dienste für die Garde anzubieten, doch war dies keineswegs eine sichere Option. Es war alles so schwer.
    Der einzige Lichtblick war der Gedanke an Vespa gewesen. Vespa, die hier in der Stadt auf ihn wartete, die er nun endlich wieder sehen würde und die unter Umständen in grosser Gefahr schwebte. Wobei er diese Möglichkeit versuchte total zu verdrängen. Er wusste genau, was passieren konnte, doch wollte er nicht darüber nachdenken.


    Doch jetzt gab es ersteinmal anderes zu tun. Als er vor der Tür seines Hauses, denn es war nun sein Haus, stand, klopfte er an die schwere Porta. Er hoffte inständig, dass hier alles in Ordnung war, denn auf grosse Renovierungen oder ähnliches hatte er im Moment auf gar keinen Fall viel Lust.
    Ihm wurde geöffnet und der ägyptische Türsklave begrüsste ihn wie den Pharao persönlich. Er versicherte Balbus, dass sich alle freuen würden, dass der Herr wieder da sei und dass alles in bester Ordnung war. Balbus liess dies über sich ergehen und verstaute lediglich sein Gepäck im Haus um fast sofort wieder aufzubrechen. Allerdings nicht ohne dafür zu sorgen, dass bei seiner Rückkehr die Sklaven versammelt auf ihn warten würden.
    So brach er auf, in Richtung Palatin, denn es galt sich zurück zu melden.

    Es war früh am Morgen, als Balbus zum letzten Mal am Tor des Castellums ankam. Er hatte die letzte Nacht noch im Castellum verbracht um seinen Nachfolger mit den notwendigen Informationen auszustatten und war nun bereit für die Heimreise.
    Er wartete am Tor auf zwei Männer, die wie er die Einheit verliessen und ihn, auch zu seinem Schutz, nach Italia begleiten würden. Er war froh über diese Begleitung, schliesslich konnte so eine Reise recht langweilig werden und so hatte er wenigstens Männer bei sich die er kannte. Dass dabei sicherlich über die Zukunftschancen der beiden entschieden würde, war ein interessanter Nebeneffekt.


    Während er wartete, übergab ihm ein Eques noch die zuletzt für ihn eingetroffene Post, die er verstaute. Er würde die Reise auch hierfür nutzen, immerhin hatte er da genug Zeit.


    Wenig später kamen dann auch seine Begleiter und nach einigen letzten Abschiedsworten zu den Männern die zu seinem Abschied gekommen waren, verliess Balbus das Castellum. Sein Ziel war Rom, denn dort war Vespa.