Balbus sass an seinem Tisch und nippte immer wieder an einem Becher Wein, den er mit seiner Rechten umklammerte. Noch immer konnte er die Dinge, die im Lucianus in Mogontiacum mitgeteilt hatte nicht alle realisieren oder gar ihr volles Ausmass verstehen. Er wusste allerdings, was jetzt erstmal zu tun war. Und so wartete er auf das Eintreffen der Decurionen, zumindest derer, die noch hier waren.
Ein weiterer Schluck und es klopfte an der Tür. Ohne Aufforderung traten die Decurionen der Turmae IIII bis XVI ein und verteilten sich, nach einem kurzen militärischen Gruss, im Raum. Balbus trank einen weiteren Schluck, dann stellte er den Becher ab und lehnte sich leicht vor.
"Meine Herren, ich komme gerade aus Mogontiacum zurück. Legat Vinicius Lucianus informierte mich über einige Veränderungen die ich an euch weiter zu geben gedenke und die unter allen Umständen unter uns bleiben müssen. Zumindest vorerst." sagte er und blickte in die Gesichter der Offiziere. Diese nickten.
"Kommen wir zum ersten Punkt." fuhr er dann fort. "In einigen Tagen wir diese Einheit einen neuen Kommandanten erhalten. Es handelt sich um einen fähigen Mann, der auf des Kaisers persönliche Anweisung hierher versetzt wird. Ihr werdet dafür sorgen, dass das Castellum bei seinem Eintreffen in gutem Zustand ist. Allerdings brauchen die Männer davon nichts wissen. Verstanden?"
Wieder nickten sie.
"Gut, das wäre geklärt. Kommen wir also zum zweiten Thema. Ein etwas heikleres. Der Legat informierte mich darüber, dass unser geliebter Imperator Ulpius Iulianus in Parthia sein Leben liess."
Entsetzen erschien auf den Augen der Decurionen. Weniger als die Hälfte von ihnen waren römische Bürger, aber trotzdem hatten sie alle diesem Kaiser die Treue geschworen. Wildes Geplapper brach aus. Balbus liess es einen Moment lang zu, dann hob er die Hand um sie zum Schweigen zu bringen.
"Vinicius Lucianus gab mir die Anweisung, die Männer der Ala ihren Eid auf den neuen Imperator, den bisherigen Caesar Gaius Ulpius Aelianus Valerian zu leisten. Diese Anweisung ergeht auch an alle anderen in Germania stationierten Truppen. Ich habe ihm zugestimmt und ihm versichert, dass die Männer der Ala genau wie ihr Praefect, treu zu unserem neuen, rechtmässigen Imperator stehen."
Er blickte in die Runde.
"Wenn jemand von euch nicht dazu bereit ist, dem Imperator die Treue zu schwören, so möge er jetzt sprechen. Wer es jetzt ehrlich tut, wird ehrenhaft aus dem Dienst entlassen, wer sich erst später weigert, wird unehrenhaft entlassen und von mir persönlich nach Rom in den Carcer der Garde gebracht."
Ein weiterer Blick. Schweigende Decurionen. Balbus wartete einen Moment. Dann fuhr er fort: "Ich werte euer Schweigen als Zustimmung. Damit sind wir für jetzt fertig. Sorgt dafür, dass eure Männer bei Sonnenaufgang auf dem Forum antreten, aber sagt zu niemandem ein Wort über den Grund."
Die Decurionen nickten, salutierten und gingen.
Balbus blieb. Mit mehr Wein. Und Tränen. In dieser Nacht schlief er nicht.