Als Quarto an diesem Morgen in sein Officium kam sah er sofort die Folgen des nächtlichen Treibens.
Entsetzt riss er die Augen auf.
“Was… was ist denn hier passiert?“, stotterte er verdattert, um im nächsten Augenblick die Frage erneut zu stellen, diesmal brüllend: “WAS IST HIER GESCHEHEN? WACHE!!“
Beiträge von Lucius Aelius Quarto
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“Leider muss ich dich jetzt wieder verlassen, meine Liebe. Die Arbeit ruft.“
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“Dafür gibt es doch den ehrenwerten Berufsstand des Mensors, des Vermessers. Diese unruhigen Männer reisen durch die Lande und bemessen Berge, Täler, Straßen und Städte. Sehr fleißig.
Sie haben ein Instrument dafür, die Groma.
Aber frag mich nicht, wie das vonstatten geht. Ich bin froh, wenn meine Zeichner das alles verstehen.“ -
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Das Thema behagte ihm ganz gut.
“Ich komme endlich dazu mich darum zu kümmern. Darum treibe ich meine Gehilfen und die Zeichner an, denn wer weiß, wie lange dieser glückliche Zustand anhalten wird.
Aber es geht besser voran als gedacht.
Vielleicht weißt du, dass ich momentan daran bin, dass gesamte Reich kartographisch zu erfassen. Bislang hatten wir nur Bruchstücke, sprich, vier von insgesamt vierzehn Provinzen komplett erfasst.
Die Provinzen Britannien und Mauretanien habe ich dem schon hinzufügen können und Africa Proconsularis, sowie Aegyptus werden bald folgen.
Jetzt mache ich mich an die Provinz Syria, die jedoch sehr groß und etwas kompliziert ist. Das wird länger dauern.“ -
“Wo denkst du hin? Meine einzige Leidenschaft außer dir gehört Rom.“, beteuerte er, ganz Staatsmann, wie er fand.
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“Ähm… wieso…? Meinst du, ich sollte mir mal eine neue Toga leisten?“
Unsicher schaute er an sich herab. -
“Wie du eben schon sagtest: Ich habe es nicht leicht mit meiner Familie.“
Wie oft, wenn das Gespräch auf seinen Vetter kam, warf er die Stirn in Falten.
“Ich weiß nicht wo er ist und was er tut. Er wohnt nicht mehr unter einem Dach mit mir und der Imperator hat ihn in die Volljährigkeit entlassen. Wer weiß schon wo er ist und was er tut und ganz ehrlich, meine Liebe, vielleicht ist es auch besser es nicht zu wissen.“Vollkommen zusammenhanglos, was wohl nur auf die nervliche Belastung der letzten Zeit zurückzuführen war, sagte er dann plötzlich:
“Machst du eigentlich Handarbeiten?“
Im nächsten Moment wusste er schon nicht mehr, wie er jetzt darauf gekommen war. -
"Warum?"
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“Da die Bedeutung des Wortes ‚hausen’ keine andere ist als zu ‚leben’ oder zu ‚wohnen’ verstehe ich die Aufgeregtheit der Senatorin nicht. Auch glaube ich nicht, dass es uns weiter bringt, wenn wir uns hier gegenseitig mangelnde Religiosität vorwerfen.
Wir sollten sachlich die Vorzüge und Nachteile der verschiedenen, vorgeschlagenen Varianten beraten.
Variante X scheidet also aufgrund des an diesem Platz stehenden Tempels aus? Kann er nicht abgerissen und an anderer Stelle neu errichtet werden?“ -
“Natürlich, bitte setz dich. Worum geht es?“
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“Du erlaubst doch…“, sagte Quarto zu Avarus gewandt und entrollte erneut dessen Plan.
ZitatOriginal von Medicus Germanicus Avarus
(...)
(...)
“Ich gebe zu bedenken, dass die Varianten II, III, IV und V alle etwas abseits des Zentrums liegen. Man müsste vom Forum, Kapitol oder Palatin kommend immer zuerst die Kaiserforen durchqueren um zu diesen Standorten zu gelangen. II und III wären zudem Hanglagen, was man bei der Planung des Gebäudes berücksichtigen müsste. IV und V beträfen dicht bebauten Grund.
II bis V sind keine schlechten Varianten, aber keine von ihnen drängt sich mir so richtig auf.“
Er zeigte auf die vier bezeichneten Orte auf dem Plan.“Variante I wäre eine Erweiterung des Marsfeldes nach Norden. Der Vorteil läge darin, dass dieser Ort bislang ungenutzt ist und keinerlei Enteignungen und Abrisse erforderlich wären. Dort hätte man vermutlich die größten Freiheiten und den größten Platz zur Gestaltung der Anlage, aber es ist auch der am weitesten außerhalb gelegene Vorschlag auf diesem Plan.“
Sein Finger wies auf die Stelle nördlich der Septa Iulia.“Variante VI wäre eine recht reizvolle Lage direkt am Fluss, südlich des Theatrum Marcelli mit Blick auf die Tiberinsel. Es müsste enteignet und abgerissen werden und die Uferlage birgt natürlich besondere Schwierigkeiten. Aber es wäre eine, wie ich finde, interessante Möglichkeit.“
Er machte eine kurze Pause, in der er leicht verunsichert zu Adria hinüber sah.
“Variante X… Zweifellos die beste Lage, hinsichtlich des symbolische Gehalts. Dieser Standort liegt genau zwischen Forum Romanum, Kaiserforen und Kapitol. Ein hier errichtetes Ulpianeum könnte als sinnbildlicher Schnittpunkt dienen. Hier die Götter, repräsentiert durch die Tempel auf dem Kapitol im Westen, der Kaiser, dargestellt durch die Kaiserforen im Osten und das Volk von Rom, repräsentiert durch dieses Gebäude, die Curia des Senats und das Forum Romanum im Süden. Alles mit wenigen Schritten zu erreichen und in Sichtweite.
Ein, wie ich meine, sehr reizvoller Standort.
Aber es müsste ein kleiner Tempel abgerissen werden und andere Varianten böten mehr Grundfläche.“ -
Der aufmerksame Betrachter wird auch hier zwei Änderungen gegenüber dem alten Zustand bemerken:
1. Wurde die Grenze zwischen Mauretania und Afrika Proconsularis geändert. Carthago liegt nun in Afrika Proconsularis und nicht mehr in Mauretania.
2. Gibt es nun nicht mehr nur drei sondern jede Menge mehr aufgeführte Städte in dieser Provinz.
Das Tabularium ist jedoch noch nicht aktualisiert worden. Kommt noch. -
Genau. Das sind drei, quasi ‚Eingeborenen-Reservate’. Die waren im Tabularium vorher im Prinzip falsch drin, weil sie wie römische Bezirke geführt wurden, was sie nicht sind. Aus Platzgründen zeige ich sie nicht. Es ist also Absicht, dass da nur zwei Bezirke ‚leuchten’.

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“Der Comes von Germania Inferior hat mir zugesagt der Sache nachzugehen. Aber er wurde erst jüngst auf diesem Posten neu eingesetzt und wusste bis dato auch nichts über Validus’ Verbleib zu sagen. Er glaubt jedoch nicht, dass Anlass für große Hoffnungen besteht.“
Er runzelte die Stirn.
“Nun… du verstehst sicher, dass mich diese Nachricht betrübt hat. Aber wir sind Römer. Sollte er sein Leben gelassen haben, dann hoffe ich, dass er es stolz und aufrecht tat. Und ich habe dieses Schicksal, dass die Götter einmal mehr für meine Familie bereitgehalten haben, ebenso aufrecht zu tragen.“ -
“Ist denn mittlerweile ein Bauplatz gefunden worden? Wenn nicht, dann sollte meines Erachtens zuerst die Standortfrage geklärt werden, denn erst dann kann man doch konkret an die Planung des Bauwerkes gehen, glaube ich.“
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Britannia, welch eine fremde, ferne Provinz! Quarto entrollte das Pergament. Es war ein hochwertiges, sehr teures Material, denn es sollte die Zeiten möglichst lange überdauern. Es zeigte die Inseln, mit der römischen Provinz im Süden und einem Teil des unabhängigen, von äußerst wilden Barbaren bevölkerten Caledonien, über das man so wenig wusste. Links davon war die Insel Hibernia, angeblich ein grünes und fruchtbares Land, aber mit so scheußlichem Wetter, dass die Römer eine Eroberung niemals ernstlich erwogen hatten. Am unteren Rand lugte ein Stück der gallischen Küste ins Kartenbild.
Zufrieden betrachtete Quarto die Arbeit und begann dann, die gemachten Eintragungen mit einer Liste zu vergleichen, die er aus dem Tabularium am Fuße des Kapitols hatte kommen lassen. -
“Wird nicht bereits die Bucht von Phaphos als der Ort verehrt, an dem die Göttin aus dem Meer entstieg. Heißt es nicht zudem, dass der dortige Tempel von ihr selbst erschaffen wurde und deshalb auch niemals verändert werden durfte."
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"Ich wäre dafür."
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"Einen absolvierten Cursus Continuus als Voraussetzung für das Ablegen des Cursus Iuris halte ich für zumutbar und gerechtfertigt.
Ich war anfänglich überrascht, als ich bei Einführung des Cursus Iuris erfuhr, dass dieser als ganz normaler Cursus Continuus gewertet wird. Insofern empfände ich die jetzt vorgeschlagene Regelung sogar als die natürlichere."