Beiträge von Lucius Aelius Quarto

    “Marcus Sergius Stephanus, ich habe dich Magister Scriniorum kennen gelernt und als Mitglied und zeitweiligen Princeps der Curia Italia.
    Ich habe dich als vernünftigen, umsichtigen und fleißigen Mann schätzen gelernt.
    In deiner Eingangsrede sprachst du davon, dass man dich nach deinen Leistungen bewerten möge und nicht nach deiner Parteizugehörigkeit. Das will ich gerne tun und ich komme zum Schluss, dass ich dich gerne im Amt des Quaestors sehen würde.
    Aber ich rufe auch aus: Ach hätte die Factio Praesina doch mehr Männer wie dich in ihren Reihen!“

    “Ziemlich standesbewusst, Flavius Obscuro. Vor allem für einen Mann, der selbst als Plebejer geboren wurde und bis vor nicht sehr langer Zeit noch einer war.
    Das zumal, als dass deine jetzige Familie, die ach so patrizische Gens Flavia, ebenfalls plebejischen Ursprungs ist. Erinnern wir uns: Es ist kaum mehr als dreißig Jahre her, dass diese Familie mit Vespasian aus der vollkommenen Bedeutungslosigkeit hervortrat.
    Beachtlich, wirklich sehr beachtlich, wie sich in so kurzer Zeit ein derartiger Dünkel zu entwickeln vermag.
    Ich bin wirklich der Letzte, der einem Römer den Stolz auf seine Familie und auf seinen Stand verdenken will und das es in Kreisen der Patrizier auch heute noch Männer gibt, die eine Ehe zwischen Patriziern und Plebejern als verwerflich betrachten, dass mag man als Ausdruck eines skurrilen Traditionsbewusstseins hinnehmen.
    Aber als politisches Argument gegen eine Kandidatin taugt es wahrhaftig nicht!“

    “Gaius Prudentius Commodus, du hast als Comes der Bezirke Germanica Belgica und Germanica Inferior bewiesen, dass du verlässlich und gewissenhaft deinen Mann stehen kannst. Auch gerade deshalb, weil es schwierige Zeiten für diesen Teil des Imperium sind.
    Ich weiß, du wärst auch ein guter Quaestor und darum begrüße ich deine Kandidatur. Bravo!“


    :app:


    Quarto trat an den Mann heran, den er vor einiger Zeit im fernen Colonia Claudia Ara Agrippinensium kennen gelernt hatte, und reichte ihm demonstrativ die Hand.

    “Wer ist eigentlich der Vertreter des Praefectus Portuensis im Hafen, wenn er nicht selbst anwesend ist? Nehmen wir das Beispiel Hispania Tarraconensis. Wenn der Praefectus Portuensis dieses Bezirks die Aufsicht über den Hafen von Tarraco führt, wer ist sein Bevollmächtigter in Carthago Nova?“

    “Wenn die Argumente ausreichend ausgetauscht worden sind – und danach hat es momentan ja den Anschein – dann würde ich vorschlagen, dass wir zu einer Abstimmung kommen.“
    Quartos Blick richtete sich auf Macer.

    “Meine Mit-Senatoren, ihr habt den Imperator gehört. Lasst uns also rasch zu einer Entscheidung kommen.
    Wollen wir selbst, der Senat, einen neuen Auctor PPA ernennen, oder wollen wir das den Auctor der Acta Diurna tun lassen und uns lediglich das Vetorecht vorbehalten?


    Das sind doch wohl die zwei Alternativen, die augenblicklich im Raum stehen.“

    “Gut. Du wirst mich nun entschuldigen, ich werde die Unordnung hier sichten müssen und dafür sorgen, dass man es aufräumt.“, brummte Quarto ein wenig beruhigt, aber noch immer äußerst verärgert.

    “Bürgerinnen und Bürger Roms!
    Hier stehe ich vor euch, in der weißen Toga Candida, und erkläre meine Kandidatur zum Praetor. Ich werbe hiermit um euer Vertrauen und um eure Stimme.


    Viele von euch werden meinen Namen bereits kennen. Er lautet Lucius Aelius Quarto und ich diente euch, dem Kaiser und unserem geliebten Rom bereits in zwei Ämtern des Cursus Honorum.
    Als Quaestor Principi habe ich seinerzeit die Kandidatenlisten für den Aufstieg in den Ritterstand geführt und ich habe die Chronicusa Romana – die über viele Amtszeiten vernachlässigt worden war – auf einen aktuellen, vollständigen Stand gebracht.
    Als Aedilis Plebeii der Vorvergangenen Amtszeit bearbeitete ich die Akten der Wirtschaftsbetriebe und führte in Vertretung des Praefectus Annonae zeitweise die Armenspeisungen durch. Außerdem veranstaltete ich die Ludi Apollinares in Rom, an die sich der eine oder andere vielleicht noch erinnern kann.
    Darüber hinaus bin ich seit ANTE DIEM VI ID AUG DCCCLV A.U.C. (8.8.855/102 n.Chr.) Vollmitglied des Senats und bereits seit ID MAR DCCCLV A.U.C. (15.3.855/102 n.Chr.) Mitglied der Curia Provincialis Italia. In beiden Gremien habe ich jederzeit nach besten Wissen und Gewissen und zum Wohle Roms und seiner Bürger gewirkt.


    Nun strebe ich das Amt des Praetors an.


    Warum?


    Weil Rom in der kommenden Amtszeit einen objektiven, sachlichen und überparteilich handelnden Richter braucht. Weil ich glaube, dass ein Praetor vordringlich seiner ureigensten Aufgabe nachkommen sollte, nämlich der Rechtsprechung und nicht der Strafverfolgung. Denn das soll Aufgabe der dafür zuständigen Einrichtungen, namentlich der Cohortes Urbanae, der Vigiles und in bestimmten Fällen auch der Cohortes Praetoriae bleiben.
    Wählt mich und ich werde meine ganze Kraft dafür einsetzen, dass Rom unvoreingenommene Prozesse und gerechte Urteile erlebt.
    Kein Mensch ist vor Fehlern gefeit, selbstverständlich auch ich nicht. Doch ich will mich mit ganzem Herzen um die drei bereits genannten Eigenschaften bemühen, die meiner Meinung nach die Amtszeit eines Praetors prägen sollten: Objektivität und Sachlichkeit und Überparteilichkeit.
    Wenn ihr mir das zutraut, dann bitte ich euch, gebt mir eure Stimme.“

    “Mein Imperator, ich bitte dich, den Senat diese Angelegenheit ohne dein Zutun regeln zu dürfen.
    Es mag dich Geduld kosten und du magst unsere Debatte als langatmig betrachten. Aber es geht hier ja nicht alleine um die Frage, wer als Auctor PPA ernannt werden soll, sondern auch um eine Grundsatzentscheidung. Nämlich, wie und durch wen dieses Amt besetzt wird. Eine solche Entscheidung bedarf manchmal einer etwas längeren Aussprache.“

    “EIN EINDRINGLING? HIER? MITTEN IM PALAST? DAS IST…“, er schaute sich in dem angerichteten Chaos um, sah die durchwühlten Regale mit den wertvollen Schriftrollen, sah das Durcheinander auf seinem Schreibtisch. Auf dem Boden lagen zerknitterte Papyri, scheinbar achtlos dorthin geworfen und neben dem Prätorianer sein umgekippter Lieblingsstuhl.
    “CENTURIO! DAS IST UNGEHEUERLICH!!“, rief er sichtlich aufgebracht. Er wandte sich suchend um und hob ein wenig hilflos eines der Schriftstücke auf. Es hochhaltend sprach er weiter: “Diese Schriften… diese Dokumente… sie sind unersetzlich. Das hier ist entsetzlich und wenn eine der wertvollen Karten fehlt… eine Katastrophe… Wie kann es sein, dass hier ein Dieb umgeht?“