Nero ließ zu, dass Apollinaris ihn an sich heranzog, als wäre er eine große hässliche Puppe. Er sehnte sich so nach Zuneigung, dass er die wenigen Brocken, die ihm manchmal hingeworfen wurden, alle nahm, gleich von wem sie stammten. Da er weder schön noch charismatisch war und von zich Sklaven und Leibwächtern abgeschirmt war, wenn er die Zeichen seines Standes trug, sodass auch der Wohlstand und Name seiner Familie nicht als Lockmittel taugte, geschah es selten, dass jemand sich seiner annahm. Meist übersah man den bleichen, pickligen jungen Mann mit dem weichen Körperbau einfach. Jetzt hielt er ganz still und sog die Nähe in sich auf wie trockener Erdboden den Sommerregen. Lange wagte er nicht, sich zu bewegen oder etwas zu sagen, aus Angst, dass Apollinaris ihn plötzlich wieder losließ.
"Vielleicht kann ich dir helfen", sagte er schließlich ganz langsam und leise. "Bei deiner Karriere. Das meinst du doch? Anders sind Ruhm und Ansehen nicht möglich. Ich habe selber keine Karriere gemacht, aber der Name meiner Familie könnte dir trotzdem als Türöffner helfen. Wenn ich Vater frage, setzt er dir vielleicht ein Empfehlungsschreiben auf."
Vater fragen. Nero rutschte das Herz bis hinab zu den Füßen. Er drehte sich in die Umarmung seines einzigen Freundes außer den Zwillingen hinein. Bei dem Gedanken, mit einer Bitte an Aemilius Lepidus heranzutreten, bekam er Herzrasen.