Sein Vater, den Bassus in den Himmel lobte, hatte wahrlich ganze Arbeit geleistet. Selbst der Caesar, der Nero gar nicht persönlich kannte, beschimpfte ihn. Dagegen konnte er schwerlich etwas sagen, er wartete einfach, bis der saure Regen vorüber war und Caesar samt Vetter sich verkrümelten. Man mochte es dem zur Passivität neigenden Nero nicht zutrauen, doch die Blicke, die er beiden hinterherschickte, brannten vor Hass.
Erst, als Apollinaris sich neben ihn stellte, wurde Nero innerlich ruhig. "Lass gut sein", sagte er und legte ihm eine Hand auf den Arm. "Es bringt nichts."
Nero musste es wissen. Er hatte in seinem Leben alle Strategien durchprobiert, die ein Jugendlicher aufzubieten imstande war: Trotz, Wut, Verzweiflung. Seine Hilferufe, die lauten wie die leisen, waren ungehört verhallt und hatten ihn in jemanden verwandelt, der wusste, dass es vollkommen gleichgültig war, was er tat. Keine seiner Handlungen mündete in Resultat, die Wogen brachen sich an Lepidus´ schroffem Fels. Am Ende war das Resultat jeder Handlung eine Niederlage.
Nein, Nero kämpfte nicht. Er wartete darauf, dass der Kampf vorüber zog.
Der einzige Gott, der ihm je geholfen hatte war Kronos, für den das römische Äquivalent Saturn eine unbefriedigende Analogie bildete. Nero bevorzugte das hellenische Original:
Kronos, die personifizierte Zeit, die ihre Kinder fraß.
Der Tag würde kommen, da auch Aemilius Lepidus nicht mehr war. Er war alt, konnte kaum noch laufen. Und Neros Bruder lebte ein gefährliches Leben als Soldat, genau wie sein Vetter. Nero brauchte nur zu warten und würde eines Tages als Pater familias die Augen aufschlagen, ohne dass er einen Finger hatte rühren müssen.
Er schenkte Apollinaris ein frostiges Lächeln, ohne dass diese Kälte Apollinaris galt. Sie fand nur gerade den Weg aus Neros Inneren auf sein Gesicht. Sein Herz war mit der Morddrohung zu einem Eispalast gefroren. Ohne zu murren, ohne zu diskutieren oder auch nur etwas zu empfinden begab Nero sich zu dem ihm zur Verfügung gestellten Pferd.