Beiträge von Claudia Aureliana Deandra

    „Ich traue dir viel zu, aber eines schaffst du nicht – mich zu langweilen.“


    Mit einem Lächeln auf den Lippen stellte ich fest, dass ich heute bereits mein Lachpensum der gesamten letzten Wochen übertroffen hatte. Genussvoll biss ich in eine Olive, betrachtete mir deren Innenleben und anschließend den bequem liegenden Sophus. Dann verschwand die Olive im Mund.


    Eine neue rollte ich in Vorfreude zwischen Daumen und Zeigefinger hin und her.


    „Hm, Mantua …“
    Ich winkte einem Sklaven, weil zwar der Wein rechtzeitig gebracht wurde, aber niemand an meinen Zitrussaft gedacht hatte. Offenbar war ich sonst zu nachsichtig mit den Unfreien.


    „… Erst kürzlich habe ich mir das Anwesen und die angrenzende Umgebung ansehen. Die zur Villa gehörenden Ländereien strecken sich weit, ich war überrascht. Eine herrliche Aussicht hat man von den Hügeln. Ich bin ehrlich begeistert. Solchen Anblick kenne ich nicht aus …“


    Ich schüttelte kurz und wie unter Zahnschmerzen den Kopf.


    „Ich könnte Mantua lieben lernen, ohne jedoch Rom gänzlich zu vergessen“, sagte ich in überzeugendem Tonfall und um mir selbst die fröhliche Stimmung zurückzubringen, kniff ich ein Auge zu und zielte mit der Olive auf Sophus’ Bauch. :D

    Eine Liege ins Atrium bringen zu lassen, erschien mir widersinnig, deswegen ließ ich von den Sklaven ein paar Tierfelle holen, die sie am Rand des Marmorbeckens ausbreiteten. Ich setzte mich und machte eine einladende Geste.


    „Komm setz dich. Das hier ist für dich sicher eine Mischung aus Freizeit und Marschlager. Eine Verbindung, die für mich etwas Abenteuerliches hat.“ Träumerisch sah ich hinauf zum Himmel, der sich im Osten dunkelblau färbte. Wir würden wohl bald Öllampen brauchen.


    „Du hast mir noch nie von der Legion erzählt. Mich würde das interessieren“, sagte ich leise und registrierte nebenbei, wie schnell doch die Haussklaven flitzen konnten, wenn sie nur wollten. Tja, hier fehlte eben sonst der Mann im Hause.

    „Sehe ich so ungeschickt aus?“, fragte ich zunächst, bevor mir eine viel bessere Erklärung einfiel. „Nein! Gib’s zu, du bekämst Angst, wenn ich eine Waffe tragen würde.“ Mit einem siegessicheren Lächeln strahlte ich ihn an.



    „Gut, gehen wir ins Atrium. Dort bin ich ebenfalls gern. Was hältst du davon, wenn wir heute einmal unter freiem Himmel speisen?“


    Begeistert von meiner eigenen Idee sah ich ihn an, froh zudem, dass ich Samira gerade heute zum Einkaufen geschickt hatte. Ansonsten wäre Sophus von dem Speisen des Hauses wohl ähnlich „begeistert“ gewesen, wie zuletzt vom Weinbestand.

    „Wenn du so fragst … ja, durchaus.“ Erneut musste ich schmunzeln, senkte kurz meinen Blick und war bemüht, das Lächeln zu beherrschen, was aber nicht so recht gelang.
    Willig übergab ich anschließend das Schwert.


    „Wie hält man es dann?“ Ich neigte meinen Kopf und warf ihm einen kecken Blick zu. „Kann ja sein ich brauche es nochmals. Wobei – die Hauptsache ist wohl, dass ich damit treffe.“

    … und wurde dennoch gehört.


    „Samira?“ Im selben Augenblick wusste ich jedoch, dass es sich nicht um meine Hausklavin handeln konnte. Ihre Schritte waren flink, fast schwebend. Hinter diesen jedoch steckte wesentlich mehr Gewicht, auch wenn sich derjenige große Mühe gab, sich leise zu bewegen.


    ‚Das ist ein Ding’, dachte ich. ‚Ein Einbrecher? Die gibt es offenbar überall, nicht nur in Rom.' Auf Zehenspitzen schlich ich zu der Wand mit Sophus’ Waffensammlung. Vorsichtig nahm ich ein keltisches Schwert. Es besaß ein ziemliches Gewicht, schwer zumindest für arbeitsungewohnte Frauenarme. Mit beiden Händen umklammerte ich den Knauf. Hier sollte niemand annehmen, dass er leichte Beute machen konnte.


    Mit dem Rücken an die Wand nahe der Tür gelehnt, lauschte ich auf die sich nähernden Schritte. Den Atem hielt ich dabei an und wünschte zudem, mein Herz möge etwas leise schlagen. Bestimmt konnte man es noch durch die geöffnete Türe hören. Als die Schritte auf meiner Höhe anlangten, sprang ich entschlossen und mit erhobenem Schwert um den Türpfosten herum.


    „Keinen Schritt weiter …“ Der Rest blieb mir im Halse stecken. Zunächst komplett entgeistert, dann aber laut loslachend, stand ich im Gang und ließ das Schwert sinken.


    „Soo schnell habe ich nicht mit deinem Kommen gerechnet“, sagte ich entschuldigend und musste erneut lachen.

    Ohne lange nachzudenken, schrieb ich das, was mir auf dem Herzen lag nieder. Den Brief rollte ich zusammen und gab ihn Samira. Anschließend machte ich ihr noch einen kleinen Einkaufzettel fertig.


    „Zunächst bringst du diesen Brief ins Kastell. Auf dem Rückweg besorgst du dann die Einkäufe. Meine Wünsche habe ich notiert. Hoffentlich gibt es hier in Mantua alles.“

    „Ich habe es befürchtet“, sagte ich leise vor mich hin.


    Das konnte natürlich nicht so bleiben. Kein Besucher hätte Verständnis für einen derart vernachlässigten Haushalt. Es würde vor allem auf mich ein schlechtes Bild werfen. Wer wusste schon, warum ich derart nachlässig geworden war?


    In diesem Augenblick fasste ich einen weiteren Entschluss. Ziel- und planlos war ja nicht nur ich derzeit. Hier fehlte einfach auch jemand, der die neue Richtung angab, jemand der sagte, was zu tun sei, wie man sich verhalten wolle, in welche Richtung sich die Familie entwickeln solle.


    „Bring mir Pergament und das Glas mit der Tintenfischtinte. Ich hoffe, davon ist noch etwas da.“ Wusste ich doch, dass dieser kostspielige Schreibstoff nicht überall und schon gar nicht für jeden erhältlich war.

    „Ah, da bist du ja. Wie sieht es eigentlich mit unseren Vorräten aus? Haben wir außer dem üblichem Fleisch, Kohl, Brot und Obst auch noch ein paar Besonderheiten im Haus oder müsste man sich schämen, sollte einmal Besuch kommen?“


    Durchaus gespannt sah ich meine Haussklavin an.

    Zurück aus Rom, wo ich nur kurz weilte, genoss ich ein leckeres Frühstück bestehend aus Obst und Brot. Samira wusste, was ich gerne aß, doch plötzlich überkamen mich Zweifel, ob wir überhaupt noch etwas anderes an Esswaren im Hause hatten. Lange hatte ich mich um nichts so recht gekümmert. Das sollte sich ändern.


    „Samira?!“

    Ich nahm den Brief entgegen und las ihn. Bereits bei den ersten Worten schlich sich ein Lächeln auf mein Gesicht.


    „Schön wäre es, wenn meine Ausstrahlung irgendeinen Einfluss auf die Vorgänge innerhalb meiner Familie gehabt hätte und träfe deine Einschätzung zu, dann muss meine Ausstrahlung erheblich gelitten haben, wenn man den wenig sonnigen Weg der Aurelia betrachtet, lieber Sabellius“, murmelte ich vor mich hin und las weiter.


    „Oh, eine eventuelle Beförderung? Wie schön für dich!“


    Wieder musste ich schmunzeln, als ich weiterlas. „Sabellius, ich mochte ihn schon immer gerne leiden“, sagte ich erklärend zu Samira, die mich beobachtete. „Vermutlich sollte ich in Zukunft nicht mehr nach Stand und Geld sondern immer nur nach meinem Baugefühl entscheiden, mit wem ich Kontakt halte. Hätte ich bloß bei Zeiten auf mein Bauchgefühl gehört, als es um die Aurelia ging!


    Ich werde ihm nachher einen Antwortbrief schreiben. Zunächst soll aber dieses Schmuckstück einen würdigen Platz in der Villa finden.“


    Zufrieden hielt ich die versiegelte Wachstafel in den Händen und sah mich nach einer geeigneten Wand um.

    Wochenlang hatte ich mich von allem zurückgezogen. Eine Tragödie hatte sich in meiner Gens abgespielt, die mich bis in die Grundfesten erschüttert hatte. Um die Ereignisse zu verarbeiten, griff ich zu einem Pergament und schieb mir alles von der Seele. Daraus entstand die Chronik der Familia Aurelia Sophus.


    Als die Wunden langsam verheilt waren, fasste ich die Geschichte in Versform und übertrug sie auf eine große Wachstafel. Diese brachte ich zum Versiegeln und hängte sie anschließend an geeigneter Stelle in unserer Villa auf – als Überlieferung für sämtliche Nachkommen der Aurelia und als Mahnung für allzu vertrauensselige Bürger.


    Abschließend betrachtete ich die optisch schöne und zugleich – aufgrund ihres Inhaltes – erschreckende, in Wachs verewigte Chronik. Nie wollte ich die aufgezeichnete Geschichte, wohl aber die dafür verantwortlichen Menschen vergessen! Ab heute existierte für mich im gesamten römischen Reich nur noch der Zweig Aurelia Sophus – war er doch der einzig rechtmäßige, aus gesetzlicher Erbfolge resultierende.


    Jeden interessierten Besucher der Villa, dem die hübsche Wachschronik von Weitem ins Auge fallen sollte, würde ich auf Wunsch zu ihr führen, denn eine solche Geschichte durfte nie in Vergessenheit geraten!


    edit: Fettzeichnung. :)

    Nach einer anstrengenden Fahrt kam ich in Rom an und obwohl mir wie immer das Geschaukel auf den Magen geschlagen war, suchte ich als erstes jenen Handwerker auf, dem ich vor Tagen einen eher ungewöhnlichen Auftrag gegeben hatte. Gut verpackt hielt ich das Ergebnis seiner Bemühungen in den Händen, als ich die Villa betrat.

    Was würde sich mehr anbieten, als bei diesem scheußlichen Regenwetter, Stunden, Tage in einer geschlossenen Reisekutsche zu verbringen? Längst war es überfällig, in der Villa in Rom einmal wieder nach dem rechten zu sehen. Ich hatte mir einige Aufräumarbeiten vorgenommen. Natürlich welche der besonderen Art und solche, die kein Sklave ausführen konnte oder besser sollte.


    Viel zu viel Zeit zum Nachdenken hatte man, wenn man alleine reist. Gelangweilt betrachtete ich mal die Landschaft, mal die Güte meiner gepflegten und arbeitsungewohnten Fingernägel und mal mich selbst von innen – ich verschlief sehr viel von der Reisezeit.

    „Oh, ich bin nun etwas überrascht.“


    Dass Cadior Familie besaß, daran musste ich mich erst gewöhnen.


    „Salve Ingeniosus! Da werden wir uns wohlhäufiger begegnen, denn Cadior und ich halten engen Kontakt.“
    Ich setzte mich zu den beiden und suchte Ähnlichkeiten im Äußeren. Hatte doch Cadior sagt, Ingeniosus sei sein Halbbruder. ;)

    Germanus, deine Ansichten sind mir äußerst sympathisch. :) Danke Maximus, wenn du dich da mal reinhängen willst. Ich bin zu weit weg von der konkreten Forschung. :)


    Ist jedenfalls auch meine Rede, dass unzweifelhaft bei Kalkriese eine Schlacht stattgefunden hat, die in die Zeit des Arminius passt. Nur eben welche ist nicht geklärt und nach meiner Anicht ist es nicht die Varusschlacht. Für den dritten Tag dieser Schlacht findet man dort einfach zu wenig, wenn man die großen Verluste der Römer betrachtet. Wo sind die Spuren der beiden Vortage? Was soll dort der Wall? Nach meiner Ansicht konnte Arminius nicht so weit vorausplanen, dass gerade dort ein vorher errichteter Wall hilfreich wäre. Wieso können an einem bekannten Handelsweg derartige Massen an gefallenen Römern über Jahre liegen bleiben?


    Und ja, ich finde auch, dass Kalkriese zu einem Geschäft geworden ist, was gut vermarktet wird. Man ruht sich aus, anstatt bis zum Jahr 9 noch mal Gelder aufzutreiben und die berechtigten Zweifel der Kalkriesekritiker ernstzunehmen. Vielleicht würde man ja in Kalkriese die letzten Beweise finden, wäre mir auch recht, nur derzeit ist es eben nicht überzeugend geklärt.


    Lippe/Weser und die Kastellkette entlang der Lippe favorisiere ich auch. :) Das Sommerlager: Ich hatte eine Zeit gehofft, es wäre in Hedemünden, aber auch das hat sich als Trugschluss herausgestellt.

    Etwas erledigt kam ich in der Villa an, war doch ein solch langer Spaziergang mehr als ungewohnt für mich geworden. Hungrig von der frischen Luft ging ich sofort in das Speisezimmer und gab Samira auf dem Weg dorthin meine Wünsche auf.


    Mit einem kleinen Seufzer ließ ich mich auf die Liege plumpsen und musste lachen. Meine Güte, war ich kaputt und ich hatte Durst. Endlich kam Samira und brachte das Essen. Obwohl mir meine Beine ordentlich weh taten, stand ich erneut auf, nahm etwas von den Speisen und ging ins Lararium. Dort stellte ich den Manen ihren Anteil hin.


    Andächtig stand ich eine Weile und gedachter derer, denen ich hier leider nie mehr würde begegnen können. Menschen, die vielleicht Halt oder Rat gegeben hätten. Ich seufzte, sprach ein Gebet und ging zurück ins Speisezimmer. Mit gutem Appetit vertilgte ich eine ziemliche Unmenge an Speisen und überlegte, was ich ihm Anschluss daran unternehmen würde.

    Zitat

    Original von Publius Tiberius Maximus
    Aber was die da in der Sendung erzählt haben, war ja das reinste Phantasiegebilde...


    Sommerlager bei Minden.... Und dann Dinge, die uns gar nicht überliefert sind.


    Hm, Varusschlacht - eines meiner Lieblingsthemen. :)


    Minden ist allerdings bei vielen im Gespräch, selbst solchen, von denen man meinen müsste, sie kennen sich aus.


    Ich habe diesen Standort schon immer angezweifelt und nicht nur den. Ich glaube nicht mal an Kalkriese. Man mag von Friebe halten, was man will, aber seine Übersetzung von "haud procul Teutoburgiensis saltu" (bisher: unweit des Teutoburger Waldes) nun zu verstehen als "haud procul te ut o burgi ensi saltu" (was frei übersetzt: nicht eben weit entfernt du, der Saltus der verwüstet worden ist, oh gerade als Türme ud Schwerter ihn sicherten...) halte ich für ausgesprochen gut.


    Spinnt man den Faden weiter, dann kann damit nur die Kastellkette entlang der Lippe gemeint sein (Holsterausen, Haltern, Kneblingheusen, Oberaden, Anreppen, eventuell Hedemünden(?) ) und das könnte eventuell eher der Rückweg des Varus gewesen sein, was ein Sommerlager bei Minden ausschließen würde.


    Na ja, alles Spekulation und die Meinungen driften weit auseinander. Was sagt die neueste Forschung zum Thema Varusschlacht?