Beiträge von Claudia Aureliana Deandra

    Die beiden Stufen auf das kleine Podest waren schnell genommen. Das Gemurmel der Menschen wurde leiser und ich sah in die Runde. Viele Gesichter kannte ich, aber noch mehr waren mir fremd. Ostia war längst keine kleine Stadt mehr. So richtig bewusst wurde mir das erst in meinem Amt.


    Ich genoss es noch einige Augenblicke, das Volk betrachtend, hier zu stehen. Es würden nie wiederkehrende Momente sein.


    „Bürger Ostias!


    Als ich vor Monaten mein Amt angetreten hatte, war ich voller Tatendrang und voller Ideen. Ich wollte das Leben in unserer Stadt auf einen noch höheren Standard bringen. Fast alles, was ich mir vorgenommen hatte, konnte ich umsetzen, was wiederum die Einwohnerzahl positiv beeinflusst hat. Villen wurden gebaut, öffentliche Einrichtungen geplant und umgesetzt.


    Zwei der wichtigsten Projekte, die ich bis zum Ende meiner Amtszeit gern verwirklicht sehen wollte, haben ebenfalls einen zufrieden stellenden Abschluss gefunden. Endlich wird die längst überfällige Straßenerneuerung vorgenommen. Rund um den Markt werden schadhafte Stellen ausgebessert und eine Zufahrt gänzlich erneuert. Was aber jeden Einzelnen von euch, der oft nach Rom reist – sei es privat oder als Händler – freuen wird, ist die Tatsache, dass der Verbindungsstraße nach Rom ebenfalls eine umfassende Erneuerung zuteil werden wird. Soldaten der Legio I werden alsbald mit den Bauarbeiten beginnen. Derzeit befindet sich das Projekt in der Endphase der Planung.


    Doch das ist nicht der Grund, weswegen ich euch, Bürger Ostias, geladen habe. Heute habe ich das Vergnügen, die von mir für Ostia angestrebte Sicherheit in Form einer eigenen Vigilesabteilung zu verwirklichen. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Praefectus Vigilum Marcus Didius Falco wurde mein Vorschlag nicht nur in den Senat eingebracht, sondern der Beschluss inzwischen verabschiedet.


    Gemeinsam wollen wir nun in einem feierlichen Akt diese Einrichtung einweihen. Ich begrüße daher noch einmal offiziell, Marcis Didius Falco und übergebe an ihn das Wort.“


    Leichtfüßig verließ ich das Podest. Ich nickte Falco zu und lud ihn mit einer Geste ein, nun selbst das Podest zu besteigen.

    "Innerhalb Ostias hätte ich gerne die beiderseitige Verwendung von Granit und Basalt. Ich hoffe, die Straßenbauer sind da kreativ, ansonsten würde ich Mustervorgaben machen wollen.


    Was die lange Hauptstraße nach Rom betrifft, so tendiere ich zu einem helleren Granit, denn der dunkle Basalt lädt sich unter römischer Sonne gar zu leicht auf und dürfte den Gespannen und berittenen Rössern arge Probleme bereiten."


    Langsam fühlte ich mich gar nicht mehr so deplaziert. Es war alles ganz einfach. Man musste nur auf längst gemachte Erfahrungen zurückgreifen.


    "Was muss jetzt die Stadt für deine Soldaten bereitstellen? Unterkünfte nehme ich an. Direkt in Ostia wird wohl kein Marschlager vonnöten sein. Wir haben auch noch die Vigileskasernen. Wie sieht es mit Essen aus?"

    „Oh, ich denke schon, Falco. Rom und Ostia werden mich nicht gänzlich verlieren“, erwiderte ich lachend. „Ich habe hier Freunde und Familie, nicht zuletzt auch viele Erinnerungen. Mantua ist mir noch gänzlich fremd. Ich gebe zu, etwas Bange vor der dortigen Abgeschiedenheit habe ich schon. Schließlich bin ich als Kind DER Stadt aufgewachsen. Ich bewege mich fort vom Nabel der Welt, aber das Band zu meiner Geburtsstadt kann nichts durchtrennen."


    Ich machte eine einladende Handbewegung und bat Falco, mir zu dem kleinen Podest zu folgen.


    Es würde mich freuen, wenn du später ein paar Worte an Ostias Bevölkerung richten könntest. Zunächst werde jedoch ich eine kleine Begrüßungsrede halten. Ist das so in Ordnung?“


    Fragend sah ich Falco an.



    edit: Formatierungsfehler

    Ich wusste nicht, wie viel Zeit inzwischen vergangen war... Mit dem mir üblichen Schwung betrat ich die Casa erneut und als erstes wandte ich mich dem Buffet zu. Mein Magen vermeldete Hunger und ich fand, man sollte sich dem nie widersetzen.


    Suchend wanderten meine Augen über die Schalen und Teller, bis ich endlich das Passende erspäht hatte, gefüllte Wachteleier – die richtige Größe, der richtige Genuss. Ein bereit stehender Sklave belegte meinen Teller mit einigen dieser netten Happen und weiteren von mir gewünschten Delikatessen. Mit einem unverbindlichen Lächeln nahm ich den kleinen Abbau entgegen und piekte mit dem spitzen Stiel eines Löffels eine dieser winzigen Köstlichkeiten an.


    Ich fragte mich, ob ich von dem Abendprogramm wohl viel verpasst hatte, von der Tafel jedenfalls nicht, oder sie wurde ständig neu aufgefüllt.



    edit: :D Öhm, :hmm: Man sollte sich Zeit beim Schreiben lassen

    Nein, ich musste nicht immer solche Worte hören und doch, ich hätte lügen müssen, würde ich behaupte, sie taten mir gerade in diesem Augenblick nicht gut.


    „Mögen die Götter auch dich beschützen“, sagte ich leise. Mit einen sanften Lächeln wandte ich mich ab und schritt in Richtung Casa Decima.

    „Wie furchtbar! Ich könnte schon aus diesem Grund nie an einer Schlacht teilnehmen. Obwohl“, ich konnte erstmals wieder lachen, „als Frau würde das ja auch reichlich komisch aussehen.“


    Ich bemerkte, dass wir bereits wieder nahe der Wohnsiedlung waren. Lächelnd drehte ich mich Victor zu.


    „Das Gespräch mit dir hat mir gut getan. Du hast mir mehr geholfen, als du dir vorstellen kannst. Ich denke, ich werde nun auf diesen Empfang zurückkehren. Wenn ich Glück habe, dann ist weder dem Gastgeber noch sonst wem meine Abwesenheit aufgefallen. Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal wieder und falls nicht, wünsche ich dir alles Gute für die Zukunft!“


    Dankbar sah ich meinen Begleiter an.

    Ich musste schmunzeln. Das Thema ‚Pferde’ war einfach gut.


    „Ja, sicher trainiere ich meine Pferde für die Wagenrennen oder sagen wir, ich lasse sie trainieren. Bisher hatte mein Gestüt die Rösser für zwei Wagen meiner Factio gestellt. Leider gab es einen schweren Unfall und eines der Tiere musste noch auf dem Rennoval erlöst werden. Das hat mich sehr betroffen.“


    Nicht nur das, dachte ich. So ziemlich alles in meinem Leben stand Kopf. Ich gehörte nun einer anderen Factio an, hatte meinen Vater verloren, der – so lange er weg war – für mich als Halt gegolten und sich bei seinem Erscheinen als größte Enttäuschung überhaupt herausgestellt hatte, und dann gab es da noch mein Liebesleben … Ich wünschte mir sehnlichst eine Zeit herbei, in der einfach alles geregelt, harmonisch und unbeschwert war.

    Plötzlich setzten die Musikanten auf ein Zeichen von Hektor hin ein. Erstaunt blickte ich um mich und sah dann den Grund. Eine Abteilung der Cohortes Vigiles, an der Spitze erkannte ich Falco, näherte sich von weitem. Abwartend blickte ich ihnen entgegen, froh, dass Hektor die Organisation offenbar gut im Griff hatte.


    Viele Bürger schwenkten Blumengebinde oder klatschten beim Eintreffen der Offiziere.


    Ich blieb stehen wo ich war. Entgegenlaufen wäre nicht sonderlich würdevoll gewesen. Freundlich sah ich Falco entgegen.

    Ich blieb unschlüssig stehen. Mal blickte ich auf das Pflaster, dann wieder meinen Begleiter an. Ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte. Einerseits tat mir seine Gesellschaft gut, andererseits quälte mich das schlechte Gewissen. Wann hatte ich mich jemals so mies gefühlt? Schließlich fasste ich einen Entschluss.


    „Ohne mein ganzes Leben noch mehr zu komplizieren als es so schon ist, möchte ich jetzt einfach wieder umkehren. Wir können gerne auf dem Rückweg noch etwas plaudern.“


    Bittend sah ich ihn an. Ich hoffte sehr, er verstand, warum ich so handeln musste. Meine Gefühle standen Kopf, als ich den Empfang verließ. Noch mehr Unordnung in diesen konnte ich mir nicht erlauben. Es war so schon schwierig genug.


    Hoffentlich würde ich halbwegs meine äußere Stabilität bis zur Casa wiedererlangen. Schweigend lief ich die ersten Schritte, dann griff ich das Thema ‚Pferde’ auf.


    „Ich gehe fast täglich mit Pferden um. Ich habe ein Gestüt und einen Rennstall allerdings nicht in Rom. Ich züchte mit ägyptischen Blutlinien. Kennst du dich mit Pferderassen aus?“

    Ich sah sein Bemühen und es lockte mir ein Lächeln hervor. Warum konnten nicht alle Menschen so sein?


    „Vielleicht wären Pferde im Moment genau das richtige Thema. Ich liebe diese Tiere über alles.“


    ‚Oder über fast alles’, fügte ich in Gedanken hinzu.

    Zitat

    Original von Narrator
    Wisst ihr was mal wirklich konstruktiv wäre? Ein Leitfaden, den man gesammelt hier veröffentlichen könnte. Ich weiß, daß es tolle Bücher dazu gibt, aber nicht jeder hat gerade dann Zugang dazu wenn er es hier gerade braucht. [...] Das soll hier eindeutig ein Aufruf sein, ich hoffe es kann sich jemand (oder mehrere) dazu aufraffen, mal was wirklich Gutes zu machen.


    Ich habe dafür keinerlei Hoffnung. :(
    Leider, leider, muss ich sagen, ist gerade erst kürzlich ein Vorhaben gescheitert, was mit einer umfänglichen Ausarbeitung zusammenhing. Der Grund: Aufwand und Erfolgsaussichten stehen nach Ansicht der „Autoren“ in keinem Verhältnis. Und machen wir uns nichts vor, es steckt eine Menge Aufwand drin!
    Ich würde so gerne diese Leute (betrifft nicht Marek) motivieren, aber mir fehlen dazu die Möglichkeiten.




    Zitat

    Original von Narrator
    /edit: Verdammt, schon der 2. ID Fehler in 2 Tagen. Arrrg, das war jedenfalls ich, Publius Decimus Lucidus.


    ;) Hättest du nicht drunter schreiben brauchen. Man erkennt dich auch so. Ich ziehe jedes mal den Hut vor dir, wenn du mit Marek diskutierst. Eure Threads sind sehr informativ und zugleich angenehm zu lesen.

    Langsam schlenderte ich weiter. Durch die Dunkelheit bemerkte ich nicht die Verlegenheit im Äußeren von Victor, wohl aber in seiner Stimme. Ich warf einen seitlichen Blick auf ihn, hoffend etwas zu erkennen. Dann erklärten aber seine Worte, was ich bereits vermutet hatte.
    Mir fiel meine Erziehung ein und gleichzeitig die Erwartungen meiner Familie. Trotzdem, heute war wieder einmal so ein Tag, da siegten die Empfindungen über den Verstand. Es war mir vollkommen egal mit wem ich sprach, Hauptsache ich wurde von meinem Kummer abgelenkt.


    „Deine Aufrichtigkeit zeichnet dich als edlen Menschen aus. Mitunter wiegt das mehr als manch ein Titel. Es freut mich für dich, dass dein Tag so ausgesprochen schön verlief. Fast könnte ich dich darum beneiden, denn alles Geld und all der Adel, der mir zur Verfügung steht, lässt mir dennoch nicht meine innigsten Wünsche erfüllen.“


    Fast traten mir bei diesen Worten wieder Tränen in die Augen. Nur mit Mühe konnte ich sie wegdrücken.


    „Möchtest du mir nicht irgendetwas Erfreuliches erzählen? Etwas Ablenkendes, womit vielleicht dieser Tag auch für mich mit einem positiveren Gefühl enden kann?“


    Ich wusste, was ich tat war alles nicht richtig, aber ich befand mich in einer wirklich miserablen Stimmung. Eigentlich sollte ich auf dem Empfang sein ... Vielleicht sollte ich umgehend kehrt machen ... Ich war zerrissen.

    Irgendwie besserte die unerwartete Begleitung meine Stimmung auf und so antwortete ich Victor bereitwillig.


    „Oh, ich handele viel zu oft emotional und viel zu oft fällt mir gerade das auf die Füße. Das Dumme daran ist, wer einmal dazu neigt so zu handeln, kann selbst seine besten Vorhaben nie wirklich umsetzen, weil immer wieder diese dummen Gefühle dazwischenfunken.“


    Ich seufzte, warum konnte ich eigentlich nicht gefühlskalt sein? Das wäre eine äußerst praktische Einrichtung. Ich sah meinen Begleiter an und bemerkte zugleich den Stolz in seinen Worten.


    „Ja, der Triumphzug. Ich kann sehr gut verstehen, welch erhebendes Gefühl das für jeden einzelnen Teilnehmer war. Ich selbst war nicht zugegen, aber ich habe die Ankunft aller Soldaten in Ostia erlebt. Ich stand am Kai und sah, wie die Schiffe einliefen, sah wie ausgeladen wurde und die Truppen abmarschierten. So viele Soldaten hatte Ostia zuvor noch nie gesehen.


    Was mich jetzt nur wundert – warum bist nicht auf dem Empfang des Triumphators?“

    Unvermittelt wurde ich angesprochen und fuhr mächtig zusammen. Ganz so weit her war es offenbar nicht mit meinem Mut. Etwas erleichtert stellte ich fest, dass ich einen Soldaten vor mir hatte.


    „Ja, ich habe unüberlegt gehandelt, als ich allein fortlief, das ist war. Manchmal denkt man nicht nach, sondern entscheidet aus einem Gefühl heraus und das ist selten gut. Wie dem auch sei … Mein Name ist Aurelia Deandra und ja, ich würde mich über etwas Begleitung durchaus freuen, Valerius Victor.“


    Ich versuchte ein Lächeln und es gelang mir wohl auch.


    „Eques der Ala? Du bist bei dem Triumphzug dabei gewesen?“

    In einem kleinen Trauerzug wurde vor Tagen Aurelius Batiatus ohne großes Aufsehen an die Stadtmauern Roms gebracht. Nur wenige wohnten der Verbrennung bei. Alles notwendige wurde dem Aurelier mit auf die Reise gegeben und doch blieb es nur beim Notwendigsten.


    Kaum jemand trauerte um ihn, selbst seinen Kindern war er fremd geworden. Mit versteinertem Gesicht, teils aus Enttäuschung, teils aus der traurigen Situation heraus, weilte auch ich der Bestattung bei. Auf einen Leichenschmaus verzichteten die Aurelier, darin herrschte eine einhellige Meinung.


    Mit den symbolischen drei Händen voll Erde, die ich auf die Urne warf, verabschiedete ich mich für immer von meinem Vater. Die letzte Hoffnung auf Halt war mit ihm gegangen.

    Das Rufen eines Kauzes ließ mich zusammenfahren und ich blieb regungslos stehen. Meine Augen suchten die Umgebung auf der Suche nach irgendetwas Bekanntem ab. Vergeblich, ich wusste nicht, wo ich war. Ziemlich viel Baumbestand gab es hier, vielleicht ein Park? Aus der Ferne hörte ich Lachen und das Grölen von Betrunkenen, neben mir raschelte es.


    Öhm, ja.
    Ängstlich veranlagt war ich nicht. Bei so vielen Brüdern wurde ich gleich mit zu Mut und Tapferkeit erzogen. Dennoch, so vernünftig war es nicht, nach Einbruch der Dunkelheit, allein durch Rom zu spazieren.
    Ich schüttelte energisch den Kopf. Entschlossen lief ich mehrere Schritte, blieb dann aber doch wieder unschlüssig stehen.

    Die Begebenheit in der Casa Decima, deren Zeuge ich gerade geworden war, riss eine relativ frische Wunde bei mir wieder auf. Fast fluchtartig verließ ich den Empfang von Meridius und fand mich nun auf der Straße vor der Casa wieder.


    Ohne auch nur darauf zu achten, wohin mich meine Füße trugen, lief ich einfach los. Es war bereits dunkel, niemand sah das Schimmern in meinen Augen. Den Blick auf das Pflaster gerichtet, hing ich meinen Gedanken nach …

    Zitat

    Original von Lucius Annaeus Florus
    Kein Problem, auch ich schaue mich ja immer mal wieder um ;)


    Die Truppen müssen am Tag des Saturn wieder in Rom auf dem Marsfeld sein.


    "Das heißt, du musst wann genau aufbrechen?"


    Ich selbst hatte Italien noch nie verlassen. Wusste also nicht, wie lange eine Schifffahrt dauerte, mal abgeshen davon, dass ich sicher auch nie eine antreten würde. Mir reichten ja bereits diese schaukelnden Reisekutschen.


    Plötzlich wurde ich Zeuge einer überhasteten Verabschiedung hinter mir. Ich drehte mich um und sah Aventurinus, den ich in Ostia und der Curia Provincialis schätzen gelernt hatte, verwundert hinterher. Dann verstand ich sein Verhalten. Etwas wehmütig zog sich mein Herz zusammen. Es berührte mich, die beiden zu sehen und mir wurde klar, was mir selbst fehlte.


    "Florus, bitte entschuldige mich. Ich habe das dringende Bedürfnis, nach draußen zu gehen."
    Entschuldigend versuchte ich ein Lächeln, wandte mich dann aber schnell ab und verließ die Casa.