Die beiden Stufen auf das kleine Podest waren schnell genommen. Das Gemurmel der Menschen wurde leiser und ich sah in die Runde. Viele Gesichter kannte ich, aber noch mehr waren mir fremd. Ostia war längst keine kleine Stadt mehr. So richtig bewusst wurde mir das erst in meinem Amt.
Ich genoss es noch einige Augenblicke, das Volk betrachtend, hier zu stehen. Es würden nie wiederkehrende Momente sein.
„Bürger Ostias!
Als ich vor Monaten mein Amt angetreten hatte, war ich voller Tatendrang und voller Ideen. Ich wollte das Leben in unserer Stadt auf einen noch höheren Standard bringen. Fast alles, was ich mir vorgenommen hatte, konnte ich umsetzen, was wiederum die Einwohnerzahl positiv beeinflusst hat. Villen wurden gebaut, öffentliche Einrichtungen geplant und umgesetzt.
Zwei der wichtigsten Projekte, die ich bis zum Ende meiner Amtszeit gern verwirklicht sehen wollte, haben ebenfalls einen zufrieden stellenden Abschluss gefunden. Endlich wird die längst überfällige Straßenerneuerung vorgenommen. Rund um den Markt werden schadhafte Stellen ausgebessert und eine Zufahrt gänzlich erneuert. Was aber jeden Einzelnen von euch, der oft nach Rom reist – sei es privat oder als Händler – freuen wird, ist die Tatsache, dass der Verbindungsstraße nach Rom ebenfalls eine umfassende Erneuerung zuteil werden wird. Soldaten der Legio I werden alsbald mit den Bauarbeiten beginnen. Derzeit befindet sich das Projekt in der Endphase der Planung.
Doch das ist nicht der Grund, weswegen ich euch, Bürger Ostias, geladen habe. Heute habe ich das Vergnügen, die von mir für Ostia angestrebte Sicherheit in Form einer eigenen Vigilesabteilung zu verwirklichen. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Praefectus Vigilum Marcus Didius Falco wurde mein Vorschlag nicht nur in den Senat eingebracht, sondern der Beschluss inzwischen verabschiedet.
Gemeinsam wollen wir nun in einem feierlichen Akt diese Einrichtung einweihen. Ich begrüße daher noch einmal offiziell, Marcis Didius Falco und übergebe an ihn das Wort.“
Leichtfüßig verließ ich das Podest. Ich nickte Falco zu und lud ihn mit einer Geste ein, nun selbst das Podest zu besteigen.