Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Gerade hatte er sich noch über Syennesis gefreut, da brach dieser ein. Wäre Syennesis ein routinierter Fahrer, könnte Menecrates noch an Taktik glauben. So aber vermutete er die übliche Unstetigkeit, ein Überschätzen der eigenen Fähigkeiten oder schlechtes Einteilen der Kräfte seiner Pferde.
    Vom Straucheln des bislang Führenden profitierte vor allem Rianorix, der am überraschten Braecus vorbeizog. Es schien auch, als wäre Braecus durch Syennesis' Rückfall in Mittleidenschaft gezogen worden, aber er hielt den zweiten Platz. Wahrscheinlich starrte Hermippus auf das Geschehen vor ihm und vergaß dabei, sich auf die eigene Position zu konzentrieren. So kam es, dass auch er zurückfiel und Strabax rückte vor. Auch Marsyas und Tisander vollführten einen Platztausch.
    Mit diesem Wechsel auf vielen Plätzen - mit Ausnahme des zweiten und sechsten - ging es in Runde fünf.


    Die Reihenfolge nach Runde vier:
    1) Rianorix
    2) Braecus
    3) Syennesis
    4) Strabax
    5) Hermippus
    6) Tamos
    7) Tisander
    8 ) Marsyas


    Zumindest einige der Pechvögel wollten ihren Schnitzer wettmachen. Syennesis zum Beispiel holte mächtig auf. Der Einbruch konnte also nicht an einer Überschätzung gelegen haben, sondern eher an einem massiven Verstolpern seiner Pferde, die noch genug Reserven besaßen. Auch Hermippus griff an und eroberte den verloren gegangenen Platz zurück. Dafür brach Tamos ein. Er konnte Tisanders Angriff nichts entgegensetzen.
    Nur Marsyas dümpelte - wie so oft - dauerhaft am Ende des Feldes herum.


    Die Reihenfolge nach Runde fünf:
    1) Syennesis
    2) Braecus
    3) Rianorix
    4) Hermippus
    5) Strabax
    6) Tisander
    7) Tamos
    8 ) Marsyas

    Irgendwann, wenn die Fahrer der Praesina ihren Rückstand auf die anderen Factiones aufgeholt hatten, wollte Menecrates auch Freundschaftsrennen mit anderen Rennställen in Angriff nehmen. Weit lag das Ziel nicht mehr entfernt, er hatte bereits viel erreicht. Eigentlich hätte er schon jetzt zufrieden sein können, aber wenn man sich zurücklehnte, rächte sich das oft. Also stand er wieder am Rennbahnrand, heute sogar allein neben all den Helfern und beobachtete die Fahrer und das Verhalten der Pferde. Es nützte nichts, wenn er Berichte nur von Hilfskräften erhielt. Er wollte Sachkundigenverstand.


    Heute begeisterte ihn Syennesis. Das Auf und Ab dieses Fahrers verursachte häufig Kopfzerbrechen, aber er lief sich immer besser ein. Aktuell kämpfte er sogar mit Braecus um Platz eins. Ein zweites Paar, bestehend aus Roanorix und Hermippus, kämpfte um Platz drei. Der Neuzugang aus der Aurata komplettierte heute das Feld. Als gänzlich unbekannte Größe startete Tamos in das Rennen. Er hielt sich bisher am Ende auf, aber in Runde drei versuchte er, seine Position zu verbessern. Am Ende lagen Marsyas und Tisander - ein wenig überraschend, wie Menecrates fand.
    Strabax hingegen fuhr das gewohnt verlässliche Rennen, ohne dabei für größere positive oder negative Überraschungen zu sorgen.


    Die Reihenfolge nach Runde drei:
    1) Syennesis
    2) Braecus
    3) Rianorix
    4) Hermippus
    5) Strabax
    6) Tamos
    7) Marsyas
    8 ) Tisander

    Offensichtlich schien keinen die augenfällige Diskrepanz zu stören. Es ging hier ja nicht nur um die Beispielsituation des claudischen Haushalts, sondern um das Prinzip. Da bei Menecrates die Lust auf Senatsdebatten während des Consulats dramatisch gesunken war, nahm er die geäußerten Standpunkte stoisch hin. Er konnte Senator Gracchus teilweise folgen und nickte ein oder zweimal. Letztlich musste er aber nicht um seine Familienabsicherung kämpfen, denn die war mehrfach gesichert und wenn sich der Senat nicht voranbewegen wollte, würde er keine weiteren Kräfte mobilisieren. Ein ungerechtes Rom, ein teils absurdes Rom, aber wenn das so gewollt war, einer allein konnte nichts dagegen tun. Zu dieser Erkenntnis war er längst gelangt. Wahrscheinlich bevorzugten einige Senatoren auch eine größtmögliche Ruhe im Senat und Menecrates wollte diese nicht länger stören.


    "Na dann..." Er sparte sich jede weitere Reaktion: keine Geste, keine Miene, keine Andeutung eines Kopfschüttelns. Fünf zu Fünfundzwanzig - scheinbar kein Problem.

    Menecrates sah seine Aufgabe erfüllt. Er sollte das Thema erneut im Senat ansprechen, um ein Meinungsbild einzuholen. Die Moderation der Senatsdebatte oblag aber nicht ihm, sondern dem amtierenden Consul. Würde die Meinung der Senatoren in die von ihm angestrebte Richtung tendieren, sähe er sich motiviert, seinerseits dazu beizutragen, dass ein Ergebnis zustande kam. So aber sparte er sich die Nerven und Energie, obwohl ihm die eine oder andere Erwiderung auf bösartige Äußerungen auf der Zunge lag. Er schluckte sie hinab und überließ anderen die Bühne.

    Menecrates sah sich während ruhigerer Phasen des Rennens um, ob nicht doch ein Funktionär oder Mitglied der Factio dem Trainingsrennen beiwohnen würde. Bislang trieben sich aber nur Trainer, Pferdepfleger und Ersatzfahrer am Rand der Rennbahn herum. Der Claudier diktierte daher seinem Sekretär nennenswerte Gedanken, die ihm während des Rennverlauf durch den Kopf gingen. In Runde zwei stürzte nämlich der factionlose Strabax ab. Ein Pferd seines Gespanns verstolperte und durch den Geschwindigkeitsabbruch wäre ihm Rianorix fast hinten draufgefahren. Der musste seine Pferde zügeln, was Syennesis und Hermippus zu nutzen wussten. Sie umfuhren die fast kollidierten Wagen und setzten sich hinter Braecus an die Spitze des Feldes. Tisander und Marsyas tauschten zwischendurch die Plätze, aber abgesehen davon richtete sich die Aufmerksamkeit auf die Turbulenzen vorn.


    Die Reihenfolge nach Runde 2:
    1) Braecus
    2) Syennesis
    3) Hermippus
    4) Rianorix
    5) Strabax
    6) Marsyas
    7) Tisander
    8 ) Tamos

    "Ich besitze auf dem Mons Esquilinus mehrere Grundstücke", antwortete Menecrates. "Sowohl im bebauten Gebiet als auch naturbelassen", fügte er an. Seine eigenen Überlegungen standen noch am Anfang, weil er auf die Auskünfte wartete, die sein Sekretär einholen sollte. "Ich habe ja vorhin erwähnt, dass ich das Funktionieren von Teilen unserer Verwaltung erproben möchte. Mir fehlen noch die Informationen aus diesem Test. Ich wollte in Erfahrung bringen, ohne dass mein Name ein kräftiges Zugpferd wäre, ob Rom diesbezüglich über geeignete Grundstücke verfügt, ob ich eines erwerben oder ein eigenes heranziehen müsste. Diese letzte Option steht mir zur Verfügung. Allerdings müsste ich diesbezüglich auch in Erfahrung bringen, ob es Baubeschränkungen gibt und falls ja, welcher Art. Ungeachtet dessen, mich interessiert deine persönliche Meinung. Siehst du den Tempel eher freistehend oder inmitten einer bebauten Siedlung?"


    Er schlug noch einmal den Bogen zurück zu seinem neuen Aufgabenbereich.
    "Ich wollte nicht nur auf Götterhilfe bauen, wenn es um eine anhaltende Eintracht in Rom geht. Als ich von mehr polizeilicher Präsenz in der Subura gesprochen habe, meinte ich nicht nur verstärkte Patrouillen. Dieses Ballungsgebiet ist nicht umsonst der Herd der Unruhen gewesen und meine Vorstellung geht dahin, dass eine noch festzulegende Anzahl an Soldaten dort fest stationiert wird. Sie sind vor Ort, wenn die Bevölkerung Schutz und Hilfe braucht, sie hören und sehen mehr als wenn sie nur patrouillieren und im besten Fall knüpfen sie Bande des Vertrauens, wenn wir sie personell gezielt auswählen und nicht ständig durchwechseln." Es blieb abzuwarten, wie der Kaiser reagierte und ob es bereits Ansätze dieser Truppenplatzierung in der Subura gab.

    Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus Minor
    Nach der Begrüßung des Kaiserpaares bot das Brautpaar Gelegenheit auch für die übrigen eintreffenden Gäste, vornehmlich Würdenträgern des Cultus Deorum, insonderheit des Collegium Pontificum, aber etwa auch Lucretius Carus, der Jugendfreund des Bräutigams, ihm ihre Referenz zu erweisen. Als die Claudii an die Reihe kamen, schenkte der junge Flavius, bereits ein wenig erschöpft von den zahlreichen älteren Herren, welche sich als Freunde seines Vaters titulierten, seinem alten Vorgesetzten und Mentor ein ehrliches Lächeln.
    "Claudius Menecrates, welch eine Freude, dich begrüßen zu dürfen! Meine Braut ist dir ja bereits bekannt!"
    Er wies auf Cornelia Philonica, die unter ihrem Schleier heute kein sonderlich anstößiges Bild bot und artig ergänzte:
    "Salve, Claudius! Wo hast du deine Enkel gelassen?"


    Menecratres erwiderte das Lächeln gleichermaßen aufrichtig, denn er hegte schon länger väterliche Sympathien für den jungen Flavier. Ihm blieb auf den letzten Doppelschritten wenig Zeit, darüber nachzudenken, wann diese einsetzten. Es könnte aber auf einem der Besuche in der Villa Flavia geschehen sein, zu der Zeit, als Scato um Menecrates‘ Enkelin warb. Andererseits, ein unaufrichtiges Lächeln bekam sonst auch niemand von ihm zu sehen, denn entweder lächelte Menecrates ehrlich oder er lächelte eben nicht.


    "Meine herzlichsten Glückwünsche, Flavius Gracchus Minor." Sein Blick umfing den Jüngeren, bevor er zur weiblichen Hauptperson des Tages schaute. "Und auch dir, Cornelia Philonica. Möge die Zukunft nur Gutes für euch bereithalten." Mit einem Lächeln verschaffte er sich kurz Zeit, bevor er versuchte, ihre Frage zu beantworten. "Ja, das ist so eine Sache mit den jungen Menschen. Sie leben abseits Roms, fallen dann in dein Haus ein, sehen sich nach potentiellen Ehepartnern oder lukrativen Karriereplänen um und ehe du dich versiehst, ziehen sie wieder aus."

    Menecrates verwunderte es kein bisschen, dass der Kaiser seine Vorliebe für Concordia nicht ausmachen konnte. Das Consulat trug Züge des Wahnsinns gerade im Hinblick auf sein Versprechen, keinen Festtag auszulassen.
    "Kein Wunder", kommentierte Menecrates daher schmunzelnd. "Ich hatte selbst fast den Überblick verloren."
    Das Lächeln wich einer ernsthaften Miene. "Ich schätze die Göttin Corcordia persönlich sehr, aber darüber hinaus erschien sie mir auch als Schirmherrin meines Wahlkampfes und Consulats sehr geeignet. Der Sklavenaufstand war noch in aller Munde und Rom brauchte Eintracht wie selten zuvor. Einigkeit könnte auch der Senat zuweilen vertragen, vor allem aber möchte ich für Eintracht reichsweit beten und Römern, die diesem Bedürfnis gleichsam nachkommen wollen, eine neue Kultstätte bieten. Sie soll einen neuen friedlichen Anfang symbolisieren."


    Im Folgenden wurde sein Aufgabenbereich umrissen. Menecrates nickte zuweilen, es gab keine Überraschungen. Er würde sich Pläne ausarbeiten lassen, um kein Feld zu vernachlässigen oder gar zu vergessen. Alleine dafür beabsichtigte er, seinen privaten Sekretär samt einem Stab an zivilen Hilfskräften neben den ihm zuarbeitenden Militärangehörigen zu beschäftigen.
    Er nickte abschließend noch einmal. "Ich kann nicht versprechen, dass ich den Dienst genau wie meine Vorgänger ausführen werde. Wahrscheinlich drücke ich auch hier meinen persönlichen Stempel auf. Was ich aber versprechen kann, ist absolute Loyalität dir gegenüber, sowie voller Einsatz und Gewissenhaftigkeit im Dienste Roms."

    Menecrates besiegelte den Pakt und demonstrierte den Zusammenhalt, indem er den Arm um Fautsus' Schultern legte. "Nichts kann uns stoppen", versprach er lachend. "Ich wette, wir haben bereits morgen den ersten Stein aus dem Weg zu räumen."


    Erst als Faustus es ansprach, bemerkte er seinen Hunger. Wie zur Bestätigung grummelte sein Bauch. "Huhn? Hm." Er wirkte unschlüssig, dann tätschelte er mehrmals die gerade noch umarmte Schulter. "Lass uns in die Küche gehen und unsere Nasen über Töpfe halten. Bestimmt treffe ich dann eine leichtere Wahl." Er wollte schon losgehen, dann stoppte er noch einmal.


    "Wir sollten eine ganz bestimmte Ecke festlegen, wo wir ausschließlich den Bau besprechen. Wenn ich dich dort sitzen sehe, komme ich hinzu und umgekehrt." Er überlegte: Der Garten bot keine Gelegenheit rund um das gesamte Jahr. Das Atrium war ihm zu besucht. Es musste außerdem ein Ort sein, der einsehbar war, denn wenn sich Faustus in sein Zimmer zurückzog, dann konnte das mehrere Gründe haben und Menecrates sah ihn außerdem nicht bei geschlossener Tür.
    "Das Peristyl?"

    Menecrates sah sich dazu veranlasst, relativ schnell um die Abgabe eines Vorschlags zu bitten. Der Patron des Jungmagistrats weilte nicht in Rom und der Claudier hatte diesen Part übernommen.


    "Die Straßenreinigung ist bei vielen nicht unbedingt die erste Wahl, daher werte ich es für das Amt als überaus gewinnbringend, wenn sich jemand explizit dafür im Vorfeld Gedanken macht. Sicherlich warten bereits Ideen auf ihre Umsetzung, der Antrieb ist ebenfalls im besonderem Maße da. Wir sollten die Energien nicht umleiten, sondern nutzen. Daher schlage ich vor, diesem Hauptwunsch des Annaeus Florus Minor zu entsprechen."

    Die Hitze hielt Rom im Griff, der Boden dürstete nach Wasser und wenn ein Huf die Rennbahn traf, stoben Wolken aus Staub nach oben und hielten sich hartnäckig. Trotz allem musste das Training weitergehen, wenn auch unter angepassten Bedingungen. Wasser stand für Fahrer und Pferde bereit. Letztere wurden nicht nur getränkt, sondern nach den Rennen abgespritzt. Diese Vorgehensweise hatte sich bewährt, obwohl Menecrates anfangs glaubte, die erhitzten Tiere könnten sich eine Erkältung zuziehen. Man hielt natürlich vorwiegend auf die Beine und erst nachdem sich der Herzschlag normalisierte auf Teile des Rumpfes.
    Um den Pferden entgegenzukommen, wurden die Trainingsrennen in den frühen Morgenstunden abgehalten. Tagsüber durften die Pferde grasen, bevor sie gegen Abend noch eine Trainingseinheit erfuhren.


    Kurz nach der Morgendämmerung traf sich Menecrates mit den Verantwortlichen auf dem Renngelände. Nach geraumer Zeit wollte er wieder an einem der Rennen persönlich teilhaben. Das Starterfeld bestand neben Praesinafahrern aus Factiolosen und einem Talent aus der Aurata. An der Startlinie standen aufgereiht: die Gespanne von Strabax, Tamos, Marsyas, Hermippus, Rianorix, Braecus, Syennesis und Tisander. Strabax und Tisander erwischten die ungünstigen Startpositionen.
    Auf sein Zeichen hin zogen die einen an, andere Rösser stiegen und einzelne preschten in optimalem Start los. Tisander brachte seine schlechte Startposition den erwarteten Nachteil. Er reihte sich am Ende des Feldes ein, als die parallel verlaufenden Bahnen wegfielen und konnte sich bis zum Ende der ersten Runde nicht mehr verbessern. Schlechter traf es nur noch den Neuling Tamos, dem seine geringe Erfahrung nicht dazu verhalf, einen Vorteil aus seiner um Nuancen besseren Startposition zu ziehen. An der Spitze des Feldes kämpfte Hermippus mit den etablierten Fahrern der Praesina und hielt sich dabei nicht schlecht, wenn man bedachte, dass es sich bei ihm auch noch um einen Fast-Neuling handelte.


    Die Reihenfolge zum Ende der ersten Runde:
    1) Braecus
    2) Syennesis
    3) Hermippus
    4) Rianorix)
    5) Strabax
    6) Marsyas
    7) Tisander
    8 ) Tamos

    Menecrates freute sich, mittels Faustus zwei weitere Beine und Hände sowie einen hilfreichen Berater bei sich zu wissen. So konnte er manches gleichzeitig erledigen und in komplizierten Situationen auf einen abgekärten Ratschlag hoffen. Er glaubte, diese Situationen würden zukünftig eher mehr statt weniger werden.


    "Sehr schön", kommentierte er das Vorhaben, morgen die ersten Anläufe zu machen. "Eine Bitte habe ich: Mir wäre lieb, wenn du weder meinen Namen noch deine Stellung zu mir ins Gespräch bringst. Ich möchte eine neutrale Auskunft erhalten bzw. erfahren, wie genau der Fortlauf solcher Anträge unbeeinflusst von Rang und Namen ist. Ich schätze, wir werden regelmäßig zusammensitzen und auswerten." Das machte die Aufgabe für Faustus möglicherweise schwerer, aber dem pfiffigen Helvetier traute Menecrates jede Menge zu.


    "Wir haben keinen Zeitdruck", antwortete er auf die nächste Frage. "Ein bis zwei Jahre rechne ich. Wir haben noch nicht einmal mit Recherchen für Material begonnen, müssen Lieferverträge abschließen, Handwerker verpflichten, das kostet Zeit. Bei allem hoffen wir, dass der letztlich zur Verfügung stehende Boden mittels Weihung bebaubar ist."


    Zur letzten Bemerkung verzog er den Mund zu einem schiefen Grinsen. "Ja, diese Steine kennen wir zur genüge und sie werden rollen, da bin ich sicher. Bei etwas Glück können wir sie als Baumaterial nutzen. Ab in die Mauer und zuzementiert.
    Ich bin riesig gespannt, mit welchen Neuigkeiten du morgen nach Hause kommst. Im schlimmsten Fall sind wir kein Stück weiter. Aber wir lassen uns nicht entmutigen. Wir packen das an und es wird gelingen."

    Der Kaiser drückte Zustimmung zu Menecrates' Vorschlägen aus, was den Claudier freute. Die Baustelle, die der Kaiser erwähnte, vermerkte Menecrates bei sich und nickte zustimmend.
    "Jedwede größere Einheit oder Verwaltung zu führen, gleicht nach meiner Ansicht einem Balanceakt. Zum einen dürfen die Zügel nicht aus der Hand gleiten, zum anderen erhöht Eigenverantwortung bei den untergeordneten Amtsträgern die Motivation für den Dienst. Also auch loslassen, Verantwortung übertragen usw. Hinzukommt, dass der eine Amtsträger vielleicht mehr Anleitung für eigene Sicherheit benötigt, während ein anderer über die Maßen selbstständig arbeitet. Ein jährlicher Bericht erscheint mir nicht nur jedem zumutbar, sondern auch notwendig. Ich werde mit jedem Curator ins Gespräch gehen, sicherlich auch mit dem Praefectus Vigilum sowie den jeweils amtierenden Magistraten, um mir ein Bild von den Personen, deren Arbeitsweise und dem aktuellen Stand bzw. Zustand ihres Verantwortungsbereiches zu machen."


    Das Vorhaben klang überschaubar, war es sicherlich aber nicht. Irgendwo würde Menecrates anfangen und naheliegend waren dafür die Verwaltungsbeamten. Bei diesem Gedanken angelangt, realisierte er, dass der Kaiser ebenfalls dort gedanklich verweilte, indem er das private Vorhaben noch einmal zur Sprache brachte.
    "Nun ja", begann er zögerlich, bevor er sich unbewusst zweimal über die Augenbraue strich. Diese Geste half ihm stets beim Nachdenken. Es lag nicht in seiner Absicht, mit Privatvorhaben zu glänzen.
    "Ich habe eine Vorliebe für eine bestimmte Göttin entwickelt. Sie spielte während meines Consulats eine maßgebliche Rolle - beginnend beim Wahlkampf. Einzelne Magistrate hatten ihr in der Vergangenheit jeweils ein Heiligtum gebaut und weil ich das während der Amtszeit nicht bewerkstelligen konnte, aber möchte, tu ich es jetzt. Sämtliche Anträge möchte ich noch als Privatmann stellen und bei dieser Gelegenheit", er schmunzelte, "bin ich gespannt, wie unsere Verwaltungsapparat funktioniert."


    Eines interessierte ihn noch, daher wechselte er wieder das Thema.
    "Ich würde gern erfahren, mit welchen Gedanken du gedachtest, mich zu verwirren." Sein Lächeln verriet, dass er die Aussage nicht allzu ernst meinte. Er fügte auch gleich an:
    "Bis wohin siehst du meinen Kompetenzbereich - inhaltlich, nicht räumlich." Menecrates glaubte, jeder Kaiser zog seine eigenen Grenzen, sicherlich im Rahmen der Möglichkeiten.

    Zitat

    Original von Herius Claudius Menecrates
    Reicht das bereits für die Eigentumsüberschreibung des Betriebes?


    Zitat: Der Betrieb, den du pro Forma übernimmst, ist ein Gewürzhändler. Wir brauchen einen Teil der Waren. Auch hier kannst du das überzählige selbst anbieten. Sklaven besitzt der Betrieb und die Staatskosten sind bezahlt. Sind wir uns einig? Einen Vertrag gilt es auch hier zu unterschreiben, bevor die Schlüssel ausgehändigt werden.


    Es handelt sich um den Gewürzhändler 'Condimenta Claudii', der an Vulpis Lupus übertragen werden soll.


    Mag den Betrieb mal jemand verschieben? Es werden sonst bald Küchenkräuter auf dem Markt fehlen.

    "Es macht mir nichts aus, junger Mann", erwiderte Menecrates lächelnd. "Ich bin ohnehin nicht für höfliches Geplänkel geeignet. Es verschendet wertvolle Zeit." Er klang verschwörerisch.


    "Am besten immer mit allem klar heraus. Ist die Zeit knapp, dann vergeuden wir sie nicht. Brauchst du Hilfe, dann sag es einfach. Stört dich etwas, immer heraus damit. Und alles am besten so, dass ein nicht in Kurven denkender alten Mann es nicht missverstehen kann." Er schmunzelte, weil er sich selbst oft nicht allzu ernst nahm.


    "Vale Annaeus und viel Erfolg!"

    Menecrates war sich nicht sicher, ob der Kaiser seine flachsige Art positiv aufnahm oder sie fehl am Platz fand. Allerdings verstand sich Menecrates nicht auf das Beschönigen von Dingen und er liebte es außerdem direkt. Wenig später bestätigte der Kaiser, dass er Menecrates durchaus gut kannte und einzuschätzen wusste, aber zuvor bot er eine Erfrischung an.


    Als der Sklave den Wein einschenkte, signalisierte Menecrates, eine Überdosis an Wasser haben zu wollen. Normalerweise trank er nur im Ausnahmefall Wein und es interessierte ihn auch nicht, wie sonderbar er damit auf seine Mitmenschen wirkte. Er vertrug das alkoholische Getränk einfach nicht mehr.
    Nichtsdestotrotz, die Flüssigkeit wirkte wie Balsam in seinem trockenen Hals. Er schloss sich daher dem zufriedenen Seufzen des Kaisers an, bevor er der Erzählung über die abwesende Gattin folgte. Er nickte, auch wenn er das Gefühl der Sehnsucht lange nicht mehr kannte.
    "Ich bin sicher, sie wird nicht minder ihre Familie vermissen." Das sagte er aus Überzeugung.


    Froh darüber, dass der leichte Gesprächsstoff schnell den wichtigen Inhalten wich, hörte er weiter zu. Als erstes musste er wieder schmunzeln.
    "Ich bin auch hierin sicher, dass du mich nicht verwirren würdest, wenn du mir deine Gedanken mitteilst." Obwohl er sich im Gespräch sehr wohl - zu wohl fühlte, riss er sich innerlich zusammen. Immerhin sprach er mit dem Kaiser. Immerhin ging es um die wichtigste Karrierestufe seiner Laufbahn. Trotzdem konnte er nicht umhin, sich wohlzufühlen. Das passierte ihm nicht bei vielen Menschen.


    "Um ehrlich zu sein, fänd ich es vermessen, mit meiner aktuellen Einsicht Baustellen in der Verwaltung zu benennen, was den Behördenapparat betrifft. Aber", er hob den Zeigefinger und lächelte verschmitzt, "wie es der Zufall will, kam mir ein privates Vorhaben gerade recht, um anhand dessen das Funktionieren von Teilen unserer Verwaltung zu erproben.
    Auf dem militärischen Sektor schlage ich eine bessere Abstimmung und engere Zusammenarbeit der Stadteinheiten vor. Die Tätigkeit in der Ermittlungskommission hat mir vor Augen geführt, dass statt bindendem Glied die Konkurrenz Blüten treibt. Persönliche Animositäten standen bisweilen dem Ermittlungsfortschritt im Weg."


    Er überlegte, ob er auch Punkte ansprechen sollte, die etwas an der Fragestellung vorbeigingen, für ihn aber von Interesse waren. Er entschied sich für einen Mittelweg.
    "Abgesehen davon möchte ich gern Vorschläge unterbreiten, wie die Ergebnisse meiner Kommission nicht nur Zierwerk einer Magistratszeit bleiben, sondern ihren Sinn und Zweck erfüllen. Mehr polizeiliche Präsenz in der Subura, eine bessere Versorgung in ärmeren Stadtteilen usw." Er brach ab, denn mehr als ein Angebot für den Kaiser sollten die letzten Anmerkungen nicht sein. Als Baustelle der Verwaltung galten sie eher indirekt, wenn überhaupt.

    Menecrates lachte ebenfalls, als Faustus nur zum Schein bestätigte, obwohl er an einen Scherz glaubte.
    "Ja eben", setzte Menecrates noch einen obendrauf. Obwohl er sich amüsierte, bemühte er sich glaubhaft zu wirken. Schließlich erkannte Faustus die erst gemeinte Absicht und begann mit einer ersten Lagebesprechung. Fragen, Überlegungen - alles, was Menecrates auch bereits angestellt hatte.


    "Du kannst mir wertvolle Zeit sparen, indem du mir Wege abnimmst. Zugegeben, es kostet nicht nur Zeit, sondern oftmals auch Nerven, mit den zuständigen Behörden umzugehen. Das jedoch ist der Anfang unseres Unternehmens und auch hier ist aller Anfang schwer. Um die Ausführung brauchst du dir keine Gedanken machen. Zum einen besitzt unser Marsyas ein Architektenbüro, zum anderen habe ich in grauer Vorzeit einmal Architektur studiert. Der Bau des Amphitheaters in Mantua wurde von mir berechnet." Aus diesen Erfahrungen heraus kannte sich Menecrates nicht nur mit Statiken, sondern mit all den Formalitäten, Erfordernissen und zu beachtenden Riten bei Bauwerken aus.


    "Das einzig neue in unserem Fall, ist die Tatsache, dass wir uns um ein Grundstück bemühen bzw. klären müssen, ob für ein privates Vorhaben privates Land benutzt werden muss. In Mantua hatte die Stadt das Bauland zur Verfügung gestellt und die Legion das Theater errichtet. Allerdings handelte es sich beim Amphitheater auch um ein städtisches Gebäude."
    Im aktuellen Fall haperte es , denn sein Erfahrungsschatz warf diese Info nicht aus.


    "Wenn du mir also Wege abnehmen willst, dann würde ich als erstes zum Curator operum publicorum gehen. Er ist für die öffentlichen Bauwerke der Stadt zuständig. Zwar kann es sein, dass er nur für die bereits errichteten zuständig ist, aber wenn du ihm von unserem privaten Vorhaben des Tempelbaus erzählst, wird er dir sicherlich sagen, wen du der Baugenehmigung wegen fragen musst und ob die Stadt einen Standort zuweisen kann, wenn der privat finanzierte Tempel der Öffentlichkeit zugänglich sein soll. Baugenehmigung und Bauland, das sind die ersten Dreh- und Angelpunkte.
    Meinst du, das bekommst du hin?"

    "Kein Grund, es zu bedauern", erwiderte Menecrates wohlwollend. "Ein ambitionierter junger Mann ohne Talent zum Einschleimen... das sind gute Aussichten für Rom. Dafür gebe ich einmal mehr sehr gern meine Stimme ab." Zur Bekräftigung gönnte er sich einen Schluck.
    "Es ist nicht der leichteste Weg, den du damit wählst, aber es ist der aus meiner Sicht beste. Wankelmütige, Doppelgesichtige und sich stetig Anpassende besitzt Rom bereits zur Genüge. Ich werde ein Auge auf dich haben und wenn du Hilfe brauchst, scheu dich nicht, mich anzusprechen."


    Aus eigener Erfahrung wusste Menecrates, dass die Zeit des Wahlkampfes knapp bemessen und äußerst fordernd war. Er wollte Annaeus nicht aufhalten, alles Wichtige war gesagt. Nur für den Fall, dass dieser ein weiteres Anliegen hatte, wartete er noch ab.

    Menecrates erhob sich als nächster.
    "Auch ich habe den Vater des Kandidaten gekannt und geschätzt. Das allein reicht oft, aber nicht für mich, denn der Sohn könnte ja abseits der Wege des Vaters gehen und ich bräuchte ein wenig Zeit des Beobachtens auf dem Werdegang des Kandidaten, um mir ein klares Bild zu machen." Die Grundsituation sah wenig vielversprechend aus, aber Menecrates legte nach.


    "Im Gegensatz dazu steht auf meiner Agenda seit langem, die ganz jungen Männer auf den Startblock zu stellen. Natürlich müssen sie einen guten Eindruck bei mir hinterlassen und mich überzeugt haben. Das trifft im Fall des Kandidaten Annaeus zu.
    Hinzu kommt und das mag für viele nicht wichtig sein, für mich ist es aber entscheidend, dass er der Klient meines Freundes Livianus ist. Senator Decimus würde ihn im Wahlkampf unterstützen, kann es aber nicht, weil er die Interessen unseres Kaisers in Germanien vertritt. Ich bitte daher an seiner Statt: Gebt dem Annaeus Florus Minor eine Chance, uns zu zeigen, was in ihm steckt. Meine Stimme erhält er auf jeden Fall."

    Menecrates nahm die Wachstafel entgegen und überflog sie. Er fand die Idee einer solchen Erinnerungsstütze gut. Anschließend lauschte er interessiert den Ausführungen, denn was er selbst vorgelegt hatte, konnte sicherlich nicht leicht beantwortet werden. Die Erklärung würde viel über Florus Minor aussagen.
    Die Zusicherung, seine Arbeit zu machen, überzeugte allerdings Menecrates nicht.
    "Deine Arbeit zu machen, das reicht nicht." Er schüttelte den Kopf und entschloss sich, den Blick des jungen Mannes zu schärfen, der offensichtlich noch nicht lange im heutigen Rom weilte. "Ich zum Beispiel bin als Arbeitstier bekannt und entsorge nebenher noch die Altlasten meiner Vorgänger. Beim Aedilat waren das derart viele Altlasten, dass ich insgesamt eine Diploma für meine Arbeit bekam. Für meinen Einsatz als Praetor wurde ich vom Kaiser mit einem Grundstück belohnt. Wie gesagt, Wahlstimmen bei einer erneuten Kandidatur beschert dir das nicht und Versprechen auf Zukünftiges natürlich erst recht nicht."
    Ein nüchternes Resümee, es entsprach aber der Wahrheit. Er winkte eine bereitstehende Sklavin heran, damit Florus Minor die bittere Pille besser schlucken konnte.


    "Ein Schluck des Weins? Er stammt aus einem beliebten Anbaugebiet." Er wartete ab, was sich Florus bestellen würde, denn die Auswahl bestand aus Wein, Fruchtsäften und Wasser. Die Sklavin ließ ihn einen komfortablen Blick auf die Erfrischungen werfen.
    Erst im Nachhinein ließ sich Menecrates das übliche Quellwasser für sich einschenken.
    "In Rom kommst du am besten durchs Loch, wenn du Talent zum Einschmeicheln hast. Diplomatie ist gewiss auch hilfreich und natürlich ein größerer Freundeskreis." Letzteren musste man aufbauen, was nicht über Nacht ging. Einschmeicheln ließ sich zeitnah umsetzen, allerdings blieb auch hier die Erkundschaftung, ob das Zielobjekt dafür empfänglich war oder eher abgeschreckt reagieren würde.


    Plötzlich fiel aber ein Wort, das alles änderte. Menecrates schaute überrascht zu seinem Gast.
    "Livianus?" Die nachfolgenden Hinweise auf Gladiatorenkämpfe gingen nahezu unter. Als Florus endete, erwiderte Menecrates: "Das ändert alles. Du erhältst meine Stimme, denn die Klienten meines Freundes betrachte ich, als wären es die meinen. Wir unterstützen uns, wo wir können." Er lächelte, legte die Hand in einer väterlichen Geste auf die Schulter seines Gastes und fügte an: "Gutes Gelingen!"