Als Faustus von seiner Sklavin Mania zu sprechen begann, ruhte Menecrates' Blick auf ihm. Er hörte Wehmut heraus und wusste nicht recht, wie er am besten reagieren sollte. Obwohl der Sklavenaufstand lange zurücklag, schien die Wunde nicht verheilt zu sein. Faustus ließ außerdem offen, ob Mania verschollen war oder unter den Leichen gefunden wurde. Offensichtlich fiel ihm das Sprechen schwer, denn er stand längst am Fenster und blickte hinaus. Menecrates fragte sich, ob Faustus den Sklavenaufstand am liebsten verdrängen sollte oder ihn als Antrieb benutzen könnte, um den Tod seiner Lieblingssklavin, die mehr für ihn bedeutete als das, nicht sinnlos erscheinen zu lassen.
"Vieles erscheint uns sinnlos und manchmal braucht es Jahre, um im Rückblick zu erkennen, dass eine erlebte Katastrophe der Beginn von etwas Neuem war. Zeitnah versperren uns Gefühle den Blick darauf. Wir brauchen den Abstand." Menecrates sparte sich den Hinweis auf das Leiten der Götter, dem man sich fügen musste. Er fand diese Tatsache häufig nicht hilfreich. Stattdessen hörte er weiter zu. Für eine neue Bindung hielt sich Faustus offenbar für bereit. Frauen gab es unzählige, allerdings scheiterten die meisten bereits beim Anspruch Ehrlichkeit, den Faustus eingangs nannte. Menecrates wollte die Augen offenhalten. Begegnete ihm eines Tages eine grundehrliche Bürgerin, würde er sie seinem Sekretär vorstellen.
Um die trüben Gedanken nicht zu vertiefen, konzentrierte er sich auf das weitere Gespräch und musste herzhaft auflachen.
"Eine Senatssitzung direkt erleben? Es gibt nur zwei Möglichkeiten, wie sie auf dich wirken würde: Entweder bist du belustigt und amüsierst dich so gut wie bei keinem Schauspiel zuvor oder du bist bestürzt und vergräbst das Gesicht in den Händen." Wieder lachte er leise vor sich hin, bis er bei den nachfolgenden Fragen ernster wurde. Am Ende blitzte auch nicht das winzigste Lachen mehr über sein Gesicht.
"Stell dir eine Schlangengrube vor, in die du steigen musst. So in etwa ist das Klima im Senat. Dabei gibt es die verschiedensten Arten von Schlangen. Die kleinen ungiftigen kommen nicht zu Wort. Ihr Geist geht völlig unter. Entweder sie sind eingeschüchtert, zerdrückt oder aufgefressen. Es dominieren die Arten der Würge- und der Giftschlangen. Bei ersteren wird dir die Luft knapp, weil sie mit ihrer Gewichtung die Senatsentscheidungen dominieren. Am unangenehmsten sind die Giftschlangen und von denen die Klappernden. So eine Klapperschlange kann nicht anders als drohen und blitzschnell zuschnappen. Eine Schlange dieser Art kann auch nicht denken, sondern wird fortlaufend von ihren niederen Instinkten mitgerissen."
Menecrates trat zu Faustus und blickte gleichsam zum Fenster hinaus. "Daher, mein lieber Faustus, geht es sowohl ruhig als auch hitzig zu. Ein Teil der Senatoren ist ruhig, weil sie nichts zu sagen haben, andere warten auf den passenden Angriff und andere mähen nieder, was ihnen vor die Giftzähne kommt. Und glaub mir, so einer Giftschlange ist das Thema gleich. Mitunter glaube ich, sie weiß gar nicht, worum es geht. Hauptsache sie kann ihre Giftzähne in Fleisch schlagen."
Er hob den Zeigefinder. "Und doch gibt es auch Positives zu berichten: Man soll es nicht meinen, aber selbst in dieser Schlangengrube gibt es einen Beschwörer. Du weiß sicher, was ich meine. Jemand, der mit sanften Bewegungen und einfühlsamer Musik selbst eine Klapperschlange zum Einhalten bringt." Menecrates blickte zu Faustus und flüsterte, als handele es sich um ein Geheimnis. "Der Kaiser!" Er nickte anerkennend und sprach in gewohnter Lautstärke weiter. "Das ist der Grund, weswegen ich mich zu guter Letzt doch für das Amt des Stadtpräfekten beworben habe."