Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Während der Liktor die Unterredung mit dem Wachmann führte, nutzte der Consul die Zeit für ein fortführendes Gespräch.
    "Du hast mich gestern gefragt, was du statt einer Amtszeit machen könntest, wenn sich die letzte Chance darauf zerschlägt. Meine Empfehlung wäre das Vorziehen eines Tibunats. Ich an deiner Stelle würde mir schon jetzt gute Argumente für das Gespräch mit dem Kaiser zurechtlegen, weswegen du - anders als es üblich ist - ein Militärtribunat vor dem Einstiegsamt des Cursus Honorum ableisten willst. Es ist ohnehin Voraussetzung für die weitere Karriere, warum also nicht die Wartezeit damit füllen. Glück gehört natürlich dazu. Nicht immer ist ein solcher Posten vakant."

    Durch Verbindungen ergaben sich Möglichkeiten, das wusste auch Menecrates. Serapio und Dives waren beide namhafte Männer.
    Er nickte zustimmend, als Livianus sich selbst und seine Haltung zu Salutatios schilderte. Gerade wegen seiner bodenständigen Art mochte er den Decimer. Vielleicht lagen auch generell Welten zwischen reinen Politikern und solchen, die zusätzlich auf eine lange Militärkarriere zurückblicken konnten.


    "Ja, der Kaiserhof macht die Lage für sie nochmals brisanter." Diese Tatsache vereinfachte nicht unbedingt die Situation. Er überlegte, was er Livianus auf seine letzte Bemerkung hin erwidern sollte, beschloss aber, sich weitgehend herauszuhalten.
    "Wir dürfen natürlich niemanden vorab verurteilen. Bisher steht nichts als eine Beschuldigung im Raum. Tatsache ist allerdings, dass sie in Kürze und aufgrund dieser Beschuldigung vernommen werden wird und es wäre ein Gewinn für die Kommission, wenn du dich an der Auswertung oder sogar der Befragung beteiligen würdest."


    Menecrates erwiderte den nachdenklichen Blick, mochte aber nicht das Zünglein an der Waage sein, das die Entscheidung in eine der beiden Richtungen lenkte.

    Da das Freundschaftsrennen die letzte Darbietung am heutigen Tag war, konnte sich Menecrates weitgehend entspannen. Er verfolgte das Rennen, aber er musste nicht fortlaufend auf die Rennstrecke sehen. Ab und an besprach er den Rennverlauf mit Faustus. Sie würden trainieren müssen, keine Frage.
    Als er angesprochen wurde, blickte er auf und erkannt einen jungen Mann. Sein Gedächtnis warf keinen Namen und auch keine sonstige Erinnerung aus.
    "Salve, das ist richtig. Um was geht es denn?"


    Während er noch rätselte, legten die Fahrer im Oval die vierte Runde zurück. Außer einigen Ansätzen, etwas an der Reihenfolge zu ändern, passierte nichts, sodass sich der Consul auf den jungen Mann konzentrieren konnte.

    Die Startaufstellung für das Freundschaftsrennen stand. Die Herolde wurden mit Ansagetafeln versorgt, um das Publikum zu informieren, während die Gespanne in die Startboxen gebracht wurden.


    "Wir bitten um Aufmerksamkeit!" Die Herolde warteten auf das Zeichen des Veranstalters, bevor sie gemeinschaftlich fortfuhren.


    "Der Ausrichter gibt gute und schlechte Neuigkeiten bekannt.
    Er bedauert, dass er die Factio Aurata ihren Fans nicht präsentieren kann. Er versichert, dass der Ausfall NICHT am fehlenden Willen der Aurata liegt, sondern an höherer Gewalt.


    Gänzlich freiwillig hat sich hingegen das Team der Albata entschieden, sich ebenfalls nicht zu präsentieren. Das eilends zusammengestellte Ersatzteam gefiel dem weißen Rennstall nicht.


    Kommen wir zu den guten Nachrichten:
    Der vakante dritte Vorlauf wird durch ein Freundschaftrennen ersetzt. Folgende Fahrer gehen an den Start, greifen aber nicht in den Wettkampf ein.


    Oxtaius - Fahrer der Veneta
    Syennesis - aktuell noch factiolos, aber nach den Ludi bereichert er das Team der Praesina
    Strabax - aktuell factiolos. Er sucht noch seinen Rennstall.
    Marsyas - Nachwuchsfahrer der Praesina


    Wir wünschen den Fahrern Glück und gutes Gelingen!
    Wir wünschen allen Zuschauern Freude beim Zuschauen!"


    Bei diesem Lauf erwischte keiner der Fahrer einen ungünstigen Startplatz, weil die jeweils äußeren freiblieben. Ein Helfer gab das Zeichen und der Consul griff es auf. Er erhob sich in seiner Loge und hielt die Hand samt Tuch nach oben.


    Als das Startsignal erfolgte, sprangen die Boxen auf und vier hochmotivierte junge Männer rangen um einen Vorteil auf den ersten Metern. Oxtaius und Syennesis lagen schnell vor ihren beiden Kontrahenten. Es bahnte sich ein Zweikampf vorn und hinten an. Beim Ende der ersten Runde hatte Syennesis die Nase vorn, aber denkbar knapp. Beim hinteren Duo lag Marsyas vor Strabax. In Runde zwei passierte etwas Spektakuläres: Der Letzte des Feldes holte auf und überholte nicht nur einen, nicht nur zwei, sondern tatsächlich sämtliche Fahrer. Auch Zuschauer, die sich sonst weniger für die Rennen interessierten, hielt es nicht auf ihren Sitzen. Sie sympathisierten mit dem Außenseiter.


    Vom Beifall getragen spornte der seine Pferde auch in der dritten Runde an. Die Tiere wirkten ausgeruht und griffen weiträumig aus. Gleiches galt für Syennesis‘ Gespann, während sich die Pferde aus dem blauen und grünen Rennstall weniger leichtfüßig präsentierten. In ihren Beinen steckte bereits ein Rennen.


    Am Ende der dritten Runde gab es folgende Reihenfolge:
    1) Strabax
    2) Syennesis
    3) Oxtaius
    4) Marsyas

    Als Vinicius das Zimmer verließ, hing Menecrates seinen Gedanken nach. Er nahm sich vor, das Thema Vater demnächst mit dem jungen Mann zu erörtern, weil Vinicius Lucianus ein mehrfach beschriebenes Blatt war. Fast klang es, als wüsste das sein Sohn nicht. Letztendlich änderte es aber nichts an des Consuls Förderung, ob Massa Wissen über seinen Vater besaß oder nicht. Oftmals entwickelten sich die Verhältnisse zum Sohn völlig anders als die zum Vater. Gracchus Minor galt als bestes Beispiel dafür.


    Eine vorsichtige Stimme riss Menecrates aus seinen Gedanken - keine, die er mit Arbeit verband, sondern vielmehr mit Familie. Er sammelte sich und blickte zur Tür, bevor ein Lächeln sein Gesicht erhellte.
    "Silana, Liebes." Wenig später verscheuchte ihr Kampf mit dem Haarband die letzten Sorgenfalten auf Menecrates' Stirn. "Eine Frechheit, was sich dieses Haarband herausnimmt", sagte er schmunzelnd. Er erhob sich und ging ihr entgegen.
    Als sie ihm offerierte, mit ihm reden zu wollen, hob er lachend die Hände und drehte sich auf dem Absatz um. "Hilfe", rief er in gespielt klagendem Tonfall, musste aber dabei lächeln. Es ging ihm gut in diesem Moment und es kam ihm in den Sinn, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.


    "Wo drückt denn der Schuh?", fragte er, während er sich wieder Silana zuwandte. Bei seiner Enkelin musste er auf alles gefasst sein und trotzdem reichte seine Fantasie selten aus, das Anliegen auch nur annähernd im Vorfeld einzugrenzen. Mit einer erheblichen Portion Spannung harrte er der Antwort.

    Menecrates fing den verdutzten Blick auf, ohne ihn zunächst deuten zu können. Sein letzter Satz beinhaltete mehrere Eckpunkte, um den Decimer ins Bild zu setzen. Lange musste er nicht rätseln, die Erklärung kam prompt und mit der Erklärung eine Mitteilung von Tragweite. Nunmehr schaute Menecrates verdutzt, weil für ihn Sergia Fausta und Livianus Provinzen gleich auseinanderlagen.
    "Das wusste ich nicht", antwortete er auf die Frage. "Sie wurde in einer Aussage belastet", erklärte Menecrates, noch immer etwas neben sich stehend. "Varia, die Rädelsführerin des Aufstandes", erläuterte er weiter und ging zur nebenstehenden Kommode, auf der Tiberius' Bericht lag. Er tippte auf die Tafeln. "Hier kannst du es nachlesen."
    Viele Gedanken schossen durch seinen Kopf, zwei äußerte er, weil sie raus mussten.
    "Jetzt bist du zumindest in dieser Sache auch teils befangen. Wir können uns alle nicht gänzlich freimachen. Wie… bist du… zu dieser Klientin gekommen, wenn ich fragen darf. Bitte sieh es nicht als Vorwurf, sondern mehr als Ausdruck meiner Überraschung.“ Einerseits Frau, andererseits Fausta.

    Zitat

    Original von Herius Claudius Menecrates
    Ein Hornsignal erklang, was auch den Letzten auf den Beginn der Hinrichtung aufmerksam machen sollte. Da Raubtiere in der Regel nicht auf ein Startsignal warteten, sondern ihre eigene Zeitplanung besaßen, richteten die Herolde schon vor dem Eintreffen der restlichen Tiere das Wort an den Consul.
    "Wir bitten den Consul Claudius die Kampfarena für eröffnet zu erklären und damit die Vollstreckung des Todesurteils zu befehlen.“
    Der Consul erhob sich. Er richtete den Blick zunächst auf den Raubtierkäfig und anschließend auf den Gittertunnel, in dem an hinterster Stelle ein Löwenmännchen mit dem Schwanz peitschte, während es die vor ihm befindlichen Menschen fixierte. Diese rückten langsam und in gebeugter Haltung Richtung Käfig vor, ohne den Blick vom Raubtier zu lassen. Haltsuchend krallten sie sich aneinander fest. Kein Schrei erklang, sie schienen innerlich erstarrt, was sich schlagartig änderte, als ein zweites Löwenmännchen aus der Dunkelheit in den Tunnel sprang. Jungtier und Altlöwe fauchten sich zunächst an, bevor sie beide nach vorn zu den aufschreienden Todeskandidaten blickten.


    Höchste Zeit für den Consul, die Freigabe zu erteilen.
    "Lege age!", sagte er, was die Herolde weiter verkündeten und das Schauspiel begann. Zuschauer grölten. Während diejenigen in Nähe des Schaukäfigs eher still und voller Erwartung saßen, erzeugten diejenigen mit schlechter Sicht einen höllenartigen Lärm. Sie konnten die Nuancen des Geschehens nicht wahrnehmen, sie benötigten bewegungsfreudige Aktionen.


    [Blockierte Grafik: https://cruxnow.com/wp-content/uploads/2016/12/Christian_Martyrs_Last_Prayer_-_Walters_37113.jpg] *
    Für Momente standen alle erstarrt: die Todeskandidaten, die Löwenmännchen und so mancher Zuschauer an der Bande. Ein Fauchen aus dem Dunkel des Tunnels riss alle aus ihrer Starre. Die Verurteilten rückten näher zusammen und die Löwenmännchen drehten die Köpfe um. Eine schwarzen Nase rückte ins Licht, bevor ein mit feinen Linien überzogener Kopf sichtbar wurde. Der Tiger verhielt den Schritt, fauchte erneut und sprang mit einem Satz ans Tageslicht. Eines der Löwenmännchen fühlte sich bedrängt und holte mit der Tatze aus. Der Tiger - ohnehin gereizt - ließ sich provozieren und griff den Löwen an. Der zweite Löwe, womöglich ein Bruder des ersten - zeigte sich solidarisch und stand seinem Gefährten bei. Innerhalb weniger Augenblicke entwickelte sich eine Balgerei zwischen den Tieren, die zu ersten Verletzungen führte.


    Helfer eilten herbei und schütteten eimerweise Wasser auf die Raubtiere. Sie sollten sich nicht gegenseitig zerfleischen, sondern ein Todesurteil vollstrecken. Während sich die einen darum kümmerten, die Tiere zu trennen, scheuchten andere die Todeskandidaten auf, um die Aufmerksamkeit der Tiere auf sie zu lenken. Peitschen sorgen für Bewegung und Schreie, was nicht unbemerkt blieb. Die drei Raubtiere ließen voneinander ab und sahen in Richtung des Käfigs.


    Langsam setzten sie sich in Bewegung und folgten ihrer Bestimmung.


    [SIZE=7]*Jean-Léon Gérôme (Französisch, 1824-1904) (Künstler) Bild Lizenzfrei[/SIZE]

    Ein Bote gab die Einladung an der Porta ab.



    Einladung


    Der Consul Claudius Menecrates veranstaltet zu den Equirria
    ANTE DIEM III KAL MAR DCCCLXVIII A.U.C. (27.2.2018/115 n.Chr.)
    ein


    WAGENRENNEN

    auf dem Marsfeld.


    Interessierte Factiones sind gehalten, bis
    ANTE DIEM V KAL MAR DCCCLXVIII A.U.C.
    (25.2.2018/115 n.Chr.)
    ihre Teilnahme anzumelden.


    Ein Fahrer darf pro Factio an den Start gehen.


    Bei weniger als fünf teilnehmen Factiones dürfen zwei Fahrer pro Factio starten und bei weniger als drei teilnehmenden Factiones sind es drei Starter pro Factio.



    Ein Bote gab die Einladung an der Porta ab.



    Einladung


    Der Consul Claudius Menecrates veranstaltet zu den Equirria
    ANTE DIEM III KAL MAR DCCCLXVIII A.U.C. (27.2.2018/115 n.Chr.)
    ein


    WAGENRENNEN

    auf dem Marsfeld.


    Interessierte Factiones sind gehalten, bis
    ANTE DIEM V KAL MAR DCCCLXVIII A.U.C.
    (25.2.2018/115 n.Chr.)
    ihre Teilnahme anzumelden.


    Ein Fahrer darf pro Factio an den Start gehen.


    Bei weniger als fünf teilnehmen Factiones dürfen zwei Fahrer pro Factio starten und bei weniger als drei teilnehmenden Factiones sind es drei Starter pro Factio.



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    Der Consul Claudius Menecrates veranstaltet zu den Equirria
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    auf dem Marsfeld.


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    Bei weniger als fünf teilnehmen Factiones dürfen zwei Fahrer pro Factio starten und bei weniger als drei teilnehmenden Factiones sind es drei Starter pro Factio.



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    auf dem Marsfeld.


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    ANTE DIEM V KAL MAR DCCCLXVIII A.U.C.
    (25.2.2018/115 n.Chr.)
    ihre Teilnahme anzumelden.


    Ein Fahrer darf pro Factio an den Start gehen.


    Bei weniger als fünf teilnehmen Factiones dürfen zwei Fahrer pro Factio starten und bei weniger als drei teilnehmenden Factiones sind es drei Starter pro Factio.



    Der Consul war sich dessen bewusst, dass die meisten anderen Consuln sicherlich weniger hilfsbereit gewesen wären und es war auch nicht so, dass er keine sonstigen Verpflichtungen hatte. Aber Menecrates war nicht so wie jeder andere und er besaß ein Herz für fast alle.

    "Dann treffen wir uns morgen am besten gleich zur ersten Stunde am Tor"
    , bestätigte Menecrates. "Über deinen Vater würde ich gern noch einmal in Ruhe und ein anderes Mal sprechen. Meine Sitzung beginnt gleich, heute schaffen wir das nicht mehr."

    Wie besprochen und zugesagt, traf der Consul am nächsten Vormittag zu zeitiger Stunde am Haupttor zum Palast ein. Als Vinicius neben ihm stand, schickte er einen seiner Liktoren vor, um mit der Wache zu sprechen.


    "Salve, der Consul Claudius Menecrates ist in Begleitung von Vinicius Massa. Er lässt bitten zu prüfen, wann der nächst mögliche Zeitpunkt für eine Audienz seines Begleiters beim Kaiser wäre. Sein Begleiter kann keinen Termin vorweisen."

    "Nichts klingt besser als neutral und unvoreingenommen", erwiderte Menecrates. "Ich selbst habe stets die Unterhaltung mit dem Kaiser im Hinterkopf, deren Inhalt ich dir besser nicht sage, damit du unvoreingenommen bleibst. Wenn es deine Zeit erlaubt, dann bleib doch gleich hier. In einer knappen Stunde beginnt die nächste Sitzung. Allerdings..." Der Consul überlegte kurz, dann fuhr er fort. "... vielleicht wäre es doch besser, wenn du zunächst die Protokolle studierst. Es sind mittlerweile viele zusammengekommen und sie sind unmöglich in weniger als einer Stunde durchzuarbeiten."


    Andererseits wollte er Livianus nichts vorschreiben. "Entscheide am besten selbst. Ich zeige dir erst einmal den Protokollstapel, samt der bisherigen Ergebnistafeln der Kommissionsarbeit sowie einem Bericht der Praetorianer."


    Menecrates führte Livianus vom Atrium in das Tablinum, das der Kommission als Sitzungsraum diente. Auf Kommoden stapelten sich mittlerweile Berge von Tafeln.
    "Zwei wichtige Zeugenbefragungen stehen noch aus: Einmal die der Rädelsführerin Varia. Sie wird im Kerker stattfinden. Außerdem soll noch Sergia Fausta befragt werden, um abzuklären, ob eine Beteiligung am Aufstand vorliegt."

    Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus Minor

    Sim-Off:

    Ich eröffne besser eine parallele Zeitebene, wie mir deucht.


    Nachdem der junge Flavius von seiner Erkundigung in der Villa Aurelia war zurückgekehrt, erstattete er dem Consul sogleich zu gegebener Zeit Bericht über das, was er in Erfahrung gebracht hatte:
    "Ich habe Aedil Aurelius aufgesucht und ihn hinsichtlich seiner Spiele bei den Compitalia befragt. Er berichtete mir, ihm sei eine Durchführung der Ludi deplorablerweise in Ermangelung adäquater Gladiatoren nicht möglich gewesen, weshalb er von der Ausrichtung zusätzlicher Spiele zu jenen der Magistri Vici absah. Als Ersatz dafür gedenkt er am Tage nach seinem Amtsrücktritt Wagenrennen zu veranstalten, nachdem er der Meinung zu sein scheint, dass du ihm die Abhaltung jener Spiele zu den Equirria nicht gestatten würdest."
    Arglos war jener Rapport formuliert, doch mit Bedacht hatte Manius Minor an dessen Ende den mysteriösen Argwohn des Aurelius gesetzt in der Hoffnung, der Claudius werde diesen unkommentiert nicht lassen, sodass Hoffnung bestand, ein wenig mehr Licht in die bisweilen obskuren Dynamiken zwischen den ersten Familien Romas zu bringen.


    Als dem Consul die Ankunft seines ihn unterstützenden Quaerstors gemeldet wurde, machte sich eine erhebliche Erwartungshaltung in ihm breit. Mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit erwartete er interessante Neuigkeiten, die ihn mit Spannung Flavius entgegensehen ließen. Als Flavius seine Ausführungen begann, lauschte der Consul mit neutralem Gesichtsausdruck.
    "Wusste ich es doch", entfuhr es Menecrates. Alles andere hätte ihn überrascht. Die nachfolgende Erklärung zum Ausfall der Spiele übertraf jedoch in ihrer Kuriosität jede Erwartung. Die Mundwinkel des Consuls bogen sich nach oben und noch bevor der Satz vollständig ausgesprochen war, begann Menecrates zu lachen.
    "Weswegen er absah", wiederholte er lachend und hielt sich den Bauch. "Tut mir Leid, Flavius", beteuerte Menecrates, dem sein Verhalten in der Tat unangenehm war, der sich aber gerade nicht zügeln konnte.
    Leider ging der Anfang des nächsten Satzes etwas im Gelächter unter, aber im Groben verstand der Consul.
    "Amtsrücktritt? Hat er Rücktritt gesagt?", fragte er - schlagartig wieder ernst. Er traute Aurelius viel zu, aber keinen Rücktritt. Einmal wieder ernst, durchdachte der Consul das Gehörte noch einmal.
    "Die Equirria will er also auch nicht ausrichten. Ob da wohl die Pferde für die Rennen fehlen?" Menecrates neigte normalerweise nicht zu bissigen Bemerkungen und die eigene Aussage reizte ihn auch fast erneut zum Lachen, weil sein Sarkasmus mehr Spott als Bitterkeit beinhaltete.


    Er lachte nochmals in sich hinein, was wohl auch das einzig Sinnvolle angesichts der Tatsache war, dass zwei von drei zugesagten Ausrichtungen ausfielen. "Manchmal frage ich mich, was Aurelius hört oder wo er hinhört, wenn andere was sagen." Er schüttelte den Kopf, dann begann er, sich die damalige Sitzung noch einmal ins Gedächtnis zu rufen.
    "Wie war das noch. Ich habe nach der Planung anderer Magistrate zu Festtagen gefragt, damit nichts doppelt läuft. Aurelius benannte drei Pläne, einer davon betraf die Equirria. Ich wollte die Wagenrennen näher erörtern, das ist richtig, weil ich selbst große Spiele mit Wagenrennen geplant hatte. So weit, so gut." Er dachte nach, dann fiel ihm der Fortgang wieder ein. "Ich habe zur Wahl gestellt, dass wir unabhängig voneinander oder auch in Zusammenarbeit, aber auf alle Fälle beide Termine mit Wagenrennen abdecken. Ja, und anschließend kam die Anmerkung, dass er mir den Vorrang lässt und ich könnte entscheiden, ganz nach meinem Belieben. Was muss ihm das zuwider sein, sich auf eine Zusammenarbeit einzulassen." Menecrates schüttelte den Kopf und erinnerte sich an ihren letzten Verbleib, um ihn anzufügen. "Er sollte mich wissen, lassen ob er die Equirria ausrichtet und versprach, dies zeitnah zu tun.
    Bleibt die Frage, was ist für Aurelius zeitnah? Heute ist jedenfalls nicht zeitnah, wenn ich den Ausfall kompensieren muss. Zumal du nur zufällig und wegen einer anderen Sache bei ihm warst."


    Trotz der ärgerlichen Situation, wirkte Menecrates nicht verärgert. Stattdessen schüttelte er erneut den Kopf, hielt sich die Stirn und konnte seine Fassungslosigkeit nicht anders ausdrücken als mit einem erneuten Grinsen. Schließlich fasste er sich.
    "Den Göttern sei Dank, ist auf dich Verlass. Ich habe wirklich großes Glück gehabt, dich als Quaestor an die Seite gestellt zu bekommen."


    "Ja, das hast du richtig verstanden", bestätigte der Konsul. "Ich denke schon, dass ich dir helfen kann und ich werde es auch tun, wenn das dein Wunsch ist." Bisher konnte Menecrates keinem jungen Mann etwas abschlagen. Er wurde nie müde, sich für andere einzusetzen. "Allerdings ist die Zeit wirklich knapp, weswegen ich fast zu einer schriftlichen Anfrage tendiere, in der du dich auf meine Unterstützung beziehen dürftest. Die Chance, am Tor sofort zum Kaiser vorgelassen zu werden, stehen weniger günstig, aber wenn es dir wichtig genug ist, würde ich dich auch dorthin begleiten. Es müsste morgens vor der Tagung der Kommission sein."
    Der Consul wartete die Entscheidung ab, dann konnte er immer noch Vorschläge für ein Überbrückungsjahr machen. Auch zum Vater des jungen Mannes sagte er vorerst nichts.

    Den ersten Redebeiträgen Iulius' und Aurelius' begegnete Menecrates noch weitgehend gelassen. Er kannte sie seit Jahren als Gegenspieler und sie fanden selten zu einer übereinstimmenden Meinung, wobei Iulius sehr höflich auftrat im Gegensatz zum Aurelier. Von Purgitius hingegen hatte er mehr erwartet. Der Consular bewirkte, dass Menecrates die Nutzlosigkeit jeglicher Bemühungen erkannte. Gegen diese Front kam ein Einzelner nicht an.


    "Senator Iulius, ich bitte das Nachfolgende nicht auf dich zu beziehen." Anschließend ließ er den Blick durch die Reihen wandern. "Hat sich der eine oder andere schon einmal gefragt, warum sich hier sehr viele Senatoren gar nicht mehr zu Wort melden? Ist vielleicht dem einen oder anderen schon einmal der vage Gedanke gekommen, dass sein Standpunkt keinen Anspruch auf Richtigkeit hat? Ich vermute nicht, denn eigene Standpunkte werden hier oft als Tatsache dargestellt und wenn sich Gruppierungen zusammenschließen, die es ablehnen, sich für andere Sichtweisen zu öffnen und außerdem mit Kritik und Bewertungen nicht sparen, versiegt der Redestrom anders Denkender. Wahrscheinlich ist das auch der Sinn und Zweck.


    Ich für meinen Teil würde jetzt gern noch die Meinung der stilleren Senatoren hören."


    Menecrates lehnte sich zurück. Er wusste noch nicht, wie er diese Sitzung weiterführen würde. Fest stand, dass er zwar seine Amtszeit anständig beenden, sich aber anschließend der Gemeinschaft der Stillschweigenden anschließen würde. Er bedauerte sehr, seinem Sohn die Kandidatur nicht ausgeredet, sondern ihn anstandslos auf die Liste gesetzt zu haben.