Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Dem Wein folgten noch Plätzchen und verschiedene Früchte und stets folgte ein Darreichungsgebet. Anders als bei der Zeremonie vor Wochen bildeten heute Opfergaben speziell für das personifizierte öffentliche Wohl einen festen Bestandteil des Voropfers. Dem folgten Opfergaben an die vergöttlichten Mitglieder der Kaiserfamilie, die einen besonderen Rahmen einnahmen. Zum Ende des zeitaufwändigen Voropfers gedachte der Consul noch dem Quellengott. Obwohl er - durch seinen Quaestor bestens unterstützt - den Hauptpart an die Arvalbrüder abgeben konnte, wollte er Fons an dieser Stelle nicht übergehen.


    Allen Handlungen voraus ging zeitig am Morgen ein Opfer an Ianus am Ianusbogen auf dem Forum Romanum. Als Gott des Anfangs und des Endes sollte er zuerst bedacht werden. Der heutige Tag stellte als erster Tag nicht nur eines neues Monats, sondern eines gänzlich neuen Jahres einen dreifachen Grund dar, dem Gott eine Gabe darzureichen und ihn an erster Stelle mit Gebeten zu wertschätzen.


    "Bonum annum novum faustum felicem!", wünschte Menecrates seinen Enkelkindern beim Aufstehen und allen seinen Vertrauten und Freunden, als sie sich beim Aufstieg zum Kapitol trafen.



    Inzwischen war der Zugang zu den Göttern auf dem Kapitol hinreichend hergestellt. Der Consul trat aus dem Tempel und ließ den Blick über den Vorplatz schweifen. Auf den Opfertieren verweilte er kurz, bevor er zu Faustus, seinem Helfer, blickte. Bei der großen Anzahl der Tiere würde Faustus sicherlich einen Teil der Arbeit abgeben. Zur Auswahl standen zwei Stiere, eines für Iupitter, eines für den Genius oder Divus des Augustus. Zwar konnten auch andere Götter gleichzeitig für das Wohl des Kaisers Opfer empfangen, aber der Consul wählte bewusst die aufwändigere Variante. Er wollte nichts unversucht lassen, um das kommende Jahr friedlicher und sicherer für alle zu gestalten als das vergangene.


    Rinder standen für Iuno, Minerva und sogar die Kaiserin bereit. Auch bei ihr wählte der Consul die aufwändige Variante, denn in der Vergangenheit stand anstelle eines Rindes mitunter nur ein Kalb oder gar kein lebendes Opfertier. Häufig wurde nur Weihrauch und Wein geopfert, was sicherlich auch genug der Ehrung darstellte, gäbe es nicht den Rückblick auf den Aufstand im letzten Jahr.


    Menecrates harrte der Vorgänge. Geputzt standen die Tiere bereits, ob sie auch schon geweiht und gereinigt waren, wusste er nicht zu sagen.

    Der Raum füllte sich, was Menecrates freute. Ihm kam es nicht darauf an, ob die Mitglieder der Ermittlungskommission pünktlich erschienen, denn die Zeitangabe war ohnehin ein wenig dehnbar. Wert legte er auf ein möglichst breites Meinungsspektrum, wenn die wichtigen Themen kamen, was sich nur dann erreichen ließ, wenn sich die Gruppe dem Maximum näherte.


    Als Octavius das Tablinum betrat, näherte sich die Abstimmung dem Ende. Der Blick des Consuls ruhte auf seinem Quaestor, dessen Wortmeldung noch ausstand. Um Octavius nicht das Gefühl zu geben außenvorzustehen, wandte sich Menecrates dem Neuankömmling zu.


    "Salve Senator Octavius. Wir stimmen darüber ab, ob sich Sklaven, Sekretäre und andere Begleitpersonen während der Tagung im Sitzungsraum aufhalten dürfen oder draußen warten müssen. Deine Meinung ist so wichtig wie die jedes anderen Mitgliedes. Wenn du für den Verbleib der Genannten stimmen willst, dann senke den Daumen. Legst du Wert darauf, dass die Kommission ohne Begleitpersonen tagt, dann zeig es an durch einen erhobenen Daumen." Zwar konnte Octavius das Ruder nicht mehr herumreißen, aber das rechtfertigte nicht das Übergehen des Senators.

    Menecrates hörte sich an, was Syennesis zu sagen hatte. Dabei befand sich sein Geduldsfaden kurz vor dem Riss. Er spürte körperlich die Entlastung, als er Faustus' Nachfrage hörte und atmete einmal hörbar aus. Das Dazwischengrätschen legte er als Anzeige des erreichten Limits bei seinem Sekretär aus. Darin herrschte bei ihnen also Einigkeit.


    Der Consul wandte den Kopf zu Faustus. "Du meist das nächste Trainingsrennen?" Er schüttelte den Kopf. Die Zeit rann davon und die beiden Stammfahrer der Factio würden sicherlich von alleine ihr Training ankurbeln können. "Wir müssen umgehend die Einladung für die Spiele fertigen. Plakate aufhängen, Einladungen rausschicken..." Menecrates merkte, dass er keine Lust zur Fortsetzung der Verhandlungen mit dem neuen Lenker verspürte. Er blickte ihn auch nicht mehr an, sondern drehte sich jetzt vollständig zu seinem Sekretär, weil ihm eine Idee kam. "Oder meinst du mit dem nächsten Rennen den Testlauf für einen anderen Neuzugang?" Obwohl ihm der Gedanke sehr gefiel, wusste er gleichzeitig, dass sein Amt nicht so viel Zeit für Factioangelegenheiten zuließ.


    "Lass uns nach Hause gehen und unsere Pflicht tun. Der Arbeitseinsatz dort lohnt sich wenigstens."

    Der spontane Besuch nahm ein zufriedenstellendes Ende. Anfänglich sah es nicht danach aus, aber es lief immer besser. Wenn sich in gleichem Maße die Erfolgsquote der Factio erholen würde, blieben kaum Wünsche offen.


    "Das ist doch ein gutes Schlusswort", erwiderte der Consul. Er blickte zu Faustus und wollte sich bereits zum Gehen wenden, dann fiel ihm noch etwas ein. Er verhielt in der Bewegung. "Nur für den Fall, dass ich den Karren in eine für den Dominus gänzlich falsche Richtung zerre, ein Brief in meine Villa genügt." Was in diesem Brief stehen müsste, führte er nicht aus. Er rechnete im Grunde mit keiner Post, wollte es aber erwähnt haben. "Vale Vetilius."


    Der Consul vergewisserte sich, ob Faustus bleiben oder folgen würde, dann schritt er zügig aus.

    Als Menecrates den Tempel betrat, brannte bereits das Feuer unter den Opferschalen. Knistern unterbrach die Stille, denn die Menschen bemühten sich, weitgehend geräuschlos zu bleiben. Der Consul verhielt den Schritt vor dem Foculus. Angenehme Wärme umhüllte seine Gestalt und schien bis ins Innerste vorzudringen.
    Menecrates ließ sich den Weihrauch reichen und gab ihn sogleich auf den Foculus. Ein Schwall Rauch entwickelte und erhob sich. Die Fetzen zogen nach oben, Wärme und Duft folgten ihnen. Die Verbindung in das Reich der Götter war hergestellt.
    Menecrates hob die Hände, die Innenflächen zeigten nach oben.


    "Iuppiter, durch das Opfern des Weihrauches bete ich ein gutes Gebet, damit du unserem Kaiser und seiner Familie günstig gestimmt bist.
    Iuno durch das Opfern des Weihrauches bete ich ein gutes Gebet, damit du unserem Kaiser und seiner Familie günstig gestimmt bist.
    Minerva durch das Opfern des Weihrauches bete ich ein gutes Gebet, damit du unserem Kaiser und seiner Familie günstig gestimmt bist."


    Eine Körperwendung nach rechts signalisierte den Abschluss des Gebetes, bevor sich Menecrates erneut Weihrauch geben ließ. Die Gabe rieselte in die Opferschale, würziger Duft stieg auf und erfüllte den Tempel. Als nächstes ergoss sich Wein in die Opferschale, zischte für Momente und entwickelte einen eigenen Duft.
    Der Consul hob die Hände.


    "Iuppiter, wie ich durch das Opfern des Weihrauches ein gutes Gebet gebetet habe, möge dir für dieselbe ehrsame Sache dieses Trankopfer angeboten werden.
    Iuno, wie ich durch das Opfern des Weihrauches ein gutes Gebet gebetet habe, möge dir für dieselbe ehrsame Sache dieses Trankopfer angeboten werden.
    Minerva, wie ich durch das Opfern des Weihrauches ein gutes Gebet gebetet habe, möge dir für dieselbe ehrsame Sache dieses Trankopfer angeboten werden."

    Obwohl Menecrates die Zeitnot drückte und er längst anderen Aufgaben hätte nachgehen müssen, fiel der Stress für einen Moment ab und er fing herzhaft an zu lachen. Er brauchte Momente, bis er sich beruhigt hatte.


    "Zeig diesen Biss auf der Sandbahn, dann kommst du weit", orakelte er, immer noch schmunzelnd, dann wurde er ernst. "Du bekommst 450 für sechs Monate und wir entscheiden, ob du anschließend übernommen wirst. Ich bezweifle, dass du von einer anderen Factio ein besseres Angebot bekommen wirst, nachdem sie über dein heutiges Abschneiden informiert wurden. Alle anderen Factiones haben mehr Lenker im Kader als wir, sie warten also nicht auf dich. Nutze hier die Chance und es soll nicht zu deinem Schaden sein."

    Kam es Menecrates nur so vor oder richteten die Arvalbrüder deutlich mehr Festtage aus als die Salii? Gut möglich, dass sich der Eindruck im Laufe des Jahres ändern würde, er würde abwarten müssen.

    "Wenn du diesen Kontakt herstellen könntest, wäre mir sehr geholfen",
    entgegnete der Consul. "Es ist mir unmöglich, mich in ausreichendem Maße um alles zu kümmern und bevor ich in Teilen mangelhafte Arbeit leiste, bin ich eher geneigt, Teilbereiche, die ich vertreten kann, abzugeben." Menecrates hob die Schulter und öffnete die erhobenen Handflächen zum Zeichen, dass seine Auslastungskapazität am Anschlag angekommen war.
    Da der Zeitpunkt für die Zeremonie kurz bevorstand, würde Flavius - kaum dass er Bericht erstattet hatte - auf dem Absatz kehrt machen müssen, um sich um den neuerlichen Auftrag zu kümmern.
    Bevor der Quaestor den Raum verließ, ergriff der Consul noch einmal das Wort.


    "Du leistest gute Arbeit", lobte er.

    Der Consul hielt sich nicht lange mit der Frage auf, ob sein Quaestor offen revoltierte oder ihn nur nicht korrekt verstanden hatte. Stattdessen folgte er Flavius' Blick und entdeckte zu seiner Überraschung Sklaven, die nicht zu seinem Personal gehörten. Wobei selbst das claudische Personal ausschließlich zu festgelegten Zeiten für das Wohl der Gäste zur Verfügung stand und ansonsten außerhalb des Tablinums verweilte.


    "Ich schlage vor, wir beginnen", sagte er gut hörbar in den Raum hinein. Während einige erst Platz nahmen und andere bereits saßen, fuhr Menecrateas fort: "Wer sich etwas verspätet, wird mit den Protokollen vorlieb nehmen müssen." Erst jetzt suchte Menecrates seinen Platz auf, blieb aber stehen, weil er einführende Worte plante.
    Er wartete, bis das Rücken der Korbsessel aufhörte.


    "Werte Mitglieder der Untersuchungsgruppe, ich freue mich über euer Erscheinen und wünsche uns ergebnisreiche Ermittlungen.
    Bevor ich einige Worte zum Ablauf des heutigen Tages verliere, bitte ich um eine Abstimmung. Ursprünglich hatte ich geplant, dass - abgesehen von geladenen Personen -
    kein Außenstehender den Sitzungsraum betritt. Das Protokoll sollte der Quaestor Consulum führen. Wie ihr seht, befinden wir uns nicht allein."
    Der Copnsul blickte zum Scriba des Quaestors. "Ich bin zwar der Hausherr, aber in diesem Tablinum regiert das Gremium. Lasst uns also abstimmen, ob Sekretäre und Leibsklaven den Raum verlassen oder bleiben sollen.
    Wer für das Verlassen stimmt, hebe den Daumen, wer für den Verbleib stimmt, senkt den Daumen."


    Der Consul begann und es wäre absurd gewesen, wenn er gegen seine ursprüngliche Planung gestimmt hätte, deswegen hob er den Daumen.
    :dafuer:

    Die vorgezeigte Münze, die Marco dem Consul beschrieb, überzeugte diesen, der Aufforderung nachzukommen und zum Sklavenmarkt zu gehen. Vertrauenerweckend wirkte auf ihn jedoch weder die Beschreibung des Boten noch der Wortlaut der Nachricht. Da der Consul aber über viele schützende Helfer verfügte und sich zudem von einigen seiner Sklaven begleiten ließ, konzentrierte er sich weniger auf die Skepsis als vielmehr auf das Grübeln, was hinter allem steckte.


    Er hatte keine Ware bestellt. Er benötigte auch keine Sklaven.
    Erst als er Prätorianer bei der Menschenansammlung bemerkte und sein Blick auf der Bühne Morrigan ausmachte, dämmerte ihm, dass Marco vermutlich die Nachricht falsch überbracht oder Menecrates sie falsch verstanden hatte. Es handelte sich nicht um bestellte Ware, weswegen er aufgefordert wurde, zum Sklavenmarkt zu kommen. Hier und heute sollte offensichtlich Morrigans Übergabe stattfinden. Allerdings machte die Situation auf ihn keineswegs den Eindruck, als könne er unverzüglich die Sklavin fortführen. Alle schienen auf irgendetwas zu warten.
    Wenig erfreut atmete der Consul hörbar aus. Hätte er gewusst, dass er Zeuge eines Schauspiels werden sollte, wäre er später erschienen. Er stellte sich in Sichtkontakt zu Tiberius Verus, ohne an ihn heranzutreten, und fixierte ihn. Die Liktoren standen reihum.

    Als die Menge zum Stehen kam, hob der Consul die Hand und bat um Aufmerksamkeit.


    "Bürger Roms und Zugereiste! Wir sind heute zusammengekommen, um an diesem ersten Tag des neuen Jahres der Götter zu gedenken, sie um ihre Unterstützung für uns alle und insbesondere für das Wohl des Kaisers zu bitten. Nur mit ihrer Unterstützung kann uns das neue Jahr Glück und Erfolg bringen sowie Sicherheit und Gesundheit bieten. Lasst uns gemeinsam opfern und beten."


    Er wandte sich zum Tempel und verharrte vor dem Wasserbecken.
    "Lasst uns reinlich vor das Antlitz der Götter treten." Während Menecrates seine Hände in das Wasser tunkte, ging ein Diener des Tempels reihum und besprengte die Anwesenden.
    Das Murmeln des Consuls mischte sich mit dessen Worten.
    "Möge dieses Wasser alle Unreinheit von meinem Körper waschen wie das Verwandeln von Blei in Gold. Reinige den Verstand. Reinige das Fleisch. Reinige den Geist. So ist es."


    Nach mehrmaligem Abwaschen ergriff Menecrates das gereichte Tuch und trocknete sich ab. Als er den Tempel betrat, folgten ihm Sklaven mit Weihrauch und Wein. Ein Teil seiner Toga bedeckte sein Haupt.

    Menecrates schwor sich, die zukünftigen Verhandlungen einer anderen Person zu übertragen. Sicherlich gab es ein Gen für Verhandlungsgeschick, das nicht jedem vergönnt war. Einkaufen mit festem Preis gefiel ihm jedenfalls sehr viel besser, weil das schnell und ohne Reden ging. Einzig als Begleitperson zum Einkaufen mitkommen zu müssen, rangierte in seiner Hitliste noch weiter unten als Verhandlungsführung.


    "Das bedeutet...", versuchte er sich mit einer Zusammenfassung. "...du bekommst 450, wenn du für die Factio Praesina zu den Ludi Palatini und jedem weiteren Rennen in den nächsten sechs Monaten startest. Je nachdem, wie du abschneidest, bekommst du eine Erfolgsprämie. Schneidest du aus unserer Sicht ZU schlecht ab, trennen wir uns von dir nach dieser Zeit. Falls wir dich behalten, bekommst du eine Festanstellung mit Gehalt entsprechend deiner Leistung.
    Der Consul hoffte, jetzt nicht noch einmal einen Burschen bemühen zu müssen, der ihm die Gehälter der letzten Jahre für Nachwuchslenker recherchiert und vorlegt.

    Sicherlich in seiner Einbildung und nicht real, aber gefühlt gelangte mit Betreten eines in ungewöhnlicher Kleidung gehüllten Mannes ein Hauch eisiger Luft ins Tablinum. Anstatt hereinzuplatzen, wählte der Mann den geräuscharmen Zutritt. Ein schwer ergründlicher Mann, wie Menecrates fand. Zuletzt hatte er häufiger mit ihm zu tun, was ihn jedoch kein bisschen schlauer werden ließ. Der Claudier fand ihn rätselhaft und gleichzeitig interessant. Für die Kommission stellte er einen großen Gewinn dar.


    "Salve, Tiberius Verus", grüßte der Consul den Ankömmling. "Die anderen Anwesenden werden sich gleich zu Beginn der Sitzung selbst vorstellen", fügte er erklärend an, weil sich zwar der Tiberier freundlicherweise selbst vorgestellt hatte, aber möglicherweise die bereits Anwesenden nicht alle kannte.


    Der Consul wandte sich an seinen Quaestor. "Flavius, das Protokollieren würde ich heute einzig in deine Hände legen wollen. Ich möchte keinen Außenstehenden in den Sitzungsraum laden und selbst bei meinem persönlichem Sekretär keine Ausnahme machen. Bei ihm vor allem deswegen nicht, weil ich plane, ihn als Zeuge vorzuladen."

    Der Consul überlegte nicht lange auf das Angebot hin. Er bevorzugte die kurzen Mitteilungswege und direkten Ansagen, was ihm schon manches Mal den Ruf einbrachte, mit der Tür ins Haus zu fallen. Zum Glück konnte ihm das jetzt und hier nicht passieren, denn sie befanden sich ja bereits im Gespräch.


    "Die Information erfolgt sofort", erwiderte er. "Sie folgt praktisch auf den Fersen." Und siehe da, ab und an gelang Menecrates eine Einleitung. "Als Quaestor an meiner Seite würde ich dich gern zum Staatsopfer der Consuln einbinden. An die Capitolinische Trias opfere ich selbst - das Voropfer und das jeweilige Hauptopfer. Wenn du dich um die Opfergaben für den Quellengott Fons kümmern und die Ansprache an ihn übernehmen würdest, wäre das sehr hilfreich." Eigentlich brauchte er nicht die Zustimmung seines Quaestors, aber auch beim Militär hörte er sich stets die Meinung seines Stabes an. "Gibt es diesbezüglich etwas, das du aus kultischer Sicht für erwähnenswert findest?"


    Mit besonderem Interesse verfolgte der Consul die Ergebnisse der Kontaktaufnahme zu den erwählten Offizieren. "Es ist nicht vorrangig wichtig, die Offiziere persönlich gesprochen zu haben", beruhigte er. "Die Hauptsache ist, sie wurden vorab informiert, was wir annehmen können." Von der gesicherten Nachrichtenübernmittlung ging Menecrates aus.

    Menecrates stand in der Nähe des Eingangs, weil er jeden Einzelnen beim Eintreten begrüßen wollte.


    "Salve Consularis Purgitius", erwiderte er Macers Gruß. "Du kannst es dir gerne schon auf einem der Sessel bequem machen oder bis zum Beginn der Sitzung im Stehen und im Gespräch verweilen. Hier und heute gibt es keinerlei Vorschriften. Zwanglosigkeit fördert nach meiner Ansicht die Konzentration und ermöglicht eine bessere Entfaltung der Gedanken." Der Consul schmunzelte, weil er sich denken konnte, dass Macer diese Aussage sicherlich sehr sonderbar fand. Vielleicht würde er später erkennen, was Menecrates damit bezweckte.


    Beim nächsten Ankömmling wurde wieder Menecrates' Militärherz bewegt. Er erkannte stets, selbst wenn der Grüßende in Zivilkleidung vor ihm stehen würde, wer militärisch geschult war und wer nicht. Er grüßte mit einem knappen und zackigen Kopfnicken zurück, bevor er sagte: "Salve..." Er überlegte kurz, wer im Rang eines Optios geladen war, dann fügte er an: "Octavius Maro." Er kannte den jungen Mann nicht von Angesicht, zumindest nicht aus nächster Nähe. Auf dem Campus Martius lagen etliche Doppelschritte zwischen ihnen.

    Bereits am Vortag wurde das große Tablinum für den geplanten Zweck umgeräumt. Es befand sich keine Kline mehr im Raum, dafür aber diverse Korbsessel und einzelne Beistelltische. Wachstafeln lagen gestapelt und zur Verwendung bereit. Griffel lagen in einer Schale. Was der kundige Villenbesucher vermissen würde, waren Skulpturen, Vasen und eine Fülle an Leckereien für den Gaumen, die sonst stets bereitstanden.
    Pausen würde es geben und sicherlich auch Speisen in diesen Pausen, aber während der Arbeit sollte niemand abgelenkt werden.


    Das Personal an der Porta bekam eine Auflistung aller zu erwarteten Gäste, sodass jedes Kommissionsmitglied am Folgetag ohne Verzögerung in das Tablinum geführt werden konnte.


    Sim-Off:

    Bitte nach Möglichkeit die Porta aussparen und gleich hier die Ankunft ausspielen. :)

    Gefühlt dauerte es Ewigkeiten, bis der Stallbursche zurückkam. Das Schweigen zwischen Menecrates und dem potentiell neuen Lenker wurde mittlerweile unangenehm, sodass der Consul erleichtert der Ankunft des Burschen entgegensah. Er nahm die Tabula entgegen und studierte die Zahlen. Neben Jahren standen diverse Kaufsummen, Hinweise auf den jeweilig erworbenen Lenker und die Factio, bei der er unter Vertrag genommen wurde.
    Er blickte auf, musterte den Lenker und vertiefte sich erneut in die Fakten auf der Tafel.


    "Tja", sagte er schließlich. "Deiner Leistung entsprechend, kann ich dir heute mit Augen zudrücken ein Angebot von 450 Sesterzen Einmalzahlung unterbreiten." Er gab die Tafel zurück und signalisierte mit einem Wink, dass der Bursche sie wieder an Ort und Stelle bringen sollte. Der drehte auf dem Absatz um und verließ die Gruppe, um in die Verwaltung zu gehen.

    Nach der zeitaufwändigen Opferung auf dem Capitol, wo Iupitter, Iuno und Minerva geehrt wurden, suchte der Consul mit einer kleineren Begleitgruppe die Tiberinsel auf. Auch dem Anti-Iupitter, dem Gott der Toten, der Sümpfe und vulkanischen Bewegungen, Vedovus oder Veiovis, sollte heute ein Opfer dargebracht werden, doch zuvor wurde noch Aesculapius in dessen Tempel auf der Tiberinsel geehrt. Der Quaestor Consulum betonte den engen Bezug beider Götter, da Veiovis auch als Gott der Heilung galt - Heilung im Sinne, dass der Tod den Leidenden erlöste.


    Die kleine Prozession steuerte also auf den Tempel des Aesculapius zu. Hier fanden Heilkräuter den Weg in den Foculus. Dem unblutigen Opfer folgte die Darreichung einer Henne, bevor der Consul, die Liktoren, Klienten und Zuschauer zum Tempel des Veiovis gingen.
    Als Opfertier stand eine Ziege bereit, die im Anschluss an das Voropfer von einem Victimarius getötet wurde. Die Geweideschau verlief zufriedenstellend, weswegen der Consul reichlich erschöpft, aber sehr zufrieden bald darauf den Heimmarsch antrat. Vielleicht würde im nächsten Jahr dieser Ritus vom Collegium Quindecimvirorum vollzogen werden. In diesem Jahr sorgte Menecrates für die Umsetzung, um sein Wahlversprechen zu halten.

    Das Jahr 115 n.Chr. begann für den Consul äußerst arbeitsintensiv. Während ihm die Toga Praetexta angelegt wurde, ging er noch einmal alle zu erfüllenden Schritte am heutigen Tage durch. Zuerst stand die umfangreiche Opferung der Consuln auf dem Kapitol an. Es handelte sich um ein äußerst ausfühliches und zeitintensives Staatsopfer in mehreren aufeinanderfolgenden Schritten. Nach dessen Abschluss und da sie einmal auf dem Kapitol weilten, wollte Menecrates zum Tempel des Veiovis gehen, denn außer den Ianuar-Kalenden lag auf dem heutigen Tag noch der Festtag jenes Gottes, der so mannigfaltige Namen trug, wie Veiovis, Vediovis, Vedius, Vedovus oder Vendius.
    Obwohl der Consul die von Flavius Gracchus recherchierte Prozedur genau einhalten wollte, glaubte er Richtiges zu tun, indem er zusätzlich zum zweiten Heiligtum des Gottes, dem Tempel auf dem Capitol ging. Abschließend blieb dann noch der Gang zur Tiberinsel, wo dem Veiovis und dem Aesculapius jeweils separat in dessen Tempeln gedacht werden sollte.


    Ohne Helfer würde Menecrates den heutigen Arbeitsaufwand nicht bewältigen. Da Jammern aber nicht in seiner Natur lag, schritt er zügig aus und traf wenig später als Tachos auf dem Vorplatz des Iuppiter-Tempels ein.

    Eine Liste erübrigte aufwändige Merkarbeit. Zwar trainierte Menecrates sein Hirn ganz bewusst, um nicht den senilen Alten nachzueifern, aber bei vielen Namen stellte eine in Schrift festgehaltene Auflistung eine große Hilfestellung dar. Er nahm sie entgegen und sagte: "Danke, das ist hilfreich." Aus Neugier überflog er die Namen, obwohl er keinen römischen Bürger und schon gar kein Bekannten darauf erwartete. Dann ruckte sein Kopf auf, weil ihm schlagartig etwas einfiel. Während er nachdachte, zupfte er am Bart und blickte auf einen imaginären Punkt.

    "Ich muss mich korrigieren"
    , sagte er schließlich. "Der erste Tag der Ludi eignet sich nicht zur Hinrichtung. Es ist ein Festtag, so wie auch der zweite. Ich kann unmöglich eine Exekution am Festtag der Felicitas oder der Iuno vornehmen lassen. Erst ab ANTE DIEM XIV KAL FEB DCCCLXVIII A.U.C. (19.1.2018/115 n.Chr.) wäre es möglich und diesen Tag wähle ich dann auch." Innerlich erleichtert, dass er noch rechtzeitig den Fehler bemerkt hatte, fuhr er fort.


    "Mehrere Straftäter bieten sogar die Möglichkeit der Abwechslung bei der Form ihrer Hinrichtung. Das muss ich noch durchdenken. Wichtig wäre mir, dass die Kandidaten bereits zur ersten Stunde ins Untergeschoss des Circus Maximus gebracht werden. Kann ich mich darauf verlassen?"