Dem Wein folgten noch Plätzchen und verschiedene Früchte und stets folgte ein Darreichungsgebet. Anders als bei der Zeremonie vor Wochen bildeten heute Opfergaben speziell für das personifizierte öffentliche Wohl einen festen Bestandteil des Voropfers. Dem folgten Opfergaben an die vergöttlichten Mitglieder der Kaiserfamilie, die einen besonderen Rahmen einnahmen. Zum Ende des zeitaufwändigen Voropfers gedachte der Consul noch dem Quellengott. Obwohl er - durch seinen Quaestor bestens unterstützt - den Hauptpart an die Arvalbrüder abgeben konnte, wollte er Fons an dieser Stelle nicht übergehen.
Allen Handlungen voraus ging zeitig am Morgen ein Opfer an Ianus am Ianusbogen auf dem Forum Romanum. Als Gott des Anfangs und des Endes sollte er zuerst bedacht werden. Der heutige Tag stellte als erster Tag nicht nur eines neues Monats, sondern eines gänzlich neuen Jahres einen dreifachen Grund dar, dem Gott eine Gabe darzureichen und ihn an erster Stelle mit Gebeten zu wertschätzen.
"Bonum annum novum faustum felicem!", wünschte Menecrates seinen Enkelkindern beim Aufstehen und allen seinen Vertrauten und Freunden, als sie sich beim Aufstieg zum Kapitol trafen.
Inzwischen war der Zugang zu den Göttern auf dem Kapitol hinreichend hergestellt. Der Consul trat aus dem Tempel und ließ den Blick über den Vorplatz schweifen. Auf den Opfertieren verweilte er kurz, bevor er zu Faustus, seinem Helfer, blickte. Bei der großen Anzahl der Tiere würde Faustus sicherlich einen Teil der Arbeit abgeben. Zur Auswahl standen zwei Stiere, eines für Iupitter, eines für den Genius oder Divus des Augustus. Zwar konnten auch andere Götter gleichzeitig für das Wohl des Kaisers Opfer empfangen, aber der Consul wählte bewusst die aufwändigere Variante. Er wollte nichts unversucht lassen, um das kommende Jahr friedlicher und sicherer für alle zu gestalten als das vergangene.
Rinder standen für Iuno, Minerva und sogar die Kaiserin bereit. Auch bei ihr wählte der Consul die aufwändige Variante, denn in der Vergangenheit stand anstelle eines Rindes mitunter nur ein Kalb oder gar kein lebendes Opfertier. Häufig wurde nur Weihrauch und Wein geopfert, was sicherlich auch genug der Ehrung darstellte, gäbe es nicht den Rückblick auf den Aufstand im letzten Jahr.
Menecrates harrte der Vorgänge. Geputzt standen die Tiere bereits, ob sie auch schon geweiht und gereinigt waren, wusste er nicht zu sagen.