Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    "Na, das hört sich doch gut an", erwiderte Menecrates und meinte damit nicht Faustus‘ Konsequenz, ausziehen zu wollen, sondern seine geäußerte Freude an der Arbeit.
    Menecrates legte ein paar Schritte zurück, während er darüber nachdachte, was er für sie beide ins Auge fassen konnte. Er dachte nicht im Traum daran, seinen Sekretär gehen zu lassen, nur weil sich die Praetorenzeit dem Ende näherte. Einen Liktor benötigte er zwar nicht mehr und es stand ihm von Rechts wegen auch keiner mehr zu, aber für einen Sekretär gab es immer Arbeit. Die verursachten alleine schon die vielen Grundstücke und Betriebe, die zum claudischen Haushalt gehörten. Die Verwaltung derselben füllte Menecrates jedoch nicht aus, zumal sie in den Händen vertrauensvoller Angestellten lag, wo sie auch hingehörte.


    Eine Patentlösung schien nicht in Sicht, aber vielleicht brachte ihn der Dialog auf Ideen. Er blieb stehen und wandte sich seinem Sekretär zu. "Ich wollte den Gedankenaustausch, um Pläne zu schmieden, Faustus. Vorab: Ein Auszug deinerseits passt in keinen meiner Pläne. Selbstverständlich habe ich Verwendung für dich und ich wäre auch schön dumm, dich gehenzulassen, selbst wenn ich kaum Verwendung für dich hätte." Er schmunzelte, bevor er weitersprach. "Ich werde also eine Beschäftigung für uns beide auftreiben, das steht schon einmal fest. Was es sein wird, muss sich noch zeigen. Ich könnte mich zum Beispiel bei den Sallii verstärkt einbringen, dort wäre aber dir der direkte Zugang versperrt. Ich könnte mich auch auf eine Belebung der Factiones konzentrieren. Interessierst du dich für Pferderennen?"
    Es würde schließlich wenig Sinn machen, Faustus gegen seine Sympathien einzusetzen.
    "Es gibt für jede Jahreszeit eine Factio. Natürlich gibt es auch noch die Möglichkeit, ein Verwaltungsamt zu bekleiden, wo wir in ähnlicher Konstellation wie bei meiner Amtszeit arbeiten würden. Oder aber wir suchen uns jeder ein Verwaltungsamt. Erstere Vorschläge sind mehr oder weniger privat und beinhalten Unabhängigkeit, letztere bedeuten Verpflichtungen. Was meinst du? Ich höre mir gerne an, was dir für dich und separat für mich geeignet erscheint."

    Zitat

    Original von Gaius Iulius Caesoninus
    Natürlich würde sich der alte Mann jetzt freuen, falls der eine oder andere bei ihm ein wenig was lernen will, nähere Infos stehen im Thread, doch ich möchte hier trotzdem nochmal betonen, dass sich dieser Kurs vor allem an die unteren Ränge des politischen Roms richtet, also Frauen, Sklaven, Freigelassene, Peregrini und arme Bürger von ganz unten.


    Lernwillig bin ich =)und wenn es nicht gerade dieses Thema wäre :no:, würde ich es sehr begrüßen, wenn etwas Wissen unters Volk gebracht wird. Lass es mich also wissen, wenn mal was anderes in der Planung ist. Wie du schon richtig schreibst, für mich und meine Familie geht das obige Thema nicht. Und selbst einen Angestellten würde ich aus dem Haus jagen, wenn ich wüsste, er kommt auf diese Abwege. :]

    Als es Klopfte, wandte sich Menecrates zur Tür. Er hätte rufen können, entschloss sich aber, selbst zu öffnen. Das tat er nicht aus übertriebener Höflichkeit, sondern weil er mehr und mehr die Bewegung suchte. Er stellte fest, mit fortschreitendem Alter rostete der Körper schneller als gedacht ein. Außerdem bekam er vom längeren Sitzen Rückenschmerzen. Diese Erkenntnis kam ihm erst seit seiner Zeit als Praetor. In keinem bisherigen Amt musste Menecrates derart viel sitzen wie im letzten Jahr.


    Mit dem Elan eines im Wochenende gefangenen Arbeitstiers öffnete er die Tür.
    "Immer herein, Faustus", begrüßte er seinen Sekretär. "Wenn du magst, kannst du dich setzen. Ich für meinen Teil habe genug gesessen, ich stehe lieber oder laufe herum." Er lächelte, während seine Hand ins Rauminnere wies. "Ich möchte heute gern ein wenig Gedankenaustausch betreiben", begann er ohne große Umschweife und Wartezeit. "Ich habe im Senat Rechenschaft über meine Amtszeit abgelegt, bis auf die Übergabe eines Rechtsfalls sind alle Akten abgeschlossen und in ein paar Tagen wird mein Nachfolger vereidigt sein. Es stellt sich für mich die Frage, was nun?" Er schlenderte zu seinem Schreibpult, drehte sich zu Faustus und fügte an: "Hast du über die Anstellung bei mir hinaus Pläne für die Zukunft? Willst du eventuell einem anderen Magistraten als Liktor dienen? Hat dir diese Tätigkeit überhaupt Spaß gemacht, sodass eventuell auch ich - sollte ich einmal das Consulat anstreben - wieder mit deiner Unterstützung rechnen kann?"

    Die Spiele stellten ungewollt für Menecrates einen Wendepunkt dar. Außerdem bildeten sie den Abschluss seiner Praetorentätigkeit - mehr oder weniger. Er wusste nicht, ob es an dem makaberen Ausgang des Events lag oder ob das Ende seiner Amtzeit, gleich wie es ausgefallen wäre, derart ernüchternd auf ihn wirkte. Menecrates fühlte sich jedenfalls ein wenig nutzlos, auch ziellos. Es gab keine Pflichten, keine Aufgaben, nicht mal zu lösende Probleme.
    Immerhin - einen glücklichen Umstand gab es: Faustus wohnte seit den Spielen unter seinem Dach. Das bot die Möglichkeit, sich mit jemand zu unterhalten, der auf ihn stets betriebsam wirkte. Denn wenn Menecrates für sich nicht bald eine sinnvolle Zielstellung auskundschaften würde, fiel ihm sicherlich die Decke auf den Kopf. Zeit seines Lebens fühlte er sich rastlos. Eingesperrt in zugegebenermaßen weitläufige Wände fühlte er sich rastlos wie ein Tiger. Das derzeitige Tageseinerlei raubte ihm jeglichen Nerv.


    Er beauftragte einen Sklaven, an Faustus' Tür zu klopfen und ihn zum Arbeitsraum des Claudiers zu bringen.

    Gleich in doppelter Hinsicht spürte Menecrates Erleichterung. Zum einen freute ihn die Diagnose des Medicus'. Zum anderen griff er erleichtert nach der Gelegenheit, die ihm die Sklavin Cara bot. Er basaß kein Talent zum Trösten kleiner Kinder und Sisennas Wünsche vergrößerten noch seine Hilflosigkeit. Ihre Mutter konnte er noch viel weniger herbeischaffen als Sassia, die aktuell bei den Flaviern festsaß. Alleine mit Sofian konnte er Sisenna ebenfalls nicht entlassen. Silana brauchte alle Kraft für sich selbst, wenn nicht sogar zusätzlich die ihrer Familienmitglieder, und seinen Sekretär konnte Menecrates weder einschätzen noch bemühen. Männer und Kinder passten für ihn nicht zusammen, weswegen auch Sabinus ausschied, der sich außerdem um Aurelia kümmern musste.
    Fast hätte der Hausherr seine Haare gerauft, wäre nicht die wunderbare Eingabe der Sklavin Cara gewesen.


    "Den Göttern sei Dank!", entfuhr ihm, während er sich erleichtert über die Stirn strich. Er sah plötzlich alle versorgt und spürte, wie ihn selbst die Kräfte verließen. Er machte zwei Schritte, stützte sich auf die Lehne des Korbsessels und sank anschließend hinein.


    "Was für ein Tag!" Er schüttelte den Kopf, dann blickte er zu Cara. "Du hast einen Wunsch frei, wenn du es schaffst, dass Sisenna friedlich einschläft und du ihr durch die Nacht hilfst, falls sie aus bösen Träumen erwacht."
    Er blickte zum Medicus.
    "Alexandros, halte dich bereit., und Sofian, du auch. Geh und gib ihren Wünschen nach, sofern es nicht wieder solche Ausflüge sind." War das nicht der Anflug eines Scherzes? Auf unterstem Energieniveau befand sich der alte Claudier wohl doch noch nicht.

    Er erhob sich, als er aufgerufen wurde. Das Gerüst der relevanten Punkte im Kopf, würde er frei formulieren und teils spontan erweitern oder kürzen. Er räusperte sich, weil all die Jahre der Übung die Aufregung zwar minimierte, aber nicht eliminierte.


    "Patres Conscripti, ich stehe heute vor euch, um über mein Wirken innerhalb der Amtszeit als Praetor Urbanus zu berichten.
    Anders als bei meiner letzten Res Gestae gibt es - abgesehen von ein, zwei Besonderheiten - nichts Herausragendes zu berichten. Weder gab es Anlass für mich, das Rechtssystem auf den Kopf zu stellen, weil es sich in der Anwendung als impraktikabel erwiesen hatte noch gab es eine übermäßige Anzahl von Klagen, um es überhaupt auf Schlüssigkeit und Vollständigkeit überprüfen zu können. Das Arbeitsaufkommen während meiner Amtszeit würde ich als durchschnittlich bezeichnen. Was ich als nicht durchschnittlich bezeichnen möchte, ist der Anteil an Beweggründen klagender Bürger, der auf Neid, Missgunst und ähnliche niedere Motive zurückzuführen ist. Dieses Ausmaß war mir bisher nicht bekannt und ich nehme es als Andenken aus meiner Praetorentätigkeit in mein Privatleben mit."

    Sollte dies der gesellschaftliche Trend sein, wollte Menecrates diese Erkenntnis mit den Senatoren teilen.


    "Meine Tätigkeit begann mit dem Einlesen in Akten, der Sichtung laufender Fälle und der Kontrolle der Chronik. Letztere befand sich nicht auf dem Laufenden. Jetzt - nach dem Ende meiner Amtszeit - ist das der Fall.
    Meinen Amtsalltag füllten in der Folge die unterschiedlichsten Klageerhebungen und auch einzelne Adoptionsanträge. Nicht allen Anträgen konnte ich stattgeben bzw. wurden einzelne Anträge auch zurückgezogen, weil nicht genug bedacht wurde, welche rechtlichen Folgen eine Adoption nach sich zieht. Auch nicht alle Klageersuchen fanden aus Sicht des Klagenden einen positiven Ausgang. In diesen Fällen fehlte entweder das Vorliegen einer Straftat, denn nicht alles, was sich unrecht anfühlt, stellt tatsächlich eine Straftat dar. Oder aber den zunächst Beschuldigten traf keine Schuld, weil er -als Beispiel - von einem dritten Involvierten gestoßen wurde, der aber während meiner Amtszeit nicht gefasst wurde.

    Eine aus meiner Sicht durchaus bemerkenswerte Klage richtete sich gegen einen amtierenden Magistrat, wofür sogar die Aufhebung seiner Immunität erwirkt wurde. Ich möchte den Namen nicht nennen, weil ich viel von amtlicher Schweigepflicht halte. Ich stehe nicht vor euch, um Personen zu diffamieren, sondern um über meine Tätigkeit zu berichten.
    Dennoch, diese Klage gehört zweifelsfrei zu den eingangs erwähnten Besonderheiten. Hier trifft der von mir - ebenfalls eingangs - erwähnte Sachverhalt zu, dass niedere Beweggründe Bürger zu Klagen treiben, denn einen Schaden konnte der Klagende bei sich selbst nicht verzeichnen. Ich habe diese Klage abgelehnt, weil ich das öffentliche Interesses an der Verfolgung dieses Vergehens als zu gering einschätze. Außerdem fiel sie nicht in meinen Amtsbereich, weswegen ich sie weiter verwiesen habe."


    Den Punkt Klageerhebungen hatte er damit abgeschlossen. Es folgten die Prozesse.



    "Die zweite Besonderheit meiner Amtszeit ereignete sich bei einer Verhandlung. Bis auf jene Verhandlungssache konnte ich sämtliche Fälle mit einem positiven Ergebnis aus Aktensicht abschließen. Die Ausnahme bildete ein Prozess, bei dem mir gleich zu Beginn Befangenheit unterstellt wurde. Dass an meiner neutralen Haltung und Entscheidungsfindung gezweifelt wurde, selbst wenn meine Familie durch Verlobung und Heirat mit der gegnerischen Seite verbunden ist, hat mich durchaus getroffen. Im Interesse einer auch im Nachhinein nicht angreifbaren Urteilsfindung habe ich trotzdem in diesem Fall um meine Ablösung als Iudex Prior gebeten. Der Kaiser hat meinem Antrag stattgegeben.
    Auch in diesem Fall sehe ich charakterlich niedere Motive seitens römischer Bürger. Das Wort Befangenheit ging einher mit haltlosen Beschuldigungen. Dergleichen Äußerungen gegenüber einer im öffentlichen Leben stehenden Person stellen sogar eine Straftat dar. Ich frage mich, wo entwickelt sich unser Reich hin? Wann haben wir die römischen Tugenden verloren?"


    Er schaute in die Runde, erwartete aber keine Antwort. Stattdessen räumte er ein: "Mir ist klar, dass diese Fragestellung nicht in einen Tätigkeitsbericht gehört. Deswegen erwähne in nun den nächsten und letzten Punkt meines Berichtes: Wie es mein Amt verlangt, habe ich am Ehrentag des Herkules an der Ara Maxima ein Staatsopfer erbracht. Weil der Ehrentag zeitnah auf die Unruhen folgte, nahmen ausgesprochen viele Bürger teil, was mich sehr gefreut hat. Herkules bereitete diese Tatsache wohl ebenfalls Freude und er nahm das Opfer an. Rom hat Sühne und Dankbarkeit gezeigt und darf nun auf ein weiteres Jahr der Unterstützung des siegreichen Gottes hoffen."


    Er ließ den Satz wirken, dann schloss er an: "Ich danke für eure Aufmerksamkeit."

    ... aus der Basilica Ulpia gab einen Brief an der Porta ab.



    Ad
    Consul Quintus Ninnius Hasta
    Haus des Consuls
    Roma




    Ehrenwerter Consul Quintus Ninnius Hasta,
    ich wähle den bürokratischen Amtsweg - den Brief, um dich zu bitten, mich bei der nächsten Senatssitzung auf die Rednerliste zu setzen. Ich kenne es zwar von meiner letzten Amtszeit noch, dass die Res Gestae auf der Rostra gehalten wird, aber das ist wohl seit Jahren nicht mehr üblich.
    Mögen dich die Götter sicher auf deinen Wegen geleiten!




    [Blockierte Grafik: http://up.picr.de/28136474nt.gif

    gez. H. Claudius Menecrates




    KAL SEP DCCCLXVII A.U.C. (1.9.2017/114 n.Chr.)

    Zitat

    Original von Sofian
    Es kam, wie es kommen musste. Besorgt eilte auch schon der Hausherr herbei und wünschte unmissverständlich zu wissen, was geschehen war. Beschämt schaute ich ihm entgegen, während er noch mit den Anwesenden sprach. Dann holte ich tief Luft und setzte zu einer Antwort an. “Die Domina hat sich in den Kopf gesetzt zum Anwesen der Tiberier hinüber zu gehen, als sie Rauchschwaden bemerkte. Wir haben uns daraufhin aus dem Haus geschlichen. Vor dem Anwesen angekommen sollte ich an die Mauer schreiben, dass sie das Grundstück oder besser den Garten zu kaufen wünscht...“ Der Bericht über diese Aktion hörte sich jetzt im Nachhinein betrachtet genauso dämlich an, wie sie gewesen war. “Dann ist sie in die Ruinen hinein und sah die Toten. Ich bin gleich zu ihr gelaufen, doch es war zu spät. Ihr wurde… ihr wurde schlecht… und dann kamen die Prätorianer.“ Am Ende meines Berichts schaute ich genau zu dem Boden, in welchem ich nun gerne versunken wäre. Unterdessen kam die kleine Domina wieder zu sich und stellte sich die Frage, ob die Toten ihre Schuld gewesen waren. Ich antwortete jedoch nicht, sondern blieb einfach nur ruhig und in mich gekehrt stehen.


    In gebeugter Haltung betrachtete Menecrates sein Mündel. Er hörte dennoch genau zu, auch wenn er den Blick nicht wandte. Während Sofian die Ereignisse schilderte, hob Menecrates ungläubig die Brauen. Sein Mündel war aus dem Haus gegangen, weil sie Rauchschwaden sah? Jeder andere hätte sich verkrochen. Löschen wollte sie offensichtlich nicht, denn was Sofian anschließend berichtete, schlug für Menecrates dem Fass den Boden aus. Er richtete sich auf.
    "Du hast WAS an die Mauer geschrieben?" Menecrates strich sich über die Stirn und anschließend über das Kinn. Eine Antwort erwartete er nicht. Zum Nachdenken kam er ebenfalls nicht, weil der Bericht weiterging. Der Anblick von Toten in der Ruine musste für ein Kind furchtbar sein. Der Claudier wunderte sich im Nachhinein nicht über Sisennas Zustand. Dass ihr nur schlecht wurde und sonst nichts, schloss er jedoch aus. Übelkeit verursachte keine Benommenheit. Es klang allerdings danach, als wäre wirklich nicht mehr passiert als der grauselige Anblick, weil Prätorianer sie umgehend nach Hause brachten.

    Menecrates schüttelte den Kopf. Vermutlich trug er eine Mitschuld. Sisenna wollte ein Grundstück für ihre Bienen und verfolgte offensichtlich noch immer diesen Gedanken. Bislang glaubte er, mit seiner Entscheidung, ihr kein Grundstück zu überlassen, richtig gelegen zu haben. Man durfte einem Kind nicht in allen Punkten nachgeben. Aber ganz gleich, was er im Hinblick auf Erziehung tat, er entschied sich falsch. Ein resignierter Atemzug hob und senkte seine Brust. Er würde sich Hilfe holen müssen, später.
    Jetzt zählte nur Sisennas Gesundheit und das Ergebnis ihres Ausflugs. Um ihre Gesundheit würde sich Alexandros kümmern, der gerade das Atrium betrat. Blieb noch das Kaufgesuch.

    "Du wirst, wenn die Straßenlage ruhig ist, dieses Kaufgesuch unleserlich machen - wegwischen, durchstreichen, was auch immer." Bei dem Gedanken, jemand alleine vor die Tür zu schicken, schauerte es Menecrates, daher fügte er an."Ich bitte um allgemeine Aufmerksamkeit." Er wandte sich wieder in den Raum und konnte gerade noch Sabinus und Lentidia erreichen.


    "Ich möchte, dass bis auf Weiteres niemand alleine das Haus verlässt. Das betrifft Familienmitglieder genauso wie Gäste." Er blickte zu Aurelia und anschließend zu Faustus. "Das betrifft nicht weniger meine Klienten, die Angestellten und auch die Sklaven."


    Er vergewisserte sich, dass auch Silana zuhörte, dann wandte er sich wieder an Sofian. "Immer zu zweit, auch auf diesem Weg zur Villa Tiberia." Er blickte zu seinem Sekretär. "Tut mir Leid, Faustus. Kannst du dich mit einer Übernachtung wenigstens arrangieren?"

    Als Silana dem Garten zustrebte, um Sisenna zu suchen, schenkte Menecrates der Unterhaltung zwischen dem Kaiser und seinem Enkel volle Aufmerksamkeit. Er stieg ein, als es um die Gefährlichkeit verschiedener Völker ging, wobei es offensichtlich nur um Germanen und Darker ging.
    Mut und Kampferfahrung auf der einen Seite, auf der anderen Organisation Koordination und Führung. Das eine kam nicht ohne das andere aus, darüber teilte Menecrates die Meinung des Kaisers. Er selbst besaß mehr Bezug zu den Germanen, weil er in dieser Provinz mehrere Jahre eine Legion befehligte.
    "Ein bemerkenswerter Schachzug und ein Kunststück zugleich, die verfeindeten Stämme Germaniens zu vereinen. Trotzdem denke ich, das reichte nicht allein. Wir selbst haben ihm in die Karten gespielt, wenn auch unbeabsichtigt und unwissend. Er besaß unser Vertrauen, wir hinterfragten nicht in ausreichendem Maße, was er trieb. Wir trauten ihm noch nicht einmal zu, dass er die Stämme einen könnte. Wir haben ihn schlicht unterschätzt und, wie gesagt, weitreichend vertraut. Ich denke nicht, dass uns das ein zweites Mal passiert. Und ich denke ebenfalls nicht, dass ihm ein weiterer vergleichbarer Sieg gelingen wird, jetzt, wo wir wachsam sind."

    Menecrates kam ein Gedanke, den er zugleich äußerte.
    "Sein Kapital, die Allianz der Stämme, ist nicht in Stein gemeißelt. Eine Allianz kann bröckeln, wenn sie untergraben wird. Arbeiten wir daran?"
    Eine ausführliche Antwort erwartete Menecrates nicht. Sie saßen hier nicht im Senat, sondern in geselliger und bunt gemischter Runde.

    Ein selbst erlebter Prozess, selbst wenn er in den Anfangsschuhen steckengeblieben war, noch bevor er richtig begann, würde sicherlich jedem im Gedächtnis bleiben, so auch Menecrates. Da er aber dem Militärprozess nicht beiwohnte, fehlte eine tragfähige Erinnerung. Das Lesen der Protokolle empfand er als anstrengend, was nicht zuletzt an dem ausgefallenen Charakter und den oft nicht nachvollziehbaren Gedankengängen des Beschuldigten lag.


    Er nickte, als sich Octavius bedankte. Dort, wo er helfen konnte, half er gern. "Ich weiß nicht, ob dir die Mitschriften mehr liegen als mir. Alles, was der Zeuge Flavius Gracchus sagte, ist mir gut in Erinnerung geblieben, weil es schlüssig war. Die relevanten Aussagen des Beschuldigten hingegen..." Menecrates zog die Stirn in Falten und atmete einmal tief durch. "Es sieht allerdings ganz danach aus, als würde sich der Beschuldigte im anstehenden privatrechtlichen Prozess vertreten lassen, was auf eine bessere Kommunikation hoffen lässt. Wenn du jemand zum späteren Reflektieren brauchst, ich wäre da."


    Im Augenblick konnte Menecrates nicht mehr helfen. Dieser Teil der Unterredung war abgeschlossen, was Octavius dadurch signalisierte, dass er auf Menecrates' eingangs angekündigte Frage zurückkam.

    "Ja, ich möchte dich als Außenstehenden um deine persönliche Meinung bitten. Ich erwähnte ja eingangs, dass der Anwalt des Beschuldigten mir das Bestreben unterstellt, in gemeinsamer Sache mit dem Haus Flavius dem Hause Germanicus schaden zu wollen. Genaugenommen stellt diese Behauptung einen Straftatbestand dar, der nach §84 Abs. 2 mit einer Freiheitsstrafe oder Geldstrafe geahndet werden kann. Ich habe noch nicht den Entschluss gefasst, Klage zu erheben, denke aber darüber nach. Einerseits möchte ich nicht kleinlich sein, aber das Hinnehmen, wenn meine Ehre auf dem Spiel steht, kann mir ebenso als Schwäche ausgelegt werden, denn offensichtlich zielen dubiose Personen während dieser Legislaturperiode gezielt auf die Schädigung von Amtsinhabern ab.
    Du bist nicht involviert, was würdest du mir anraten?"

    Noch immer floss jede Menge Adrenalin durch Menecrates' Adern, sodass er auch bei einem leeren Atrium sicherlich nicht zur Ruhe gekommen wäre. Allerdings brachte ihn das Maß an Neuigkeiten und Aufregungen, dass plötzlich auf ihn einstürmte, nah an die Grenze des Machbaren.


    Silana besaß nicht genügend Zeit, auf seine Einladung hin herzukommen, denn sein Leibwächter betrat das Atrium. Nicht nur, dass der die erlösende Nachricht über den Verbleib Sassias mitbrachte, er trug außerdem Sisenna auf den Armen, die einen entsetzlich kranken Eindruck auf Menecrates machte.


    "Sisenna!", rief Menecrates besorgt und eilte ihr entgegen. Er hoffte, auch Silana würde ihm verzeihen, dass er sie stehenließ, nachdem er bereits seinen Sekretär übergangen hatte. "Ist sie in den Sklavenaufstand geraten? Warum warst du denn überhaupt außerhalb der Villa?" Er schien nicht so, als würde das Kind in der Lage sein zu antworten. Menecrates sah zu ihrem Leibsklaven Sofian. "Was ist passiert?"


    Als er zu Sisenna eilte, kam er nicht umhin, Lentidia zu bemerken, die ebenfalls noch weitgehend neben sich stand bzw. im Korbsessel nebenan saß. "Es tut mir leid. Gastfreundschaft sieht im Normalfall bei uns anders aus, aber vielleicht", er drehte sich zu Sabinus, der genau zur richtigen Zeit eintraf, "könnte sich mein Enkel um dich kümmern." Er blickte hilfesuchend zu Sabinus.
    "Frag nicht, Sabinus. Aus dem Ruder gelaufen ist die Untertreibung des Jahres. Bitte tu mir einen Gefallen und kümmere dich schon einmal um unseren Gast Aurelia und vor allem auch um deine Schwester Silana. Sie hat einiges aufzuarbeiten. Ich bin sofort bei euch, wenn ich weiß, was mit Sisenna passiert ist."


    Seine Aufmerksamkeit galt Sisenna und ihrem Sklaven, von dem er sich Antworten erhoffte.

    "Die Protokolle der Vernehmung und der Verhandlung, die du besorgt hast, auch noch, Faustus", raunte Menecrates seinem Sekretär zu, während er die Wachstafel entgegennahm.


    Anschließend wandte er sich wieder dem Senator zu. Die Falte auf Octavius' Stirn war Menecrates nicht verborgen geblieben und sie irritierte ihn auch. Er beschloss trotzdem, sie zu ignorieren, zumal er sie sich nicht erklären konnte. Die Erklärung dazu folgte prompt.
    Als die Nachfrage kam, worum es bei diesem Fall ging, fing Menecrates an zu schmunzeln. Den Hauptteil hatte er berichtet. Alles andere stand in den angebotenen Protokollen, die bei der Vernehmung und dem Prozess angefertigt wurden.
    "So läuft das hier, Senator." Er hob die freie Hand und ließ die leere Handfläche erkennen. Die Vorbereitungen auf Verhandlungen stellten seine gesamte Amtszeit über kein Zuckerschlecken dar.
    "Ich weiß nicht, ob das zu deiner Zeit anders war, aber heutzutage bekommt man eine Klageschrift auf den Tisch oder ein Klageersuchen vorgetragen. Das Zusammensuchen von Informationen, Daten, Fakten und deren Zusammenstellung zu einem Tatbild und Hergang bleibt einem selbst überlassen. Ich kann dir gern ein paar in meinem Kopf verbliebene Eckpunkte erzählen, aber du wirst vielleicht verstehen, dass meine damalige Vorbereitung auf den Prozess schon längst von weiteren Vorbereitungen nachfolgender Verhandlungen überlagert ist. Hier jagt ein Fall den anderen. Es wird dir nicht erspart bleiben, wie ich, diese Protokolle zu studieren. Aber sieh es positiv: Dieser Fall weist den entscheidenden Vorteil auf, dass der Tathergang bereits umfänglich erörtert und festgestellt wurde."
    Ob diese Tatsache Octavius erleichtern würde, wusste nur er selbst.


    "Die ganze Angelegenheit erschien mir beim Durcharbeiten etwas wirr, weswegen es gut ist, sich einen eigenen Durchblick zu verschaffen. Es ist mir kaum möglich, das Ganze vernünftig zusammenzufassen. Wenn ich mich recht erinnere, dann hat der Beschuldigte Eigentum der Kläger beschädigt und sich unflätig benommen - gelinde ausgedrückt - als er den damaligen Magistrat Flavius Gracchus Minor auf einem Inspektionsgang zu einem Steinbruch begleitete. Der Praefectus Urbi befand den Miles Germanicus der Insubordination für schuldig. Meines Wissens ist er unehrenhaft entlassen worden. Weitere Anklagepunkte wie Meuterei und Verrat wurden fallen gelassen. Letztlich betrachtete dieser Militärprozess den Tathergang aber aus einem anderen Licht, weswegen die Kläger nunmehr privat auf Schadenersatz klagen und sich davon Genugtuung erhoffen. Die Zahl der Klagepunkte ist nicht gering."

    Er hob die Brauen, als er Octavius anblickte. "War es das, was du wissen wolltest?" Sicher war er sich dessen nicht. Er wartete ab, bevor er mit seiner Frage ein neues Thema anschnitt. Zuerst sollte das Hauptsächliche geklärt sein.

    Auf der einen Seite beunruhigte Menecrates die lange Suche nach dem Ergebnis der Organschau. Auf der anderen Seite hätte der Gott auch längst sein Veto einlegen können, denn Zeit , um dies sichtbar zu machen, war genug verstrichen. Endlich richtete sich Curtius Lamia auf und ein Wort erlöste die Anwesenden: "Litatio!" Der Friede mit Hercules war gesichert.


    Eine Last fiel von Menecrates‘ Schultern, während die Aufteilung der Fleischstücke begann. Die dem Gott zu widmenden inneren Organe, wurden in diversen Kesseln separat gekocht. Nach dem Garen wurden sie mit Mola Salsa bestrichen und unmittelbar am Altar verbrannt. Erst danach kamen die Menschen zu ihrem Recht. Das Muskelfleisch wurde in kleine Portionen geteilt und wer es wünschte, konnte gegen einen kleinen Beitrag einen Anteil erwerben. Damit demonstrierte jeder Käufer, dass er Teilnehmer dieser großen öffentlichen Opferung war. Körbchen zum Verteilen standen in ausreichend Menge bereit.

    Der Praetor erwiderte den Handgruß und antwortete: „Salve Senator, wir können alle nicht bis ins letzte Detail planen." Damit gab er zum Ausdruck, sich nicht übermäßig an der Unpünktlichkeit zu stören. Natürlich war gerade er als Praetor an einem möglichst reibungslosen Ablauf interessiert, aber Unvorhergesehenes passierte, ob er es wollte oder nicht.
    Flüchtig ging ihm durch den Kopf, dass sich im Augenblick zwei Urgesteine des Reiches begegneten, was auch nicht aller Tage geschah, dann winkte er Faustus.

    "Ich benötige die Akte zur Verhandlung IUD PRI VII/DCCCLXVII."


    Er erhob sich. Zum einen wollte er nicht ganztägig sitzen, das widerstrebte seinem Rücken. Zum anderen standen sich hier alter und neuer Iudex Prior gegenüber und nicht ein Kläger vor dem Praetor. Menecrates nahm die Akte entgegen und trat zu Octavius, bevor er sie aufschlug.

    "Es gibt Besonderheiten bei diesem Fall. Punkt eins der Besonderheiten stellt deine Berufung dar. Ich habe beim Kaiser darum ersucht, einen anderen Iudex Prior als mich zu berufen. Am ersten Verhandlungstag wurde dem Gericht ein Schreiben vorgelegt, wonach mir und dem Klägeranwalt Befangenheit unterstellt wird. Die Unterstellung - ich zitiere: versucht das Haus Flavius hier im Bunde mit dem Haus Claudius, dem ehrenwerten Haus Germanicus zu schaden - ist natürlich haltlos, zumal der Beklagte bereits rechtskräftig verurteilt wurde. Außerdem: Ich bin für Schiebereien nicht zu haben! Aber nachdem dieser Fall nicht der einzige während meiner Amtszeit ist, wo ein Flavius involviert ist, möchte ich dieses Mal meinen Namen heraushalten, um der Beklagtenseite keinerlei Grundlage zu bieten, das Urteil später anfechten zu können."

    Dass dieser Schritt auch dem Schutz seiner Familie galt, erwähnte er nicht. Er würde sich nie und nimmer in Korruptionsaffären hineinziehen lassen, nicht einmal wenn sie nur aus leeren Worthülsen bestanden.


    "Punkt zwei der Besonderheiten betrifft die erste Anhörung. Ich habe sie übersprungen. Sie scheiterte daran, dass die Kläger kein Interesse an einer gütlichen Einigung zeigen. Ich habe die Sach- und Rechtslage in einem Vorgespräch erörtert, eine gütliche Einigung war aber ausgeschlossen und ohne Bereitschaft zu einer gütlichen Einigung entbehrt eine Anhörung zu einer gütlichen Einigung jeder Grundlage." Dahinter stand Menecrates nach wie vor. Ein Ausgleich, eine Einigung zwischen Täter und Opfer, machte nur dann Sinn, wenn beide Bereitschaft zeigten und nicht nur eine Seite.

    "Nun zum Fall: Der Beschuldigte Nero Germanicus Peticus wurde bereits strafrechtlich vom Praefectus Urbi für schuldig befunden. Die Unterlagen dazu kann ich dir zur Verfügung stellen. Es sei denn, du möchtest das Abholen der Akten in der Castra mit einem Informationsgespräch verbinden." Er blickte hoch, um eine Reaktion zu erhaschen, dann las er weiter vor, denn die Namen aller Beteiligten sämtlicher Prozesse merkte er sich nicht.
    "Die Kläger, Tiberius Aquilianus Privatus und Numerius Apustius Carbonius streben nun noch eine privatrechtliche Verurteilung an. Im Einzelnen lautet die Anklage auf: §76 Körperverletzung §81 Nötigung und Bedrohung §83 Beleidigung §84 Üble Nachrede §85 Sachbeschädigung §114 Amtsanmaßung.
    Der Beklagte wird von Aemilius Sabinus Varus vertreten, die Kläger von Caius Flavius Scato."


    Wieder schaute Menecrates auf, dann fuhr er fort.

    "Die Akte zu dieser Hauptverhandlung ist nunmehr geschlossen. Ein neuer Monat verändert das Aktenzeichen, aber wem erkläre ich das? Du weißt ja bestens Bescheid. Hast du noch Fragen?
    Eine Frage habe ich meinerseits noch an dich."

    Der Praetor ordnete gerade die zutreffenden Paragraphen einer schriftlichen Anzeige zu, als ihm der Besucher gemeldet wurde. Zunächst beendete er den angefangenen Vorgang, dann wandte er sich an den Gerichtsdiener.

    "Schick Senator Octavius herein und informiere die angemeldeten Bürger, wenn sie eintreffen, dass ihr Anliegen ein wenig später als vorgesehen von mir gehört werden wird." Die Übergabe dieser Verhandlungssache wollte Menecrates erledigt wissen, je schneller umso besser.

    Obwohl Menecrates heute lange genug auf den Beinen stand, verspürte er nicht das Bedürfnis, sich zu setzen. Getrieben von Unruhe und im Bestreben, die Eindrücke zu verarbeiten, vergaß er sogar, Faustus einen Platz anzubieten. Stattdessen hörte er aufmerksam dessen Schilderung zu, hob zwischendurch die Bauen, reagierte mit einem besorgten "Hmm" oder schüttelte den Kopf.

    "Ich hätte auf dich hören sollen"
    , gab er anschließend zu. "Ich habe den Aufruf auf die leichte Schulter genommen." Er atmete einmal tief durch, dann fiel ihm auf, dass sein Liktor ja zur Familie Helvetius gehörte. "Tja, wo bei den Göttern schläfst du denn jetzt?" Die Frage erwartete allerdings keine Antwort von Faustus, denn Menecrates wusste sie selbst.
    "Selbstverständlich kannst du unter meinem Dach wohnen. Das kannst du ohnehin, also auch unabhängig von der augenblicklichen Situation. Meine Amtszeit nähert sich dem Ende. Bisher haben wir uns täglich in der Basilica gesehen. Zukünftig müsste ich umständlich einen Boten zu dir schicken, wenn ich meinen privaten Sekretär brauche. Was meinst du? Platz genug haben wir, der Komfort ist auch nicht der schlechteste." Das wohl erste Lächeln nach den schrecklichen Ereignissen erschien auf Menecrates' Gesicht bei dieser Untertreibung des Tages.


    In diesem Moment gewahrte er Silana. Er blickte zu ihr, zu Faustus zurück und dann wieder zu ihr. "Silana, mein Kind", empfing er sie schließlich, obwohl er nicht ausdrücken wollte, dass ihm Faustus' Antwort unwichtig war. "Wie geht es dir?" Er streckte seinen Arm aus und lud sie ein, näher zu kommen.

    Der Praetor wandte sich zum Altar und berührte ihn, bevor er sich wieder der Menge zuwandte und beide Handflächen hob. Sein Blick suchte sich einen Punkt ein Stück über dem Horizont.
    "Hercules, Sohn des Iuppiter, heute ist dein Tag! Deine Macht und Kraft hast du schon unzählige Male unter Beweis gestellt: Du halfst die Giganten zu besiegen, die den Olymp belagerten, du befreitest Prometheus von seinen Qualen und du lockertest die Fesseln der Titanen im Tartaros.
    Weil es recht ist, am großen Altar für dich zu opfern, um dieser Sache willen mögest du geehrt werden durch diese Festopfer. Weil es recht ist, erbringe ich dir im Namen aller Bewohner des Reiches diese Festopfer. Durch das Opfern dieser Tiere bete ich ein gutes Gebet, damit du uns allen günstig gestimmt bist."


    Der Weg für die Bitte war bereitet. Sie sollte jedoch eingebunden in Dank und Sühne sein.


    "Wie jedes Jahr erbringen wir Menschen dir unseren Dank, zeigen Ehrfurcht und leisten Sühne. In diesem Jahr bitten wir außerdem um deinen Schutz, mächtiger Hercules.
    Das römische Reich, viele seiner Bürger und Zugereisten haben in den letzten Tagen in Dankbarkeit göttlichen Schutz erfahren können, als Unruhen in Mord und Totschlag mündeten. Wir sind uns dessen bewusst, dass wir sühnen müssen, denn nicht ohne Grund sucht uns solche Zerstörung heim.
    Bitte gewähre uns weiterhin deinen Schutz, auf dass wir diese Unruhen überstehen und niederringen können. Siegreicher Hercules, schenke uns deine Aufmerksamkeit, Hilfe und Kraft, sodass auch wir siegreich aus allen Unruhen hervorgehen. Deinem göttlichen Vorbild gleich, wollen auch wir nicht weniger als du selbst mit dem Einsatz unseres Lebens Friede und Glück erlangen, um im nächsten Jahr erneut deine Macht und deinen Schutz zu preisen."


    Menecrates senkte die Arme. Der Zeitpunkt der Opferung war erreicht.

    Dem Wein folgten noch Plätzchen und Früchte - jeweils von einem Darreichungsgebet gefolgt.
    Als Menecrates wieder den Vorplatz betrat, empfing ihn die würdige Stille der Anwesenden. Unterbrochen wurde sie einzig von dem Klang der Doppelpfeifen. Da nun das blutige Tieropfer am Altar auf dem Vorplatz anstand, setzten zusätzlich Lauten ein, um sowohl die Tiere ruhig zu stimmen als auch möglichen Stadtlärm zu überdecken. Weitgehend ruhig standen die beiden Opfertiere. Bewegen konnten sie sich ohnehin nur begrenzt, die Seile und Ketten ließen es nicht zu. Der Helfer in Kopfhöhe tat sein übriges.


    Die Vorbereitungen für die Opferung setzten mit der Consecratio ein. Mit einer Mischung aus Salzlake und Dinkelschrot wurde zuerst das Rind - im Nachhinein das Schwein - dem Gott Hercules geweiht. Bestandteil der Weihung war außerdem ein Schwapp Wein über den Kopf der Tiere. Gleichzeitig wurde ihnen der Schmuck abgenommen.
    Während Menecrates abwartete, bis der Opferstecher mit seinem Messer vom Kopf bis zum Schwanz der Tiere strich und sie symbolisch entkleidete, formulierte der Praetor in Gedanken bereits sein Gebet, was er im Anschluss und vor dem eigentlichen Akt der Opferung vortragen wollte.

    Häufiger kam es im Leben anders als gewünscht oder gedacht und so auch heute für Faustus. Ein Sklave huschte schneller als Marco sehen konnte zu den Räumen des Hausherrn und meldete die Ankunft seines Privatsekretärs Faustus.
    Menecrates erschien kurz darauf im Atrium - gewaschen und mit neuer Tunika bekleidet. Die Flucht aus der Arena lag noch nicht lange hinter ihm. Zwischenzeitlich meldeten ihm Sklaven die brennende Villa Tiberia, aber dem konnte er bisher kaum Augenmerk schenken, weil er sich selbst sortieren musste. Es folgten Anweisungen für den Ianitor und die Sklavenschaft.


    "Bei den Göttern, Faustus. Was für Zeiten!", empfing er seinen Liktor und Sekretär. "Wie sieht es denn auf den Straßen aus?"


    Er ging auf Faustus zu und drückte ihm den Unterarm. Eine möglicherweise etwas überschwengliche Geste - geschuldet dem erlebten Desaster bei den Ludi und den durchstandenen Ängsten während der Flucht, vor allem um seine Enkelkinder, weniger um sich selbst.