Aufgeregt war Valeria schon bald nach der Ankunft zum Stall gelaufen. Sie wollte Alfidia und Nigidius besuchen. Vor dem Stall blieb sie stehen und kam erst einmal zu Atem. Dann zog sie langsam die zugegebenermaßen recht schwere Tür auf und trat durch den schmalen Spalt in den Stall. Sofort umgab sie der Geruch nach Heu und Pferd, zusammen mit raschelnden Lauten und wenig Licht. Valeria schloss die Augen und sog die Luft in ihre Lungen, bis sie beinahe bersten wollten. Dann öffnete sie ihre Augen wieder und atmete langsam aus. Gemäßigten Schrittes ging sie hinüber zum Stall, in dem Alfidia noch vor wenigen Monaten eingestanden war, doch er war leer. Enttäuscht sah Valeria in den leeren Stall hinein. Hoffentlich gab es eine einfache Erklärung für das Verschwinden der Braunen mit der Blesse, dachte sie. Nur zu gut konnte sie sich daran erinnern, wie ihr die Stute damals durchgegangen war und Maximian sie hatte retten wollen. Liebevoll lächelte Valeria in den Stall hinein, der im übrigen nicht beschmutzt, sondern vollkommen sauber war und absolut unbenutzt wirkte. Die junge Decima schluckte und wandte sich um. Lieber wollte sie nicht daran denken, was das vielleicht bedeutete.
Stattdessen wandte sie sich um und trat zu dem großen, dunklen Hengst heran, der sie aus sanften Augen über die niedrige Tüer hinweg betrachtete. Wenigstens Nigidius war noch hier, dachte sie. Valeria hob die Hand und fuhr dem Pferd über die Sitrn.
"Na mein Guter, wo hast du denn meine Kleine gelassen, hm?" murmelte sie. Der Hengst schnaubte und senkte den Kopf, damit er Valerias Streicheleinheiten besser genießen konnte. Diese lächelte und fuhr damit fort, den großen Schwarzen zu streicheln und sanft mit ihm zu reden.