Schon von Anbeginn des Tages wurde damit begonnen das Atrium in einen verzierten Saal zu verwandeln. Dabei wurde Wert auf Alles gelegt. Die Gäste sollten bequem liegen, sie sollten genügend Raum haben. Die Möglichkeit nach dem Essen ihre Gesprächspartnerschaft zu verlagern. Sie sollten gut einander hören können, aber auch in der Lage sein Einzelgespräche zu führen. Außerdem mußten die Tische so gestellt sein, das jeder mit normalen Armlängen an seinen Teller kam.
Fast doppelt soviele Sklaven, wie Gäste würden an diesem Abend nur zum Bedienen abgestellt. Ein weiteres Dutzend war mit Auftragen beschäftigt und nochmal soviel zauberte in der Küche. Der Hausherr hatte sich ein ganz besonderes Mahl zur cena vorbereiten lassen. Es würde am späten Nachmittag beginnen, etwas über vier Stunden brauchen, um sich dann im anschließenden comissatio zu verewigen.
Cena et Comissatio de Senator Germanicus Avarus
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Historie:
Anders als bei den Griechen, die ihr symposion zum Speisen und Trinken nutzten, begann man bei den Römern mit der cena (Hauptmahlzeit). Sie begann bereits am Nachmittag, je nach Repräsentationsbedürfnis des Gastgebers oder Gelegenheit zog sie sich manchmal über Stunden hin. Sie ging dann zumeist ohne scharfe Trennung in die comissatio (Trinkgelage) über. Die Cena kam genauso wie das Gelage ohne den Anderen aus. Üblicherweise blieben die Gäste aber bei einer angesetzten Speis- und Trankrunde die Selben. Es war aber allerdings auch nicht ungewöhnlich, das neue Gäste zum Gelage hinzustießen, die von zu Hause oder einer anderen cena kamen.
Das Essen diente auch als Grundlage für das, was bei der comissatio verdrückt wurde. Der Weinkonsum war nicht unerheblich, wenn auch wie römisch typisch stark verdünnt wurde. Als Übergang zwischen der Cena und dem Trinkgelage, diente der secundae mensae (Nachtisch). Zwar konnten kleinere Häppchen auch während der anschließenden Runde zu sich genommen werden, das große Buffet wurde jedoch abgeräumt und der Boden gereinigt. Man ließ sich die Hände waschen oder tat es selbst und blieb auf den Speisesofas (lecti) liegen. Schon das Abendmahl war von Bequemlichkeit und legerer Kleidung geprägt, ein Umkleiden war demnach nicht notwendig.
Man setzt den Zeitpunkt des Beginns mit dem Anlegen von Kränzen und wohlriechenden Salben gleich. Üblicherweise bestanden jene Kränze aus Efeu, Eppich oder einem Mix aus Veilichen, Lilien und Rosen. Jener wurde als Mytenkranz (coronae convivales) bezeichnet. Sie wurden um den Kopf gelegt. (cum regnat rosa) "wenn die Rose regiert" war geradezu ein Synonym für ein Trinkgelage.
Gleichzeitig dazu wurden oftmals Salben (unguenta) auf Hände, Gesicht, Bart und Haare aufgetragen, bis sie vor wohlriechendem Öl geradezu trieften und "bei Wein die kranzumflochtenen Locken hell von syrischer Salbe schimmerten." Neben dem durchaus angenehmen Geruchspotenzial hatten diese Salben einen viel pragmatischeren Sinn: Lag man zu dritt auf den Klinen, pokulierte kräftig und sich die Körper deutlich erwärmten, halfen sie dabei den "stinkenden Bock" im Griff zu halten, der sich sonst bei all zu engen Beisammenliegen zu melden drohte.
Das Trinkgelage galt vielerorts als Raum der Muße (otium). Es gibt dafür keine schöneren und stimmungsvolleren Belege als die Trinklieder des Horaz. In welchen er seine Freunde zum nächtlichen Trinken einlädt. Tatsächlich tauchte man hier in eine möglichst entspannte Freizeitwelt ein, von der die vielen negotia und officia des Tages, der Stress der "Aufgaben und Verpflichtungen", ausgeschlossen blieben. Ebenso Sorgen und Kummer, die evtl. die Seele belasteten. Der Gott Bacchus wurde als Lyaeus verehrt, als Sorgenlöser und Freudenspender.
Jedes Gelage wurde von Regeln begleitet. Das Grundgesetz bestand aus dem Leitspruch: "aut bibat aut abeat" ("entweder trinken oder weggehen") So wurde zu Anfang ein Trinkkönig bestimmt,meist durch die Würfel. Er legte die Mischungsverhältnisse von Wein und Wasser fest. Außerdem schrieb er die Anzahl der cyathi (Trinkeinheiten a 0,045l) vor, die jeder in einem Zuge zu leeren hatte. Das Geheimnis eines langen Trinkgelages bestand in einem Mischungsverhältnis, bei dem sich der Wein dem Wasser deutlich unterzuordnen hatte. Zwei Teile Wein auf fünf Teile Wasser waren schon ein defftiger Trunk. Ein Verhältnis von 1:2, 1:3 und sogar von 1:4 waren nichts ungewöhnliches. Mit dem voluminösen Mischkrug (crater) wurde zudem sicher gestellt, das die Anweisungen des Trinkkönigs Bestand hatten.
Er hatte diktatorische Vollmachten- selbst wenn er verrückte Gesetze aufstellte. die wohl garnicht zu selten vorkamen. Dazu gehörten "Ex!" Befehle, die sich meist auf zwei oder vier cyathi (0,09 bzw. 0,18l) bezogen. Sechs cyathi, ein guter Viertelliter war schon eine mächtige Herausforderung. Das ein sextarius (0,55l), auf nüchternen Magen auf Ex geleert, "wieder hoch kommt (...) und Bäche sich über den Marmor ergießen", will man gerne glauben.
Neben dem allgemeinen Weingenießen, war das alltägliche Gespräch wichtiger Bestandteil eines comissatio. Waren Philologen odr Philosophen in der Runde, konnte der Laune der Anderen schnell den Nullpunkt erreichen. Sie neigten zu ebenso pedantischen, wie abstrakten Darlegungen, die deutlich mehr ihrer eigenen Selbstdarstellung dienten als der Unterhaltung der übrigen Gäste, und waren deshalb als Langeweiler und Stimmungsvermieser gefürchtet. Wen intressierte schon der hundertste Aufguss einer Ilias Interpretation?
Drohte die Konversation fade zu werden oder zum erliegen zu kommen, waren Rätsel und Wissensfragen eine gute Möglichkeit für den "Trinkkönig", die Zecher bei Laune zu halten. Falsche Antworten oder Nichtlösung eines solchen Rätsels zog Bestrafungen nach sich. Der Schuldige mußte entweder eine Ration unverdünnten Weins auf Hieb trinken oder bekam ein Gemisch aus Meerwasser und Wein gereicht.
Neben dem gab es noch die "Zockerrunden" oftmals war das Gelage mit dem Glücksspiel nicht trennbar. Es wurden neben den Würfeln auch Brettspiele getätigt. Half all das nicht die Runde vor dem Schlafe zu retten, dann halfen immernoch unanständige Lieder.
Waren zu Beginn diese Gelage den Männern vorbehalten, änderte sich dies zur Kaiserzeit. Zwar leuchtete das Verbot ein: Die enthemmende Wirkung des weines und die Unzuverlässigkeit der Frau -sie galt als Levis, als "charakterliches Leichtgewicht", "leicht zu beeindrucken" - erschien als erhebliches Risiko für ihre Keuchheit. Eine Wein trinkene Frau machte sich in dieser Vorstellung geradezu einer sexuellen Grenzüberschreitung schuldig. Doc wurde es stehtig umgangen, um schließlich weder von den frauen eingehalten zu werden, noch von den Männern bedacht. Auch so blieb das Gelage eine vornehmliche Männerdomäne. Trotzdem waren Frauen immer mehr willkommen. Sei es die Dame des Hauses, oder weibliche Begleitungen.
Nicht selten waren dabei Aufforderungen nötig, um die Gäste ihrer Lüsternheit zu berauben. In Pompej ließ ein Hausbesitzer dicke Letter auf die Wände malen:
"lascivos voltus et blados aufer ocellos
coniuge ab alterius, sit tibi in ore pudor!"
(Lüsterne Miene und begehrliche Blicke wende
von der Frau eines Anderen ab, züchtig sei deine Rede)
Am Abend bittet nun der Hausherr zu Tisch, es soll keinem etwas fehlen. Dafür wurde schon Wochen vorher auf den Märkten dieser Welt gesorgt. Möge es ein Anbeginn werden, der seine Nachahmer sucht. Möge es ein Abend werden, an den sich der Eine oder Andere gerne erinnert. Zumindest solang wie er der nächsten comissatio fern bleibt.
