Ein Morgen wie jeder Andere. Seit Avarus in Rom zurück war, trieb ihn der Straßenlärm früh aus dem Bett, ein Essen und wenige Augenblicke später mußte er aus dem Haus hatzen. Doch heute war er faul. Blieb einfach liegen und wurde erst durch den Türsklaven geweckt. Jener kam aufgeregt in sein Cubiculum gerannt. Ohne Anstand natürlich und mit lauten sich wiederholenden Sätzen: "Herr, die Dame hat euch geschrieben! Herr wacht auf, die Dame... sie schickte eine Tabula... Herr, Herr."
Mit tiefen Grummeln erwachte der Hausherr, raunzte um sich und zog die Decke bis weit über die Ohren.
"Aber Herr.... die Dame!!!"
Sein Seufzten war tief, solangsam wurde er wach und rieb sich über die Augen. Der Blick konnte töten, doch er wanderte vom Gesicht des Sklaven, das in ein purpurnes Rot getaucht war, nach unten auf die Tabula.
"Gib schon her!"
Das Öffnen verlief monoton.
Liebster Medicus,
Verzeih mir, dass du so lange nichts von mir gehört hast. Meine Reise hat ein wenig andere Bahnen genommen, als ursprünglich geplant, doch nun bin ich wieder in Italia. Es geht mir gut und ich werde bald wieder nach Roma kommen.
In Liebe,
deine Lucilla
Das Lesen dauerte etwas länger, denn Avarus tat dies viermal. Dann blickte er auf. Die Augen schwenkten durch den Raum, zurück zum Sklaven und zurück auf die Zeilen. Dann lickte er erneut auf und zog die Stirn in Falten.
"Sie war da und hat die Casa nicht betreten?"
"Nein Herr, ein Bote brachte diese Tafel und ich kannte ihn nicht."
"Und da hast du dir gedacht, frag einfach mal nicht nach wo sie steckt?"
Seine Hände schlugen auf die Oberschenkel, die Tabula sackte dabei auf das Bettlaken.
"Verdammt! Wir machen uns größte Sorgen und ... und sie, sie ... verdammt!
Er sprang aus dem Bett, die alten Knochen knackten dabei. Doch der Schmerz war ihm egal.
"Du hast den Boten doch in die Culina gebeten und ihm was zu Trinken angeboten, er ist doch noch da?"
Äohm... nein Herr, der Kerl hatte es eilig und verschwand sofort wieder."
Die Augen des Senators wurden groß, er atmete merklich aus.
"Sie hält mich zum Narren oder wie? Sie sollte wissen, das halb Italien nach ihr sucht und ganz Germanien dazu. Meine Güte! Ich sollte wissen w sie steckt, ich sollte zu ihr eilen, aber ich kann es nicht, weil du Depp nicht fähig bist den Boten zu befragen. Raus aber schnell!"
Der Griff ging instinktiv zur Kanne. Der Wein war vom Vorabend übrig geblieben. Ein Becher schnell gefüllt. Ebenso rasch geleert. Einen Weiteren goss Avarus sich nicht ein. Stattdessen würgte er und verzog das Gesicht. Wenigstens darin hatten die Sklaven Übung und brachten ihn gerade frisches Wasser und eine kleine Kanne gekühlten Wein. Diese beiden vermischt, sog er ein, um sich dann mit starren Blick auf sein Lager zu legen. Lucilla lebte also, ihr ging es gut und sie war in Italia....