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    Natürlich ließ die Antwort auf Sarahs Widerstand nicht lange auf sich warten. Bei jeder noch so kleinen Bewegung spürte sie den Druck, der buchstäblich auf ihren Schultern lastete. Und auch obwohl sie ängstlich zurückwich, als der Centurio sich zu ihr hinüber beugte und sie anschrie, blieb sie dennoch standhaft. Das war zumindest ihr Plan gewesen. Natürlich konnte sie noch nicht ahnen, was er und seine Leute noch alles gegen sie aufbieten wollten. Doch sie hoffte, für alles gewappnet zu sein und versuchte, in ihrem Glauben die nötige Kraft zu finden.


    Was allerdings nun geschah, hätte sie sich wohl kaum in ihren ärgsten Träumen vorstellen können. Der Centurio machte eine Geste zu einem seiner Soldaten und nur wenig später, schleifte man einen stark abgemagerten Mann, der in seiner schmutzigen verschlissenen Tunika wie der Schatten seiner selbst wirkte. Sein Gesicht war eingefallen und sein Haar wirr und struppig. Auch war ihm mittlerweile ein Bart gewachsen, der ihn nun wie einen alten Mann aussehen ließ. Doch sie erkannte diese Augen wieder. Auch wenn sie leer schienen, da sie jegliche Hoffnung verloren geglaubt hatten. Das war Evander, oder zumindest das, was von ihm übrig war. Dass er hier so lange überlebt hatte, sprach für seine Zähigkeit.


    „Evander! Was macht ihr mit ihm?“, rief Sarah und wollte schon aufstehen, doch der feste Druck des Soldaten hinter ihr, ließ ihr keine Chance dazu. Auf ihr Rufen hin, hob der Gefangene kurz seinen Kopf und schaute zu ihr. Ein kurzes Aufflackern in seinen Augen war zu erkennen. „Sag ihnen nichts, Sarah!“ krächzte er mit rauer Stimme, bevor er schließlich auf die Anweisung des Centurios hin, an den Eisenringen, die im Mauerwerk verankert waren, gefesselt wurde.

    „Bitte lasst ihn doch! Seht ihr denn nicht, dass er schon fast halbtot ist? Habt doch Erbarmen mit ihm!“, bat sie den Centurio und blickte ihn eindringlich an. Dass ihr Appell hier eindeutig an der falschen Adresse war, hätte sich Sarah denken können. Die Urbaner waren wohl die Letzten, die für einen ihrer Gefangenen so etwas wie Erbarmen aufbringen konnten.


    Schließlich wurde dann recht deutlich, nach welchen Regeln dieses Spiel nun laufen sollte. Sarah wollte Erbarmen, der Centurio Antworten. Quid pro quo.
    Die junge Frau stand nun unter einem enormen Druck. Was sollte sie tun? Evander retten aber dafür dann die ganze Gemeinde gefährden?
    Selbst dem Gefangenen, der nun an der Mauer hing, war Sarahs zögern aufgefallen. „Sag ihnen nichts, Sarah! Sie werden alle…,“ ermahnte er sie noch einmal. Jedoch ein klagender Seufzer beendete sein Aufbegehren, nachdem ihn einer der Soldaten zum Schweigen gebracht hatte.
    Sarah war den Tränen nahe, doch sie wusste, dass Evanders Schicksal besiegelt war. „Von mir erfährst du nichts!“, war deshalb ihre Antwort

  • Erbarmen sollte er haben … dabei war dieser Evander doch genau die Sorte Leute, die sie an ihn verraten hatte. Vermutlich hatte sie nie vollkommen auf ihrer Seite gestanden. Natürlich nicht, kam es ihm. Wieso sollte sie sich auch voll und ganz auf die Seite derer stellen, die von ihrer gesamten restlichen Gemeinschaft als Feinde gesehen wurden? Und genau deshalb war sie auch hier, weil er es geahnt hatte. Dennoch war sie es, die noch andere diesem Schicksal zuführen würde, selbst wenn sie es nicht wollte, denn selbst wenn sie entgegen aller Erwartungen nichts mehr sagen würde, die Gruppe um den Perser würden sie sich auf alle Fälle holen.
    "Keine Sorge, er wird nicht sterben", meinte Avianus nur und überließ es Sarah, seinen Kommentar zu deuten. Sein Dienst damals bei den Prätorianern war hier durchaus von Vorteil. Da lernte man, wie man bei Verhören und Folter vorgehen musste, ohne den zu töten, der einem eine Antwort schuldig war. An Evander stellte er keine Fragen, dem würde er nämlich kein Wort abkaufen und der wäre schon einmal bereit gewesen für seine Sekte bis zum Äußersten zu gehen. Heute war es also zwar etwas anders, denn seine Fragen richtete er an Sarah, aber er hatte sehr wohl sein Interesse daran, dass Evander länger als nur ein paar Minuten lebte. Er war eben ein Mittel zum Zweck, um sie einzuschüchtern, ihren Willen zu brechen, ihren Glauben aufzugeben …
    Oh, sie würde reden, und wenn er sie tagelang bearbeiten musste. Wenn es jedoch schneller ging, wäre er dem allerdings ebenfalls nicht abgeneigt. Er ging um den Tisch, trat hinter Sarah, während der Soldat ihm Platz machte, packte sie hinten am Kragen der Tunika und drückte sie hinunter, sodass ihre Wange auf die Tischplatte lag und sie den Blick nicht mehr abwenden könnte, es sei denn natürlich sie schloss die Augen.
    "Miles Carnulius, die Tunika!", ging ein knapper Befehl an den zweiten Soldaten, der seinen Pugio zückte, den Rücken des Christianers auch vom letzten Rest zerschlissenen Stoffs befreite und wieder zurücktrat. "Miles Axius ... Bis ich halt sage."
    "Verstanden, Centurio." Mit zusammengepressten Lippen holte der dritte Soldat zum Schlag mit der Peitsche aus, die klatschend auf den nackten Rücken traf. Avianus schwieg, also holte der Miles erneut aus und ein weiterer Schlag hinterließ sein Mal auf dem Rücken des Christianers. Avianus blickte von Evander hinab zu Sarah und wieder zu dem gefesselten Mann. Vollkommen wohl war ihm nicht … war ihm im Carcer nie, seit dem Erlebnis mit der Asche … aber er hatte schon weitaus schlimmeres mitansehen müssen als die Auspeitschung eines Gefangenen.
    "Was meinst du, sollen wir ihm eine Pause gönnen?", richtete er sich an Sarah, ohne seine Augen erneut von Evander zu lösen, und sah dabei zu, wie die Peitsche ein drittes Mal auf die Haut des Christianers traf und der Axius wieder zum Schlag ausholte.

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    Keine Sorge, er wird nicht sterben. Das klang so widerwärtig! Nein, der Centurio würde Sorge dafür tragen, dass Evander die Folter, die nun zweifellos folgte, zwar überlebte, dafür aber unmenschliche Schmerzen zu ertragen hatte, um sie dadurch zum Reden zu bringen. Sarah fürchtete sich davor, was jetzt kommen sollte. Jetzt, da sie nun hier saß, machte sie sich bittere Vorwürfe. Der einzige Ausweg, um schlimmeres zu verhindern, war weiter zu schweigen. Auch wenn sie dafür in Kauf nehmen musste, dass Evander furchtbare Schmerzen erdulden musste. Wenn ihr Gott erbarmen hatte, dann würde er ihn bald zu sich holen.


    Sarahs Blick folgte Avianus, als er um dem Tisch herum ging und sich hinter sie stellte. Trotzdem kam es für sie sehr überraschend, als er sie an ihrer Tunika im Nacken packte und ihren Kopf auf die Tischplatte drückte, so dass sie vor dem, was nun passierte, nicht mehr ihren Blick abwenden konnte.
    Auf Befehl des Centurios, riss man Evander den Fetzen vom Leib, der irgendwann einmal seine Tunika gewesen war. Dann dauerte es nicht mehr lange, bis die Peitsche zum ersten Mal auf seinem Rücken niederging und Evander herzergreifend aufschrie. Sarah zuckte zusammen und begann zu jammern. Jedoch konnte das nicht verhindern, dass die Peitsche ein zweites und ein drittes Mal seinen Rücken traf. Dabei wurde Sarahs Klagen immer lauter und sie versuchte, sich zu wehren, indem sie versuchte, sich mit ihren Händen von der Tischplatte wegzudrücken.


    Evander indes, hing keuchend an seinen Fesseln. Seine Beine hatten nachgegeben und waren eingeknickt. Eine Pause hätte ihm zwar die Möglichkeit geboten, kurz durchschnaufen zu können, letzten Endes aber verlängerte dies nur seine Qualen.
    „Bitte, hört auf damit!“, flehte Sarah mit verheulter Stimme. Sie konnte das einfach nicht weiter ertragen. Das sausen der Peitsche, das Geräusch, das sie verursachte, wenn sie auf menschliche Haut traf und dann die Schreie des Christianers, die darauf folgten. „Sag ihnen nichts!“, rief der ihr mit letzter Kraft zu.

  • Je mehr sie sich gegen seinen Griff wehrte, desto mehr drückte er sie auf den Tisch hinab und ignorierte natürlich ihr Gejammer. Unfassbar. Die Frau hatte tatsächlich Mitleid mit einem Mann, der vollkommen grundlos das Leben eines Soldaten Roms bedroht hatte, und würde man ihm in diesem Augenblick eine Waffe reichen, würde er vermutlich dasselbe wieder tun. Damit war sie doch im Grunde nicht viel weniger wahnsinnig als ihre "Geschwister". Wer in dieser Sekte kein Messerstecher oder bewaffneter Verrückter war, war wohl oder übel jemand, der die ersteren schützte oder neue Mitglieder anlockte, so befand er.
    Davon, dass der Christianer sie erneut aufforderte, nichts zu verraten, war Avianus wenig begeistert. Da half nur, ihm das Maul mit etwas anderem zu stopfen oder mehr Schläge, bis er keinen Atem mehr zum Sprechen fand.
    "Weitermachen, Miles. Etwas kräftiger, wenn's geht."
    Bei seinem nächsten Schlag holte der Miles noch weiter aus als zuvor, sodass die Peitsche die Haut des Christianers aufriss und rot glänzend ein Rinnsal Blut seinen Rücken hinunterlief.
    "Wir können den ganzen Tag hier verbringen, Sarah. Von mir aus auch den morgigen", knurrte er Sarah, zu ihr hinuntergebeugt, zu und sah wieder auf. Zweimal hatte er unterdessen wieder das Schnalzen der Peitsche gehört.
    "Hol schon mal einen Eimer Wasser, Miles Carnulius, sonst wird er uns noch bewusslos."
    Der Carnulius verschwand einen Augenblick, währenddessen ließ sich der Axius bei seiner Arbeit nicht stören, und kehrte mit einem Eimer kalten Wassers zurück. Erst jetzt hielt der Miles mit der Peitsche inne. Einen Teil des Wassers ließ Carnulius dem Christianer direkt ins Gesicht schwappen, um den einen oder anderen Schluck in seinem nach Luft schnappenden Mund landen zu lassen. Den Rest entleerte er über Kopf und Rücken des Gefangenen.
    "Weißt du, Sarah, wenn du uns nichts sagst, wird es noch einigen Leuten mehr so ergehen müssen. Du könntest uns einfach sagen, wo eure Sekte sich trifft, dann wir gehen sicher, dass dort alles mit rechten Dingen zugeht, was zu glauben mir aktuell leider sehr schwer fällt, oder du sagst nichts, und wir holen uns diesen Narseh und seine Leute, mit denen passiert dasselbe, vielleicht finden wir noch ein paar andere, und denen passiert auch dasselbe …", erklärte Avianus unterdessen fast schon beiläufig, "Weitermachen, Axius."

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    Der Aufschub, der Evander gewährt wurde, war nur von kurzer Dauer gewesen. Was ihn nun erwartete, war nur noch schmerzhafter und qualvoller. Die Schläge der Peitsche begannen nun zum Teil tiefe Wunden in die Haut des Christianers zu reißen, so dass bald schon Blut austrat, welches in schmalen Rinnsalen an seinem Rücken hinab zu laufen begann.


    Wieder machte es der Centurio von Sarahs Entscheidung abhängig, wie lange diese Tortur noch fortgesetzt werden sollte. Die Christianerin, deren Kopf noch immer gegen die Tischplatte gedrückt wurde, konnte sie kaum noch rühren und sie merkte auch, wie sinnlos ihr Widerstand war. Gezwungenermaßen musste sie mit ansehen, wie Evander, der ja ein Mitglied ihrer Gemeinde gewesen war, weiter gefoltert wurde und litt. Seine Schreie, die inzwischen einem Stöhnen gewichen waren, kündigten bereits eine baldige Ohnmacht an. Doch auch dafür waren die Urbaner gut gerüstet. Ein Eimer mit kaltem Wasser, den man über den Gefangenen ausgoss, holte ihn wieder ins Bewusstsein zurück. Für einen Moment setzten die Schläge aus, so dass Evander eine weitere Pause gewährt wurde. Sarah indes litt Höllenqualen. Schluchzend musste sie sich eingestehen, dass ganz gleich, wie sie sich entscheiden würde, Unschuldige leiden mussten.


    Aber auch der Centurio hatte feststellen müssen, das seine bisherige Methode, Informationen aus der Christianerin herauszupressen, nicht das erreicht hatte, was er eigentlich beabsichtigt hatte. Also begann er nun weitere Drohungen auszusprechen. Zwar nannte er keine Namen, als er meinte, es müssten noch andere Leute Evanders Schicksal teilen. Doch Sarah ahnte bereits, dass die Urbaner sich ihren Bruder Elias holen könnten. Jeder in der Gemeinde konnte der Nächste sein. Das wusste Sarah und mit diesem Wissen spielte nun der Centurio sein Spiel weiter, wohlweislich dass er damit letzten Endes doch noch Erfolg haben würde.
    „Gut, ich erzähle euch, wo ihr Narseh findet! Aber bitte, lasst ihn jetzt in Ruhe,“ flehte sie.

  • Die härteren Schläge, das kalte Wasser, welches Evander bei Bewusstsein hielt, und weitere Peitschenhiebe zeigten Wirkung. Endlich gab Sarah nach. Nicht ganz so, wie Avianus gehofft hatte, aber immerhin. Vielleicht ließ sich damit arbeiten. Es war jedenfalls besser als nichts.
    "Stopft ihm das Maul." – Womit natürlich Evander gemeint war. Der sollte Sarah schließlich nicht durch irgendwelche Zwischenrufe davon abbringen, ihm zu verraten, was er zu wissen brauchte. Dennoch blickte der Soldat seinen Centurio fragend an. "Na los. Da liegt doch genug Stoff herum."
    Carnulius beugte sich hinab zu dem Fetzen Stoff, der irgendwann in der Vergangenheit einmal Evanders Kleidung gewesen war, blickte ihn angeekelt an, und knüllte schließlich ein Ende davon zusammen. Wenig begeistert trat er zu Evander und stopfte es dem keuchend in seinen Fesseln hängenden Christianer tief in den Mund, dass er es ohne Hände oder fremde Hilfe nicht mehr herausbekäme. Avianus nickte, entließ Sarah auch endlich aus seinem Griff, sodass sie sich wieder aufsetzen konnte, und trat wieder auf die andere Seite des Tisches, von wo aus er sie mit eindringlichen Blicken beobachtete.
    "Gut, Sarah, dann erzähl …", forderte er sie und ließ sich wieder auf seinem Hocker nieder. Wo der Perser sich aufhielt war inzwischen nebensächlich. Wenn sie alle Versammlungsorte dieser Chistianer abklapperten, würden sie früher oder später auch auf ihn stoßen. Außerdem hatten er und seine Kameraden zu seiner Zeit als Prätorianer teilweise mit weitaus weniger arbeiten müssen, um Verbrecher aufzuspüren. Aber es wäre zumindest ein Anfang. Sollte sie doch erzählen, wenn sie meinte. "Ich sagte allerdings, ich will wissen wo ihr euch versammelt, Sarah. Und auch das wirst du mir verraten."

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    Evander war fast schon am Ende, als sie endlich von ihm abließen. Nur noch halb bei Bewusstsein nahm er wie durch einen Nebelschleier war, wie man ihm die Fetzen seiner Kleidung in den Mund stopfte, um ihn damit am Sprechen zu hindern. Wahrscheinlich wäre er dazu sowieso nicht mehr in der Lage gewesen ein paar halbwegs verständliche Worte herauszubringen, denn der unerträgliche Schmerz, der von seinem Rücken ausging strahlte auf seinen ganzen Körper aus.


    Auch von Sarah ließ man endlich ab, so dass ihr Kopf nicht länger gegen die Tischplatte gedrückt wurde. Endlich konnte sie wieder eine angenehme Sitzhaltung einnehmen. Doch ihr ganzer Körper zeugte von der schweren Last, die ihr aufgebürdet worden war. Es gab kein Entrinnen mehr für sie.
    Der Centurio nahm wieder auf seinem Hocker Platz und wartete. Dem Ganzen verleih er noch etwas Nachdruck, indem er sie noch einmal aufforderte, wirklich alles zu sagen – auch ihre Versammlungsorte. Sarah atmete schwer, bevor sie begann. Man sah noch, wie sie einen erfolglosen Kampf mit sich ausfocht. Doch schließlich begann sie zu reden: „Narseh und seine Anhänger treffen sich in ein paar Tagen bei Yishai, dem Schuhmacher. Er wohnt in einer kleinen Seitenstraße der Via Aurelia. Zu ihnen gehören noch Amal, Arash und David. Unser Versammlungsort für diese Woche wird ein unterirdischer Raum sein, den man nur von außerhalb der Stadt erreichen kann. Wir sind seit der Razzia vorsichtiger geworden. Wenn man über die Via Aurelia die Stadt verlässt, erreicht man über einen Feldweg den Eingang zu einem Abwasserkanal. Wenn man ihm stadteinwärts folgt, erreicht man einen in den Fels gehauenen Raum. Dort treffen wir uns…“ Sarahs Worte kamen monoton über ihre Zunge. Sie starrte ins Nichts, während sie sprach.

  • Gleich notierte Avianus sich, was Sarah erzählte. Hörte sich ziemlich gut an. Mit etwas Planung ließ sich damit einiges anfangen – wenn ihre Aussagen der Wahrheit entsprachen, versteht sich.
    "Sehr schön. Carnulius, lass den Mann runter", meinte er knapp und erhob sich von seinem Hocker.
    Der Miles zog Evander den Fetzen Stoff wieder aus dem Rachen, löste dessen Fesseln von den Eisenringen und ließ den Christianer zu Boden sacken. Wie überaus angenehm der Gedanke doch war, dem nun schon Monate andauernden Theater endlich ein Ende zu bereiten und abzuschließen mit allem, was er mit dieser Sekte verband.
    "Wir sind hier erstmal fertig. Bringt beide zurück in ihre Zellen." Der erste Miles, der Sarah zu Beginn schon in den Verhörraum gezerrt hatte, griff nun auch von hinten ihre Arme, zog sie von ihrem Stuhl herunter und schob sie mit festem Griff Richtung Tür. Die beiden anderen Soldaten zogen Evander vom Boden hoch und schleiften ihn hinter ihrem Kameraden, der Sarah nach draußen brachte, aus dem Verhörzimmer. Avianus folgte ihnen, in der Hand die Tabula, in der alles stand, was sie benötigten, um das Treiben der aufmüpfigen Christianer-Gemeinschaft ein für alle Mal zu beenden.
    "Ich will, dass das Mädchen in gutem Zustand bleibt." Sie könnte vielleicht noch nützlich sein, falls etwas nicht nach Plan verlief. Und sollten sie sie nicht mehr brauchen, könnte sie zumindest die Chance erhalten, wieder freigelassen zu werden. Immerhin hatte sie den Cohortes Urbanae geholfen, und Avianus war sich vollkommen sicher, von ihr ging keine ernsthafte Gefahr aus. Dafür war sie viel zu einfältig und gutgläubig. "Der andere … wenn er es übersteht, gut für ihn …" Mehr oder weniger. "… wenn nicht, dann hat er es wenigstens hinter sich."

  • Die seltsame Gestalt, die sie während ihrer Ermittlungen in der Subura festgenommen hatten, wurde in den Verhörraum geführt, wo ihn bereits der zuständige Centurio erwartete. Grob wurde er von einem der Milites, die ihn begleiteten auf den Hocker auf der anderen Seite des Tisches gedrückt.
    "Salve", grüßte Avianus knapp, kritzelte noch auf einer Tabula herum und sah schließlich auf. Man sah ihm deutlich an, dass er auf das Verhör im dem stickigen, schummrigen Zimmer ebensowenig Lust hatte, wie vermutlich der verdächtige Kerl, der ihm gegenüber saß. "Machen wir es uns beiden doch einfach, in Ordnung? Ich stelle dir ein paar Fragen, du beantwortest sie und wer weiß, wenn ich nachher das Gefühl habe, dass du mit einem Mord an einem gewissen Papirius nichts zu tun hast, vielleicht lasse ich dich wieder gehen." Da er nicht davon ausging, dass es daran viel zu missverstehen gab und er nach seiner ersten Frage im Grunde ohnehin auch eine Antwort darauf bekäme, was der Mann von seinem Vorschlag hielt, setzte er einfach fort:
    "Wie lautet also dein Name? Weshalb hast du während unserer Ermittlungen darauf bestanden, die Absperrung passieren zu wollen?"

  • Was sich anfangs für mich als Spiel aus Übermut ergeben hatte, entwickelte sich zu Anfang als dummer Jungenstreich, der ich nun wirklich nicht mehr war. Ich hätte einfach rechtzeitig auf hören sollen, doch wie es nun einmal immer ist, „hätte“ kann nichts mehr ändern oder rückgängig machen. Doch es passierte immer wieder, der Anblick der Urbaner reizte mich. Reizte mich zu törichtem Gerede oder Handlungen. Bisher hatte ich mich immer im Griff und konnte mich rechtzeitig bremsen, denn in meinem Gewerbe ist es wichtig, möglichst unauffällig zu bleiben.
    Der Weg von der Subura bis zu diesem Raum war wahrlich kein Zuckerschlecken gewesen. Kleidung und manche Stellen an meinem Körper würden dies bei näherem hinsehen unter Beweis stellen. Jetzt hieß es aber wachsam sein, sonst würde ich hier irgendwo rein schlittern wo ich nicht hinwollte.
    Finster schaute ich den Centurio an und antwortete mürrisch:
    „Mein Name ist Gefax und ich war auf dem Heimweg. Diesen Weg nehme ich immer es geht so schneller. Aber sag mal warum darf man als unbescholtener Bürger nicht mehr selbst entscheiden welchen Weg man wählt. Ihr könnte uns wirklich freundlicher behandeln.“



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    DISCIPULUS NEBULAE - DIE NIMBATI

  • Meinte der Kerl das ernst? Oder wollte er ihn nur verarschen? So blöd konnte doch kein Mensch sein, nur wegen einer Abkürzung die Arbeit der Stadtkohorten zu behindern und dazu noch handgreiflich zu werden.
    "Weil wir sie wegen Mordermittlungen abgeriegelt haben", entgegnete Avianus knapp auf die blöde Frage seines Gegenübers und notierte sich dessen Namen, "Meine Soldaten haben lediglich absolut korrekt ihre Befehle befolgt." Mehr wollte er auf solche lächerlichen Bemerkungen auch gar nicht eingehen. Seit wann war es denn ihre Aufgabe, freundlich zu irgendwelchen dahergelaufenen, provokanten Schlägern zu sein? Er und seine Leute hatten am damaligen Abend einwandfreie Arbeit geleistet, da gab es nichts infrage zu stellen. Der einzige, der Schuld daran trug, dass dieser Gefax jetzt im Verhörzimmer saß, war der Peregrinus selbst.
    "Also gut ... verstehe ich das richtig? Wegen einer Abkürzung wolltest du bewusst und ohne Erlaubnis eine Straßensperre passieren, womit du unsere Arbeit beeinträchtigt hättest, und hast einen Soldaten der Cohortes Urbanae angegriffen, als dieser dich davon abhielt?", fasste er zusammen und spielte mit dem Stilus. Bei den Göttern, brachte er wieder mal eine Engelsgeduld auf.

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