Institutio|Discipuli Martialis

  • Die Zeichen des meist jugendlich und bartlos dargestellten Mercurius sind der Heroldstab, Geldbeutel, Flügelschuhe und Reisehut.


    Der Heroldstab, um den sich zwei einander anblickende Schlangen winden, heißt auf Griechisch Kerykeion und auf Latein Caduceus. Er besitzt eine einschläfernde aber auch weckende Wirkung auf Menschen. Mercurius trägt ihn häufig in seiner linken Hand.


    In seiner rechten Hand hält er oftmals einen Geldbeutel, den Marsupium. Dieser Beutel symbolisiert den Reichtum und den Wohlstand. Hergestellt ist er aus der Haut eines kleinen Tieres. Mercurius kann aber auch anstatt des Beutels eine kleine Spendenschale in der Hand halten.


    Seine Flügelschuhe sind in Wirklichkeit geflügelte Sandalen, die seine Schnelligkeit zum Ausdruck bringen. Bei Statuen hängt es vom Künstler ab, ob er sie trägt oder nicht. Künstler fertigen außerdem die Mercuriusstatuen in stehender Haltung und nicht in einer gehenden Position an.


    Sein ebenfalls geflügelter Reisehut ist entweder ein Filzhut oder eine Kappe. Der Reisehut ist zur Hälfte schwarz und zur Hälfte weiß. Der Kontrast weißt auf die Götterwelt (hell) und auf die Unterwelt (dunkel) hin, zwischen denen Mercurius oft hin und her reist. Der Hut kann aber auch wegfallen. An seiner Stelle sprießen dann direkt aus seinen Haarlocken Flügel.


    Häufig trägt Mercurius einen Mantel, der entweder um den linken Arm oder um die Brust gebunden ist. Ansonsten ist er nackt.


    Ein weiteres Attribut ist außerdem ein stolzer Kampfhahn mit einem Palmenzweig im Schnabel. Andere Tiere, mit denen er oft dargestellt wird, sind Widder oder Ziegenbock und Eber.

  • "Sehr gut, Tacitus." Victor nickt anerkennend. "Dazu kann ich nur sagen, dass der Kampfhahn hauptsächlich zur bildlichen Darstellung des Mercurius Augustus gehört. Wie es der Beiname vermuten lässt taucht er also erst seit dem Kaiser Augustus auf Bildnissen und an Statuen des Mercurius auf. Der Hahn gehört ebenso wie Widder, Ziegenbock und Eber auch zu den Opfertieren, die Mercurius bevorzugt, wobei nie Widder und Ziegenbock zugleich geopfert werden. Ah so, eines noch. Eidechse und Schildkröte begleiten den Mercurius auch oft, werden ihm aber auf keinen Fall geopfert."


    Und weiter wandert der Blick zum nächsten Schüler.


    "Gracchus, was hast du über die Attribute des Iuppiter herausgefunden?"

  • Ob des laxen Umganges zwischen Sacerdos und Discipuli wunderte sich Gracchus bereits nicht mehr. Er würde dies wohl oder übel in dieser Ausbildung erdulden müssen, wollte er nicht den Unbill des Sacerdos auf sich ziehen. Also unterdrückte er jedwede Regung, die dieses Gefühl zum Ausdruck bringen konnte, legte seinen Griffel und die Wachstafel zur Seite, auf welche er sich Notizen machte, und begann die Ergebnisse seiner Studien mitzuteilen.
    "Der Göttervater drückt schon mit seiner Erscheinung die ihm innewohnende Kraft aus. In der Rechten hält er ein Bündel Blitze, welches ihn nicht nur als Gott über das Wetter, vor allem über Sturm, kennzeichnet, sondern auch als Herr über den Götterhimmel und den Staat. Denn unter Zuhilfenahme dieser Blitze straft er sowohl Götter, die sich gegen ihn auflehnen, als auch Eidbrüchige in unserer Welt.
    In der Linken trägt er das Zepter, ebenfalls Zeichen seiner Herrschaft. Und auch in seinem Aussehen spiegelt sich seine Kraft und jugendliche Stärke, durch dicht gekräuselten Bart und Haar.
    Begleitet wird Iuppiter oft von einem Adler, auf Bildnissen findet man diesen zu seinen Füßen."

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  • "Ja, auch nicht schlecht. Statt einem Zepter hat Iuppiter auch manchmal eine Lanze in der Linken. Und der Adler hält oftmals eine Schlange in den Fängen. Sie verkörpert Herrschaft und Freiheit."


    Er blickt durch die Runde. "Damit kommen wir dann schlussendlich zu Mars, dem wir hier ja alle dienen. Den Mars erkennt man an seiner Rüstung samt Helm, Schild und Lanze. Die Lanze hält er auf Bildnissen immer mit der Spitze nach unten, um anzuzeigen, dass er sich nicht auf sie stützt, sondern sie zum Kampf bereit hält. In seinem kriegerischen Aspekt wird er als junger, kräftiger Krieger dargestellt, in seiner Funktion als Stadtvater Roms als bärtig-väterlicher Soldat."


    Nach einer kurzen Denkpause fährt Vic fort. "Den Schild, welchen Mars in den Händen hält, nennt man Ancilium. Ihr habt sicher alle schon von den zwölf Ancilia gehört, welche in der Regia aufbewahrt werden. Das original Ancilium ist der Schild des Mars, welchen dieser während der Herrschaft des Numa Pompilius, des zweiten Königs Roms, vom Himmel fallen ließ. Seine Gemahlin, die Nymphe Egeria verriet ihm, dass der Schild die Garantie für den Bestand des römischen Reiches sei. Damit das Reich nicht in Gefahr geriet, ließ Numa Pompilius daraufhin elf weitere, identische Schilde anfertigen, so dass ein Raub erschwert würde. Und diese zwölf Schilde und die heilige Lanze des Mars hütet die Prieterschaft der Salier heute noch und zeigt sie nur bei einigen unserer Festen hervor."


    Er schaut die Discipuli an. "Fragen?"

  • Gracchus blickte von dem Wachstäfelchen auf und schüttelte langsam den Kopf.
    "Was mich betrifft, so habe ich keine weiteren Fragen mehr, Sacerdos Valerius."
    Er lehnte sich abwartend zurück. Je eher der Unterricht vorbei wäre, desto eher konnte er sich wieder den wirklich wichtigen Schriften über Iovis widmen.

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  • Nachdem auch sonst keiner eine Frage zu haben scheint, fährt Vic fort. Der Unterricht ist nämlich noch lange nicht zuende. 8)


    "Gut, dann kommen wir doch mal direkt zu den Feiertagen. Ich werde euch einen kurzen Überblick über die Feiertage geben, an denen Mars im Besonderen gehuldigt wird. Das erste Fest im Jahreslauf ist der 27. Februarius mit den Equirria, den Pferderennen auf dem Marsfeld.
    Danach kommt schon der Hochmonat der Mars-Feste, nämlich Martius (März), der ja auch seinen Namen von Mars hat. Gleich am 1. März das alte Neujahrsfest und das Fest des Mars Pater. Dieser Tag gilt auch als der Geburtstag des Mars und ist daher ebenfalls ein Feiertag für seine Mutter Iuno. Die Salier ziehen an diesem Tag singend und tanzend durch Rom. Einer von den Tagen, an denen die Öffentlichkeit die Ancilia sehen kann.
    Am 14. März folgen nochmals Equirria mit einem Pferdeopfer als Gabe für Mars.
    Am 19ten dann die Quinquatrus, die Reinigung der Waffen. Auch hier treten die Salier mit den Ancilia auf. Das Fest zieht sich über fünf Tage und endet mit dem Tubilustrium, welches die Weihe der Schlachthörner darstellt.
    Der Maius ist ebenfalls reichhaltig an Mars-lastigen Festivitäten. Am 14ten das Fest des Mars Invictus, am 23ten noch ein Tubilustirum. Und am 29ten dann die Ambarvalia, ein Fest, welches dem Mars Silvanus geweiht ist und bei dem die Felder gereinigt und die Grenzen zwischen den Feldern geschlagen werden.
    Die nächsten Feierlichkeiten finden sich dann erst wieder im October. Am 15. October das Equus October, das Oktoberpferd und schlussendlich am 19ten des October das Armilustrium,."


    Vic atmet nach dem langen Monolog erstmal durch.


    "Bis zum nächsten Mal dürft ihr dann speziell euren präferierten Gottheiten gehuldigte Feiertage heraussuchen. Angelus, du wirst Informationen zum Equus October und zum Armilustrium suchen, denn die Feiertage des Mars haben wir ja jetzt schon. Fragen?"

  • Nachdem Gracchus das Wachstäfelchen zusammengefaltet und eine Schnur darum herum gebunden hatte, steckte er den Stylus dazwischen und stand auf. Er schob den Stuhl an den Tisch und nahm die Wachstafel und das daneben liegende Papyrus. Damit wandte er sich an Valerius.
    "Sacerdos, auf ein Wort. Zuerst einmal vielen Dank für die Schriftrolle, ich habe mir eine Kopie anfertigen lassen."
    Er überreichte ihm die Religionsfibel.
    "Des weiteren würde ich es begrüßen, wenn du in der Ausbildung nicht die Cognomina nutzen würdest."

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  • "Ah." Vic mustert den Schüler mit einem kritischen Blick. Natürlich weiß er, dass der Junge ein Patrizier ist. Und Vic hat Respekt vor Patriziern, denn er glaubt an das natürlich Gesellschaftsgefälle. Aber in diesem Tempel ist er der Sacerdos und da er der Sacerdos ist, bestimmt er die Regeln. Punkt, aus.


    "Ich muss dich leider entäuschen, Discipulus. Außerhalb des Tempels magst du ein Patrizier sein aus einer mächtigen Familie und ich nur ein Plebejer aus einer kleinen Familie. Aber innerhalb des Tempels, in dieser Ausbildung, gebe ich die Regeln vor. Du wirst bei Sacerdos oder Sacerdos Valerius bleiben, das ist schon in Ordnung so. Doch wenn mir gerade der Sinn danach steht, dich mit Gracchus anzureden, dann werd ich das tun. Wenn nicht, werde ich Discipulus oder vielleicht auch mal Discipulus Flavius sagen. So einfach ist das."


    Gut, dass die Valerier mittlerweile einen Patron haben. Vic hat zwar keine Ahnung, ob es für so etwas schon einen Präzedenzfall gibt, doch Gerichtskosten bei einer Klage von einem Patrizier könnte er kaum aus eigener Tasche zahlen. 8)

  • Ohne eine Regung hörte Gracchus der Antwort des Sacerdos zu. Schließlich nickte er kaum merklich. Der Sacerdos hatte natürlich das Recht, die Ausbildung nach seinem Gutdünken zu gestalten. Doch alles hatte ein Ende, auch diese Ausbildung würde irgendwann beendet sein.
    "Wenn du es sagst, Sacerdos. Ich wünsche dir noch einen angenehmen Tag. Vale!"
    Gracchus nahm seinen Mantel auf, legte ihn um und verließ den Studienraum. In der Ausgangstür des Gebäudes blieb er stehen und ließ seinen Blick über das Forum Augustum schweifen, auf der Suche nach seiner Sänfte. Doch die Träger, die ohnehin nichts anderes zu tun hatten, als auf sein Erscheinen zu warten, hatten ihn bereits erblickt und trugen die Sänfte durch den Regen. Gracchus stieg ein und ärgerte sich wieder über die vom Wetter herrührende Dunkelheit, welche es ihm unmöglich machte seine Aufzeichnungen zu lesen.

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  • "Vale Discipulus." Vic schaut ihm mit zusammengezogenen Augenbrauen hinterher und schüttelt den Kopf. Nachdenklich blickt er auf die Schriftrolle in seinen Händen und zuckt schließlich mit den Schultern.


    Als letzter verlässt auch er den Raum und schließt die Tür.

  • Am folgenden Tag kommt Vic etwas früher in den Unterrichtsraum. Er hat eine Schriftrolle dabei und eine größere Wachstafel, die er auf den Tisch legt und sich hinsetzt. Dann rollt er die Schriftrolle aus und fängt an auf die Tafel ein paar Namen zu schreiben und zwischen ihnen Verbindungen zu ziehen. Ziemlich schnell wird das jedoch ziemlich chaotisch und unübersichtlich und Vic löscht alles wieder aus.


    "Hpmf."


    Er gibt das Vorhaben auf und legt die Tafel bei Seite. Die Discipuli müssen es sich eben selbst vorstellen.

  • Eine Sänfte hielt vor dem Gebäude auf dem Forum Augustum. Gracchus stieg noch etwas steif in den Gliedern aus und atmete tief die kalte, schneidende Morgenluft ein. Mit einem Wink schickte der die Sänftenträger davon und ließ seinen Blick über das Forum und den Tempel des Mars Ultor schweifen. Der Tempel könnte einen neuen Anstrich gebrauchen und Gracchus wunderte sich doch sehr, dass der Cultus Deorum nicht schon längst interveniert hatte. Sicher ein Versäumnis des Sacerdos.
    Er betrat das Gebäude und suchte den Unterrichtsraum auf. In diesem wartete bereits Valerius Victor.
    "Salve Sacerdos Valerius."
    Gracchus zog einen Stuhl unter dem Tisch hervor und nahm Platz. Dann breitete er sein Wachstäfelchen aus, legte penibel das Schreibgerät etwa einen Fingerbreit daneben und lehnte sich abwartend zurück.

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  • Tacitus kam wie immer zu Fuß am Tempel an. Die nasskalte Luft empfand er alles andere als angenehm und deswegen war er froh, endlich sein Ziel erreicht zu haben. Er ging in den Tempel und von dort direkt in den Unterrichtsraum. Der Sacerdos und ein Discipulus waren bereits anwesend.


    Salvete!


    grüßte Tacitus die beiden freundlich.

  • Sim-Off:

    Wir fangen mal an, Angelus kann sich dann einfach anhängen


    Nachdem auch Angelus in den Raum gekommen ist, blickt Vic durch die Gesichter der Discipuli.


    "Salvete zusammen. Fangen wir direkt mit den Ergebnissen eurer Recherchen an. Welche Feiertage habt ihr gefunden?"

  • Das Schweigen der Discipuli wollte nicht enden. Tacitus blickte in das Gesicht seiner Mitschüler. Vielleicht würde einer von ihnen den ersten Schritt wagen, hoffte er. Besorgt blickte er auf seine Wachstafel mit den Notizen. Viel hatte er nicht gerade gefunden. Um genau zu sein, war es nur ein einziger Feiertag. Da aber niemand etwas sagte, trat Tacitus einen Schritt vor und begann zu erzählen.


    "Ich habe für den Gott Mercurius einen Festtag gefunden, Sacerdos. Dieser Tag ist der 15. Mai. Er wird 'Tag der Händler' genannt und geht auf die Tempelweihe des 495 v.Chr. in Rom erbauten Tempels zurück.
    An diesem Festtag holen die Händler Wasser aus einer heiligen Quelle, der Aqua Mercurii. Dieses Wasser transportieren sie in Gefäßen, die sie vorher mit Rauch gereinigt haben, zu ihren Waren. Dort angekommen besprengen die Händler mithilfe eines Lorbeerastes sich selbst und anschließend ihre Waren mit dem heiligen Wasser. Dieses Ritual dient zur Reinigung und befreit die Händler von begangenen Meineiden und falschen Versprechungen."


    Die Notizen waren zu ende. Mehr hatte Tacitus nicht herausgefunden. Fragend guckte er den Sacerdos an, ob er die Aufgabe zufriedenstellend beantwortet hatte.

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