Casa Germanica - Bibliothek

  • Calvena winkte ab, als Romana meinte es wäre eine schöne Bibliothek. „Naja das ist nicht mein verdienst, Avaraus und Sedulus bringen immer neue Bücher mit. Ich finde hier drin nur ein paar nette kleine Schätze! Du glaubst ja nicht was es hier teilweise für Geschichten schlummern!“ erklärte sie. Ein Sklave brachte eine Kanne mit gekühltem Saft und zwei Bechern. Sie goss ihrem Gast direkt ein und setzte sich Romana dann Gegenüber.


    „Du bist meine älteste Freundin hier in Rom, es wäre eine Schande gewesen, wenn ich dich nicht eingeladen hätte. Ich bin ja schon so aufgeregt, dass ist das erste Fest das ich ausrichte!“ erklärte sie ihr. Sie hatte bereits so einige Zusagen erhalten. Vermutlich würden noch mehr kommen und auch einige die nicht zugesagt hatten. Sie plante großzügig. Sollte am Ende etwas übrig bleiben würden als erstes die Künstler und Tänzer, danach die Sklaven und dann auch noch einige Bettler versorgt werden.


    Sie wurde etwas nachdenklich, als dann Romana ihr eine prächtige Zukunft prophezeite. Als sich der Ausdruck ihrer Freundin dann etwas in Besorgnis wandelte, sah sie diese selbst etwas besorgt an. Worauf wollte ihre Freundin heraus. Ihr stockte etwas der Atem, als Romana dann Valerian, ihren Valerian, als einen dunklen Punkt bezeichnete. „Wie kommst du denn darauf?“ fragte sie leicht fassungslos. Sie hatte Valerian wirklich gern, sie liebte ihn und es tat ihr weh, dass Romana anscheinend so wenig von ihm hielt. Warum nur, sie verstand es nicht. Natürlich verspürte sie sofort das Bedürfnis Valerian zu verteidigen. „Was hast du denn gegen ihn?“ hackte sie nach. „Er war doch sehr höflich zu dir….“, fügte sie hinzu.

  • „Das glaube ich schon, das glaube ich schon...“, machte Romana geistesabwesend, als Clavena begann, von der Bücherei zu schwärmen, und trank ein wenig von ihrem Säftchen. Hmm, Kirschensaft. „Danke, der ist wirklich gut.“, meinte sie zum Thema Saft und würfelte das getränk mit einem Schluck hinunter. „Echt prima.“, bestätigte sie ihre eigenen Worte. Sie fühlte sich schon etwas wohleren Gemütes.


    „Trotzdem, echt nett von dir. Also, wie schon gesagt, klar komme ich. Ich habe die Obervestalin hart bearbeiten müssen, aber ich habe für den Abend der Fontanalien Ausgang.“, meinte sie heiter.


    Aber egal, wie sehr ihre Stimmung auch durch das Wiedersehen mit ihrer Freundin verbessert worden war, sie wollte auf jeden Fall mit Calvena noch einmal über die Sache mit dem Quintilier reden. „Calvena.“, meinte sie ernst und blickte ihre Freundin an. „Ich sehe, wie voll und ganz du ihm verfallen bist. Und ich kann dich nicht davon abhalten, ihn zu heiraten, aber was ich kann, ist, mit dir noch einmal über die Sache zu reden. Das bin ich dir schuldig, als meine liebste Freundin. Es ist einfach nur so... ich habe kein gutes Gefühl bei dem Typen.“ Sie rümpfte ganz leicht die Nase. „Unter höflich verstehe ich ein anderes Wort. Er behandelte mich wie ein unmündiges Kind, und dann kanzelte er mich einfach so ab, unwillig, noch weiter mit mir zu reden. Zudem hat er sich als inkompetenter Soldat erwiesen. Weißt du, ich habe in Etrurien gelernt, wie man mit Bären umgehen muss, wenn man sie antrifft. Als Soldat sollte man dieses Wissen ebenfalls haben. Aber durch seine Aktionen, meine Anweisungen komplett ignorierend, hat uns der Mann alle in Gefahr gebracht! Dass der Iulier den Mann getötet hat, hat uns vermutlich alle vor einem grauenhaften Tod bewahrt.“


    Sie atmete tief ein. „Das ist noch nicht alles. Hast du schon einmal dieses füchterliche, grauenhafte Geschöpf gesehen, welches dein Valerian als Klient genommen hatte? Würde mich glatt nicht wundern, wenn er den noch adoptieren würde!“ Sie meinte dies nicht ernst, doch hätte sie womöglich einen Herzschlag gekriegt, hätte sie gewusst, dass Marhabal nun ein römsicher Bürger war. „Marhabal heißt der Kerl. Er beleidigte, als er der Gast meiner Familie war, meine Gens; der Kerl hat seine Meinung, dass wir ein Haufen armer Schlucker sind, zum Ausdruck gebracht.“ Ihr Gesicht rötete sich ein wenig vor Zorn, wenn sich auch sonst nichts an ihren Gesichtszügen veränderte. Sie war sehr empfindlich, was Familiensachen anging.


    „Verstehst du, wieso ich, was Valerian angeht, Sorgen habe? Und dann kommt noch hinzu, dass er nicht standesgemäß ist. Ich weiß, ich weiß!“, sie hob ihre Hände abwehrend hoch, um Calvena daran zu hindern, dreinzureden. „Es ist ein saudummes Argument, das nicht existieren sollte. Aber ich denke nüchtern darüber. Es ist so. Es ist die Welt, in der wir leben. Und diese Welt denkt in Ständen, selbst wenn wir beide in anderen Kategorien denken mögen. Wie weit wird Valerian kommen? Vielleicht zum Ritter. Wenn er sich als Soldat weiterhin genau so unmöglich verhält wie am Markt, kann er aber eher mit einer Degradierung als einem Ritterschlag rechnen. Mit dem Mann an der Seite hast du doch kaum Zukunft, du machst sie dir zumindest nur unnötig schwer.“ Ihre Hände suchten die von Calvena. „Verstehst du, was ich meine?“ Sie blickte sie an mit traurigem Blick, man konnte es ihr ansehen, dass es ihr selber nicht leicht gefallen war, diese Argumente anzubringen. Aber es musste sein!

  • Sie freute sich, dass Romana extra für diesen Tag frei bekam und mit feiern konnte. Vermutlich übernahm ihre Freundin dafür einige Sonderaufgaben oder aber die Obervestalin hatte ein gutes Herz für junge Frauen und gönnte ihnen hin und wieder auch mal etwas Spaß.


    Die ernste Miene und der besorgte Tonfall ließen sie aufhorchen, aber dennoch empfand sie eine gewisse Skepsis, als Romana sich so vehement gegen eine Verbindung mit Valerian aussprach. Sie konnte nicht wirklich nachvollziehen, was ihre Freundin so sehr aufgebracht hatte. Valerian hatte sie aus ihrer Sicht recht tapfer geschlagen, als sich die Vestalin wie eine Furie auf den armen Kerl stürzte und sich über einen Klienten ihres Liebsten ausließ. Da sie nicht wusste was vorgefallen war, erlaubte sie sich kein Urteil, aber wie hätte Valerian denn anders reagieren sollen? Hätte er irgendwelche leeren Versprechungen aussprechen sollen oder eine Wiedergutmachung für verletzten Stolz. Ihr lag schon ein Protest auf den Lippen, doch Romana ließ sich einfach nicht unterbrechen, sie redete sich in Rage.
    Was die Sache mit dem Bären anging, nicht jeder wusste wie man mit einem wilden Tier umgehen sollte. Sicher er hat unüberlegt gehandelt, aber er hatte sie auch beschützen wollen.
    „Du tust ja so, als hätte Valerian mit Absicht den Bären auf uns gelenkt“, warf sie ein, etwas wütend darüber, dass Romana sich recht engstirnig benahm, so hatte sie ihre Freundin bisher nicht kennen gelernt. „Er hat ebenso gegen dieses Biest gekämpft wie die Anderen!“ verteidigte sie Valerian. Sie konnte gar nicht anders, denn irgendwie glaubte sie dass Romana etwas ungerecht war.


    „Was diesen Marhabal angeht, da kann ich mir kein Urteil erlauben. Ich kenn den Mann nicht und er mag dich beleidigt haben, aber mal ehrlich, wie hätte Valerian anders auf dich reagieren sollen? Du warst wie eine Furie und auch ein wenig wie ein kleines bockiges Kind…“, sagte sie. „Zumindest hast du diesen Eindruck auf mich erweckt. Wir alle sind empfindlich wenn es um die Ehre der Familie geht, aber solche Dinge lassen sich auch anders regeln!“ Bisher war sie noch recht ruhig geblieben und war nicht wie üblich aufgebraust.


    Fast hatte sie das Gefühl, Avarus vor sich sitzen zu haben, so ähnliche Worte hatte er auch an sie gerichtet. Sie seufzte stumm. Natürlich konnte sie die Argumente durchaus verstehen und nachvollziehen, aber in Herzensdingen war es eben etwas anderes, außerdem war sie eben nicht der Ansicht, dass sie mit Valerian durchaus eine Zukunft zu haben.
    „Ich verstehe dich….“, begann sie vorsichtig. Sie wollte Romana nicht zu nahe treten. „Aber du kennst ihn nicht so wie ich!“ meinte sie etwas vehementer. „Und mal ehrlich, sollte ich mich mit einem Senator vermählen, wäre ich nur ein Sprungbrett an mehr Macht und Einfluss. Die wenigsten Männer würden mich wollen, weil ich die bin, die ich bin!“ erwiderte sie. Sie wusste einfach das Valerian der Richtige war.

  • Calvena hatte richtig geraten. Es waren wirklich Sonderaufgaben, die Romana erledigen musste. Geschirr spülen! Gerne tat sie das nicht. Doch noch ungerner würde sie die Möglichkeit, mit Calvena und ihren anderen Freundinnen feiern zu können, auslassen.


    Sie machte eine beschwichtigende Handbewegung, als Calvena dachte, Romana würde Valerian unterstellen, dass er den Bären absichtlich auf sie gehetzt hätte. „Das habe ich mit keinem Wort gesagt. Es war sicher nicht seine Absicht. Es war ganz einfach nur Dummheit und grobe Fahrlässigkeit, sonst nichts.“, meinte sie nüchtern. „Ich kann trotzdem nicht sagen, dass ich zu beeindruckt gewesen wäre von ihm. Natürlich hat er tapfer gekämpft, aber er war der Architekt dieses Gemetzels.“, konstatierte sie trocken, und schüttelte den Kopf. Vielleicht waren ihre Worte harsch, aber sie spiegelten die Wahrheit darüber wieder, wie sie diesen Mann sah.


    Ruhig hörte sie Calvenas Worte, was Valerian betraf, zu, doch musste sie ungläubig blinzeln, als Calvena ihr vorwarf, sie hätte sich benommen wie ein bockiges Kind. „Ähm, tschuldigung, Calvena. Aber jetzt ehrlich. Bockige Kinder benehmen sich anders. Ich habe ihn sogar noch eindringlich gewarnt vor diesem Marhabal, als ich mit ihm sprach. Vielleicht habe ich mich nicht komplett diplomatisch verhalten, aber was hätte ich tun sollen? Einfach nur dasitzen und lieb lächeln, wenn der Patron eines solchen Mannes vor mir steht? Du kennst mich. Ich bin ehrlich. Und wenn ich was zu sagen habe, sage ich es. Und, Valerian hätte sich auch um einiges geschickter genehmen können. Mich dann am Ende einfach so stehen lassen! Der Kerl nimmt mich eindeutig nicht ernst, das habe ich spüren können. Verstehst du, wieso so eine geringe Vertrauensbasis nun zwischen uns beiden besteht?“, fragte sie. „Und wie sollten sich solche Dinge anders regeln lassen als in einem Gespräch, von welchem er aber davonlief, ohne irgendwie konstruktiv zu sein?“ Sie zuckte die Achseln.


    Sie seufzte abermals. „Vielleicht hast du recht, und ich kenne ihn nicht so wie du. Aber den einfühlsamen, ritterlichen Valerian, den du mir beschrieben hast, den habe ich noch kennen zu lernen.“, meinte sie bestimmt. Als sie dann ihre Argumentation gegen Senatoren vorbrachte, schmunzelte Romana leicht. „Da magst du recht haben... aber du könntest den Senator auch als Sprungbrett benutzen. Ihr könntet euch gegenseitig prima unterstützen. Und aus dem Grund...“ Sie unterbrach sich und blickte Calvena in die Augen. „Ach, ihr Götter, ich komme mir so schlimm vor, dass ich dir das sagen muss... aber ich persönlich kann dir diesen Mann einfach nicht empfehlen."

  • Im Grunde wusste sie, dass Romana nur das Beste für sie wollte. Das war rührend, aber gleichzeitig ärgerte sie sich doch darüber, dass die Claudia so vehement gegen ihr Glück war. „Über kurz oder lang wäre das Vieh eh auf uns zugekommen!“ hielt sie dagegen. „Und das weißt du ganz genau… egal was wir gemacht hätten oder nicht!“ Aus ihrer Sicht war Valerian eben nicht der Schuldige, sondern eher der Tiertrainer der sich fahrlässig verhalten hatte. „Wenn einer fahrlässig gehandelt hat, dann dieser Tiertrainer…“, fügte sie hinzu. Dieser Man war spurlos verschwunden, keiner wusste bisher wo der Bär hergekommen war. Sie konnte es nicht irgendwie auf sich sitzen lassen, dass ihre Freundin solch eine schlechte Meinung von den Mann hatte, denn sie liebte und auch zu heiraten gedacht. Es reichte schon aus, das Avarus derzeit mit finsterer Miene durch die Casa schlich.


    Leise seufzte sie. „Wie hätte Valerian deiner Meinung nach auf dich reagieren sollen?“ hackte sie nach, das wollte sie nur zu gern wissen. „Hätte er sich groß entschuldigen sollen und dich um Verzeihung bitten? Zumal er anscheinend nichts über dieses Vorfall wusste…. Außerdem bist du gleich aufgebraust und hast ihm doch im Grunde keine Wahl gelassen! Wenn du meinst, dies alles ließe sich durch ein ruhiges Gespräch klären, warum hast du dich dann nicht zurück gehalten?“ meinte sie ernst. Manchmal besaß Romana die Feinfühligkeit eines Elefanten, aber das verkniff sie sich. So etwas konnte sie auch freundlicher formulieren, zumal sie die Vestalin ja eigentlich sehr gern hatte und nicht wollte, dass sie sich jetzt im Streit trennten.


    Leicht verzog sie das Gesicht. Romana ging davon aus, dass sie eine strahlende große Karriere wollte, vielleicht wollte sie aber eben etwas anderes, etwas das ihr nur Valerian bieten konnte. „Auch mit Valerian an meiner Seite kann ich es zu sehr viel bringen. Aber es ist nicht Valerian der mir Steine in den Weg legt!“ meinte sie ernst. „Falls du es nicht weißt, Tiberius Dursus ist auf die Gens Germanica nicht sonderlich gut zu sprechen und der wäre der letzte, der eine Germanica unter den Pontifices sehen würde…“, erklärte sie ihr. „Im Gegenteil, noch hat er sich nicht groß in meine Ausbildung eingemischt, aber sobald ich die nötigen Kurse hab und Prüfungen abgelegt hab, wird er mit Sicherheit alles dran setzen um es mir schwer zu machen!“ Erstaunlicher Weise hatte sie in dieser Hinsicht ein recht realistischen Blick. „Der nächste einflussreiche Pontifex wäre Flavius Gracchus, aber selbst mit den Flaviern verstehen sich die Germanica nicht sonderlich gut. Also bleibt mir nur übrig mich an Aurelius Corvinius zu wenden…“, sie seufzte kurz. Es war eben nicht gerade sonderlich einfach, selbst in der Religion. Auch diese war von Politik und Machtspielchen durchdrungen. Außerdem hatte sie sich noch keine Gedanken darüber gemacht, was genau sie erreichen wollte. Sie wusste nur so viel, dass sie den Göttern dienen wollte.



    „Außerdem, will ich nicht zwangsläufig so viel erreichen… mir reicht es aus wenn ich meine Unabhängigkeit behalten kann und du weißt selbst, das manche Männer ihre Frauen wie kostbare Schmuckstücke behandeln und diese einsperren, aus Angst, dass man sie stehlen könne. Und nicht weil sie diese lieben oder mögen, sondern nur weil sie die Macht dazu haben. Ich bin nicht so naiv, dass ich auf den erst besten Mann herein falle, der nett zu mir ist!“ Sie mochte noch nicht lange in Rom sein und auch noch nicht alle politischen Zusammenhänge kennen, sie wusste aber wie Männer waren. Und sie wusste auch, dass Valerian eben nicht so ist. Wie sollte sie es Romana erklären, das Gefühl der Sicherheit, Geborgenheit und Liebe.

  • Nein, das wusste sie nicht genau, sie war sich sogar ziemlich sicher, dass ohne Valerians Getue das Vieh niemals so aggressiv und wütend geworden wäre. Was sie dafür besser wusste, war, dass sie, wenn sie dies nun sagen würde, das Fass zum Überlaufen bringen würde. Und dann hätte sie nichts erreicht, außer, dass ihre Freundschaft zerbröckelte. Und das wollte Romana auf gar keinen Fall. Calvena kannte ihre Meinung zu dem Thema, sie musste sie jetzt nicht noch einmal reiterieren. „Nun, du kennst meine Meinung dazu. Aber du hast recht, im Endeffekt ist die Schuld dem Tierhalter zuzuschreiben. Der hat sich ja über alle Berge gemacht! Hoffentlich fangen sie den bald ein.“, bemerkte sie, um das Thema in eine andere Richtung zu lenken.


    Doch unweigerlich wurde darauf wieder zurückgekommen, als die beiden über Marhabal zu sprechen kamen. Romana hörte ihrer Freundin zu, nickte dann und wann, und dachte kurz nach, bevor sie sprach. „Es ist halt so... ich bin so leicht aus der Ruhe zu bringen, dass es nicht mehr schön ist. Und ich trete lieber so auf, als dass ich mir nachsagen lasse, ich lasse solche Sachen auf mich sitzen. Ich bin halt so, das ist im Paket inkludiert.“ Romana lächelte in sich hinein. Niemand war perfekt, am allerwenigsten sie, das wusste sie. „Ich wollte ein Gespräch darüber, aber ich wollte ihn auch dementsprechend konfrontieren.“, erklärte sie, mit ihrer rechten Hand gestikulierend. „Man muss halt hie und da resolut auftreten.“, war sie sich sicher. In solchen Belangen kam wohl die stolze Patrizierin in ihr durch. „Wie er reagieren hätte sollen, fragst du? Er hätte mich nicht als hysterische Ziege abtun sollen, wie er es getan hatte. Er hätte mich für voll nehmen sollen – denn das hat er nicht getan. Er hat das Gespräch beendet, anstatt sich dafür zu unteressieren, weswegen ich so sauer auf Marhabal bin.“, brachte sie ihren Standpunkt hervor.


    Dieses Mal war es Calvena, die auf etwas anderes zu sprechen kam. „Du meinst nicht, dass er dir ein Hindernis sein wird?“, fragte sie und dachte nach. „Sag mal, hat er eigentlich einen Patron?“ Wenn der Patron des Quintiliers ein einflussreicher Mann wäre, wäre es vielleicht verschmerzbar. Und, wer weiß... vielleicht konnte ja die Gens Germanica etwas an der sozialen Stellung des Quintiliers verändern. Ziemlich sicher sogar. Nun aber hörte sie den Bedenken der Germanicerin zu. „Du vertraust Durus nicht? Mir erschien er ein netter Mensch.“ Leicht gesagt, wenn du Patrizierin bist und dein Vetter Klient von Durus ist, meinte eine innere Stimme in ihr. „Und Gracchus? Nun, ich habe von ihm angehört. Er ist gesundheitlich angeknackst. Und vermutlich schätzt er die Germanicer auch nicht so... und Corvinus... hmmm.“ Sie überlegte. Sie kannte den Namen. „Er war einst ein guter Freund meines Vaters, doch mittlerweile haben die beiden nicht mehr soviel miteinander zu schaffen. Aber er ist sicher ein guter Mann, an den man sich wenden kann. Ob er aber die Germanicer so gut leiden kann? Ihr Germanicer habt leider diese Angewohnheit, es euch immer mit den Patriziergentes zu verscherzen.“, meinte sie, ohne dass ein Vorwurf in ihrer Stimme lag, vielmehr zwinkerte sie Calvena zu. „Leider gibt es halt keinen claudischen Pontifex. Ich sage dir, den hätte ich beackert, bis er sich deiner angenommen hätte.“ Sie meinte es sehr ernt damit. „Allerdings, ein Verwandter von mir will den Quindecimviren beitreten. Ich werde bei ihm, wenn es soweit ist, natürlich ein sehr gutes Wort für dich einlegen.“ Sie lächelte Romana an. Obwohl sie momentan eine Differenz haben mochten, Romana vergaß dabei nicht, dass Calvena für sie durchaus das war, was man als beste Freundin bezeichnen konnte.


    Romana blickte Calvena ob ihrer Ansage doch ein wenig verwundert an. „Du willst nicht viel erreichen? Red doch nicht so. Jeder hat Ambitionen, du, wie ich, wie die ganze Welt. Wer das nicht hat, ist zu bemitleiden.“, stellte sie fest. „Und du denkst, Valerian wird dich nicht einsperren und stattdessen deine Unabhängigkeit garantieren?“ Sie blickte kurz nach oben, als ob sie die Decke bestaunen würde, und suchte dann wieder den Augenkontakt mit Calvena. „Calvena, du bist mir eine.“, seufzte sie. „Ich werde Valerian eh nicht heiraten, und es geht mir also nicht darum, ob ich mit Valerian zufrieden bin, sondern, ob du dir ganz, ganz sicher mit ihm bist. Bist du das auch, Calvena, auch nachdem du meine Einwände gehört hast?“, fragte sie.

  • Calvena war sich ziemlich sicher, das es eben nicht nur Valerian zuzuschreiben war, dass dieses Vieh sich auf die Gruppe junger Damen gestürzt hat. Aber es war vorbei, warum sich deswegen streiten, sie waren alle mit einem Schrecken und nicht mehr als ein paar Kratzern davon gekommen. Sah man einmal von den ruinierten Kleidern ab. „Mir wäre es lieber, wenn sie diesen unverantwortlichen Mann bald fassen, wer weiß, ob er nicht wieder so eine wilde Bestie los lässt!“ seufzte sie und ließ damit dann das Thema fallen.


    Sie war die Letzte die Romana einen Vorwurf machen würde, dass sie war wie sie war. Aber auch sie wusste sich in bestimmten Situationen zu beherrschen. Sicher oft genug gelang es ihr nicht, ihre impulsive Art zu unterdrücken, dazu war sie einfach viel zu frei gewesen in den letzten Jahren. Niemanden hatte es gestört, dass sie aufbrausend war oder eben etwas Leidenschaftlicher, als es ihr gut tat. „Es gibt einen unterschied zwischen resolut und naja einer keifenden Furien... kaum bist du auf diesen Marhabal, oder wie der auch immer heißt, zu sprechen gekommen, hast du völlig vergessen wo wir sind...“, meinte sie mit leichtem Vorwurf. „Und einmal ehrlich, würdest du dich gern auf diese Weise konfrontieren lassen?“ hackte sie nach. „Außerdem...“, sie zeigte ein leichtes verschmitztes Lächeln, „sind Männer meist nicht auf eine Furie vorbereitet!“ Ob dies wohl die Lage nun etwas auflockerte. Das würde sie Beide wieder entspannen.


    Leicht schüttelte sie den Kopf. „Valerian wäre wohl der letzte Mann auf Erden, der mich irgendwo einsperren würde!“ versicherte sie ihr. Kurz runzelte sie die Stirn. „Sicher hat Valerian einen Patron...“, antwortete sie und überlegte, ob er diesen namentlich bereits erwähnt hatte. „Prudentius Balbus und der ist der Klient von Aelius Quarto! Soweit ich weiß ist dieser sogar mit den Germanicern verwandt!“ Sie hatte so etwas in den Stammbäumen gesehen. Aber auf welche weise, das konnte sie auf Anhieb nicht sagen, da würde sie wohl noch einmal nachschlagen müssen. Ihr Blick wanderte durch die vielen Regale mit Schriftrollen. Sie erhob sich und zog dann eine zielstrebig heraus. „Quarto ist mit Aelia Adria verheiratet, sie wurde adoptiert...“, meinte sie und verstaute die Chronik wieder an ihrem Platz. Gar nicht so einfach einen Überblick zu behalten bei so vielen Namen und verwandtschaftlichen Verhältnissen.
    „Nun ja, mir gegenüber hat sich Dursus bisher sehr freundlich verhalten, aber es ist ein offenes Geheimniss, dass er auf Sedulus und ganz besonders auf Avarus nicht gut zu sprechen ist!“ sie setzte sich wieder ihrer Freundin gegenüber. „Und ich bin mir sicher, dass ich allein auf Grund meiner verwandtschaftlichen Beziehungen, nicht gerade auf der Liste seiner Förderer stehe!“ Leicht zuckte sie mit den Schultern und grinste dann. „Das scheint aber nur eine Eigenschaft der männlichen Germanicer zu sein, mit dir verstehe ich mich ja ganz gut und auch mit Tiberia Arvinia!“
    Ihre Augen wurden groß, als Romana erzählte, dass einer ihrer Verwandten den Quindecimviren beitreten wollte. „Das ist aber lieb von dir!“ lächelte sie.


    „Naja, weißt du, ich bin gerade erst dem Cultus Deorum beigetreten und ehe ich irgendwelche hochtrabende Träume hab, die sich nicht erfüllen, bleib ich erst einmal realistisch und mache einen Schritt nach dem anderem!“ entgegnete sie nachdenklich. „Erst mal will ich Sacerdos werden, was danach kommt, wird sich dann zeigen!“ meinte sie.
    Schließlich kehrten sie mehr oder weniger zu dem Thema Valerian zurück. Sie war sich ziemlich sicher, dass Valerian sie nicht einsperren wollte. Er wusste dass sie eine gewisse Freiheit brauchte und das sie mittlerweile auch die nötige Vorsicht walten ließ. In der Hinsicht hatte ihr ja nicht nur Valerian den Kopf gewaschen.
    Sie war gerührt von der Fürsorge ihrer Freundin. Offen erwiderte sie deren Blick und ergriff deren Hände. „Ich bin mir sicher, sehr sogar!“ versicherte sie ihr. „Ich bitte dich, lern ihn erst einmal richtig kennen! Geb ihm noch einmal eine Chance, ich könnte es nicht ertragen wenn ihr euch Beiden ewig wegen einer dummen Sache in den Haaren liegt! Du bist mir wichtig!“ Eindringlich sah sie Romana an.

  • Die Frage, wer die Verantwortung für den Zwischenfall bei den Ludi trug, war nun also geklärt. Der schwarze Peter war dem Tiertreiber zugeschoben worden, eine Lösung, mit der beide wohl nun zufrieden waren (Romana aber ein bisschen weniger als Calvena – aber man konnte nicht alles haben).


    Romana hörte sich Calvenas Worte mit einer seltsam steifen Miene an, sie überlegte, was sie nun sagen wollte. Sie entschloss sich aber dann doch dafür, die Worte ihrer freundin humorvoll aufzunehmen. „Ja ne, ist ja klar.“, grinste sie als Antwort auf Calvenas Aussage, dass Männer nicht auf Furien vorbereitet wären. „Männer... da soll einer mal mitkommen.“ Damit war, so hoffte sie, das Thema ebenfalls erledigt (auch wenn sie innerlich noch immer auf Valerian grollte). „Hie und da bin ich halt schon eine rechte Furie... du aber auch.“ Sie zwinkerte Calvena zu. „Wie wir alle, übrigens. So könnten wir, unser Freundinnenkreis, uns doch nennen. Die Furien.“ Irgendwie eine blöde Idee, aber eine, die Romana trotzdem anbringen wollte.


    Als Calvena wieder auf Valerian zu sprechen kam, nickte Romana nur nett, bis die Rede auf den Patron des Quintiliers zu sprechen kam. „Hmm, Prudentius Balbus. Das ist ein komplett anderes Kaliber. Praefectus Praetorio, nicht wahr? Und bis vor kurzem Obmann der Kanzlei. Und dessen Patron... Aelius Quarto? Hmm, der Bruder des Kaisers.“, ließ Romana von sich hören. Also, Beziehungen gäbe es da schon ein paar. Immerhin war Romana, die gerne Informationen absorbierte, darüber im Bilde. Sie blieb sitzen, als Calvena eine Familienchronik aus einem Regal herausholte und sich dort der Wahrheit ihrer Aussage vergewisserte.


    „Durus... ich weiß nicht. Ich denke schon, dass er fähig ist, bei einer wie dir über diverse familiäre Differenzen hinwegzusehen.“, war sie sich sicher. Sie hielt, wie schon gesagt, große Stücke auf Durus. „Aber ich bin mir sicher, bei Corvinus findest du ebenfalls einen fähigen Befürworter.“ Sie musste aber ebenfalls grinsen, als Calvena sagte, die Alienierung der Patrizier sei eine Spezialität der Männer im Hause Germanica. „Da kannst du wohl recht haben! Na ja, die männlichen Patrizier sind wohl auch rechte Querschädel...“, vermutete sie.


    „Das mache ich doch gerne! Und, ich weiß schon, was du meinst. Es wird sich schon etwas ergeben.“, meinte sie und lächelte. „Apropos, nur, dass du es weißt, der Mann, von dem ich redete, heißt Quintus Claudius Lepidus. Und er ist mein Vetter. Mein lieber Quintus kann dir sicher weiterhelfen, wenn er erst einmal sein Ziel erreicht hat.“, war sie sich sicher.


    Auch der Idee von Calvena schenkte sie Gehör. Am Schluss schien sie kurz zu überlegen – dann nickte sie. „Gut. Ich mache das. Vielleicht zu den Fontanalien. Ja, ich denke, das wäre gut. ich würde sehr gerne den Valerian kennen lernen, von dem du schwärmst – im Gegensatz zu dem valerian, den ich bisher kennen gelernt habe. Wäre vielleicht auch eine Möglichkeit für mich, mich von einer besseren Seite zu zeigen.“, lächelte sie.

  • Endlich hatten sich die Freundinnen geeinigt und zumindest war dieses Streitthema vom Tisch. Sie nahm sich aber in Zukunft mal vor, ihren Valerian beiseite zu nehmen und ihn mal über wilde Tiere aufzuklären. Auch wenn das jetzt recht albern klang. Sie kicherte innerlich über diesen Gedanken.


    Für einen Moment befürchtete Calvena, Romana würde ihre Worte als Vorwurf nehmen. Es war kein Vorwurf, sie wollte nur dass auch die Claudia Valerians Verhalten verstand. Sie war sich ziemlich sicher, dass er es wirklich nicht Bös gemeint hatte, sondern einfach etwas überrumpelt war. Schließlich grinste Romana und sie erwiderte dies spitzbübisch. „Die Furien… ist das dein Ernst? Am Ende laufen noch alle vor uns Weg, weil sie glauben, wir seien launisch!“ kicherte sie.


    Nachdenklich nickte sie. Auch ihr war es zu Ohren gekommen, das Prudentius Balbus nun Praefectus Preatori war. Innerlich machte ihr Herz mal wieder einen Hüpfer, das erleichterte es Valerian die Heiratserlaubnis zu bekommen. Ihr wurde heiß und kalt zugleich, weil das nun für sie bedeutete, dass sie und er bald verlobt waren und dann die Hochzeit geplant werden musste. Kurz hatte sie das Bild eines kopflosen Huhnes vor ihrem Auge, es beschrieb ihre Gefühle recht gut.


    Ob Dursus wirklich dazu bereit war, über die Differenzen hinweg zusehen, obwohl sie eng Verwandt war mit Avarus und Sedulus, würde wohl nur die Zeit zeigen. Aber dennoch hörte sie sich stattdessen um und suchte sich dann doch lieber noch einen weiteren Fürsprecher. „Wir werden es sehen! Tiberius Dursus ist auch eingeladen, es war Avarus Wunsch!“ erzählte sie. Anscheinend war dieser zumindest bereit, über seinen Schatten zu springen. Aber ob der Pontifex kommen würde, dass wusste sie bisher nicht. „Und Aurelius Corvinius wird der Begleiter von Flavia Celerina sein!“ So langsam trudelten nämlich alle Bestätigungen ein und sie steckte bis über beide Ohren in den Vorbereitungen. „Du musst es wohl am Besten wissen, in wie weit die patrizischen Männer Querschädel sind!“ kicherte sie.


    „Du musst ihn mir mal bei Gelegenheit vorstellen, deinen Vetter!“ meinte sie. „Das lässt sich sicher bald einmal einrichten, sobald ich die Feierlichkeiten für Fons überlebt hab!“ zwinkerte sie und nippte etwas an ihrem Becher.


    Calvena strahlte, als Romana dann auf ihren Vorschlag einging. Mit etwas Glück würden sowohl die Claudia, als auch Valerian, ihre Vorbehalte ablegen. „Ich danke dir!“ lächelte sie.

  • „Die Furien? Wieso jetzt nicht?“, fragte Romana. „Vielleicht nicht ein Titel, der Personifizierungen der Bravheit zusteht. Aber, sei mal ehrlich, wollen wir das denn sein?“, fragte sie neckisch. „Und launisch, denke ich, sind die Furien überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich denke, sie haben in ihrer ganzen Existenz nur eine einzige Stimmungslage. Darauf kann man sich verlassen.“ Welche, musste sie wohl nicht erwähnen, als sie Calvena weiter angrinste. „Na gut. War nur so eine bescheuerte Idee von mir.“, winkte sie dann ab, noch immer belustigt.


    Ernster wurde sie, was die Fontanalien anging. „Also ist der Pontifex auch eingeladen. Ich weiß nicht, ob es wirklich Avarus gelungen ist, über seinen Schatten zu springen? Mir drängt sich eher der Gedanke auf, dass er ihn nur eingeladen hat als Formalität, denn es ist mehr als wahrscheinlich, dass der Tiberier ablehnen wird.“, tat sie ihre Meinung kund. „Und Aurelius Corvinus wird kommen? Hmm, dann lerne ich ihn vielleicht endlich persönlich kennen. Aber sag mal, wer soll Flavia Celerina sein?“ Die Flavierin war ja nicht zu den Ludi gekommen, und Romana hatte noch nicht einmal von ihr gehört.


    Als Calvena meinte, sie müsse wohl wissen, dass Patrizier Querschädel sind, lachte sie. „Na ja, da lasse ich einmal meinen Vetter und meinen Vater ausgenommen. Obwohl... nicht einmal bei meinem Vater bin ich mir sicher.“, fügte sie etwas leiser hinzu. „Und natürlich werde ich ihn dir vorstellen. Wann, weiß ich jetzt auch nicht. Es wird sich schon was ergeben.“, war sie sich sicher.


    Romana war eine Frau, die durchaus nicht immer den Idealen des Stoizismus entsprach. Aber sie war nicht so uneinsichtig, wie es manchmal schien. „Es wäre mir viel lieber, diesen Streit zu beenden, anstatt ihn auf ewig weiterschwelen zu lassen, zumal ich dich eh nicht von deiner Heirat abbringen kann.“, lächelte sie. „Jetzt muss nur noch dein Quintilier zustimmen, und vielleicht lässt sich eine Basis aufbauen dabei.“

  • Sie lachte und versuchte sich die Männerwelt vorzustellen, wenn sich der eingeschworene Freundekreis aus jungen Frauen die Furien nannte. „So bescheuert ist die Idee nun auch nicht!“ zwinkerte sie ihr zu.


    Leicht zuckte sie mit den Schultern. „Ich weiß auch nicht so recht was ich davon halten soll, aber ich denke nur das Beste bei den Absichten meiner Verwandten… der Rest wird sich zeigen.“ Meinte sie. Sie hoffte nur, dass der Abend nicht in einer Katastrophe endete, weil alte Zwistigkeiten nicht beigelegt werden konnten. „Aurelius Cornelius habe ich kurz einmal kennen gelernt, er machte einen netten Eindruck auf mich!“ erzählte sie. Romana hatte die Flavia ja noch nicht kennen gelernt. „Nun Celerina ist … schwer zu beschreiben…“, gab sie zu.


    Wieder lachte sie. Auch ihre männlichen Verwandten konnten reichliche Querköpfe sein, sie würde es nur niemals jemanden anvertrauen. Vielleicht Romana und Serrana, aber ansonsten war sie vorsichtig mit solchen Aussagen. „Nur immer mit der Ruhe, sobald du und dein Vetter etwas Zeit haben, können wir ja mal etwas ausmachen!“ schlug sie vor.
    „Valerian bekomm ich schnell überzeugt!“ zwinkerte sie ihrer Freundin zu. „Es gibt kaum einen Wunsch, den er mir abschlagen würde!“ kicherte sie. Sie war sich ziemlich sicher, dass Valerian auch darauf eingehen würde. Sie musste ihn nur dann einmal zur Seite nehmen und ihn vorwarnen. Innerlich seufzte sie auf, zu den Fontinalien würden sie vermutlich kaum ein Wort wechseln können, schließlich war sie Gastgeberin und als sloche ganz schön eingespannt.

  • „Nicht? Das macht Mut.“, lächelte Romana und beließ es dabei.


    „Ich bin selbstverständlich ebenfalls dazu bereit, meine Familie zu verteidigen wie eine Löwin... na ja. Das weißt du jetzt eh.“, meinte sie und zuckte belustigt die Schultern. „Gut, wenn du dir einen Gönner ausgesucht hast, der dir in den Kram passt. Und, dann bemüh dich einfach nicht, sie mir zu beschreiben, ich lasse mich überraschen von ihr.“, lachte sie.


    „Das ist gut. Dann werde ich mit Lepidus darüber sprechen, und zwar ganz sicher.“, versprach sie. „Und dass du dich für mich bei Valerian einsetzen willst, ist lieb von dir. Danke. Ich werde mich zusammenreißen.“


    Romana blickte zum Fenster hinaus, und was sie dort sah, ließ sie erschaudern. Die Sonne stand schon tief. Schon so spät! „Du, Calvena, es tut mir sehr Leid, aber ich muss meine Zeit einhalten. Wenn ich jetzt zu spät zurückkomme, werden sie mich vielleicht gar nicht zu den Fontinalien kommen lassen. Ich muss jetzt also gehen. Es tut mir sehr Leid.“, beteuerte sie. „Aber es war sehr schön, mit dir wieder gesprochen zu haben. Ich werde dich und alle anderen dann bei den Fontinalien sehen, ja? Also, mach es gut bis dahin. Vale.“, sagte sie, erhob sich, und wandte sich zum Gehen um.

  • Ob und in wie fern sich der Freudinnenkreis als die Furien bezeichnen würden, würde die Zukunft zeigen. Das Beste aber daran war, dass sie überhaupt Freundinnen gefunden hatte. Es erleichterte das Leben doch ungemein, mit solchen Verbündeten auf ihrer Seite.


    Sie lächelte ihr Verständnisvoll zu, siewusste wie wichtig die Familie war und ihre eigene hatte sie lieb gewonnen, trotz anfänglicher Schwierigkeiten und einer langen Eingewöhnungszeit. Zwar konnte man sie nicht unbedingt als Mustergültiges Beispiel bezeichnen, aber sie wusste sich zumindest zu benehmen. "Ich weiß, Romana und ich mach dir daraus auch keinen Vorwurf!" erklärte sie ihr und verstand die Claudia nur zu gut. Auch sie leiß ncihts auf ihre verwandten kommen, obwohl ihr durchaus bewusst war, dass diese nicht fehlerfrei waren. "Hoffentlich ist es dann eine gute Überraschung!" grinste sie verschwörerisch. Sie hatte ja Celerina von ihrer zickigen Seite kennen gelernt, wollte aber versuchen mit der Flavia auf einen grünen Zweig zu kommen.


    "Ich kann es doch nicht zulassen, dass meine liebste Freundin mit meinem zukünftigen Ehemann im Klinsch liegt!" lächelte sie und nahm es sich wirklich fest vor, Valerian vorher noch einmal darauf anzusprechen.


    Calvena folgte ihrem Blick und seufzte leise. "Es war schön, dass du da warst!" Sie erhob sich und umarmte ihre Freundin. "Wir sehen uns ja schon recht bald wieder! Ich freu mich schon darauf. Komm gut nach Hause! Vale, Romana!" verabschiedete sie sie.

  • „Domina, da ist eine Einladung für dich gekommen“, erklang es, als Saldir den Kopf hinein steckte. Calvena durchstöberte gerade die Bibliothek auf der suche nach Texten über den Cultus Deorum. „Mhm“, machte sie und schaute hinter einem Regal hervor. „Eine Einladung? Es steht doch kein Fest an, oder“, meinte sie nachdenklich und fragte sich, wer sie denn eingeladen hatte. Die Sklavin reichte ihr die Schriftrolle und entschwand dann, ehe Calvena sie bitten konnte, etwas heißes Wein zu bringen. Kurz betrachtete sie die Schriftrolle, gutes Papier aber kein Siegel. Sie zuckte mit der Schulter und öffnete dann den Brief kurzerhand. Etwas verblüfft überflog sie die Zeilen. Chaerea hatte sie kurz bei den Ludi Romani kennen gelernt, aber wirklich erinnern konnte sie sich an die junge Frau nicht. Dennoch ein leises Lächeln lag auf ihren Zügen. „Saldir!“, rief sie und einen Augenblick später, war die Sklavin auch wieder zurück. „Geh zu Avarus und Sedulus. Frag sie ob sie ebenfalls eine Einladung erhalten haben, ob sie mitkommen und ob ich eine gemeinsame Antwort verfassen soll!“ trug sie ihr auf. „Und bring heißen Wein mit“, fügte sie noch eilig hinzu. Die Sklavin nickte nur und war dann auch sogleich wieder verschwunden. Es dauerte nicht lang und sie kam zurück, dabei hatte sie einen Krug mit heißem Wein und einen Becher. „Dominus Sedulus und dominus Avarus haben ebenfalls Einladungen erhalten. Sie wollen gern mitkommen und es würde sie freuen, wenn du das Antwortschreiben formulierst!“ erklärte sie dann und stellte Krug und Becher auf dem Arbeitstisch ab. Calvena nickte nur. „Danke!“ lächelte sie und suchte erst einmal Pergament, Feder und Tinte zusammen. „Callinax soll nachher den Brief bei der Casa Sergia vorbei bringen!“ wandte sie sich noch einmal an Saldir und entließ diese dann mit einem freundlichen Wink. Sie mochte die Sklaven der Gens und hatte sich mit allen angefreundet.



    Ad
    Sergia Chaerea
    Roma


    Salve Chaerea,


    vielen Dank für Deine wundervolle Einladung. Es wird mir eine Freude sein, dabei zu sein.


    Auch soll ich im Namen meiner Onkel Germanicus Avarus und Germanicus Sedulus Dir ausrichten, dass sie kommen sollen.


    Solltest Du noch Hilfe bei den Vorbereitungen brauchen, werde ich Dir gerne helfen.


    Vale,
    [Blockierte Grafik: http://i687.photobucket.com/albums/vv232/Aine_photos/papyrus3.png]


    Kurz betrachtete sie ihren Brief. Er war nicht wirklich etwas aufregendes, musste er aber auch nicht sein.

  • Nachdem Laevina bereits einige Räume der Casa Germanica durchforstet hatte, stand nun als letztes auch noch die hauseigene Bibliotheca auf dem Programm. Auslöser dieser ausserplanmäßigen Inspektion war das nicht verstummende Gerücht unter den Sklaven , der amtierende Praefectus Urbi habe sich während der Fontinalia mit einem weiblichen Gast auf einem Sessel im Tablinum verlustiert. Nicht zu fassen, da lag man selbst verletzt im Bett und schon gingen allerorts die Orgien los! Kaum hatte sie das besagte Gerücht vernommen, war Laevina wutschnaubend ins Tablinum gestürmt und hatte fein säuberlich die Stoffe und Polster sämtlicher Sitzgelegenheiten auf irgendwelche unappetitlichen Hinterlassenschaften kontrolliert. Zwar hatte sie dort auch nach intensivster Suche nichts derartiges finden können, aber sicher war nun einmal sicher. Und wer wußte schon, wo sich möglicherweise noch überall irgendwelche paarungswilligen Pärchen hinverzogen hatten...


    Laevina öffnete schwungvoll die Tür zur Bibliothek und stutzte, als sie dort ihre Großnichte Calvena erblickte, die offenbar dabei war irgendetwas zu schreiben.


    Die alte Germanica näherte sich dem Schreibtisch, wobei sie automatisch nach beiden Seiten Ausschau hielt, damit ihr auch kein noch so unauffälliger Fleck entgehen konnte.


    "Nanu, was machst du denn hier?" fragte sie dann aufgrund ihrer Überraschung in relativ höflichem Ton.

  • Gerade hatte sie den Brief zu Ende geschrieben, ging auch unvermittelt die Tür auf. Verdutzt hob sie den Kopf und erblickte ihre Großtante Laevina. Hastig schob sie die Einladung über die Antwort. Schon allein aus dem Grund, weil die Alte dazu neigte fremde Briefe zu lesen. Sie verschränkte die Hände auf der Tischplatte und schenkte der Germanica ein falsches Lächeln.


    „Salve Laevina“, grüßte sie und merkte überrascht, dass diese wohl etwas suchte. Kurz sah auch sie sich um, vermisste sie etwa ihren Stock. Doch das leise tock auf den Fliesen verriet ihr, dass der Stock da war wo er hin gehörte. „Suchst du etwas?“ fragte sie und ging gar nicht auf deren Frage ein. Schließlich war sie ihr keine Rechenschaft schuldig warum sie ausgerechnet heute in der Bibliothek saß. Sie durfte sich wann immer sie wollte hier aufhalten. Aber um unnötigen Unfriede zu vermeiden, antwortete sie dann doch.


    „Ich schreibe einen Brief“, erklärte sie dann recht lapidar. Die Zeilen waren gut unter der Einladung verborgen.

  • Laevina war im Moment derart von ihrer Mission in Anspruch genommen, dass Calvenas Geschreibsel sie vermutlich gar nicht weiter interessiert hätte. Die Tatsache, dass das Mädchen da jedoch ganz offensichtlich etwas vor ihr zu verstecken versuchte, weckte dann aber doch Laevinas Neugier.


    "Ja, in der Tat, ich suche etwas." antwortete Laevina grimmig und warf einen gründlichen Blick in alle Ecken des Raums, in denen man es sich unter Umständen gemütlich machen konnte. "Und glaube mir, es wird für alle Beteiligten besser sein, wenn ich nichts davon finde."


    Laevina kam noch ein wenig näher an den Tisch heran und ihre immer noch sehr scharfen Augen erspähten auf dem oben liegenden Blatt die Worte "Einladung" und "Verlobung". "Einen Brief, soso." murmelte sie scheinbar nur mäßig interessiert und wies dann auf das obenliegende Papier. "Um wessen Verlobung geht es denn da? Um deine eigene?"

  • Eigentlich hätte sie genau das Gegenteil machen müssen und ihr Antwortschreiben so offensichtlich liegen lassen müssen, dass Laevina glaubte, es sei etwas unwichtiges. Doch ging ihr dies zu spät auf.


    „Ich verstehe nicht“, meinte sie verwirrt auf Laevinas Kommentar hin, das sie zwar etwas suchte, aber es besser war, wenn sie dann nichts entdeckte. „Willst du mich nicht aufklären?“ fragte sie dann rund heraus und folgte den Blicken der Großtante. Was zum Henker suchte diese und hoffte es nicht zu sehen. Suchte sie etwa Staub oder Schmutz? Das konnte sie vergessen, nach den Fontinalien war das Haus einer gründlichen Reinigung zum Opfer gefallen, kein Raum war verschont geblieben, nicht einmal die Privaträume der einzelnen Familienmitglieder und seit dem befand sich der Haushalt in so etwas wie einem klinisch reinem Zustand.


    Dann kam die unvermeidliche Frage auf de Brief unter ihren Fingern. „Ehm, nein, noch nicht meine...“, ihre Miene wurde etwas freundlicher. In dieser Hinsicht hatte Laevina sie ja bereits unterstützt, entgegen aller Erwartungen. Warum konnte sie jedoch nicht sagen. „Valerian hat seine Heiratserlaubnis noch nicht“, gestand sie ihr und konnte sich nicht erklären warum sie ihr dies erzählte. „Aber sicher bald. Du weißt ja, die Bürokratie hat ihre eigenen langen Wege“, fügte sie dann etwas eilig hinzu. In seltenen Momenten konnten die beiden Frauen miteinander reden, denn oftmals gifteten sie sich an. „Iulius Centho und Furia Calliphana haben sich verlobt. Sie sind Freunde der Familie“, erklärte sie ihr dann. Es zu verheimlichen, wäre zwecklos gewesen. Irgendwie hätte Laevina es auch so heraus gefunden.

  • Laevina überlegte einen Moment lang, ob sie Calvena über den Grund ihres Inspektionsgangs aufklären sollte, entschied sich dann jedoch dagegen. Immerhin hatte sie erst vor ein paar Tagen erfahren, dass es um die Unschuld ihrer Großnichte doch um einiges besser bestellt war, als sie ursprünglich angenommen hatte. Und das war immerhin Grund genug, um ihr die unappetlichen Details dieser Geschichte zu ersparen.


    "Ist nicht so wichtig." antwortete sie daher und machte eine wegwischende Handbewegung. "Ich hab nur nachgeschaut, ob einer der Fontinalia-Gäste hier im Haus vielleicht etwas vergessen hat. Die Sklaven haben da so etwas angedeutet."


    Und der Prätorianer hatte seine Heiratserlaubnis noch nicht? Das war ja mal wieder typisch!


    "Das liegt doch nur an diesen unfähigen Maden in den Verwaltungsbüros." sagte Laevina ärgerlich."Da stecken sie doch ohnehin nur die Kerle hin, die sogar zum Schwert halten zu blöd sind. Vielleicht sollte man denen mal ein bisschen Feuer unter'm Hintern machen..." Eigentlich gar keine so schlechte Idee, bei der Gelegenheit konnte sie endlich mal wieder ein paar angestaute Energien abbauen...


    "Iulius Centho und Furia Calliphana?" wiederholte sie dann nachdenklich und mit gerunzelter Stirn. "Wer ist denn das? Waren die auch bei den Fontinalia dabei?" Die Namen sagten ihr eigentlich gar nichts, aber schließlich war ihr Aufenthalt auf besagtem Fest auch nicht besonders lang gewesen.

  • Laevina antwortete äußerst ausweichend. Leise seufzte Calvena auf, es war sinnlos, weiter danach zu Fragen. Leicht zuckte sie mit den Schultern. „Nun, wenn einer der Gäste etwas vergessen hat, dann haben es sicher die Sklaven bei dem großen Hausputz gefunden und dann dem Besitzer gebracht“, meinte sie und senkte wieder den Blick um die Einladung zu betrachten. „In dieser Hinsicht brauchst du dir keine Sorgen machen. Unsere Sklaven sehr zuverlässig!“


    Es erstaunte sie immer noch, dass Laevina in der Hinsicht auf ihre Hochzeit, auf ihrer Seite war und sich ebenso über diese lästigen Kleinigkeiten ärgerte, wie sie selbst. Doch ob sie sich über diese überraschende Unterstützung freuen sollte, wusste sie nicht. Sie blieb skeptisch. „Deine Unterstützung in Ehren, aber ich halte es für keine gute Idee, wenn du wutentbrannt in ein Büro stürmst. Das wirft kein sonderlich gutes Licht auf die Gens“, warf nachdenklich ein. „Alles hat seine Rechte zeit und wir können uns gedulden!“ fügte sie hinzu.


    „Furia Calliphana ist eine Freundin von mir“, erklärte sie. „Iulius Centho war nicht nur zu den Fontinalien hier im Haus, sondern auch um Unterstützung für die Wahlen zu bekommen“, berichtete sie.

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