[Architekt] Daidalos' Labyrinth

  • Apollonius kam zielstrebig die Gasse auf das Forum zu. Unter seinem Arm trug er einen Bündel mit Schriftrollen. Suchend sah er sich auf dem Forum um und blieb verwirrter Miene stehen. Nach einigem weiterem Suchen wandte er sich an einen Markthändler. "Salve, ich suche Daidalos' Labyrinth. Kannst Du mir sagen, wo das liegt?"


    Der Händler musterte Apollonius kurz verächtlich. "Dort hinten, Grieche!" erwiderte er mit einem stark iberischen Akzent. Apollonius hob nur kurz seine Augenbraue und wandte sich um. Da lag es auch schon. Das kleine Gebäude von Daidalos' Labyrinth. Energisch schritt Apollonius auf das Haus zu und klopfte. Dabei störte es ihn gar nicht, dass die Fensterläden geschlossen waren und auch kein Licht von innen nach draußen drang.


    Es dauerte eine Weile, Apollonius wippte dabei etwas ungeduldig auf seinen Zehenballen, bis dann die Tür geöffnet wurde. Ein älterer Mann in abgewetzter Kleidung, einem weißen Bart und spärlichem Haarwuchs spähte hinaus. Seinen Augen blinzelten ein paar Mal kurzsichtig, damit er Apollonius besser erkennen konnte. "Ja?" fragte er schließlich.


    Apollonius musterte den Mann. "Ich suche Ionakos, den Architekten. Ist das hier Daidalos' Labyrinth?" Der alte Mann besah sich Apollonius und schwieg für einen Moment. "Kommt herein!" murrte er schließlich und öffnete die Tür.


    Die Arbeitsräume waren düster, da nur spärliches Licht durch die Fensterläden auf die großen Holztische fielen, auf denen alte Modelle aus Holz standen, die jedoch verstaubt und etwas ramponiert aussahen. Große Tafeln an den Wänden zeigten die Bauten, die jener Architekt schon verwirklicht hatte. Nicht viele Bedeutende, aber doch eine ansehnliche Sammlung.


    Der alte Mann nahm die Öllampe, die er neben den Eingang gestellt hatte und führte Apollonius nach hinten, nicht ohne vorher wieder sorgfältig die Tür verschlossen zu haben. An einem der Tische blieb er stehen und wandte sich zu dem Medicus.


    "Worum geht es denn?" fragte er barsch. Apollonius Augenbraue wanderte hoch. "Bist Du Ionakos?" fragte er. Der Alte lachte kurz und schüttelte den Kopf. "Nein, mein Name ist Phokas, ich arbeite hier! Nun?"


    Der Medicus schwieg und erwiderte nach einigen Herzschlägen. "Ich bin wegen einigen Auskünften hier. In einigen Tagen möchte ich die Prüfung zum Architekten ablegen an der Schola. Da ich jedoch keine Ahnung über diese Materie habe, dachte ich mir, dass Ionakos mir vielleicht weiter helfen könnte." Er räusperte sich. "Also, die Bibliothek ist etwas spärlich mit der Architektur und ehrlich gesagt versteh ich von dem Gebiet rein gar nichts. Was ist zum Beispiel der Unterschied zwischen einer Ionischen und einer Korinthischen Säule und warum hat das überhaupt eine Bedeutung?"


    Phokas starrte ihn mißmutig an. "Hah...dann wollt Ihr also Architekt werden? Und das in Eurem Alter?" Er sah Apollonius etwas verächtlich an.


    Dieser erwiderte den Blick erst mit Erstaunen, dann mit Ärger. "Eigentlich hatte ich in keinster Weise vor diesen Beruf auszuüben. Ich bin Medicus und möchte eine Dissertation über mein Gebiet verfassen. Dafür muss ich jedoch leider diesen Kurs absolvieren." Selten sah man einen solchen Ärger in Apollonius Gesicht, aber sein Alter betreffend, war der Gute wohl etwas empfindlich.


    Phokas verzog den Mund und zuckte mit der Schulter. "Soso!" meinte er. "Aber ihr kommt zu spät!" grummelte er zur Antwort. Erstaunt schüttelte Apollonius den Kopf. "Zu spät? Was meinst Du damit?" Phokas schniefte betont und falsch. "Ionakos ist vor einigen Wochen in die elysischen Gefälle gewechselt...auf jeden Fall wandelt er jetzt in der Unterwelt! Somit wird er Dir kaum Auskunft geben könne. Es sei denn, Du versuchst es beim Orakel der Hekate." fügte er trocken an.

  • "Oh...!" murmelte Apollonius betreten und ignorierte die spitzfindige Bemerkung von Phokas. Bedrückt kratzte sich Apollonius den Bart und sah Phokas fragend an. "Hatte Ionakos vielleicht Schriften über die Architektur, die ihr mir abtreten könntet?"


    Phokas Augenbraue wanderte hoch und er sah Apollonius genervt an. "Wartet mal einen Moment!" Mit einen finsteren Blick auf den Medicus, der ihn zu solchen Anstrengungen nötigte, stand Phokas auf und verschwand in einem Hinterraum. Apollonius ging in dem Raum umher und blieb bei den Modellen stehen. Seine Finger strichen über das Modell und dicke Staubflocken blieben an ihnen hängen. "Hmm...!" murmelte er noch mal und besah sich einige der Tafeln an der Wand.


    So merkte er gar nicht, dass eine Frau den Raum betrat, gefolgt von Phokas. "Chaire!" grüßte ihn die Frau auf Griechisch. Apollonius drehte sich um und blinzelte verblüfft. So stand in dem Raum eine dunkelhaarige, schöne Frau. Apollonius lächelte und ging auf sie zu. "Chaire, meine Dame!" erwiderte er ebenso auf Griechisch. Die Frau nickte ihm knapp zu. "Ich habe gehört, Ihr seid an den Aufzeichnungen meines verstorbenen Mannes interessiert?" Apollonius nickte leicht. "Erst mal mein Beileid, meine Dame! Aber ja, sollten solche vorhanden sein, wäre ich sehr daran interessiert!" Die Frau nickte. "Folgt mir doch!" Sie führte Apollonius zu einem Flur, welcher durch einen Vorhang von dem vorderen Raum getrennt war. Würdevoll ging sie auf ein Tür zu und öffnete diese. Dahinter lag ein großer Raum, der licht war und einige Regale beherbergte. Dort lagen einige Papyri und Tafeln. Lächelnd ging Apollonius darauf zu und besah sich die Dinge dort.


    Die Frau musterte Apollonius, der ihr den Rücken zuwand, berechnend. "Und, möchtet Ihr die Schriften haben?" Apollonius drehte sich um und nickte. "Ja, auf jeden Fall. Aber natürlich bezahle ich dafür!" Er kramte in seiner Tasche und sah die Frau an. "Wieviel möchtet ihr dafür haben?" Die Frau betrachtete ihn eine Weile. Hinter ihr stand Phokas, der gequält und traurig auf die Schriften sah. "850 Sesterzen!" meinte sie schließlich. Apollonius, der schon seinen Beutel aufmachen wollte, blinzelte und sah sie erstaunt an. "850?" fragte er heiser und erstaunt.


    Die Frau nickte leicht lächelnd. "Ja, aber dafür bekommt ihr noch dieses Haus, die Lizenz meines Mannes und..." Sie deutete auf Phokas. "meinen Sklaven, der ein Gelehrter der Architektur ist. Sprich, ein Schnäppchen für Euch. Ich will nicht mehr in diesem Land bleiben, sondern in meine Heimat zurück kehren." Hinter ihrem Rücken starrte Phokas entsetzt auf Apollonius. Man sah ihm an, dass er die Vorstellung, Apollonius zu gehören, wohl ganz und gar nicht mochte. Auch Apollonius erwiderte den Blick auf die gleiche Weise. Dann sah er zu der Witwe. "Ähm..." konnte er nur hervorbringen...

  • Nach einigen Momenten bei denen Apollonius die Witwe des Architekten nur sprachlos anstarrte, brachte er noch mal ein würdeloses und erstauntes "Ähm...!" hervor. Der sonst recht eloquente Medicus sah sich nachdenklich und schweigend in der kleinen, privaten Bibliothek des Architekten um. Langsam ging er die Regale entlang, holte mal das ein oder andere Schriftstück hervor.


    Die Witwe wartete geduldig und musterte Apollonius mit verschränkten Armen. Schließlich drehte sich Apollonius um. Sein Blick ging über Phokas, der seine Finger in den Holzrahmen gekrallt hatte. "Und er ist ein Baumeister?" Die Witwe nickte und erwiderte. "Ja, er ist sein ganzes Leben lang schon Sklave der Familie meines Mannes. Mein verstorbener Gatte hatte ihn schon aus Griechenland mitgebracht. Phokas hat das Handwerk des Baumeisters von meinem Schwiegervater gelernt!"


    Apollonius nickte skeptisch. "Hmh...850..." kam noch mal aus seinem Mund. Er schwieg für eine Weile, sah noch mal sehnsuchtsvoll auf die Schriftrollen, dachte über seine derzeitigen finanziellen Möglichkeiten nach und nickte schließlich lahm. "Nun, ehe ich mein Geld dem Staat abdrücken muss. Also gut!" Die Witwe strahlte auf. "Ihr werdet das bestimmt nicht bereuen, Medicus!" Phokas Blick hinter ihr versprach jedoch etwas anderes. Seine Augen durchbohrten Apollonius wütend.


    Die Witwe derweil fuhr fort. "Ich hole gleich die Besitzurkunde von Phokas und dem Haus hier. Habt ihr das Geld dabei?" Apollonius seuftze schicksalsergeben. Eigentlich hatte er das Geld in eine schöne Buchsammlung stecken wollen, welche ihm schon vor einigen Wochen ins Auge gefallen war. So nickte er nur und holte tief aus seiner Tasche einen schweren Geldbeutel hervor. "Wir haben schon lange kein Geschäft mehr gemacht!" meinte Phokas, während die Witwe die Schriftrollen holte. "Das Gewerbe lohnt sich hier nicht wirklich. Ihr werdet nur Verlust machen..." fügte er hastig an. Apollonius hob den Blick von seinem Beutel, als er das Geld abzählte und sah ihn für einen Moment nur schweigend an, ehe er sein Werk fortsetzte.


    Etwas später kam die Griechin zurück. Sie reichte Apollonius drei Schriftrollen. "Dabei ist auch die Lizenz der Aedilen zum Führen dieses Geschäftes. Schaut ruhig nach, ob alles seine Ordnung hat. Ich zähle derweil das Geld!" Sie lächelte glücklich darüber, das Haus doch noch losgeworden zu sein und fing an, sich die Sesterzen aus dem Beutel von Apollonius abzuzählen. Dieser musterte aufmerksam die Schriftrollen. Die Witwe hob ihren Blick und lächelte. "Das Geld stimmt! Mit den Urkunden zufrieden?" Apollonius nickte nur langsam. Die Frau lächelte und streckte ihm die Hand entgegen. "Dann wünsch ich Euch viel Erfolg!" Sie packte den Geldbeutel. "Schlüssel und alles andere wird Euch Phokas geben. Er kennt sich hier sowieso besser aus! Lebt wohl!" Mit den Worten rauschte sie aus der kleinen Bibliothek heraus.


    So blieben nur der schweigende Apollonius zurück, der immer noch nicht ganz fassen konnte, jetzt das Haus erworben zu haben und einen grimmig drein blickenden Phokas. Nach einigen Sekunden sah Apollonius zu Phokas. "Also gut, die Dinge sind nun mal so...versuchen wir miteinander auszukommen. Zeig mir jetzt erst mal das Haus und dann gib mir den Schlüssel. Ich komme in den nächsten Tagen dann wieder vorbei!" Phokas nickte grimmig und führte Apollonius schweigend herum, reichte ihm den Schlüssel. "Ich hab kein Geld für Brot mehr und wie sieht es mit den Geschäftsangelegenheiten aus....Herr!" Das letzte Wort spuckte er voller Verachtung hervor. Apollonius starrte ihn einen Moment erstaunt an, dann holte er einige Sesterzen hervor und reichte sie ihm. "Ich komme in ein paar Tagen wieder!" Mit den Worten verließ er eilends und mit brummendem Schädel das Haus.

  • Der Weg von der Schola zu diesem Haus war nicht sonderlich weit, aber gespickt mit vielen Händlern, Bettelkindern und einkaufender Bevölkerung. Schließlich trat Apollonius mit Valeria vor die Tür von Daidalos' Labyrinth. Das Schild hing ruhig und die Fensterläden waren immer noch verschlossen. "Es liegt praktischerweise direkt am Forum. Der Umstand ist doch für Dich auch sehr günstig, nicht wahr?" Apollonius kramte nach seinem Schlüssel, während er sprach. "Ich hab ihn gleich..." murmelte Apollonius und suchte in seiner Ledertasche weiter.

  • Valeria, die ein weiches Herz hatte, hatte unterwegs einigen Kindern ein paar Sesterzen zugesteckt und weiterhin über Iuno geredet. Ganz rosige Wangen hatte sie davon bekommen. Nun sah sie sich das Gebäude an, an dem ein Schild befestigt war, dass in geschwungenen Lettern den Namen Daidalos' Labyrinth verkündete. Valeria wandte sich an den Medicus.
    "Daidalos' Labyrinth? Was ist das? Ein Architekt?"

  • "Daidalos, eigentlich heißt er Daedalus, war zur Zeit König Minos, König von Kreta, ein berühmter Gelehrter und Ingenieur. Aber auch Architekt. Er hat im Auftrag des Königs das berühmte Labyrinth des Minotauren erbaut!" erklärte Apollonius, während er weiter nach dem Schlüssel suchte. "Der Name ist wohl eine Anspielung auf seine architektonischen Werke. Du hast sicherlich von Daidalos Flucht von Kreta mit seinem Sohn Ikarus gehört. Der Flug und der Sturz des Ikarus, der versuchte zur Sonne zu fliegen?"


    In dem Moment zückte er einen großen Schlüssel mit einem fransigen Schlüsselbart und einem verschnörkelten Griff. "Ich wußte doch, dass ich ihn eingesteckt hatte!" So schloss der Medicus die Tür auf und führte Valeria in den noch düsteren großen Vorraum.


    In der Mitte des Raumes standen große Tische, auf denen verschiedenste Holzmodelle von Insulae bis Villae aufgebaut waren. Über allem lag jedoch eine dicke Staubschickt. An den Wänden hingen Tafeln mit Bauten aus Tarraco, die wohl in diesen Arbeitsräumen geplant wurden. Es waren nicht viele, aber doch eine kleine ansehnliche Zahl. Das letzte Gebäude, was jedoch dort datiert stand, lag schon ein Weilchen her.


    Apollonius hustete als er etwas Staub mit seinem Gewand aufwirbelte. "Das muss noch geputzt werden..." murmelte er unnötigerweise. In dem Moment trat von einer Tür, die nur mit einem Vorhang verschlossen war, ein älterer Mann herein, der recht hagere Gesichtszüge hatte. Er starrte Apollonius vorwurfsvoll an. "Ihr habt Euch ja reichlich Zeit gelassen!" sagte dieser Mann barsch zu Apollonius. "Und wer ist bitte das? Eure Ehefrau? Das fängt ja schnell an und bald wimmelt es hier nur so von kleinen Gören!" Der Mann sah Valeria etwas skeptisch an und musterte sie von oben bis unten.


    Apollonius rollte genervt mit den Augen. Er sah zu Valeria. "Valeria, das ist Phokas. Er ist Sklave und ich hab ihn leider mit beim Kauf dieser Räumlichkeiten übernehmen müssen." Er sah angestrengt zu Phokas. "Das ist Decima Valeria, Curator der Schola Hispaniae und nicht meine Ehefrau!" Apollonius flüsterte leise zu Valeria. "Es tut mir leid. Phokas ist ein unverschämter Kerl. Er denkt wohl, weil er sich mit der Architektur auskennt, darf er sich alles erlauben!"

  • "Ah, ja, Daedalus...der Name sagt mir schon mehr als der Griechische. Ich gebe zu, Griechisch lernte ich wohl, aber mit der Übersetzung der Namen hapert es doch immer etwas... Und die Geschichte des Ikarus ist mir bekannt..."


    Sie betrat hinter Apollonius einen dunklen Raum, in dem verschiedene Bauwerke in Miniaturgröße standen. Interessiert ging Valeria im Raum umher. Vielleicht nützte ihr das ja für ihren Architekturcursus...
    "Hast DU die entworfen?" fragte sie den Medicus leicht verwundert und deutete auf die kleinen Bauwerke. Da kam ein Mann herein und begann sogleich zu meckern. Valeria schmunzelte und unterdrückte ein Kichern, als dieser Mann dort sie für die Frau Apollonius' hielt. Der Medicus stellte die Sachlage leicht genervt richtig - und Valeria lächelte Apollonius an, als sie seine geflüsterten Worte vernahm.


    "Salve, Phokas! Du scheinst dich ja gut mit der Architektur auszukennen", sagte sie freundlich.

  • Phokas verschränkte die Arme und starrte Apollonius noch mal giftig an. Dann rang er sich soetwas wie ein höfliches Lächeln ab und nickte Valeria zu. "Salve, junge Dame!" grummelte er, so dass man ihn kaum verstehen konnte. "Ja, ich beschäftige mich schon mein ganzes Leben lang mit diesem Handwerk!" Sein Tonfall wurde etwas höflicher ihr gegenüber.


    Apollonius räusperte sich. "Ich zeig Dir mal die hinteren Räume. Die könnten wir wohl am Besten nutzen." Phokas sah ihn mißtrauisch an, schwieg jedoch erst mal.


    "Ich habe Daidalos' Labyrinth erst vor einigen Tagen gekauft. Die Modelle sind noch von dem Architekten, dem das vorher gehört hat. Aber gehen wir nach hinten..." fügte Apollonius an. Er führte Valeria zu dem Vorhang, welchen er zur Seite schob. Dahinter zeigte sich ein langer Flur, der am Ende in einer Hintertür endete. "Es gibt hier eine kleine Privatbibliothek des verstorbenen Architekten. Dann einige Räumlichkeiten, die wohl für seine Schreibarbeiten, private Zwecke und ähnliches genutzt wurde."


    Apollonius führte sie an einigen Hinterzimmern vorbei und schließlich zu einem Durchgang. "Hier hat der Architekt mit seiner Frau gewohnt!" fügte er an und öffnete die Tür. Dahinter war ein großes Schlafzimmer zu sehen. Ein großes Bett zierte die Mitte. Das Zimmer hatte zwei große Fenster, deren Läden auch geschlossen waren. "Das könnte das Behandlungszimmer werden!"


    Phokas, der mit Argusauge den Beiden gefolgt war, erstarrte. "Behandlungszimmer?" fragte er empört. Apollonius schien ihn jedoch ignorieren zu wollen.

  • Valeria nickte dem Sklavin freundlich zu und folgte dann Apollonius in den hinteren Bereich des Gebäudes. Sie sah sich um, lauschte dabei Apollonius' erklärenden Worten und nickte gelegentlich. Schließlich langten sie an den Privaträumen des Architekten an. Valeria trat in den Raum und besah ihn sich genau. Natürlich musste er noch etwas aufgebessert und hergerichtete werden, aber wenn dies geschehen war, wäre es sicher ein gutes Behandlungszimmer. Sie sagte ersteinmal nichts, sondern trat zu den Fenstern und öffnete mit einem scheinbar befreienden Ruck die Läden. Sonnenlicht strömte in hellen Strahlen durch das Fenster und ließ den Raum gleich viel freundlicher erscheinen. Valeria nickte begeistert.


    "Ja, ich bin sicher, das wäre ein ganz famoses Behandlungszimmer! Wo, dachtest du, sollen die Patienten warten, wenn nicht gleich Zeit für sie ist? Vielleicht könnte man diese Privatbibliothek nutzen, dann könnten sich die Leute die lästige Warterei mit Lektüre verkürzen", überlegte sie laut.

  • Apollonius, der gerade mit seinen Fingerspitzen ein altes Kleidungsstück, welche die Vorbesitzer zurückgelassen hatte, aufhob und in eine Ecke warf, hob erstaunt den Blick. Sein Mund öffnete sich, er wurde blass, was in dem nun gut erleuchteten Zimmer sehr deutlich wurde. "Die Leute in der Bibliothek warten lassen...? In den Schriften lesen lassen...?" kam es flüsternd fast wie ein Echo aus ihm raus. Er richtete sich auf und wartete wohl darauf, dass Valeria ihm erzählte, dass das nur ein Scherz war. Als nichts dergleichen kam, räusperte er sich und erwiderte, heiser ob des Entsetzens das da mitschwang: "Diese Barbaren an die Schriften lassen...?" Sein Mund war immer noch leicht geöffnet und so deutliche Gefühlsregungen- Entsetzen, Grauen und wieder abgrundtiefes Entsetzen- war in seinem Gesicht abzulesen. "Nein...das geht nicht!" meinte er leise, fast bedächtig.


    Phokas beobachtete im Hintergrund fasziniert Apollonius Wandel und man sah ihm an, dass er sich diese 'Schwäche' des Medicus mit Sicherheit merken würde. Apollonius derweil sank auf einen Schemel, der mit sehr feminin angehauchten Stoff bezogen war, und zierliche Füßchen aufwies. Diese bogen sich auch unter dem Gewicht des nicht ganz schlanken Medicus.

  • Valeria schmunzelte. Vielleicht sollte sie ihre kompletten Gedankengänge darlegen, ehe Apollonius noch einen Herzinfarkt bekam... Sie ging also auf ihn zu und legte ihm freundlich lächelnd eine Hand auf den Unterarm.


    "Mein lieber Apollonius", sagte sie.
    "Was, wenn es nicht die Originalschriften wären, sondern Abschriften? Ich bin sicher, man könnte einiges einfädeln...was, wenn du die Originale der Bibliotheca zur Verfügung stellst, gegen....sagen wir....eine Abschrift?"


    Sie sah ihn an und musste wieder schmunzeln, als er sich nun auf einem Hocker niederließ, der sein Gewicht gerade noch so zu tragen schien. Dabei war er doch gar nicht sooo schwer...fand sie. Dann ging sie wieder zum Fenster und atmete laut hörbar ein und aus.


    "Es ist schön hier. Und mit etwas mehr Farbe und einigen Veränderungen wird sich ein Kranker sicher schon besser fühlen, wenn er nur zur Tür hereinkommt!"

  • Langsam kehrte wieder etwas Farbe in Apollonius Gesicht zurück. Er schien den Schock langsam zu überwinden. "Ja, ich werde ein paar Abschriften herstellen lassen..." Sein Blick fiel dabei auf Phokas, der starr und voller tiefer Abneigung auf Apollonius schaute und demonstrativ woanders hinsah. Wohl um Apollonius zu ärgern, sah Phokas dafür plötzlich Valeria freundlich lächelnd an...auf jeden Fall schien das Apollonius so.


    Der Medicus stand auf und trat an das Fenster heran. "Ja, ich hab hinten in einem der Zimmer noch einige Farbtöpfe gesehen...und ich hab von meiner Imkerei noch ein paar Hände, die ich zum malen abstellen kann." Er sah nachdenklich auf den Raum, als ihm ein Gedanke kam. Schnell fügte er an. "Einige Sklaven, die ich vor ein paar Wochen gekauft habe...nicht nur die Hände!" Anscheinend dachte er, dass man sich bei einem Anatom ja alles vorstellen könnte.


    Dann lächelte er tatsächlich. "Gut, dann wird das hier das neue Iatreion! Wie sollen wir es nennen?" Er sah Valeria etwas ratlos an.

  • Ein beinahe gütiges Lächeln trat auf Valerias Züge, als sie sah, wie Apollonius sich etwas entspannte. Scheinbar gedachte er Phokas die Aufgabe der Abschriften zu, der wohl seinerseits schon wusste, was ihm blühte und den Medicus mit einem bitterbösen Blick bedachte. Die junge Frau hingegen sah er freundlich an und lächelte sogar. Valeria musste sich ein Grinsen verkneifen. Nun kam Apollonius zu Valeria ans Fenster und berichtete ihr von den Farbtöpfen und helfenden Händen. Hätte er seine Worte nicht schnell noch erklärt, wäre es Valeria gar nicht aufgefallen, wie dieser Ausspruch noch zu verstehen gewesen war. So aber lachte sie herzlich und schüttelte amüsiert die blonden Locken.


    "Apollonius, du bist mir einer", sagte sie kichernd. Wenn man bedachte, dass er ihr Großvater sein konnte und sie sich erst wenige Wochen kannten, so waren das schon ziemlich vertraute Worte, aber Valeria konnte einfach nicht anders und musste sie sagen. Auf seine folgende Frage hin wurde sie jedoch rasch wieder ernst.


    "Iatreion, Iatreion....hmm..ein Name.... nun, da mir sofort Hippokrates in den Sinn kam - wie wäre es mit 'Casa Hippocratica'? Obwohl....hmmmmmm"
    Fragend sah sie ihn an.

  • "Einer?" fragte Apollonius verwirrt. Er nickte zerstreut und wischte geistesabewesend etwas Staub vom Fensterbrett. Vorwurfsvoll sah er zu Phokas, als ob dieser noch hätte putzen sollen. Langsam holte er ein Taschentuch hervor und putzte seine Finger sorgfältig ab und sah angewiedert auf den 'Dreck' auf dem Taschentuch. Seufzend steckte er es sich weg.


    "Hol uns etwas Wein, Phokas!" Er holte dabei einige Münzen hervor und warf sie Phokas zu. Dieser verschränkte die Arme vor der Brust, so dass die Münzen vor seine Füße fielen, drehte sich um und ging schweigend nach draussen. Etwas fassungslos starrte Apollonius seinem aufsässigen Sklaven hinter her, beschloss jedoch nichts zu sagen. So wandte er sich wieder Valeria zu.


    "Casa Hippocratica? Das klingt schon gut, aber meinst Du dann, dass der volle Name, Iatreion- Casa Hippocratica wäre?"

  • Valeria lachte und betrachtete dann noch einmal voller Vorfreude den Raum.
    "Weißt du, ich überlege, ob ich mich nicht auf die Frauenleiden spezialisieren sollte..." dachte sie laut nach. Apollonius' Bitte nach Wein unterbrach sie in ihren Gedanken. Sie beobachtete, wie Phokas sich unverschämterweise umdrehte und die wenigen Sesterzen einfach auf den Boden fallen und liegen ließ. Während sie Apollonius antwortete, ging sie zu den Münzen und hob sie auf.
    "Hmm... Iatreion- Casa Hippocratica wäre etwas seltsam, in der Tat. Wie wäre es mit Iatreion Hippocratica, ohne Casa?"
    Phokas kam wieder mit zwei Bechern in der Hand. Einen gab er dem Medicus, den anderen Valeria - die den Becher quasi mit den Mpnzen austauschte, ehe sie sich wieder zum Fenster und damit zu Apollonius gesellte. Phokas sah auf die Münzen in seiner Hand, dann zu Valeria und schließlich nachdenklich zu Apollonius.



    Sim-Off:

    Ist "Iatreion Hippocratica" grammatikalisch korrekt? Also, weil es ja Griechisch und Latein gemixt ist.....nech? :D =)

  • Etwas erstaunt musterte Apollonius Phokas. Beide Männer starrten sich für einen Moment an, als ob sie sich noch mal einschätzen wollte. "Danke!" murmelte Apollonius kurz und sah auf den Becher in seiner Hand. Phokas schwieg jedoch und ging wieder aus dem Zimmer heraus. Der Medicus sah noch einen kurzen Moment auf die Stelle, wo sein Sklave gestanden hat.


    "Ein seltsamer Kerl! Naja, er kommt wahrscheinlich aus Athen." meinte Apollonius noch und wandte sich wieder um. "Iatreion Hippocratica? Eine Verbindung zwischen einem griechischen und einem lateinischen Wort? Wäre sehr bezeichnend für unser Iatreion!" Apollonius nickte leicht lächelnd. "Wir könnten es auch Hippokrates Iatreion nennen!" Er trank einen Schluck Wein und stellte den Becher auf der Fensterbank ab. "Das mit dem Namen ist gar nicht so einfach." murmelte er leise in seinen Bart.


    Er nahm seine Tasche von der Schulter und stellte sie neben das Bett. "Ich dachte auch daran, als Chirurg und Wundheiler in erster Linie tätig zu sein." fügte Apollonius hinzu. "Mir ist noch ein Gedanke gekommen...wie wär es, wenn wir noch Matinius Cicero fragen, ob er nicht daran interessiert wäre, hier mitzuarbeiten?"

  • Valeria grinste und kicherte:
    "Man muss nur wissen, wie man mit den Griechen umgeht..."
    Sie zwinkerte Apollonius zu und verdeutlichte so, dass ihre Worte als kleiner Scherz gedacht waren. Zu Apollonius weitern Worten nickte sie.
    "Ob Iatreion Hippocratica oder Hippokrates Iatreion überlasse ich dir. Es ist im Endeffekt nur eine andere Abfolge der Worte - und außerdem hattest du diese fabelhafte Idee, was das Iatreion angeht."
    Nun war es Valeria, die sich mit dem Becher in der Hand auf dem Schemel niederließ. Nachdenklich nickte sie.
    "Also Chirurg, Wundheiler und Frauenheilkunde. Schon mal eine gute Mischung."
    Dann musste sie lachen.
    "Ja, lass uns Cicero fragen! Er erscheint mir durchaus geeignet, der Dritte im Bunde zu sein!" meinte sie begeistert.
    "Schreiben wir ihm einen Brief oder...ach, eigentlich könnten wir auch vorbeigehen...

  • "Ja, ja, wir Griechen sind schon ein seltsames Völkchen, nicht wahr?" Wider seiner sonstigen Gewohnheiten musste Apollonius leicht schmunzeln. Wahrscheinlich steckte Valeria ihn doch glatt mit ihrer fröhlichen Art an. "Komm Zeit, kommt Rat...das mit dem Namen müssen wir ja noch nicht sofort entscheiden. Die Bauarbeiten kommen zuerst!"


    In seinen Gedanken überschlug Apollonius schon die Planung, die Kosten und die Zeit, die es in Anspruch nehmen könnte. Zerstreut sah er dabei sich im Raum um. "Ich denke, ein persönliches..." Er bügte sich, hob einige Papyri hoch, die unter das Bett gerutscht waren und musterte sie mit Erstaunen und auch Entsetzen, wie man nur mit Schriftstücken so umgehen konnte, ehe er fortfuhr. "...ahm..ja ein persönliches Gespräch ist wohl das Beste. Soll ich mit ihm sprechen oder willst Du das tun, Valeria?"

  • Valeria grinste und nickte dann.
    "Ja, natürlich", pflichtete sie ihm bei.
    "Was Cicero angeht, so würde ich gern mit ihm sprechen, nur fehlt mir dazu leider die Zeit. Ich muss nach Rom und meinen Ius Iurandum ablegen, außerdem wird der Tempel der Venus eingeweiht und - nun ja, zum Orkal möchte ich auch. Ich werde mich sputen und hoffe, dass ich schnell wieder in Tarraco bin. Es wäre mir also ganz lieb, wenn du Cicero fragen könntest."



    Sim-Off:

    Wenn du schon weiterschreiben möchtest, schreib mich einfach mit (Val geht dann irgendwann) - ich muss schon jetzt los nach Rom, weil ich erst nach 12 wieder heimkomme heut ;)

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